Posts by Skuzzlebud

    Hallo miteinander!


    Schon wieder ist es lange her, dass ich hier was schreibe. Das Jahr verlief nicht so gut bei mir; Musste operiert werden und so... Aber im August war ich wieder so halbwegs auf den Beinen und verkünde nun voller Stolz das erste Wildcampen mit meinen beiden Jung´s.


    Geplant war eigentlich eine eine "große Jungs Tour" mit meinem älteren Sohn (5 Jahre) aber wie das so ist, wollten der Kleine (3 Jahre) und die Mama auch mit.


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    Ein "Spaziergang" mit zwei Kindern + Übernachtung wird ganz schnell zur logistischen Mammutaufgabe. Obwohl wir wirklich sparsam gepackt hatten... - ( Das Wetter war gut ,also hatten wir weder Jacken noch Wechselkleidung für die Kinder eingepackt. An Waschzeug waren nur die Zahnbürsten dabei.) ...- waren ein 70 und ein 40 Liter Rucksack recht schnell voll. Im "Mama Rucksack" wäre vielleicht noch etwas Platz für Regenklamotten gewesen aber das wars dann auch wirklich. Allein die zwei zusätzlichen Schlafsäcke, das große Zelt und das Essen rauben schon massiv Volumen.

    Wenn ich bedenke, dass ich alleine mit dem Rucksack locker zehn Tage autark auskommen würde hat mich das schon etwas überrascht.

    Die Jungs wollten dann auch unbedingt ihre Taschen mitnehmen, wobei so kleine Kinder natürlich möglichst wenig tragen sollten. In den Taschen waren die 0,5L Trinkflaschen, eine fünf Minuten Suppe, ein Fruchtriegel die Holzlöffel und die Kopflampen + ein kleines! Buch zum vorlesen.


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    Weil der kleine mit an Bord war, ist die Wegstrecke dann auch überschaubar ausgefallen. Ziel der gewaltigen Wanderung war ein öffentlicher Grillplatz mit Quelle. Das Auto stand ca. einen Kilometer entfernt am Wanderparkplatz um im Notfall noch einen geordneten Rückzug antreten zu können.

    Höhepunkt des Tages war natürlich ein am Hobokocher zubereiteter Topf Spagetti. Um nicht unnötig Zeug mitzuschleppen haben dann alle aus einem Napf gefuttert, was auch mit erstaunlich wenig Gezänk von statten ging.


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    Dazu gibt es noch einem warmen Tüten Kakao und die Kinder sind zufrieden. Den Rest des Tages kriechen die Jungs im Unterholz rum machen Krach, sammeln ohne Ende Zecken und natürlich sind nach kürzester Zeit und trotz meiner strickten und unmissverständlichen Aufforderung dies zu unterlassen, die Schuhe und die Hosen im Bächlein durchnässt worden. So viel zum Thema keine Wechselsachen mitnehmen. Aber im Sommer kann man auch mal mit nassen Schuhen rumlaufen. Auch wenn das Geschrei erst einmal groß ist, denken die Kinder da nach zehn Minuten nicht mehr drüber nach.


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    Nach dem Abendessen (ebenfalls fertig Nudeln in Chemotomatenkonzentrat, die Kinder würden das am liebsten nur noch essen), ist der Platz immer noch einiger Maßen gut frequentiert so, dass ich und der "Große" uns auf die Suche nach einem geeigneten Platz zum ungestörten Übernachten umsehen. Wir finden ein Plätzchen in der Nähe, welches vor kurzen noch ein, vom Borkenkäfer zerstörter Fichtenwald war. Also packen wir unsere Sachen füllen nochmal unsere Wasserflaschen auf und ziehen um. Der Harvester hat hier alles platt gemacht und aus den übrig gebliebenen Ästen bauen wir einen kleinen Sichtschutz, welcher unser Zelt recht gut vom Waldweg abschirmt.


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    Dann wird noch der Boden von Ästen und Zapfen gereinigt und das Zelt kann aufgeschlagen werden.


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    Zähne putzten in äußerst pittoresker Umgebung. Und danach ganz wichtig, nochmal intensiv Zecken suchen. Trotz Autan auf den Hosen und Schuhen hatten die beiden den Tag über so einiges an fiesen kleinen Krabblern eingesammelt. Ich bin dazu übergegangen die Kinder einfach in regelmäßigen abständen zu lausen. Auf diese Weise finde ich die allermeisten Zecken bevor sie sich festgebissen haben.


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    Im Dreimannzelt wird es nun arg Kuschelig aber es passt. Ein großes Tarp wäre mir persönlich für den Sommer lieber, aber das Problem dabei ist, dass die Kinder in der Nacht "wegrollen". Selbst wenn wir die Beiden wie hier in die Mitte nehmen hauen die ,im Schlaf, nach oben oder unten ab. Also braucht man schon einen "verschließbaren Raum" damit die nicht wegkullern. Besonders der Große liegt auch zuhause gerne mal quer oder mit dem Kopf nach unten im Bett.


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    Die beiden Pixi Büchlein waren schnell gelesen und die beiden waren trotz Müdigkeit noch ziemlich aufgedreht, weswegen es noch eine! Folge Paw Patrol auf Mamas Handy gab.

    Ich weiß... das ist ein schlimmer Stilbruch, aber mit Kindern ist einfach vieles anders.


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    Funktioniert hat es aber. Die Nacht verlief ruhig, der Große war einmal wach und hat im Halbschlaf gefragt wann die nächste Dino Zeitung kommt, Angst hatte aber keiner. Was bei dem Kuschelnest feeling aber auch kaum zu erwarten war.


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    Morgens um sechs gab es dann etwas Hektik im Zelt als es hieß "ich muss Pullern und der Reisverschluss geht nicht auf.":eek Dann gab es nochmal etwas Unmut als man in die, nun kalten, nassen Socken und Schuhe musste:eek:heul. Ich sage nur "Hättet ihr auf mich gehört". Aber auch dieses Problem ging schnell vorüber. Zum Frühstück gab es nur Wasser und Fruchtriegel, was wir dann zuhause nachgeholt haben. Dann wurde zusammengepackt und der Heimweg Richtung Sonnenaufgang angetreten.


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    Ein weiteres Problem beim Campieren zu viert ist die gewaltige Müllmenge welche sich in recht kurzer Zeit einstellt.

    Aber die Hauptsache ist, dass es den Kindern gefallen hat. Die sind jedenfalls schon heiß aufs nächste mal.


    Ein kleiner Spaziergang für mich ein großes Abenteuer für die Jungs.


    :winken





    VA Go Mai - Versuche mit rostfreien Mehrlagenstählen 2.0


    Viel zu lang ist´s her, aber dennoch präsentiere ich hier den zweiten Teil meiner Versuchsreihe, bei der ich VA Stahl mit C Stahl zu Mehrlagenpakten feuerverschweißt habe. Die genauen technischen zusammenhänge werde ich hier nicht noch einmal erläutern. Wer es genau wissen möchte, möge bitte den vorigen Beitrag noch einmal lesen.


    Nach meinen Erfolgen mit San Mai Stahl Paketen, wollte ich die Sache noch etwas mehr ausreizen und habe das Ganze nochmal mit fünf und neun Lagen wiederholt.


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    Go Mai bedeutet auf japanisch , oh Wunder, fünf Lagen. Dabei werden dem San Mai (drei Lagen !), man rechne und staune, noch zwei Lagen hinzu gefügt.

    In diesem Fall bildet der 75CrVMo2 die Schneide der VA Stahl die Zierstreifen und für außen, habe ich einfach noch zwei Stücke Kreissägenblatt ausgeschnitten.

    Dabei sollte es sich um 75Cr1 oder vergleichbares handeln.

    Der Sinn dahinter ist auch in diesem Fall nur der optische Effekt. Was sich die Japaner davon technisch versprochen haben kann ich nicht genau benennen. Der Unterschied zu drei, sieben oder mehr Lagen sollte, diesbezüglich nicht besonders hoch sein.


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    Auch hier werden die Kontaktflächen wieder so gut wie möglich plan geschliffen und gereinigt. Danach wird das Paket aufeinandergepresst und alle offenen Seiten werden mit Schweißnähten verschlossen, um das eindringen von Sauerstoff beim schmieden zu verhindern.


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    Nachdem das Paket ausgeschmiedet ist und so Gott will auch alle Lagen verbunden sind werden die Nähte vom E- schweißen abgetrennt.


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    Das Paket sah erstmal ganz gut aus, hatte aber an einer Seite eine relativ große Fehlerstelle an der die mittlere Lage nicht mit dem VA Stahl verbunden war.

    Der Klotz war aber groß genug um zumindest genug Material für ein kleines Steckerlmesser heraus zu quetschen.


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    Die Sache lässt sich natürlich immer noch Steigern. Hier der Versuch mit neun Lagen. Also schon ein einfacher "low layer Damast" und nichts traditionell japanisches. Zwischen die nun zwei lagen VA Stahl kommt hier noch ein schmaler Streifen "Titan" Verpackungsband. Das Zeug kann man nicht wirklich härten, aber es ist schon wesentlich fester und elastischer als normaler Baustahl und für mich leicht verfügbar. Sinn dabei ist hier noch eine dunkle Linie zwischen die silbernen VA Stähle zu bekommen.


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    Auch hier wieder das selbe Prozedere. Alle Flächen plan schleifen, alle Flächen penibel reinigen, alles rundherum dicht schweißen, anschließend feuerschweißen und ausschmieden. Das Resultat dieser nicht geringen Mühen, sah erstmal sehr gut aus. Vor meinem geistigen Auge hatte ich mir schon eine wunderschön gemusterte Klinge ausgemalt. Leider hat der Rohling nicht wenige Fehler an ungünstigen Stellen so, dass ich mich dazu entschlossen habe, meine Zeit nicht damit zu verschwenden an einem verschissenen Werkstück rum zu pfuschen. ;(  Lebe wohl neun Lagen- low layer -VA- Sägeblatt- Titanband- Damast Paket - Du hättest die schönste von allen werden können! ;(


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    Aber wir haben ja noch den Go Mai Rohling. Das schleifen und feilen ersparen wir uns mal und werfen statt dessen noch einen kurzen Blick in den Griff des Messers. Dieser besteht aus Kuhknochen aus einer Beinscheibe - Leder - rotes Vulkanfiber- weißer Kunststoff- Ebenholz - weißer Kunststoff- rotes Vulkanfiber -Leder und Apfelbaumholz.

    Das ganze wird verklebt und presst sich quasi selbst, durch eine Mutter die auf ein Gewinde greift, welches hinten auf den Erl geschnitten wird.

    Dies ist eigentlich die schlechtere Art so eine Verschraubung anzubringen. Wesentlich besser ist es eine Gewindestange am Erl anzuschweißen, weil man das Endstück nie perfekt rund geschliffen bekommt und das Gewinde somit auch nie wirklich gut wird. Ich habe nun beides probiert und es funktioniert, aber eine Gewindestange anschweißen ist besser.


