Brennbarkeit wachs- oder ölimprägnierter Baumwollstoffe

  • Hallo zusammen,


    ich mache mir momentan Gedanken zur Imprägnierung von Baumwollstoffen. Erstmal klassischerweise Partien von Kleidungsstücken und eventuell auch ganze Zeltbahnen / Zelten. Wie ist denn eure Erfahrung mit der Entflammbarkeit solcher Stoffe? Beispielsweise mit Stoffen die mit Grünlandwachs oder Leinölfirnis imprägniert wurden. Ist Funkenflug ein Thema? ?(

  • Ja, an das habe ich auch gedacht. In dem Fall ging es aber um diese polnische Zelte und Michabbb vermutete, dass die Diesel im Einsatz war. Von Lavvus, Kohten und Jurten kennt man solch eine Brennbarkeit nicht. Parzival, Mogen und ich haben mal eine Tarpburg gebaut und da NVA-Planen verbaut. Eine Plane rutschte ab stieß an das Ofenrohr und wir haben es erst beim abbauen bemerkt. Außer einer leicht verkohlten Stelle war nichts zu sehen.


    Jetzt gibt es aber auch genügend Menschen die Kleidung mit Wachsgemischen oder Leinölfirnis behandeln. Haben die schon mit Entzündung am Lagerfeuer Probleme gehabt?

  • Ich besitze einen Reitermantel welcher mit Wachs versiegelt ist um Wasserabweisende Wirkung zu zeigen, der ist definitiv Funkenanfällig, als Ersatz einer Decke, in der Nähe von offenen Feuer ist er absolut nicht zu gebrauchen. Wenn das Feuer aus ist kommt die Zeit wo man ihn wieder tragen kann.

  • Mit wachsimpregnierter Baumwollkleidung und Funken hatte ich nie Probleme. Allerhöchstens gab es einen dunklen bis schwarzen Punkt. Die Zündtemperatur reicht einfach nicht aus. Trage ich eigendlich nur wenn es irgendwie um Lagerfeuer geht, da es keine Brandlöscher gibt und sie die Funken einfach so weg steckt. WENN der Kram aber mal anfängt zu brennen (du bist ins Feuer gestolpert oder so), dann holla die Waldfee. Allerdings wäre dann hier auch die Frage ob es einem lieber wäre, das sich schmelzender Syntetikkram in die Haut frisst.

    Mit Leinölfirnes habe ich allerdings keine Erfahrungen.

    Großflächig hab ich schon mit Bienenwachskerzen gearbeitet. Bis das geschmolzen ist, ist der Funken schon lange aus. Eine Kerze mit normalem Funkenflug zu entzünden ist ja auch nicht möglich, da bräuchte man schon die heißeren Funken eines Feuerstahls und dann braucht es auch mehrere Anläufe, bis das Wachs im Docht geschmolzen ist, auf Temperatur ist und dann anfangen kann zu brennen.

    "Die Natur kümmert sich nicht um die Menschen, welche sich nicht für sie interessieren. Aber denjenigen die es tun, denen gibt sie alles, was diese brauchen." Sylvain Tesson: In den Wäldern Sibiriens

  • Vielleicht war es ein Baumwoll-Mischgewebe oder es war ein anderes Wachsgemisch ?(  MPO schrieb er hätte Bienenwachskerzen verwendet, damit 100% Bienenwachs.


    Aus der Neugier heraus habe ich den Flammpunkt von Paraffinwachs und Bienenwachs verglichen. Der von Paraffinwachs ist 199 °C[1] und der von Bienenwachs 265 °C[1][2].


    Von Paraffinöl ist er sogar 74 °C[1].


    Leinölfirnis hat den höchsten Flammpunkt mit 315 °[1][2].


    Ich denke mal ich werde auf Paraffin verzichten und an einem alten Lappen oder einer alten Jeans experimentieren, bevor ich an die richtige Ausrüstung gehe.

  • Hallo Benedikt,

    ich habe Leinölfirnis als Lehrling bei einem alten DDR-Tischler ständig in Benutzung gehabt, weil die damaligen Fenster darin zur Imprägnierung getaucht wurden.

    Die Anwendung mit Textilien (Lappen) wurde zwar nicht verboten, jedoch entzündeten sich diese oft selbst und mussten nach Benutzung sofort im Späneofen entsorgt werden. Im "frischen" Zustand, also bis zum endgültigen Verflüchtigen der Lösemittel, ist das Zeug an Textilien nicht ungefährlich.


    Bye de Alexander


    PS: Damals gab es keine/kaum Kunstfaserkleidung, sodass die Lappen nahezu nur aus Baumwolle bestanden.

    By de Alexander


    Hoffe das Beste aber rechne mit dem Schlimmsten, so kannst du kaum überrascht / enttäuscht werden ...

  • Die Anwendung mit Textilien (Lappen) wurde zwar nicht verboten, jedoch entzündeten sich diese oft selbst und mussten nach Benutzung sofort im Späneofen entsorgt werden. Im "frischen" Zustand, also bis zum endgültigen Verflüchtigen der Lösemittel, ist das Zeug an Textilien nicht ungefährlich.

    Das stimmt. Selbstentzündung bei Trocknung ist eine Gefahr. Daher benötigt die Verarbeitung von Leinölfirnis Sorgsamkeit.


    Ich habe meinen Leinölfirnislappen immer auf den Balkon gehangen oder direkt in die Waschwaschine geschmissen. Jedenfalls sollte der Lappen nicht zusammengeknüllt oder gefaltet gelagert werden, da dann die Wärmebildung größer ist und das Risiko höher.

