Birken sterben durch anbohren

  • Hallo zusammen,


    ich habe einen Beitrag gelesen den ich gerne mit euch Teilen möchte (leider auf Englisch). Es geht darum, dass mit der falschen Methode des Birkenwassersammelns die Bäume nach spätestens 6 Jahren abgestorben sind.


    Fazit des Autors ist:

    The auger method kills trees. However much you try to plug the hole and even using sterilised watertight corking and birch wood cut from the same tree. Six years later it all has the same effect. Dead trees rotted from the inside out.


    Hier geht es zum Artikel:
    http://www.britishblades.com/f…Truth-about-Birch-tapping

  • Die oben genannte Technik habe ich auch schon mal an drei Birken in einem "meiner" Wälder gesehen. Der gesunde Menschenverstand verbietet eigentlich schon von alleine solche Aktionen. Grundsätzlich muss man ja auch sagen, dass das Anzapfen von Birken für den deutschen Bushcrafter / Survivler nicht unbedingt eine ständig überlebensnotwendige Tätigkeit ist. Vorsichtig ausporbieren, üben und wissen wie man es persönlich am Besten hin kriegt. Man muss das aber auch nicht "in der Saison" andauernd machen. Schonender Umgang mit den natürlichen Ressorcen sollte für jeden ganz oben im Pflichtenheft stehen.

    "Das Leben leicht tragen und tief genießen ist ja doch die Summe aller Weisheit." Wilhelm Humboldt, 1767-1835

  • Den noob würde ich nicht als Referenz ansehen. Ich habe mir den ganzen verlinkten Text durchgelesen, mir die Bilder angeschaut und dann meinen Kopf eingeschaltet....
    Betrachten wir uns die von dir eingefügten Bilder mal genauer.
    Die Breite des Daumens in Relation zur Dicke des Stöpsels. Dieser Held hat zum Bohren einen Bohrer im Bereich 30mm, ich würde sogar grösser (32 oder 34mm) benutzt. Im Anschluss einen Blick auf den Stamm. Stamm-Loch Grössenverhältnis... Stammgrösse nach Rindenstruktur.... Lochtiefe...
    Dieser Volldepp hat einen ü30er Bohrer in einen Birkenstamm mit unter, evtl. knapp, 20cm Stammdurchmesser gewürgt. Ich denke es erklärt sich von selbst das dies bei einem so dünnen Baum einen recht grossen Schaden bedeutet mit der damit verbundenen Chance das der Baum bleibende Schäden davonträgt. Dazu kommt das er das Loch nur mit einem Stöpsel zu gemacht hat, anstatt mit einem Rundholz das das Loch zum Grossteil ausfüllt. Das in dem grossen, flüssigkeitsgefüllten Bohrloch dann die Sauerei losgeht versteht sich auch von selbst.
    Der Typ hat ein Video angeschaut (das von Ray Mears hat er sogar verlinkt) und nachgeplappert ohne selbst nachzudenken. Rsultat, es ging in die Hose, und anstatt zu verstehen das er sich blamiert hat, und anstatt das er evtl. mit Internetunterstützung versucht seinen Fehler zu finden, stellt er sich ins Internet und stellt Gesetzmässigkeiten auf.
    Noch Fragen Kienzle? Nein Hauser. (die älteren werden es verstehen)


    Gruss


    P.s.: Morgen schmeiss ich übrigens eine etwa 40 Jahre alte Birke um in die vor 8 Jahren +x ein Blitz rein ist (denke ich zumindest, das war vor meiner Zeit) der die Borke der Länge nach geschlitzt hat. Trotzdem ist sie weiterhin gut gewachsen (jetzt 4 Jahre unter meiner Aufsicht), aber an der Basis hat sich im Laufe der Jahre ein Loch gebildet wo das Stammholz schwammig wurde. Jetzt schmeisse ich sie lieber kontrolliert um bevor sie vom Wind unkontrolliert gefällt wird. Was ich eigentlich damit sagen will: So leicht stirbt keine Birke wegen einer oberflächigen Verletzung ab.


    P.s.: Bei IKEA gibt es in der Lebensmittelabteilung manchmal Sirup oder Saft aus Birkenwasser.... dafür dürften jedes Jahr schon ein paar Tanklastzüge Birkenwasser benötigt werden....

  • Was Supi sagt kommt mir auch eher Sinnvoll vor..
    Allerdings würd ich gern nächste Woche ne Birke anzapfen und bin jetzt doch eher verunsichert. Habe das noch nie gemacht und will den Baum ungern töten. Ich hab bisschen versucht mich schlau zu lesen und ich denke, wenn ich nur nen kleinen Spalt mit der Messerspitze mache, der nicht tiefer als 2 cm ist sollte der Baum das gut überstehen oder?
    Ich will auch keinen Eimer voll abzapfen, sondern nur einen kleinen Becher zum ausprobieren.

