Gapahuk - eine weitere lean-to Variante

  • Ich sollte mal wieder was Schlaues schreiben, daher will ich euch mal eine meiner gängigen Notunterkünfte vorstellen. Sie wurde mir von einem norwegischen Jagdguide beigebracht: eine Variation des lean-to shelters, welches ja eine der klassischen Notunterkünfte ist, ist die norwegische Gapahuk. Dabei handelt es sich schlicht und ergreifend um eine mit Nadelzweigen gedeckte Winterversion des Lean-tos. In Kombination mit einem Feuer kann man darin ohne weiteres kalte Nächte drin überstehen.


    Die klassischen Maße: zwei Seitenpfosten ca. 1,5m (etwa Brusthöhe), eine Firststange ca. das doppelte, also 3m, ca. 10-12 3m lange Stangen für die Dachschräge. Die Stangen sollten ordentlich stark sein, denn die Konstruktion muss ordentlich Gewicht aushalten. Die Schneelast kann sehr hoch sein, 40cm Neuschnee pro Nacht können im Norden sehr schnell zusammenkommen! Bei meinem ersten Versuch ist der First gebrochen... Dazu kommt noch eine große Menge frischer Fichtenzweige (Gemeine Fichte aka Picea abies aka Norway Spruce aka Gran) zum decken des Daches und zum Schutz vor Bodenkälte. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder man nimmt komplette frische Bäume und verwertet sie komplett oder man verwendet nur die unteren Äste (=Schattenzweige), der Schaden für die Bäume hält sich dann in Grenzen und auch der Waldbesitzer will einen nicht sofort lynchen. :D
    Ob der Aufwand gerechtfertigt ist muss man von der Situation abhängig machen. Allgemein denke ich aber, dass Bäume fällen kaum so schädlich ist wie die Herstellung eines Zeltes incl. aller Ressourcen, Transporte, und co. Aber das ist ein anderes Thema!


    Die Bauzeit beträgt mit etwas Übung und zu zweit ca. eine Stunde. Wie das Ding grob zusammengebaut wird ist hoffentlich jedem klar.
    Nur zur Dicke der Astschicht und zu den Verbindungen will ich noch ein paar Worte loswerden: Die Deckschicht wird von unten nach oben wie bei Dachschindeln aufgelegt, sie muss so dicht sein, dass keine Sonne durchscheint - 30cm sind kommen da locker zusammen! Die Matratze sollte etwa kniehoch sein und muss spätestens alle zwei Tage erneuert werden, falls man länger da ist! Das mag zwar übertrieben klingen, muss aber sein, denn im Schlaf kommt der (Kälte-)Tod von unten!
    Nun zu den Verbindungen: die im Sommer beliebten Fichtenwurzeln fallen im Winter zum Zusammenbinden der Stämme aus. Alternativ kann man bei kompletten Bäumen eine ausreichende Stabilität erreicht werden, wenn man sie partiell nicht entastet und einfach ineinander verhakt. Man kann im Winter auch frische dünne oder gespaltene Fichtenzweige zum binden benutzen. Dazu muss man sie am Feuer leicht erhitzen und dann zwirbeln. Das Resultat ist nicht besonders effektiv, aber es bricht nicht mehr und bietet ausreichende Stabilität zum Zusammenbinden der einzelnen Elemente.


    Die Gapahuk sorgt zwar dafür, dass es darunter nicht so kalt ist wie draußen, aber es ist keine besonders warme Unterkunft: Ein Feuer oder warme Kleidung bzw. ein Schlafsack ist zwingend notwendig! In meinen Augen ist ein ordentliches Feuer ein zentrales Element dieser Behausung. Das Angemessenste Feuer wäre in meinen Augen ein Log-fire mit reflektor. In der von mir beschriebenen Version finden zwei Personen mit Gepäck und einem Mittelgroßen Hund gut Platz. Ist man alleine kann man sich parallel zur Öffnung und damit zum Feuer legen und das evtl. vorhandene Gepäck hinter sich legen.


    Wie gesagt, es ist eine Unterkunft um im Winter und mit Feuer die langen und kalten Nächte zu überstehen und keine effektive Sommerunterkunft. Will man eine wasserdichte Sommerversion bauen, so muss man das Dach schräger machen (ca. 45°) und anderes Material wie z.B. sehr viel Moos oder herabgefallene Blätter benutzen (allerdings sind die im borealen Wald kaum vorhanden).


    Viel Spaß beim Ausprobieren und denkt bitte immer an eine Wärme-backup beim Ausprobieren, nicht dass hier jemand beim Spielen hops geht!!!


    Achso, Bilder:



    Das Lernen einzelner, isolierter Bushcraftskills ist ähnlich wie das Anhäufen von unbenutzter Ausrüstung:
    ein recht kümmerlicher Ersatz für große Abenteuer...

  • Das Ding stand im nordöstlichen Hedmark/Norwegen und war mein Basislager als ich in der Ecke gelebt habe. Gehalten hat es ohne größere Arbeiten (irgendwann musste die Firststange gestützt werden, siehe 2. Bild) etwa zweieinhalb Winter (die dauern da 6 Monate, gehen bis -35 und es liegen locker 1,5m Schnee), schneedicht war es bis zum Schluß, aber irgendwann hat die Schneelast einige Stangen gekillt - hätte man aber mit verhältnismäßig wenig Aufwand wieder aufbauen können. Das nächste Mal nehm ich in solchen Regionen ausschließlich unterarmdicke Stangen, dann steht das Ding für immer. :D


    Das Lernen einzelner, isolierter Bushcraftskills ist ähnlich wie das Anhäufen von unbenutzter Ausrüstung:
    ein recht kümmerlicher Ersatz für große Abenteuer...