Umbau schwedischer Gestellrucksack

  • Nabend !


    Ich bin ein Fan dieser meist skandinavischen Rucksäcke mit aussenliegenden Tragegestell. Zum einem aus rein nostalgischen Gründen, zum anderen weil der Rücken deutlich besser belüftet wird(leider tragen sie auch mehr auf, verlagern die Last mehr vom Rücken weg), des weiteren eignet sich der Rahmen durchaus als Hilfkraxe, oder Hilfshocker in öffentlichen Verkehrsmitteln. (einfach stumpf oben auf die Kante setzen, besser als nix) Ich schleppe auch im Alltag deutlich mehr Gerödel spazieren als es die meisten tun. Unter anderem eine 3,5 Liter Otterbox, und darunter den BW-Poncho, sowohl als Polsterung als auch als Näßeschutz im Fall der Fälle. Kleine Vorbemerkung: vollbeladener Rucksack mit Poncho ganz unten + pötzlicher Regen = Mist.


    Der LK 70 den manche vlt schon bei mir gesehen haben ist durchaus praktisch, aber nun ja, er ist mir zu eckig und modern (und etwas zu gross für den Alltag). Ich habe eine ganze Weile quasie als EDC den schwedischen M39 getragen, er ist wie das Einführungsjahr verrät ziemlich rustikal, aber ist eigentlich eine "Sparversion" eines Vorgängermodells. Vermutlich liegt die Ursache seiner fehlenden sonst Schwedenrucksack-typischen Überladbarkeit (200%+ min.) darin begründet. Der Nachfolger den ich aufgrund mir unbekannter Bezeichnung einfach mal als "Rucksack ST" bezeichne bietet deutlich mehr Stauraum, ist wie der M39 aus imprägnierten Segeltuch, bietet aber im Gegensatz zum M39 und dem norwegischen Jägerrücksack die wichtige Möglichkeit den Beckenriemen nachzustellen. Bei den anderen ist er aufgenietet, das heisst wenn sich der Riemen durch Belastung längt, beginnt irgendwann das Stahlrohr am Rücken anzuklopfen. Allen dreien ist wie den meisten militärischen Rucksäcken ihrer Zeit der Kurze Rücken gemein, um den Rucksack über einem Koppel (also oberhalb) tragen zu können. Dieser kurze Rücken verbunden mit dem weit nach hinten ausladenden Rucksack-Sack des "Rucksack ST" und seiner hohen Überladbarkeit machen daraus einem schönen Hohlkreuz-Generator (soll heissen ist Kacke). Des weiteren hat der "Rucksack ST" eine vielleicht im Schneesturm praktische aber hässliche kastenförmige Deckelklappe.


    Ziel/Forderung:
    -ein klassischer Rucksack mit dem typischen "A"-förmigen Aussengestell,
    -Deckelklappe so weit möglich auch klassisch rund(Schildkrötenform)
    -langer Rücken, um Druck von Lendenwirbel mehr auf Beckenknochen zu verlagern,
    -inne Fixierung für 15,6 Zoll Notebook, sowie Ordner
    - Möglichkeit das der BW-Poncho sowohl unten als Polsterung dient, aber bei Regen schnell erreichbar ist. (und TROTZDEM gegen Durchwetzen geschützt ist) -DAFÜR KEINE REISSVERSCHLÜSSE-
    -flachere Rucksackform, weniger Überstand nach hinten.


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    Wieder mal habe ich teilweise vergessen Fotos zu machen, wenn wer Fragen hat raus damit.
    Des weitern kam meine Adler 30-1 Schuhmacher-Reparaturnähmaschine erstmals zum Einsatz, das Ding habe ich mit einer alten DDR-Bohrmaschine motorisiert. Die dicksten Nadeln die man dafür kriegt sind 200er (2mm Durchmesser) :D
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    Da ich ich nicht wusste ob der Umbau so wird wie gedacht habe ich mir bei Räer für glaube 19 Euro einen zwoten Rucksack gekauft.


    erster Knackpunkt war das Aussengestell, welches aus Rohr mit einem Aussendurchmesser von 13m und 1mm Wandstärke besteht. Bei ebay gabs welches mit 13mm und 1,5mm, die Drehbank schuf mal schnell Verbinderzapfen. Also Holme durchgesägt, zurecht gebogen, und wenn mir einmal beim Schweissen sind, oben noch eine 10mm Strebe eingeschweisst. Diese verbessert die Verwindungssteifikeit enorm.