  • Der Typ hat ein Video angeschaut (das von Ray Mears hat er sogar verlinkt) und nachgeplappert ohne selbst nachzudenken. Rsultat, es ging in die Hose, und anstatt zu verstehen das er sich blamiert hat, und anstatt das er evtl. mit Internetunterstützung versucht seinen Fehler zu finden, stellt er sich ins Internet und stellt Gesetzmässigkeiten auf.

    Leider ein weit verbreitetes Verhalten. Inhalte von Youtube sollte man sehr kritisch gegenüber stehen. Sehr oft findet man heraus, dass Leute etwas das erste mal etwas machen und so tun als würden sie es ihr ganzes Leben so machen. Schaut euch mal die Feuermachen Videos an, meistens mit einem noch nie benutzten Feuerstahl. Klar ist reiner Zufall, ich weiss. ;)


    Liebe Grüsse
    draussen

  • Quote

    So leicht stirbt keine Birke wegen einer oberflächigen Verletzung ab.

    Ich denke auch, daß man ausgewachsene Birken ruhig maßvoll anzapfen kann. Wer zögert, die Rinde am Stamm zu verletzen, kann auch einen kleineren Ast entfernen, in Besenstieldicke vielleicht. Um schneller an einen Becher Saft zu kommen, sollte man sowieso nicht einfach ein tieferes oder größeres Loch bohren, sondern lieber mehrere Birken anzapfen.
    Und, wie es bei Wikipedia heißt:

    Quote

    Tief einzubohren schadet eher, als es nützt; es genügt, nur eben durch die Rinde zu bohren.

    Richtig ins Holz vorzudringen ist also doppelt sinnlos.

  • Bevor ich meine erste Birke angezapft habe, habe ich meinen Bruder gefragt, der ist Baumpfleger. Er meinte Birken können kleine Löcher, im Sinne von Anstechen, gut ab. Bei größeren Löchern tun sie sich schwer, weil sie nicht so gut "Wunden überwerfen" können. Generell meinte er, das die Baumpfleger, nicht so wie früher, Wunden im Baum komplett versiegeln.

  • Ich stimme Supi zu! Wie wäre es denn mal mit der Anwendung von Okhams Skalpell (die einfachste Erklärung ist meist die Richtige)?
    Sprich, der Kerl ist einfach zu doof zum anzapfen und hat deswegen seine Bäume gekillt?
    Immerhin, ausser Ihm und seinem Kumpel hatte in den Kommentaren keiner das Problem.


    Und, wie schon andernorts geschrieben: Der Mann fertigt und verkauft (modifizierte) Kopien der Ray Mears Messer. Wie ungemein praktisch, dass er gerade seinem Konkurrenten Mears solch Frevel nachweisen konnte...

  • Hallo,
    aus meinem Verständniss heraus: Jeden Tag werden tausende Birken weltweit verletzt. Von Tieren, von anderen umstürzenden Bäumen, durch Wind. Das war schon immer so. Und würde eine Birke wegen einer KLEINEN OBERFLÄCHLICHEN Verletzung eingehen, würde es diese Bäume schlicht nicht mehr geben.
    Wenn man natürlich so Riesenlöcher bohrt wie dieser Spezialist, und das in eher schlanke Bäumchen, tja dann muss man sich nicht wundern. Ich meine, wenn ich das richtig sehe haben die 2-3 cm Durchmesser, wollte der nen Wasserhahn da ranschrauben oder was? Er hat da einen Hohlraum generiert in dem alles mögliche wunderbar leben kann....Bakterien, Pilze, Insekten.
    Ein kleiner Schnitt/Stich dürfte echt kein Problem sein.
    Gruss
    Albbär

  • Kai Sackmann hat mal in einem seiner Youtube-Videos erklärt, das man das Bohrloch überhaupt nicht verschließen soll, da sich Keime, die sich schon vor dem Verschließen einschleichen, nicht mehr ausgespült werden können.

  • Birken sind lange nicht so anfaellig wie hier z.T. beschrieben wird. In Kanada wird z.B. Birkenride von den Baeumen geschaellt um Traditional Kanus zu bauen und um Elch Calls zu machen und die Baeume leben alle noch.

    Wenn Du nicht für Deine Freiheit kämpfen willst, hast Du auch keine verdient.
    Folge nicht den Spuren Anderer, gehe Deinen eigenen Weg und hinterlasse Deine Spuren.

  • Wenn man eine Birke findet, an der unten am Stamm kleine Zweige austreiben, kann man auch einfach einen dieser Zweige abknicken und den Birkensaft an dieser Stelle sammeln. Das sollte nochmal etwas verträglicher sein als den Hauptstamm in irgendeiner weise anzubohren oder zu stechen.
    Außerdem würde ich auch behaupten, dass das Loch auf den Bildern im "Eingangspost" einfach viel zu groß ist, und der Baum deswegen Schaden genommen hat.


