Posts by Skuzzlebud

    So.. Fünfter und letzter Tag, vom Hexenstieg.


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    Nachdem wir gefrühstückt und gepackt haben, setzen wir unseren Weg entlang der Bode fort. Die Entscheidung zu unserem Lagerplatz war richtig, weil das Tal hier langsam immer enger wird. Hier noch irgendwo ein Zelt hin zu packen wäre recht kniffelig geworden.


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    Wir sind in Deutschland, also gibt´s auch für alles Warnschilder. LEBENSGEFAHR!!! =O Solche Schilder hätte ich mir an den nicht wenigen, schlecht einsehbaren Landstraßen Überquerungen gewünscht. Ist ja auch lustig, weil einen alternativen Weg, gibt es nicht und umdrehen und zurücklatschen ist auch keine wirkliche Option. Man muss aber der Fairness halber sagen, dass wirklich ein paar recht frische Abbrüche am Weg lagen.


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    Welch Freude! Es gab auch wieder Stempel. :dance Am Ende war er "Wanderprinz" und hatten die Harzer Wandernadel in Bronze. Silber haben wir die Woche drauf bei der Oma im Südharz noch geholt. Nur das Abzeichen für den Hexenstieg haben wir NICHT! Weil man dafür nochmal alle Stempel in ein extra Hexestieg Heft machen muss!?? WTF X( :rolleyes: Soll verstehen wer will, ist aber auch egal...


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    Irgendwann wird das Bodetal dann allmählich zur Schlucht.


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    Das Bodetal ist nochmal ein richtiger Hingucker. Langsam wird es auch wieder voller. In der letzten Ortschaft sind nochmal viele Tagesausflügler zugestiegen, was dazu führt, das man sich etwas gezwungen fühlt ein gewisses Tempo mit dem Strom zu laufen. Wer zu schnell ist, rennt in die Gruppe vor einem und wer trödelt, kollidiert mit denen die von hinten kommen, was teils etwas unangenehm ist weil man an den engen Stellen, schlecht überholen kann. Der krasseste ist ein Radfahrer, welcher versucht sich gegen den Strom durchzuarbeiten.

    Ich bin ja keiner der Leute kritisiert nur weil sie verrückte Dinge tun, aber das ist einfach nur noch doof. Zumal man bei den vielen Stufen und kleinen Treppen, ohnehin nicht viel fahren kann. :wallbash


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    Um uns etwas "Freiraum" zu verschaffen, gehen wir an einer weniger steilen Stelle zum Fluss runter und erkunden etwas die Felsen und Stromschnellen.


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    Wieder am Weg passieren wir einige etwas größere Geröll Abbrüche. Für mich sieht das nicht so aus als ob das schon ewig lange her ist. Die Menge schätze ich mal auf fünf bis zehn Sattelschlepper. Da will man nicht dabei sein wenn´s runterkommt. 8|

    Ich glaube gelesen zu haben, dass dieser Teil des Bodetal im Winter sogar gesperrt wird.



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    Gegen Ende gibt die Naturszenerie noch mal alles. Der Große findet´s langweilig und will jetzt auf einen Spielplatz!? :skeptisch

    Scheinbar nicht ausgelastet das Kind. Was sagt man dazu?


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    Die Brücke ist dann zum Glück wieder würdig als "cool" erachtet zu werden. Nach der Brücke steigen wir weit, im zickzack eine Felswand hinab, laufen noch ein paar Meter und landen dann...


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    ... an einer der bestgelegenen Fressbuden die ich je gesehen habe. Von hier zur Jugendherberge sind es noch 800m und weil wir ohnehin noch zu früh sind um einzuchecken gönnen wir uns, bei der Gelegenheit auch einen Happen.


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    Die Herberge, ist im Stil einer Bundeswehrkaserne eingerichtet. ;) Aber sie ist sauber und günstig. Wir sind in erster Linie hier weil wir vor der Rückreise mit der Bahn GANZ dringend duschen müssen. Alles andere wäre Körperverletzung an den anderen Fahrgästen.


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    Nach der lang überfälligen Körperpflege, gehen wir noch die paar Meter nach Thale rein, und gucken schon mal wo sich der Bahnhof befindet, vor dem auch der Endpunkt des Hexenstieg markiert ist.


    Und das waren unsere knapp 100km am Hexenstieg. Der Große hat gut durchgehalten und auch für mich war es lange her, dass ich das letzte mal so lange zu Fuß unterwegs war. Und noch länger, dass ich einen Rucksack mit anfangs 17kg geschleppt habe. Hat aber alles gut gepasst. Auch das Wetter war bis auf den Wolkenbruch und den kleinen Sturm vorm Brocken wirklich gut.

    Viel längere Touren, würden wahrscheinlich auch Logistisch schwierig weil ich einfach nicht viel mehr Essen und Wechselklamotten in meinen Rucksack bekomme. Ein zwei Tage mehr würden vielleicht noch gehen, aber dann ist meine "Lastobergrenze" erreicht. Körperlich macht meinem Sohn das alles keine Probleme, allerdings ist die Trennung von Bruder und Mama nach fünf Tagen schon spürbar.


    Was mein Fazit zum Hexenstieg betrifft: Kann man auf jeden Fall mal machen. Es gibt sicher noch schönere Fernwanderwege aber der Harz ist die Anreise in jedem Fall wert. Was ich nicht so toll fand waren die für meinen Geschmack "zu gut" befestigten Wege. Die haben es echt vollbracht auch noch den hintersten Winkel mit gepresstem Schotter zu planieren. Das ist leider auf vielen der bekannteren Wanderwege so und soll wohl dazu dienen, dass möglichst viele Leute den Weg nutzen können.

    Die Beschilderung ist auch völlig narrensicher. Da kann man nicht viel falsch machen. Auch wenn wir mal im blinden Trott an einem Schildchen vorbei gelaufen sind haben wir das meist schnell bemerkt.

    Das hässlichste Stück war vom Brocken runter bis zur Talsperre Königshütte. Da durchquert man viele komische Hillbillydörfer und es gibt auch sonst nicht viel zu gucken. Aber man kann auch nicht nur Highlight´s erwarten. Am schönsten fand die die Abschnitte vorm Brocken und das Bodetal, der Rest war auch recht ansehnlich, wobei der Wald sicherlich vorm Borkenkäferarmageddon besser ausgesehen hat.

    Was ich der Vollständigkeit halber nicht verschweigen möchte ist, dass man am Hexenstieg auch nie so ganz einsam unterwegs ist. Es gibt dort eine gute Infrastruktur an Hotels und Herbergen was viele Wanderer und Mountainbiker anlockt. Ich fand es aber auch irgendwie lustig immer auf die selben Leute zu treffen. Nach ein paar Tagen "kennt" man sich, und hat immer ein bisschen was zu erzählen.


    So... Viel neuer Lesestoff im "leeren" Forum ;) Ich hoffe euch gefällt´s.

    Bis dahin - Gruß an Alle - Holger!





    Tag vier am Hexenstieg.


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    Über die hälfte liegt nun hinter uns und mittlerweile haben wir eine ganz gute Camproutine entwickelt. Ich lasse den Großen noch ein bisschen pennen, stehe als erster auf, mache Frühstück und warmen Tee, und sortiere schon mal etwas die Sachen, damit das Zusammenpacken nicht zu lange dauert. Der Lagerplatz direkt am Wasser macht dabei vieles einfacher.




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    Die Stimmung ist wieder gut, und wir setzen unseren Weg mit neuer Kraft fort. Hier beginnt man auch immer wieder am Tal der, hier noch recht mickrigen, Bode entlangzulaufen, welche sich ab hier einen zunehmend enger werdenden Canyon in die Felslandschaft geschliffen hat.


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    Mal läuft man unten an den Klippen entlang, dann wieder oben drauf, was einige imposante Ausblicke bietet. Die Schotterpiste bleibt zwar aber die Ödnis vom Vortag liegt, zum Glück hinter uns.


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    Braucht noch einer Zunderschwamm?


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    Wir folgen weiter zum größten Teil dem Verlauf der Bode bis zur Talsperre Wendefurth mit ihrem Speicherkraftwerk.


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    Danach verlässt man die Uferlinie wieder, um einen für mich nicht wirklich sinnvollen, Umweg über einen Berg zu machen, welcher einen dann doch wieder an die Talsperre zurückführt. Unten angekommen überquert man die Staumauer und kehrt zum Flusslauf der Bode zurück.


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    Weil wir am Vortag gut Kilometer gemacht haben, haben wir nun keinen Stress mehr und halten zeitig nach einem geeigneten Lagerplatz ausschau, bevor das Tal der Bode zu eng wird zum campieren.


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    Diese einige Meter vom Weg entfernte Sitzgelegenheit direkt am Fluss, hat neben an eine schöne gerade Fläche. Besser kann´s gar nicht kommen. Die Füße brennen ohnehin vom latschen auf befestigtem Schotter. Also wenden wir die altbewährte Taktik an; Machen erstmal Essen - Es gibt Nudeln mit vier Käse Soße - Das bisher beste Fertiggericht. Dann warten wir bis alle anderen durch sind und Stellen unser Zelt auf. Tag vier verging recht zügig, die Etappe war wieder deutlich schöner als die vom Vortag.

    So.. Machen wir weiter mit Tag drei am Harzer Hexenstieg.


