Mogen und Parzival im Seibersbachtal, 13.-14.01.2012

  • Am Freitag den 13. Januar 2012 sind wir, Mogen und Parzival, vom Rande des schönen Soonwaldes in das benachbarte Seibersbachtal losgezogen, um dort ein Übernachtungslager mit zwei Tarps und DD-Hammocks aufzubauen. Unsere Themen und Herausforderungen waren für beide, erstmals so früh im Jahr und auf völlig durchweichtem Boden, eine Waldübernachtung bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zu machen.
    Wie wird es sein, welche Probleme tauchen auf und was für Lösungen fallen uns ein.
    Wir haben uns übrigens erst durch dieses Forum kennengelernt, obwohl wir nur 20 km voneinander entfernt wohnen.



    Wir erreichten nach einer kurzen Wanderung einen kleinen Platz , den sich Parzival vor ein paar Jahren gemütlich hergerichtet hat; wo er im Sommer öfter ausruht und hie und da auch nächtigt.

    Die Gegend am Bach und im umgebenden Wald wird absolut selten von Menschen aufgesucht. Es gibt eine kleine Feuerstelle, eine (schlechte) Laubhütte, die als "Schuppen" für zwei selbstgemachte Hocker aus Haselnussstecken genutzt wird. Einige kurze Fichtenstammstücke müssen als Tisch herhalten. An diesem Platz fließt sogar bei hohem Wasseraufkommen, wie es jetzt der Fall ist, eine kleine Quelle in die Seibersbach, die jetzt erstmals als direktes Trinkwasser von uns verwendet wurde, nachdem Mogen ein improvisiertes Auffangbecken gegraben hatte.


    Wir mussten uns jetzt mit dem Aufbau der Tarps und Schlafhängematten, sowie mit dem Sammeln von Feuerholz beeilen, da es ab 17:00 dunkel werden sollte.



    Mogen zeichnete sich für den Aufbau des Lagerfeuers verantwortlich.



    Um ca.17:30, also bei völliger Dunkelheit, brannte das Feuer, was wir erst einmal kräftig anheizten, um bald eine anständige Grillglut zu bekommen.



    Auf Parzivals mitgebrachtem "Brändigrill" http://www.bergzeit.de/holzkohlegrill-braendi-grill.html machten wir uns ein Steak und Grillkäse und dazu gab es " Mein Buschfutter "



    So gestärkt, kam der lange und gemütliche Teil des Abends. Mit einem dicken und trockenen Eichenstamm als Wärmereflektor, brannte unser Feuer gleichmäßig vor sich hin und wir konnten erleben, was die Länge einer Winternacht bedeutet. Langweilig würde es uns aber in keinem Moment; die angeregten Gespräche rund ums Thema Bushcraft und was jeder von uns bisher draussen erlebt hat, füllten den kalten Abend und die Nacht, die wir erst nach Mitternacht ausklingen ließen. Unser Feuer hatte prima gewärmt und das ein oder andere Heißgetränk mit dem Kelly Kettle schnell zubereitet, rundete die Stimmung ab.



    Die Bilder von beiden Tagen unseres Ausflugs sind hier in der Galerie zu finden


    Mogen und Parzival im Seibersbachtal, 13.-14.01.2012


    Der Bericht vom zweiten Tag wird von Mogen erstellt und folgt bald.

  • Hey Ihr Beiden, da habt Ihr ja anscheinend ein herrliches Wochenende verbracht, macht richtig Laune die Bilder zu durchstöbern. Euer Lager sieht wirklich klasse aus und ich bin sehr gespannt auf Mogens Bericht. Mal ehrlich Leute, wenn man das Bild hier sieht, dann weiß man, das Wochenende war wirklich gut:



    Vielen Dank fürs Einstellen, und auch Eure Lagermöbel sehen sehr professionell aus, ein wirklich schöner Spielplatz. Aber am allermeisten freut es mich, das unser Portal Menschen zusammenbringt, das finde ich wirklich genial :daumen

  • Hi Leute,


    dem Wildhog kann ich nur zustimmen: sehr schöner Bericht, prima Bilder, schöner Platz. Da kann man richtig neidisch werden.
    Das beste aber daran finde ich tatsächlich auch, daß ihr euch eben hier gefunden und vor allem auch gleich mal was miteinander gemacht habt. Damit geht im Grunde ein Wunsch in Erfüllung, den genau das wünschten wir uns bei der Gründung des Portales.


