Blasrohr, Blasrohrpfeile und Schusstechnik

  • Seid gegrüßt!


    In den letzten Monaten habe ich viel Zeit gehabt mich mit diversen "alternativen" Schießgeräten zu befassen. Bei der Recherche zu diversen Zwillen und Slingbow´s bin ich auch über einige Artikel und YT Clips zum Thema Blasrohrjagd gestolpert. Weil ich bisher kaum Kontakt zu Blasrohren hatte und mich die Sache neugierig gemacht hat, habe ich mit dem Bau eines möglichst professionellen Blasrohrs begonnen. Es gibt sogar Profi Blasrohre zu kaufen, die Firma Cold Steel betreibt da ein recht umfangreiches Angebot. Allerdings waren mir die rund 50 Euro doch zu viel.


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    Um ein traditionelles Blasrohr anzufertigen hat man hier zu Lande einfach nicht das Richtige Material. Demnach hatte ich zuerst den Gedanken gefasst mein Blasrohr aus PVC Rohr zu bauen. Im Endeffekt bin ich dann bei Aluminiumrohr gelandet. Alurohr ist das mit Abstand beste Material für "leistungsstarke" Blasrohre weil die Rohre eine sehr glatte Innenfläche ohne Nähte haben und nahezu perfekt gerade sind.

    Ich habe hier 2x1m 20mm mit 2mm Wandung und ein Verbinderstück 24mm mit 2mm Wandung, weil ich ein zerlegbares Blasrohr haben wollte, was sich im nachhinein als dumme Idee entpuppt hat.

    Nach allem was ich gehört und gelesen habe ist das Kaliber 16mm (oder 625 im englischen) wohl das Maß der Dinge bei Blasrohren. Desweiteren gilt eigentlich nur je länger desto besser. Blasrohre um die zwei Meter und mehr sind wohl bei einigen indigenen Völkern gebräuchlich gewesen, allerdings sind diese dann auch extrem sperrig.


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    Ich hatte geplant die Teile einfach zusammen zu stecken, was sich aber als sehr schwierig erwiesen hat, weil die Teile nicht genau gepasst haben. Die Ungenauigkeit beträgt nur ein bis zwei Zehntel Millimeter, war also durchaus in der Toleranzgrenze. Dennoch hatte ich meine liebe Last die Teile halbwegs gleichmäßig abzuschleifen. Ein Gewinde auf das Rohr zu schneiden war mir auch nicht möglich, weil die Zahnung bei einem Metrischen M20 Gewinde für eine 2mm Wandstärke zu tief ist. Ein Feingewinde würde wahrscheinlich gehen, aber wer hat schon ein 20er Feingewindeschneidset zu hause und kann dieses von Hand perfekt gerade auf das Rohr schneiden? Also - Memo an mich selbst: Ohne Drehmaschine und Profiwerkzeug kein Gewinde. Und das nächste mal besser ein Rohr am Stück verwenden.


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    Als die Rohre endlich verbunden waren habe ich das Mundstück angefertigt. Dazu habe ich ein Reststück Sperrholzplatte, welche ich mal mit der Lochsäge ausgeschnitten hatte verwendet.

    Dieses habe ich auf 20mm aufgebohrt und mit meinem größten Kegelsenker auf der "Mundseite" ausgehöhlt.


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    Das in Form geschliffene Mundstück wird dann einfach angeklebt.


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    Die vollen zwei Meter länge waren mir zu dann doch etwas zu heftig, weswegen ich das Rohr auf ca. 155cm gekürzt habe, was eine gängige Länge bei 16mm Blasrohren ist.

    Generell kann man sich merken, dass man um ein gutes Blasrohr zu bauen den Innendurchmesser in Millimeter ungefähr mit 1000 multiplizieren kann, um auf eine sinnvolle Länge zu kommen.

    Wobei man mit sehr langen Blasrohren natürlich höhere Geschwindigkeiten erreicht. Die Obergrenze von Länge und Durchmesser liegt da, wo man mit seinem Lungenvolumen keinen ausreichenden Überdruck mehr im Rohr erzeugen kann um ein Projektil zu beschleunigen.

    Um das Blasrohr etwas zu verschönern habe ich es einfach mit Juteschnur umwickelt. Als Griff habe ich in der Mitte ein selbstklebendes Fahrradgriffband verwendet.



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    Nun wo das Blasrohr fertig ist braucht man natürlich noch Munition. Auch diese gibt es zu kaufen, ist aber auch recht teuer und vor allem auch nicht besser als das was man selber bauen kann.


