Lagerfeuerwok/Pfanne aus einer Scheibenegge

  • Der Name verrät es, so gesehen ist es auch kein Hexenwerk und MYOG vielleicht jetzt auch nicht direkt, aber zumindest ein Wiederverwendbares Abfallprodukt aus der Landwirtschaft..
    Hab das erste mal so ein Teil auf dem Treffen in Seibersbach gesehen und musste unbedingt sowas haben. Also nach der Heimreise gleich das Netz durchsucht und fast vom Glauben gefallen, als ich Preise rund um die 80€ für die fertigen Lösungen gesehen habe. Nagut, dann eben nicht.


    Mitte diesen Jahres hatte ich ein längeren Aufenthalt in den USA und habe in Austin einen Streetfoodstand gesehen wo Tortillas auf dem offenen Feuer zubereitet wurden.
    Die verwendeten ,,Pfannen" waren einfach nur gut polierte Scheiben von der Scheibenegge. Wieder daheim habe ich solche Scheiben für gerade mal 4€ das Stuck im Netz erworben. Der Transport war somit teurer als das eigentliche Produkt.


    Nun hab ich mich mit der Drahtbürste dran gemacht den alten Rost und Dreck von der Platte zu schleifen und das ganze für seine neue Bestimmung herzurichten. Im Laufe der nächsten Woche wird die Schruppscheibe die restlichen Verfärbungen und Kratzer auspolieren und ich kann mich ans einbrennen machen. Ein Bekannter wird mir dann noch einen Griff anschweißen, und ein Dreibein ais der Reanactmentszene wird besorgt. Die Löcher werde ich vorerst nicht zu schweißen lassen, weil ich sie doch Recht praktisch finde. So kann überschüssiges Fett gleich ablaufen.

  • Die Idee finde ich mal richtig gut!
    Woher bekommt man diese Scheiben? Hab gerade auf E-Bay geguckt und nix gefunden. Kann aber sein, dass ich nicht den richtigen Suchbegriff verwendet habe.


    Ich hatte mal mit dem Gedanken gespielt mir so eine Pfanne selber zu dengeln. Hab das aber verworfen, weil es wirklich ein riesen Haufen relativ anspruchsvolle Arbeit darstellt so eine Pfanne von Hand zu schmieden. Zu dem braucht man ein paar sehr spezielle Werkzeuge und ein Stück Schwarzblech in der Abmessung ist auch nicht gerade billig.


    PS; Nimm nicht die Schruppscheibe, die ist viel zu grob. Damit ruinierst du nur die Oberfläche. Hohl dir lieber eine Lamellenscheibe in 100er bis 200er Körnung.

  • krupp


    Das ist richtig, die Scheibe ist gewölbt das wird auf dem Bild hoffentlich jetzt auch gut zu sehen sein.
    Es sind an der Außenseite gemessen ca 3cm Höhe vom Rand.


    @ Skuzzlebud
    Danke für den Tipp mit der Fächerscheibe, werde ich definitiv vorziehen,
    Ich habe selbst auf Kleinanzeigen nach Eggenscheiben, oder Pflugschärfblättern geschaut, die Anbieter sind teilweise nicht so bewandert was sie selbst verkaufen. Am besten nach Agrar Großmaschinen und deren Ersatzteilen schauen.
    Sind relativ schwer zu finden.

  • Vielen Dank, das Du uns teilhaben läßt. Ich bin jezt schon gespannt auf die ersten Berichte zur praktischen Anwendung. Besonders die Idee der nicht geschlossenen Löcher interessiert mich sehr. Bitte poste Deine Fortschritte auch weiterhin.


    viele Grüße
    Nick

  • Der Suchbegriff wäre beispielsweise "Tellerscheibe Scheibenegge" (ggfs. ungezahnt). Die sind leicht gewölbt, je nach Anbieter (etwa Industriehof) kann man sogar die Wölbung wählen. Neu sind die natürlich tlw. bös teuer, besser ist es, nen Landwirt oder Landmaschinenhändler nach gebrauchten Teilen zu fragen. Dann hat man aber natürlich meist nicht so eine große Auswahl... Dafür sind die bei identischem Durchmesser leichter, durch den Verschleiß ^^



    Ich würde die Löcher schließen. Denn das Fett oder Öl hat dort durchaus eine wichtige Funktion, so kann man sehr heiß kochen (vorsicht: überschwappendes Öl ist halt brandgefährlich...) und dann das Bratgut darin häufig wenden. So schließen sich die Poren schnell und das Fleisch (so es sich um solches handelt) bleibt saftig.


