Gefahren im Wald, auf dem Berg und auf Wanderungen

  • Basierend auf einem Erfahrungsaustausch in einem anderen Forum möchte ich hier einen Beitrag erstellen, der auf die möglichen Gefahren beim Marschieren und Campieren in Wald und Flur hinweist. Manchmal können ganz triviale Umstände dazu führen, dass die geplante Tour beendet werden muss, man sein Lager nicht mehr findet oder die Tour mit einem Aufenthalt im Krankenhaus endet. Da sich hier im Forum einige Leute befinden, die schon wirklich eine Menge erlebt haben, hoffe ich auf einen regen Informationsfluss.


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    Ich mache mal den Anfang mit einer eher banalen Erfahrung auf einer mehrtägigen Wanderung an der deutsch-französichen Grenze.


    Nur unweit der deutschen Grenze. Frankreich im Bereich der Maginot-Linie (Bunkeranlagen, die zwischen 1930 und 1940 gebaut wurden). Viele alte Bunkeranlagen sind frei zugänglich – Warnhinweise findet man an manchen dieser Anlagen gar nicht. Zur Abwehr / Blockade von gegnerischer Infanterie wurden u.a. Metallspitzen in den Boden rund um die Bunkeranlagen aufgebaut (damit die gegnerischen Truppen sich dort die Füße durchbohren). Da sich die Natur diesen bedauerlichen Teil der deutsch-französischen Geschichte wieder zurück erobert hat, sind diese Relikte mittlerweile überwuchert. Wenn man Glück hat, wir man durch merkwürdige senkrechte Metallstäbe gewarnt (da hingen früher die Stacheldrahtbarrieren dran). Die spitzen Dinger in der Erde durchstoßen locker jeden noch so stabilen Wanderstiefel!





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    Bei unserer Tour entlang der Maginot-Linie sind wir wirklich nur durch Zufall auf diese ekelhaften Teile aufmerksam geworden.

    "Das Leben leicht tragen und tief genießen ist ja doch die Summe aller Weisheit." Wilhelm Humboldt, 1767-1835

  • Maginot war ich auch schon mehrfach, wirklich schön da und lecker Essen.


    Ich möchte auch mal erzählen, was uns letztes Jahr passiert ist.


    Wir waren in Norwegen bei Lillehammer wandern. Die Tour ging auf 1200 Hm los und sollte zu einem Wrack führen. Die Sicht war sehr schlecht und teilweise weniger 50m. Am Anfang ging es den Wanderweg entlang, der bog aber irgendwann in die falsche Richtung ab und war auf der schlechten OSM Navikarte so nicht verzeichnet. Da es da nur Sträucher und Gras gab, entschied ich mich für quer Feld ein, um den Bach zu finden. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, das wir bald im Sumpf stehen würden. Den Sumpf haben wir von Grashügel zu Grashügel und von Strauchansammlung zu Strauchansammlung gekreuzt und fanden dann auch den Bach. Von da folgten wir dem Bach. Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon 3h unterwegs und ich zweifelte langsam wirklich an meinem Verstand (saudumme Idee das alles). 4h hatte ich für alles geplant.
    Endlich fanden wir eine Hütte und ich wusste es ist nicht mehr weit, ich wusste auch, das ich sie durch ihre Lage am Bach immer wieder finden würde. Dies gab mir erst einmal wieder Aufwind. In der Hütte waren Betten, Felle, Feuerstelle, ... - alles was man zum Übernachten braucht.
    Auf dem Rückweg machten wir hier auch eine große Pause. Der Rückweg ging durch den Sumpf, war er doch der kürzeste Weg. Orientiert habe ich mich hier am Bach und den Höhenlinie, da ich wusste, das der Parkplatz einer der höchsten Punkte war, neben dem Gipfel direkt daneben.
    Da wir nur von 4h ausgegangen waren, hatten wir nur 2 powerbar Riegel mit und eine Flasche Wasser. Die Riegel hat zum größten Teil unser Sohn bekommen und eine kleine Ecke meine Frau. Wie ich von 8h Tour 6h meinen Sohn tragen konnte und meine vorherigen Halsschmerzen nicht mehr merkte, ist mir auch nicht so klar. Adrenalin?


    Meine Frau folgte mir ohne zu meckern blind und hat mir die ganze Zeit vertraut. Das war das, was wir hinterher beide am schönsten fanden, an dieser verrückten Tour. Und unser Kleiner hat ohne zu meckern mitgezogen. Es war Mittsommer, eins wusste ich genau, es wird nicht Nacht. 21 Uhr oder 22 Uhr (edit, 22 oder 23 sagt meine Frau gerade) waren wir zurück am Auto und haben als erstes den Kocher angeworfen.

  • Im alpinen Bereich sind gute Planung und Bauchgefühl zwei Faktoren die Hand in Hand gehen. Gelernt habe ich das so:


    Ich hatte mit meinem Bruder eine Tour, die an und für sich schwer war. Wir hatten keine Karte nur einen Führer der die Tour kurz beschrieben und skizziert hat. Der Aufstieg war sehr schön und verlieft ohne Probleme. Dann beim Abstieg der Hinweis "Nur für Erfahrene" oder so. Kein Problem wir sind schon öfter solche Routen gelaufen - mit Trittsicherheit und Schwindelfreiheit geht das schon.


