Birkenpechherstellung

  • Nachdem wir beim Treffen im Soonwald leider keinen Erfolg mit der Produktion von Birkenpech hatten und heute eh frei war, haben mein Vater und ich die Zeit genutzt um es auch mal wieder auszuprobieren.
    Kurz etwas zur Theorie. Birkenpech wird nachweislich seit der Altsteinzeit verwendet. Im Braunkohletagebau von Inden-Altdorf in NRW wurden mehrere Paläolithische Feuerstellen mit Birkenpech gefunden.
    Birkenpech ist der erste Allzweckkleber der Menschheit und wurde seit Alterher dazu benutzt Projektilspitzen mit den Schäften zu verbinden, Gefäße oder Boote abzudichten und auch antiseptisch kann es benutzt werden.
    Über die Herstellungsmethoden der Altseinzeit ohne Keramik weiß man heute noch immer nicht genau bescheid, wärend man den Herstellungsprozess mit Keramik mitlerweile kennt.
    Das Prinzip läuft ganz einfach, man nimmt zwei Töpfe. Einen als Auffangbehälter, den anderen der über den anderen gestülpt wird und mit Birkenrinde gefüllt wird und wordrüber dann ein Feuer entzündet wird. Durch Löcher im Boden oder ein Sieb tropft die Birkenrinde später in den Auffangtopf. Das System muss luftdicht verschlossen werden, z.B. denn die Stoffe würden bei offener Flamme sofort verdampfen.


    So jetzt zur Praxis



    Erster Topf wird in die Erde eingegraben und mit Steinen eine Art Ofen gebaut



    Der zweite Topf passt genau drauf. Hier ist es wichtig ihn nicht einzugraben, das war ein Fehler den wir im Soonwald gemacht haben, denn die Hitze dringt nur an die obersten Teile. Wenn der Topf im freien steht kann die Hitze voll angreifen.



    Dieser wird sehr dicht mit Birkenrinde gefüllt



    Der Deckel wird mit Lehm abgedichtet. Wir nahmen noch Draht zur Stabilisierung, war aber nicht nötig



    Beide Töpfe werden miteinander verbunden und durch Lehm abgedichtet



    Drauf zündet man ein Feuer an



    Ein großes Feuer



    Wir müssten ganz schön was an Holz verheizen, drum wars nicht falsch ne Axt udn ne Säge mitzunehmen



    Natürlich muss man sich auch stärken



    Und Tee machen, wenn das Feuer schon da ist



    Im inneren war es so heiß dass der Topf rot geglüht hat



    Nach dem das Feuer runtergebrannt ist...



    ...werden beide Töpfe mit Vorsicht ausgegraben



    War gar nicht so einfach das ganze Gedöns aus der Feuerstelle zu heben, ohne dass es auseinander geht. Man sollte das schon machen, damit kein Staub und Erde in das Birkenteer fällt.



    Das Ergebniss ist eine seltsam riechende, schwarze, ölige dünnflüssige Masse. Die ausbeute ist nicht allzugroß, vielleicht ein kräftiger Schluck insgesamt.
    Dies ist allerdings noch nicht der letzt Arbeitschritt. Diese Flüssigkeit muss mit der kleingemahlenen Kohle und Asche der Rinde die wir aufbewahrt haben gestreckt werden und einige Zeit bei kleiner Hitze eingekocht werden, was bis zu 6 Stunden dauern kann.
    Diesen Schritt konnten wir heute leider nicht mehr durchführen, da die Zeit fehlte, aber demnächst wird auch das gemacht.
    Wichtig ist erstmal den schwersten Teil überstanden zu haben und zu verstehen wie es im allgemeinen funktioniert.
    Jetzt muss das noch einige male wiederholt werden um Fehler zu finden und die Ausbeute zu optimieren.
    So denken wir uns zum Beispiel, dass das Alter Rinde wichtig ist. Meine lag schon über ein Jahr bei im Keller und war von alten toten Bäumen geschält. Frische Birkenrinde könnte dahingehend bessere Ausbeuten ergeben. Auch Kleinigkeiten in der Gefäßkonstruktion sind noch verbesserungsfähig.
    Jetzt will ich aber erstmal sehen wie viel Birkenpech ich aus diesem Durchgang gewinnen kann.

