Stuhlgang

  • Ich wollte nun auch mal Betrachtungen zu einem eigenen Thema darlegen, und heute hab ich beim Outdoor-Ausrüster ein Buch gesehen, welches ihr vielleicht schon kennt. Es beschäftigt sich mit dem Thema : Wie man richtig in den Wald scheißt. Völlig unnütz, ist ja klar, denn das Abführen bedarf doch eigentlich keiner Erklärung. Als ich weiter nachdachte, vielen mir immer mehr Dinge ein, die ich bisher so aufgeschnappt habe, und da diese Aspekte euch vielleicht eigene Denkanstöße geben, werde ich nun möglichst kurz das Thema abhandeln; so braucht sich dann auch niemand dieses unnötige Buch kaufen. Ich beschreibe hier eigene, aber auch angelesene Techniken (zb Latrine).


    Grundsätzlich wird Kot in der "echten" natürlichen Wildnis recht geschwind durch verschiedene Einflüsse beseitigt, und ist Teil des ganzen Lebenskreislaufs. Bakterien, Insekten, Pilze und die Witterung lassen unsere Hinterlassenschaften schnell vergehen. So gesehen kann man sich ohne Skrupel einfach da erleichtern, wo es einem gerade einfällt. In Zivilisationsnähe, wo andere Menschen auf unsere Tretminen stoßen könnten, wird man sich wenigstens etwas abseits der Wege in Büschen erleichtern, schlicht aus Rücksichtnahme und damit schlechte Gerüche nicht den Wanderer stören oder gar ins Lager wehen. Wichtig ist auch, nicht nahe an Wasserstellen zu koten/urinieren, um das Wasser nicht zu kontaminieren.


    Aus taktischen Gründen (die man vielleicht schneller beachten muss, als man gedacht hätte), wenn die eigene Anwesenheit verborgen bleiben soll, müssen Fäkalien natürlich versteckt, also vergraben werden. Während des Marsches ist es hierzu ausreichend, für jeden Stuhlgang einfach eine kleine Mulde zu scharren, welche nachher wieder zugeschüttet und mit Laub.... getarnt wird. Gegen Spürhunde nutzt dies aber nicht, sie finden euch auch ohne auf Kot angewiesen zu sein.


    In länger genutzten Lagern (hierzu können vielleicht die Pfadfinder noch Anregungen geben???) sind Latrinen das Mittel der Wahl. Die Latrine liegt weit genug vom Lager entfernt (Hauptwindrichtung), und auch entfernt von Wasserstellen. Eine den Anforderungen gerecht werdende Grube wird ausgehoben, und der Erdaushub wird daneben aufgehäuft. Über der Grube wird ein einfaches Balkengerüst errichtet. Ein Querbalken, dessen Oberfläche von Rinde und spitzen und störenden Spänen befreit wurde, dient als Sitzfläche. Die Konstruktion muss natürlich stabil sein, es genügen aber für Durchschnittsmenschen zwei starke Astgabeln mit darauf ruhendem Sitzbalken. Zart besaitete Naturen können noch einen Sichtschutz errichten und auf dem Weg zur Latrine Zeichen für "frei" und "besetzt" installieren, zb Astgabel liegt zur Latrine = Besetzt, andersherum = Frei. In der benutzten Grube werden sich bald Insekten und Würmer einfinden, die wir noch zusätzlich füttern, indem wir unsere kompostierbaren Abfälle in die Latrine werfen (NICHT in Bärengebieten! Überhaupt kann mal jemand schreiben, was bei Bärennähe für ein Scheiß-Modus angebracht wäre).Erst dann, wenn die Grube ordentlich mit Fäkalien gefüllt ist, wird sie mit dem Erdaushub wieder verschlossen. Nach jedem einzelnen Latrinengang etwas Erde oder gar Kalk auf die Hinterlassenschaft zu geben, ist Verschwendung und füllt die Latrine unnötig schnell.


    Muss im besonderen Maße auf Sauberkeit geachtet werden, also in Notfalllagen und besonders bei ansteckenden Erkrankungen, sollte jedoch jede einzelne Hinterlassenschaft sofort mit Erde oder Kalk gut abgedeckt werden. Auch auf den "Donnerbalken" sollte dann verzichtet werden, man hockt sich dann einfach über die Latrine.


    Kann ein Unterschlupf, ein Versteck, wegen Kälte oder "Feindaufkommen" nicht verlassen werden, erleichtert man sich in Gefäße, die man gleich/später entsorgt/säubert. Kot kann auch auf Rindenplatten oder nicht mehr benötigten Textilien abgegeben werden. Notgedrungen kann man auch im Versteck in eine Grube machen, die man dann sofort wieder verschließt. Im Iglu wird geraten, auf Eisplatten oder Schneeblöcke zu koten, welche man sogleich nach draußen befördert.