    Echt klasse.



    Lieben Gruß,
    Ilves

  • Super Tour, vielen Dank


    Man sieht auf jedem Foto wie schön es war.

    :erbswurst immer auf Mann, so ists brav.


    Wie wars zum schlafen? Es war ja, wenn ich mich richtig entsinne, das erste mal bei bescheidener Temperatur. Stimmten eure Überlegungen mit dem Ergebnis überein?


    Liebe Grüsse
    draussen

  • Also die Nacht in der Schlafhängematte unter dem Tarp war easy! Ich habe ja einen guten Schlafsack (Bergans Ranger Winter). Als Isomatte habe ich die 1,9 cm dicke Evazote Matte von Globetrotter zwischen die Stofflagen der DD-Hammock geschoben. Das System funktioniert einwandfrei, dadurch kann die Isomatte nämlich nachts nicht rausgestampelt werden.
    Gut geschlafen habe ich auch, ich bin so kurz vor 8:00 Uhr aufgestanden, bei Tagesanbruch. Da hatte Mogen bereits wieder das Feuer geschürt. Auf dem Tarp waren übrigens fest gefrorene Wassertropfen gewesen. Die waren auch bis 10:00 Uhr nicht abgetaut gewesen.
    Ein anderes mal werde ich euch erzählen, was ich nachts gemacht habe, als ich "mal raus musste". Habe ich von Dave Canterbury als Tipp in seiner Serie "Journal of the Yurt" übernommen, die Henning hier vorgestellt hat.
    Danke für euer Interesse an "unserer" Tour. Ich kann mir nämlich gut vorstellen, dass es einige, vielleicht besonders Neulinge auf dem Gebiet des Bushcraftens gibt, die die ein oder andere Anregung gut für sich verwenden können.
    Viele Grüße von Parzival :schlaf

  • Ok, ich hab´s versprochen; ich erzähle euch jetzt, was mir passiert ist, als ich nachts "mal raus musste".
    Henning aus dem Forum hat einen Thread, wo er die grandiosen Youtubevideos von Dave Canterbury vorstellt, "Journal of the Yurt".
    Die sind brandaktuell und werden beinahe täglich von Dave ergänzt. Er lebt momentan für etwas über einen Monat im Winter in Ohio in einer Jurte und berichtet von dem Leben daraus. Seine interessanten Schilderungen sind voll von wissenswerten Tipps aus seinem großen Erfahrungsschatz als Survivalexperte und Bushcrafter. In der Folge "Journal of the Yurt 4" beschreibt er (bei 7min 20 sec) eine gute Möglichkeit, in sehr kalten Nächten Körperenergie zu sparen, indem man bei Harndrang nicht den warmen Schlafsack verlässt, sondern in seine leere Wasserflasche uriniert. Damit hat man dann auch gleich noch eine wärmende Bettflasche. Er betont, dass Urin steril ist und die Flasche ja morgens leicht an einem Bach auszuwaschen sei.
    Dieses wollte ich jetzt natürlich ausprobieren. Ich habe zwei Nalgene 1 l Weithalsflaschen, von denen ich mir eine für das Experiment bereitgestellt habe und leer mit in den Schlafsack nahm. Ich muss dazu sagen, dass ich mich den ganzen Abend am Lagerfeuer mit dem Trinken sehr zurückgehalten habe, um vielleicht doch nicht "raus zu müssen". Um ca. 4:00 Uhr war es dann bei mir soweit, ich wachte auf und hatte den nötigen Drang. Die Prozedur mit der Flasche klappte sehr gut und ich schlief auch gleich wieder zufrieden ein. Um ca. 6:30 aber wachte ich erneut mit dem selben Bedürfnis auf und ich wiederholte das Ganze. nach dem festen Zuschrauben des Deckels kam mir mein T-Shirt aber doch verdächtig nass am unteren Rand vor. ich wurde nervös und fühlte alles ab: nass, richtig nass! Meine Stirnlampe hatte ich bei mir im Schlafsack, ich steckte den Kopf rein, schaltete das Licht an und habe mich nicht schlecht gewundert, als ich die Füllskala an der Nalgene -Flasche bei 900 ml sah! Ich musste die Flasche beim "füllen" ja leicht schräg halten und so ist doch eine gewisse Menge ausgelaufen.
    Ok, ich zog mich dann um und gut war´s, aber ich hätte nicht gedacht, welches Volumen beim Wasserlassen zusammenkommt, obwohl ich extra wenig getrunken habe.
    Hier mein Tipp für mich und andere: Es funktioniert richtig gut, ich empfehle aber unbedingt eine Füllkontrolle und werde die Flasche eventuell vor einem zweiten Benutzen ausleeren.


