Lahm aber lebend

  • Hallo zusammen,


    das Wort Notnahrung ist ja in der Bushcraftszene recht beliebt, aber mal ehrlich, wenn ich tatsächlich in Not gerate und mit einem gebrochenen Bein irgendwo in der Wildnis liege wird es schwierig eine Kräuterwanderung zu unternehmen.


    Was würdet ihr versuchen um euch mit einem gebrochenen Bein zu ernähren? Was würdet ihr mitnehmen um für so einen Notfall eure Nahrung zu sichern? Was würdet ihr für eine Falle bauen? Um was zu jagen? Was sollte man wissen?


    Beispielsweise kann man mit einer Rattenfalle und einer Ecke von einem Schokoriegel recht erfolgreich Eichhörnchen jagen (hab ich mir sagen lassen).


    Ciao,
    Isidor

    Den Wald findest du nicht im Internet, geh raus! Wenn du schlau bist, nimm nenn Müllsack mit, dann wird der Wald mit jedem Besuch schöner.

  • Na ja, 9 Zehntel vom Schokoriegel und ein gebratenes Eichhörnchen ist doch in einer Notsituation noch besser, oder?

    Den Wald findest du nicht im Internet, geh raus! Wenn du schlau bist, nimm nenn Müllsack mit, dann wird der Wald mit jedem Besuch schöner.

  • Grau ist alle Theorie.


    Probier´s doch einfach aus und berichte!
    Mußt die Falle ja nicht scharf machen.
    Aber dann könntest Du wenigstens die Eichhörnchen
    zählen.


    Wieviel Kalorien hat eigentlich ein Eichhörnchen?

  • Fast jede Art der Nahrungssuche setzt eine gewisse Mobilität voraus. Ein gebrochenes Bein ist da schon ein sehr extremes beispiel. Ein über längere Zeit unbehandelter Knochenbruch ohne starke Schmerzmittel, nimmt dir sehr wahrscheinlich schon aufgrund der starken schmerzen den Antrieb zum Jagen und Fallen stellen.
    In einer von dir beschriebenen Situation ist verhungern aber auch nicht das große Problem. So lange du genug Wasser hast und dich nicht übermäßig körperlich anstrengst, kannst du schon relativ lange ohne Nahrung überleben. Ein gutes beispiel dafür sind z.B. verschüttete Erdbebenopfer, welche das "Glück" hatten neben einer Wasserleitung oder der gleichen eingeschlossen worden zu sein. Solche Personen wurden schon nach über einer Woche lebendig geborgen. Unter günstigen Bedingungen geht das auch noch viel länger.


    Die einfachste Nahrungsquelle bieten aber meiner Meinung nach immer noch Pflanzen, dicht gefolgt von Insekten. Das hängt aber alles sehr stark mit der Region und Jahreszeit zusammen.Häufig zu finden sind z.B. Löwenzahnwurzeln oder Eicheln vom Vorjahr. Im Sommer und Herbst kommen dann die ganzen Beeren, Nüsse und Samen.


    Wenn es unbedingt etwas Fleischiges sein soll, empfehle ich Grashüpfer, Käferlarven aus Totholz oder Ameisen. Gehäuseschnecken gehen auch noch. Lebende Nahrung sollte aber immer durchgegart werden, dar viele Insekten Parasiten übertragen können. Ameisen sind zum Beispiel ein Zwischenwirt für den Leberegel. Schnecken können eine ganze Reihe von Krankheitserregern und Endoparasiten übertragen.


    Wenn es was größeres werden soll, ist es am einfachsten ein paar Meter Angelschnur und ein paar Haken mitzunehmen. Die wiegen fast nichts und man kann die Angelschnur auch für andere Sachen verwenden. Kleine bis mittlere Weißfische, Barsche oder Forellen lassen sich noch ganz gut nur mit Stock, Schnur und Haken fangen.


    Fallenjagt ist immer so ´ne Sache; Die meisten Fallen sind sehr aufwendig in der Herstellung und setzen voraus, dass man viel Zeit hat und die Gegend und die Gewohnheiten der Tiere gut kennt. Die wohl einfachste und effektivste Falle ist die einfache Kaninchen Schlinge, welche in die Laufwege oder vor die Bauöffnungen gestellt wird.
    Wilderer verwenden Messingdraht weil dieser schnell einschneidet und die Tiere ihn nicht durchbeißen können. Normale Nylonschnur sollte aber auch gehen weil die Tiere meist versuchen panisch zu flüchten und sich somit selbst strangulieren. Das solche Schlingen eine riesen Tierquälerei sind versteht sich dabei wohl von selbst.

  • Wenn man mit einem gebrochenen Bein oder vergleichbarem in der menscheleeren Pampa rumliegt....


    Also mal ehrlich, das Futter ist da das geringste Problem. Einige Tage hält man schon ohne Futter aus, und wenn man bis dahin nicht gefunden wurde ist die Nahrungsaufnahme höchst nebensächlich.

  • Skuzzlebud Vielen Dank für deine Antwort. Mir ist klar, dass eine Schlingenfalle Tierquälerei ist und nur in einer echten Notsituation angewendet werden sollte. Eicheln und Löwenzahnwurzeln klingt super, im Mittelalter waren Eicheln ein fester Bestandteil der Ernährung. Ich würde der Liste noch die Wurzel von Rohrkolben und großer Klette hinzufügen.


    supi Du gehst von Touren aus, bei denen man vermisst wird, wenn man am Abend nicht ins Camp zurück kommt. Meine Intention ist jedoch das Leben in der Wildnis, bei dem man von niemandem gesucht wird. Da möchte man vermutlich auch überleben und zwar bis das Bein verheilt ist.

