• Das ist nicht so einfach zu beantworten. Es ist ja nicht so, dass man mit Freude tötet, es ist eher wie ernten. Das ist vielleicht auch ein doofer Vergleich.
    Es ist sicher eine sehr ernste Angelegenheit, man versucht das Tier sofort zu töten, dass es nicht leiden muss. Wenn man ein Tier nicht richtig trifft und es davon rennt ärgert man sich über sich selber weil man nicht richtig getroffen hat und macht sich schwere Vorwürfe. Man versucht das Tier sofort zu finden und hat keine ruhige Minute mehr bis man es gefunden hat und es erlösen kann.


    Ich bin nicht Jäger. Wir, das sind meine Brüder und ich, haben als Kinder Hühner und Kaninchen aufgezogen um sie dann zu schlachten und zu essen. Wir hatten an den freien Nachmittagen im Schlachthaus unser Taschengeld verdient. Mir ging mal ein Huhn ab weil ich es nicht richtig getroffen hatte und es dann los lies. Das ist gar kein schönes Gefühl und ich hatte mir auch noch ein gewissen gemacht als es dann nach kurzer Zeit eingefangen wurde und einen kräftigen Schlag von meinem Bruder verpasst kriegte.


    Töten gehört untrennbar zum leben. Wo immer etwas zu leben beginnt ist vorher etwas gestorben. Viele haben den Bezug dazu verloren weil man überhaupt nicht mehr damit konfrontiert wird, das Fleisch beim Metzger in der Auslage erinnert kaum noch an ein Lebewesen.
    Hoffe das erklärt ein wenig deine Frage.


    Liebe Grüsse
    draussen

  • Waidmannsheil - saubere Arbeit. Drei Fragen, Geschoss, Kaliber und warum Aufschlossen, bzw. soviel gutes Fleisch bei den Hinterläufen freilegen (Gefahr des Vertrocknens)?

  • Was ist das für ein Gefühl, wenn man weiß : Ich hab eben ein Leben ausgelöscht?

    Draussen hat es großteils schon treffend formuliert.
    Es ist aber immer ein anderes Gefühl und eine Erfahrung mehr. Keiner wird dir dazu eine ehrliche Antwort geben, denn das muß jeder mit sich selbst vereinbaren. Verstehen wird es nur wirklich jemand, der ein Tier schon erlegt hat.


    Quote

    Drei Fragen, Geschoss, Kaliber und warum Aufschlossen, bzw. soviel gutes Fleisch bei den Hinterläufen freilegen (Gefahr des Vertrocknens)?



    Geko, Kal: .243
    Das Schloß breche ich auch auf, so wie man es gelernt hat. Ringeln kann man auch, ist aber jedem selbst überlassen, welche Art man bevorzugt.
    Und so viel Fleisch, wir reden von max. 50 Gr.,wenn überhaupt, ist zu vernachlässigen.


    Auch ich habe gestern den ersten Bock im neuen Jagdjahr erlegt.


    Nochmals Waidmanns Heil, Mat.

  • schöner Bock, Matthias!


    ich war am 1. auch auf der Jagd (aber leider noch als Gast) und wir hatten leider kein Jagdglück, dafür konnten wir aber wunderbar die Tiere beobachten (2 mal tagsüber(!) eine Rotte von ungefähr 30 Schweinen mit Keilern, Bachen und Frischlingen, war echt spannend da das auf 20 Meter Entfernung war und wir nicht im Hochsitz saßen, nen Bock haben wir auch noch gesehen, die Geländebedingungen ließen aber keinen Schuss zu) und ich hab nen Wildschweinschädel gefunden und mir den letzten verbliebenen Hauer mitgenommen, daraus mach ich mir nen Anhäger :)



    ich finde deine Videos sehr gut, da diese echte Sympathiepunkte für Jäger bringen, du zeigst, dass es beim Jagen nicht ums Rumballern geht, was bei uns ein weitverbreitetes Vorurteil ist.

