Kylie (Geradeaus fliegender Bumerang)

  • Hallo Leute!


    Ich habe hier mal einen sogenannten Kylie gebaut, also einen Jagdbumerang oder ein Wurfholz welches möglichst stabil geradeaus fliegen soll.


    Das Wurfholz ist wohl eine der ältesten Jagdwaffen der Menschheit, und wurde schon vor dem Speer oder Steinwerkzeugen benutzt. Nach meiner Recherche soll es sogar Schimpansen geben die, Raubtiere vom Baum aus mit Stöcken bewerfen um diese zu vertreiben.
    Heute kennt man Wurfhölzer nur noch aus Australien, aber aufgrund der einfachen Herstellung und Anwendung wurden Wurfhölzer auf fast allen Kontinenten benutzt.


    Wenn man wie ich nun in den Wald geht um so einen Kylie zu bauen, denkt man erstmal :" Super alle Stöcke sind krumm!"
    Aber einen Ast zu finden welcher die perfekte Form hat, ist genauso schwer wie ein gutes Stück Bogenholz zu finden. Zudem sollte das Holz möglichst schwer und hart sein, weshalb in unseren Breiten am ehesten Eiche und Buche zu gebrauchen ist. Am besten sucht man entlang von Stomtrassen oder Forstwirtschaftswegen. Dort werden oft Bäume gefällt oder beschnitten so dass, man an brauchbares Holz gelangt ohne selber Bäume fällen zu müssen.


    Die ersten Versuche habe ich mit einem gebogenen Ast gemacht, welcher allerdings eine zu schwache Krümmung hatte, was dazu führte dass, er nur langsam Rotiert hat und somit sehr schlechte Flugeigenschaften hatte. Optimal wäre ein Winkel um die 90 Grad. Äste die in einem solchen Winkel wachsen sind natürlich extrem selten, weswegen ich es mal mit einer weit gespreizten Astgabel versucht habe.




    Die Astgabel hier ist von einer Buche die an einem Forstweg gefällt wurde. Als ich den Ast abgesägt habe war das Holz schon relativ trocken, weswegen ich gleich mit der Arbeit beginnen konnte.








    Man Flacht die Seiten ab, bis diese eine Stärke von zwei bis drei cm haben.


    Am leichtesten geht das mit einem handlichem Beil. Dabei sollte man aber unbedingt darauf achten, einen möglichst breiten Stand zu haben, weil man leicht seitlich am Werkstück vorbei schlägt oder abprallt, und sich sonnst ins Bein schlagen würde.





    Wenn die Form flach genug ist, rundet man die Enden der Flügel noch etwas ab damit diese beim aufprall auf den Boden nicht brechen.





    Dann werden die Kanten der Flügel mit dem Messer abgeflacht, damit ein möglichst elliptischer Querschnitt entsteht der ähnlich wie bei einem Flugzeugfügel einen gewissen Auftrieb erzeugt. Bei einem geradeaus Fliegenden Bumerang sollten die Kanten der Flügel an allen Seiten möglichst mittig sein.
    Wenn alle Kanten geglättet sind kann man den Kylie eigentlich schon benutzen.
    Um den Kylie soweit in Form zu bringen, habe ich ca. eine Stunde gebraucht.




    Im Gegensatz zu einem Sportbumerang, wird ein Kylie horizontal geworfen weil, die Flügel so den meisten Auftrieb erzeugen können.
    Außerdem wird es so bei großen Kylies, durch die hohe Spannweite leichter das Ziel zu treffen.
    Ich habe es nicht geschafft den Kylie im Flug zu fotografieren, aber man merkt deutlich dass, er sich im Flug etwas "hochschraubt". Selbst ein schlechter Werfer wie ich schafft locker Distanzen von 40 Meter. Um genau werfen zu können braucht man aber eine gewisse Übung.