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    Die Nacht verläuft erwartungsgemäß unruhig. So richtig entspannt schlafen kann ich irgendwie nicht wenn der Wind am Zelt rappelt, wobei ich mir auch etwas Gedanken ob der Sturm- und Regenfestigkeit meines DD Zeltes gemacht habe. Nix gegen DD, aber ernsthaftes Expeditionsequipment ist das ja nicht unbedingt. Aller Befürchtungen zum trotz, hat das Zelt gut dicht gehalten und der Teilweise doch recht "böige" Wind hat auch nichts geschadet. Der Große ist so platt, dass er im Gegensatz zu mir, schläft wie ein Stein und nicht´s vom Sturm mitbekommt. Gegen vier Uhr morgens hört der Regen auf, und weil ich so wie so wach bin gehe ich kurz raus und improvisiere schnell eine Wäscheleine auf der unser nassen Sachen, zumindest etwas im Wind flattern und abtropfen können. Richtig trocken wird hier natürlich nichts. Ich frage mich immer warum nie solche Bilder in Outdoorzeitschriften oder auf Werbebildern für Outdoorgear gezeigt werden. Gehört ja irgendwo auch dazu.


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    Nach dem aufstehen geht es dann in die nasskalten Klamotten, was für viel Unmut und Zwist sorgt. Die Stimmung erreicht ihren Tiefststand und auch ich wäre lieber in Unterhose weiter gelaufen als, bei 7 Grad C in die nasse Buchse zu schlüpfen. Bis zum Brocken ist es noch ca. eine Stunde und der Wind hat nur wenig nachgelassen.


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    Für ein wenig Aufheiterung sorgt das erreichen der 1000m Marke, nebst der Schiene der Schmalspurbahn. Erstes mal über 1000m!8)


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    Langsam weicht der Wald einem lichten Bestand aus Krüppelfichten, was den Wind nun völlig ungehindert auf uns einwirken lässt. Die Sicht beträgt vielleicht noch 15m. Wir sind mitten in den Wolken und der Brocken will sich nicht ganz ohne Gegenwehr bezwingen lassen.

    Dem Großen frieren schon wieder die Finger ein, was sich mittlerweile als halbwegs schmerzhaft erweist. Hier wären ein paar Handschuhe wirklich toll gewesen, aber wer denkt an so etwas wenn man im Tal bei über zwanzig Grad losmarschiert.


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    Dann ist es vollbracht. Wir machen ein paar Beweisfotos und huschen schnell wieder in den Windschatten des Gipfelstein, damit der Wind uns nicht umwirft. Die riesige rot weiße Antenne und die Radarkuppel direkt neben uns können wir nicht sehen, so dicht ist der Nebel.


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    :lagerfeuer


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    Bevor mir der Große nun wirklich noch Schaden nimmt, suchen wir nass, dreckig, stinkend, und verrotzt die Fressbude auf, wo hinterm Tresen die Brockenhexe höchstselbst auf uns wartet und uns, mit der uns gebührenden maximalen Verachtung begrüßt.

    Als ich dann noch frage wie die Selbstbedienungskaffeemaschine funktioniert und wir uns dazu entschließen um 9.15 Uhr erstmal Currywurst Pommes zu frühstücken, kann ich den Hass ihrer Blicke förmlich auf meiner Haut brennen fühlen. :cursing: :evil: :evil:

    Die Nachricht, dass wir im warmen sitzen und Currywurst zu uns nehmen, beruhigt auch meine Frau wieder, welcher es daraufhin sogar gelingt den Opa zu beruhigen. Als wir fast fertig sind, kommt auch die Brockenbahn das erste mal an und spuckt die ersten 100++ Besucher aus, welche natürlich alle Zeitgleich den Fresstempel stürmen. Nun wird mir auch klar, woher die Brockenhexe ihren unermesslichen Hass auf die Menschheit nimmt. Wir nutzen noch schnell das Sanitärangebot und verkrümel uns schleunigst bevor die Bude aus allen Nähten platzt.


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    Aufgewärmt, vollgefressen und mit zumindest etwas getrockneter Kleidung, machen wir uns an den Abstieg. Ab hier geht es dann, im wesentlichen nur noch Bergab, allerdings ist der Weg vom Brocken runter recht eintönig. Erst läuft man ein ganzes Stück auf der Teerstraße, dann geht es weiter auf der Hexenstieg typischen Schotterpiste. Um den Brocken herum wimmelt es plötzlich vor Leuten und es dauert einige Kilometer bis der Rummel etwas nachlässt.


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    Die wenigen naturbelassenen Wege, sind eine Wohltat für die Augen und Fußsohlen.


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    Für willkommene Abwechslung und einen schönen Ort zum Pausieren sorgt der Trudenstein, welchen man sogar besteigen kann.


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    In der Ortschaft drei Annen Hohne, gelingt es mir auch erstmals die Schmalspurdampflok zu fotografieren, welche wir schon den ganzen Tag immer wieder hören und riechen. Der Geruch der Fettnusskohle ist mir als Hobbyschmied direkt aufgefallen. Wir beschließen, dass wenn wir in der nächsten Woche bei der Oma in Thüringen sind, nochmal wieder zu kommen und mal mit der ganzen Familie mit dem Ding auf den Brocken zu fahren. Seid dem weiß ich auch, dass das Teil gar nicht mit Kohle befeuert wird, sondern mit Euroscheinen! :huh:  :cursing:

    Darüber was die Familienkarte gekostet hat möchte ich lieber schweigen. :cursing: Dann doch lieber laufen.


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    Was nun folgt ist der wohl hässlichste Teil der Strecke. Die unruhige Nacht und der kalte Aufstieg zum Brocken stecken uns noch in den Knochen, und der Große zockelt lustlos hinter mir her weswegen ich ihn öfters antreiben muss, was uns wiederum beiden auf die Nerven geht. Ich kann´s verstehen weil die Strecke einfach nur eine Schotterstraße ist und die Umgebung ab hier auch kaum noch Abwechslung bietet. Hier ist viel stumpfes durchhalten gefragt.


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    Welch ein Elend!


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    Wir durchqueren eine kleine Ortschaft mit einem hübschen Wasserfall.


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    Nachdem wir mehrere kleine Orte durchquert haben machen wir noch einen kleinen Abstecher zu einer Burgruine, weil es dort einen Stempelkasten gibt. Diese Stempel gibt es im gesamten Harz. Man kann sie, in einem Stempelbuch sammeln und erhält dann je nach gesammelter Anzahl und gegen einen gewissen Obolus, Auszeichnungen an den Niederlassungen der Touristeninformation. Mir bedarf es derlei Schnickschnack eigentlich nicht, aber gerade für Kinder bietet das einen gewissen Motivations und Belohnungseffekt. Mein Sohn ist jedenfalls voll angefixt und die Aussicht auf einen neuen Stempel, beflügelt ihn jedes mal mit neuer Kraft.


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    Langsam wird es Abend und unser Etappenziel, die Talsperre Königshütte, kommt nach einem langen Tag endlich in Sicht.


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    Nun heißt es Schutzhütte suchen oder Zelt aufschlagen. Weil es am Stausee einige vom Weg aus schlecht einsehbare Wiesen direkt am Wasser gibt und auf diesem Teil des Hexenstieg generell wenig los ist, fällt unsere Wahl auf´s Zelt. Ganz hinten in der Mitte sieht man noch den Brocken mit seinen Aufbauten. Das erscheint einfach nur unendlich weit. Nicht nur wegen der ca.25km teils langwieriger Strecke die wir an diesem Tag hinter uns gebracht haben, sondern auch weil das Klima und die Umgebung hier unten am See so völlig anders sind. Immerhin hat das Wetter gehalten und wir haben unsere Klamotten wieder weitestgehend trocken gelaufen.


    Hier mache ich nochmal einen kleinen Cut. Tag vier und fünf schaffe ich vielleicht nicht direkt morgen aber in absehbarer Zeit.


    :winken





    Moin miteinander;


    Die Sommerpause ist nun rum und ich komme nach längerer Abstinenz noch mal zum schreiben. Ich hatte dieses Jahr noch viel Resturlaub, weswegen ich glücklicher Weise die gesamten Herbstferien frei nehmen konnte. Mein großer Sohn ist voll heiß auf Berge und weil das letztes Jahr mit den rund 60km zum Kahlen Asten ganz gut geklappt hat, haben wir die Gelegenheit genutzt und uns nach einer logischen Steigerung der Berghöhe und Tourdauer umgesehen. Für wirklich Hochalpines Gelände ist der "Große" mit seinen sieben Jahren noch in bisschen klein und so sind wir auf den Hexenstieg gekommen welcher als höchsten Punkt, den Brocken mit immerhin 1141m vorzuweisen hat. Die ca.94km haben wir uns auf fünf Tage eingeteilt.


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    Mit "nur" drei stunden Verspätung kommen wir bei bestem Wetter in Osterode an. Die Beschilderung vom Bahnhof zum Startpunkt ist zum Glück idiotensicher, weil ich in solch urbanem Umfeld immer etwas orientierungslos bin.


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    Die ersten paar Meter gehen recht stetig bergauf und wir müssen etwas Tempo machen, weil wir nun schon ein wenig spät dran sind. Nach der katastrophalen Anreise mit der Bahn können wir, auf diese Art gut Stress abbauen und erreichen die erste "Landmarke" den Eselsplatz recht zügig. Ab hier steigt das Höhenprofil nur noch moderat und die für den Hexenstieg typische Schotterpiste beginnt.


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    Blick zurück auf Osterode.


