Schwedenfeuer - drei Varianten im Vergleich

  • Hallo und frohes neues Jahr zusammen!


    Schwedenfeuer waren für mich immer etwas, was man leichtgläubigen Stadtmenschen im Baumarkt, für nicht nachvollziehbare Preise verkauft, und somit für mich bislang wenig von Bedeutung.

    Nun gucke ich hin und wieder YT und habe dort, voller Überraschung gesehen, dass es in Nordeuropa wohl wirklich Menschen gibt die solche "ein Block Feuer" ernsthaft nutzen.


    Und weil draußen rumsitzen, Hölzchen schnitzen, und Feuerchen machen ohnehin zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählen, habe ich mal die drei für mich interessantesten Varianten getestet.


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    Als erstes braucht man natürlich etwas trockenes Rundholz. Am besten geeignet sind alle schnell brennenden Hölzer wie mein Stück Fichte hier. Dabei fällt einem auch gleich der erste Nachteil von Schwedenfeuern auf - Man braucht Werkzeug! Und zwar welches von der Art mit der man auch etwas geschafft bekommt. Was wiederum für den Bushcrafter zu Fuße nicht optimal ist.

    So ein Klötzchen sollte schon einen Durchmesser von 12cm aufwärts haben, weswegen man eine ausreichend dimensionierte Säge benötigt.

    Ich habe mir meine Klötze mit nach Hause geschleppt weil ich nicht mit starker Rauchentwicklung im Wald rumzündeln wollte; Also sorry - Gardencraft statt Bushcraft aber das Prinzip ist das gleiche.


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    Wir beginnen also mit der einfachsten Version. (Im folgenden als "Version 1" beschrieben)^^

    Dabei wird der Klotz in vier Teile gespalten. Den Sch:zensiert wie im Baumarkt mit der Motorsäge unterlassen wir natürlich.


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    Relativ weit unten an den Vierteln werden auf gleicher Höhe Markierungen angezeichnet.


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    Danach dreht man die Teile auf den Kopf, und spaltet von der Markierung aus die innere Ecke ab.


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    Die Teile werden wieder Zusammengesetzt und mit einer Schnur fixiert. Wer keine Schnur hat kann den Klotz auch etwas einbuddeln und in der Erde fixieren.

    Man darf den Trichter auch nicht zu groß machen. Ein enger Trichter brennt im Zweifel besser als ein zu breiter.


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    Damit die notwendige Belüftung gegeben ist, steckt man paar kleine Holzspäne in die Seitenschlitze.


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    Zum anzünden verwende ich eine Mischung aus Birkenrinde und Fichtenharz.


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    Ein paar Holzspäne erleichtern das anbrennen. Dabei muss man allerdings darauf achten, dass man nicht zu viel Zunder und Holzspäne in den Trichter gibt, weil man sonst den Luftzug abwürgt.


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    Wenn man nun auf dem Klotz kochen möchte, legt man sich ein paar Steinchen auf den Rand um den Luftstrom nicht zu unterbrechen.

    Man bekommt die Hitze recht fokussiert auf den Topfboden (oder die Kanne) so, dass sich mit der Version 1 ziemlich effektiv Kochen lässt.


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    Version 1 brennt gut und auch ohne weiteres zu tuen, aber sobald der Trichter in der Mitte zu groß wird, erlischt der Luftstrom und somit auch das Feuer.


    Also kommen wir zu "Version 2"


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    Wie gehabt, den Klotz in vier Teile spalten, und Markierungen machen.


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    An den Markierungen wird nun ein Stück eingesägt.


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    In ein Stück sägt man noch einen zweiten Schlitz über dem vorher Markierten.


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    Das Holz zwischen den beiden Sägeschlitzen wird mit einem stabilen Messer herausgestemmt.


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    Die inneren Ecken aller vier Teile werden abgespalten. Hierbei sollte man etwas vorsichtig arbeiten um nicht den Boden mit abzuschlagen.


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    Die Teile werden wieder zusammengesetzt und eng verbunden.


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    Bei Version 2 muss man besonders aufpassen, das man den Schornstein nicht mit Zunder verstopft, was zu einigen Startproblemen geführt hat. Ich musste hier oft nachpusten bevor das Teil richtig gebrannt hat. Die Kamin/Sogwirkung war bei dem kleinen Klotz nicht besonders gut. Ein sehr hoher Klotz wäre hier wahrscheinlich besser geeignet, was allerdings beim kochen etwas Wackelig geworden wäre. Ein zweiter Lufteinlass wäre vielleicht auch nicht verkehrt.


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    Hier wieder der Trick mit den Steinen. Von selbst wollte der Klotz nicht so richtig brennen weswegen ich einige Späne als Brennhilfe mit im Luftloch verheizt habe. Für einen 0,7 Liter Kessel Tee hat es gereicht, aber alles in allem war die Version 2 ziemlich fummelig in der Handhabung, hat extrem gequalmt und ist zwischendurch immer wieder ausgegangen...


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    ... sah aber im Dunkeln ziemlich cool aus 8)


    Version 2 hat mich demnach nicht so richtig überzeugt, aber man kann das Prinzip noch verfeinern in -


    Version 3


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    Alles wie gehabt außer, dass man noch einen zweites schräg nach unten verlaufendes Loch über dem Lüftungsloch anbringt.


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    Hier hat man nun die Möglichkeit aktiv zu heizen. Die Späne welche beim aushöhlen angefallen sind reichen als Brennstoff für die Lebensdauer des Klotzes aus.

    Etwas kompliziert ist auch hier nicht so viel Brennmaterial einzuführen, dass der Schornstein verstopft.