    Wenn man auf kurze Distanz möglichst genau werfen möchte, oder keinen Platz für eine weite Ausholbewegung hat , kann man den Kylie auch vertikal werfen. Die Besonderheit hierbei ist dass, der Kylie noch viele Meter über den Boden weiter Springt. Wenn man also zu kurz geworfen hat, hat man trotzdem eine Chance das Ziel zu treffen.
    Wenn der Kylie wie in meinem Fall, unterschiedlich schwere Schenkel hat, ist es wichtig beim werfen das leichtere Ende in der Hand zu haben damit das schwerere Ende, gleich einen möglichst hohen Rotationsimpuls geben kann, was die Flugbahn stabilisiert und für eine hohe Wucht beim aufprall sorgt.




    Auch wenn mein Kylie mit ca. 30x30cm und knapp 300 Gramm zu den eher kleinen gehört, hat er schon eine erstaunliche Wucht. Auf dem Foto hier hat er einen Buckel im Waldboden durchschlagen und ist dann so stecken geblieben. Auch wenn die Form nicht ganz Optimal ist denke ich, dass man damit Kaninchen oder etwa hühnergroße Vögel zur strecke bringen könnte.





    Und weil ich das Teil für gut befunden habe, habe ich ihn noch etwas mit Schleifleinen geglättet, und die Enden im Feuer gehärtet.
    Mit dem Feuer muss man aber sehr vorsichtig sein, weil das Holz bei zuviel Hitze leicht Risse bekommt.




    Bumerang bauen und Bumerang werfen macht jedenfalls Lust auf mehr, weshalb der nächste auch in der Werkstatt mit richtigen Werkzeugen gemacht wird. Das mit der Astgabel und dem damit verbundenen zu kleinen Winkel ist schon bedeutend besser, als ein zu großer Winkel der Flügel. Wichtig ist dass, der Kylie schnell rotiert ; dann fliegt er auch gut. Um mit dem Teil über weite Strecken noch was zu treffen muss ich aber noch ein ganze Weile trainieren.


    Bis dann, und LG Holger! :winken





  • Tolle Arbeit! ^^


    Aber irgendwie verstehe ich noch immer nicht, warum man den "gebogenen Stock" erst mit hohem Kalorienaufwand flachschnitzen muß bevor man ihn wirft. Denn durch's Flachschnitzen wird er ja auch wieder leichter. :confused


    Was ist also der Vorteil davon?

    Natur er-leben kann man nicht online am Schreibtisch.
    Dazu muß man ganzjährig immer wieder offline vor die Tür...

  • Man könnte natürlich auch einfach so mit einer Astgabel oder einem ausreichend gekrümmten Stock werfen, allerdings wären die Flugeigenschaften wegen des höheren Luftwiderstandes erheblich schlechter, und somit die Reichweite bei gleicher Masse viel geringer.
    Außerdem erzeugt ein Runder Stock keinen Auftrieb, rotiert langsamer und ist deshalb wohl auch weniger stabil im Flug was wiederum eine geringere Genauigkeit mit sich bringt.


    Wurfhölzer gibt es in etlichen Formen. Leicht gebogen ,stark gebogen, keulenförmig, mit zwei oder drei Flügeln, mit zusätzlichen Haken oder Gewichten. Allen gemein ist aber dass, die Form mehr oder weniger stark abgeflacht ist um eine gute Aerodynamik zu erzielen.

  • @ Hagbard


    Ja , ich habe das Holz kurz in die Flammen gehalten. Das Feuer ist ein ganz normaler mit Holz betriebener Hobo.


    Wie schon erwähnt, sollte man beim härten von Holz im Feuer sehr vorsichtig sein, weswegen an der Flamme, auch besser ist als in der Flamme.
    Das Holz darf dabei schon etwas dunkel werden, darf aber nicht verbrennen, oder zu heiß werden weil sich sonst Risse bilden. Besonders wenn man nicht sicher ist ob das Holz schon komplett trocken ist, sollte man sowas nicht machen.


    Meiner Erfahrung nach bringt das härten von Holz im Feuer auch nicht übermäßig viel, stellt aber schon ein hohes Risiko dar, weswegen man sich gut überlegen sollte ob es wirklich nötig ist.
    Ich habe das auch nur gemacht weil ich es in einem Video über Aborigines beim Bumerangbau so gesehen habe. Zwingend notwendig ist es aber sicherlich nicht.