    Zu viel Theorie verdirbt nur das Abenteuer. - draussen

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  • Klasse dann lag der Fehler wohl am Samstag beim eingraben des ganzen teils.
    Nun wird mir klar dadurch wurde die rinde nur oben erhitzt und das war zu wenig.
    Grüsse Walter

  • Klasse dann lag der Fehler wohl am Samstag beim eingraben des ganzen teils.
    Nun wird mir klar dadurch wurde die rinde nur oben erhitzt und das war zu wenig.
    Grüsse Walter


    Ja und es könnte auch dran gelegen haben dass die Rinde zum großen Teil noch Feucht war, denn ich hab sie im Soonwald direkt vor Ort von den Bäumen gesamelt wärend sie diesesmal trocken war. Aber ganz sicher kann ich das nicht sagen.

  • Astrein!
    Das finde ich jetzt mal richtig gut, daß du dich da nocheinmal dran gemacht hast. Am Treffen haben wir zwar leider kein Pech gewinnen können aber ich denke, allein die Vermittlung des Prinzips war das Experiment wert.
    Aber noch einmal ein Wort zu der Tiefe: mit der von mir mitgebrachten Doppeltopf - Variante haben wir vor Unjahren schon einmal experimentiert und mit ähnlichen Konstruktionen auch. Diese Nachbauten aus Ton wurden in der Tat immer so tief eingebuddelt um ein Platzen zu verhindern. jedoch waren damals die Feuer immer größer und daher auch heißer und brannten auch über Nacht. Ich denke, die Hitze hat beim Treffen einfach nicht ausgereicht um tief genug nach unten zu gelangen.
    Wie auch immer, das Prinzip dürfte vermittelt worden sein und so kann jeder der mag das Experiment für sich wiederholen.


    Weiter so :)


    Einen lieben Gruß,
    Ilves

  • ... und wenn dieser Birken-Aschekohle-Sud fertig gerührt ist ?
    wie lange kann denn der dann verwendet werden?
    Muss dieser zum Verwenden erneut erhitzt werden, damit dieser "geschmeidig" ist und verarbeitet werden kann?
    Um Pfeilspitzen einzukleben, und / oder Gefäße abzudichten ... muss dieser Kleber doch dann auch hart werden, oder?
    Hält das denn dann auch?


    Muss ja, wenn die Jungens in der grauen Vorzeit schon damit gearbeitet haben.


    erstaunte Grüße
    Michael

  • Der Vorteil am Kleber ist dass er immer wieder verwendet werden kann, mit Handwärme oder in der Nähe eines Feuers wird er warm und kann bearbeitet werden. Wenn er hart ist, ist es ein flexibler Kleber, was wichtig ist für Pfeilspitzen weil ein brüchiger Kleber brechen würde. Birkenpech nimmt die Energie auf.

  • jo, macht Sinn ...
    zu den Töpfen.
    ich stelle mir das jetzt mal so vor, dass ich durchaus auch zwei ineinandergestellte Tonblumentöpfe mit einem Deckel versehen dafür verwenden könnte ... wobei dem unteren das im Boden befindliche Loch natürlich mittels dem Lehm gestopft ist ?!


    ich muss das mal ausprobieren
    liegen ja genügend Birken hier in der Gegend umher


    Gruß
    Michael

  • Ahoi :-)


    Mal ein Versuch ohne Gefäße Pech herzustellen.
    Hat noch nicht ganz funktioniert, ich poste es mal trotzdem, schaden kanns ja nicht, im Gegenteil.