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    Wenn der Griff verklebt ist wird die Mutter auf den Erl geschraubt und hält alle Teile sicher in Position. Damit man das Loch am Griffende nicht zu groß bohren muss habe ich mir eine Stecknuss extra schlank geschliffen. Das Loch wird nachher mit einem Holzstopfen verschlossen so, dass der Griff möglichst homogen wird.

    So bekommt man einen gesicherten Griff mit fast durchgängigem Erl bei dem aber keine Nietköpfe oder Muttern herausstehen.


    Und nun endlich --


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    Schon etwas "used" aber bestimmt eines der auffälligsten Messer aus meiner Fertigung. Die eine Seite sieht so homogen aus als hätte ich in meinem Leben nichts anderes getan als Go Mai Stahl zu schmieden.

    Bei der anderen sind durch das lange ausstrecken des fehlerfreien "Reststückes" die Lagen etwas gekrümmt worden, wodurch ich von der äußeren Lage ziemlich viel wegnehmen musste um die Symmetrie der Schneide zu erhalten. An dem "Wolkenmuster" erkennt man, dass diese Seite mehr Hammerschläge bekommen hat als die andere, also wohl meistens oben gelegen hat. Das war nicht geplant sieht aber auch ganz chic aus. Hier gelangt diese Technik dann auch an ihre Grenzen. Man merkt ganz klar je mehr Lagen man hat desto mehr Fehlerquellen ergeben sich auch. Mit einer Flächenschleifmaschine welche perfekte Planflächen erzeugt und einer guten Möglichkeit die Pakete beim verschweißen sauber aufeinander zupressen, kommt man sicher noch weiter. Aber mit meiner Ausstattung bleibt 3-5 Lagen VA Laminat das höchste des beherrschbaren. VA Stahl lässt sich nun mal sehr schlecht feuerschweißen, weswegen den nickellegierten, nicht hoch chromhaltigen Stählen, hier deutlich der Vorzug gegeben werden sollte um auf ähnliche Resultate zu gelangen.

    Nun ja ich hab´s gemacht und es war eine interessante Erfahrung. Daher werde ich noch ein paar andere Sachen in der Richtung ausprobieren.


    Hier nochmal ....


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    Vorher


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    Nachher



    Also ich hab noch ein paar echt "schräge" Eisen im Feuer - kann aber wie so oft etwas dauern. Bis dahin Gruß an alle! :winken




    Bear 96


    Alles kein Problem. Ich gehöre ja noch zu einer Generation, die nicht den ganzen Tag rumläuft und sich selber bei Straftaten filmt und dieses dann auch noch ins Netz stellt.;)

    Du darfst die Dinger ganz frei in Deutschland erwerben, musst aber dem Händler in aller Regel dafür unterschreiben, dass du die Falle nur als Dekoartikel nutzen willst, damit dieser nicht belangt werden kann falls du doch damit Scheiße baust. Der Besitz allein ist aber völlig unproblematisch.


    Was man damit will? Was will man mit dem zehnten Messer? Mit dem fünften Rucksack? Mit dem vierten Schlafsack? Wie bei der Messermacherrei ,geht es mir vor allem um den Herstellungsprozess an sich. Die Falle, oder das Messer hinterher zu "haben" ist mir dabei im Grunde nicht wichtig. Es geht mir eher darum es "gemacht" zu haben. Also die Herstellung mit eigenen Händen nach zu empfinden. Das ist in etwa so, wie auf einen Berg zu steigen oder einen Film darüber zu gucken. Erstes ist sicher mit viel größeren Mühen verbunden und dennoch besser als nur den Film darüber anzusehen.

    Moin miteinander;


    Ich hatte eigentlich vor noch ein paar Messerbeiträge hochzuladen, bin der Sache aber irgendwo überdrüssig geworden und habe mich stattdessen, erstmal einem anderem Schmiedeprojekt gewidmet, welches mir seit langem unter den Nägeln gebrannt hat. Und zwar habe ich mich gefragt ob ich eine klassische "Pelzjäger" Falle - zu deutsch - Tellereisen, selber bauen könnte. Während der großen Pelzhandel Epoche wurden die Dinger schließlich auch von Hand geschmiedet.

    Nur um es gesagt zu haben: Das jagen mit Tellereisen ist üble Tierquälerei, EU weit verboten und ich habe nicht vor diese Falle ernsthaft zu benutzen.:schlaubi

    Dennoch üben die Dinger einen gewissen archaischen Reiz auf mich aus, weswegen ich mich etwas belesen und alsbald einige grobe Skizzen zu Papier gebracht habe.


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    Ich habe hier grob überschlagen, wie viel Material ich benötige um ein Tellereisen mit ca. 100mm Bügelweite anzufertigen. Ich weiß nicht viel über die Jagd mit solchen Fallen, aber das müsste so ungefähr Waschbärgröße sein.


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    Für eine enorm große Falle hätte ich massig passendes Material rumliegen gehabt, aber bei so kleinen Sachen sieht es in meinem privaten Schrotthaufen etwas dürftig aus.

    Nach einigem rumwühlen, sind dann diese beiden Prachtstücke ans Tageslicht geraten. Das eine ist ein ca.7mm Vierkant und das andere ein ca. 20x4mm Flacheisen. Vermutlich Teil einer einfachen Federaufhängung. Die beiden Dinger habe ich mal irgendwo gefunden.


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    Begonnen habe ich damit das 7er Vierkant in ca.10x X mm flach zu hämmern um daraus die Fangbügel der Falle anzufertigen.


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    Damit die Bügel schön rund und gleichmäßig werden, habe ich den Ring eines Kugellagers als Radienschablone beim biegen verwendet.


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    Danach wollte ich die Löcher, in denen die Bügel sitzen, einschlagen. Dies geht oft schneller als Bohren und wäre auch historisch "authentischer" gewesen. Allerdings sind mir dabei die Ecken total eingerissen, was mich an der Qualität des verwendeten Material, hat zweifeln lassen.


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    Das mit dem einschlagen der Löcher war nix, also habe ich die Löcher gebohrt und anschließend die Seiten um gekantet. Hier hat sich auch mein Verdacht bestätigt, dass es sich nicht um modernen Baustahl, sondern entweder um schlecht gemachtes Puddeleisen oder sogar um direkt reduziertes Schmiedeeisen handelt. Also um Material bei dem eine Eisenluppe nur durch falten und zusammenhämmern verdichtet und "gefrischt" wurde. Kurz gesagt das Zeug ist uralt und wurde eventuell im Hinterhof erzeugt.

    Es gibt Leute die arbeiten aus historischen Gründen mit solchem Material oder weil sie es cool finden. Das blöde daran ist eben nur, dass man auf eine qualitative Wundertüte setzt. Solches Material kann gut sein, aber in aller Regel neigt es zu Rissen. Wie man auf dem Bild schön sehen kann, auch an den seltsamsten Stellen. Da erkennt man sogar wie sich die einzelnen Schichten trennen.


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    Ich hab dann kurz überlegt ob ich das Zeug wegschmeiße, aber für ein ohnehin nicht ganz ernstes Projekt ist es gut genug. Also habe ich auch den zweiten Teil daraus angefertigt.


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    Dann habe ich die Pin´s mit denen die Bügel eingesetzt werden eingepasst. Das hätte man auch noch schmieden können, aber bei so kleinen Teilen ist feilen und schleifen die bessere Wahl.


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    Nun kommt das entscheidende Bauteil der Falle - Die Feder. Hier hatte ich nun keine Ahnung welche Dimension meine Feder haben muss. Ich hatte 10mm KfZ Feder , 16mm C45 und 22mm Federstahl zur Auswahl und habe es dann mit dem C45 versucht. Richtig wärmebehandelt hat auch dieser eine hohe Elastizität. Man könnte sicher auch Baustahl verwenden, allerdings müsste die Feder dann unverhältnismäßig groß sein.


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    Flachhämmern...


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    ... die Enden absetzen...


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    ..und ausschmieden.


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    Hier konnte ich auch endlich die Löcher ausstanzen.


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    Im Anschluss werden die Löcher aufgedornt bis das passende Maß erreicht ist. Hier muss man akribisch darauf achten, dass die Löcher im Durchmesser zu den Bügeln der Falle passen, weil diese für das schließen der Bügel verantwortlich sind. Bei einer zu großen Öffnung schließen die Bügel nicht richtig. Bei einer zu engen Öffnung verkantet der Mechanismus.


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    Bei der ersten Anprobe passt die Feder gut über die Bügel und den "Sockel". Allerdings ist die Stärke der Feder eher weniger was für Waschbären, sondern mehr so in Richtung Triceratops.:unschuld

    Da musste ich im Nachhinein noch einiges an Material wegnehmen. Es gibt halt Dinge, die kann man nicht berechnen, die muss man einfach durch ausprobieren lernen. Memo an mich selbst:

    Beim nächsten mal die 10mm KfZ Feder nehmen. Dass hätte eine Masse Arbeit erspart.


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    Aus einem kleinen Stück von dem 7er Vierkant habe ich noch die Wippe für den Teller gedengelt.


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    Die Niete aus dem ominösen Schmiedeeisenstück war noch wie neu und viel zu schade um sie nach, gewiss weit über hundert Jahren, einfach weg zu werfen, also habe ich diese kurzerhand wiederverwertet.


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    Wo wir schon bei Premiumwerkstoffen sind, habe ich hier auch noch einen fast unbenutzten Nagel welcher sich hervorragend dazu eignet um daraus den Auslöserpin anzufertigen.


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    Hier musste ich nochmal Bohren.


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    Der Kopf von unserem Premiumnagel dient als Niete. Hier wird wirklich alles verwertet.


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    Im Anschluss werden die Pin´s an den Bügeln soweit gekürzt, dass sie nicht mehr über die Löcher hinausstehen. Danach wird die Feder eingesetzt, die Bügel werden noch einmal erhitzt und mit den Pin´s in die Löcher gebogen.


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    So sieht das dann mit der, nun erheblich verjüngten, Feder aus.


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    Als "Teller" habe ich hier einfach ein ganz billiges Stück Weißblech ausgeschnitten. Dies hat den Vorteil ,dass man es einfach in Form biegen und anpassen kann.


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    Als Gelenk für die Wippe dient ein einfacher Nagel.


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    Für den Auslöser gibt es verschiedene Varianten. Ich habe hier ein kleines Häkchen an den Auslöser gefeilt welches unter einen Flansch greift den ich in das Blech gebogen habe.

    Wenn der Teller nun nach unten gedrückt wird, löst sich das Häkchen, die Feder entspannt sich und schließt die Bügel.


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    Und so sieht das böse Ding dann gespannt aus. Die Feder und der eine Bügel liegen noch nicht ganz eben auf. Da müsste ich noch ein bisschen Fummelarbeit investieren und eine Feder mit flacherer Bauform verwenden, aber fürs erste bin ich zufrieden.


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    :piek


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    :eek


    Nun ja das Teil funktioniert und es macht Spaß damit zu "spielen". Die Feder ist immer noch ein wenig stark. Man will schließlich Tiere festhalten und nicht Amputieren. Meine Finger möchte ich da jedenfalls nicht reinhalten. Aber für reine Anschauungszwecke ist das gerade gut.

