bei Rentierhorn Mark entfernen?

  • Moin,
    Ich habe in meiner Bastelkiste noch ein paar Stangen Rentierhorn gefunden und will daraus ein paar kleinere Projekte verwirklichen. Beim Entfernen des Marks mittels Bohrer und Stechbeitel bekam ich das Horn jedoch nicht richtig sauber innen.


    Kennt jemand einen Trick wie sich das Mark leichter entfernen lässt? Ich hatte mal überlegt das Horn in Wasser aufzukochen damit es weicher wird, habe jedoch die Befürchtung dass diese Methode stark zulasten der Haltbarkeit (und Polierbarkeit ) geht.

  • Hallo,
    meine spontane Idee wäre: grob vorbohren, und dann mit einem improvisierten Werkzeug auskratzen. Das Werkzeug könnte man sich aus nem stück Federstahl zurecht biegen-hämmern-schleiffen und härten mit Bunsenbrenner evtl. Quasi eine kleine Ziehklinge am Stil...L-förmig, oder wie die Teile wo der Zahndoc immer hat.
    Gruss von der Alb

  • Mit Geweih habe ich noch nichts ausprobiert aber mit zb Rinderknochen einiges.
    Ich weiss die Struktur von Geweih und Knochen ist etwas anders, Geweih ist flexibler,
    aber letztlich besteht Geweih ja auch nur aus Knochenmasse.


    Ich beziehe mich also im folgenden auf Rinderknochen, in wie weit das übertragbar ist weiss ich leider nicht.
    Und ich wollte es andersherum, also genau den Effekt erreichen den du vermeiden willst :-)
    Vielleicht ist es trotzdem hilfreich.


    Als ich anfing mich mit Pfeilspitzen aus Knochen zu beschäftigen und noch mit der (für mich) besten Methode experimentiert habe,
    fand ich im Netz häufig die Vorschläge "Knochen sehr lange Kochen" oder "Knochen sehr lange in Wasser einlegen"
    um die Knochen weicher zu machen (was ja deine Sorge ist) .
    Es wäre natürlich für eine Waffen oder Werkzeuganwendung Sinnfrei den Knochen "weich" zu machen aber ich hab es
    trotzdem mal ausprobiert für zb Schmuckherstellung.


    Für dich ist dann eventuell dieses Fazit interessant:


    Weder das Kochen noch das Einlegen (das Glas stand sogar viele Monate herum, hatte es vergessen...)
    haben den Knochen merklich weicher gemacht, ich würde sogar sagen es hatte GAR KEINEN Einfluss auf die Knochenstruktur.
    Also einen Knochen "einweichen" kann man wohl nicht...
    Von daher würde ich jetzt annehmen das auskochen auch dem Geweih nichts schadet.
    Bei altem (schon eingetrocknetem) Mark könnte auch das Einweichen was bringen.


    Wo sich die Knochenstruktur merklich verändert und auch zerstören kann ist starke Hitze (bis zur Verbrennung -> Krematorium)
    aber es reicht auch schon wenn ein Knochen ins Lagerfeuer/Glut fällt dann kann der am nächsten Morgen extrem spröde sein.
    Hohe Hitze kann ja auch beim bearbeiten mit modernen Geräten entstehen (Bohren, Schleifmaschine...) da wäre ich
    auch schon vorsichtig! Ich hab mal ein Stück Knochen an die Schleifscheibe gehalten das war ein extrem penetranter Geruch,
    also da ist die Hitze scheinbar bereits punktuell so groß das der Knochen quasi schon fast am verbrennen ist.


    In wie weit das auf Geweih übertragbar ist habe ich keine Ahnung, ich würde es mit Kochen ausprobieren.
    Vielleicht kannst du dir ein Stück Rehgeweih organisieren dann kannst du es daran erst mal ausprobieren.

  • Hallo Stefan
    Um das mark zu lösen,ist das abkocken die erste wahl.Allerdings sollte es eine temparatur zwischen 60-90 grad haben.Und das ganze max.15 -20 min.
    und 1/2 becher waschpulver dazu tun.Dann sollte es funktionieren.Probiere es mal.temparatur und Zeit können natürlich variiren.solltes aber bis max.120 grad gehen.mein tipp natürlich.weitere infos kannste dir hier holen. http://www.2.mehr-als-wekzeug.de
    Dort gibts noch mehr uebers thema geweih.Hoffe das ich dir weiter helfen konnte?

