• Ich persönlich bin nie der große Bergsteiger gewesen, aber mein Bruder und mein Vater haben sich jetzt die feste Idee in den Kopf gesetzt diesen Sommer aufs Matterhorn zu steigen. Ich hab zuerst dankend abgesagt, keine Pflanzen, keine Tiere da oben nur blanker Fels und Eis aber jetzt nachdem ich mir das alles nochmal angeschaut und durch den Kopf hab gehen lassen reizt es mich auch und ich will aufjedenfall auch mit.
    Nun findet man im Internet doch sehr viele und gute Infos, teilweise recht widersprüchlich, aber insgesamt ziemlich gut.


    Gehen werden wir vermutlich von Zermatt aus über die Hörnlihütte und dann den Hörnligrat nach oben und wieder zurück. Was mich stört ist, dass die Hörnlihütte um 5 aufmacht und dann alle rausstürmen, wobei die gebuchten Truppen vorrang haben. Um dieser Hektik zu entgehen dachten wir in der Nähe der Hörnlihütte zu zelten und dann früher aufzubrechen, aber darf man das überhaupt?


    War schon mal wer von euch oben und hat sonst noch irgendwelche guten Tipps?

  • Auf dem Matterhornnoch nicht aber auf ander Bergen (Zugspize, Kawendel, Arber, Eggishorn). Man sollte blos einige Sachen beachten wenn man im Gebirge unterwegs ist.


    Wetter:
    Dass Wetter kann im Gebirge ziemlich schnell umschwenken und wirkt anders auf den Körper. Soll heisen: Bei Sonnenschein stehts die Sonnencrem bereit halten oder wenn man sieht dass Regenwolken auf einem zukommen schnellst möglich darauf vorbereiten.


    Wege:
    Bleibe stehts auf den Wegen (man tut sich selbst und der Natur einen großen gefallen). Aufpassen bei Wegen die über Felsen führen und mitlerweile schon fast wie poliert wirken. Diese Wege werden richtig glatt wenn ein bissel Wasser drauf kommt.


    Verplegung:
    Pack reichlich was zu trinken ein. Traubenzucker ist nach meiner Erfahrung immer gut und was dass Essen angeht muss man für sich selbst abschätzen wie viel man braucht (wenn man was brauch ^^ )


    Kleidung:
    Wechselkleidung ist eigenlich immer sinnvoll wenn man nicht nur mal so für ein par Stunden auf den Berg geht. Lieber mal ein oder zwei warme Klamotten mehr eingepack den wenns im Tal 25°C hat kanns oben bloss 5°C haben.


    Wegen deiner Frage ob man Zelten darf ist meine Erfahrung bis jetzt immer die: Wer seinen Lagerplatz ordlich verlässt und (wenn möglich) dass mit den Ortsansessigen klärt ob und wo, hat eigenlich nie Probleme.


    Viel Spaß in den Bergen
    Gruß Rayen

  • Falls nicht nur Du, sondern auch Dein Vater und Dein Bruder nicht die großen Bergsteiger sein sollten, würde ich mir die Sache mit dem Matterhorn noch mal ordentlich durch den Kopf gehen lassen. So wie ich Dich verstehe wollt Ihr die Sache ohne Führer machen...


    Gerade diesen Berg im Alleingang als Einsteiger zu machen halte ich für extrem fahrlässig.
    Haben die beiden jedoch viel Erfahrung mit der Bergsteigerei, ist es trotzdem gefährlich, dazu sollte man sich im Vorfeld mal den Bergsteigerfriedhof in Zermatt ansehen!


    Es geht aus Deinem Post leider nicht hervor, wieviele Erfahrungen Ihr als Seilschaft habt.


    Nimm den Berg nicht auf die leichte Schulter!

  • Hohe Berge mit Schnee und Eis üben eine besondere Faszination aus, auch wenn dort eine üppige Vegetation oder artenreiche Fauna fehlt. War noch nie am Matterhorn, dies mal vorausgesetzt. Einiges, was mir spontan einfällt ist oberhalb teilweise schon angeführt worden. Hier noch einige Punkte zur Ergänzung für eine Hochgebirgstour:


    - Klettererfahrung im Hochgebirge? Eine Tour auf dem Matterhorn hat andere Ansprüche, als z.B. eine Kletterübung in einer Halle oder in einer gut mittels Bohrhaken abgesicherten Route in einem Outdoor-Klettergarten. Ein Bekannter hatte im Klettergarten locker Routen im 6ten Schwierigkeitsgrad als Vorsteiger bewältigt. In einer unschwierigen alpinen Route bekam er nach der 1ten Seillänge die 'Fussmaschine' (Knieschlottern) und musste abseilen, da er echte Probleme mit der für ihn ungewohnten Höhe und Ausgesetztheit hatte. Ein Grat ist zudem mehr oder weniger immer ausgesetzt, da es sozusagen gleich auf 2 Seiten 'runter' geht.