    Auch wenn das Ganze nur eine reine Spielerei ist, war es in jedem Fall ein sehr interessantes und auch gewissermaßen anspruchsvolles Schmiedeprojekt. Ich sage immer ein Stück Stahl flach zu hämmern und dann ein Messer draus zu schleifen schafft noch jeder :zensiert. Wenn ein Werkstück aber eine Mechanik ausführen soll und dazu noch eine gut abgestimmte Federkraft benötigt spielt das in einer ganz anderen Liga.


    Grüße an Alle - Holger















    @ Odin -


    Kanisterdamast ist, in der Tat ähnlich und funktioniert, bei der Herstellung, auch über den Luftabschluss. Der Unterschied besteht darin, dass das verschweißte drei Lagen Paket quasi selber der Kanister ist und man weniger Abfall hat. Bei Kanisterdamast bist du aber unabhängig von der Form der zu verschweißenden Teile. Da kannst du alles reinkippen was gerade da ist. Die Hohlräume werden dabei mit Stahlpulver aufgefüllt. Kleine Hohlräume kann man auch mit kurzkettigen Kohlenwasserstoffen füllen. Diesel, WD40, und Wachs sind da die gängigsten Mittel. Beim verbrennen wird so der Restsauerstoff verbraucht und der zurückbleibende Ruß (also sehr reiner Kohlenstoff) kann in den Stahl diffundieren, wird also in den Stahl aufgenommen. Dies funktioniert natürlich nur mit sehr kleinen Mengen. Das Problem bei Kanisterdamast ist, die oft kleinteiligen und verschmutzten Bestandteile vernünftig sauber zu bekommen. Ich habe hier Klingenrohlinge aus Motorsägenkette , Garagentorfeder und Kugellagerkugeln rumliegen. Letzteres habe ich verschissen. Wenn ich´s nochmal neu gemacht und aus einem davon ein fertiges Messer geworden ist lade ich mal einen Beitrag darüber hoch; Kann aber dauern - hab gerade nicht viel Zeit.;)


    Das mit dem Sand ist auch richtig. Früher hatte man kein Borax und hat beim Feuerschweißen überwiegend Sand benutzt. Die Wirkungsweise ist die selbe wie bei Borax. Der Sand( Oder vielmehr der Quarzanteil darin) schmilzt und bildet eine Schutzschicht, welche die Oxidation verhindern soll. Ich habe das selber noch nie Versucht. Soweit ich weiß besteht der Nachteil darin, dass Sand einen wesentlich höheren Schmelzpunkt hat als Borax. Bei Baustählen ist das kein Problem; Die müssten mit Sand noch gut schweißbar sein. Je mehr Kohlenstoff jedoch im Stahl vorhanden ist desto niedriger ist auch der Schmelzpunkt bzw. die Temperatur bei der, der Stahl verbrennt. Wenn man nun "gute" Werkzeugstähle mit Quarzsand verschweißen möchte, rücken der Schmelzpunkt vom Sand und der Punkt an dem der Stahl verbrennt gefährlich nah aneinander. Überdies ist Sand auch nahezu immer verunreinigt und hat, soweit ich weiß, auch keine oxidlösende Wirkung.

    Also - Ja. Man kann Sand als Flussmittel zum feuerschweißen verwenden - Hat ja früher auch funktioniert - Aber es erfordert ein hohes Maß an Können und besonders beim Umgang mit härtbaren Stählen sollte die Fehlerquote recht hoch sein.


    @ Lortnoc -


    Das mit den Elektroden ist eine einleuchtende Idee. Im Grunde dient die Ummantelung auch nur dazu eine Schutzhülle beim Schweißen zu bilden. Wenn es jedoch so einfach wäre hätte ich bestimmt schon davon gehört. Ich vermute das Zeug hat einen Schmelzpunkt jenseits von gut und böse. Im Lichtbogen sind es so um die 4000 grad C. Da verbrennt/verdampft das Zeug einfach nur und legt sich als Gas und Schlacke über die Naht. Das Zeug auf den Stäben zum hartlöten müsste Borax sehr ähnlich sein. Allerdings wäre es sehr mühsam und teuer, dieses abzuknibbeln.

    Versuche mit San Mai Stählen mit VA Stahl Außenlage / Feuerverschweißen ohne Flussmittel

    Seid gegrüßt! Hinter der etwas sperrigen Überschrift verbergen sich meine ersten Versuche mit Mehrlagenstahl.

    Es folgt eine kleine Erläuterung.


    Punkt I - Was ist San Mai? San Mai bedeute auf japanisch drei Lagen und ist eine gängige Bezeichnung für Klingenstähle welche, aus drei Lagen Stahl zusammengesetzt sind, obgleich auch alle anderen Kulturen die in die höheren Riegen der Metallverarbeitung aufgestiegen sind Mehrlagenstähle hergestellt haben.


    Punkt II - Wozu dient San Mai Stahl? Dazu gibt es drei Gründe. Zum einen der wahrscheinlich älteste Aspekt - Wirtschaftlichkeit. Bevor man Stahl von hoher Güte industriell herstellen konnte, war das erzeugen von brauchbarem Werkzeugstahl unglaublich aufwendig und somit sehr teuer. Bezogen auf eine Klinge bedeutet dies, dass der gute härtbare Stahl nur für die Mittlere, also die Schneidlage, verwendet wird. Für die Seiten der Klinge kann billigeres Material verwendet werden.

    Der zweite Grund ist technischer Natur. Man Kann einen extrem harten aber somit auch bruchanfälligen Stahl als Schneidlage verwenden welcher von zwei eher zäh- elastischen Stählen "gestützt" wird. Somit erhält man eine Klinge mit einer sehr verschleißfesten Schneide welche immer noch eine gewisse Flexibilität aufweist.

    Das Ganze hat aber seine Grenzen. Eine solche Klinge bricht bei Überlastung vielleicht nicht, aber es werden dennoch große Stücke aus der Schneide absplittern.

    Der letzte und heute wahrscheinlich verbreitetste Grund ist die auffällige Optik solcher Klingen. Auch meine hier gezeigten Klingen sind ohne technischen Mehrwert konzipiert. Ich wollte einfach nur etwas experimentieren und mein Skill-Level beim schmieden etwas aufpolieren.


    Punkt III - Warum San Mai Stahl mit VA Stahl Lagen? Normalerweise verwendet man, um beim feuerverschweißen ein kontrastreiches Muster zu erzeugen, Stähle welche möglichst wenig Chrom beinhalten. Für die hell zeichnenden Lagen verwendet man typischerweise nickellegierte Stähle wie 75Ni8. Für die dunklen Teile der Klinge kommen alle C Stähle in Betracht welche nicht oder nur sehr gering legiert sind. Der Grund dafür ist wiederum, dass heute Borax als Flussmittel beim feuerverschweißen benutzt wird. Feuerverschweißen mit Borax ist der gebräuchlichste und sicherste Weg Stähle im Schmiedefeuer zusammenzuschweißen.

    Das Problem beim Feuerverschweißen ist, dass Sauerstoff an den Stahl gelangt und dieser somit Oxidiert. Die Oxidschicht verhindert dass sich die Stahlteile verbinden. Borax und andere Hilfsmittel schmelzen auf dem heißen Stahl, dringen in die Zwischenräume ein, bilden eine Schutzschicht und verhindern somit, dass Sauerstoff an die zu verschweißenden Oberflächen gelangt. Des weiteren ist Borax in der Lage schon entstandene Oxide zu lösen. Beim zusammen hämmern der Bauteile wird das flüssige Borax mit den gelösten Oxiden herausgequetscht und die Stahlteile können sich ungehindert verbinden. Die Oxide von Chrom, Silizium und Wolfram lassen sich mit Borax allerdings nur schlecht lösen weswegen sich Stähle mit diesen Legierungsbestandteilen nur schlecht, oder je nach Menge der Legierung gar nicht Feuerschweißen lassen.

    Das dumme an Borax ist nun, dass ich es nicht habe und es auch ohne Gewerbeschein nicht bestellen kann. Borax ist irgendwann unter eine Versandbeschränkung für Chemikalien gefallen welche verhindern soll, dass Leute zuhause Bomben bauen. Obwohl Borax für solche Zwecke untauglich ist.

    Ich könnte in der Apotheke nachfragen ob die mir sowas bestellen können; Habe ich aber noch nicht versucht.

    Außer dem hatte ich einiges an VA Stahlblechen rumliegen die ich mal für lau bekommen habe. 75Ni8 hätte ich erst teuer kaufen müssen und zum reinen experimentieren war mir das zu kostspielig.

    VA Stahl ergibt natürlich durch den hohen Chromgehalt beim ätzen einen super Kontrast zum C Stahl, lässt sich aber mit Borax unmöglich verschweißen.

    Die Lösung ist eine Verschweißung unter Luftabschluss. Wie dies funktioniert und ob dieser extrem lange und nerdige Textabschnitt jemals endet seht ihr in den folgenden Bilder.


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    Als Ausgangsmaterial für den drei Lagen Stahl benötigt man drei Stücke Stahl.:P Dabei sollte man darauf achten, dass wenn man nicht härtbare Stähle wie VA verwendet, der Anteil des Härtbaren Materials deutlich überwiegt. Ansonsten hat man hinterher zwar eine harte Schneidkante aber die Klinge biegt sich wie Baustahl. Die Mittellage bildet hier ein Stahl mit der klangvollen Bezeichnung 72NiCrMo4-2 ein günstiger aber durchaus brauchbarer Stahl der seine Hauptverwendung in großen Gatter- und Kreissägeblättern findet.


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    Weil ich kein Flussmittel verwende ist es zwingend erforderlich die Kontaktflächen so gut es geht zu plan und sauber zu bekommen. Dafür werden die Teile geschliffen und mit Aceton gereinigt. Alles was hier an Schmutz oder Fett übrig bleibt, bleibt im Stahlpaket und kann die Verschweißung verhindern.


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    Nun kommt der Trick bei der Sache. Die drei Teile werden möglichst fest verpresst und die Seiten rundherum mit dem Schweißgerät zugeschweißt.

    Das muss auch nicht schön werden; Aber es muss absolut luftdicht sein, damit sich wie oben beschrieben keine Oxide bilden können.


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    Das Paket wird anschließend auf Schweißtemperatur gebracht. Dazu erhitzt man es bis es kurz vorm verbrennen ist. Ein helles orange oder gelb sind hier die richtigen Glühfarben.


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    Wenn das Paket heiß genug ist wird es möglichst gleichmäßig zusammen gehämmert.


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    Ich habe das Paket dann auf eine brauchbare Dicke flach gehämmert.


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    Danach folgt der Moment der Wahrheit. Die Schweißnähte werden abgetrennt und...


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    ... Es wirkt nach dem ersten anschleifen homogen. Das tut es aber fast immer. Wer auf Nummer sicher gehen will kann den Klotz hochkant schmieden.

    Wenn sich dabei nichts löst ist die Verschweißung gut.


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    An den Enden sind kleine Delaminierungen zu erkennen. Auch an einer Seite waren kleine Fehlerstellen welche sich aber alle herausschleifen ließen.

