Handgeschmiedetes Beil mit Baustahlkorpus und eingeschweißter Hartmetallschneide

  • Moin moin;


    Ich dengel mich derzeit durch die verschiedenen Arten der Axt/Beilherstellung. Mein jüngstes Projekt ist das Beil aus Baustahl mit eingeschweißter Schneide. Ich habe das zum ersten mal gemacht und mir sind auch ein paar Fehler passiert, weshalb die Sache nicht ganz so repräsentativ ist wie ich es gerne hätte. Allen Missgeschicken zum Trotz, ist am Ende aber doch ein (bisher) funktionstüchtiges Beil draus geworden, und in dem ich hier die einzelnen Schritte beschreibe, kann ich nochmal gut die einzelnen Fehler revue passieren lassen und mir so für die Zukunft besser einprägen.


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    Erstmal benötigt man natürlich ein Stück Baustahl. Hier hatte ich ein stück 30x30x ca.100mm. Ich habe es nicht gewogen aber das reicht für ein Beil um die 600gr + wenn man den Hartmetallkeil hinterher dazu nimmt. Eigentlich wäre Material in flacher Form, wie 40x20 oder 50x25 besser, aber vierkant geht auch.

    Das mit dem Baustahl als Körper bei Äxten und Beilen ist so ein klassischer "Spartrick" der relativ häufig angewendet wurde/wird, weil man Baustahl in diesen Abmessungen noch relativ günstig bekommt oder auch teilweise noch im Schrott findet. Vergütungsstahl in den für Äxten relevanten Abmessungen ist hingegen sehr selten und teuer. Außerdem ist es für Hobbieschmiede oder Kleinproduzenten kaum wirtschaftlich sich die xxx Meter Material an Mindestbestellmenge vom Stahlhandel irgendwo hinzulegen.


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    Als erstes markiert man sich nun den Schlitz für das Beilauge. Hierbei sollte man darauf achten, dass die Markierung auch zu der Breite des Meißels passt, welchen man als erstes benutzt um das Loch in den Stahl zu treiben. Ich schlage hier auch gleich eine kleine Kerbe ein damit ich hinterher leichter die richtige Stelle treffe.

    In diesem Fall habe ich auch zwei kleine Führungslöcher durch die angekörnten Punkte gebohrt. Bei Symmetrisch perfekten Werkstücken macht das Sinn um die Genauigkeit beim auftrennen zu erhöhen.

    Dennoch sollte man von beiden Seiten bohren, damit man auch wirklich mittig bleibt. Bei rundem oder leicht deformiertem Material arbeite ich lieber ohne Bohrungen weil es sehr schwer ist dort eine Bohrung genau mittig anzubringen.


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    Beim eischlagen des Auge dreht man den Beilkopf optimaler weise nach jedem Schlag von der linken auf die rechte Seite um ein natürliches abweichen zu einer Seite hin auszugleichen.

    Außerdem sollte man gleichmäßig von oben und unten arbeiten.


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    Wenn man das Auge nun etwas ausgearbeitet hat, setze ich gerne die Schneide etwas ab. Dadurch kann man das Beil direkt hinter der Schneide greifen, man bringt etwas mehr Material zur Schneide hin und es sieht cool aus.;) Leider habe ich hier meinen ersten blöden Fehler gemacht und die Markierung viel zu hart und zu tief gesetzt. Durch das tiefe einkerben ist beim einschlagen der Rundung diese Stelle eingerissen, weshalb ich hier im nachhinein ziemlich viel Material wegschleifen musste um den Riss zu entfernen. So was weiß ich eigentlich besser aber, wie das manchmal ist, ist es eben passiert:schäm.

    Als Resultat ist der Übergang zwischen Körper und Schneide hinterher grenzwertig dünn geraten.


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    Im nächsten Schritt, werden mit der Hammerfinne Schneide und Seiten in die Breite getrieben.


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    Vorher hatte ich schon mit der Trennscheibe einen Schlitz für den Schneidkeil in die Vorderseite geschliffen. Man kann das auch, ganz traditionell mit dem Meißel auftrennen, aber in diesem Fall sollte man dies ganz am Anfang vor allen anderen Arbeitsschritten bewerkstelligen, weil man ein halbfertiges Beil nur noch ganz schlecht "aufschlitzen" kann ohne es stark zu deformieren.


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    Der Schlitz wird mit dem Meißel aufgebogen und mit der Drahtbürste gründlich gereinigt. Hier haben wir dann den nächsten, weniger schlimmen Fehler. Der Schlitz hätte noch wesentlich tiefer sein dürfen.


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    Hier wird der Schneidkeil aus härtbarem Stahl angepasst und mit kleinen Zähnchen versehen.


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    Anschließend wird der Schneidkeil eingesetzt und verschweißt. Man erkennt es schon - Fehler Nummer 3 :skeptisch. Schneidkeil und Schlitz haben einfach nicht gut zueinander gepasst und ließen sich deshalb nur relativ schwer verschweißen. Memo an mich selbst: Das nächste mal wird der Schneidkeil nicht irgendwie reingequetscht, sondern vorm einsetzen in die perfekte Form geschliffen und dann mit zwei Schweißpunkten vom E-Schweißgerät gegen verrutschen fixiert, - Bevor man versucht mit Gewalt irgendwas im Schmiedefeuer zu verschweißen was nicht richtig passt und ständig verrutscht.