  • Nach dieser Idee hab ich einen vergleichbaren Kylie gebaut. Leider kann ich keine Bilder online stellen, bin technisch nicht dafür ausgerüstet.
    Aus Ahorn. Sehr schwer zu bearbeiten. Mit Fiskars X5, Holzsäge, kleine Raspel, Metallfeile Hieb1 und Sandpapier 240er.
    Aus einer Astgabel. Länge über alles 32cm bzw. 23cm. Die Flügel sind unterschiedlich lang. Breite der Flügel 6,5cm bzw. 5,5cm. Am Scheitelpunkt maximal 2,5cm stark.
    Gewicht 500 Gramm.
    Für Rechtshänder.
    Reichweite bis 36m bei ca. 3m Flughöhe maximal. Das Flugverhalten ist ballistisch, sauber geradeaus, zum Schluß erfolgt eine kleine leichte Rechtskurve.
    Ich habe den Kylie weder gehärtet noch lackiert, poliert oder sonstwie behandelt. Trotz reichlicher Bodenkontakte ist das Ding enorm haltbar und zeigt keinerlei Ermüdungen. Beim Bau mußte ich leider feststellen, daß die Ahornastgabel mit einigen kleineren Ästen durchsetzt ist. Das Beil hat daher aus dem Holz stellenweise zuviel Material aus den Flügeloberseiten grob herausgerissen. Diese Stellen habe ich zum Erhalt der Aerodynamik rotzfrech und nicht sehr formschön mit Holzkitt ausgebessert. Von daher würde ich zukünftig ein anderes Holz verwenden, z. B. Rotbuche. Da sollten solche Überraschungen leichter erkennbar sein und nicht erst dann auffallen, wenn schon anderthalb Arbeitsstunden investiert sind. Auch der Holzkitt übersteht die Bodenkontakte schadlos. Insgesamt hab ich etwa vier Stunden daran gebaut, inklusive zahlreicher Testflüge zwischendurch.

  • Trüffelschwein


    ... da warst du aber echt fleißig, Hammer, Kylie... und alles an einem WoE - und dann sogar noch eine Pflanzenberatung per Email gegeben ;-)
    Vielleicht hab ich ja Glück und krieg den Kylie mal im Flug zu sehen.


    Dann mach ich auch Fotos, die du hier einstellen kannst - bzw. kann ich die kurz für dich hier hochladen, falls gewünscht.


    Viele Grüße ins Nachbar-Veedel
    BA :-)

  • @ BushcraftAmazone


    Den Hammer möcht ich nicht unbedingt ins Forum stellen, mit der Form desselben kann vermutlich hier niemand was anfangen. Ich brauch den Hammer für meinen Beruf, deshalb hat er diese Form bekommen zur Bearbeitung von Blechen (Zink und Kupfer).
    Den Kylie dagegen führ ich gerne vor, auf das Angebot mit den Fotos komm ich gern zurück.


    Skuzzlebud
    Dieser Kylie würde am besten eingesetzt werden zur Jagd auf Vogelschwärme. Es ist sehr schwierig, ihn knapp überm Boden zu werfen. Und auch wenn fleißiges Üben das A und O ist - ein einzelnes Kaninchen so präzise anzuvisieren dürfte kaum durchzuführen sein.


    Grüße vom Trüffelschwein/Harald

  • Ja , die Präzision ist in der Tat ein gewisses Problem. Vor allem weil jedes Wurfholz andere Flugeigenschaften hat.


    Die besten Ergebnisse erziele ich wenn ich den Kylie hochkant werfe, allerdings dann auch nur über relativ kurze Entfernungen. Ich vermute aber, dass die mangelhafte Genauigkeit mit der fehlenden Übung einhergeht.
    Wenn man bedenkt was die "Ureinwohner" in Australien, teilweise aber auch in Afrika und Nordamerika, alles mit Wurfhölzern erlegen/erlegt haben, muss man wohl davon ausgehen dass, man mit ausreichender Übung relativ Präzise mit solchen Waffen werfen kann.