    Ich vermute die VA Bleche waren, vom schneiden auf der Tafelschere, an den Rändern leicht verzogen, wodurch diese nicht an allen Stellen hundert prozentig angelegen haben. Hier konnte etwas Luft oder Schmutz vom e- schweißen eindringen.

    Ich habe das ganze gleich nochmal probiert und auch beim zweiten Durchgang zumindest genug Material für ein Messer herausbekommen. Ganz fehlerfrei war auch dieses Paket nicht... aber hej - Erstes mal San Mai Stahl und gleich mit rostfreiem Stahl und es hat gekappt.


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    Nach dem schleifen zeigt sich schon ein gewisser Effekt.:love:


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    Um den Effekt zu verstärken habe ich die erste Klinge in Essigessenz geätzt, was einer Färbung der Klinge wie bei einer alten Gebrauchspatina an rostenden Messern entspricht. Dies war mir nicht genug, also habe ich die zweite Klinge mit Eisen3Chlorid behandelt. Was auch gut funktionieren soll um Stahl zu schwärzen, ist extrem starker löslicher Kaffee.


    Wie ich Stunden und Tage damit verbringe auf Holz und Eisen herumzuschleifen ist, so denke ich, in den vorhergegangenen Beiträgen zur genüge beschrieben.

    Also hier mal gleich das Resultat meiner Mühen.


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    Die kleine Hammerkatsche ging nicht raus sonst hätte ich den VA Stahl wegschleifen müssen. Stört mich aber nicht, ist eben Handarbeit.


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    Also ich bin eigentlich ein sehr selbstkritischer Mensch der mit seiner eigenen Arbeit selten zufrieden ist aber, dass mir das mit dem VA San Mai beim ersten Versuch gelungen ist - :zensiert nochmal damit bin ich zufrieden. Wenn nicht sogar ein wenig stolz:schäm, wenn man bedenkt, dass ich mit einfachsten Mitteln arbeite.

    Die Messer sind eine kleine Hommage an den nordisch- russischen Messerstil und an die russischen Youtubeschmiede die mich hierzu inspiriert haben.

    Wenn ihr wirklich ausgefallene Schmiedearbeiten sehen wollt, dann guckt euch russische Youtubeclips an.


    Im Anschluss habe ich noch Versuche mit fünf und sieben Lagen gemacht. Was ich davon retten konnte lade ich das nächste mal hoch bis dahin. :winken:messer

    @ schwyzi :


    Der Arbeitsaufwand ist in Wirklichkeit relativ überschaubar. Die einzigen etwas speziellen Werkzeuge die man benötigt sind eine Tischbohrmaschine oder ein Bohrmaschinenständer und einen Satz Gewindebohrer/schneider. Ein günstiger Winkelschleifer samt Trennscheibe macht auch vieles einfacher. Bis auf die Gewindestange, die Schrauben und Muttern, sind alle Teile aus Schrott recycelt und waren quasi umsonst. Selbst die Teile neu zu kaufen wäre zumindest nicht teurer gewesen als ein fertiges Schleifsysten zu erwerben. Das einzige wo man Geld ausgeben muss sind die Schleifsteine selber. Wenn ich mir ein wenig Mühe gebe, habe ich so ein Ding allemal schneller fertig, als die Lieferung bei Amazon dauern würde.

    Soll heißen: Wenn man sich das richtig überlegt, und den Kram so wie so rumliegen hat, macht es kaum Sinn sowas fertig zu kaufen. Auch wenn ich gestehen muss, dass dies einer der ganz wenigen Fälle ist, wo selber machen wirklich noch günstiger und besser ist.


    @ Blumenstein :


    Das mit den Eichhörnchen kann ich erklären. Und zwar haben wir hier auf unserem und den umliegenden Grundstücken eine recht gesunde Population, ebendieser Nagetiere. Dieser Umstand führt wiederum dazu, dass mit relativer Regelmäßigkeit einige Tiere auf der, diese Grundstücke durchquerenden Straße Suizid begehen. Damit ihr Tot nicht vollends umsonst ist, verwerte ich was von den Tieren noch zu gebrauchen ist.

    So zu sagen praxisnahes Survivaltraining und mir persönlich lieber als die armen Viecher einfach in die Biotonne zu klimpern.

    So denn; Wie versprochen - Teil 2 der selbstgebauten Messerschärfer


    Wie schon erwähnt war mein direkter Lansky Klon zwar funktionstüchtig, aber irgendwo war ich nicht richtig zufrieden damit.

    Nach ein wenig Nachforschung im Netz, hat sich mir eine kolossale Menge an Messerschärfern offenbart, welche im Grunde meist recht ähnlich funktionieren. Der Kern der allermeisten Schleifgeräte ist fast immer eine Führungsstange samt Schleifmedium welche durch ein Drehgelenk geführt wird, welches wiederum über ein Gewinde in der Höhe und somit im Winkel verstellt werden kann.

    Das hört sich, wenn man es liest, erstmal ganz schrecklich an, aber ich habe natürlich auch wieder ein paar Bilder gemacht, die diese eigentlich relativ simple Mechanik sehr leicht verständlich machen.


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    Für die Version welche mir am sinnvollsten erschien, benötigt man eine Art Sockel. Dieser Sockel sollte eine gewisse Höhe haben, damit er die Gewindestange, über die später die Winkelhöhe reguliert wird im "eingefahrenem" Zustand aufnehmen kann. Das Material ist dabei relativ egal. Ich habe hier einfach ein paar Holz/Sperrholzreste zusammengeleimt. Der so entstandene Klotz misst ca. 260x60x50 mm. Die Länge richtet sich dabei nach der Länge der zu verwendenden Schleifmittel.


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    An das Klötzchen habe ich dann noch eine ganz kleine Stufe geschliffen. Diesmal wirklich nur sehr dezent damit man auch dünne und schmale Klingen damit einspannen kann. Bei späteren Versionen habe ich auch diese weggelassen, es genügt genauso die Klinge direkt auf dem Holzklotz fest zu klemmen.


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    Als Klemme kommt hier ein stabiles Blech zum Einsatz. Dieses sollte nicht zu dünn sein( 2- 3mm sind gut) damit man etwas Klemmkraft übertragen und in das hintere Loch noch ein Gewinde schneiden kann. Das vordere Loch hat kein Gewinde und dient zur Befestigung der Klemme. Die Spitze wird auch hier wieder abgeflacht um bei sehr schmalen Klingen nicht mit dem Schleifstein zu kollidieren.


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    Das Klemmblech wird einfach mit einer Spaxschraube am Holz befestigt. Diese wird dabei nicht ganz festgezogen damit das Blech noch "wippen" kann. Um das Messer zu fest zu klemmen, dreht man einfach die Sechskantschraube gegen das Holz und erzeugt eine gewisse Spannhebel Funktion. Das ganze Klemmsystem ist sehr flach aufgebaut so, dass auch kleine Klingen noch eingespannt werden können.


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    Am hinteren Ende wird ein Loch durch den gesamten Klotz gebohrt, welches eine M8 Einschlagmutter aufnimmt.


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    Nun kommt das Drehgelenk, welches auch das einzige Bauteil darstellt, dass einen gewissen technischen Anspruch aufweist.

    Dazu habe ich ein kleines Stück 25mm Vierkantrohr abgesägt und dieses mit zwei gegenüberliegenden 4mm Bohrungen versehen.

    An der späteren Unterseite wird ein 8mm Loch gebohrt.


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    Als nächstes wird die Aufnahme der Führungsstange angefertigt. Was man dazu verwendet ist im Grunde egal, hier war es ein altes Reststück Vierkantstahl. In die Mitte kommt eine Bohrung, welche im Durchmesser der Führungsstange entspricht. In diesem Fall 5mm. Die Längsachse wird für ein M4 Gewinde mit einer 3,3mm Bohrung versehen. Sorry meine Kamera hat sich hier sehr hart verweigert das Ding,wenigstens ein bisschen, scharf zu stellen.


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    Dann wird in beide Seiten das Gewinde geschnitten.


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    Die Bohrung am Vierkantrohr ist etwas mit der Mutter und der Gewindestange Kollidiert, weswegen ich diese weiter oben noch einmal neu gebohrt habe. Dafür musste dann auch die Oberseite am Vierkantrohr entfernt werden; Aber wir haben ein funktionierendes 360 Grad Gelenk als Aufnahme für die Führungsstange. Die beiden Muttern auf der Gewindestange dürfen dabei nicht gegeneinander drücken, damit das Gelenk sich frei drehen kann. Am besten verwendet man selbst sichernde Muttern oder fixiert diese Mit Klebstoff.


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    Zum Schluss habe ich noch ein M5 Gewinde an meine Führungsstange geschnitten um diese direkt in das Gewinde der Klemmschraube, am Lansky Schleifstein einschrauben zu können. Dabei war ich etwas naiv. Ich habe das Gewinde am Schleifstein gemessen und bekam da irgendwas um die 4,xx raus und habe mir demnach gedacht, dass es sich um ein Metrisches 5mm Gewinde handel muss. Aber ich hätte mir sicher denken können, dass "Lansky" natürlich aus den USA kommt und ein auf Zoll, oder weiß der Himmel, einer anderen schrecklichen Phantasiemaßeinheit, basierendes Gewinde verbaut hat.

    Sei es drum; Die ersten paar Windungen sind sich so ähnlich, dass man die M5 Stange ein Stück weit einschrauben kann. Irgendwann werde ich den :zensiert einfach Rausbohren und eine M5 Gewindehülse einkleben, oder einfach ein größeres Gewinde in das Plastik schneiden.


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    Un da ist das Prachtstück. Die Gewindestange mit dem Gelenk wird zum verstellen des Winkels einfach in den Holzständer herein oder herausgeschraubt. Die Mutter unten dient zum feststellen der Stange damit diese sich nicht versehentlich beim Schleifen verdreht.

    Alles in allem immer noch ein sehr einfaches "System", aber auch ein in seinen Grenzen effektives.


    Bei ganz kleinen Klingen, wie dem Vic oder schlanken klingen mit Scandischliff wie dem Mora, wird es auch hier etwas knapp aber ich komme überall hin ohne an die Klemmbacke zu stoßen. Gegebenenfalls könnte man die Klemmbacke noch flacher schleifen. Auch schwierig sind Messer mit Flachschliff, die an der ganzen Klinge keine Stelle haben, an der man sie "gerade" auflegen kann. Die meisten Messer haben aber zumindest zum Griff hin eine ungeschliffene Fläche.

    Was nicht geht sind sehr lange flexible Messerklingen wie bei manchen Filetiermessern, weil diese sich unter dem Druck des Schleifstein weg biegen, oder sehr stark geschwungene Klingen.