    Hier ist meine:

  • Seh ich auch so. Die Grundidee eines Woks ist es ja gerade eben dass Öl hoch erhitzt werden kann. Läuft dir dasss durch die Löcher ins :lagerfeuer , hast du einen wunderbaren Brandbeschleuniger. Auch das klassische Einbrennen gestaltet sich mit Löchern schwierig. Dazu braucht man ein Menge Öl und wenn dir das ins Feuer kommt......... Dann gibts nicht nur einen angebrannte Wok, sondern auch einen stellenweisse angerösteten Blumenstein und sowas wollen wir ja lieber nicht. ;)

    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.

  • Seh ich auch so. Die Grundidee eines Woks ist es ja gerade eben dass Öl hoch erhitzt werden kann. Läuft dir dasss durch die Löcher ins :lagerfeuer , hast du einen wunderbaren Brandbeschleuniger. Auch das klassische Einbrennen gestaltet sich mit Löchern schwierig. Dazu braucht man ein Menge Öl und wenn dir das ins Feuer kommt......... Dann gibts nicht nur einen angebrannte Wok, sondern auch einen stellenweisse angerösteten Blumenstein und sowas wollen wir ja lieber nicht. ;)



    Naja das hatte ich schon, hat mich 30cm Bart und die Augenbrauen gekostet :lol
    Hab mich was die Löcher angeht auch umentschieden und lasse sie vom bekannten verschweißen. Weitere Informationen teile ich sobald sie zum schweißen abgegeben wurde, und die Oberflächenpolitur abgeschlossen ist!

  • Hallo zusammen;


    Ich entere mal einfach den Beitrag hier, weil meine Eggenpfanne inzwischen fertig ist und ich euch die Einzelheiten der Konstruktion gerne bildlich näher bringen möchte.


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    Zu allererst, braucht man natürlich eine Eggenscheibe. Die Dinger gebraucht, und so mit sehr günstig zu erstehen, ist schon mal gar nicht so einfach. Der Blumenstein hat mir zwar freundlicherweise einen Link auf ebay Kleinanzeigen gegeben, wo einer gebrauchte Eggenscheiben für zehn Euro plus Versand verkaufen wollte, welche sicher auch funktioniert hätten, aber die Form hat mir nicht so ganz behagt und es waren relativ viele große Befestigungslöcher in der Scheibe. Weswegen ich mich noch ein wenig umgesehen habe und eine preisreduzierte neue Scheibe für rund zwanzig Euro plus Versand gefunden habe, welche mir wegen der Form und der geringen anzahl der Löcher besser zugesagt hat.

    Wer es genau wissen will: Es handelt sich um eine Teller Eggenscheibe der Marke Granit in den Maßen 460 x 4mm passend für die Amazone und den Centaur - :lol:schäm   Oh Mann, Hauptsache mal völlig unspektakulären Dingen gewaltige Namen geben!   


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    Der Nachteil an neuen Scheiben gegenüber gebrauchten ist, neben dem höheren Preis, dass die dicke Farbe noch komplett dran ist.

    Ich habe diese erstmal mit dem Winkelschleifer und einer 180er Lamellenscheibe grob auf beiden Seiten runter geschliffen.


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    Kennt noch einer den alten Kampf der Titanen Film, in dem Perseus und seine Mannen ihre spiegelnden Schilde benutzen um gegen die Medusa kämpfen zu können? - Ich schwöre die hatten genau solche Eggenscheiben!!!


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    Um die Löcher zu stopfen habe ich mir vier Pinn´s von einer Stange abgeschnitten.


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    Die Löcher hatten einen Durchmesser von 13mm. Ich hatte aber nur 12er Rundmaterial rumliegen, also habe ich die Pin´s einfach in die Löcher gesteckt und mit dem Hammer platt geschlagen bis die Löcher quasi vernietet waren.


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    Danach habe ich die Pin´s noch eingeschweißt. Eigentlich wollte ich die Nähte wieder glatt schleifen habe da aber immer wieder leichte Undichtigkeiten gehabt. Ich habe es ein paar mal versuch, hatte aber irgendwann die Faxen leid, und habe unten am Boden die Schweißnähte stehen lassen. Das sieht nicht sehr elegant aus, hält aber dicht. Um die Nähte flach zu bekommen hätte man an Löcher und Pin´s eine Phase schleifen, und die somit entstandene Nut mit der Elektrode auffüllen müssen. Bei vier Millimeter Materialstärke ist das eine arge Fummelarbeit und birgt die Gefahr ein Loch in die Platte zu brennen, also habe ich es lieber so gelassen.


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    Für die Griffe habe ich mich dann ein wenig in der Schrottecke bedient, und für den Hauptgriff die Aufhängung einer alten Schuppentür, und für den Griffbügel ein Reststück 8er Vierkant verwendet.


