Wie pflegt man ein Rentierfell oder vergleichbares

  • Hallo,
    ich habe ein kleines Problem.
    Ich habe in den letzten 18 Jahren ein paar Dutzend Rentierfelle nach D gebracht und die Verwandtschaft etc. damit versorgt.
    Nun kam die erste Frage nach der Pflege.
    Wie pflegt man Rentierfelle/Hirschdecken (hoffe das ist korrekt ausgedrückt) etc. ?
    Die Hirschartigen haben ja alle röhrenartige Haare die relativ leicht brechen.
    Im Netz habe ich natürlich etwas gesucht, aber ....
    Mit einem Kamm "Nivea"-Creme in das Fell einarbeiten... :eek
    Das kann es doch wohl nicht sein, oder etwa doch?!?
    Und wie pflegt man das Leder auf der Rückseite? Anscheinend verliert eins der ältesten Felle ganze Büschel (habe es nicht selbst gesehen...).


    Ich hoffe ihr könnt mir da etwas weiterhelfen.


    Gruss supi

  • Moin Supi,


    ich glaube gegen den Haarausfall kann man nicht viel tun außer "in Ruhe lassen". Was jedenfalls nicht schadet: Die Fleischseite mit Lederfett einzuschmieren. Geht auch Nivea ;) Die Schafsfelle für unsere Kleine haben wir auch schon im Schonwaschgang mit etwas Shampoo in die Waschmaschine getan, anschließend das Fell wieder glattbürsten. Ich denke bei einem Reh/Hirschfell hast Du dann jedoch kreisrunden Haarausfall :confused Mehr wie hin und wieder abbürsten würde ich es wohl nicht.


    Vielleicht kann ja einer der Jäger hier was dazu sagen :)

  • Also ich bringe meine Felle alle in die Reinigung, wie die das Reinigen weiss ich nicht aber es ist immer gut und sauber, ohne Harausfall. Jedoch muss ich dazu sagen das ein Fell mit dem Alter Haare verliert egal was du machst. Der Gerbeprozess hat einen gewissen Einfluss wie lange die Haare behaften bleiben soll aber in jeden Fall mindestens 15 bis 20 Jahre herhalten. Dabei spielt es natuerlich eine grosse Rolle wie das Fell benutzt wirt, z.B. ist ein Bodenbelag, Bettueberwurf, haengt als decoration an der Wand oder als Sofa Belag.


    Hoffe das hilft.

    Wenn Du nicht für Deine Freiheit kämpfen willst, hast Du auch keine verdient.
    Folge nicht den Spuren Anderer, gehe Deinen eigenen Weg und hinterlasse Deine Spuren.

  • Danke für die Antworten...
    Ich fasse zusammen:
    - Lederfett
    - Reinigung (da bin ich auf die Gesichter in der Reinigung gespannt)
    - Lederspray


    So wie ich es verstanden habe sind auf dem Fell jahrelang die Baby´s herumgekrabbelt mit allem was dazu gehört ;)
    Naja, da scheint man wohl nichts gegen die brüchigen Haare machen zu können.


    Wenn sonst noch jemand irgend welche Ideen/Erfahrungen hat wäre es interessant auch diese zu hören.


    Gruss und Dank
    supi :squirrel

  • Vorweg möchte ich sagen das ich nicht wirklich die Ahnung von Fellpflege habe.


    Aber ich will mir auch mal irgendwann 1-2 Rentierfelle anschaffen zu dekozwecken. bei einem Händler im Netz werden diese Felle angeboten und im Angebot steht:


    "Rentierfell gegerbt nur für Dekorationszwecke


    Rentierfell Ideal für Ihre Kota, Sauna, oder zur Wohnraumdekoration. Wir beziehen unsere Rentierfelle aus einer ISO Zertifizierten Gerberei in Norwegen. Durch neuste Produktionsabläufe bei der Gerbung erhält man qualitativ absolut Hochwerte Rentierfelle.Jedes Rentierfell wird von uns vor dem Versand begutachtet und mit einer Serien Nummer versehen. Nur Rentierfelle die unsere Qualitätsansprüche erfüllen dürfen unser Lager verlassen.
    Hinweis zum Rentierfell