    Die Lansky Schleifsteine sind soweit in Ordnung, wenn auch die Angaben auf den Schleifsteinen leicht überzogen sind. Mit dem 600er Stein soll eine Gebrauchsschärfe erreicht werden, mit dem 1000er Stein ( meinem feinsten) soll man eine Rasurschärfe erreichen, was je nach Schneidwinkel bei diesen Körnungen schon sehr hoch gegriffen ist. Ich würde eher sagen mit dem 1000er bekomme ich meine Vic´s wieder in den Neuzustand oder leicht besser. Damit kann man ohne Probleme schnitzen, eine Forelle sauber Küchenfertig machen oder ein Eichhörnchen abziehen. Die Messer sind somit schon gut scharf, aber rasieren will man sich damit gewiss nicht. Also würde ich eher sagen dass, die 1000er Körnung eine gute Gebrauchsschärfe ergibt. Für alles darüber muss man wohl den leider etwas teureren 2000er Stein haben. Dafür ist die Produktpalette bei Lansky recht groß. Man bekommt da alles von 120er bis 2000er Körnung in allen möglichen Formen, mit Diamant oder Naturstein oder oder...


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    Und hier noch als kleines Update - Meine bis dato letzter Evolutionsschritt. Der wird ein Weihnachtsgeschenk. Zwar ohne Lansky, dafür aber mit coolem vier Seiten Revolversystem. Dazu habe ich einfach vier schmale Schleifsteine unterschiedlicher Körnung an ein Vierkanthölzchen geklebt. Die Führungsstange wird hier einfach nur in eine Bohrung im Holz gesteckt. Des weiteren gibt es hier ein ordentliches Stellrädchen am Klemmblech, ein Schutzblech welches verhindern soll, dass sich die Klemmschraube in das Holz frisst und sauber geschliffene und entgratete Flächen und Kanten.(ist ja schließlich ein Geschenk);) Die kleine Stufe vorne zum klemmen lasse ich dafür inzwischen weg.


    Man sieht, der Auswahl an verschiedenen Schleifmedien sind hier kaum Grenzen gesetzt. Die simpelsten Varianten nutzen Brettchen mit aufgeklebten Schleifpapier die größten und teuersten können ganze Wassersteine einspannen. Das einzige was man eventuell anpassen muss, ist die Größe des Systems, der Mechanismus kann immer gleich bleiben.


    Wenn mir noch was besseres einfällt werde ich´s hochladen, aber fürs erste bin ich zufrieden mit dem Teil. :winken

    Seid gegrüßt!


    Ich habe mir in letzter Zeit ein paar Gedanken über mechanische Schleifsysteme zum Messer schärfen gemacht. Normalerweise schärfe ich alle meine Messer mir herkömmlichen Wetz/ Wassersteinen also frei Hand bin damit auch etliche Jahre ganz zufrieden gewesen. Allerdings komme ich besonders bei Klingen mit Flachschliff irgendwo an einen Punkt an dem es schwierig wird beim schleifen immer genau den richtigen Winkel an der Schneidphase zu treffen.

    Demnach sind mir einige kommerzielle Schleifhilfen in den Sinn gekommen, welche es einem ermöglichen sollen immer den exakten Schleifwinkel einzuhalten.


    Als erstes eingefallen ist mir der Lansky Messerschärfer. Ich habe mir in Folge dessen, dieses System im Netz betrachtet und empfand es als relativ idiotensicher. Allerdings ist dieses "System" wirklich der Art simpel aufgebaut, dass es mir nicht wertig genug erschien dafür 50 Euro ++ auszugeben. Das einzige was ich mir also davon erworben habe sind drei Schleifsteine in verschiedenen Körnungen.

    Wenn man wie ich auf ´nem Berg Metallschrott sitzt und gerne mit Metall arbeitet, ist der Rest eine Bastelarbeit welche man locker an einem Vormittag erledigen kann.


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    Zuerst muss man sich die Winkelhöhen, bezogen auf die Abmessungen des Schleifgerätes ausrechnen. Ich habe hier einen kleinen Fehler gemacht; Normalerweise hätte ich den halben Durchmesser der Bohrung zu der Winkelhöhe hinzu addieren müssen. So liegen die Winkel minimal flacher an, was aber in der generellen leichten Ungenauigkeit diese Systems untergeht.


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    Für meinen Lansky Nachbau braucht es einzig vier Teile Flachstahl.


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    An diesen werden nun die Löcher für die verschiedenen Winkelhöhen angezeichnet...


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    ... und gebohrt. Die Löcher sind leider nicht sehr genau in einer Linie, was aber auch völlig egal ist, weil nur die Höhe wichtig ist und die Löcher später noch breiter gefeilt werden.


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    Dann werden die langen Teile gebohrt und an der Spitze mit einem flachen Winkel versehen. Ich habe die Klemmbacken noch mit einer Aussparung versehen, was im nachhinein aber eine dumme Idee gewesen ist, weil sich dadurch sehr schlanke Schneiden nur schlecht einspannen lassen.

    Anschließend werden alle Teile ,möglichst im rechten Winkel, verschweißt.


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    Der erste Test zeigt, dass die Winkel sogar relativ genau passen.


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    Für einen besseren Grip habe ich zwei Stücke alten Fahrradreifen in die Klemmbacken geklebt. Wie schon erwähnt wäre es besser und einfacher gewesen die Klemmbacken einfach flach zu belassen.


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    Danach werden beide Winkel mit zwei Schrauben verbunden. Beim Original geht die hintere Schraube nicht durch, sondern drückt auf die darunterliegende Platte so, dass das Messer vorne geklemmt wird. Bei meiner Version wird das Messer direkt von der vorderen Schraube geklemmt, was im Endeffekt keinen Unterschied darstellt. Nachteilig ist in jedem Fall, dass der Winkel dabei leicht verfälscht wird.


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    Um den Schwenkbereich des Systems zu vergrößern habe ich die Bohrungen noch etwas breiter gefeilt.


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    Problematisch wird es wenn man sehr schlanke klingen, wie das kleine Victorinox, damit schleifen möchte. Ohne die ausgearbeiteten Klemmbacken wäre das besser gewesen, aber es bleibt ein generelles Problem bei diesem Schleifsystem.


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    Und hier das fertige Resultat meiner kleinen Raubkopie. Als Führungsstange dient eine Fahrradspeiche. Die Originalstangen kommen auf 6,50 Euro für vier Stück und sind im Grunde auch nicht besser.


    Nun gut; Das Ding funktioniert so weit, aber schon beim arbeiten am Lansky Nachbau habe ich mir gedacht, dass das auch viel einfacher und besser gehen muss. Zum einen haben mich die vorgegebenen Schleifwinkel und die nicht optimalen Klemmbacken gestört, zum anderen fand ich auch die dünne Führungsstange nicht besonders ausgereift.

    Gerade das mit den festen Schleifwinkeln ist beim Lansky nicht gut durchdacht. So ändert sich der Winkel je nach Höhe, Dicke und Einspanntiefe der Klinge, was in der Praxis zwar nur marginale Unterschiede ausmacht, jedoch wäre es sinnvoller einfach nachjustieren zu können.

    Also bin ich wieder an den PC und wurde dort von einer Fülle der unterschiedlichsten Schärfsyteme überrollt.


    Wie ich nun verblieben bin und welches Schärfsystem ich am Ende in Verwendung habe, seht ihr (hoffentlich bald) in Teil zwei dieses Fadens.


    Bis dahin - Gruß an alle - Holger:winken

    Ich muss gestehen, dass ich mir um "Fluchtprepping" bisher fast keine Gedanken gemacht habe. So dachte ich auch immer ein Inch Bag, wäre ein möglichst großer Rucksack in den ich alles rein bekomme was man für einen Neuanfang so brauchen könnte.


    Bis auf meine Oma mütterlicher seits sind alle meine Vorfahren, nach dem zweiten Weltkrieg "Geflüchtet". Die Familie des eine Opas aus Pommern, die anderen aus der russischen Besatzungszone (Ostdeutschland). Die Familie meines Großvaters mütterlicher seits ist aus Pommern mit einem großen Bollerwagen bis nach NRW gekommen, die hatten also schon ein paar mehr Sachen dabei als nur Geld und Ausweis. Den Bollerwagen gibt es immer noch, Autos waren noch kaum verbreitet und Pferde hatte auch nicht jeder. Für mich dennoch eine unvorstellbare Leistung, zumal die Mutter meines Großvaters und einige jüngere Geschwister dabei umgekommen sind. Was genau passiert ist weiß ich nicht aber die Umstände während der Flucht müssen schlimm gewesen sein.

    Die anderen Großeltern sind ebenfalls zu Fuß über die, zu dieser Zeit noch "relativ offene" innerdeutsche Grenze geflüchtet. Mein ältester Onkel war da schon im Kinderwagen dabei, also gewiss auch kein Spaziergang. Die sind aber über mehrere Flüchtlingslager unbeschadet in NRW angekommen. Hier gab es die meiste Arbeit in der Kohle und Stahlindustrie weswegen hier relativ viele Geflüchtete gelandet sind.


    Anhand dieser Erfahrungen, kommt für mich eine Flucht von "Zuhause" nur als allerletztes Mittel in betracht. Gerade mit kleinen Kindern ist die Sache alles andere als einfach und bedarf sehr viel mehr an Equipment als in eine Bauchtasche passen würde. Man sieht es bei den heutigen Flüchtlingen genau in diesem Muster: Die, die mit der ganzen Familie flüchten tuen dies immer nur wegen Krieg und/oder politischer/ethnischer Verfolgung. Also nur wegen unmittelbar lebensbedrohenden Umständen. Wie viele es dabei, gerade von den Kindern, nicht schaffen ist ja leider hinlänglich bekannt.


    So lange das eigene Leben also nicht unmittelbar bedroht ist, würde ich demnach lieber versuchen in meiner gewohnten Umgebung auszuharren. Meine nicht ganz ernsten Preppingansätze gehen daher eher in Richtung Selbstversorgung mit allem was man da so rein interpretieren kann.

    Beifuß

    Nach längerer Pause habe ich hier nochmal ein wildes Küchenkraut ,welches gut zu fettigen Festtagsbraten passt.


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    Der gemeine Beifuß ist ein Kraut welches von der Nähe zu menschlicher Bebauung profitiert. Dabei ist dem Beifuß kaum ein Habitat zu extrem, man findet ihn oft an Straßenrändern -gräben, brachliegenden Baustellen, Schutthalden und sogar unter der Mittelleitplanke von Autobahnen.

    Er besetzt somit Lebensräume die für andere Pflanzen zu sonnig, zu trocken und zu unfruchtbar sind. Kurz um ; Das Zeug wächst in jeder Dreckecke. Wenn man erst einmal einen Blick dafür entwickelt hat, fällt einem auf wie häufig Beifuß in und am Rande bebauter Flächen vorkommt. In Naturbelassener Umgebung findet man ihn dagegen weitaus seltener.


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    Die meisten Inhaltsstoffe haben die ungeöffneten Blütenkörbchen, welche im Früh- bis Hochsommer geerntet werden können. Die Blätter, welche sich, auch noch gut als Gewürz eignen kann man teilweise bis in den November oder Dezember hinein sammeln solange die Pflanze noch keinen strengen Frost abbekommen hat.


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    Auffällig beim Beifuß sind vor allem der rote, kantige Stiel und die hellen Blütenkörbe. Die Blätter ähneln etwas denen des extrem giftigen Blauen Eisenhut, wobei sich die Pflanzen als ganzes aber deutlich unterscheiden.


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    Genutzt wird Beifuß getrocknet als Gewürz zu schweren fettigen Bratensoßen und soll mit seien Bitterstoffen die Verdauung erleichtern.

