• Moin zusammen;


    Ich habe hier mal eine kurzweilige Schnitzerei für zwischendurch. Es geht um einen sogenannten "Shrink Pot" welcher als relativ robuste und sicher verschließbare Aufbewahrungsdose für allerlei Kleinkram dient. Das Teil wird recht simpel aus Frischholz angefertigt und stellt eine Alternative zum obligatorischen Löffel schnitzen am Lagerfeuer dar. Der einzige Nachteil daran ist, dass man einige sehr spezielle Werkzeuge benötigt.


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    Als Ausgangsmaterial dienen hier Ast- oder Stammabschnitte, welche weitestgehend astfrei sein sollten. Dabei dient das längere Stück als Körper der Dose und das kleinere als Deckel.

    Die Holzsorte und die Abmessungen der Dose sind dabei jedem selbst überlassen. Man sollte nur darauf achten, dass man auch über ausreichend dimensionierte Werkzeuge verfügt um den Körper der Dose vollständig auszuhöhlen.




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    Das erste eher spezielle Werkzeug welches hier Einsatz findet ist ein Knebelbohrer, mit dem ein ordentlich großes Loch vorgebohrt wird. Es geht sicher auch ohne aber irgendeine Form von Handbohrer im Schnitzbesteck zu haben erleichtert viele Dinge ungemein. Den Schraubstock braucht man natürlich auch nicht zwingend.



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    Danach beginnt man damit den Stammabschnitt von innen her auszuhöhlen.

    Hierfür verwendet man am besten ein Schnitzmesser mit langer dünner Klinge. Eien Victorinox oder Opinel geht auch, aber da sollte man schon etwas aufpassen die Klinge nicht abzubrechen.




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    Wenn man die Öffnung weit genug ausgehöhlt hat kann man auf ein leicht geschwungenes Löffelmesser umsteigen.




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    Ab da geht es dann zügig voran. Die Wandstärke sollte relativ dünn sein, damit die Dose nicht beim trocknen reist.




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    Nun kommt der schwierigste Arbeitsschritt:

    Das einkerben der Nut für den Boden, für dass ich mir extra zwei Werkzeuge improvisiert habe, welche allerdings beide recht suboptimal waren.




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    Irgendwie hat es dann auch funktioniert aber es war schon recht fummelig.

    Optimal wäre eine Art winziges Löffelmesser dessen Schneidebogen genau der Nut entspricht. Wenn ich mal ganz viel Langeweile habe werde ich mir so etwas mal Dengeln.

    Ich habe irgendwo gelesen, dass man solche Shrink Pots auch nur mit einem Messer herstellen kann, stelle mir das aber sehr schwierig vor.




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    Weil Der Boden der Dose sich beim trocknen "fest schrumpfen" soll, wird dieser nicht aus dem gleichen Holz wie der Rest angefertigt sondern aus schon trockenem Holz.

    Daher auch der Name Shrink Pot.






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    Wichtig beim einpassen des Bodens ist es, sich die Position der Teile zueinander zu markieren, um auch an den richtigen Stellen Material abzunehmen.




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    Beim anfertigen des Bodens empfehle ich dringend Schnittschutzhandschuhe zu tragen, weil man wenig Grifffläche hat und arg nah an der Klinge arbeiten muss.


    Diese Erkenntnis hat mich leider erst nach dem Verlust eines Stück Fingerkuppe ereilt.

    ... ist ja nicht so, dass die Handschuhe nicht daneben gelegen hätten. :unschuld   





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    Wenn man dann so weit ist....


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    ....kann man den Boden mit ganz sanfter Gewalt in die Nut drücken.

    Richtig gute Shrink Pots sollen sogar Wasserdicht sein. Davon ist meiner natürlich weit entfernt, aber als Kleinteilebox ist er lange gut genug.



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    Wenn der Boden sitzt kann man sich dem Deckel widmen. Dazu sägt man den Stamm rundherum bis auf die Tiefe des Innendurchmessers ein.

    Hierfür kann wieder das selbe Holz verwendet werden wie für den Körper der Dose.




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    Das überstehende Material wird nun rundherum abgespalten. Den Innenradius der Dose sollte man sich vorher anzeichnen, um nicht zuviel wegzuschneiden.




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    Nach einigem anpassen....


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    ...passt dann auch der Deckel.



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    Am Ende habe ich den Deckel noch ein wenig beigeschnitzt.



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    Wenn man den Deckel fest verschließen möchte,

    dreht man ihn einfach ein wenig. Dadurch, dass die beiden Teile nie perfekt rund sind verkeilt sich der Verschlussstopfen dabei mit der Dose, was einen recht guten Formschluss zur Folge hat.

    Um das gute Stück nun zu trocknen füllt man es mit Schnitzspänen auf und stellt es an ein schattiges Plätzchen. So lange die Wandstärken nicht zu groß und die Temperaturen nicht zu hoch sind gibt es da eigentlich keine Probleme, und der Boden der Dose sitzt nach einiger Zeit bombenfest.



    Gruß an alle -


    Holger :winken

  • Ich hatte mir das auch schon überlegt - entweder ein Holzdeckel für meine Notangel oder ein Korken - vielleicht geht das mit dem Deckel auch ganz geschmeidig, wenn man das Holz einölt mit dem Öl, wo man auch die Messergriffe mit pflegt.
    Es darf halt nicht zu locker sein, damit man nichts verliert - aber auch nicht zu fest, so dass man es kaum noch aufbekommt.

    Übrigens wieder eine tolle Arbeit.

    „Wir gehen eines Tages kaputt, weil wir zu faul sind, zu Fuß zu gehen.“ Reinhold Messner

  • Nur mal so als Vorschlag: Das Aushöhlen des Zylinders sollte doch auch mit einer Drahtsäge möglich sein? Sobald man mit einem Bohrer oder einem stabilen Nagel ein Loch entlang der Längsachse hergestellt hat, kann man den Sägedraht hindurchfädeln und dann in Laubsägemanier loslegen.

    Ich würde allerdings den Sägedraht nicht mit in die Endringe eingehakten Fingern bedienen, sondern in eine Gestellsäge oder Bügelsäge einspannen.


    Bevor jetzt jemand "Mach und berichte!" sagt: Mir reicht meine Rolle als Berater. :D