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    Der Borkenkäfer hat im Harz "alles gleich gemacht" und so führt der Weg durch eine Landschaft die weitestgehend von Brombeersträuchern und Weidenröschen geprägt ist. Man hat eine gute Aussicht, wobei mir der Wald in seiner ursprünglichen Form lieber gewesen wäre, als diese etwas aride Berglandschaft.


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    Wir zockeln noch ein paar km Schotterweg ab, bis wir die Seenlandschaft in der Nähe von Clausthal erreichen und eine kurze Pause einlegen. Hier gibt es eine Reihe künstlicher Seen welche für den Bergbau zur Entwässerung und als Wasserkraftspeicher angelegt worden sind. Man dürfte sogar baden aber dafür ist es dann doch etwas frisch und wir müssen noch ein paar km schaffen bevor die Sonne untergeht.


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    Dieses etwas komplizierte Kanalsystem nennt sich Huttaler Wiederwaage und diente auch zur Entwässerung von Bergbaugruben. Hier konnte Wasser von der einen zur anderen Bergseite abgeleitet werden.


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    Es beginnt bereits zu dämmern und wir haben unsere knapp 15km für heute geschafft, womit wir zumindest wieder im Zeitplan sind. Also mache ich erstmal Essen und Tee und wir warten bis alle anderen Wanderer und Mountainbiker verschwunden sind, um dann unser "über alle Maßen" gut getarntes Zelt aufzuschlagen.


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    Wir schlafen ganz gut und Tag 2 beginnt schon mit dem Morgengrauen. Heute kommt die schwerste Etappe in der wir bis kurz vor den Brocken kommen wollen, aber die Moral ist immer noch hoch, und so sind wir nach einem kurzen Frühstück sehr zeitig wieder auf den Beinen.


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    Ab hier folgt der Weg fast den ganzen Tag den Wasserkanälen. Ich bin mir über die Wasserqualität dieser Kanäle nicht ganz schlüssig. Es fließt zwar, allerdings teilweise nur sehr langsam und es gibt viele Algen und einen deutlichen Biofilm am Grund, weswegen ich die Brühe lieber durch den Wasserfilter jage. Man will das Ding ja nicht umsonst rumschleppen. Und Durchfall auf Tour mit Kind will ich nun wirklich nicht riskieren.


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    Wir erreichen die "Eisenquelle" und machen eine längere Pause. Das Wasser der Eisenquelle ist wie der Name erahnen lässt, etwas Eisenhaltig, weswegen wir auch hier von einem Verzehr absehen :kotz . Hier gibt es auch eine der schönsten Schutzhütten welche auch ein guter Übernachtungsplatz gewesen wäre, wenn wir früher angekommen wären.


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    Mit sanfter Steigung erklimmen wir viele Höhenmeter immer entlang der Wassergräben. Auf gewisse weise erinnert mich das an Madeira wo ich vor vielen Jahren mal Wanderurlaub gemacht habe. Da läuft man auch ganz viel an den Wasserkanälen die Bergflanken entlang. Nur die Vegetation war dort geringfügig üppiger.


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    Und nochmal ein paar Wasserkanäle. Hier nerven auch langsam die ständig mehr werdenden E Biker. Aber die meisten sind nett und bedanken sich freundlich wenn wir uns wieder schnell an die schmalen Wegseiten zwängen. Generell wird es langsam immer voller. Man merkt, der Brocken welcher hier der größte Touristenmagnet ist, rückt in greifbare Nähe.


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    Wenn man den Wasserkanälen dann bis auf ihr höchstes Niveau gefolgt ist, knickt der Weg plötzlich ab und es beginnt eine der ganz wenigen etwas anspruchsvollen Passagen am Hexenstieg. Hier geht es wirklich steil runter und der Pfad liegt voller losem Geröll. Ich mache eine kurze Ansage, dass man hier aufpassen muss und ,dass hier kein quatsch gemacht wird und gehe langsam voraus. Der Große ist erst etwas verunsichert, findet das ganze nach den endlosen, relativ ereignislosen Kilometern entlang der Kanäle aber auch irgendwie cool und hat im Endeffekt auch weniger Probleme als ich mit meinem schweren Rucksack.


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    Allmählich prägen auch immer mehr Felswände die Landschaft und man fühlt sich endlich wie in einem richtigen Gebirge. Das Standard Mittelgebirge kennen wir von zu Hause im Rothaargebirge auch, aber ich muss neidlos anerkennen, dass das hier schon ein wenig krasser ist.


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    Nach dem steilen Abstieg muss man auch wieder steil hoch. Hier kommt die "Schlüsselstelle" die wir uns schon vorher auf der Karte angeguckt haben. Das ist einer der einzigen wirklich steilen Anstiege am ganzen Hexenstieg. Man macht am Hexenstieg zwar schon ein paar Höhenmeter, allerdings ist die Wegführung immer so gewählt, dass man möglichst sanft aufsteigt. Ich denke das ist den vielen Mountainbike Touristen geschuldet. Wie dem auch sei; Der Große ist hart drauf und wir nehmen diese eine schwere Steigung im Laufschritt.


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    Kaum oben fängt es so richtig heftig an zu Regnen. In der Ortschaft Torfhaus machen wir eine richtig gefährliche Straßenüberquerung (Fußgängerampeln oder Zebrastreifen gibt es im Harz irgendwie so gar nicht :/ ) und bewegen uns dann entgegengesetzt zu allen anderen Wanderern in Richtung Brocken. Die Schuhe sind nach ca. 10min durch die Jacke vom Großen ist mit dieser Art von Regen leider auch überfordert. Bei mir hält die Jacke, dafür wird mein Schlüpfer nochmal gründlich gewaschen. Und wo ich das Bild so sehe; Ganz große Kritik an die Firma Deuter - Wieso ist bei euren Kinderrucksäcken kein Raincover dabei. Sowas ist doch heute wirklich überall mit drin!! :cursing:


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    Es ist nicht wirklich kalt aber zusammen mit dem heftigen Wind und der Nässe fängt der Große an zu frieren. Besonders die Finger sind eiskalt was die Moral in den Keller sinken lässt.

    Die Schutzhütte in der wir eigentlich nächtigen wollten finden wir nicht, und so schleppen wir uns noch etwas weiter, bis zur ehemaligen deutsch- deutschen Grenze. Die Schutzhütte hier ist leider völlig im A. Weiterlaufen macht unter diesen Umständen keinen Sinn und wir sind sowieso schon weiter als ich wollte, also parke ich den Großen in der Siffhütte, ziehe ihm alles über was ich noch an trockenen Sachen habe und mache mich auf die Suche nach einer halbwegs Windgeschützten Stelle fürs Zelt. Als wenn`s nicht gerade toll genug wäre, hat der Opa die Mama angerufen und irgendwas von Sturmböhen am Brocken erzählt, weswegen die Mama nun mich anruft und auch recht verängstigt ist. =O =O =O    

    Mit dem Kind - gefährlich - unverantwortlich - usw. Das ganze hilft mir allerdings auch nicht wirklich beim Zelt aufbauen in Wind und Regen.


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    Dank meiner überragenden Survival skills und meinem besonnenem Handeln in Extremsituationen, schaffe ich es meine Frau zu beruhigen, einen geschützten Platz für´s Zelt zu finden, dieses aufzubauen ohne, dass all zuviel Wasser ins innere gelangt, und das Kind in trockene Kleidung zu packen. Als der Große endlich im warmen Schlafsack steckt, bekommt er noch eine Tafel Schokolade und schon ist die Welt wieder in Ordnung. Was für ein Stress!

    Ich habe leider Kochdienst und muss noch draußen im Regen bleiben bis das Essen fertig ist. Die Zwischenzeit nutze ich um das kleine Zelt mit allen Spannleinen und Heringen zu sichern die ich habe.

    Hier mache ich mal eine kleine Pause, - Wie es weitergeht und ob wir die Nacht überlebt haben erfahrt ihr wenn´s klappt in kürze. :winken

    Könnte das starker Schimmelbefall sein? Mach mal ein Bild von unten und schau nach, ob die Lamellen, Stoppeln oder einen Schwamm unterm Hut haben. Eine bessere Ansicht vom Stiel wäre auch hilfreich. Mit den zwei Fotos kann man da kaum was genaues zu sagen.

    Unten die sind höchstwahrscheinlich Röhrlinge. Ich tippe auf Ziegenlippe, aus der Entfernung ist das aber schwer zu sagen. Wenn die unten eine schwammartige Struktur unterm Hut haben sind die essbar wenn auch nicht übermäßig schmackhaft. Röhrlinge bilden oft Symbiosen mit speziellen Baumarten. Wenn du die Baumart, welche am nächsten dran ist, benennen kannst hilft das auch bei der Bestimmung.

    Wenn es sich bei denen oben um die selbe Art handeln sollte sind die, wie schon erwähnt, total verschimmelt.

    Johanniskraut

    So ; Ich hab beim letzten Johanniskrautbeitrag rumgemeckert also muss ich auch liefern.


    Der Sommer ist nicht unbedingt meine liebste Kräutersammelzeit, aber auch hier gibt es natürlich einige interessante Pflanzen wie das Johanniskraut.


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    Die Pflanze findet man recht häufig vor allem an sonnigen Stellen, an Wegrändern, Hecken oder trockenen Wiesen. Dabei ist die Pflanze nicht sonderlich wählerisch und kommt auch mit sehr kargen Verhältnissen gut zurecht. Das Johanniskraut findet sich oft in Gemeinschaft mit Gräsern oder andern anspruchslosen Kräutern.