    Im Anbetracht der Tatsache, dass es sich um das allerletzte Unkraut handelt und im Ladenregal einen Kilopreis von über 79 Euro bringt sollte ich über einen Nebenerwerb nachdenken. Das Zeug im Laden kommt dabei wahrscheinlich noch aus China und ist hochgradig Pestizid belastet.

    Leider ist die Anwendbarkeit von Beifuß als Gewürz stark auf Schweine- und Gänsebraten limitiert, weswegen man nur sehr wenig davon benötigt.

    Als Gemüse, oder in großen Mengen, verzehren sollte man Beifuß nicht, weil er unter anderem auch Nervengifte wie Thujon und Kampfer enthält.

    Wobei der Geschmack in großen Mengen auch viel zu intensiv wäre.

    Des Weiteren sagt man Beifuß auch allerlei Magische kräfte nach, was wohl auch durch die psychoaktiven Stoffe Thujon und Kampfer zu erklären ist. Dir Wirkung des eng verwandten Wermut in Absinth ist wohl einigermaßen bekannt. Man könnte also sicher auch mit hochprozentigem Alkohol und Beifuß einen Absinth Verschnitt panschen. Ausprobieren möchte ich das aber nicht! Schmeckt bestimmt kacke und wer weiß wie das wirkt.:kotz

    Das Basiswissen habe ich ganz traditionell in der Familie, von Vater, Onkel, Oma, Opa gelernt. Bei uns wurden auch zum größten Teil "Schwammpilze" gesammelt. Mit denen kann man nicht so viel falsch machen bzw. kann man sich mit Schwammpilzen zu mindest nicht umbringen. Ich habe da vor einigen Jahren mal einen relativ ausführlichen Beitrag zu geschrieben:

    Findest du hier.


    Des weitern beschränke ich mich beim sammeln auf einige wenige Pilzarten welche ich zweifelsfrei identifizieren kann und welche keine gefährlichen "Doppelgänger" haben. Gerade unter den Lamellenpilzen gibt es einige Speisepilze die sehr giftigen Exemplaren relativ ähnlich sehen.


    Am besten und sichersten lernt man aber immer noch wenn man jemanden dabei hat der einem die spezifischen Merkmale der einzelnen Pilze vor Ort aufzeigen und erklären kann.


    Das mit der Zieh/ Pressvorrichtung habe ich auch gesehen, fand das aber auch zu aufwändig. Zumal man auch erstmal passendes Plastikmaterial und passende Negative / Pressstempel haben muss. Das krasseste war ein Typ auf YT, welcher sich extra Konen mit Drall grpresst hat. Allerdings bezweifle ich, dass das auf die kurzen Entfernungen einen großen Einfluss auf die Flugbahn der Pfeile hat.

    Moin Waldstoffel;


    Ich muss ehrlich gestehen, dass ich weder von der Marke noch von dem Schlafsack jemals gehört habe. Ich glaube auch nicht, dass es viele Leute geben wird die dir da Erfahrungswerte mitteilen können, weil die Marke scheinbar wenig bekannt ist.

    Ganz offensichtlich scheint die Marke ja auch nicht die beste zu sein wenn die Produktangaben falsch sind und der Kundenservice nichts daran ändern will. Also wie du schon ganz richtig bemerkt hast, ist das ein ganz klarer Fall von - Geld zurück und was anderes Kaufen.


    Was mich dabei interessieren würde ist, warum es gerade ein Deckenschlafsack mit Baumwollstoff innen sein soll. Das ist ein ziemliches Nischenprodukt weil das Verhältnis von Gewicht zu Isolationswert da relativ schlecht ausfällt. Bei 1500 gr Gesamtgewicht und 560 gr Füllung macht das schon fast ein Kilo nur Hülle.

    Die meisten "namhaften" Hersteller bieten ihre Schlafsäcke auch in L oder XL an. Für das Geld wird sich da schon was finden.

    Bei 197cm Körpergröße ist die Auswahl sicher schon eingeschränkt, wenn du also nicht sicher bist ob du in die Schlafsäcke deiner Wahl reinpasst, hilft nur der Gang zum Fachhändler und probeliegen.

    Seid gegrüßt!


    In den letzten Monaten habe ich viel Zeit gehabt mich mit diversen "alternativen" Schießgeräten zu befassen. Bei der Recherche zu diversen Zwillen und Slingbow´s bin ich auch über einige Artikel und YT Clips zum Thema Blasrohrjagd gestolpert. Weil ich bisher kaum Kontakt zu Blasrohren hatte und mich die Sache neugierig gemacht hat, habe ich mit dem Bau eines möglichst professionellen Blasrohrs begonnen. Es gibt sogar Profi Blasrohre zu kaufen, die Firma Cold Steel betreibt da ein recht umfangreiches Angebot. Allerdings waren mir die rund 50 Euro doch zu viel.


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    Um ein traditionelles Blasrohr anzufertigen hat man hier zu Lande einfach nicht das Richtige Material. Demnach hatte ich zuerst den Gedanken gefasst mein Blasrohr aus PVC Rohr zu bauen. Im Endeffekt bin ich dann bei Aluminiumrohr gelandet. Alurohr ist das mit Abstand beste Material für "leistungsstarke" Blasrohre weil die Rohre eine sehr glatte Innenfläche ohne Nähte haben und nahezu perfekt gerade sind.

    Ich habe hier 2x1m 20mm mit 2mm Wandung und ein Verbinderstück 24mm mit 2mm Wandung, weil ich ein zerlegbares Blasrohr haben wollte, was sich im nachhinein als dumme Idee entpuppt hat.

    Nach allem was ich gehört und gelesen habe ist das Kaliber 16mm (oder 625 im englischen) wohl das Maß der Dinge bei Blasrohren. Desweiteren gilt eigentlich nur je länger desto besser. Blasrohre um die zwei Meter und mehr sind wohl bei einigen indigenen Völkern gebräuchlich gewesen, allerdings sind diese dann auch extrem sperrig.


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    Ich hatte geplant die Teile einfach zusammen zu stecken, was sich aber als sehr schwierig erwiesen hat, weil die Teile nicht genau gepasst haben. Die Ungenauigkeit beträgt nur ein bis zwei Zehntel Millimeter, war also durchaus in der Toleranzgrenze. Dennoch hatte ich meine liebe Last die Teile halbwegs gleichmäßig abzuschleifen. Ein Gewinde auf das Rohr zu schneiden war mir auch nicht möglich, weil die Zahnung bei einem Metrischen M20 Gewinde für eine 2mm Wandstärke zu tief ist. Ein Feingewinde würde wahrscheinlich gehen, aber wer hat schon ein 20er Feingewindeschneidset zu hause und kann dieses von Hand perfekt gerade auf das Rohr schneiden? Also - Memo an mich selbst: Ohne Drehmaschine und Profiwerkzeug kein Gewinde. Und das nächste mal besser ein Rohr am Stück verwenden.


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    Als die Rohre endlich verbunden waren habe ich das Mundstück angefertigt. Dazu habe ich ein Reststück Sperrholzplatte, welche ich mal mit der Lochsäge ausgeschnitten hatte verwendet.

    Dieses habe ich auf 20mm aufgebohrt und mit meinem größten Kegelsenker auf der "Mundseite" ausgehöhlt.


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    Das in Form geschliffene Mundstück wird dann einfach angeklebt.


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    Die vollen zwei Meter länge waren mir zu dann doch etwas zu heftig, weswegen ich das Rohr auf ca. 155cm gekürzt habe, was eine gängige Länge bei 16mm Blasrohren ist.

    Generell kann man sich merken, dass man um ein gutes Blasrohr zu bauen den Innendurchmesser in Millimeter ungefähr mit 1000 multiplizieren kann, um auf eine sinnvolle Länge zu kommen.

    Wobei man mit sehr langen Blasrohren natürlich höhere Geschwindigkeiten erreicht. Die Obergrenze von Länge und Durchmesser liegt da, wo man mit seinem Lungenvolumen keinen ausreichenden Überdruck mehr im Rohr erzeugen kann um ein Projektil zu beschleunigen.

    Um das Blasrohr etwas zu verschönern habe ich es einfach mit Juteschnur umwickelt. Als Griff habe ich in der Mitte ein selbstklebendes Fahrradgriffband verwendet.



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    Nun wo das Blasrohr fertig ist braucht man natürlich noch Munition. Auch diese gibt es zu kaufen, ist aber auch recht teuer und vor allem auch nicht besser als das was man selber bauen kann.


    Holzpfeile


    Das erste was für mich greifbar war waren Schaschlikspieße.


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    Um ein Treibhütchen die so genannte Kone zu basteln, rollt man einfach einen Kegel aus dickem Klebeband, scheidet bei diesem die Spitze ab, so das man den Holzspieß hindurch schieben kann und passt den Durchmesser möglichst genau an das Rohr an. Anschließend fixiert man das Hütchen mit einem Tropfen Kleber.


    Um ein bisschen zum Spaß zu schießen sind diese Pfeile ganz OK, allerdings sind solche Holzpfeile nie besonders genau und auch nicht sehr haltbar, weil sie leicht brechen und die Hütchen kaputt gehen.


    Pfeile aus Nägeln mit Plastikkone



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    Also habe ich mich etwas umgesehen und habe mir, einen Sack 2,5mm Ohrtrichter aus dem Medizinbedarf bestellt. Diese lassen sich sehr leicht an den 16mm Durchmesser anpassen und man kann normale 3,2 und 3,4x 80mm Nägel einfach durchstecken, man benötigt nicht einmal Klebstoff. Wenn man die Spitze flach hämmert hat man sogar so etwas wie eine kleine Pfeilspitze. Mit 5 Gramm haben die Nagelpfeile auch schon ein gewisses Gewicht und man muss schon etwas höher zielen als bei anderen Pfeilen. Die Haltbarkeit dieser Pfeile ist sehr hoch und nur dadurch limitiert, dass wenn man gut schießt, einen Pfeil in den Konus des anderen schießt und diesen somit zerstört.


    Pfeile aus Fahrradspeiche mit Plastikkone


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    Mein bisheriger Favorit sind aber Pfeile aus 2mm Fahrradspeichen.


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    Für diese habe ich die Fahrradspeichen auf zehn cm Länge geschnitten.


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    Dann wickelt man sich mit Klebeband einen Stopper so, dass der Ohrtrichter auch drauf passt und nicht nach hinten durch rutscht.


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    Wenn der Ohrtrichter drauf ist, fixiert man diesen mit ein wenig Sekundenkleber und Passt den Aussendurchmesser des Konus an das Rohr an.

    Für den letzten Schliff nehme ich einen Spitzer für Riesenbuntstifte von meinen Kindern. Damit lässt sich der Konus schön rund und genau auf den richtigen Durchmesser bringen.


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    Auch hier lassen sich kleine Spitzen einarbeiten welche die Penetrationswirkung der Pfeile erhöhen.


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    Mit 3 Gramm etwas leichter, dafür etwas länger als die Nagelpfeile und somit die genauesten Pfeile welche ich bisher verwendet habe.