    Toilettenpapier:
    Jeder weiß, dass man sich den Allerwertesten mit Laub, Grasbüscheln usw. abwischen kann. Dies ist nicht so sauber wie WC-Papier, aber eine Möglichkeit. Entweder nimmt man ein stabiles und großes Blatt (oder 2, 3 übereinader), oder man greift eine handvoll Blätter und nutzt sie wie einen Wattebausch. Notfalls wischt man sich den A.. auch einfach mit einem Ast ab. Wer ausreichend Brauchwasser zur Verfügung hat, der wäscht sich einfach; hierzu kann er die bloße Hand verwenden (deshalb wird auch in manchen Erdteilen nur mit der Rechten gegessen, denn mit Links wischen sich die Leute da den Hintern sauber [oder war es andersherum???]) Die Pflanze Pestwurz (Rote , auch Gemeine Pestwurz, Petasites hybridus) wird in Bayern auch "Oasch-Wurzn" (Schreibweise ist mir unklar) genannt, da sie sich zum Reinigen des Gesäßes gut eignet. Wer nun googeln will wird vielleicht Hinweise auf die Verwendung in der Küche finden: heute wird hiervon abgeraten, da die Pflanze leberschädigende Stoffe enthält und als krebserregend gilt.
    Im Pfadfinder-Büchlein fand sich folgender Hinweis: Neben der Latrine wird eine Astgabel in den Boden gesteckt, Gabelung nach oben. Die Toilettenpapier-Rolle kann nun auf einen der Gabelungs-Äste aufgesteckt werden. Um sie vor Regen zu schützen, stülpt man eine leere und saubere Konservendose darüber.


    Mangelnde Hygiene am Darmausgang ist nicht grundsätzlich problematisch. Rückstände und Anhaftungen trocknen und fallen ab; wird engere Kleidung getragen kann es auch zu Bildung der bekannte (und nicht essbaren!) Klabuster-Beeren kommen. Während des Marsches kann jedoch ein Wundsein entstehen, man kann sich "einen Wolf laufen". Dies ist zwar auch nicht wirklich bedenklich, sollte aber in Notsituationen vermieden werden.


    Abschließend noch ein Hinweis:
    Kot enthält mitunter noch Nährstoffe, weshalb er für manche Tiere noch als Nahrung taugt, auch Raubtiere interessieren sich für Kot und untersuchen ihn (denkt nur an Hunde!); Kot kann also (wenn nicht besseres zur Hand ist) in Fallen als Köder verwendet und (angeblich) sogar als Angelköder dienen.


    Bin gespannt, was euch noch dazu einfällt...

  • Ich hab noch was wichtiges: Hände waschen!!!


    Sollte ja eigentlich selbstverständlich sein, aber grad in der Pampa gehts doch hin und wieder mal unter :unschuld
    Aber grade dort und gerade in Notsituationen sollte man eigentlich besonders drauf achten.


    Von Abort geschwind zurück zum Lagerfeuer und schnell ein paar Chapatis geknetet - mhm :kotz


    VG MadFly :)

  • Tja, was oben rein geht kommt irgendwann unten wieder raus, was soll man machen. Von einer Art Umweltverschmutzung kann da ja keine Rede sein wenn man in den Wald kackt. Oder? Ist doch alles Biomasse. :D


    Mich wundert es nur das es darüber ein Buch gibt wie man am besten in en Wald bruntzt. Mal abgesehen das es sehr Wichtig ist die eigene Hygiene nach dem Geschäft nicht zu vernachlässigen!

  • Guter Hinweis, MadFly! Wenns ums Eingemachte geht, dann alle Risiken gering halten. Im Alltag hingegen kann ein wenig Schmutz, und so eklig es klingt auch der Eigene, dich "abhärten". Des wilden Mannes Immunabwehr und Darmflora kommt mit krankmachenden Einflüssen besser zurecht, als die des stubenhockenden Reinlichkeitsfanatikers. Die "Urwaldtheorie" besagt sogar, dass all zu sauberes Leben das Immunsysthem unterfordert; die körpereigenen Abwehrsysteme stürzt sich dann aus lauter Langeweile auf eigentlich harmlose Dinge, zb Plütenpollen, das Ergebnis ist die Pollenalergie. Viele von euch Saumägen kennen das vielleicht: Z. B. nach einem Weihnachtsessen klagt die ganze Familie über Darmprobleme, ihr aber nicht! Blödes Beispiel, ich weiß.

  • Aushubtiefe max. 25 cm, da sonst keine schnelle Zersetzung stattfindet. Optimaler 10 cm tiefe (ca. eine Hand breit).


    Kleine Anekdote: Irgendwer ist mal auf die glorreiche Idee gekommen das Bannerloch mit dem Schweineeimer voll zu füllen. Wenn das die Lagerleitung mitbekommen hätte... Naja, 2 Jahre später sollte der Banner an der selben Stelle gesetzt werden. Nichts ahnend und nach etwas graben die stinkende Überraschung. Zum Glück musste ich das nicht ausbuddeln und beseitigen. Es war alles noch zu erkennen.

  • Benbushcraft: Nach 2 Jahren? Hätte ich nicht gedacht. war das inmitten der Natur oder auf "sterilem" Grund ohne Insekten usw?
    Und beschreib doch mal, was ein Schweineeimer ist, und wie ihr das so handhabt (es sei denn es ist ein einfacher Nachttopf).