  • Ich bin Jäger, weil ich Jäger sein möchte. Ich glaube, man setzt sich viel mehr mit dem Tod auseinander, als viele andere Menschen, die dieses für sich verneinen. Wenn ich mit mir hadern sollte, dann sollte ich nicht mehr jagen gehen.
    Ganz ehrlich, als der Sprung Rehe aus dem Weizen austrat, ging mir richtig die Pumpe ! Ich hatte vorher das Wild herangeblattet, also mit dem Kitzfieb zu mir gelockt, deshalb war auch am Anfang das Schmalreh zur Kanzel von der ganz anderen Seite des Feldes zu mir herüber gekommen.
    Als ich mein Gewehr auf den Bock ansetzte war ich aber wieder richtig ruhig, weil dann beginnt das Handwerk. Atmung kontrollieren, sauber in den Anschlag gehen, den Winkel zum Herz wählen beim Zielen, langsam am Abzug Druck aufbauen, bis der Schuss bricht. Dann schnell durchrepetieren für den eventuellen Nachschuss. Das Stück lag im Knall, Howie hat ja schon beantwortet, was ich schieße, eine Tikka T3 lite in .243 Win. Munition von Geko.
    Ich breche auf, oder ringele nach Notwendigkeit. Bei einem Jungen Stück, wie dieser Bock hier, ist eine lange Fleischreifung nicht von Nöten. Zudem kann man nicht bei so einem jungen Stück von Aufbrechen reden, das ist eher wie aufschneiden, und dieses ist dann doch viel einfacher als das Ringeln. Da bin ich Pragmatiker :)


    Ja, ich jage gern, für mein Leben gerne, dieses ist ein Stück Freiheit für mich, ich ehre das erlegte Tier, der letzte Bissen wird gereicht, ich denke über das geschehene nach, gehe in mich, lasse die Jagd, den Schuss Revue passieren. Es war eine gute Jagd, ich habe Jagdglück gehabt, weil ich meine Fertigkeiten bei diesem Ansitz angewandt habe und geblattet habe, trotzdem keine Blattzeit ist. Daher werde ich mich sehr lange an diesen Bock erinnern und meinem Sohn davon erzählen. Auch werde ich seine Trophäe in meinem Gartenhaus aufhängen, damit ich mich immer an ihn besinne. Irgendwann wird mein Sohn dann dieses Gehörn von der Wand nehmen, und sich an seinen Vater erinnern und sicher auch an die Geschichte mit dem Bock, welcher zur Unzeit geblattet wurde. So leben wir weiter !

  • Was ist das für ein Gefühl, wenn man weiß : Ich hab eben ein Leben ausgelöscht?
    Ich persönlich könnte es nicht.



    Ps.: Super Umgang !

    Draussen hat das sehr gut Erklaert. Toeten ist keine einfache Sache und man soll es auch nicht Leichtherzig machen, aber wie Bereits Erwaeht ist der Tod genau so wichtig wie Leben. Ohne Tod gibt es auch kein Leben.


    Wie man sich fuehlt ist bei jedem etwas anderst. Fuer mich ist eine Mischung von Reuhe aber auch Freude. Obwohl ich als Metzger, Jaeger und Tierhalter tausende von Tiere getoeted habe fuehle ich immer noch ein kleiner Stich stief in meinem Herzen. Ich nenne das Reuhe. Ich fuehle Freude weil ich selbst die Verantwortung des Toetens uebernommen habe um zu Essen. Fuer mich ist dieses Verantwortung uebernehmen sehr gross, so gross das ich sogar meine eigenen Hunde wenn sie alt und schwach werden selbst "Erloese" und nicht etwa einen Tierartz das machen lasse. Dies mache ich weil ich dem Hund die Angst vor dem Ungewohnten und die oft Langwirige Prozedur bis Beisskorb und auf dem Tisch festbinden beim Artz ersparen moechte. Da bringe ich das Tier lieber an einen Platz wo es gerne ist und sich Gluecklich fuehlt. Es wirt den Schuss nie hoeren, keinerlei Schmerzen oder Angstgefuehle dabei haben.