    Flechette Schrotladung für Blasrohre


    Die Pfeilschrotladung für Blasrohre habe ich bei Cold Steel im Sortiment gesehen und wollte dies natürlich auch gleich testen.


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    Man braucht nur ein doppeltes Hütchen als Treibspiegel und eine beliebige Anzahl an möglichst leichten Darts. In diesem Fall vier Stück.


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    Die Darts werden einfach vor das doppelte Hütchen gepackt und alles wird zusammen verschossen. Die effektive Reichweite ist lächerlich die Genauigkeit mies und man hat eine ungünstige Kombination aus einer schweren und somit langsamen Gesamtladung und sehr leichten Projektilen, was die Wirkung der einzelnen Darts stark mindert. Ob man damit ein Eichhörnchen vom Baum holt wage ich zu bezweifeln.


    Soviel zur Blasrohrmunition.


    Schusstechnik und Wirkungsgrad


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    Von allen Schussapparaten welche ich bisher verwendet habe ist das Blasrohr das mit der kleinsten kinetischen Energie. Verglichen mit einer guten Zwille bringt ein Blasrohr immer etwas weniger Geschwindigkeit bei gleichem Geschossgewicht. Der Vorteil vom Blasrohr ist, wie leicht man relativ genau damit schießen kann. Mit meiner Zwille kann ich zwar ebenso genau oder besser Schießen als mit dem Blasrohr aber die Zeit die ich gebraucht habe um so "gut" zu werden war weitaus länger.

    Blasrohrschießen ist an sich schnell erklärt. Man hält das Blasrohr vor den Mund und schaut mit beiden offenen Augen auf das Ziel. Dabei sieht man dann sowas wie oben auf dem Bild.

    Man sieht also das Rohr doppelt vor sich. Wenn beide Augen gleich stark sind ist der Zielpunkt genau in der Mitte zwischen den beiden Rohren. Das einzige was man nun abschätzen muss ist wie hoch man das Rohr anhält um in der anvisierten Entfernung zu treffen. Bei den meisten Menschen ist allerdings ein Auge stärker, dann muss man die Ziellinie etwas nach links oder rechts verschieben, was man aber recht schnell raus hat. Ich muss z.B. mit dem Ziel etwas näher ans "linke" Rohr. Wenn man ein sehr langes Blasrohr verwendet rücken die imaginären Rohrenden immer näher zusammen was das zielen mit sehr Langen Rohren zusätzlich erleichtert.


    Das größte Manko beim blasrohrschießen ist die geringe Reichweite. Die Maximale effektive Reichweite liegt bei etwa 15m, da machen die Pfeile aber schon einen deutlichen Bogen. Dinge in der Größe eines Kaninchens würde ich auf etwa 10 bis 12m noch gut treffen. Für Tauben und Krähen vielleicht 7- 10m, für alles was kleiner ist wie Eichhörnchen und Ratten würde ich sagen sind 6-8m das Maximum. Auf freiem Feld kommt man so an keinen Vogel ran, aber so lange sich die Tiere auf Bäumen befinden fühlen sie sich relativ sicher womit das mit der kurzen Schussdistanz wieder gehen müsste. Was wiederum dadurch belegt wird, dass Blasrohre ursprünglich nur in Stark bewaldeten Regionen verwendet wurden.



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    Lustiger weise ist Durchschlagskraft der kleinen Pfeile erstaunlich hoch. Der 2mm 3 Gramm Pfeil geht sogar ohne Spitze auf ca.7m glatt durch die Deodose. Das schafft eine Zwillenkugel trotz wesentlich höherer Geschwindigkeit nicht. Je nach Gewicht schaffen die Blasrohrpfeile zwischen 30 bis max 50 m/s, also ca. 2-3 Joule Energie. Da kommt eine gute Zwille locker drüber, dennoch ist die Penetrationswirkung durch die kleine Oberfläche der Pfeile relativ groß.


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    Durch den Boden der Blechdose kommen die Nägel ganz locker durch.Die leichteren Fahrradspeichen aufgrund der höheren Geschwindigkeit aber auch.


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    Wenn eine echte Spitze dran ist ist die Wirkung sogar noch höher. Hier dringt sogar der Konus mit durch die Müllermilchflasche.


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    Hier mal eine Pappscheibe auf 8 Meter Entfernung, in der Mitte sind schon ein paar Pfeile durchgegangen.


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    Und hier noch mein lebensgroßer Eichelhäher. Natürlich sind da auch immer einige Ausreißer dabei aber man sieht schon, wenn man sich Mühe gibt kommt das meiste da an wo man es haben möchte.

    Wer auf technische Hilfsmittel steht kann sich auch einen Laserpointer am Blasrohr anbringen was das zielen noch einmal um einiges erleichtern sollte.

    Mir liegt es natürlich fern die Eichhörnchen und Vögel in meinem Garten derart heimtückisch zu meucheln, allerdings macht mir das schießen mit dem Blasrohr Spaß und es soll sogar eine positive Therapeutische Wirkung auf das Lungenvolumen haben. Das man damit Kleintiere erlegen könnte ist wohl erwiesen.



    Grüße an alle ... Holger

    Das ist ja eben das was mich stutzig macht. Beim Slingbow schießen suchst du dir auch einen Ankerpunkt zwischen Kinn und Wange, genau wie beim normalen Bogenschießen. Trotz meiner eher durchschnittlichen Körpermaße komme ich da schon ans obere Ende der gängigen Pfeillängen.

    Wäre ich z.B. 190cm groß hätte ich schon erhebliche Schwierigkeiten überhaupt einen Ankerpunkt im Gesicht zu erreichen.

    Also sind entweder nahezu alle Menschen die Bogensport betreiben kleiner als 185cm, oder ich bin ein Kuriosum der Natur, eine Art menschlicher Gibbon mit überlangen Armen.;) (und Greifschwanz!)


    Bezogen auf die "Bogenzwille" ist man natürlich nicht an Auszuglängen gebunden. Man könnte einen Slingbow sicherlich auch im Butterfly Stil schießen. Soll heißen mit beiden Armen voll ausgestreckt. Bei normalen Zwillen erreicht man damit enorme Geschwindigkeiten, allerdings ist es schwierig auf diese Art zu treffen, weil eben der hintere Ankerpunkt fehlt und man nur über die Gabel und die Stellung der Arme zielt.

    Es gibt Leute die das können aber das ist schon im high Level Skill Bereich.

    Wenn man nun einen Slingbow im Butterfly Stil schießen will bräuchte man einen Pfeil/Speer von min. 170 -180cm Länge. Solch ein langer Pfeil hat dementsprechend auch ein sehr hohes Gewicht was den Vorteil der höheren Beschleunigung zum großen Teil zur nichte machen würde. Demnach müsste man Gummis mit sehr hoher Zugkraft verwenden, für welche man wieder eine immense Muskelkraft benötigt um diese über die volle Länge zu spannen. So ein Hand - Speerwerfer wäre bestimmt lustig, aber ich denke es hat seine Gründe warum so etwas noch keiner Gebaut hat.

    Odin


    Ich bin jetzt nicht der größte Experte in Sachen Bogensport aber das mit den Langbögen und langen Pfeilen, stimmt so nur bedingt.

    Auch sehr lange Langbögen um die 180cm haben wohl keinen übermäßig hohen Auszug. Da kommt man wohl in aller Regel mit den normalen Pfeilen hin. Ein Langbogen ist im Grunde ein sehr primitiver Bogen welcher seine Energie rein aus der Spannkraft bezieht.

    Bei Reiterbögen oder Compoundbögen ist das anders. Diese erreichen auch bei weitaus geringerer Größe und weniger Spannkraft hohe Pfeilgeschwindigkeiten. Bei Reflex oder Reiterbögen liegt ein Teil der Sehne am Bogen an und kann sich beim spannen quasi ausrollen. Bei Compoundbögen steckt ein großer Teil der Sehne im Rollensystem und kann somit fast beliebig weit ausgezogen werden. In beiden fällen gewinnt der Pfeil unter anderem dadurch an Geschwindigkeit, dass die Sehne mehr Zeit hat den Pfeil zu beschleunigen. Ergo - langer Auszug = langer Pfeil = hohe Geschwindigkeit ohne zwangsweise Steigerung der Spannkraft.

    Die längsten Pfeile die ich gesehen habe waren für die asymmetrischen japanischen Bögen. Diese sind aber relativ selten und sehr teuer.


    Das Prinzip mit der langen Beschleunigung lässt sich übrigens auf alle Arten von Projektil verschießenden "Waffen" anwenden. Sein es nun Zwillen, Blasrohre, Bögen, Gewehre oder Kanonen - Je länger die aufgebrachte Energie Zeit hat auf das Geschoss zu wirken desto mehr wird es beschleunigt.

    Hallo zusammen;


    Diesen Sommer habe ich es vollbracht mich erfolgreich selbst zu lädieren, was wiederum Unternehmungen bei denen man sich zu Fuß bewegen muss auf ein absolutes Minimum reduziert.

    Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ich genug Zeit hatte mir jedes YT Video mindestens zweimal anzusehen. Dabei bin ich dann auch über sogenannte Slingbow´s gestolpert, also Zwillen mit denen Pfeile verschossen werden. Sperrholzplatten und Gummis zum Zwillen bau hatte ich noch rumliegen und habe demnach einfach mal angefangen an sowas zu basteln.


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    Hier mal die groben Baupläne als Skizze.


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    Den Umriss habe ich dann zweimal auf 15mm Multiplex Platte übertragen und noch ein Stück für den Griff dazu, um diesen möglichst ergonomisch ausarbeiten zu können.

    Die drei Teile habe ich dann mit der Stichsäge ausgeschnitten und ...


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    ... mit einander verleimt. Dabei sollte man lieber die Teile einzeln verleimen und nicht alle drei auf ein mal, weil man so wesentlich kontrollierter arbeiten kann.


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    Nach einem ganz groben Vorschliff am Griff habe ich die Bohrlöcher vormarkiert. Dabei ist darauf zu achten , dass die Bohrungen möglichst genau sind und nicht asymmetrisch zueinander liegen.


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    Für die große mittige Öffnung hatte ich eigentlich 40mm vorgesehen, hatte aber nur eine Lochsäge mit 44mm. Meine kleine Tischbohrmaschine hatte damit schon ganz gut zu kämpfen aber zum guten Schluss waren die löcher alle halbwegs genau gebohrt. Auch am oberen Rand habe ich etwas viel Material weggeschliffen was im Endeffekt aber auch kein Problem war.


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    Nun folgt einiges an Handarbeit mit dem Schleifleinen. Den Griff habe ich bewusst etwas kräftiger und größer gestaltet als bei meinen normalen Zwillen.


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    Als Pfeilauflage wollte ich so etwas wie eine Bürstenauflage aus dem Compoundbogensport. Man hätte die Bürsten nun direkt ankleben können, dafür war das 44mm Loch aber leider zu groß. Zu dem wollte ich die Pfeilauflage, aufgrund von Verschleiß oder Beschädigung gerne austauschbar haben.

    Weil ich nichts wirklich passendes da hatte, habe ich ein Stück altes Staubsaugerrohr abgesägt und dieses mit breitem Klebeband umwickelt bis es sich relativ stramm in die Öffnung schieben ließ.


