• Hallo zusammen!


    Jetzt wo die Vegetationsperiode langsam zu Ende geht und das Wetter kühler und nasser wird, ist es an der Zeit noch alles an Kräutern zu ernten und zu konservieren was nicht dem Winter zum Opfer fallen soll. In Folge dieser Tätigkeit bin ich über das Rezept für Ivan Tee gestolpert. Ivan Tee ( das nennt man wohl wirklich so) kommt aus Russland und war, wohl vor der internationalen Verbreitung von schwarzem Tee aus Asien, die am meisten konsumierte und exportierte Teesorte.


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    Zur Herstellung des "Original" benötigt man Weidenröschen. Diese findet man oft massenhaft auf Brach- und Ruderalflächen aller Art. Das Zeug gehört zu den typischen Pionierpflanzen und lässt sich vom Frühjahr bis in den Oktober hinein sammeln, wobei junge saftige Blätter besser sind als alte holzige.


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    Für den Tee benötigt man die Blätter, die Blüten und fusseligen Samenstände belässt man am Stiel. Um die Blätter schnell und effizient zu ernten, Greift man den Stiel der Pflanze am oberen Ende und schält die Blätter mit der anderen Hand nach unten weg.


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    Das gewonnene Material sollte man etwas auf Blattläuse und anderes Krabbelgetier untersuchen, welches sich auch gerne auf Weidenröschen tummelt.


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    Dann sortiert man nochmal alle welken und anderweitig unbrauchbaren Bestandteile aus. Dadurch, dass es schon etwas spät im Jahr gewesen ist und es, selbst für äußerst anspruchslose Weidenröschen noch zu warm und trocken war, hat meine Ausbeute leider bestenfalls B Qualität.


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    Und nun kommt der Trick bei der Sache. Man walkt und knetet die Blätter so, dass die Zellen aufgebrochen werden und etwas Pflanzensaft austritt. Wer zum kneten zu faul ist kann die Blätter auch einfrieren und wieder auftauen, oder ganz rabiat durch den Wolf drehen. Der Effekt sollte ähnlich sein.


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    Anschießend kommen die gekneteten Blätter in eine Schüssel und werden mit einem nassen Tuch abgedeckt. Dort verbleiben die Blätter nun zur Fermentation an einem warmen Ort. Damit die Blätter nicht Austrocken sollte man das Tuch hin und wieder befeuchten. Die Zeitangaben zum fermentieren variieren in den verschiedenen Rezepten leider sehr stark und liegen, von sechs bis acht, bis hin zu 24 Stunden. Ausschlaggebend sind dabei aber auch wärme und Feuchtigkeitsgehalt.

    Ich habe das hier ganz traditionell gemacht, habe aber auch von rabiateren Methoden gelesen bei denen man die Blätter in einen Ziplock- Beutel packt und ins, in der Sonne aufgeheizte Auto legt.


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    Ein verlässlicher Indikator für eine beginnende Fermentation ist ein intensiver angenehm fruchtiger Geruch welcher in meinem Fall, nach ein paar Stunden eingesetzt hat. Die Blätter haben eine deutlich dunklere Farbe bekommen, wobei das bei saftigeren Blättern noch besser funktionieren sollte.


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    Nach dem fermentieren kann man die Blätter kleinschneiden und an einem warmen Ort zum trocknen ausbreiten.


    Bei der Suche nach Rezepten, habe ich neben dem Original aus Weidenröschen noch viele weitere für fast jedes Obstgehölz gefunden. Im russischsprachigem Raum wird scheinbar von Brombeerblättern bis Apfellaub alles zu Tee gemacht, also habe ich hier auch einen kleinen Versuch gestartet. Diesmal mit Wurzeltrieben vom Kirschbaum, welche auch schön saftig waren.


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    Selbes Prinzip: Blätter abrupfen.


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    Durchkneten.


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    Warm und feucht einige Stunden fermentieren. Die Kirschblätter haben sehr süß nach Marzipan gerochen, nach dem trocknen und aufbrühen erinnert der Geschmack aber eher an frisches Heu.

    - Nicht unangenehm, aber das Original mit den Weidenröschen finde ich besser.


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    Selbst die ganz harten Kritiker waren dem Waidenröschentee nicht abgeneigt, was schon was heißen soll. (Selbstverständlich mit etwas Zucker)

    Der Geschmack ist einem billigen schwarzen Tee nicht ganz unähnlich, allerdings wesentlich milder. Für umsonst und ohne Pestizide aus Indien und China gar nicht mal übel.


    Interessant finde ich vor allem die geschmackliche Aufwertung der Weidenröschen durch das fermentieren. Ich habe vor Jahren mal mit Weidenröschen als "Survivalgemüse" experimentiert und kann davon nur jedem abraten. Sowohl roh als auch gekocht schmeckt das Zeug penetrant seifig und verursacht bei mir ein seltsames kratzen im Gaumen- wirklich sehr unangenehm. Der Tee hingegen ist durchaus akzeptabel.


    :winken

  • Das Schmalblättrige Weidenröschen ist auch ein Heilkraut. Und zwar eines der wenigen, die speziell für Männer eingesetzt werden. Hilft bei vergrößerter Prostata.

    Die Pflanze wird ebenfalls als Tee verwendet. Einfach etwas frisches Grün (Blätter) kleinschnibbeln und überbrühen, 10 min ziehen lassen. Nicht mehr als drei Tassen täglich, nicht länger als zwei Wochen anwenden. Wenn es dann noch nicht geholfen hat, ab zum Arzt und doch besser auf chemische Präparate umsteigen.

    Ob diese Wirkung auch beim Ivan-Tee noch eintreten kann, weiß ich nicht. Sicherheitshalber würde ich den Ivan-Tee nicht andauernd als täglichen Durstlöscher trinken, sondern lieber immer wieder damit pausieren. Das gilt übrigens für alle Heiltees, egal ob Kamille oder Malve oder was auch immer.

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