    Erstmal zur Theorie, weil auch die Gedankengänge wichtig sind, nur so kann man sich
    dem "verschüttetem Wissen" nähern.
    Ein wenig hatten wir darüber ja in kleinerer Runde auch in Kassel neulich phillosophiert,
    ich versuche es einfach mal grob zusammenzufassen.


    Ich denke das man das Birkenpech zufällig gefunden hat, zb nach dem zuschütten eines
    Feuers, also der unbeabsichtigten Erzeugung eines Schwelbrandes/Verköhlerung.
    Das ist relativ naheliegend, hab mich ein wenig belesen und zb gibt es an ehemaligen
    Köhlerhütten bis heute Belastungen im Boden (sogar im Grundwasser) durch Holzteer.
    Holzteer ist im Grunde (vereinfacht) nix anderes als Birkenpech.


    Nach meinen "Recherchen" kann man eig aus jedem Holz eine art Öl/Pech/Teer gewinnen,
    mit ähnlichen Eigenschaften, es unterscheidet sich wohl eher im Aufwand.


    Warum griffen nun die Vorfahren auf Birkenrinde zurück? Woher der (heutige) "Hype" ?
    Ich vermute das der Rohstoff Birke viele Vorteile hatte.
    DIe damaligen Sippen lebten eher Nomadisch, Holz ablagern ergab sich da nicht.
    (zb stellt man Holzkohle ebenfalls nicht aus frischem Holz, her sondern aus abgelagertem).
    Wir wir alle wissen brennt und vorallem schwelt Birkenrinde selbst im feuchtem Zustand hervoragend.
    Damit war Birkenrinde ein Rohstoff der schnell, vergleichsweisse mühelos und flächendeckend verfügbar war.
    Wie gesagt, ich glaube man kann aus jedem Holz, dann mit mehr Aufwand, Holzpech herstellen.


    Oke, also Birkenrinde, was nun?
    Näxter Gedanke war, wie erzeugt man künstlich einen Schwelbrand oder (besser) eine trockene Destillation.
    Lagerfeuer mit Erde abdecken haben wie alle häufig genug gemacht, aber ganz ehrlich,
    haben wir da jemals Holzteer gesehen? Oder evt auch nicht drauf geachtet?
    Das reicht für ein Zufallsprodukt, für die Entdeckung... aber für die gezielte Herstellung muss man sich
    vermutlich mehr einfallen lassen.


    Daher der Gedanke mit Lehm oder Tonerde ein Gefäss zu formen.


    SO ich versuche jetzt mal zum Kern der Sache zu kommen , haha.
    Also ich hab mir aus einer örtlichen, alten Tongrube (dort wurde sogar mal "Kaolinton abgebaut für Meissner Porzelan)
    etwas Lehm besorgt.
    Bin kein Geologe, evt kann da jemand helfen ? Zb Waldläufer hat evt da Fachwissen, dann bitte frech KORRIGIEREN !


    Wenn Lehm das Material ist, wo findet man es, wie verarbeitet man es?


    Kurz gegraben, eine kleine Schicht Sand/Verwittertes , gleich darunter war dann schon der "Speckgürtel" sprich Lehmerde.
    Lehmerde findet man aber eig überall, insbesondere bei uns, quasi jedes Dorf hat eine alte Lehmgrube...
    Lehm entsteht durch Verwitterung, aus allem möglichem Gestein.
    Also an Flussufern, an Hängen wo es eben vom Wind, Wasser hingetragen wird ect pp.
    Ton ist extrem feinkörnig (micrometer-körnung) so fein das man ihn kaum filtern kann, lehm ist geringfühgig gröber.
    Lehm reicht.
    edit: also da wo es feucht ist zb, wo wasser net versickert, da findet man zb lehm oder sogat tonerde...
    Lehm ist die Matschepampe die der ein oder andere evt noch kennt aus Kindertagen.
    Habe diese nochmal geknetet und gestampft, konstinetnz hat mich an teig erinnert, kein witz. lehm-Bannok XD
    (jetzt nicht gelangweilt sein, gestern hatte ich eine diskussion mit leuten die nicht wussten was lehm ist...)


