Vorstellung: Bergstiefel Geiger Bernina

  • Vorstellung Bergstiefel Geiger Bernina


    Aufgrund meiner „Problemfüße“ (lang und schmal mit noch schmalerer Ferse) habe ich immer Probleme passende Schuhe zu finden. Insbesondere bei Wanderstiefeln habe ich schon viele Marken ausprobiert und bin nie hundertprozentig zufrieden gewesen. Am Besten klappt es noch mit dem Meindl Air Revolution und dem Hanwag Yukon. Im Laufe der Jahre bin ich immer mehr zu der Überzeugung gekommen, dass Gore-Tex-Stiefel nichts für mich sind. Erstens geht mir die Membran viel zu schnell kaputt, zweitens funktioniert die Membran auch nur bei größerem Temperaturgefälle zwischen innen und außen (also nur in der kälteren Jahreszeit) und drittens finde ich die Geruchsentwicklung in Membranschuhen unangenehm.


    Über ODS bin auf den Schuhmachermeister Geiger in Frittlingen (in der Nähe von Rottweil in Baden-Württemberg) aufmerksam geworden.


    http://www.geigerschuhe.de/


    Hier fertigen Junior und Senior Geiger in guter alter Tradition zwiegenähte Schuhe und Stiefel in Handarbeit. Das Geniale ist, dass es sich um maßgefertigte Schuhe handelt. Im Geschäft werden die Füße vermessen (hier merkt man sofort die große Erfahrung der Familie Geiger bei Problemfüßen). Auf Basis eines vorhandenen Leisten werden leichte Änderungen an diesem vorgenommen und man bekommt einen Schuh / Stiefel mit ganz individuellen Maßen. Man hat zudem die Wahl zwischen unterschiedlichen Ledern (verschiedene Dicken, Lederarten und Farben), Dämpfungen und Sohlen. Auf spezielle Wünsche kann individuell eingegangen werden. Aufgrund der hohen Nachfrage muss man auf das fertige Paar mittlerweile aber 1,5 Jahre warten! Bezahlen muss man erst nach Erhalt und wenn der Schuh passt! Sollte man später noch andere Schuhe nachbestellen, geht es etwas schneller, da der individuelle Leisten ja schon vorhanden ist.


    Im April 2009 bin ich mit meinem Vater nach Frittlingen gefahren. Wir haben uns vor Ort die Füße Vermessen lassen, obwohl es auch die Möglichkeit gibt, mit einem Maßformular die Füße zu Hause selber zu vermessen.


    Für mich wurde es der schwere Bergstiefel Bernina mit dickem Nubukleder und Skywalk-Sohle (Kostenpunkt 180 Euro – dafür bekommt man nirgendwo einen Stiefel in dieser Qualität).


    Genau ein halbes Jahr später trafen die Schuhe ein.


    In Größe 45,5 (etwa) wiegt ein Stiefel 1070 Gramm, also alles andere als ultraleicht. Die Verarbeitung ist über jeden Zweifel erhaben! Das Einlaufen hat ein paar Wanderungen gedauert, dann saßen die Stiefel wie für mich gemacht (sind sie ja auch).


    Die Pflege erfolgt bei mir mit SnoSeal (ab und an) und ansonsten mit BW-Schuhcreme oder irgend eine Schuhcreme auf Bienenwachsbasis. Damit habe ich schon in den letzten Jahren die besten Erfahrungen gemacht. Die Stiefel werden damit ausreichend wasserdicht und bieten trotzdem noch eine ordentlich Dampfdurchlässigkeit.


    Nur wenn man ganz lange in irgendwelchen Bächlein steht, stundenlang durch nasse Wiesen stapft oder im nassen skandinavischen Fjäll versinkt, kommen die Schuhe an ihre Grenzen. Aber das ist halt nicht ungewöhnlich für einen reinen Lederschuh.


    Das Fußklima ist sehr gut. Das dicke Leder nimmt den Schweiß auf und ich hatte noch nie das Gefühl nasse oder unangenehm feuchte Füße zu haben. Das Trocknen dauert dann aber etwas, so dass man auf mehrtägigen Touren bei feuchtem Wetter und Übernachtung im Zelt morgens schon mal klamme Schuhe hat. Egal beim Marschieren wird es schnell wieder warm.


    Mittlerweile habe ich mir auch noch einen Halbschuh von Geiger nachbestellt, von dem ich ebenfalls begeistert bin.


    Ich möchte allerdings nicht den Eindruck erwecken, als wäre der Bernina das Nonplusultra. Er ist ein hervorragend verarbeiteter, langlebiger, schwerer Bergstiefel zu einem guten Preis. Für viele Anwendungen ist er aber zuviel des Guten (zu schwer).


    Mittlerweile ist auch wieder ein leichter Gore-Stiefel in meiner Schuhsammlung gelandet und wird gerade getestet.