    Das Rentierfell ist aufgrund seiner Haarstruktur (ein Röhrenhaar) ein Reihens Dekorationsfell. "


    http://www.nadeco.de/felle---k…tierfelle/rentierfell.php


    Also scheint Rentierfell reine Deko zu sein und kein "Gebrauchsfell" ich nehme mal an das die das nicht nur aus spass als reines Dekofell verkaufen.
    Ich weiß das ist nun kein Pflegehinweis, aber ich denke es hilft zu wissen als was diese Felle eigentlich genutzt werden sollten.


    :manni

  • manni : So,so, ein reines Deko-Fell.... das hat man den Sami in Finnland, Schweden und Norwegen aber nicht gesagt. ;)
    Natürlich sind Felle ohne "Röhrenhaar" besser als Bettvorleger etc. geeignet, aber wie gesagt, alle Rentierhirten benutzen Rentierfelle für alles mögliche, das geht bei der Kleidung los und hört bei traditionellen Kotas auf.
    Ich denke bei dieser Aussage des Verkäufers bezieht sich ehr auf die Gewährleistungspflicht.


    Womit mir zu Irings Frage kommen...
    Klar, iergendwann wird alles alt und beginnt zu zerfallen. Das älteste Schaffell das ich habe ist etwa 36Jahre alt, auf dem waren ich, meine Schwester und ein grossteil meiner Cousins gelegen. Heute geht es natürlich in Fetzen (habe es noch auf dem Sitz vom Rasenmähertraktor liegen).


    Rentierfelle sind ganz ok als Unterlage/Isomattenersatz (wenn auch etwas schwerer). Sie isolieren sehr gut und sind nicht ganz so weich und flauschig wie Schaffelle (es ist ein recht festes Fell). Durch Kämmen kann man sie auch relativ einfach säubern wenn sie mal im Dreck gelandet sind. Das das aufgrund der Röhrenhaare nicht unbedingt förderlich für die Lebensdauer ist versteht sich. Ich mag sie eigentlich recht gern, aber das ist Geschmackssache.
    Mannis link ist vom Preis her nicht schlecht, billiger bekommt man sie hier in den Turistenläden auch nicht. Billiger... naja, da muss man schon nach Lappland oder die entsprechenden Leute kennen. Wenn ich dich richtig verstanden habe hast du aber eine örtliche Bezugsquelle.


    Gruss

  • Da hier die Sami und der Outdoor-Gebrauch als Isomatte angesprochen wurde: Dafür verwendet man ausschließlich ungegerbte Felle. Ich kenne einige Norweger die bei Wintertouren lieber Rentierfelle als normale Isomatten verwenden und hab mal probeweise selbst drauf gepennt. Ich hab keinen R-Wert zur Hand, aber selbst bei arger Kälte war das ziemlich muckelig! Pflege bei den Dingern: Auslüften, Ausklopfen - fertig. Das trifft allerdings nicht auf die Gegerbten zu, vielleicht kommt man da mit Pflegeprodukten für Nubuk & Rauleder weiter...


    Die ungegerbten bekommt man vor Ort von den Sami für um die 30/40€, allerdings muss man meist danach fragen, weil die Touris immer die nicht stinkenden Dekodinger haben wollen. Alternativ bekommt man die gut auf den Sami-Märkten wie z.B. dem Røros Vintermarknad.


    Das Lernen einzelner, isolierter Bushcraftskills ist ähnlich wie das Anhäufen von unbenutzter Ausrüstung:
    ein recht kümmerlicher Ersatz für große Abenteuer...

    Edited once, last by Ravenheart ().