    Da ich keinen Ahnung habe vom Töpfern hab ich, ähnlich wie Finn im Harz, einfach eine Röhre aus Rinde gewickelt
    vollgestopft mit etwas Rinde und dann aussen mit der Lehmerde beschmiert.
    Das sollte reichen....


    ...dachte ich.


    Alles in allem habe ich serh viel weniger Rinde genommen als beim Bennekendorfexperiment.
    Man sieht es denke ich auf dem letzem Foto wo der Spaten daneben liegt.
    Die Maße der Birkenrolle waren in etwa 4cmx15cm locker gefüllt mit relativ feuchter Rinde (zuerst Trocknen?)
    Dann die Pampe gleichmäßig drumherum geschmiert und Feuer gemacht.
    Auch wen ich mir mehr erwartet habe denke ich es geht in die richtige Richtung.
    Hitzezufuhr nur etwa 2h, dann hab ich es ausgehen lassen, evt brauch man mehr & länge hitze.
    die rinde im rohr ist verkohlt ( super zunder!) die röhre aussen war kaum verkokelt.
    auch hatte es mal gequalmt oben an der "kuppe" des phallischen objektes, also ganz dicht wars auch net,
    aber ich denke es geht grob in die richtige richtung.


    auch wenn ich unterm strich KEINEN tropfen öl raus hatte, dafür imba zunder (lol),
    ist es evt dennoch hilfreich.
    für den näxten der experimentiert.


    ich denke länger hitze (ging da nicht) aber vorallem das das tongefäß erst bei dem destilieren gebrannt (und sich damit abdichtete)
    wurde war das problem.
    also evt dann doch vorher ein gefäss bauen und brennen....


    oder ein gefäss was man bei rissen schnelll der glut entnehmen kann um es abzudichten.
    ging leider aufgrund des feueraufbaus auch net in dem moment....





    EDIT:


    das mit der birkenrolle war jetzt halt eine idee...
    hab auch schon überlegt aus lehm eine art feuergrube zu bauen die erstmal aushärtet im feuer, danach evt risse verschmieren,
    dann dort Rinde plazieren und ebenfalls abdecken mit einer dünnen lehmschicht, darauf dann das lagerfeuer betreiben.
    möglichkeiten gibs viele... ;)

  • Kruppi mei Seppel ;)


    Erstmal ganz herzlichen Dank, dass du einfach mal probiert hast :daumen
    Auch solche Berichte, wo nicht immer gleich ein perfektes Ergebnis herauskommt, braucht es hier!
    Finde auch, die Experimente die mal nicht so Rund laufen bzw. die Beobachtungen die man bei diversen Sachen macht sind wichtig und gehören dokumentiert.
    Eine Frage habe ich da an dich, hatte dein "Lehmphallus" nen Zwischenboden, der sozusagen die Birkenrinde von dem Teil der zum Auffangen des Birkenöls erfordlich ist trennt oder war alles in einem Stück?
    Vielleicht ist die Idee gar nicht mal so verkehrt, wenn man sozusagen den unteren Teil des Lehmbehälters als Auffangkammer konstruiert und in den oberen Teil die Rinde steckt, noch ein kleines Loch in den Zwischenboden rein, dann könnte es vielleicht gar funktionieren.
    Ich denke die Lehmkapsel sollte vor allem schon trocken sein, bevor man diese mit Rinde befüllt und evtl. dem blanken Lehm mit etwas Gras oder ähnlichen vermischen, so das er stabiler wird.