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    Etwas zurechtgedengelt sieht das dann so aus. Das hätte man bestimmt auch schöner machen können, aber bei Utensilien welche so haltbar sind, dass sie einen wahrscheinlich überdauern, sollte man meiner Meinung nach nicht übertrieben pingelig sein. Die Ästhetik liegt da in der Funktion.


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    Eigentlich hatte ich auch vor die Griffe festzunieten, was den archaischen Look noch etwas mehr betont hätte, allerdings hätte ich dann die Löcher Bohren und die Nieten noch anfertigen müssen, was zeitlich einen gewissen Aufwand bedeutet hätte. Zumal meine Frau am meckern war: Ich solle endlich Rein kommen!! X(

    Also habe ich in meiner Not die Griffe einfach angeschweißt, was sicherlich auch die nächsten 376 Jahre halten wird.

    Ein schöner Zufall ist, dass die Pfanne genau auf meine Feuerstelle passt.


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    Um die Pfanne ganz sicher von allen Lackresten zu befreien habe erstmal einen Haufen Reisig in der Pfanne abgefackelt um diese danach mit dem Drahtbürstenaufsatz der Bohrmaschine nochmal gründlich zu reinigen. (Da habe ich leider keine Bilder von)

    Anschließend habe ich dann die Pfanne ganz klassisch mit Öl eingebrannt.


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    Den Jungfernflug hatte die Pfanne dann mit einem etwas abgewandeltem Pilz-Paprika-Zwiebel Gyros. Ich schätze mal, dass man ca. vier Liter Volumen an klein geschnibbelten Sachen flach auf der Pfanne ausbreiten kann. Das war bei meinen normalen Pfannen immer blöd weil das Essen da irgendwann nur noch kocht und nicht brät, wenn man zu viel in der Pfanne hat. Allerdings muss man hier etwas aufpassen, das nichts über den Rand fällt, weil dieser sehr flach ist.


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    Mit Beilagen ausreichend für 2,5 Personen. Ich hätte es aber auch alleine geschafft.;)

    An Steaks oder Würstchen hätte aber sicher auch genug für sechs bis acht Personen reingepasst. Wenn die Jungs mal groß sind wird das mit dem Gyros allerdings eng. Dann muss ich nochmal ran; Nur gut, dass es die Dinger bis 700er Durchmesser gibt.:eek

    Blöd ist nur wenn man der ist welcher hinterher, bei Dunkelheit und Kälte, raus muss um das Teil zu reinigen. Weil in die Spüle passt auch die "kleine" 460er schon nicht mehr. Mit einem stück Stahlwolle und ein paar Blättern Küchenpapier geht das aber auch relativ schnell und einfach, sogar ohne Wasser. Ein bisschen Ölfilm soll ja drinnen bleiben damit das gute Stück nicht rostet.


    Der Vollständigkeit halber- Hier noch das Rezept für mein "Gyros"


    500g Schweinenacken

    4 -6 Mittelgroße Zwiebeln

    2 Große rote Paprika

    250g Braune Champignons

    3 -4 Zehen Knoblauch
    Alles klein geschnitten in eine Schüssel packen


    5-6 EL Sonnenblumenöl

    1 El Zitronensaft

    1 EL Sojasauce

    2 TL Salz

    1TL pfeffer

    2 El Paprikapulver edelsüß

    1 El Zwiebelpulver

    1TL Kreuzkümmel

    2 EL Kräuter der Provence -wer die nicht hat kann auch Majoran oder Oregano nehmen


    Alles gut vermengen und für ein paar Stunden oder über Nacht in den Kühlschrank packen.


    Danach nur noch in die Pfanne schmeißen. Dazu serviere ich Krautsalat, viel Zaziki und geschnittene Tomaten.


    Bon appetit und Grüße an alle! - Holger:winken

  • Jetzt noch Saiten dran befestigt und fertig ist die Balalaika. :lol


    Da ist Dir ein Prachtstück gelungen, Respekt! Mit dem Hauptgriff und dem Griffbügel ist es nicht nur eine (fast) gewöhnliche Pfanne, sondern ein richtiger Hingucker geworden. Das Ding an den Bushcrafter-Rucksack gebunden und Du bist die Attraktion auf jedem Treffen.

  • Meine Pfanne ist nun auch fertiggestellt!

    Es fehlt zwar so etwas wie ein Griff, aber dafür ist eine Aufstellung an oder neben der Feuerstelle möglich, und auch mein Holzvergaser passt noch darunter. Zum einbrennen werde ich wohl die Petromax Einbrennpaste verwenden. Die Beine werden für Transport und Lagerung einfach abgenommen.