    Holzpfeile


    Das erste was für mich greifbar war waren Schaschlikspieße.


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    Um ein Treibhütchen die so genannte Kone zu basteln, rollt man einfach einen Kegel aus dickem Klebeband, scheidet bei diesem die Spitze ab, so das man den Holzspieß hindurch schieben kann und passt den Durchmesser möglichst genau an das Rohr an. Anschließend fixiert man das Hütchen mit einem Tropfen Kleber.


    Um ein bisschen zum Spaß zu schießen sind diese Pfeile ganz OK, allerdings sind solche Holzpfeile nie besonders genau und auch nicht sehr haltbar, weil sie leicht brechen und die Hütchen kaputt gehen.


    Pfeile aus Nägeln mit Plastikkone



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    Also habe ich mich etwas umgesehen und habe mir, einen Sack 2,5mm Ohrtrichter aus dem Medizinbedarf bestellt. Diese lassen sich sehr leicht an den 16mm Durchmesser anpassen und man kann normale 3,2 und 3,4x 80mm Nägel einfach durchstecken, man benötigt nicht einmal Klebstoff. Wenn man die Spitze flach hämmert hat man sogar so etwas wie eine kleine Pfeilspitze. Mit 5 Gramm haben die Nagelpfeile auch schon ein gewisses Gewicht und man muss schon etwas höher zielen als bei anderen Pfeilen. Die Haltbarkeit dieser Pfeile ist sehr hoch und nur dadurch limitiert, dass wenn man gut schießt, einen Pfeil in den Konus des anderen schießt und diesen somit zerstört.


    Pfeile aus Fahrradspeiche mit Plastikkone


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    Mein bisheriger Favorit sind aber Pfeile aus 2mm Fahrradspeichen.


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    Für diese habe ich die Fahrradspeichen auf zehn cm Länge geschnitten.


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    Dann wickelt man sich mit Klebeband einen Stopper so, dass der Ohrtrichter auch drauf passt und nicht nach hinten durch rutscht.


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    Wenn der Ohrtrichter drauf ist, fixiert man diesen mit ein wenig Sekundenkleber und Passt den Aussendurchmesser des Konus an das Rohr an.

    Für den letzten Schliff nehme ich einen Spitzer für Riesenbuntstifte von meinen Kindern. Damit lässt sich der Konus schön rund und genau auf den richtigen Durchmesser bringen.


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    Auch hier lassen sich kleine Spitzen einarbeiten welche die Penetrationswirkung der Pfeile erhöhen.


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    Mit 3 Gramm etwas leichter, dafür etwas länger als die Nagelpfeile und somit die genauesten Pfeile welche ich bisher verwendet habe.


    Flechette Schrotladung für Blasrohre


    Die Pfeilschrotladung für Blasrohre habe ich bei Cold Steel im Sortiment gesehen und wollte dies natürlich auch gleich testen.


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    Man braucht nur ein doppeltes Hütchen als Treibspiegel und eine beliebige Anzahl an möglichst leichten Darts. In diesem Fall vier Stück.


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    Die Darts werden einfach vor das doppelte Hütchen gepackt und alles wird zusammen verschossen. Die effektive Reichweite ist lächerlich die Genauigkeit mies und man hat eine ungünstige Kombination aus einer schweren und somit langsamen Gesamtladung und sehr leichten Projektilen, was die Wirkung der einzelnen Darts stark mindert. Ob man damit ein Eichhörnchen vom Baum holt wage ich zu bezweifeln.


    Soviel zur Blasrohrmunition.


    Schusstechnik und Wirkungsgrad


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    Von allen Schussapparaten welche ich bisher verwendet habe ist das Blasrohr das mit der kleinsten kinetischen Energie. Verglichen mit einer guten Zwille bringt ein Blasrohr immer etwas weniger Geschwindigkeit bei gleichem Geschossgewicht. Der Vorteil vom Blasrohr ist, wie leicht man relativ genau damit schießen kann. Mit meiner Zwille kann ich zwar ebenso genau oder besser Schießen als mit dem Blasrohr aber die Zeit die ich gebraucht habe um so "gut" zu werden war weitaus länger.

    Blasrohrschießen ist an sich schnell erklärt. Man hält das Blasrohr vor den Mund und schaut mit beiden offenen Augen auf das Ziel. Dabei sieht man dann sowas wie oben auf dem Bild.