    LG,
    Rauchquarz

  • ich find halt auch das man was lernt wenn was nicht klappt, ausserdem wollten wir sowas in der Art bereits in Kassel ausprobieren
    daher halt hier mal der Stand der Dinge :-)


    Um ehrlich zu sein hab ich es mir einfach gemacht und lediglich ein Gefäss (ohne Zwischenraum) gebaut.
    Erst wollte ich 2 Basteln, hab einfach ein Stöckchen mit eingeknetet unten,
    und dann herausgezogen so das ein Loch ensteht... leider war das Ergebniss nicht überzeugend.
    Würde ich aber direkt nochmal so probieren.
    Ich hatte gehofft das auch bei einem "Einkammer-System" sich unten irgendwie ja Birkenpech absetzen müsste,
    zumindest soviel das man sieht das welches entsteht.
    Evt enstand auch ein wenig, welches dann aber vermutlich vom Lehm aufgenommen wurde.
    Auch wenn der Lehm Steinhart wurde nahm er dennoch Wasser an wie ich am Ende (nach dem zerschlagen) mit Sprudel
    getestet habe.


    Hier muss ich auf Ilves Vorschlag in Kassel verweissen der einen alten Schädel oder ähnliches zum auffangen
    (also als 2tes Gefäss) verwenden wollte. Das erscheint mir schlüssiger als nur Lehm, ich hatte aber keinen.


    Auf jedenfall müsste
    1. das Feuer erheblich länger betrieben werden als in meinem Versuch (nur etwa 2h) bei dem die Verkohlung noch in der Anfangsphase war
    2. der Lehmmantel dicker (meiner war etwa 1cm), bzw anders "zubereiten" meiner war zb auch noch relativ feucht.
    Zwar nicht nass in dem Sinne, aber evt muss der noch trockener sein (evt vorher durch ein Tuch/stoffbeutel pressen?)
    evt senkt man so die Gefahr das der Lehm irgendwo einreisst beim "brennen"
    3. evt vorher das Gefäss richtig formen (zb diese Würstchen-lege-methode) und brennen.
    keien ahnung wie man diese Glasur erzeugt, aber evt wenn man das Gefäss innen mit Fett (speck?) ausreibt dürfte es ebenfalls
    bereits etwas dichter werden.


    evt gibts hier jemanden auf dem Board der schonmal etwas getöpfert hat?


    auch müsste man sich noch damit auseinandersetzen wo genau man Ton bzw Lehmerde findet,
    es gab doch glaube hier einen Oberlausitzer Hobbygeologen und Kleingärnter XD ...


    Sollten wir spätestens zum näxten Treffen nochmal ausprobieren, zur Not klaue ich nochmal Lehm aus der Kaolingrube.

  • Kruppi mein Guter: zunächst einmal ganz herzlichen Dank für deinen sehr schönen Bericht und vor allem dafür, daß du solche Experimente überhaupt machst.
    Nun möchte auch ich versuchen hier noch einiges an Informationen mit ein zu bringen.



    Zunächst zur Definition:


    „Nach DIN 55496 sind Teere durch zersetzende Behandlung organischer Naturstoffe (Holz, Kohle, Erdöl) gewonnene flüssige und halbfeste Erzeugnisse; Peche sind dagegen die meist festen Rückstände der Destilation der Teere, aber manchmal auch die bei der Destillation von organischen Stoffen unmittelbar gewonnenen schmelzbaren Rückstände, z. B. Harzpeche.“ (Quelle: Experimentelle Archäologie in Deutschland, Band 4 v. 1990, Seite 473)

    Die Gewinnung:


    „Holzteer ist ein Gemisch aus mehreren hundert chemischen Verbindungen. Die Hauptbestandteile sind gesättigte und ungesättigte Kohlenwasserstoffe, Alkohole, Aldehyde, Carbonsäuren, Alicylen und Aromate. Ausbeute und Beschaffenheit sind von vielen Einflüssen wie Holzart, Schweltemperatur, Heizgeschwindigkeit, Herstellungstechnologie u. a. abhängig. Am besten eignet sich harzreiches Kiefernholz; besonders ergiebig sind die Wurzeln (Stubben) alter Bäume. In slawischen Gebieten wurde auch die dort häufig vorkommende Birke zur Teergewinnung eingesetzt.
    Bei fast jedem Verfahren zur Gewinnung von Teer aus Holz kommt das Verfahren der trockenen Destillation, oder Pyrolyse, zur Anwendung, d. h. das Holz wird unter Luftabschluß erhitzt und die dabei entstehenden flüchtigen Produkte werden abgekühlt (kondensiert) und aufgefangen. Als Rückstand der Destillation verbleibt Holzkohle.
    Die Verfahren der Teergewinnung unterscheiden sich vor allem darin, ob das zu verschwelende Holz direkt (autotherme Prozeßführung) oder indirekt (allotherme Prozeßführung) erhitzt wird. Beim ersteren handelt es sich um modifizierte Meilertechniken (...) die durch spezielle Anordnungen ein Auffangen der Pyrolyseprodukte ermöglichen. Diese Verfahren kamen und kommen vor allem in den waldreichen Gebieten Skandinaviens und der UDSSR vor, man findet sie aber auch schon in der Antike erwähnt.
    (...)
    Der Vorteil der autothermen Prozeßführung ist der relativ einfache und billige Aufbau der Anlagen; der große Nachteil besteht darin, daß zum Erreichen der nötigen Betriebstemperatur etwa ein Drittel des reaktionsholzes (Kienholz) verbrannt werden muß.“
    (Quelle: Experimentelle Archäologie in Deutschland, Band 4 v. 1990, Seite 473, 474)


    Warum Rinde?


    Die Frage warum bei Birkenpech Rinde und nicht das Holz verwendet wird, fand ich wie folgt beantwortet: „Es gibt einen grossen Unterschied zwischen Birkenpech, das aus Birkenholz hergestellt wird und Birkenpech, das nur aus Birkenrinde hergestellt wird. Nur das Birkenpech aus Birkenrinde klebt.“
    (Quelle: http://www.lenaia.ch/experimen…chaeologiebirkenpech.html)


    Je nachdem von welcher Zeitepoche wir ausgehen muß auch die Flora beachtet werden: dichte Eichen- und Buchenwälder wuchsen einfach nicht an jedem Ort und zu jeder Zeit, Birken als Pioniergehölz mit ausgezeichneter Anpassungsfähigkeit vor allem kälterem Klima gegenüber hingegen schon.


    Das Experiment


    Dein vorzügliches Experiment zur Birkenpechgewinnung ohne Doppeltopfverfahren wurde hier schon einmal durchgeführt http://www.lenaia.ch/experimen…chaeologiebirkenpech.html, die Fragestellung wie man Birkenpech ohne extra hergestellte Töpfe gewinnen konnte war auch hier die Ausgangsbasis.
    Das auf der Seite erwähnte Experimentalarchäologen - Duo Kurzweil / Todtenhaupt will ich im Folgenden bei ihrem Experiment mit dem Doppeltopfverfahren zitieren weil im Text recht wertvolle Informationen enthalten sind die uns zusammen mit den Informationen des links oben sicher weiter bringen werden.