  • Grundsätzlich wird Kot in der "echten" natürlichen Wildnis recht geschwind durch verschiedene Einflüsse beseitigt, und ist Teil des ganzen Lebenskreislaufs. Bakterien, Insekten, Pilze und die Witterung lassen unsere Hinterlassenschaften schnell vergehen. So gesehen kann man sich ohne Skrupel einfach da erleichtern, wo es einem gerade einfällt. In Zivilisationsnähe, wo andere Menschen auf unsere Tretminen stoßen könnten, wird man sich wenigstens etwas abseits der Wege in Büschen erleichtern, schlicht aus Rücksichtnahme und damit schlechte Gerüche nicht den Wanderer stören oder gar ins Lager wehen. Wichtig ist auch, nicht nahe an Wasserstellen zu koten/urinieren, um das Wasser nicht zu kontaminieren.

    Hochgebirge, Kälte und Hitzewüsten sind auch echte Wildniss. Dort ist das mit dem schnee zersetzen wieder ne andere Sache.

  • Eine Wiese von einem Bauern mit Wald drumherum. Im Schweineeimer ist was halt so in der Küche an Resten anfällt (Essensreste, Karoffelschalen, Paprikakerne, Salatstrunk, Karottenschalen, etc.)


    Nachtrag: So ein Bannerloch ist gern mal 1,5 m tief.

  • Aus taktischen Gründen (die man vielleicht schneller beachten muss, als man gedacht hätte), wenn die eigene Anwesenheit verborgen bleiben soll, müssen Fäkalien natürlich versteckt, also vergraben werden. Während des Marsches ist es hierzu ausreichend, für jeden Stuhlgang einfach eine kleine Mulde zu scharren, welche nachher wieder zugeschüttet und mit Laub.... getarnt wird. Gegen Spürhunde nutzt dies aber nicht, sie finden euch auch ohne auf Kot angewiesen zu sein.


    Auch das vergraben hilft nicht grossartig, weder gegen Tiere noch Menschen. Hat seinen Grund, dass das Regiment lernt, in Tüten zu fäkalieren...

  • Auch das vergraben hilft nicht grossartig, weder gegen Tiere noch Menschen. Hat seinen Grund, dass das Regiment lernt, in Tüten zu fäkalieren...


    Hast recht, alter Haudegen! Wollte in diesem zivilen Portal nicht zuuuu taktisch werden. Mein Hinweis war eher für Zivilisten gedacht, die sich vor nicht regulären Truppen, Milizen, Banden usw verbergen müssen. Beispiele gäbe es da viele. Ob man da Plastiktüten hat, ist fraglich. Wenn du Späher am Hintern hast, ist vergraben nicht gut. Einfache Schurken, Verbrecher und Wald- und Wiesensoldaten kann man aber wahrscheinlich schon überlisten. Finde, ist strategisches Geplänkel. Hier nutzlose Fallkonstruktion. Aber Danke für Einbringung!

  • Nun schreibt man also schon Buecher und diskutiert hier ueber etwas das Menschen fuer Tausede von Jahren als ein ganz Natuerlicher Vorgang gemacht haben ohne sich je darueber Gedanken zu machen. Nun muesste eigentlich der Gleichberechtigung wegen doch auch ein Burch ueber das Pissen zu finden sein dann kann man auch darueber Diskutieren. :lol Boy oh boy, what's next. :lol

    Wenn Du nicht für Deine Freiheit kämpfen willst, hast Du auch keine verdient.
    Folge nicht den Spuren Anderer, gehe Deinen eigenen Weg und hinterlasse Deine Spuren.

  • Um mal wieder zum Thema zu kommen:


    Etwas wichtiges fehlt - die richtige Distanz zum Wasser. Immer mindestens 100m Abstand zu Bächen/Flüssen/Seen/Quellen halten, denn problematische Bakterien können sich durchaus größere Distanzen durch den Boden bewegen. 100m mag zwar overkill sein, aber es ist in der Literatur der Standardwert und damit ist man auf der sicheren Seite... Und nochwas: das imho beste Klopapier ist Torfmoos. Es hat schon fast bessere "Reinigungseigenschaften" als normales Klopapier und ist nebenbei auch noch leicht antiseptisch. Besser geht es eigentlich garnicht - besonders wenn es noch taufrisch ist. :D


    Hier noch ein kleines Textchen über die spirituellen und praktischen Seiten des in den Wald scheißens: Klick .


    Das Lernen einzelner, isolierter Bushcraftskills ist ähnlich wie das Anhäufen von unbenutzter Ausrüstung:
    ein recht kümmerlicher Ersatz für große Abenteuer...

  • Danke für eure humoristischen Mitteilungen; das Thema ist hierfür gut geeignet. Ravenhearts Hinweis mit den 100 m werde ich in Zufunft beherzigen, bisher war mein "Sicherheitsabstand" glaube ich nicht immer so groß und wurde nach Bauchgefühl bestimmt. Auch die perfekten Torfmoos-Eigenschaften waren mir nicht bekannt.
    Ist hier ein Bayer, der etwas zur "Oaschwurzn" sagen kann? Oder ist das schon vergessenes Wissen?