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    Die Pflanze ist zwar in ihrer Biologie relativ einzigartig, allerdings gibt es eine Menge Kräuter mit kleinen gelben Blüten welche zumindest eine ähnliche Größe haben und am selben Standort zu finden sind, und somit für den Laien ein gewisses Verwechslungspotential bieten.


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    Das wichtigste Erkennungsmerkmal, welches die Pflanze idiotensicher erkennbar macht ist der Pflanzensaft, der beim zerreiben der Knospen und Blüten eine deutlich violett- rote Färbung hinterlässt.


    Dieser rote Saft enthält auch den wichtigsten Wirkstoff der Pflanze, das Hypericin.(Oder das Blut von Johannis dem Täufer <X) Wodurch ein Sammeln der Pflanze außerhalb der Blütezeit, von ende Juni bis August, relativ wenig Sinn macht.


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    Die gängigste Anwendung ist die Blüten und Knospen als Tee zu nutzen. Dazu pflückt man den oberen Teil der Pflanze mit den Blüten am Hauptstiel ab und Trocknet diesen. (...frisch aufbrühen geht natürlich auch.)

    Wenn dabei noch ein paar Blätter mit drin sind ist das auch nicht schlimm, aber eigentlich will man die Knospen und Blüten.

    Ich mache mir hin und wieder einen Tee von dem Zeug einfach wegen dem Geschmack, obwohl es auch da besseres gibt. Die eigentliche Anwendung von Johanniskrauttee ist aber eher im medizinischem Bereich als leichtes Antidepressiva und Beruhigungsmittel zu sehen. Ich persönlich bin kein großer Anhänger der Naturmedizin und um mit Johanniskrauttee eine gewisse Wirkung zu erzielen muss man das Zeug schon regelmäßig über ein paar Tage zu sich nehmen. Man fühlt sich irgendwann recht lahmarschig aber entspannt.

    Dabei ist das Zeug allerdings etwas mit bedacht zu genießen und hat auch eine recht lange Liste an Nebenwirkungen.

    Genau genommen handelt es sich um eine (sehr schwache) Giftpflanze welche, nach verzehr Phototoxisch wirkt, also die Lichtempfindlichkeit der Haut und Augen erhöht. Was besonders Hellhäutige Menschen, welche zu Sonnenbrand neigen, bedenken sollten. Wenn das Zeug in großen Mengen im Heu von Weidetieren vorhanden ist, kann es bei diesen auch zu ernsthaften Vergiftungen kommen.

    Überdies enthält Johanniskraut auch hormonwirksame Stoffe welche zu Wechselwirkungen oder schlimmstenfalls Unwirksamkeiten mit/von anderen Hormonpräparaten, wie z.B. Anti- Baby Pille =O , führen können.

    Auch schwangere oder Menschen welche schon andere Antidepressiva einnehmen sollten Johanniskraut nicht zu sich nehmen.


    Das andere große und etwas weniger Problematische Anwendungsgebiet, ist die Herstellung von Johanniskrautöl, auch "Rotöl" genannt.

    Dazu pflückt man ebenfalls den blütentragenden Teil der Pflanze ab und legt diesen in ein beliebiges Pflanzenöl ein. Nach einigen Wochen sollte sich, eine ausreichende Menge an Knospen und Blüten vorausgesetzt, das Öl rot eingefärbt haben so, dass man die Pflanzenteile durch ein Sieb herausfiltern kann. Dieses Öl wird zum einreiben von gereizten oder entzündeten Haustellen oder bei Muskelkater angewendet.

    Dabei sollen die entzündungslindernden Wirkstoffe der Pflanze einen positiven Effekt erzielen, was ich aber selber noch nie ausprobiert habe. Jedenfalls könnte man mit dem Johanniskrautöl den, durch den übermäßigen Genuss von Johanniskrauttee verursachten Sonnenbrand gleich behandeln. Die Natur denkt doch einfach an alles! 8o




    So oberflächlich wie das hier beschrieben ist, ist die Anwendung von Johanniskraut recht missverständlich. Insbesondere bei Sonnenbrand kann das Johanniskraut, wenn überhaupt nur nützlich sein wenn es, vorher zu "Rotöl" verarbeitet wurde und dieses äußerlich aufgetragen wird. Wenn man die Pflanze als Tee oder pur konsumiert kommen die phototoxischen Eigenschaften der Pflanze zum tragen was einen Sonnenbrand erheblich verschlimmern könnte. Soll heißen, die Lichtempfindlichkeit der Haut und der Augen nimmt durch die orale Aufnahme von Johanniskraut zu. Auch zur Wundheilung würde ich die Pflanze nicht empfehlen, zumindest nicht bei Wunden bei denen irgendwas in meine Blutbahn gelangen kann.

    Ich hab da auch ein wenig gesammelt und Fotos gemacht und versuche sobald sich die Zeit ergibt etwas ausführlicher zu werden...

    Wenn die Rotaugen nicht zu groß sind, sind die kleinen Zwischengräten auch nicht übermäßig penetrant. Wenn du die, wie beschrieben einschneidest kannst du die auch auf dem Stock braten. Nur die ebenfalls recht derben Schuppen solltest du vorher gut entfernen.

    Ich habe die auch schon direkt in der Glut gegart. Da lässt man die Schuppen als Schutzschicht dran. Besser als Stock oder direkt in der Glut ist noch die Fische in Blätter oder dünne Baumrinde zu packen und sie dann in der Glut zu verbuddeln, für den Fall man hat so gar kein "Kochutensil". Aufgespießt am Stock sind die mir manchmal beim garen zerfallen. Zum würzen empfehle ich ein paar Fichtenzweige oder Birkenblätter in die Bauchhöhle zu stopfen, das gibt ein etwas zitroniges Aroma. Wenn das Gewässer aus dem die entnommen wurden nicht all zu dreckig war schmecken die eigentlich ganz lecker.


    Was mir noch eingefallen ist; Du kannst kleine Fische auch relativ leicht mit einer Petflaschenreuse fangen. Da gehen dann natürlich auch viele ganz kleine mit rein, ist aber einfacher als Angeln.

    Mit den kleinen Weißfischen liegst du nicht falsch. Die kommen fast überall recht häufig vor und lassen sich mit Stock und Schnur stippen oder einfach nur mit Schnur und Haken in der Hand. Das was outdoorfriend mit dem einschneiden meint nennt man "schärfeln". Das macht man bei vielen Grätenreichen Fischen. Dazu muss man die auch nicht unbedingt filetieren. Es reicht wenn man einfach den Fisch bis auf die Rippen in kurzen abständen einschneidest. Dadurch werden die kleinen Y-Gräten so zerkleinert, dass man diese mitessen kann. Kleinere Exemplare eignen sich da folglich besser als besonders große.

    In Osteuropa werden kleine Weißfische gebraten und wie saure Gurken in Essigwasser eingelegt. Durch die Essigsäure löst sich das Kalzium in den Gräten auf und macht diese, nach zwei -drei Wochen so weich, dass man den Fisch komplett aufs Butterbrot packen kann, wie einen Brathering. Ist zwar nix für den Survivalfall, aber gut zu wissen wenn man die Biester öfter angelt.

    Ich hatte doch mal einen Sammelthread über schmackhafte und nützliche Kräuter aufgemacht!?


    Bitteres Schaumkraut oder Falsche Brunnenkresse


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    Hier nach langer Zeit nochmal ein "Kraut der Saison". Schaumkräuter im allgemeinen hatte ich weiter oben schon abgehandelt, allerdings weist das bittere Schaumkraut sowohl im Geschmack als auch in der Erscheinung erhebliche unterschiede auf.


    Bitteres Schaumkraut findet man direkt an oder in kleinen sauberen Bächen oder deren Quellbereichen. Mancherorts bilden sich recht große "Kolonien" dieser Pflanze.


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    Junge Pflanze Ende April- Anfang Mai.


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    Pflanze kurz vor der Blüte Mitte Mai.


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    Während der Blüte Ende Mai - Anfang Juni.


    Die beste Sammelzeit erstreckt sich von Mai bis Juni. Später werden die Pflanzen immer holziger und werden auch teilweise von anderer Vegetation wie Gräsern und Sträuchern überwachsen. Im vergleich zu den anderen Schaumkräutern ist die Falsche Brunnenkresse etwas größer und kräftiger im wuchs. Als typischer Kreuzblütler gibt es kaum Verwechslungsmöglichkeiten zu giftigen Pflanzen.


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    Allerdings ähnelt die Falsche Brunnenkresse der der Echten Brunnenkresse so sehr, dass man die Beiden Pflanzen nur bei genauer Betrachtung unterscheiden kann. Die beiden wichtigsten Indikatoren sind: Erstens - Der mit Mark gefüllte Stiel. Der Stiel der Echten Brunnenkresse ist hohl, wobei auch das je nach dem wo man den Stiel auftrennt nicht ganz eindeutig zu erkennen ist, wie auf meinem Bild -

    Und zweitens - Wenn die Pflanze blüht, die sechs violetten Staubblätter. Die der Echten Brunnenkresse sind gelb.


    Eine Verwechslung beider Arten hätte jedenfalls keine großen Auswirkungen weil beide Arten essbar sind und sogar ähnlich schmecken.

    Dem Bitteren Schaumkraut wird oft ein bitterer Geschmack nachgesagt, was ich allerdings nicht ganz bestätigen kann. Was die Pflanze aber Geschmacklich besonders macht und für die "Buschkräuter -Küche" so interessant ist ihre ausgeprägte Schärfe. Man kann sich das wie ein Zwischending aus Rettich und Senf vorstellen. Verwendet werden können die Blätter, Blüten und die noch nicht zu alten Stiele. Die Wurzeln sind leider sehr faserig.