    Lebe nicht nur in der Natur.sondern sei auch ein teil von ihr.

    Edited 2 times, last by The Trapper ().

  • @ stefan....aber ich red ja nicht von nem Stechbeitel....auch :D
    eher von ner Mini-Ziehklinge am Stil
    wie dem auch sei...solche Kleingruschtfummelarbeiten sind eh was für Leute die Mutter und Vater umbracht ham

  • PS:
    Eventuell liegt dem auch eine Verwechslung zu Grunde, nicht unbedingt jetzt auf dich bezogen sondern im allgemeinen.
    Ich hatte das schon mal mit nem Kumpel diskutiert.


    Häufig wird Horn und Geweih gleichgesetzt. Horn ist aber das was zb Rinder auf dem Kopf herumtragen.
    Ein Unterschied zwischen Horn und Geweih ist zb das Horn von einer dicken Kreatin-Schicht umgeben ist,
    also dem Stoff aus dem auch Haare oder Fingernägel bestehen.
    Bei der Trinkhornherstellung wird die äussere Kreatin-Schicht durch Kochen (oder einweichen, es gibt da auch verschiedene Methoden)
    weich (besser etwas flexibler) gemacht so das man dann den Kern leichter entfernen kann.
    Das fertige Trinkhorn besteht dann nur noch aus dem wieder getrocknetem Kreatin, man trinkt sozusagen aus einem
    großem hohlem Haar :-) .
    Das ist jedenfalls mein Wissenstand, so ähnlich wurde mir die Herstellung mal auf einem Mittelaltermarkt erklärt,
    wenn das nicht ganz richtig ist kann man das ruhig korrigieren.
    Auf jedenfall sind aber Horn und Geweih verschiedene Sachen auch wenn man häufig bei zb Messergriffen von einem Horngriff redet
    obwohl dieser aus einem Stück Geweih besteht.


    Das bitte nicht als Klugscheisserei betrachten,
    ich halte das nur für eine mögliche Fehlerquelle wenn man sich mit der Bearbeitung beschäftigt, im Netz sucht
    und die Leute dann halt Horn und Geweih verwechseln.


    Bei der Knochenverarbeitung hab ich mir auch überlegt das es evt auch was mit dem Knochen selber zu tun haben kann,
    also von welchem Tier, welcher Knochen und wie frisch war das ganze...
    Ein Hühnerknochen hat sicherlich eine andere Konsistenz als ein Rinderbein, aber häufig schreiben die Leute leider ganz allg "von Knochen" .


    Aus meiner Recherche zur Knochenverarbeitung weiss ich noch Ratschläge wie "Geschirrspüler - Tabletten" oder "Gebissreiniger"
    ins Kochwasser zu geben, um alle Rückstände zu entfernen.
    Das habe ich aber nie selber ausprobiert, weil ich sowas nicht daheim habe und weil ich nach einfachen "natürlichen"
    Methoden gesucht habe, klingt aber nachvollziehbar.


    :winken auf jedenfall würde mich das Ergebniss deiner Studie dann auch interessieren !

  • Moin zusammen.


    ich gehe mal davon aus, dass das Rentiergeweih gemeint ist

    Quote

    Beitrag 4 / Stefan: so ein Stück Geweih

    Ich war grad beim Nordischen Handwerk und hab dort mal nachgefragt.
    Also da das Mark vom Rentiergeweih relativ hart ist, soll kochen / erhitzen anscheinend nicht viel bringen.
    Dort bohren sie das Mark aus und der Rest wird mit der Feile geschliffen.


    Alternativ wurde mir der Tipp gegeben mal bei einem Drechsler nachzufragen. Frau Fischer meinte dass Sie von Drechslern gehört hat, die aus Rentiergeweih Dosen herstellen. Und die müssen ja irgendeinen Trick haben wie man das Geweih innen aufpolieren kann.