  • Hej Supi,


    ich habe selbst seit einigen Jahren ein herrlich weißes Ren-Fell, das kräftig haart, wenn man es ausklopft, das ist normal. Bei Ren macht es Sinn zwischen Sommer- und Winterfell zu unterscheiden, da die Tiere zumindest einen partiellen Haarwechsel aufweisen. Das weiße Winterfell ist natürlich optisch ansprechender (daher häufig als Dekofell verkauft), jedoch sind die hohlen Haare, die aufgrund der Luft in der Röhrenstruktur für das Ren temperaturisolierende Wirkung haben, sehr brüchig. Diese Struktur ist, soweit ich informiert bin, beim bräunlich-grauen Sommerfell viel geringer ausgeprägt, die Haare dementsprechend beständiger. Falls du also das Fell zu Kleidungszwecken verarbeiten möchtest, solltest du bei einem eventuellen Kauf explizit nachfragen, ob es sich um ein Sommerfell handelt. Weiterhin gibt es bei Rangifer tarandus, wie Carl von Linné dieses herrliche Tier einst bezeichnete, verschiedene Unterarten (z.B. Waldren, Tundraren, Karibu...), die sicher auch noch einmal Unterschiede in der Fellstruktur entsprechend ihrer Lebensweise aufzeigen. Da kann man also eine halbe Wissenschaft draus machen, welches Fell für welche Zwecke am Besten geeignet ist :pille Ich denke, dass Pelzer aus dem skandinavischen Raum dir dort mit Sicherheit weiterhelfen können.

  • Ich hatte mal das große Glück, beim Ausräumen einenr Wohnung ein XXL - Rentierfell zu finden.
    Es fast 190 cm lang und so breit, das man fast zu zweit drauf schlafen konnte. Dieses Fell lag vermutlich über 10 Jahre in der Zentralbeheitzten Wohnung und war so ausgetrocknet das es geknistert hat beim Ausrollen. ich habe es dann mit Lederöl aus dem Reitbedarf wieder geschmeidig gemacht und zuletzt eine dünne Schicht Sno Seal eingearbeitet.


    Das Fell hat mir dann noch weitere 10 Jahre die besten Dienste erwiesen und hat trotz intensiever Nutzung kaum gehaart (und auch nicht gemüffelt). Nachdem es den Weg alles irdischen gegangen war (zu lange zu feucht gelagert :heul ), habe ich natürlich nach Ersatz gesucht und ein leidlich großes gefunden, das zwar gegerbt war aber dennoch einigermaßen seine Haare behielt, während zwei andere, die ich gleichzeitig beim selben Händler gekauft habe, so endlos haaren, daß ich sie noch nicht einmal in meiner Wohnung an die Wand hängen mochte.
    Wahrscheinlich ist daß dann der Unterschied zwischen Sommer - und Winterfell, wobei mein altes Fell fast die selbe "Plüsch" -Höhe hatte wie die Neuen.


    Zum Gebrauch muss ich sagen das Rentierfelle viel schneller ein Wärmegefühl vermitteln als z. B. Schaffelle, die gefühlt erstmal richtig aufgewärmt werden müssen, was beim Ren wahrscheinlich gerade wegen der Rohrstruktur der Haare besser funktioniert.


    Wie dem auch sei, im Winter gibt es für mich nichts besseres als Schlafunterlage wie ein Rentierfell, auch wenn es wegen des "ordentlichen" Packmaßes immer aussen transportiert werden muß. Die seltsamen Blicke der entgegenkommenden Wanderer sind dir gewiss :eek .


    In diesem Sinne,
    haarige Grüße vom Boris

  • Ich kenne mich mit Rentierfellen eigentlich nicht aus, nur ein wenig mit anderen...


    Ich habe ein Wildschweinfell als Vorleger... ewig drüber gelatscht - nie Haare ausgefallen


    Lamm-/Schaffelle, wenn gut gegerbt, musste ich noch nie pflegen. Allerdings haben welche mal so gestunken, dass meine Liebe die Kleinste nicht drauf legen wollte. Dann gab's ein "Fellshampoo" eigens für Handwäsche - klappt super (gibt's zu kaufen, aber würd mich nicht wundern, wenn's einfach nur Kernseife wäre).



    Tip: Man kann auch die Haare einfetten. Das tun die Tiere ja auch automatisch (aber nicht mehr, wenn sie gar nicht mehr im Fell drin stecken ^^ )


    Fett oder Öl einfach auch auf der Haarseite auf die Haut einmassieren