    Verwendet wird die Pflanze roh zum würzen von allem was etwas pepp durch frische Schärfe vertragen kann. Zum kochen oder trocknen eignet sich das Kraut kaum. Man könnte aber eine Art Würzpaste herstellen oder in Öl konservieren. Weil die Pflanze bei mir nicht im Übermaß wächst, und ich den Bestand nicht zu sehr schädigen möchte, habe ich dies allerdings noch nie ausprobiert.

    Bitteres Schaumkraut ist jedenfalls unter den mir bekannten einheimischen Wildkräutern jenes mit dem schärfsten Geschmack und bringt ordentlich Wumms in jeden faden Salat.



    Danke für den schönen Bericht!


    Die Landschaft hat sich seit 2015 doch sehr verändert. Vieles hätte ich nicht mehr erkannt. Alles in allem habe ich den Soonwaldsteig auch sehr positiv in Erinnerung, mit 85km hat der auch eine gute Länge für ein langes Wochenende. Wir sind dort damals Ende August gewesen, da war das mit dem Wasser teilweise schon etwas grenzwertig. Generell sind Pfälzerwald und Hunsrück etwas trockener als ich das hier vom Rothaargebirge gewohnt bin. Das ist nach den ganzen Dürrejahren sicher nicht besser geworden. Der Förster welcher sich dieser Tage um das Lager Alteburg gekümmert hat, hat die seltsame Verteilung der Trekkingcamp´s damit begründet, dass es vom letzten Camp bis zum Rhein nur noch Privatforst gibt und die privaten Waldpächter natürlich wenig Interesse daran haben, dass dort irgendwelche Leute nächtigen und Feuer machen. Besonders blöd fand ich, dass es an den offiziellen Camps kein Wasser gibt. Wären diese Camps an irgend einem Bach oder Teich gelegen wäre die ganze Situation mit dem Feuer schon wesentlich weniger Problematisch. So steht man immer vor der Frage ob man gewissenhaft das Feuer ablöscht oder sich doch lieber sein knappes Trinkwasser aufsparen soll.


    Nichtsdestotrotz ist die Gegend eine Top Adresse für mehrtägige Wanderungen in abwechslungsreicher Natur.


    Gruß - Holger :winken

    Versuche mit Verpackungsbanddamast

    ... oder mein bisher schönster semi fail.


    Seid gegrüßt!


    Sehr produktiv war ich über die Schmiedesaison nicht, aber ein bisschen was zum vorzeigen habe ich hier noch.


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    Und zwar habe ich mal versucht ein paar kleine Damastpakete aus Stahl Umreifungsbändern und Cuttermesser Klingen zu machen.

    Diese Stahlverpackungsbänder sind für mich eine reichhaltig verfügbare Ressource. Laut der spärlichen Informationen, welche ich auf diversen Herstellerseiten zusammentragen konnte, sind die Materialtechnisch mit ganz einfachem Vergütungsstahl vergleichbar und mit ein wenig Kohlenstoff und/oder Mangan legiert. Wenn man "gute" Umreifungsbänder hat sind diese schon deutlich elastischer und fester als gewöhnlicher Baustahl, lassen sich aber dennoch nicht sinnbringend härten.

    Womit wir zum zweiten Bestandteil meines Versuchspaket kommen. Cuttermesser Klingen sind relativ günstig zu bekommen und haben fast die selbe Breite wie die Stahlbänder und eignen sich daher recht gut. Hier gibt der Hersteller sogar an, dass es sich um SK5 Stahl handelt wohinter sich ein äußerst gewöhnlicher C80 verbirgt, welcher sich für diesen Zweck gut eignen sollte.

    Der Grund für diese Materialkombination, ist vor allem, dass ich mit solchen "herkömmlichen" Damastpaketen kaum Erfahrung habe und somit auf Materialien zurückgreife welche, wenig kosten und (noch viel wichtiger) welche ich nicht erst umständlich zuschneiden muss.


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    Nachdem die Oberflächen abgeschliffen wurden um die Schutzlackierung und Verschmutzungen zu entfernen, werden alle Bänder in etwa die selbe Länge geschnitten und erhalten ein Bad in herrlich erfrischenden Aceton.


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    Wenn alle Teile gereinigt und entfettet sind, stapelt man sein Paket zusammen. Weil das Stahlband 0,8mm dick war und die Cutterklingen

    nur 0,5mm habe ich immer zwei Cutterklingen auf ein Stück Stahlband gestapelt. Somit überwiegt der härtbare Stahlanteil etwas, damit mein low budget Damast nicht nur reine Deko ist.

    Die Anzahl der Lagen habe ich nicht mehr genau im Kopf. Es müssten am Anfang um die 20 gewesen sein. Bei so kleinen, schmalen Klingen, wie ich sie gerne mache, sollte man das auch nicht übertreiben. Eher wenige dicke Linien wirken da optisch viel besser als superviele ganz dünne.


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    Das Ganze wird dann mit ein paar Scheißpunkten gesichert und sieht dann, nach dem feuerverschweißen so aus.

    Ein zweites Paket habe ich gleich verworfen weil mir die äußeren Lagen verbrannt sind. Bei so ganz dünnem Ausgangsmaterial muss man mit der Temperatur wirklich sehr vorsichtig sein.


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    Das fertige Paket war selbst für ein Scandimesser etwas klein, und dem Materialmix, mit nicht härtbaren Anteilen, habe ich auch nicht über den Weg getraut, weswegen ich den Klotz nochmal geteilt habe und ein Stück Kaltarbeitsstahl 72NiCrMo4-2 in die Mitte gepackt habe.

    Also ein San Mai mit um die 40 Lagen, was bei so einer Klinge ein gesundes Maß darstellt. Außerdem hat man so einen homogenen Stahl in der Schneide welchen man verlässlich wärmebehandeln kann.


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    Das Paket wird nun wiederum verschweißt und auf eine verwendbare Länge und Dicke ausgestreckt.


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    Nach dem schleifen sieht die eine Seite nahezu perfekt aus.


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    Die andere hat leider zwei ganz kleine und zwei relativ deutliche Fehlerstellen. =O:cursing:||;(

    Das mit der einen guten und einer besch.... Seite ist mir nun schon drei mal in Folge passiert, wobei dieses hier noch der beste Versuch war.

    Normalerweise schmeißt man sowas weg und versucht es neu. Ich bin zu diesem Zeitpunkt allerdings schon einigermaßen frustriert und mache einfach irrational und starrsinnig weiter.


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    Ich habe das Ding dann einfach mal gehärtet und angelassen um zu schauen was passiert. Die ganz kleinen Fehlerstellen findet man nicht mehr, dafür sind die beiden größeren noch deutlicher geworden. Auseinanderfallen wird die Klinge deswegen nicht aber das ganze ist natürlich sehr unbefriedigend.


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    Um das optische Zusammenspiel von Umreifungsband und Cuttermesser zu testen, versuche ich die Klinge in ultrastarkem Krümelkaffee zu ätzen. Das sieht ganz cool aus wenn man nah genug dran ist und gutes Licht hat aber insgesamt ist mir der Kontrast zwischen den Linien ein bisschen zu schwach.


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    Weil die Klinge ohnehin B Ware ist fange ich ein wenig an zu experimentieren und setzte mal eine etwas härtere Säure an. Man kann solche Muster auch plastisch ätzen wenn es über den farblichen Kontrast nicht das gewünschte Ergebnis bringt. Also rühre ich ein Gläschen Eisen3Chlorid in Männerstärke an. Nachdem ich die Klinge in das Glas gestellt habe, bin ich rein gegangen und habe Essen gemacht. Nach einiger Zeit ist mir die Klinge dann wieder eingefallen. :huh: Als ich die Klinge nach ein paar Stunden aus der Säure hole hat sie jedenfalls genug Kontrast. Die Fehlerstellen sehe ich jedenfalls nicht mehr und ein kleiner Teil der Schneide fehlt auch8| :cursing:. Ich vermute mal, dass die Säure die Kaltschweißstellen weggefressen hat.


    Jetzt wo man die Fehler zumindest nicht mehr sieht, finde ich den antiken look ganz ansprechend und endschließe mich das Messer doch fertig zu bauen. Der Rest ist denke ich relativ selbst erklärend und schon öfter beschrieben weswegen ich mal etwas mehr die Bilder sprechen lasse.


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    Mit Messingbeschlägen habe ich auch nicht so viel Erfahrung weil ich den kitschigen goldenen Glanz nicht mag, aber das Stück Messing lag schon ewig rum, also hab ich´s mir gegriffen und einfach mal ein bisschen drauf rumgeschliffen und gefeilt. Jetzt sieht es aus wie ein....

    :/ Kronkorken.

    Und nach einem kleinen Bad in oben erwähnter Säure glänzt es auch nicht mehr wie der BMW von ´nem Zuhälter.


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    Wieder der alte Trick mit dem angeschweißten Gewinde.


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    Der Griff besteht aus : Der Messingzwinge, drei Streifen schwarzer Pappe, drei Streifen Kirschbaumrinde, einem Reststück rot stabilisierte Maserpappel, drei Streifen Pappe , Maserpappel, drei mal Kirschbaumrinde , drei mal Pappe und einem schön gewachsenem Stück Eiche aus dem Brennholz.


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    Ich habe jetzt auch endlich eine ganz kleine Drechselbank, mit der sich so ein Endstopfen leicht anpassen lässt.