    Ich hoffe, diese kleine Episode war euch nicht irgendwie peinlich; mir jedenfalls war es dies nicht.


    Viel Erfolg beim Nachmachen ;)
    Parzival

  • Warum peinlich Parzival? Wenns Dir nicht peinlich war: Fremdschämer sind selber schuld :D


    Ist doch interessant auch mal solche Erfahrungen zu hören, bei mir ist auch schon der eine oder andere Spatengang im wahrsten Sinne des Wortes "in die Hose" gegangen :lol Über Erbswurst, Tee und Co. kann jeder reden, die Entsorgung derselbigen ist nicht minder wichtig ;) Also ein im höchstem Maße wichtiger "Bushcraftaspekt" :schlaubi

  • Ich bin ja fest davon überzeugt, dass Sigmund Freud beim Pinkeln über den Penisneid bei Frauen sinniert hat...


    In Bezug aufs Pullern hat er auf jeden Fall recht!

  • Parzival, danke fürs Teilen. Wir haben im Auto auch immer ein-2 Weithalsflaschen, u.a. für meinen Sohn. Man kann das noch ausweiten, indem man die Flaschen mit Katzensteu füllt (macht vor allem im Auto Sinn. Für längere Aufenthalte haben wir z.b. 1L Müllbeutel mit Katzenstreu gefüllt, die dann bei Gelegenheit im Restmüll entsorgt werden.
    Übrigens dickes Danke für den Post, es zeigt sehr deutlich, dass es im Tagesgeschäft genug Raum für Innovation abseits vom Krokodileringen gibt!

  • Hi,


    ja, da kommt was zusammen! So eine volle Blase kann 1/2 bis 3/4 Liter. Eine 1-Liter-Flasche ist da für zwei mal tatsächlich zu wenig, zumal, wenn man sie schräg befüllen muss.


    Lieben Gruß,


    Westwood


  • Der nächste Tag begann für uns mit dem ersten Vogelschrei. Meine Klamotten hatte ich die Nacht über mit im Schlafsack, so waren sie morgens angenehm warm. Sofort bin ich zur Feuerstelle gegangen und habe ganz vorsichtig die Asche weggeblasen. Wie ich erwartet habe waren noch ein paar Glutstücke tief in der Asche vergraben. Mit einer Hand voll Birkenrinde ist es mir dann gelungen das Feuer wieder anzufachen. Da das Feuer nun schön brannte konnte das Frühstück in Angriff genommen werden. Beim Kochgeschirr holen fiel mir dann auch auf das mein Tarp übersät war mir gefrorenen Wassertropfen. Dies überraschte mich doch, da ich die ganze Zeit nur im Pullover unterwegs war. Zum Frühstück gab es ein leckeres Müsli das Parzival gemischt hatte. Während das Feuer vor allem zum Wärmen da war, befeuerte Parzival immer wieder den Kelly Kettle, um heißes Wasser für die Getränke oder das Essen zu kochen.


    Dann kam das, was natürlich nie fehlen darf... Die Erbswurst



    So gestärkt brachen wir dann das Lager ab. Wir verstauten die Ausrüstung, löschten das Feuer sorgfältig und räumten den Platz wieder auf.


    Mein persönliches Fazit:
    Einfach rausgehen und machen. Ich hätte am Anfang nie gedacht das man bei unserem Matschwinter eine so gemütliche Nacht draußen verbringen kann. Als besonders wertvoll bei diesem Wetter haben sich Gamaschen raus gestellt, da sie dafür sorgten das unsere Hosen untenrum matschfrei blieben.



    Gruß Mogen