Buchenkompass

  • Servus Leute,


    man ließt ja allerlei über Himmelsrichtung bestimmen durch den Moosbewuchs an Bäumen. Ohne mir irgendwas durchzulesen zu haben und nur mit dieser groben Information im Hinterkopf habe ich mir gestern spontan mal diverse Bäume angesehen.


    Ich bin mit der Vorstellung ran, dass da schöne Moosballen verstärkt dran sein müssten. Dem war nicht so. Moosballen waren an allen Seiten dran, fast nur auf den Wurzeln. Nur an Buchen ist mir ein wiederkehrendes Muster aufgefallen.


    Ich habe nur an Buchen feststellen können, dass gut sichtbar auf der Südseite eher mal trockene Stellen waren. Auf der Südseite waren auch deutlich weniger Flechten (helle Flecken) und kein Moosbewuchs.


    Interessant wurde es an der Nordseite. Dort fiel mir als erstes auf, dass es deutlich mehr Flechten gab. Als zweites bei genaueren hinsehen ist mir ein feines vertikales Moosband aufgefallen. Hier im Bild schön zu sehen rechts und links braun mittig grün. Dieses Moosband war meist im Norden, manchmal aber mit der Tendenz nach Nord-Westen.


    Die Moosschicht war ganz fein. Hier ein paar Nahaufnahmen.




    Beide Seiten haben sich auch unterschiedlich angefühlt. Die Nordseite war durch das feine Moos, moosweich und moosglitschig. Die Südseite rau und griffig, auch an den feuchten stellen.


    Sicher ist die Methode nicht präzise, aber grob kann man sich daran orientieren. :kartecomp


    Wer hat sich das mal angesehen? Wie sind eure Erfahrungen mit dieser Art der Bestimmung?

  • Also blind würd ich mich darauf nicht verlassen. Das kann je nach Areal doch sehr wechseln. Stichwort: Wetterseite, Hauptwindrichtung etc.

  • Für sich alleine ist das meiner Meinung nach zu Standortabhängig auch wenn es mit der "Wetterseite-West" bei uns meissten hinhaut.
    Umso mehr solcher Indikatoren man kombiniert umso höher wird die Warscheinlichkeit das man richtig liegt,
    vorallem wenn man die Gegend kennt.
    Stichwort "Windflüchter" wäre noch so ein Anhaltspunkt an dem man sich orientieren kann wenn man die vorherrschende Windrichtung in der Region kennt.
    Das müssen keine so extremen Wuchsanomalien sein wie auf den Bildern im folgendem Wikipedia-Link, im dichten Wald ohnehin eher garnicht,
    aber wir haben bei uns eine Heidelandschaft wo man das durchaus gemäßigt beobachten kann.
    WIndflüchter Wikipedia :winken

  • Am Waldrand würde ich keine Bestimmung mittels Moos vornehmen. Da ist einfach die Abhängigkeit vom Wind zu hoch. Wind trocknet den Stamm, genau wie Sonnenlicht, recht schnell. Aber im Wald drin, soweit der nicht zu dunkel ist (also eben z.B. Buchenwald), ist das durchaus möglich. In Bodennähe ist es überall feucht, dort kann man das Moos rund um den Stamm finden. So etwa ab 50cm Höhe wird der Bewuchs "verläßlicher". Dort wo viel Licht und Wärme in Verbindung mit geringerer Feuchte ist, da wächst kein Moos. Und das ist bei uns nun mal grob Richtung Süden. Demnach findet man das Moos am Stamm nur in nördlicher Richtung.


    Laubwälder sind am Boden hell, ideal für Moos, welches wirklich Licht braucht. Nadelwälder sind eher dunkel, da findet man seltener Moos am Stamm. Buchen haben eine relativ glatte Borke, das Moos ist besser zu finden, auch wenn der Bewuchs sehr mager ist.


    Bei uns im Eldsandsteingebirge geht diese Bestimmung der Himmelsrichtung auch gut an den Felsen. Moos ist dort niemals in Südrichtung, alle anderen Himmelsrichtungen können Moosbewuchs aufweisen. Somit findet man gut wenigstens die Südrichtung. Und genau so gehts auch an Bäumen. Wo das wenigste Moos ist, da ist Süden.


    Beides zusammen, Nord- und Südrichtung anhand der Merkmale bestimmen, klappt fast zuverlässig. Je mehr man sich umschaut und erkennt, desto sicherer wird die Bestimmung. Dazu kommt noch ein Blick nach oben. Wo die Sonne mittags ist, wo es am Himmel mittags am hellsten ist, da ist Süden. Oder die Schattenmethode: An einer freien Stelle senkrecht einen nicht zu dünnen Stock senkrecht aufstellen (der Untergrund sollte idealerweise weiß sein, Papiertaschentuch oder so). Und man sieht einen Schatten, auch bei bewölktem Himmel. Sehr schwach, aber sichtbar. Klar, bei Sauwetter funzt das nicht....


    LG Sel

    Meine Grundsätze:
    ...Gerne darfs ein Kilo mehr sein bei der Ausrüstung...
    ...Je älter die Techniken, desto mehr mußten sie sich bewähren...
    ...Sehr viel kann man selber bauen, man muß nicht immer alles kaufen...