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    Wenn man das Handling etwas beherrscht, brennt auch der selbstfressende Raketenofen- Hobo - Klotz recht ordentlich und bringt viel Energie auf den Kessel so, dass das Wasser sehr schnell kocht.

    Allerdings ist der auch recht schnell runtergebrannt.


    Fazit : Für mich macht Version 1, also das ganz klassische Schwedenfeuer den ersten Platz. Man hat die wenigste Arbeit und das Teil brennt ab ohne das ich etwas machen muss.

    Version 3 war auch ganz gut, ist aber aufwendig in der Herstellung und erfordert viel Gefühl und beim "nachlegen".

    Version 2 hat zwar funktioniert, aber mit Abstand am schlechtesten gebrannt.


    Unterm Strich muss ich bemerken, dass es wohl schneller als auch effizienter gewesen wäre die Klötze in dünne Scheite zu spalten und einfach so zu verbrennen. Aber wo bleibt da der Spaß?

    Die einzige ernsthafte Verwendung in der ich das Schwedenfeuer als Sinnvoll betrachte ist wenn man einen extrem nassen Untergrund hat oder vielleicht um sich beim Eisangeln auf einem See was zu kochen.


    Wenn einer etwas besseres über den Sinn oder den Ursprung von Schwedenfeuern weiß oder noch andere "Versionen" kennt, immer her damit. Das würde mich mal interessieren.


    :winken

















  • Wie wäre es anstelle eines grossen Klotzes zu spalten das Ganze aus etwas dickeren Ästen zu bauen?
    Es sollte da dann doch genug Luft rein kommen.
    Soweit ich mal gesehen hab benutzt man das Feuer tatsächlich um vom nassen Boden weg zu sein. Wenn das Schwedenfeur weit genug runter gebrannt ist sollte auch der Boden darunter und drumherum trocken genug sein um daraus ein "normales" feuer zu machen.
    Wie ich gesehn hab auf YT benutzt man das Schwedenfeuer oder Feuer in der Form auch in Rusland.

    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.

  • Als Fackel geht nichts über eine Rolle Klopapier (so lange das noch erhältlich ist und nicht als neue Währung zählt)

    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.

  • Wachs bzw Kerzenresten
    Man schmilzt die Kerzen und stellt eine ganze Rolle rein damit die sich richt voll saugen kann.

    Nach dem Abkühlen bzw im Lager zündet man die Rolle ein Stück an. Diese Fackeln sind zb in der Mittelalter-Szene recht beliebt zum Beleuchten der Lager.
    Da packt man sie vorm Anzünden aber meist in hohe "Fackelhalter". Es gibt aber auc die Variante die Klorolle in eine Sose passender Grösse zu packen und dann

    mit dem flüssigen Wachs aufzufüllen.

    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.

  • Ja das geht auch mit Öl, ist unterwegs oder "auf Lager " wie es bei uns im anderen Hobby heisst, recht unpraktisch. Da musst dann im Geäck ja noch ne Flasche Öl mitschleppen. Die Wachvariante kann st praktisch gleich aus der Tüte nehmen und anzünden



    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.

  • Wie wäre es anstelle eines grossen Klotzes zu spalten das Ganze aus etwas dickeren Ästen zu bauen?
    Es sollte da dann doch genug Luft rein kommen. [...]

    Das geht natürlich auch.

    Die Rauchentwickling ist größer, da man sich bei den Ästen dann ja von außen nach innen brennt und nicht direkt bestes Kerholz hat, dafür kann man aber ein paar länger lassen und spart sich die Steinchen. Weiterer Vorteil , eine kleine Klappsäge reicht.

    Wegen nassem Untergrund: Die Schwedenfeuer könnte man sogar in einer Pfütze machen. Oder auch in einem Sumpfgebiet. Für die Ästevariante nimmt man dann stehendes Totholz.

    Die Schnürung im angehängten Bild ist übrigens Lindenbast ( direkt mit dem Holz geerntet )

    Egal wie, zum Kochen reichts und man hat Stand und Feuer zusammen.


    Bezüglich Variante 1, ich schnitz gar nix mehr, ich setze die 4 Klötze einfach "falsch" wieder zusammen, bis mir Loch und Luftzufuhr gut erscheinen.

  • Hej hej.


    Mein Vermieter hat das immer anders gemacht. Er hat mit einer Motorsäge einen Stamm kreuzweise angesägt, oben in der Mitte Birkenrinde (manchmal auch Kohlenanzünder) platziert und das dann angezündet. Okej, wir haben auch nie darauf gekocht oder gebrutzelt. Das war nur zum Weg anzeigen und Stimmung machen.


    *winks* Ted

    "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen." (Ludwig Wittgenstein)

  • In meiner aktiven Forstzeit haben wir sowas in klein mal mit Forstnerbohrern fertig gemacht, war ein 10min ,,Machen die Stifte einfach weils geht Projekt"


    Unser Meister verwendete die für Gartenpartys, als ,,idiotensicheren" Ofenanzünder im Bauwagen, mehrfach aber auch für den überlebenswichtigen Espresso im Wald. Wir verwendeten Holz zweier bei Wegesicherung gefällter Kiefern, welche einen Durchmesser von ca. 15-25cm hatten. Unsere Fackeln waren 20cm hoch und nur mit dem Bohrmehl aus dem Kern gefüllt.


    Generell haben wir uns eigentlich dabei gedacht damit im Winter im Schnee der Hochrhön uns damit Tee/Kaffee zu kochen ohne großartig Feuerholz zu benötigen. Gleichzeitig war das auch ein leicht zu verbergendes Feuer welches mit einem einzelnen Schneeball schnell wieder gelöscht werden konnte.


    Am Ende waren die Teile noch im Herbst komplett aufgebraucht, und wir haben keine weiteren mehr gefertigt.