    „Ein wichtiges Problem war die Magerung der verwendeten Keramik. (...) Gute Erfahrungen wurden mit einer 30 - 50%igen Schamottmagerung erzielt, ebenso mit einer ebenfalls 30 - 50%igen Magerung mit Quarzsand der Körnung 0,5 - 2mm. Gebrannt wurden die Töpfe (...) in einer Brenngrube (...). Die mechanische Stabilität dieser Keramik ist nicht sehr groß, um so besser ist ihr thermisches Verhalten.
    (...)
    Ein Keramikgefäß von 10 - 15l Inhalt mit durchlöchertem Boden wird fest mit kleingehacktem Kienholz oder anderem geeigneten Material, wie Birkenrinde, gefüllt und in einer ca. 1m tiefen trichterförmigen Grube auf ein zweites, etwa gleich großes Gefäß gestellt. Das obere Gefäß wird mit einem Deckel abgedackt, sowohl der Deckel als auch die Trennlinie zwischen den beiden Gefäßen mit gemagertem Lehm abgedichtet (lutiert). Das untere Gefäß, der Kondensatauffangbehälter, steht dabei eingegraben in der kühlen Erde, während um den oberen Reaktionstopf ein Feuer entfacht und ca. 2 - 3 Stunden unterhalten wird. Die Temperaturen liegen in der Endphase der Pyrolyse bei ca. 700° C. Die Grube soll zur Brennstoffersparnis die Wärme zurückstrahlen und gleichzeitig den Topf vor Temperaturschwankungen schützen.
    Danach läßt man die Anordnung erkalten, räumt die Asche aus der Grube, entfernt den oberen Topf und gräbt das Kondensatgefäß aus.
    (...)
    Der gewonnene Rohteer muß vom wäßrigen Anteil (dieser eignet sich gut zum Konservieren von Schur) befreit werden und kann dann bis zur gewünschten Konsistenz eingekocht werden.
    (Quelle: Experimentelle Archäologie in Deutschland, Band 4 v. 1990, Seite 476, 478)



    Bin gespannt wie wir mit den immer mehr werdenden Informationen weiter kommen :)
    Einen lieben Gruß,
    Ilves

  • wow das ist ziemlich interesantes material ilves.
    ich hab mal versucht (halber abend, noch einige zeit vor dem harztreffen) grob zu googeln nach birkenkleber
    ohne dosen, hab da nix gefunden, sogar auf den einschlägigen steinzeitseiten und den angegliederten (wie zb blue mammut usw)
    die sonst eig gute ansätze liefern.
    einiges von dem was du nennst war ja bereits bestandteil unserer "theoretischen" diskussion vor kassel (und in kassel)....
    klingt super, muss das jetz mal grob anlesen.


    evt mache ich am WE nochmal ein experiment, das ua. ist abhängig von meiner laune/der behörde,
    ob ich übers WE (oder 2 tage länger) paddeln gehe oder mich mal wieder in "meine" franzigmark verdrücke,
    in dem fall wäre es easy weil die tongrube ist ebenfalls dort so das ich mir diesmal das geschleppe ect sparen kann.
    ich sage schonmal danke für deine hinweisse und links.


    achso ps, zur franzigmark und dem anderen flecken wo ich rumhänge folgen die tage ein/zwei größere beiträge...
    mit ein wenig pech gibs die nimmer lange... da jetzt der autobahnausbau A-143 in die näxte runde geht.
    aber oek dazu mache ich ein neues thema und hoffe dann auf beteiligung bei den petitionen :-)
    in diesem sinne, Muuh! ;)

  • Quote

    ich hab mal versucht (halber abend, noch einige zeit vor dem harztreffen) grob zu googeln nach birkenkleber

    Zur Birkenpechherstellung gibt es eine gute Seite. Weiß leider nicht mehr welche.
    Kannst Du mal zu Blue Mammut verlinken? Ich finde nichts und hast Du schon den Autobahnthread?

  • So hier blumammu.de http://www.feuer-steinzeit.de/blumammu/index.php
    Experimentelle Archäologie ziemlich gut aufbereitet, kommt auch immer mal was neues hinzu, ist auch humorvoll geschrieben.
    Teils wird auch darauf eingegangen wie man zu welcher Theorie oder Lösung bzw Gedankengang kam
    und warum es dann manchmal doch nicht hinaut ;)
    passedn zu diesem Thema und auch zu einigen anderen immerhin waren die Steinzeitler allesamt Bush bzw Steppencrafter :-)