    Hier erkennt man auch den, oben erwähnten, Riss zwischen Schneide und Gehäuse. In diesem Moment wollte ich das Teil schon fast entsorgen. Aber ich wollte wenigstens erstmal schauen wie das ganze nach dem Schleifen aussieht.


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    Nach einer längeren Konvergenz zwischen mir, dem "Rohling", dem Winkelschleifer und einigen 40er Lamellenscheiben, sah das Ding plötzlich gar nicht mehr so übel aus.

    Auf dem Bild ist die Wärmebehandlung schon abgeschlossen und man erkennt sogar mal die Anlassfarben, welche beim anlassen mit Restwärme von hinten zur Schneide hin laufen. Gehärtet wird natürlich nur die Schneide, weil der Rest aus Baustahl besteht.


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    Was hier auch sehr auffällig ist, ist dass die Führungsbohrungen beim ausformen des Auges deutlich eingerissen sind. Bei Beilköpfen aus Vergütungsstahl, welche ich vorher geschmiedet habe, ist dies nie so stark aufgetreten. Zu kalt geschmiedet habe ich meines Wissens auch nicht. Ich habe mir darauf hin im Netz nochmal viele Bilder und Videos von solchen Beilen mit Baustahlkorpus angesehen, und bin zu der Erkenntnis gelangt, dass dies sehr häufig vorkommt, also quasi "normal" ist. Ich schätze der Baustahl hält den Belastungen beim umformen einfach weniger stand als "guter" Vergütungs/Werkzeugstahl.


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    Diesen Fehler konnte ich auch nicht mehr rausschleifen. Durch die mangelhafte Passform hat sich, eine kleine Lücke gebildet welche nicht verschweißt ist. Auf der anderen Seite ist der Schneidkeil bündig eingepasst, aber dieses "Löchlein" wird bleiben. Ich denke nicht, dass dies ein Problem darstellt aber haben will man so etwas natürlich auch nicht.:unschuld


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    Ich hatte noch diesen abgebrochenen Axtstiel rumliegen. Sieht ein bisschen abgefuckt aus, hat aber auch seinen Charm.


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    Bin dann los und habe diesen Baum gefällt....


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    .... und daraufhin entastet und zerkleinert. Ging ohne Probleme. :D:P


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    Nein- mal quatsch beiseite.

    Die Form finde ich im Grunde sehr gelungen. Ich kann damit ganz gut schnitzen und durch den etwas zu langen Stiehl bekommt man auch noch so einen 30cm Buchenholzklotz relativ lässig gespalten. Mit 900 Gramm kann man sich das Ding auch noch an den Rucksack packen ohne, dass es einem die Schuhe auszieht. Das Beil geht irgendwo in Richtung leichter Waldläufer/Zimmermans Zwitter. Für so ein Stück B Ware mag ich es also ganz gerne, mal sehen ob und inwiefern sich die nicht wenigen Mängel auswirken werden.


    Soviel zu meinem beinahe fail Projekt- Beim nächsten mal sind meine Sinne geschärft so, dass es hoffentlich etwas Professioneller zugeht. Gelernt habe ich in jedem Fall ein bisschen was und die Beilform bleibt auf dem Merkzettel. Bis dahin Gruß an alle - Holger :winken

  • Erstmal, mir gefällt der "schmiederaue" Charakter deines Beils. Wie man es von dir nicht anders kennt wiesder sehr gut erklärt und geistig nachvollziehbar was du schreibst.

    Würde fast zu meinen beiden neuen "Messern" passen.

    Die Form des Kopfes kenn ich ähnlich aus Museen hier in Südbayern mit Funden aus der Römer/Germanen-Zeit bzw aus dem Frühmittelalter. Ich erinnere mich aber auch an die eine oder andere Axt aus dem skandinavisch/finischem Bereich-


    Auf alle Fälle eine Super Arbeit:thumbup:

    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.

  • Du hast 2 neue Messer die zu dem Beil passen würden? Herzeigen!!

    Ja mal sehn, hab ja nun zumindest für das Kürzere das Lederkleidchen fertig.Wobei kürzer eher nur im Vergleich mit dem Anderen größeren:unschuld

    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.

  • immer wieder geil deine Berichte zu lesen, vielen Dank dafür!

    :thumbup:

    "Die Natur kümmert sich nicht um die Menschen, welche sich nicht für sie interessieren. Aber denjenigen die es tun, denen gibt sie alles, was diese brauchen." Sylvain Tesson: In den Wäldern Sibiriens

  • outdoor


    Die schöne alte Wildkirsche musste leider weg. Hat den - glaube ich - dritten Sturm in folge nicht überstanden. Der Baum selber war noch Kerngesund, aber durch den ganzen Regen diesen Winter war der Boden so aufgeweicht, dass die Wurzel nicht mehr gehalten hat und der Baum schon bedrohlich Schlagseite bekommen hatte. Hab schon Tennisarm vom ganzen Kuksa schnitzen aber das meiste geht wohl durch den Ofen. Echt eine Schande... ;(

  • Zum Trocken am besten schonmal grob aufs Maß bringen und dann die Querholzseiten, also wo man die Ringe sehn kann mit Anchorseal oder verdünnten Weißleim einpinseln. Dann trocknen die viel langsamer und reissen deutlich weniger. So mach ich das bei den Rohlingen für Schalen usw auch immer.