Selbstgemachtes Sami-Messer (Leuku)


  • 2921 von wildhog9910 auf Flickr


    Lapplandmesser bilden für mich den Archetyp eines Buschwerkzeugs, daher hegte ich schon seit längerem den Wunsch selbst eins zu besitzen. Natürlich sollte es keines von der Stange sein und auch nicht gerade einen halben Monatslohn verschlingen. Also hieß es wieder einmal: Selbst ist der WildHog.


    Ich habe mich vorher schon ein paar Mal am Messerbauen versucht, daher sollte es für mich kein großes Problem darstellen. Sicherlich gibt es geschicktere Handwerker als mich, aber für einen brauchbaren und rustikalen Gürtelschmuck halte ich meine Fähigkeiten für gerade ausreichend.



    1. Ausgangsmaterial bildet eine Leukuklinge von Lauri. Sie ist aus Kohlenstoffstahl und wird als “Lauri Huggarblad” verkauft. Schon im Auslieferungszustand ist das Biest höllisch scharf, also musste ich mein ungeschicktes Fleisch in Zaum halten. Als Griffmaterial benutzte ich ein Reststück Maserbirke, Olivenholz und eine Zwischenlage aus dickem Leder. Im Nachhinein habe ich mich etwas geärgert, da sich die Holzarten nicht sehr voneinander abheben. Hätte lieber Ebenholz benutzen sollen, Grrr! Für die Zwinge und die Nietplatte habe ich Bronze als Plattenmaterial verwendet.


    2. Zunächst muss die Zwinge an die Klinge angepasst und ausgefeilt werden. Hierfür habe ich eine einfache Pappschablone gebastelt.


    3. Auf der eingezeichneten Mittelachse habe ich mehrere Löcher in Klingenstärke gebohrt.


    4. Es empfiehlt sich, zuerst den Schlitz herauszuarbeiten bevor man die Umrisse ausfeilt.


    5. Mit einem Hartmetallmeißel kann man die Zwischenstücke herausstemmen.



    leuku01 von wildhog9910 auf Flickr


    6. Lieber einmal öfter die Passung überprüfen als sich hinterher zu ärgern dass man zuviel weggefeilt hat!


    7. Da die Klinge zur Schneide hin dünner wird, muss man entsprechend aufpassen, dass man es in diesem Bereich nicht übertreibt, sonst klaffen zum Schluss hässliche Lücken am Klingenübergang.


    8. Nachdem die Klinge perfekt in die Aussparung passt, kann man sich an das Herausarbeiten der Außenform machen.


    9. Ich habe eine Eisensäge für die grobe Form benutzt und den Rest zurechtgefeilt. Die Feinbearbeitung erfolgt durch Schleifpapier in verschiedenen Körnungen. Man fängt bei etwa 240 an und arbeitet sich vor bis zu Korngröße 1000 (Es gibt auch noch feineres Schleifleinen, das ist aber meines Erachtens nur nötig wenn man eine absolut perfekte Oberfläche haben möchte)


    10. Mit der Polierscheibe wird die Zwinge nun auf Hochglanz poliert.


    11. Als nächstes habe ich die Zwinge auf die Klinge geschoben und das erste Holzstück angezeichnet. Idealerweise zeichnet man die Lage des Erls von allen Seiten an.


    12. Das Olivenholzstück passt schonmal, vorgebohrt habe ich mit einem kleinen Holzbohrer. Dann habe ich die Löcher mit einer dünnen Handstichsäge und einem angeschliffenen Schraubendreher ausgearbeitet. Man muss genug Platz für den Kleber lassen, sollte aber auch nicht zu großzügig sein, damit noch genug Material stehen bleibt.


    13. Hier sieht man, dass der Bohrer genau mit der angezeichneten Linie fluchten muss.



    leuku02 von wildhog9910 auf Flickr


    14. Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, in der “arbeitsfreien” Zeit muss man bei Olivenholz vorsichtig sein. Dieses Stück hat zwar schon mehrere Jahre gelagert, aber durch den hohen Ölgehalt wirkt das Holz nach wie vor feucht und frisch (Und es riecht sehr gut ). Daher wird empfohlen, das Holz in einer offenen Tüte mit Spänen zu lagern, damit das Holz sich nicht zu stark verzieht. Am nächsten Tag konnte man wirklich sehen, wie sich das Holz leicht in Richtung der Jahresringe geneigt hatte!