    Der Einstieg in die Abstiegsroute war ein kleiner steiler Klettersteig durch eine Höhle/Tunnel. Kein Problem, aber unten angekommen eröffnete sich uns der Kar und eine Überraschung, trotz Hochsommer Schnee. Na Klasse, ein Altschneefeld im Schatten des Berges. Das mulmige Gefühl kurzerhand runter geschluckt beschlossen wir, nach einer kurzen Diskussion, hier weiter abzusteigen. Das Schneefeld war schließlich nicht groß. Schnell merkten wir, dass das begehen des Altschnees schwieriger war als gedacht.


    Grade so und unter großem Kraftaufwand haben wir es geschafft, ohne Stöcke hätten wir einen Abflug gemacht, und kamen endlich am Gröll an, der ja leicht zu begehen seine sollte. Überraschung, das Göllfeld war gefroren, lediglich die obersten Steine waren lose. Ein einsinken und abfahren wie im Führer beschrieben war nicht möglich. Zurück nach der Tortur war keine Option, also müssen wir da runter. Es war immer noch sehr Steil und schwieriger zu gehen als im Altschneefeld. Jeder Schritt und jedes setzen des Stocks musste passen. Dann ist es auch schon passiert mein Bruder hat es runter gehauen. Intuitiv hat er richtigerweise die Liegestützposition eingenommen und konnte nach 40-50 Metern zum Stop kommen. Das ist kein Spaß mit anzusehen, wenn der Bruder den Berg abrutscht und dann noch ruhe zu bewahren - puh. Wir haben dann kurz besprochen wie es ihm geht und wie wir weiter machen. Er blieb erst mal an Ort und Stelle bis ich bei ihm war, damit er sich beruhigen kann. Danach ging es dann weiter und wir kamen im Tal unten an. Er ist mit ramponierten Händen und Knien davon gekommen.


    Wir haben die Tour natürlich intensiv Reflektiert, haben mit alten Hasen darüber geredet und haben beide das Buch "Bergwandern - Bergsteigen" gelesen, welches ich allen wärmstens empfehlen kann, nicht nur denen die in die Berge gehen.


    Unser Fazit: Auch eine leichte Tour mag gut vorbereitet sein. Eine 1:25000 Karte ist dafür ein muss, um auch alternativ Routen vorher durch zugehen um im Bedarfsfall schnell umplanen zu können. Zu guter Letzt, hätten wir auf unser Bauchgefühl hören müssen, dann wären wir nicht in die Situation geraten.

  • Tja das ist immer ein schwieriges Thema. Obwohl oder gerade weil zB Österreich touristisch wirklich exzellent erschlossen ist(nicht nur Landkartenmäßig, sondern auch Wegweiser incl Schwierigkeitsgrad,...), vergessen viele Menschen dem Berg den nötigen Respekt entgegenzubringen.
    Ich möchte hier den vielen Freiwilligen der Bergrettung danken. Leider erfährt man viel zu selten wie häufig diese ausrücken müssen. Im Jahr 2010 gab es nur von denen zB rund 7000 Einsätze. Mehr als 7 000 Menschen konnten noch lebend geborgen werden, bei fast 200 allerdings blieb leider nur mehr die Totenbergung.
    In den meisten Fällen ist es mangelndes Wissen und fehlende Planung welches die Einsätze nötig macht.
    Nochmals DANKE an all die Freiwilligen die Leib und Leben riskieren, um diese Leute da runterzuholen.

  • Nur unweit der deutschen Grenze. Frankreich im Bereich der Maginot-Linie (Bunkeranlagen, die zwischen 1930 und 1940 gebaut wurden). Viele alte Bunkeranlagen sind frei zugänglich

    Da beneide ich dich jetzt aber das bei euch Armee und Kriegs installations so offen zugaenglich sind. Alles was mit Armee, Kriegsanlagen, Waffen und Soldaten zu tun hat Intressiert mich sehr. Als junger Mensch hatte ich nur zwei Berufswahlen im Kopf und eine davon war Berufssoldat. Aber in der Rekrutenschule habe schon damals erkannt das die Schweizer Armee nicht mehr so "Preusisch" und "Eisern Diszipliniert" war wie ich es von einer Armee und Soldaten erwarte und waehlte daher den anderen Beruf. Ich finds manchaml heute noch Schade aber die Liebe ist geblieben.


    Gefahren lauern ueberall in der Natur, seien diese Gelaende, Wetter oder schlechte Ausruestung bedingt. Hier in Canada kann man dazu auch noch einige Tierarten dazu rechnen, wie Wolf, Baer und Puma. Jagen und Bushcraft meint auch das man sich immer mit offenen Augen und Ohren im Gelaede bewegt und weiss wie man Situations richtig einzuschaetzen weiss.

    Wenn Du nicht für Deine Freiheit kämpfen willst, hast Du auch keine verdient.
    Folge nicht den Spuren Anderer, gehe Deinen eigenen Weg und hinterlasse Deine Spuren.