  • Ich würde mich auf jeden Fall über Erfahrungsberichte deiner Experimente freuen

    "Die Natur kümmert sich nicht um die Menschen, welche sich nicht für sie interessieren. Aber denjenigen die es tun, denen gibt sie alles, was diese brauchen." Sylvain Tesson: In den Wäldern Sibiriens

  • Ich habe hier auch mal auf die schnelle ein paar kleine Tests durchgeführt. Generell sollte die Brennbarkeit von Baumwollstoffen, den meisten Bushcraft interessierten wohl bekannt sein. Es handelt sich schließlich um eine recht feine Pflanzenfaser und stellt somit einen durchaus brauchbaren Zunder dar. Man denke nur an Fett oder Wachs getränkte Wattepats oder dergleichen, mit denen sicher die meisten schon mal gezündelt haben.

    Aber probieren geht über labern also zur Sache:


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    Ich habe hier zwei Stücke NVA Zeltbahn. Das Linke habe ich mit Wachs behandelt ( Müsste eine 70/30 Mischung Biene- Paraffin sein). Die verwendete Menge entspricht etwa der, welche ich auch für Kleidung verwende. Für Taschen oder Rucksäcke hätte ich noch etwas mehr genommen.

    Das rechte Stück befindet sich im Originalzustand. Die Zeltbahn wurde sicher vor langer, langer Zeit mal mit irgendwas behandelt, was sich aber kaum noch ernsthaft auf die Stoffeigenschaften auswirkt. Jedenfalls nimmt die Zeltbahn relativ schnell Wasser auf.


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    Als erstes habe ich die beiden Stücke ordentlich mit dem Mischmetallstab malträtiert. (Es waren schon einige ganz gute Funken dabei)

    Oben sieht man das unbehandelte Stück. Wenn man ganz genau hinsieht kann man ganz leichte angeschmorte Stellen erkennen. Durchgebrannt ist aber nichts und entflammen kann sich da schon gar nichts. Kunstfaser wäre hier schon lange im A.


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    Hier das mit Wachs behandelte Stück. Das Wachs ist an einigen Stellen geschmolzen und ein paar kleine braune Punkte hat es auch bekommen, aber alles in allem nichts dramatisches. Wohl gemerkt, ich habe es wirklich darauf angelegt einen Schaden zu generieren. Um am Lagerfeuer so eine Dosis Funken ab zu bekommen müsste man sich schon sehr ungeschickt anstellen. Wenn ein richtiger Glutbrocken auf dem Stoff liegen bleibt wird sich dieser aber sicher durchbrennen.


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    Jetzt der Versuch mit offener Flamme an einer Kerze. Oben das unbehandelte Stück. Nach ein bis zwei Sekunden fängt es Feuer...


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    ... und brennt mit recht solider Flamme bis zu ca. 50% ab.


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    Hier das gewachste Stück. Es entflammt sich ebenfalls in ein bis zwei Sekunden...


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    ... und brennt mit noch etwas mehr Flamme fast vollständig ab.


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    Zum Schluss noch ein Stück Jeansstoff. Dieser ist wesentlich schwerer und definitiv unbehandelt. Die dauer bis zum entflammen ist genau so kurz wie bei der Zeltbahn...


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    ... und brennt auch mit großer Flamme beinahe restlos ab. Der Unterschied zwischen den drei Proben ist überraschender Weiße marginal.

    Alle drei brennen bei direktem Kontakt zu einer offenen Flamme sehr schnell und auch ziemlich gut. Leinöl habe ich nicht getestet aber ich denke bei direkter Flammeneinwirkung wird das Ergebnis das selbe sein.


    Im nachhinein muss ich aber sagen, dass ich noch nie ernsthafte Probleme mit meiner Kleidung und Funkenflug am Lagerfeuer hatte, obwohl ich oft Mischgewebehosen oder auch mal eine Fleecejacke am Feuerchen trage. Als deutscher Bushcrafter/Gartenbesitzer, ist man ja auch eher geneigt sein Feuerchen etwas kleiner zu halten oder einen Hobo zum feuern zu benutzen. Da stellt sich das Problem mit den Funken nicht so sehr.

    Beim groben Arbeiten mit Metall wie etwa beim trennschleifen großer Stücke oder beim schmieden trage ich auch dicke Baumwollkleidung. Da wo die Funken über längere Zeit aufkommen bekommt der Stoff irgendwann Löcher, aber das dauert schon sehr lange und die Funkenbelastung, gerade beim schleifen mit der Flex ist exorbitant höher als an jedem Lagerfeuer.

    Wirklich Feuerfest ist nur Leder gefolgt von Wolle. Wenn meine derzeitige Arbeistklamotte den Geist aufgibt gedenke ich mir mal eine gebrauchte Bordjacke/ Hose der Bundesmarine zuzulegen. Diese sind zum Teil aus Aramidfasern und sollten auch relativ feuerfest sein. Ob diese auch outdoortauglich sind kann ich aber noch nicht einschätzen. Zumindest die Hose sieht aber noch einigermaßen zivil aus.


    Gruß -- Holger:winken   

  • In Fleece habe ich definitiv schon Brandlöcher gehabt. Ein Funke fliegt drauf und trotz wegwischen des Funken gibt es Brandlöcher. Das gleiche gilt für Regenjacken. Das mit der Lagerfeuergröße ist definitiv wichtig. Das war meistens an Lagerfeuern für Gruppen.