    15. Man muss auch mal Glück haben. Idealerweise trifft das Bohrloch exakt den angezeichneten Bereich.


    16. Auch hier gilt: Lieber einmal mehr prüfen, als sich hinterher ärgern.


    17. Um den Erl in der Nietplatte befestigen zu können habe ich zunächst ein Loch in Stärke des Erls in das Rohmaterial gebohrt.


    18. Nun muss der Erl etwas angepasst werden, da er hinten einen flachen und rechteckigen Querschnitt hat. Da die Leuku-Klinge durchgehärtet ist, kann dass einige Zeit dauern. Ein elektrischer Schleifstein kann hier eine echte Arbeitserleichterung sein.


    19. Nun passt der Erl!


    20. Die Nietplatte wird genauso gefertigt wie die Zwinge.


    21. Vor dem Verkleben muss die Klinge anständig eingepackt werden. Insbesondere am Übergang Klinge/Zwinge sollte später kein Kleber durchsicken. Man kann Epoxydkleber zwar von der Metalloberfläche entfernen, ich wollte aber gerne die schwarzen Klingenwangen beibehalten.



    leuku03 von wildhog9910 auf Flickr


    22. Man kann extra teuren 2-Komponentenkleber vom Messermacherbedarf kaufen, aber der gute alte Uhu-Epoxy aus dem Baumarkt tut es genauso. Kleber und Härter werden in einem Pöttchen zu gleichen Teilen angemischt, dann muss es relativ schnell gehen. Man kann die einzelnen Komponenten vorher etwas anwärmen wenn einem der Klebstoff zu steif sein sollte. Das Olivenholz und die Metallteile müssen entfettet werden, sonst hält der Kleber nicht. Dafür habe ich einfach Bremsenreiniger verwendet. Nun fügt man die einzelnen Elemente sorgfältig zusammen. Die Teile sollten nicht verdreht eingebaut werden! Ich habe anschließend die Klinge vorsichtig vorgenietet, um etwas “Zug” in den Griff zu bekommen. Nach 24 Stunden ist der Kleber garantiert ausgehärtet, dann kann man den Erl vollständig vernieten. Falls man sich nicht sicher ist, ob tatsächlich genug Kleber im Griff gelandet ist, kann man während des Aushärtens die Klinge auf den Kopf stellen, dann kommt der Klebstoff wenigstens an die belasteten Bereiche.


    23. Mit der Säge wird vorsichtig überschüssiges Holz entfernt. Ich mache oft den Fehler zuviel abnehmen zu wollen, dabei kann man schnell zu tief in das Griffmaterial einschneiden!


    24. Wenn man keine Zeichnung vom fertigen Griff angefertigt hat (so wie ich) muss man überlegen an welchen Bereichen der Griff dicker wird.


    25. Nachdem man den Griff grob in Form hat, kann man mit einem Bandschleifer das “Feintuning” beginnen. Man sollte nicht zu lange mit grobem Korn schleifen, denn sonst hat man hinterher Probleme die Riefen auszuschleifen. Messerbau muss ja nicht in Sisyphus-Arbeit enden.


    26. Nun kann man sich daran machen, den Griff von Hand zu bearbeiten. Hier hebt sich das Olivenholz noch schön vom Birkenkolz ab *schnüff*



    leuku04 von wildhog9910 auf Flickr


    27. Mit immer feinerer Körnung wird die Oberfläche geglättet. Ich habe zum Schluss 240er-Schleifpapier verwendet. Man kann auch noch feineres benutzen, aber ich denke dann gelangt das Öl nicht mehr so gut in die Poren.


    28. Um mir die Pinselei zu ersparen habe ich aus 2 Teilen Leinöl und 1 Teil Balsamterpentinöl ein Firnis gemixt und den Griff komplett versenkt. Je länger man dem Griff Zeit gibt, desto dunkler wird die Maserung (und umso länger braucht das Öl zum Aushärten )


    29. Für den Klingenschutz habe ich zwei alte Bettlatten aus Fichtenholz genommen und mit dem Elektrohobel geradegehobelt. So wie die Jahresringe hier liegen sollte das Stück später auch verleimt werden, damit das Arbeiten des Holzes sich nicht zu stark auswirkt.


    30. Die erste Latte wird angezeichnet, ich habe kein extra Spiel eingezeichnet, weil beim Einstemmen eh immer etwas mehr wegkommt als mir lieb ist.