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    Dann folgen wie immer einigen Stunden Meditation mit den verschiedensten Schleifmedien.


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    Also mal Hand aufs Herz. Für so einen beinahe Fehlschlag sieht das Knippchen schon ziemlich heiß aus. :P<3:P


    Nichtsdestotrotz bleibt diese Damastsache meine Nemesis. Wenn ich mal versuche analytisch meine Fehlerquellen zu ermitteln, steht an erster Stelle meine mangelnde Erfahrung. Ich mache zwar mittlerweile einige relativ komplizierte Sachen und bekomme einfache Verschweißungen recht sicher hin, allerdings habe ich aus Mangel an Schweißpulver mit diesen "normalen" Damastpaketen recht spät angefangen und auch zu wenig Zeit um da wirklich besser werden zu können.

    Des weitern Arbeite ich mit einer kleinen Kohleesse, was auch nicht wirklich optimal ist. So ein Kohlefeuer ist einfach wesentlich dreckiger und schlechter kontrollierbar als eine Gasesse.

    Und drittens könnte man noch bemängeln, dass meine Werkstatt zu dreckig ist. Ich mache halt vieles auf kleinem Raum. Da ist immer irgendwas staubig oder schmierig, was natürlich auch ein Grund für Fehlerstellen in Damastpaketen sein kann.


    Nun ja... Wenn die Kinder mal aus dem Haus sind werde ich mich da mal intensiver mit befassen. Bis dahin muss ich wohl weiter improvisieren. ;)



    :winken





    Immer hin haben die schon Strom! Ich finde es immer faszinierend was die mit solch kleinen Essen alles bewerkstelligen.


    outdoor


    Da hast du schon recht. Äxte und Haumesser aus hochlegiertem Stahl machen wenig Sinn. Da sind die ganz billigen Stähle wirklich im Vorteil zumal Äxte oder sehr dicke Klingen, mit nur sehr wenig Chrom auch nicht ganz durchhärten und im Kern immer etwas "weich" bleiben.

    Die ganz einfachen Hochlegierten wie aisi420 oder 440a sind auch noch relativ zäh und neigen aus Mangel an Härte eher zum abrunden als zum ausbrechen der Schneide. Wenn die Schneide ausbröselt besteht da immer ein Missverhältnis zwischen Härte und Schneidwinkel bezogen auf den Einsatzzweck. Streichholzkopfgroße Ausbrüche sind schon ziemlich extrem, da war das Messer zum hacken einfach viel zu Hart oder die Schneide war zu dünn. Generell spielt der verwendete Stahl bei Messern sicherlich auch eine gewisse Rolle aber, was bei der ganzen Frage nach dem besten Stahl immer völlig untergeht ist, dass die eigentlichen zwei wichtigen Kenngrößen immer Wärmebehandlung und Geometrie der Schneide sind.

    Weiß nicht was du hast!? Ich finde den Beitrag recht gelungen. Das macht Sinn, ist hinreichend dokumentiert und obendrein auch kurzweilig anzuschauen. Was will man mehr. :thumbup:

    Das mit den Schultergurten wäre auch meine Frage gewesen, aber hat sich ja schon geklärt.

    Wenn man mal ehrlich ist, müsste man wahrscheinlich gar nicht wirklich Containern um so ein bisschen brauchbaren Müll zu finden...

    Der liegt auch einfach so am Wegesrand wenn man ein wenig die Augen offen hält. Ich finde Bushcraft darf auch mal opportunistisch sein.

    Ich weiß von einigen Stämmen australischer Ureinwohner welche lange Zeit ihre Speerspitzen aus Flaschenböden hergestellt haben, und derlei Überschneidungen gibt es sicherlich ohne Ende. Da kommt auch keiner und sagt "Das ist aber nich Bushcraft was ihr da macht" :opa . Jeder halbwegs kreative Geist nutzt die Ressourcen die ihm zur Verfügung stehen auf best mögliche Weise. Das ist eine der wichtigsten Eigenschaften, welche den Mensch als Spezies überhaupt so erfolgreich gemacht haben. Ob das nun auf langes Sicht gut ist oder nicht.

    An rostenden Stahl kannst du einen flacheren Schneidwinkel schleifen ohne, dass die Schneide Ausbrüche oder Sägezähne bekommt. Bei rostfreien, also hochlegierten Stählen hat man meist recht große Chromcarbide welche zwar sehr verschleißfest sind aber bei zu kleinen Schneidwinkeln einfach rausbrechen. Wenn du mal eine rostende und rostfreie Schneide unterm Mikroskop anschaust, siehst du sofort, dass die rostfreie Schneide wesentlich grobkörniger ist.

    In der Praxis spielt das aber eine eher untergeordnete Rolle weil du schon sehr lange und sehr genau schleifen müsstest damit sich da wirklich spürbare unterschiede ergeben.


    Das mit dem preis für um die 10E finde ich auch mal interessant. Sicherlich wird der irgendwo an die Kaufkraft und Lebenshaltungskosten in Indonesien angepasst sein, aber wenn man bedenkt wie viel Ressourcen und Arbeit da hinter stehen gibt mir das schon zu denken auf.

    Das Teil ist denke ich aus Stahlschrott geschmiedet, welcher sobald er einen gewissen Wirtschaftsfaktor darstellt, auch nicht völlig umsonst zu haben ist. Dann braucht man noch Kohlen zum schmieden und wenn, wie ich ganz stark vermute, dazu Holzkohle verwendet wird braucht man sehr viel davon. Köhler waren nie eine besonders wohlhabende Bevölkerungsgruppe aber für lau arbeiten die auch nicht.

    Dann muss man das Messer noch schleifen und die Holzarbeiten an Scheide und Griff brauchen auch einige Zeit. Wenn der Schmied nicht direkt verkauft kommen auch noch die Kosten für den Händler dazu.

    Also mir ist ja bewusst, dass die Leute da mit wesentlich weniger auskommen als wir, aber dafür, dass es sich um Handarbeit handelt finde ich den Preis schon erstaunlich.

    So denn;


    Hatte die Tage etwas Zeit und habe mich mal mit der Reparatur der gerissenen Axtschneide beschäftigt.


    @ outdoor : Wahrscheinlich hast du recht und die gerissene Schneide würde nicht komplett brechen, zumal sie von beiden Seiten von Baustahl umfasst wird, aber mit sowas arbeiten will ich dann trotzdem nicht.


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    Zu aller erst habe ich den Teil der Schneide welcher gerissen war weitestgehend entfernt und die Kante etwas schräg angeschliffen.


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    Dann braucht man freilich etwas woraus man eine neue Schneide machen kann. Ich wollte nicht wieder ein Stück C45 benutzen, weil mir das Risiko eines erneuten Materialversagens, beim härten, zu hoch war und habe dann mal die "Schrottecke" gründlich durchwühlt. Dabei ist mir so ein XXL Spannstift in die Finger gekommen. Der müsste wenn ich nicht völlig irre, aus 51CrV4 oder etwas stark vergleichbarem sein und hatte auch eine ganz ordentliche Wandstärke. Wichtig dabei war mir vor allem, dass der Öl - härtbar sein müsste was die Wärmebehandlung um einiges risikoärmer gestaltet.


    Kleines Nerd nice to know: Ich habe, wie alle Hobbyschmiede, natürlich auch jede Menge Kfz Federn rumliegen, welche ganz ähnliche mechanische Eigenschaften aufweisen wie das Material vom Spannstift. Allerdings sind solche Federn fast immer Silizium legiert wodurch sich diese nur sehr schlecht feuerverschweißen lassen. Bei so einem Spannstift steht die Federwirkung nicht ganz so sehr im Vordergrund wodurch da einfache chromlegierte Vergütungsstähle ausreichen. Chrom ist beim feuerverschweißen auch nicht gerade hilfreich, aber so ein bisschen geht meistens noch.


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    Dadurch , dass sie Axtschneide schon relativ dünn ausgearbeitet war, konnte ich die neue Schneide nicht wieder mittig einsetzen.

    Also musste der ausgerollte Spannstift außen dran.


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    Das Stück war etwas zu groß, weswegen ich es nochmal halbiert habe. Dann habe ich die Kante etwas angewinkelt und mit zwei Schweißpunkten gegen verrutschen gesichert. Die Schweißpunkte hätte ich im nachhinein lieber an den Seiten angebracht, weil man sie dort hätte wegschleifen können. So sieht man die nachher noch ,was etwas doof aussieht; Aber wann flicke ich mal ´ne Axt??


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    So sieht´s dann nach dem Feuerschweißen und dem erneuten ausschmieden der Schneide aus. Unten sieht man noch den Rest von Riss.


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    Nach dem ich dann wieder viel daran herumgeschliffen hatte, sah das ganze gar nicht mal so übel aus und ich konnte mit der erneuten Wärmebehandlung beginnen.

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    Wenn man sowas von vorne herein plant, bekommt man das auch so hin, dass man keine Überlappungen mehr erkennt. Hier war das Material schon so dünn, dass ich nicht noch mehr wegschleifen wollte weswegen die eine Seite jetzt etwas "einzigartig" aussieht.


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    Ich war den Tag auch noch im Raifeisenmarkt und die hatten kleine Sappie Stiele welche ganz gut zu meinem Eyedrift passen.

    Die rote Signalfarbe am Stielende ist ja nett gemeint, sah aber an der "Wikinger- Style" Axt so unpassend aus, dass ich mir echt die Arbeit gemacht, und diese abgeschliffen habe. Danach habe ich den Stiel noch ein wenig angekokelt um die Optik etwas aufzupeppen.