    Hab hier zufälligerweise auch noch einen Videolink über das anzapfen per Zweigabknicken. Ist aber auch sonst ein guter YT- Kanal.




    Gruß Holger :winken

  • Birken sind lange nicht so anfaellig wie hier z.T. beschrieben wird. In Kanada wird z.B. Birkenride von den Baeumen geschaellt um Traditional Kanus zu bauen und um Elch Calls zu machen und die Baeume leben alle noch.


    Ja, das ist auch ne völlig andere Art. Die kanadische Papierbirke (Betula papyrifera) wird auch Kanubirke genannt und zeichnet sich dadurch aus, dass sich große Rindenstücke quasi von selbst ablösen. Allerdings bleibt dabei das Kambium des Baumes völlig intakt.


    In Mitteleuropa haben wir es dagegen hauptsächlich mit der Hängebirke (Betula pendula) oder auch Weißbirke zu tun und das ist einfach eine ganz andere Nummer. Tatsächlich sollte man hier nicht bohren sondern eher einstechen. Wenn man aber trotzdem bohrt, sollte man das Bohrloch nicht verschließen.


    Eine andere Methode des Zapfens, die dem Baum relativ wenig ausmacht, ist, nicht den Stamm, sondern den untersten Ast (sofern erreichbar) anzuzapfen. Hat man genug gesammelt, schneidet man den Ast am Stammansatz ab.


    Hier noch mal ein Bildvergleich der unterschiedlichen Rindenstruktur am Baum:


    1. Papierbirke:


    2. Hängebirke:


    Grüßle,
    DW

  • Ein kleiner Nachtrag:


    Ich habe vorhin mit einem Freund in England telefoniert und wir sind auf das Zapfproblem gekommen. Er meint, man könne ein Bohrloch in der Birke mit heißem Birkenpech verstopfen, weil das ja gleichzeitig antiseptisch wirkt.


    Ist aber ohne Gewähr, weil ichs selber nicht ausprobiert habe.


    Ich hab mir auch die Bilder auf der von dir gelinkten Seite nochmal angeschaut, Ben, und ich finde, dass die Bohrlöcher/Einschlaglöcher hier auch viel zu groß sind. Wenn ich in der Vergangenheit gebohrt habe, habe ich einen Nagelbohrer mit einem Durchmesser von maximal 7mm verwendet und ein Edelstahlröhrchen eingeführt. Ich bin vorhin kurz an zwei Stellen gewesen, an denen ich vor ca. 5 Jahren gezapft habe (Löcher unverschlossen) und es haben sich schöne Narben gebildet. Die Bäume sind intakt und gesund (kein Pilzbefall oder Ähnliches).


    Ich denke, es kommt wie immer darauf an, wie mans macht.

  • Auch auf die Gefahr hin damit daneben zu liegen, behaupte ich das es in Mitteleuropa, mehr als genug Birken gibt.
    Dadurch das die Birke (petula bendula) eine leichsamige Pionierbaumart ist kommt sie in vielen ( nicht allen) Gegenden doch in großer Stückzahl
    vor, wo sie als Begleitwuchs geduldet oder sogar beseitigt wird !


    Ich selbst hab noch keinen Birkenwasser gezapft, und möchte es auch bald mal ausprobieren, nur habe ich keinerlei Skrupel einen Baum einen kleinen Stich zu verpassen, denn Birken sind mit einem Messerstich sicherlich nicht auszurotten.
    Worauf aber zu achten ist wenn ihr zapfen möchtet:
    - Zapft nur auf Flächen auf denen die Birke sich schön selbst verjüngt
    - Nutzt keine Einwegeinschlaghähne
    - Nehmt bitte nicht die einzige starke Birke im dichten Fichtendickicht um das Zapfen zu proben und erst recht nicht wenn der Förster einen grünen Ring um den Baum gezeichnet hat (Sehr selten!), denn dann hat dieser Baum einen hohen Wirtschaftlichen Wert zugesprochen bekommen und soll mal Gewinn bringen!!


    Wer auf Nummer sicher gehen will, und keinen Ärger mit seinem Förster provozieren möchte, kann sich mit dem Grünrock zusammentun und ihn fragen wo die nächste Kyrillschadfläche liegt, dort wurde mit Sicherheit nachgepflanzt, und dort stehen mit allergrößter Sicherheit Birken die den Jungwuchs bedrängen oder schädigen!
    Dort kann man ohne Reue den einen oder anderen Becher Birkenwasser zapfen, denn beim nächsten Pflegeeingriff auf der Fläche werden ganz sicher auch diese Birken der Motorsäge weichen ! Birken sind in Deutschland nicht unbedingt beliebte Nutzhölzer und daher bei vielen Forstämtern auf der Abschussliste, selbst habe ich erst vorigen Monat auf 6 ha Birken mit einer Motorsense gerodet, die bereits 3m und mehr hatten, um Fichten und Kiefern freizustellen die nur einen halben Meter in der Höhe messen.