    Eine weitere Alternative soll wohl sein, das Geweih mit Kleber (Epoxy müsste wohl gehen) volllaufen und aushärten zu lassen. So sind alle Poren geschlossen und man kann es sauber ausschleifen und polieren.


    Aus persönlicher Erfahrung kann ich auch nur sagen, dass Bohren und Feilen bei mir ganz gut funktioniert hat. Auch wenn es etwas dauert.
    Zum Polieren von innen kannst du auch versuchen eine feine "Schleifstange" zu bauen. Einfach eine dünne Rundholzstange nehmen und feines Schleifpapier drumkleben... Hat bei mir bis jetzt mit so ziemlich jedem Material geklappt.



    Zum Horn habe ich nur Erfahrungen mit Rinderhorn (Trinkhorn). Da kann ich die Reinigung von Innen mit diversen Reinigungstabletten bestätigen.


    So das war's was ich so auf die Schnelle rausfinden konnte.
    Ich hoffe es hilft.

    "Die größte Bedrohung für unseren Planeten ist der Glaube, dass jemand anderes ihn retten wird." (Robert Swan)

    Edited 2 times, last by schubben87 ().

  • @Stefan
    Um ein horn auszuhöhlen wuerde ich dir nen dremal oder nachbau empfehlen.die haben kleine schleifbohrer womit das aushöhlen funktionert.und natürlich nicht nur dafür :)
    ist Universall einsetzbar.
    Ps:Vergiss mund u.augenschutz nich beim schleifen.

    Lebe nicht nur in der Natur.sondern sei auch ein teil von ihr.

  • Ich habe sowas noch nicht gemacht, also keine Erfahrung.
    Aber da es sich ja um Calciumverbindungen handelt, sollte das Material doch z.B. mit Essigsäure (Essigessenz) lösbar sein (langsamer Vorgang und somit kontrollierbar). Will sagen, dass es so möglich sein sollte das Material punktuell "aufzuweichen" um es dann rauskratzen zu können.
    So würde ich als erstes ran gehen ... obs funktioniert keine Ahnung.

    Top Ausrüstung folgt nur EINEM Kriterium: "reduced to the max"

  • Es wurde was wichtiges vergeßen bei der Diskusion:


    Wie groß ist das Geweihstück und was willst du draus machen?
    sollen es zb Messer- oder Werkzeuggriffe werden , schneide sie in Teilstücke und bohr sie aus. Bei Griffen kann man das poröse Material im Geweih laßen, bei Steckangeln wird der Griff einfach mit 2-Komp.-Epoxy gefüllt und die angel eingeschoben.
    Eventl - würde auch ein Bild vom Geweih weiterhelfen.

    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.

  • ahoi


    ich muss wohl evt alles zurücknhemen.
    hab heute ne freund erwischt dern zum einen ein alter Bulgare ist und es noch aus kindheisttagen kennt und zugleich
    werkstattleiter bei den uni typen bei uns.


    er sagte folgendes:



    man kann geweih nicht so auskochen wie knochen. es ist kein mark im sinen von mark ineinener rinderbeinschibe...
    das geweih ist schwannartig verwachsen und das ist zwar poröser als zb ein knochen aber eben doch knochenzeug.
    man kann es rauskratzen zb sagt er aber wenn es einmal eingetrocknet ist ist es wie knochen.
    rauskochen wie Knochenmark geht jedenfalls nicht.
    sagt er.
    und da ich ihn kenen glaub ivh ihm das...

  • Als kleiner Tipp für alle, die sowas maschinell bearbeiten, z.B. mit Dremel und Co.:
    Fragt mal bei Zahntechnikern oder Zahnlaboren nach. Die geben oft ihre "abgenutzten" Fräser für eine kleine Spende in die Trinkgeldkasse ab. Diese "abgenutzten" Fräser sind für Holz-, Horn- und Knochenarbeiten immernoch um Welten besser, als die original zu erwerbenden Dremel- oder Proxxon-Fräser! Fragt nach Fräsern, "Birnen" genannt, für Modelle aus Superhartgips.


    Anbei ein Beispiel einer sogenannten "Birne" für erwähnten Superhartgips....geht in Holz und Knochen, wie der Teufel!


    Gruß
    Lederstrumpf