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bugikraxn

Bushcamper unleashed!

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Freitag, 2. Oktober 2015, 18:29

Genußtour durchs Reichraminger Hintergebirge (NP OÖ Kalkalpen)

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah - dacht ich mir Ende August und bin mit Rucksack bei herrlichen Wetteraussichten in die österr. Voralpen zum Hengstpaß aufbrochen. Von dort hab ich eine 3-tägige Wanderung durchs Reichraminger Hintergebirge gestartet. Die Strecke verläuft überwiegend im Nationalpark OÖ Kalkalpen und damit im Naturschutzgebiet. Die Teilabschnitte sind durchaus ausgesucht und ich hab mich für eine Variante auf Wegen und Steigen entschieden welche eher gering frequentiert werden.

Vom Parkplatz am Hengstpass, wo ich mein Auto zurücklies gings stetig bergauf durch Wälder und eine Kuhweide auf die Doaflalm/Hanslalm auf ca. 1200m Seehöhe. Zwischendurch einige herrliche Ausblicke auf kahle Kalkberge wie z.b. die südlich gelegenen Haller Mauern bzw. die Gipfel des Toten Gebirges im Westen.





Auf der Doaflalm hab ich eine erste Rast eingelegt, sie ist eine der bewirtschafteten Almen im Nationalparkgebiet. Auf der Schotterpiste gings bei brütender Nachmittagshitze weiter über Almwiesen Richtung Muttling. Hier hab ich mich für eine Alternative entschieden und wählte den Forstweg Richtung Haslersgatter, welcher eigentlich eine Mountainbikestrecke ist. Wollte mir den Abstieg nach Muttling und den späteren Wiederaufstieg Ri. Groißnalm ersparen. Der Forstweg verläuft ohne nennenswerte Höhenunteschiede und ist dementsprechend bequem zu meistern.





Bin der Forststaße allerdings nicht bis Haslersgatter gefolgt sondern über die Groißnalm abgebogen und auf einem wenig begangenen Jägersteig zur Weingartlalm gewandert. Die Bezeichnung Steig ist für diesen Abschnitt besonders zutreffend, er ist stellenweise wirklich nur ein schmaler Pfad inmitten eines grandiosen Nadelwaldgebietes.



Die Weingartlalm ist eine liebliche und kleine Alm am Fuße des Großen Größtenberges, der auch ein beliebtes Ausflugsziel ist. Bin dann Richtung Steyrsteg/Schneetal abgestiegen und zum gleichnahmigen Biwakplatz Steyrsteg weitergewandert.





Da Nationalparkgebiet mit entsprechenden Verboten ist das Biwakieren auf lediglich 2 ausgewiesene Plätze beschränkt. Diese sind jedoch gut eingerichtet mit Trockenklo, Feuerplatz und Brennholzvorrat, etc. Nächtigung kostet lediglich EUR 3,50, Brennholzentnahme inbegriffen. Find ich absolut ok und würd mir mehr von diesen Plätzen hier in A wünschen. Selbstverständlich wurde ausgiebig gekocht - zwar nicht am Lagerfeuer, dafür aber mit dem mitgebrachten Benzinbrenner. Da ich an diesem Abend der einzige 'Gast' war, hab ichs mir im Holzschuppen bequem gemacht und musste gar kein Tarp aufbauen.



Dummerweise hab ich mein Ultralight Titanium Campingessbesteck zuhause liegen gelassen und musste kurzerhand Ersatz schnitzten. Allderings mit bescheidenem Erfolg, der Löffel war etwas zu klein geraten und für die Nudeln mussten 2 Chopsticks herhalten. Trotzdem bin ich sowohl am Abend als auch am Morgen ausreichend satt geworden ;-)





Nachdem ich den Holzschuppen wieder so gerichtet hab wie ich ihn vorgefunden hab bin ich am späten Vormittag wieder Richtung Weingartlalm aufgebrochen. Der kurze Aufstieg war duchaus mühsam, da die Sonne für entsprechend warme/heiße Temperaturen sorgte. Bin dann weiter einem markierten Wanderweg auf meiner Karte gefolgt. Der Wegfindung sollte man entsprechende Aufmerksamkeit widmen, die Beschilderung/Markierung wird offensichtlich nicht mehr gepflegt. Die Wege sind nicht nur vom Wasser ausgespült, sondern auch schon teilweise verwachsen oder von umgestürzten Bäumen verbarrikatiert. Das Vorankommen ist mit einem großen Rucksack stellenweise schwierig und erfordert etwas Umsicht. In diesem Bereich des NP trifft man vielerorts auf das Phenomän Waldsterben. Bin diesen Weg vor ein paar Jahren schon Mal gegangen und da war das Ausmaß an abgestorbenen Bäumen durchaus nicht so heftig.







Bin dann den Talschuß Richtung Südosten gefolgt und auf die Reste einer alten Klause gestoßen. Diese Dämme aus Holz waren mal mit Sand und Steinen gefüllt und haben Wasser für die Holzdrifft angestaut. Obwohl schon Jahrzehnte nicht mehr genutzt und leider dem Verfall preis gegeben, sehen die Überreste nach wie vor fastsinierend aus!