    Man sieht also das Rohr doppelt vor sich. Wenn beide Augen gleich stark sind ist der Zielpunkt genau in der Mitte zwischen den beiden Rohren. Das einzige was man nun abschätzen muss ist wie hoch man das Rohr anhält um in der anvisierten Entfernung zu treffen. Bei den meisten Menschen ist allerdings ein Auge stärker, dann muss man die Ziellinie etwas nach links oder rechts verschieben, was man aber recht schnell raus hat. Ich muss z.B. mit dem Ziel etwas näher ans "linke" Rohr. Wenn man ein sehr langes Blasrohr verwendet rücken die imaginären Rohrenden immer näher zusammen was das zielen mit sehr Langen Rohren zusätzlich erleichtert.


    Das größte Manko beim blasrohrschießen ist die geringe Reichweite. Die Maximale effektive Reichweite liegt bei etwa 15m, da machen die Pfeile aber schon einen deutlichen Bogen. Dinge in der Größe eines Kaninchens würde ich auf etwa 10 bis 12m noch gut treffen. Für Tauben und Krähen vielleicht 7- 10m, für alles was kleiner ist wie Eichhörnchen und Ratten würde ich sagen sind 6-8m das Maximum. Auf freiem Feld kommt man so an keinen Vogel ran, aber so lange sich die Tiere auf Bäumen befinden fühlen sie sich relativ sicher womit das mit der kurzen Schussdistanz wieder gehen müsste. Was wiederum dadurch belegt wird, dass Blasrohre ursprünglich nur in Stark bewaldeten Regionen verwendet wurden.



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    Lustiger weise ist Durchschlagskraft der kleinen Pfeile erstaunlich hoch. Der 2mm 3 Gramm Pfeil geht sogar ohne Spitze auf ca.7m glatt durch die Deodose. Das schafft eine Zwillenkugel trotz wesentlich höherer Geschwindigkeit nicht. Je nach Gewicht schaffen die Blasrohrpfeile zwischen 30 bis max 50 m/s, also ca. 2-3 Joule Energie. Da kommt eine gute Zwille locker drüber, dennoch ist die Penetrationswirkung durch die kleine Oberfläche der Pfeile relativ groß.


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    Durch den Boden der Blechdose kommen die Nägel ganz locker durch.Die leichteren Fahrradspeichen aufgrund der höheren Geschwindigkeit aber auch.


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    Wenn eine echte Spitze dran ist ist die Wirkung sogar noch höher. Hier dringt sogar der Konus mit durch die Müllermilchflasche.


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    Hier mal eine Pappscheibe auf 8 Meter Entfernung, in der Mitte sind schon ein paar Pfeile durchgegangen.


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    Und hier noch mein lebensgroßer Eichelhäher. Natürlich sind da auch immer einige Ausreißer dabei aber man sieht schon, wenn man sich Mühe gibt kommt das meiste da an wo man es haben möchte.

    Wer auf technische Hilfsmittel steht kann sich auch einen Laserpointer am Blasrohr anbringen was das zielen noch einmal um einiges erleichtern sollte.

    Mir liegt es natürlich fern die Eichhörnchen und Vögel in meinem Garten derart heimtückisch zu meucheln, allerdings macht mir das schießen mit dem Blasrohr Spaß und es soll sogar eine positive Therapeutische Wirkung auf das Lungenvolumen haben. Das man damit Kleintiere erlegen könnte ist wohl erwiesen.



    Grüße an alle ... Holger

  • Danke für den Beitrag. Ich freue mich immer über deine super Artikel. (:

    Bin selber auch ein ziemlicher Blasrohrfan, auch wenn ich gerade keins mehr habe. (Bei ner Hochzeit verloren gegangen.) Ist aber kein Ding, ich nehm einfach ein 16mm Elektriker-Rohr, das geht super. Pfeile hab ich ganz ähnlich gemacht wie du, ich hab die gehärteten Mauer-Nägel genommen, und selber Konusse (plural?) angefertigt. Ich hab mich auch umgesehen und was gesucht was günstig und passend ist, aber nix gefunden. (Gratulation zu den Ohrdingern! :D)

    Darum habe ich mir ne art Zieh-Vorrichtung gebaut, ich versuch das mal zu fotografieren. Das ist aufwändig, und funktioniert nur so teilweise..

  • Das mit der Zieh/ Pressvorrichtung habe ich auch gesehen, fand das aber auch zu aufwändig. Zumal man auch erstmal passendes Plastikmaterial und passende Negative / Pressstempel haben muss. Das krasseste war ein Typ auf YT, welcher sich extra Konen mit Drall grpresst hat. Allerdings bezweifle ich, dass das auf die kurzen Entfernungen einen großen Einfluss auf die Flugbahn der Pfeile hat.