    31. Mit dem Messer wird die Linie eingestochen, das ist bei dem weichen Holz kein Problem.


    32. Zunächst werden die geraden Seiten auf die halbe Klingendicke eingestemmt, zur Schneide hin kann man das Holz etwas auslaufen lassen.


    33. Die Rundung ist etwas knifflig (zumindest für mich, da ich nicht gerade der geborene Holzwurm bin). Mit der anderen Seite wird genauso (entsprechend spiegelverkehrt) verfahren.



    leuku05 von wildhog9910 auf Flickr


    34. Voraussetzung für eine haltbare Verleimung ist, dass die zu verleimenden Flächen absolut eben und fettfrei sind. Auf diesem Bild sieht man, dass ich erst die Außenform einer Seite ausgearbeitet hatte, das hat den Vorteil, dass man noch die Wandung sieht. Nach dem Verleimen wird das überstehende Holz der anderen Seite entfernt.


    35. Die Klinge passt und der Schneidenschutz kann fertiggeschliffen werden.


    36. Um die beiden Hälften anzugleichen eignet sich ein scharfes Stemmeisen.


    37. Et Voilá. Jetzt fehlt nur noch das Lederkleid!


    38. Der Griff wird in Klarsichtfolie eingepackt um ihn vor dem (zur Verarbeitung angefeuchteten) Leder zu schützen.


    39. Aus Pappe wird eine einfache Schablone gefertigt, um den Lederverschnitt nicht auf die Spitze zu treiben. Experten können mittels Lederriemen den genauen Bedarf messen und eine Maßscheide ausschneiden. Dieses Geheimnis ist mir noch verborgen!



    leuku06 von wildhog9910 auf Flickr


    40. Nach dem Ausschneiden muss das Leder in warmem (nicht heißen!) Wasser eingeweicht werden, damit es geschmeidiger wird. Gerade bei dickem Leder bekommt man sonst Probleme es um enge Radien zu formen. Klemmzangen sind ganz nützliche Helfer, da man für die Lederbearbeitung normalerweise acht Hände braucht.


    41. Vor dem Vernähen muss noch eine Gürtelschlaufe angebracht werden. Diese wird durch einen Schlitz geführt damit sie etwas stabiler ist.


    42. Die Naht wird vorgestochen. Auch dafür ist ein Anfeuchten des Leders nützlich, da die Löcher sich bei trockenem Leder nicht wieder verschließen.


    43. Ein Teil der Schlaufe wird durch den Schlitz durchgeführt, der andere Teil bleibt auf der Außenseite. Ich habe hier noch eine kleine (krumme) Ziernaht aus weißer Kunstsehne angebracht.


    44. Das Endprodukt: Die Scheide wurde mit schwarzer Kunstsehne vernäht. Im Griffbereich habe ich ein paar Verziehrungen punziert. Um den Griff herum sollte die Scheide so stramm wie möglich sitzen, damit das Messer hinterher schön “einrastet”. An der Spitze der Messerscheide habe ich noch eine kleine Metallöse angebracht, um bei Bedarf die Scheide mit einem Beinriemen befestigen zu können.



    leuku07 von wildhog9910 auf Flickr


    Die Gesamtlänge des Messers beträgt 33 cm, davon sind 21 cm Klinge. Das Messer wiegt solo 335 g und mit Scheide 557 g. Damit ist mein Leuku sicherlich kein Leichtgewicht, aber es ist nahezu unverwüstlich. Die Klinge hat 17,50 € gekostet, das Holz auf die Länge umgerechnet ca. 10 €. Die Bronze schlug mit 8 € zu Buche, das Leder und der Klingenschutz waren umsonst. Insgesamt hat mich das gute Stück also etwa 35 Euronen gekostet.


    Inzwischen hat sich das Messer mehr als bewährt. Selbst armdicke Äste kann man binnen kürzester Zeit zerteilen. Auch rabiates “Hebeln” sowohl in Quer- als auch Längsrichtung der Klingenachse hat das Leuku bislang wegstecken können, was wohl nicht zuletzt der stabilen Klinge und dem durchgehärteten Erl geschuldet sein dürfte. Nun hatte ich jedoch so viele Spielzeuge zu Hause, dass dieses Messerchen schließlich ein Geschenk an meinen Freund wurde :D