    - Schwierigkeitsgrat lt. Beschreibung - tatsächliche Verhältnisse? Normalrouten haben auch auf hohe Berge meist Schwierigkeitsgrade von II-IV nach UIAA. Gehe davon aus, dass der Hörnligrat auch in diesem Bereich liegt. Schlechtes Wetter (Schneefall, Regen, stürmischer Wind, ...) kann die Bewältigung einer Route aber wesentlich erschweren, event. muss man sogar auf eine Besteigung verzichten. Die Schwierigkeitseinstufung wie man sie in den Kletterführern findet, bleibt aber von etwaigen widrigen Wetterverhältnissen unberührt - eine IIIer Route bleibt eben eine IIIer Route auf dem Papier. In dieser Höhenlage hat man es bei einem Schlechtwettereinbruch oft recht schnell mit kombinierter Fels- und Eiskletterei zu tun, was nicht nur eine entsprechende Anpassung der Ausrüstung erfordert.


    - Umgang mit Sicherungsmitteln - Sicherheit? Auch wenn man erfahrene Kletterpartner mit auf Tour hat, sind einige Grundkenntnisse in alpiner Sicherungstechnik unerlässlich wie z.B. Handhabung von Klettergurten, Knoten, Seiltechnik (Selbst- und Partnersicherung), Setzen von Sicherungspunkten, Abseilen, ... Mein Cousin kam vor Jahren mal und wollte sich die Ausrüstung für eine leichte Gletschertour leihen. Ich hab ihm einiges mitgegeben, allerdings unter der Voraussetzung dass er auch eine kurze Einweisung für das Equipment akzeptiert. Er erachtete das vorerst für unnötig da die Tour mit 8 Mann geplant war. Nach der Tour hat er mir gestanden, dass er der einzige war der selbständig einen Klettergurt anlegen konnte und wesentliche Seilknoten beherrschte. Er musste alle seine Kameraden anseilen, weil diese keine Ahnung hatten! Bei der vorangegangenen Tourenplanung am Wirtshaustisch verfügte der ganze Haufen noch über unendlich viel Bergerfahrung.


    - Frühzeitiger Aufbruch? Dass z.B. ein Wirt auf einer hochalpinen Hütte seine Gäste zu frühem Aufbruch besteht, hängt event. mit einigen Sicherheitsaspekten zusammen. Bei einem unvorhergesehenen Ereignis verbleibt mehr Zeit bis die nächste Nacht hereinbricht. Nicht nur für Rettungsaktionen, man kann sich nicht nur im Wald sondern selbstverständlich auch am Berg 'verlaufen'. Hohe und mächtige Berge werden nicht selten durch Eis und Frost zusammengehalten. Bei steigender Temperatur mit fortschreitender Tageslänge erhöht sich die Steinschlaggefahr, da Eis event. schmilzt und Felsen, Geröll etc. frei gibt. Dies kann lebensgefährlich sein kann, wenn man sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhält ...


    - Zelten im Hochgebirge? Eine geeignete 'ebene' Stelle zu finden welche weder Stein-, Eisschlag oder lawinengefährdet etc. ist, kann im Hochgebirge entlang einer vielbegangenen Kletterroute eine echte Herausforderung darstellen - zudem sollte man das Zelt selbst noch windsicher verankern können. Ein paar schwere Steine an den Abspannleinen erledigen diesen Job oft besser als Heringe, die man vielerorts kaum in den steinigen Boden bekommt. Ob man nun ein Zelt neben der Kletterausrüstung und all dem sonstigen Kram auf einen hohen Berg bis zum 'Basecamp' mitschleppt, sollte jeder für sich entscheiden.


    Aus dem Eröffnungsthread geht leider nicht hervor über welche Hochgebirgserfahrung Eure Seilschaft verfügt. Falls vorhanden, sind die Umstände ja bekannt und bedürfen keiner weiteren Erklärung. Falls nicht würde ich damit beginnen, gemeinsam mit meinen Seilpartnern etwas alpine Klettererfahrung z.B. in Klettergärten, auf kürzeren Touren, ... zu sammeln - zum Austesten sozusagen, bevor es an eine größere Unternehmung geht. Wünsche Euch noch ein gutes Gelingen für diese Tour und kommt bitte alle wieder heil herunter!

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    Tu eh nur so als würd ich mich auskennen, damit ich auch mitreden kann.
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  • Ja ne wir sind schon ein eingespieltes Team, sind zusammen überall in den Karpaten rumgekraxelt, schwere Abschnitte hoch. Und nur weil ich sage dass ich nicht gerne bergsteige, heißt nicht dass ich es nicht kann. Muss mir noch mal paar Sachen mit Seil und diverse Knoten etc. zeigen lassen.


    Was ich nicht kenne sind solche Höhen jenseit der 3000 ist noch keiner von uns gewesen.