Von der Klause gings stetig bergan auf Fortstraßen und auf der anderen Seite des Höhenkammes wiederum auf einer steilen Forststraße runter ins Jörgltal.







Hier hab ich mir ein Bad im Bach gegönnt, was in der Nachmittagsssonne echt erfrischend war. Bin dann dem Forststraßennetz weiter gefolgt und musste einige Tunnels passieren. Diese wurden ursprünglich für die Waldbahn errichtet. Dies war eine Schmalspurbahn die im letzten Jahrhundert das Holz aus diesem waldreichen Gebirgszug rausgebracht hat. Die Bahn ist verschwunden, die Schienen sind entfernt - nur die Tunnel sind noch da und erlauben rasches Vorankommen ohne Umwege ins Gelände ;-)



Die Forstwege folgen nun stetig Bachläufen mit sauberem Wasser. Man kann daraus bedenkenlos trinken, filtern ist nicht notwendig denn die Wasserqualität ist wirklich gut. Vorbei gings am sogen. Schleierfall Ri nächsten Biwakplatz durch ein paar kürzere Tunnel.



Am Biwakplatz Weißwasser war die Freude erneut groß wieder einmal der einzige am Platz sein zu dürfen. Hab dann gleich mit dem obligatorischen Kochritual begonnen. Feuermachen war nicht, da behördlich verboten (Waldbrandgefahr!).
Nächtens bin ich dann mal aufgewacht und war von der Vollmondstimmung die grad herrschte echt überwältigt. Das Foto kann das leider nur unzureichend wiedergeben. Es war sehr hell und man hätte bedenkenlos weiter wandern können bei dieser Vollmondsicht!



Am Vortag ist bereits in der Dämmerung noch ein junges Pärchen eingetroffen und ich mußte notgedrungen mein Tarp aufstellen, obwohl ich erneut vorhatte im Holzschuppen zu schlafen.





Am 3ten Tag bin ich wieder mal spät weg gekommen und den Klosterweg Richtung Blabergalm aufgestiegen. Geht direkt den Berg hinauf und war oben auch entsprechend durstig. Hatte auf den Hausgraunda (so heißen da die Wassertröge) gehofft, da lief aber wegen der Dürreperiode leider nichts mehr. Zum Glück hatten die Sennleute vorgesorkt mit Radler u. Bier im Trog. Überraschenderweise tummelten sich unter der Klappe auch zahlreiche Frösche - an dieser Stelle wär durchaus ein Selfie angebracht gewesen, weiß nicht wer erstaunter gekuckt hat - ich oder die Amphibien ;-)





Diese Alm ist mit einer seltenen Rinderrasse bestückt und ich bin auf dem Klosterweg weiter weitergegangen. Die Verbindung Blabergalm - Ahornsattel ist wahrscheinlich der interessanteste Teil der Tour. Der Wandersteig ist gut in Schuß und es gibt herrliche Ausblicke in die tiefen Täler, auf die umliegenden Höhenzüge etc. Den Ahornsattel hab ich am späteren Nachmittag erreicht.





Bin dann über die Almwiese geschlendert und bei der Doaflalm wieder zum Hengstpass abgestiegen.



War eine echte Genußtour in einsamer Waldlandschaft! Die Tagesleistungen waren unspekakulär mit ca. 12-13km am ersten, ca. 16-17kam am 2ten und nur ca. 10km am 3ten Tag mit jeweils einigen Höhenmetern im An- und Abstieg. Die sportlichen unter Euch wird das wahrscheinlich nur ein müdes Lächeln abgewinnen. Da die Wettervorhersage entsprechend gut war hab ich etwas leichteres Equipment gesetzt und mein Rucksackstartgewicht war ca. 19.4kg (ohne Trinkwasser). Trotzdem hatte ich einige Mühe und kämpfte stellenweise hart mit meiner schlechten Kondition. Es hat aber dennoch Spaß gemacht und ich würd die Tour sofort wiederholen ;-)
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Montag, 5. Oktober 2015, 14:44

Schöne Tour. Ich will mal wieder in die Berge. Solche Bilder machen Lust auf mehr.
LG,
Benedikt

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Dienstag, 6. Oktober 2015, 11:24

Hab in die jutub auch 2 kleine Filme reingestellt zur visuellen Dokumentation meiner Wanderung, für alle die des lsesens überdrüssig sind und gern ein paar bewegte Bilder mögen ;-). Guckt mal die Links :
Wanderung Reichraminger Hintergebirge (NP Kalkalpen); Teil 1 v. 2
Wanderung Reichraminger Hintergebirge (NP Kalkalpen); Teil 2 v. 2

Viel Spaß beim reinschaun!
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Dienstag, 6. Oktober 2015, 12:33

Das sind zwei schöne und auch informative Videos von Dir ... habe gleich mal ein Abo da gelassen.
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