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    Anschließend habe ich die drei billigsten Zahnbürsten erworben, die ich finden konnte und diese von ihren Stielen befreit.


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    Danach musste ich noch das Gummiezeugs auf der Rückseite der Bürstenköpfe entfernen...


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    ...um diese dann in das Plastikrohr einkleben zu können. Dieses ist mir zugegebener maßen nicht übermäßig ordentlich gelungen, aber es erfüllt seinen Zweck.

    Die Borsten habe ich nachher noch etwas mit der Nagelschere zurechtgestutzt, damit diese auch richtig zu den verwendeten Pfeilen passen.

    Wichtig ist, dass die Bürsten weit am vorderen Ende angebracht sind um nicht von dem vorschnellenden Bändern getroffen zu werden.


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    Nun kommen die Gummibänder an die Zwille. Ich habe hier Theratube Schwarz verwendet weil ich davon noch viel rumliegen hatte. Generell bringen vergleichbar starke Flachbänder immer etwas höhere Projektil Geschwindigkeiten als Schlauchgummis, der einzige Vorteil von Schlauchgummis ist, dass sie robuster und langlebiger sind. Zudem müssen diese nur auf die gewünschte Läge abgeschnitten werden, wo man Flachbänder hingegen selber ausschneiden muss.


    Um das Schlauchgummi nun durch die Löcher zu bekommen macht man sich eine Seilschlaufe...


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    ... Um das Gummi nicht zu beschädigen ist es wichtig ein nicht ölhaltiges Schmiermittel zu verwenden. Ich habe hier das günstigste auf Wasser basierende Gleitgel aus dem Supermarkt verwendet. (Wozu das wohl außer zum Zwillenbau noch zu gebrauchen ist??) ?(


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    Nach ausreichender Schmierung schiebt man das Gummi in die Schlaufe...


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    ... Und zieht diese durch das Loch. Ich hatte die Löcher auf 6mm gebohrt was schon ziemlich eng war. Auch wenn sehr enge Löcher und Gleitgel für manche sicher eine verlockende Vorstellung sind, wären 8mm oder mehr wohl besser gewesen. Leider war nicht mehr genug Material über um die Löcher nochmal aufzubohren.


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    Bevor man das zweite Ende auch einfädelt sollte man darauf achten, das Seilstück für die Pfeilnocke schon mit dran zu haben.


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    Das selbe geschieht auch auf der anderen Seite und sieht dann so aus. Die Bänder kann man im Anschluss noch etwas gerade drehen.


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    Um die Gummis zu fixieren benötigt man nun etwas gewachsten Bindfaden und Zwillenkugeln, welche größer sind als der Durchmesser der Löcher in denen das Schlauchgummi steckt.


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    Die Stahlkugel wird etwas befeuchtet und in den Schlauch gesteckt.


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    Dann wird ein Würgeknoten hinter der Kugel angebracht und am besten mit zwei kleinen Zangen ordentlich fest gezogen.


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    Wenn das bei allen vier Enden geschehen ist sind die Bänder fertig fixiert.


    Um mit dem Ding nun schießen zu können benötigt man entweder einen mechanischen Releaser oder man macht sich einen Nockpunkt mit D Ring aus Paracord oder ähnlichen Materialien.

    Der Nockpunkt mit D- Ring als Griff ist für mich die wesentlich einfachere Variante, also habe ich diese hier angewendet.


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    Um solch eine Nockpunkt zu knoten erhitzt man zuerst ein Ende des Seiles und drückt dieses möglichst breit. Dies ist wichtig weil das geweitete Ende den Knoten sichert.


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    Die erste Schlaufe.


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    Damit das Seil beim Ausziehen nicht einschneidet stülpt man noch ein Stück Schlauchgummi drüber. Man sollte genug Platz haben um mit min. zwei besser drei Fingern greifen zu können.


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    Dann macht man den selben Knoten auf der anderen Seite, aber von hinten. Wenn man beide Knoten von der selben Seite macht zieht man das Seil hinterher schief.

    Das platt gedrückte Seilende dient auch hier wieder als Verankerung.

    Wichtig dabei ist, dass man den Nockpunkt nicht zu eng setzt. Der Pfeil soll nicht auf der Sehne festgequetscht werden und sich leicht lösen können.


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    Nach dem ersten Auszugtest mit einem 32" Pfeil bin ich auf etwas über 18kg, was ziemlich genau 40lbs entspricht, gekommen. Was mich wiederum dazu bewogen hat noch ein schickes Lederbändel als Sicherung anzubringen. Wenn einem das Teil aus der Hand rutscht hat man es sonst leicht mal zwischen den Zähnen.


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    Mit Pfeil sieht das böse Ding dann so aus. Nun die Preisfrage: Hat schon mal einer eine 40 Pfund Zwille geschossen?:eek

    Einen 40 Pfund Bogen können wohl die meisten erwachsenen Männer noch halbwegs lässig spannen. Die 40lbs zu spannen ist bei der Zwille schon sportlich aber machbar.

    Das Problem liegt bei dem Handgelenk welches die Zwille hält und die, auf ihm lastende Hebelkraft, ausgleichen muss . Ich bekomme das Teil ein paar mal geschossen dann fängt das linke Handgelenk an zu zittern und will einknicken. Obwohl ich die Zwille schon recht flach gebaut habe vermisse ich hier zum ersten mal eine Armstütze um die Hebelkraft abzufangen.


    Nichts desto trotz habe ich hier mal meine ersten drei Schuss mit meinem Slingbow dokumentiert.


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    Schuss eins aus sehr kurzer Distanz ca. 8m. Das anvisierte Ziel ist das Kreuz wo sich die Klebebänder treffen. Hat mit der stupfen Scheibenspitze noch sauber die LKW Plane hinter dem Karton perforiert und wurde nur von den alten Brettern hinter der Plane gestoppt.


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    Schuss zwei war ein paar meter weiter weg und hat schon fast das X getroffen. Die Spitze war schon völlig platt so ,dass die Plane den Pfeil irgendwie gefangen hat.


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    Schuss drei war dann aus über 15m und ging auch ziemlich daneben wegen besagter schwäche im Handgelenk welche ein konzentriertes zielen zusehens erschwert hat.

    Beim raus ziehen aus dem Holzklotz ist die Pfeilspitze leider stecken geblieben.


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    Fazit des Experiment Slingbow:


    Mit einer Armstütze würde das Teil richtig Spaß machen. Leider ist der Besitz einer Zwille mit Armstütze in Deutschland in etwa so verboten wie der Besitz einer ballistischen Mittelstreckenrakete mit thermonuklearen Mehrfachsprengkopf. Wobei es sich meines Wissens, genau genommen nicht um eine Zwille sondern um einen Bogen handelt, weil es nur Pfeile verschießen kann. Womit die Armstütze wieder erlaubt wäre...:skeptisch aber erklär das mal irgend einem. Wir Deutschen sind nicht nur gut darin seltsame Gesetzte zu haben, sondern auch darin diese möglichst schwammig zu formulieren und umzusetzen.

    Jedenfalls liegen die Vorzüge des Slingbow auf der Hand. Das Teil bringt mit seiner geringen Größe eine Pfeilgeschwindigkeit die mit einem echten Bogen vergleichbar ist.

    Was mir auch gleich positiv aufgefallen ist, ist das geringe skill Level welches man benötigt um mit dem Ding umgehen zu können. Der Slingbow schießt sich wie eine Zwille was wiederum viel weniger Technik und Erfahrung erfordert als richtig bogenschießen zu können.


    PS: Eine frage an die Bogenschützen. Warum gibt es keine Pfeile von der Stange die länger als 32 Zoll sind? Es müsste doch genug Compound oder Reflexbögen geben, welche theoretisch einen längeren Auszug hergeben würden. Bei einem Auszug bis zum Kinn komme ich mit meinen eher durchschnittlichen 183cm Körpergröße auf rund 85cm. Womit ich mit längeren Pfeilen auch noch mehr aus der Bogenzwille rausholen könnte.


    LG Holger:winken


















    Gundermann

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    Hier mal ein etwas weniger bekanntes, aber dennoch recht häufig anzutreffendes Kraut, aus der Familie der Lippenblütler - Den Gundermann.

    Anders als andere Gewürzpflanzen, welche in vorindustrieller Zeit noch eine gewisse Rolle gespielt haben, ist der Gundermann heute relativ in Vergessenheit geraten und hat nie den Sprung in die Kultivierung bzw. das Supermarktregal geschafft.


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    Gundermann findet sich relativ oft in den Typischen "Brennnessel Ecken" an Wegrändern und Lichtungen. Er bevorzugt feuchte nährstoffreiche Böden. Die Nische in der der Gundermann seinen Platz findet liegt da, wo es für andere Kräuter zu schattig ist, oder diese aus anderen Gründen im Wachstum gestört werden. Unter günstigen Bedingungen kann Gundermann recht große Kolonien bilden und ist somit auch leicht zu finden.


    Die beste Sammelzeit für Gundermann ist der Frühling bis Frühsommer während der Blütezeit. Wobei man die Pflanze aber eigentlich das ganze Jahr über verwenden kann. Über den Sommer werden die Pflanzenteile allerdings immer trockener und sterben im Herbst zunehmend ab, bis im Winter nur noch die Keimblätter überdauern, aus denen die Pflanze im nächsten Jahr neu austreibt.


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    Ganz typisch für alle Lippenblütler sind, die über Kreuz gegenständig angeordneten Blätter, der vierkantige Stiel, und die Typischen Lippenblüten. Auffällig beim Gundermann sind überdies die geriffelten Blattkanten.


    Leider verfügen viele einheimische Lippenblütler über sehr ähnliche Merkmale, was eine gewisse Verwechslungsgefahr mit sich bringt.

    Allerdings sind wirklich gefährlich giftige Lippenblütler bei uns wenig verbreitet. Im Gegensatz gehören sehr viele unserer Küchenkräuter wie zB. Oregano, Thymian, Rosmarin, Bohnenkraut, Salbei, Minze und viele weitere zur Familie der Lippenblütler.


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    Verwendung in der Küche finden alle halbwegs grünen oberirdischen Pflanzenteile.


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    Gundermann dient bei mir in den meisten Fällen als eher mittelmäßiger Petersilie Ersatz. Gut verwenden lässt er sich vor allem in Rührei wenn man keine echte Petersilie da hat, oder auch auf Tomaten und diversen Salaten. Der Geschmack erinnert ,wie schon erwähnt, etwas an Petersilie ist aber weitaus weniger fein, mit einigen herb- bitteren Komponenten. Genau beschreiben kann ich das nicht, es ist schon was ganz eigenes.


    Wie alle Lippenblütler könnte man auch Gundermann trocknen und mit den meisten seiner Inhaltsstoffe konservieren, allerdings lohnt der Aufwand aufgrund der ständigen Verfügbarkeit an "Frischmaterial" und "besserer" käuflicher Küchenkräuter kaum.

    Wenn man allerdings im Wald sitzt und möchte für sein Rührei eine Priese frisches Kraut, ist man mit Gundermann ganz gut beraten.