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    Beim einschlagen des Keil merkt man dann auch ob die Verschweißung am Auge gut ist. Ich habe im Museum schon einige solcher Äxte gesehen bei denen diese Stelle durch "überhartes" verkeilen aufgerissen ist.


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    Noch ein bisschen Öl drauf und fertig. (Was wohl die Versicherung sagt wenn ich behaupte mir ist ´ne Axt aufs Ceranfeld gefallen??) :/


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    Sieht doch super Schick aus. Und liegt mir beim schnitzen sogar besser als die erste.

    Wie schon erwähnt ,kann man das wenn man es direkt so Plant, auch so hinbekommen, dass die Übergänge nicht so derb auffallen.

    Was die Haltbarkeit einer solch seitlich aufgesetzten Schneide betrifft, ist diese natürlich weniger wertig als eine mittig eingesetzte.

    Allerdings gibt es einige Funde aus der Wikinger und Keltenzeit bei denen die Schneide genau so angebracht ist. Über dies war das aufsetzen einer Schneide lange Zeit bei vielen Handwerkzeugen wie, Stecheisen, Dechseln, Bohrern und vielen mehr, die normale Vorgehensweise.

    Seitlich anschweißen ist halt einfach und guter Stahl teuer.

    Ergo denke ich mal, wenn all diese Werkzeuge bis heute nicht auseinandergefallen sind, werde ich mir da keine Sorgen machen müssen.


    So viel zum Thema - "Wie man einen Flicken auf eine Axt macht". Ich bin jedenfalls einigermaßen froh, dass ich das Teil nicht in die Tonne geschmissen hab.


    Bis denn ... :bjoern:winken

    Moin zusammen!


    Lange ist´s schon wieder her, aber Heute hab ich nochmal etwas Zeit zum schreiben.

    Seit geraumer Zeit arbeite ich mich durch die verschiedenen Arten der Axtherstellung und möchte euch nun, meine Resultate der "Faltaugentechnik" nahe führen.


    Dieser Axt/Beiltyp ist schon mindestens seit den Kelten und Römern bekannt und hat sich über lange Zeit bis in die Moderne als Standard etabliert. Erst mit dem Aufkommen von Dampf, Hydraulik und Pressluft betriebenen Schmiedepressen und Hammerwerken ist man, immer mehr, zur Herstellung von Äxten aus einem soliden Stück Stahl übergegangen.

    Im Gegensatz zu den "frühen" Axtformen welche ein eher rundliches bis ovales Auge haben, erhält man hierbei einen relativ modern wirkenden flachen Axtkörper.


    Als Ausgangsmaterial für mein Beil dient hier ein Stück Baustahl in 40x10mm und 180-200mm Länge. (Ganzgenau weiß ich´s nicht mehr)


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    Die Stellen welche, hinterher das Auge ergeben sollen, werden mit einer Reihe Körnerpunkte markiert.


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    Das gleiche geschieht auf der Rückseite.


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    Ziel ist es diese Form auszuarbeiten.


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    Als erstes werden die vorgekörnten Linien mit der Hammerfinne vertieft....


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    .... so, dass man diese sauber an der Ambosskante anlegen und ausschmieden kann. Hierbei ist es etwas tricky nicht unbeabsichtigt die falsche Fläche zu bearbeiten.


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    Die Form des späteren Beilauge kann nun etwas in die Breite gezogen werden bis die gewünschte Materialstäke erreicht ist.


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    Anschließend nimmt man das Maß der fertigen Seite und versucht die andere Seite in die möglichst gleiche Form zu schmieden.


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    Wenn man mit der Gleichmäßigkeit der "Beilkopf- Hälften" zufrieden ist kommt der große Moment in dem diese zusammen gefaltet werden. Hierbei gibt es nun einige kritische Punkte auf die man achten sollte. Zuerst sollte man die Kontaktflächen der späteren Feuerverschweißung vor dem Falten möglichst gut reinigen und am besten schon etwas mit Flussmittel versiegeln, um einer Oxidation oder Verschmutzung vorzubeugen, an die man später nicht mehr herankommt.

    Zweitens sollte man auf keinen Fall zu kalt oder zu schnell biegen, weil sich an der kleinen Kante zur "Hammerfläche" des Beilkopf Risse bilden können.

    Und drittens, und am wichtigsten - Egal wie ungleichförmig das Auge nach dem biegen ist ; Die zwei Kanten, welche die Vorderseite des Auge bilden müssen möglichst genau aufeinander liegen. Alles andere kann man hinterher noch, mehr oder minder gut beheben. Aber diese Stelle ist hierbei die Maßgebende.


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    Wenn alles passt werden die Flächen miteinander verschweißt.


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    Anschließend wird das Auge noch etwas ausgeformt. Ganz wichtig ist hierbei, dass man den "Eye drift" (Ich kenne das nur in englisch. Augentreiber würde auch doof klingen :/ )

    nicht wie bei normalen Axtköpfen mit Kraft von oben einschlägt, sondern viel mehr die Seitenflächen bearbeitet, weil am ansonsten die Schweißstelle wieder aufstemmen würde.


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    Man erkennt hier ,die schon relativ moderne Form des Beilrohlings. In der Zwischenzeit habe ich die Kameralinse geputzt :unschuld und schon mal mit der Trennscheibe einen Schlitz vorne hineingeschliffen. Wir erinnern uns ": Das Ding ist aus Baustahl und hat noch keine Schneide!"

    Genaugenommen ist das auch nicht der selbe Beilrohling wie oben sondern sein "Zwillingsbruder". Da ist mir was durcheinander gekommen, aber die beiden sind bis hierher ziemlich identisch weswegen das jetzt auch keine große Rolle spielt.


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    Der eingesägte Schlitz wird etwas aufgeweitet...


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    .....und ein passender Keil aus C45 wird angefertigt. Wer es ganz hart retro braucht kann den Schlitz auch rein Meißeln, aber ihr wisst ja - Keine Zeit und so...


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    Dieser wird nun so gut es geht angepasst und die Kontaktflächen sauber geschliffen, um eine gute Verschweißung zu gewährleisten.


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    Ich hatte hier beim Schneidkeil noch etwas Material über weswegen es sich angeboten hat, dieses als breiten "Bart" stehen zu lassen.


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    Nach dem Schleifen. Dieses Bartaxt "Wikinger" -Fantasy Design ist jetzt nicht so ganz das meine, aber normale Beile und Äxte habe ich wirklich genug ,weswegen das eine willkommene Abwechslung darstellt.


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    Normalglühen vor dem härten. Härten, anlassen und Feinschliff habe ich nicht mehr Dokumentiert. Dafür aber den etwas improvisierten Stiel.


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    Wenn man Äxte und Beile selber schmiedet hat man immer das Problem, dass es kaum passende Stiele gibt. Ich hatte zwar noch den ein oder anderen rumliegen aber eben nichts wirklich passendes, weswegen ich in meiner Not ein Stück Sperrholz ausgesägt habe. Ich habe so etwas schon mal bei einer Feuerwehraxt gesehen und das Material müsste eigentlich sehr Bruchfest sein.


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    Das Sperrholz war zwar dick genug für das Auge aber am Griff entschieden zu dünn, weswegen ich hier noch zwei Fichtebretter dazu geleimt habe.


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    Sieht wie ich finde nicht einmal so übel aus. Damit schnitzen kann man auch, allerdings hatte ich noch nie so ein "reines" Schnitzbeil mit ganz breiter Schneide.

    Man hat zwar eine sehr lange Schnittfläche aber dafür weniger eindringtiefe beim hacken in "große" Klötze , was für mich etwas gewöhnungsbedürftig ist.


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    Und hier ist dann auch der, eigentlich recht gelungene, zweite Beilkopf welcher leider beim Härten gerissen ist ;( . Den von mir verwendeten C45 muss man leider in Wasser härten, um ihn auf eine vernünftige Härte zu bekommen, was aber auch immer ein gewisses Risiko mit sich bringt. Normalerweise hat man da auch keine Probleme, solange die Werkstückform robust genug ist. Bei diesen Schnitzbeilen habe ich die Schneide etwas dünner ausgeformt als sonst, was hier schon zu Materialversagen geführt hat. Leider bemerkt man sowas oft auch erst beim schleifen.


    Ich denke aber, dass ich die gerissene Schneide relativ leicht ersetzen kann. Ich werde mich so bald wie möglich mal damit beschäftigen und das Resultat hier hinzufügen.


    Bis dahin - Gruß an alle, und viel Spaß am Wintertreffen! Wäre auch gerne gekommen, schaff´s aber die Tage echt nicht. ;(





    Was für eine "Art" Bushcrafter ich bin, hängt immer etwas von der Situation ab. Wenn ich für ein paar Stunden in den Wald gehe um ein bisschen zu "spielen" oder mit den Kindern ein kleines Picknick zu machen, habe ich schon mal etwas rustikale Ausrüstung dabei. Großes Messer, Beil, Säge, großer Hobokocher und dann auch mal ´nen alten Armeeponcho oder Rucksack. Eben das robuste, billige Zeug um im Dreck zu spielen.

    Bei längeren Wanderungen kommt dann aber das moderne leichte Zeug zum Einsatz. Das mit den kleinen Kindern und wenig Zeit kenne ich auch. Allerdings habe ich das große Glück, dass zumindest mein älterer Sohn (6 Jahre) schon immer ein echter Outdoor- Enthusiast ist. Kleine Mehrtagestouren sind da schon wieder möglich. Da muss man sich natürlich Zeit nehmen und kleine Wegstrecken planen, was mir aber entgegen kommt, weil ich mich, so oder so, vom stumpfen Kilometer laufen hin zum entspannten Naturerlebnis, entwickeln möchte.

