Grabwerkzeug im dritte Welt Schmiedestil

  • Hallo!


    Heute bauen wir mal etwas, was auf der Nordhalbkugel noch keiner gebaut hat. Die Rede ist vom afrikanischen Kackspaten;) Ich habe keine Ahnung wie die Dinger wirklich heißen, technisch liegen die irgendwo zwischen Spaten und Wurzelstecher.

    Neben vielen Damastklingenschmieden auf high end Niveau gucke ich mir auf YT auch gerne mal Schmiede aus Afrika und Südost- Asien an. Man muss schon staunen wer da schon alles Clip´s hoch lädt. Im Gegensatz zu den vielen schnucki putzi Messern und Äxten welche hier, zwar in hoher Handwerkskunst aber ohne jede Notwendigkeit geschmiedet werden, gibt es dort meist Werkzeuge des alltäglichen Gebrauchs. Der Pragmatismus und die Fähigkeit dieser Menschen selbst mit einfachsten Mitteln brauchbare Werkzeuge herzustellen beeindrucken mich dabei oft mehr, als ein 1000 Lagen Damast aus der high tech Schmiede.


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    Als Ausgangsmaterial dient diesmal ein Stück Hydraulikrohr. 15x2.5 mm normaler Baustahl. Einziges Kriterium, dass dieses Rohr erfüllen muss, ist eine gewisse Wandstärke, welche nicht zu dünn bemessen sein sollte.

    Ich muss gestehen, dass ich bei aller Sammelleidenschaft was Stahlschrott anbelangt Rohrmaterial meistens liegen lassen habe. Ich bin einfach nicht der Typ der Kerzenständer schmiedet und wusste somit nichts damit anzufangen.


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    Wer über Strom verfügt- und das tuen die meisten, die Handy Video´s ins Netz stellen - trennt das Rohr mit dem Winkelschleifer ein Stück weit längs auf. Dies sollte möglichst in einer geraden Linie geschehen. Wer keinen Strom hat trennt das Rohr über einem Dorn oder dem Ambosshorn, mit einem Meißel auf.


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    Danach wird er Schlitz am Ambosshorn aufgebogen und etwas flach gehämmert. Dies genau symmetrisch hinzubekommen ist dabei nicht ganz einfach. Da sind mir die Jungs aus Indonesien und Afrika etwas voraus.


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    Das Bild ist leider etwas mies geraten, aber man erkennt, dass hier die Tülle über dem Horn geweitet wird.


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    Wenn man mit dem Horn nicht mehr weiter kommt schmiedet man die Tülle auf einem Dorn weiter, bis der Gewünschte Durmesser erreicht ist.


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    Die Ecken werden dann mit dem Winkelschleifer oder Meißel abgetrennt und die Kanten etwas zugeschliffen.


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    Danach wird nur noch ein einfacher Stiel angepasst und fertig ist das simple Buddeltool.


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    Hab dann gleich mal ein paar Knollen ausgebuddelt und man kann sagen, das Teil ist zwar sehr schlicht gehalten aber es erfüllt seinen Zweck.


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    Und hier noch der vergleich zur Baumarktvariante. Ihr könnt euch sicher denken welches von beiden sowohl billiger als auch besser ist. Die Teile gibt es auch in groß mit langem Stiel so ,dass man damit, aus dem stand Jams und Maniok Knollen ausgraben kann. Man benötigt nur ein entsprechend dickeres Rohr zur Herstellung. Neben dem ausstechen von Wurzeln eignet sich das Werkzeug überall dort wo man relativ gerade und tiefe Löcher ausheben will z.B. beim einsetzen von Pfählen und der gleichen. Erstaunlich finde ich dabei wie schnell und einfach man diese Werkzeuge herstellen kann. Wenn ich bedenke wie viel Arbeit ich investieren müsste um ein ähnliches Werkzeug aus einem Stück mit geschlossener Tülle, auf die "herkömmliche" Art anzufertigen liegen da locker ein paar Stunden Arbeit zwischen.


    Zum Vergleich- und weil man Buddeldinger nie genug haben kann- habe ich gleich darauf noch so eins auf die "Europäische" Art geschmiedet und werde das die Tage mal hochladen. Es ist qualitativ ein wenig hochwertiger aber auch wesentlich komplizierter...


    :winken











  • Danke für´s Zeigen.
    Ist schon interessant was die in der sogennanten 3. Welt drauf haben. Wenn man nicht viel hat muss man lernen aus dem Wenigen was man hat was zu machen.
    Ich schau zBgerne mal Videos von Schmieden aus Asien, was die da drauf haben:eek

    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.

  • Wenn man das Rohr noch flacher klopft, müsste sich doch auch eine Art Not-Messer oder Speerspitze daraus machen lassen?(
    Das ColodSteel Bushman oder ihre Speere ist ja im Prinzip auch nix anderes und auch Condor hat ja sowas im Sortiment.
    Ich selber habe ein kleines mittelalterliches Messer und Speerspitzen die zumindest ähnlich aussehn,

    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.

  • outdoorfriend

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  • benbushcraft


    Ja - das kann man auch ohne großen fachlichen Hintergrund. Problematisch ist nur wenn du kein Ambosshorn oder keinen passenden Lochdorn hast um die Tülle zu weiten. Auch die Form schön gleichmäßig zu bekommen ist gar nicht so leicht.


    Odin


    Das mit dem Messer ist nix. Wie der Ben schon beschrieben hat, wäre die Schneide ständig stumpf oder würde sich verbiegen. Die Rundung des "Spatenblatt" trägt hier viel zur Stabilität bei weswegen man die nicht beliebig flach machen sollte.

    Bei der "europäischen Variante" rollt man eine Tülle aus einem flachen Stück Vergütungsstahl. Da könnte man sowas wie dieses "Condor" Dings draus machen. Cold Steel hatte sowas auch mal im Programm. Generell unterscheidet sich da die Herstellung von Speerspitzen, Pfeilspitzen und großen Stechbeiteln kaum voneinander. Nur die Form der Spitze macht da den Unterschied.

    Ich werd´s hier schreiben sobald ich kann, dann siehst du´s...


    outdoorfriend


    Ja - Mit diesem Schäferdings hat du recht. Wusste nicht, das diese Form von Werkzeug hier doch schon Verwendung gefunden hat. Die sind aber sicher auch aus Flachstahl gemacht bzw. habe ich sowas ewig nicht mehr gesehen.

  • Noch mal. Ich rede von nem "Not"- Messer. Wenn man garnix hat und man irgend wie ein Stück auf und flach bekommt.
    Ich möchte da an Ed Stattford erinnern. Der war ja mal ne Weile ohne Alles auf ner Insel. Irgendwann fand er das Wrack von einem kleinen Fischerbot und schaffte es sich dort aus nem Stück Schrott ein "Klinge" zu machen. Dem war sicher egal wie oft er das nachschärfen musste, hauptsache irgend ne scharfe

    Kante als Werkzeug.
    Ich bin mir sehr bewusst dass das Material dafür denkbar ungeeignet ist, soviel weiss ich von meinem alten Beruf noch um das zu sehn^^

    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.