    (auf Grund meiner starken Sehbehinderung bitte ich das häufige Editieren meiner Beiträge zu entschuldigen)

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  • Danke für Deinen Beitrag, Benbushcraft. Ich wollte mir schon lange mal ansehen, inwieweit ich in meiner Gegend der Moosmethode trauen kann.
    Du hast mir den Anstoß gegeben, es endlich mal zu tun. Kompaß, Stift und Notizbuch habe ich schon bereitgelegt. Wenn ich am Wochenende an die frische Luft gehe, werde ich mit der Studie beginnen. Himmelsrichtung messen, aufschreiben und kurze Beschreibung des Standortes (allein stehend, Waldrand, mitten im Wald). Wenn man genug Daten gesammelt hat, kann man Schlüsse ziehen.
    Wir verlassen uns viel zu viel auf Bücher und sammeln zu wenig eigene Erfahrungen.

  • Ich war heute im Wald unterwegs und habe mal drauf geachtet und gesehen das bei dicht neben einander stehenden bäumen das moos mal auf der seite gewachsen ist mal auf der mal auf allen seiten also da war keinerlei muster zu erkennen an dem mann die himmelsrichtung ableiten könnte


  • "Mannfelder Platte" oberhalb des Süßen See´s .


    Hier mal ein bsp aus meiner Gegend, ist zwar keine Buche ^^ , wo man den Windwuchs schon gut sehen kann.
    Das ist allerdings auch eine erhabene Stelle mit viel Westwind dementsprechend die Ostneigung.
    Kann man dort auch bei Sträuchern beobachten.
    Auch das ist kein sicheres Indiz, auch die Bodenbeschaffenheit kann für solchen Wuchs sorgen zb bei weichen, feuchten Böden in Ufernähe,
    in dem Fall ist es aber ziemlich sicher "Windflucht" zumindest meiner Meinung nach.
    In höheren Lagen kann man das häufiger beobachten bei Freistehenden Bäumen.

  • Bei "meinen" Buchen ist da schon ein großer Unterschied an der Lage.


    Bei deinen Bildern sieht die Lage relativ eben aus.


    Am steilen feuchten Nordhangschluchtwald kann ich da kaum noch einen Unterschied der Seiten ausmachen.
    Da muss ich aber auch echt noch mal raus und Notizen machen. Wäre interessant was da alles für Abweichungen bei rauskommen.

  • Heute mal kurz ein (leider ernüchternder) Zwischenbericht:
    Ich habe mir mal den Moosbewuchs an Straßenbäumen in der Stadt angesehen. Die etwa 10 m breite Straße verläuft ziemlich exakt in West-Ost-Richtung, am Bord stehen alte Linden. Der anschließende Gehweg ist jeweils ca. 6 m breit und wird von einer sechsgeschossigen Häuserfront begrenzt.
    Die auf der nördlichen Straßenseite stehenden Linden zeigen einen deutlichen Moosbewuchs und zwar exakt auf der Nordseite. Man könnte fast den Kompass danach kalibrieren.
    Die Bäume auf der Südseite der Straße sind auch stark bemoost. Aber halt! Das Moss befindet sich hier exakt auf der Südseite des Baumes.
    Meine Schlußfolgerung für diesen konkreten Standort: die Himmelsrichtung spielt gar keine oder eine völlig untergeordnete Rolle. Vielmehr scheint hier die Lage der Hauswände entscheidend zu sein, da jeweils die hauszugewandte Seite der Bäume moosbewachsen ist. Vielleicht ist es die Wärmeabstrahlung der Hauswände? Aber bei ca. 6 m Abstand? Der Windschatten? Aber das feuchtigkeitsliebende Moos sollte doch eher auf der Regenseite wachsen. Ich finde keine logische Erklärung.


    Mal schauen, wie es bei freistehenden Bäumen, am Waldrand und im Wald aussieht.

  • Heute im Wald mit Hund auch mal die tieferen Hintergründe des Buchenkompasses erforscht. Die heimische Region ist geprägt von vielen Tälern, Bachläufen, Mischwäldern und immer Gebieten mit vielen Buchen. Durch die vielen Täler, unterschiedlichen Windverhältnissen und topografisch bedingten Sonneneinstrahlungen ist eigentlich jede Ecke komplett anders. Das Moos wächst wo es den jeweiligen Bedingungen entsprechend am liebsten wächst. Eine bestimmte Himmelsrichtung interessiert das Moos aus meiner Sicht wenig.

    "Das Leben leicht tragen und tief genießen ist ja doch die Summe aller Weisheit." Wilhelm Humboldt, 1767-1835

  • eins hab ich noch ^^ von Süd nach Nord, bzw Südhang.
    Ein eher sonniges Plätzchen aber auch sehr feucht, wie der gesamte Wald rund um die Kuppe.
    Dort kann man fast an jedem Baum und auch an den Felsen bewuchs in alle Richtungen feststellen.


    Ich habe die Sättigung etwas erhöht so sieht man es schöner.



    Ich vermute das dort die Mutterbodenschicht nicht sehr dick ist und dementsprechend wenig Wasser aufnehmen kann.
    Man sieht auch oft, wie an dieser Stelle, den Porphyr durchbrechen.
    Vielleicht ist das die Ursache für den doch sehr feuchten Boden, was man auch im Sommer noch deutlich wahrnehmen kann
    (sind nur so Überlegungen).
    Ich kenne auch noch ähnliche Stellen mit Moos und Flechten in allen Himmelsrichtungen an Bäumen und Felsen,
    diese haben eines gemeinsam: sie sind alle relativ feucht, eine direkte Sonneneinstrahlung wie auf diesem Bild jedoch nicht unbedingt.