    Wenn Du nicht für Deine Freiheit kämpfen willst, hast Du auch keine verdient.
    Folge nicht den Spuren Anderer, gehe Deinen eigenen Weg und hinterlasse Deine Spuren.

  • Hallo!


    Ich kenne das Gefühl des Tötens ja bisweilen "nur" von Hühnern und Fischen aber ich denke mal das es eine wichtige Lebenserfahrung darstellt. Man kommt einfach raus aus der Anonymität des Fleischkonsums und lernt das was da vor einem auf dem Teller liegt mehr zu schätzen! Zu einem Stück Rinderhüfte oder Schweineschnitzel habe ich keinerlei Verbindung! Ich gehe in den Supermarkt und kaufe mir das was ich möchte, anonym und unkompliziert! Ich kannte das Tier nicht und auch nicht die Lebensumstände, verlasse mich blind auf das was da in der Theke liegt und darauf was der Metzger mir erzählt!


    Ich finde die Jagd, das Fischen oder die Hausschlachtung keineswegs bedenklich oder gar makaber sondern recht wertvoll! Unbegreiflich ist mir dagegen der Konsum von Fleisch ansich der in den letzten Jahren drastisch zugenommen hat! "Wenn mittags kein Fleisch auf dem Teller liegt ist es auch kein richtiges Essen" oder "Fleisch ist mein Gemüse" sind Zitate über die ich bisweilen nur mit dem Kopf schütteln kann!


    Danke für das Video, sehr anschaulich! Regt es doch gleichzeitig auch zum nachdenken an! Ich muss mal schauen was ein Jagdschein inkl. erster Ausrüstung (Tresor, Waffe, Munition) so kostet und welche Folgekosten da auf einen zukommen, das soll jetzt aber hier nicht Thema sein!!! Es war eher laut gedacht ;)


    Liebe Grüße


    [align=center]
    miteinander-füreinander


    Als ich den Schädel im Wald fand, rief ich zuerst die Polizei. Aber dann
    wurde ich neugierig. Ich hob ihn auf und fragte mich, was das für ein
    Mensch war und wieso er ein Hirschgeweih trug.


  • Gefühle haben keinen Platz im Moment des tötens. Wärend ich etwas töte (Bisher nur Fische, Vögel und Kleintiere) schalte ich meine Emotionen aus und funktioniere maschinell. Erst nachher mache ich mir Gedanken drüber. Klingt jetzt eso aber so ein gewisses Dankgefühl und Ehrfurchtsgefühl ist da, ohne es jetzt ins übertriebene zu steigern.
    Es ist aber wie mit allem. Man gewöhnt sich dran. Als ich als Totengräber angefangen hatte war jede Beerdigung ziemlich gruselig und wenn wir Knochen (oder noch mehr) von Menschen ausgegraben haben, da wars mir schon recht mulmig. Später stumpft es einen ab.
    Man muss haltbeim Tieretöten n bischen aufpassen das man nicht zu abstumpft und man alles unbringt was sich bewegt weils einem eh egal ist.

  • Gutes Video Jackknife. Du zeigst genau was ich auch erlernen möchte.
    Deine Umschreibung (8. Beitrag) finde ich auch gut.
    :gb

  • Gutes Video sowie die Erläuterung darin und hier nochmal :-) vielen dank dafür :-) du hast mir ein weiteren Denkanstoß gegeben vllt. Auch mal mit der Jagdt usw. Mich zu beschäftigen.


    Horrido
    Dicon

    Besucht mein YT-Kanal -> :) Dicon's Kanal


    "Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin - dann kommt der Krieg zu
    Euch!....Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage.."

  • Servus Jackknife,


    gleich vorweg ich bin kein Jäger und war auch noch nie bei einer dabei (obwohl ich es gerne mal wäre)


    Aber zu Deinem Video muss ich sagen: Respekt!!!


    Ich habe auch die Meinungen der anderen User bei YT gelesen und muss mich da einem Voredner anschliessen: Klugscheissern muss echt nicht sein. Die Arbeit sah in meinen Augen sehr gut und sauber aus. Weiter so, Grosser.


    Der olle Mac