    Hier im Forum bin ich wohl am meisten für meine, Schmiedesachen und diverse Handwerkeleien, mit "Bushcraftrelevanter" Themenüberschneidung, bekannt. Solche Dinge wie altes Handwerk und vorindustrielle Werkzeugherstellung interessieren mich sehr.

    Ich benutze genau die selbe EVA Matte als Unterlage, wie der Ben seit vielen Jahren. Oft auch zusammen mit Frau und/oder Kindern.

    Bisher hatte ich da noch keine Probleme bezüglich der Stichfestigkeit. Man legt sich normalerweise auch nicht mitten in Dornen oder auf spitze Äste und Steine. Ein 68g/qm Nylon bietet wohl auch kaum nennenswerten Stichschutz, ist aber sicher schön leicht, wobei ich da lieber das Zeltboden Material genommen hätte. Eine günstige Alternative mit der ich auch recht lange unterwegs war, ist sich ein Stück zurechtgeschnittene Baumarkt- Gewebeplane . Ist auch relativ leicht, raschelt aber etwas.

    So denn... wie versprochen, ein kleines Review.


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    Um das gute Stück auszutesten, haben wir das Schaukelgestell kurzerhand mit Ein paar Planen und Brettern zum improvisierten Lavu umgerüstet. Natürlich waren es zu Einweihung 23 Grad und strahlender Sonnenschein.


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    Damit wirklich nichts kippen oder wackeln kann, wurde der Ofen noch mit Nägeln und ein bisschen Tüdeldraht gesichert. Wenn man den Ofen auf den Boden stellen würde, könnte man auch die normalen billig Zeltheringe in die "Fußlöcher" stecken.


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    Ich hatte anfangs gewisse Bedenken, ob der Durchmesser des Ofenrohres und die Belüftungsöffnungen, ausreichend dimensioniert sind, aber der Ofen zieht gut und macht unter "Volllast" ein angenehm pöffelndes Geräusch. Also man hört deutlich, dass da gut Luft durchgesaugt wird.


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    Obwohl der Brennraum sehr klein ist kann man schon halbwegs vernünftige Holzscheite verheizen und muss nicht ständig irgendwelchen Reisig nachschmeißen.

    Klötzchen bis ca. 4x4cm nimmt der Miniofen noch ganz gut. Auch die Glut hält sich eine Weile. Was man hier noch hätte besser machen können, ist die Lüfteröffnungen ganz nach unten setzen so, dass die Luft direkt durch das Aschenrost auf die Glut zieht. Dies war mir allerdings nicht möglich weil mein Türblech einfach nicht breiter war. Ist aber auch nicht so wichtig. Des weiteren wäre eine Zusatzlüftung an der Rückseite des Ofens nicht verkehrt, weil durch die nicht ganz optimale Form der Brennkammer hinten wenig Luft ankommt, weswegen das Holz vorne relativ schnell verbrennt und hinten immer einige Kohlenstückchen liegen bleiben. Auch dies ist aber meckern auf hohem Niveau. Der Ofen funktioniert so wie er ist schon ganz gut, was man an den relativ geringen Rückständen sehen kann.


    Wenn man wirklich ,unsachgemäß oder mit feuchtem Holz, nachlegt kann es etwas aus der Ofenklappe oder den Lüftern rauchen, was aber bei "professionellen" Öfen und Kaminen auch der Fall ist. Des weiteren haben viele solcher Zeltöfen noch eine Dämpferklappe im Schornstein auf welche ich hier, ganz bewusst, verzichtet habe. Ich bin da nun auch kein Experte - ABER - Den Rauchabzug zu regulieren, ist sicher möglich, hat allerdings den ganz dummen Nachteil, dass man im Zweifel den Rauch und, schlimmer noch das Kohlenmonoxid, zurück staut.


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    Die Heizleistung des Ofens ist, gemessen an seiner Größe, ganz ok. Für mein PU Folien Lavu bringt der jetzt nicht so viel. Wir haben zwar noch einiges mehr "eingehaust" als auf dem ersten Bild zu sehen war, aber der Ofen steht nun mal nur an einem Ende, während die meiste Wärme nach Oben und zu den langen Seiten weg geht. Ein Tipi oder einen ähnlichen Raum von 10 bis 16m² könnte man aber sicherlich beheizen. Wobei das natürlich immer auch eine Frage von Außentemperatur und Isolation ist.

    Zum kochen und braten eignet sich der Ofen leider nur sehr eingeschränkt. Für mein 0,7L Teekesselchen brauche ich ca. zehn Minuten, bis das Wasser richtig kocht, was noch beinahe egal ist wenn man den Kessel so wie so auf dem Ofen stehen hat. Schwierig wird es beim zubereiten von Essen. Die kleinen 23-24cm Pfannen passen zwar mit der Bodenfläche noch gut auf den Ofen, aber da braucht man schon echt Geduld. Ein kleines Rührei mit Speck kann man noch machen, Pfannkuchen gehen mit ganz viel Gewalt auch noch, aber da ist der Letzte kalt, bevor der nächste fertig ist. Da ist jeder noch so kleine Hobo- oder Spirituskocher schneller, was eigentlich schade ist weil ich gerne auch bei Schietwetter draußen Essen machen würde.


    Hier habe ich leider bei der Planung etwas gepennt. Es gibt Zeltöfen in ähnlicher Größe welche extra eine Art herausnehmbaren Deckel haben mit dem sich die "Kochfläche" komplett öffnen lässt. Da der Deckel ohnehin zweilagig ist könnte man das obere Blech entfernen und vom unteren einen Rand stehen lassen, auf dem der Deckel aufliegt. Vorausgesetzt man hat die passenden Lochsägen. Dabei ist mir eingefallen, dass der uralte Kohlenherd meiner Oma auch herausnehmbare Ringe hatte um die Töpfe direkt übers Feuer zu stellen. Dies hat natürlich den Nachteil, dass beim Kochen immer etwas Rauch und Verbrennungsgase entweichen können. Mal sehen ob ich da noch mal was umbaue.


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    Nach nun einigen Wochen und Betriebsstunden ist das Ascheniveau immer noch überschaubar. Einen extra Ascheschieber oder eine extra Klappe braucht man wirklich nicht. Man nimmt das ganze Ding, macht den Deckel auf und kippt einfach alles raus. Ich dacht auch , dass ich mir hier schwarze Finger hole aber so schlimm ist das wirklich nicht. Interessant ist auch, dass sich immer noch Farbreste am Boden und Zink an den Unterlegscheiben befinden, was dafür spricht, dass das Aschenrost den Boden gut vor der Glut schützt.


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    Das Aschenrost hat sich etwas verformt, was aber auch normal ist. Die Dinger sind Verschleißteil Nummer ein bei jedem Ofen.


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    Die Rostspuren gehen leider auf meine Unachtsamkeit zurück:schäm. Ich hatte den Ofen lange draußen stehen und die meiste Zeit nur mit einem alten Poncho abgedeckt. Am Schornstein ist natürlich Regenwasser herunter gelaufen und konnte unter dem Poncho auch nicht entweichen, so, dass sich hier sehr lange Staunässe halten konnte, welcher der Lack nicht gewachsen war. Funktionell völlig irrelevant, sieht aber nicht schön aus. Ich werde da einfach nochmal etwas nachschleifen und eine neue Schicht Lack drüber sprühen, hab ja noch genug davon.


    Bevor ich es vergesse:


    @ Outdoorfriend - Gewogen habe ich das Teil auch mal. Alles zusammen 8,2 kg, wovon ca. die hälfte nur auf den Schornstein zurückgeht, bei einer Länge von 175cm. Also nix für ultra leicht. Die Schornsteinsegmente sind leider recht dickwandig. Da könnte man einiges an Gewicht sparen. Bei Tschum oder ähnlichen Händlern gibt es Zeltofenrohre einzeln zu kaufen sind aber SEHR teuer. Die leichtesten Öfen haben einfach nur ein sehr dünnes Stück Titanblech, welches zu einem Rohr gerollt und mit Ringen fixiert wird. Zum vergleich: Der von Miltec wiegt so um die 12kg ist aber auch ein wenig größer. Der Leichteste bei Tschum ca. 1800g. Der ist aber auch noch ein bisschen kleiner als meiner. Wenn man zu zweit oder zu dritt unterwegs ist, wäre der schon rucksacktauglich.


    DCT996 - Über ein Sandstrahlgerät habe ich in der Tat noch nie nachgedacht. Allerdings brauche ich so etwas auch höchst selten und "frei" mit so etwas rumsprühen macht schon eine ziemliche Sauerei. Geschlossene Systeme sind hingegen sehr teuer. Lohnt sich also für mich nicht, wobei der Gedanke sicher nicht abwegig ist.


    :schlaubiAbschließend möchte ich noch anmerken, wenn jemand vor hat sich solch einen Zeltofen selber zu bauen und diesen auch in einem mehr oder minder geschlossenem Zelt/Raum nutzen möchte, sollte man dies, zumindest bei der ersten Inbetriebnahme, mit einem CO Melder tuen. Öfen sind an sich simple Technik und hier in Deutschland wird auch vieles übertrieben, aber Kohlenmonoxid ist wirklich sehr gefährlich, weswegen man da lieber etwas vorsichtig seien sollte.

    Amen!;)



    Bis dahin - Gruß an alle :winken