    Den Wald findest du nicht im Internet, geh raus! Wenn du schlau bist, nimm nenn Müllsack mit, dann wird der Wald mit jedem Besuch schöner.

  • "Überleben bis das Bein verheilt ist"... Ich denke mal in den meistens Fällen kannste das knicken. Ein gebrochenes Bein ohne Medizinische Versorgung heilen lassen... Uff
    Ich hatte als Kind mal nen Autounfall und neben ein paar anderen Verletzungen auch das Bein gebrochen. Der Oberschenkel war in der Nähe der Wachstumsfuge an drei Stellen gebrochen. Zwei der Brüche waren glatt, einer mit leichter Splitterung. Zudem war die Kniescheibe mehr Puzzle als Scheibe. Das Ganze wurde mit mehreren Schrauben / Platten und Nägeln (bis zu 8cm lang) gerichtet und fixiert. Ich war eine Woche auf Intensiv, 7 Wochen insgesamt im Krankenhaus, hatte den Gips vom Bein fast 4 Monate und im Anschluss noch 8 Monate lang Krankengymnastik / Reha.
    Was ich damit sagen will: keine Notnahrung kann so gut sein, dass man sowas übersteht. Angefahren wurde ich mit nur ca. 30 km/h. Bei einem Sturz kann man nach nur ein paar Metern schon höhere Geschwindigkeit erreichen. 4 Meter fallen = ca. 8,85m/s = ca. 32km/h
    Das wichtigste überlebens Utensil, meiner Meinung nach, bei einer Tour in menschenleeren Gebieten sollte also immer ein Gerät zur Kommunikation mit der Außenwelt darstellen.

  • Für mich ist die Frage etwas falsch gestellt.


    Vorrangig würde ich mich um eine adäquate Ruhigstellung der Fraktur kümmern. Ansonsten dürfte aufgrund der Schmerzen eh der Appetit vergehen. Und bis eine solche Verletzung auch nur bewegungsstabil ist, vergehen minimum 6 Wocchen. Dazu noch improvisierte Gehstützen und eine gewisse Mobilität ist gesichert.


    Ob mit pflanzlicher Notnahrung eine ausgeglichene Ernährungsbilanz erreichbar ist??? Dies ist zudem noch jahreszeitenabhängig. Also muss tierische Nahrung her. Angeln halte ich für erfolgversprechender als jagen.

  • ich kann aus Teil-Erfahrung sagen wenn Du was gebrochen hast ist Nahrungssuche mit Sicherheit das letzte Problem das Du hast, ich hatte vor Jahren bei einer Tour nach einem Sturz nur das linke Zehengelenk gebrochen (macht heut noch Probleme) und musste damit noch ca. 3km Weg zurücklegen ! da hätten Schnitzelwecken oder Zwiebelrostbraten rumliegen können da war mir sicher nicht nach essen, das einzige was ich zwischen die Zähne genommen hab war mein Dreieckstuch zum draufbeissen, einzige Ausnahme hätte ich bei einem Hefeweizen oder Radler gemacht ! weil verdurstet ist man gleich! es wurde schon erwähnt dass Nahrungssuche Beweglichkeit erfordert und dann irgendwelche Fallen zu bauen und Wild damit erlegen würde da nur irgendwelchen Hollywood-Helden gelingen ,ich würde alleine versuchen den Bruch zu schienen ,eine Krücke als Gehhilfe versuchen zu machen und/oder ein Feuer versuchen zu machen, da wird man eher gefunden bis das ein Eichhörnchen in der Falle hängt und ich habs probiert mit dem Schokoriegel denn ein Eichhörnchen plündert immer bei uns das Vogelhäusschen, ich hab ein Stück Mars und Milkyway hingelegt aber die "Bommratz" hat das links liegen gelassen vielleicht hätte ich auch ein Snickers nehmen sollen (wegen der Nüsse) und die Schmerzen kannst Du simulieren indem Du Dir einen Reissnagel in den Ballen trittst dann deine Schuhe drüber anziehst und ganz normal läufst und dannin den Wald eine Falle bauen ! da gibt's ein Lied darüber "dieser Weg wird kein leichter sein.......................................

  • Ich durfte leider auch schon persönliche Erfahrungen mit Splitterbrüchen machen, daher ist mir klar, mehr als einen einfachen (nicht offenen) Bruch übersteht man allein nicht. Vielleicht hätte ich meine Frage anders formulieren sollen. Ich frage mich immer, wie die Trapper früher in der Wildnis überlebt haben und würde mir gern so viel Wissen aneignen, dass auch ich in der Wildnis überleben könnte. Ihr habt sicher schon mal von Agafja Lykov gehört?


    https://www.vice.com/de/articl…agafias-taiga-life-part-1


    Ich würde gern wissen, wie man so, in völliger Abgeschiedenheit überlebt.

    Den Wald findest du nicht im Internet, geh raus! Wenn du schlau bist, nimm nenn Müllsack mit, dann wird der Wald mit jedem Besuch schöner.

  • Sicher heilen Knochenbrüche auch in Gegenden mit sehr schlechter medizinischer Versorgung.
    Der entscheidende Faktor ist dabei, ob du jemanden oder besser mehrere Personen hast die dich so lange Pflegen bis du wieder alleine "auf die Beine kommst".
    Auch die Trapper waren sicher nicht gerne alleine unterwegs. Der Mensch ist eben von Natur aus ein Herdentier.


    Leute welche mehr oder weniger absichtlich ein Eremitendasein führen, haben heutzutage meist zumindest ein Kommunikationsmittel um im Notfall Hilfe rufen zu können.