    Links mal das Gestell des M39 zum Vergleich, es besteht aus 10mm Rohr, das des "Rucksack ST" aus 13mm Rohr, beides Stahl.

    Als nächstes hab ich den Sack selbst aufgetrennt, die Deckelklappe zuerst, dann den Boden , zuletzt die beien Nähte die den Mantel mit dem Rückteil verbinden.
    Hier mal eine Skizze der Änderungen, ich habe den Umfang des Mantels um zwomal 40mm verringert. Grün sind neue Kanten, orange Flächen fallen weg. (leider keine Fotos)

    ich hatte beim Messen und Überlegen wie lang ich den Rucksack verlänger festgestellt das der Sack selbst länger als das Gestell ist, daher brauchte ich den gerade so nicht verlängern. Der Querschnitt des Sackes war rechteckig, ich habe ihn auf Halbrund geändert, indem ich eine Schablone des alten Bodens gemacht habe, die Ecken rund geschnitten, den neuen Umfang mit Maßband rangehalten und dann immer weiter so viel von dem Ecken entfernt bis passt.

    Um den Poncho unten verstauen zu können wird ein Äußerer Boden aus starken gummiertem Segeltuch aufgedoppelt, der Überstand verhindert später das Eindringen von Dreck ins Ponchofach beim Abstellen des Rucksacks.

    Um dem Poncho mehr Platz zwischen dem alten und dem neuem Boden zu schaffen habe ich alten und neuen Boden erstmal an diesen drei
    Stellen geheftet, dann die Ecken den alten Bodens nur ganz leicht abgeschnitten und die "Fast-noch-Ecken" auf die Bögen mit Stecknadeln abgesteckt. Dadurch wölbt sich der innere Boden dort später hoch und es entsteht mehr Platz.

    Ihr habt vielleicht die schönsten Torpedos, das Stück für 25000 Mark, aber ich habe den alten Draht, für 50 Pfennig!

  • Wie man sieht stecken die Nadeln einfach rechtwinklig im Stoff drinne, anders bekommt man sie auch nicht durch das LKW-Planen-ähnliche Gewebe des Bodens.


    Die Adler 30-1 ist eine alte Reparaturnähmaschine für Schuhe und hat einen sehr langen (450mm) und dünnen (etwas mehr als der Querschnitt einer Wallnuß) Freiarm.

    Als Besonderheit hat sie Obertransport, soll heissen der gezackte Nähfuß macht in dem Moment wo die Nadel eingestochen hat wie ein richtiger Fuß einen Schritt, und zieht das Material wenn die Nadel wieder raus ist nach hinten. Diesen Vorschub kann man von 1...5 mm einstellen, UND 360Grad drehen, soll heissen man kann mit dem Ding eine leere Klopapierrolle auf den Freiarm stecken, und dort ohne Absetzen das Haus vom Nikolaus drauf nähen. Die Dinger wurden zuerst von Singer im Jahre 1877 gebaut, später auch von Adler, und anderen Herstellern bis in die 1970er, und sind auch heute bei Schustern noch weit verbreitet. Diese Maschine ist für sehr langsames Nähen gedacht, ich würde es am ehesten mit einem Panzer aus dem 1. WK vergleichen, langsam und träge, aber fährt nahezu überall drüber. Ursprünglich ist das eine Maschine für Fußbetrieb, da ich aber kein Platz für das Untergestell habe und das mitdem Nähen von schwierigen Stellen UND dazu noch Treten nicht kann, hab ich das Ding mit einer umgebauten Bohrmaschine motorisiert, die Motorisierung passt dazu ideal, man kann auch mit Motor jeden Stich einzeln platzieren, und wenn es sein muss macht sie ca 120 Stich die Minute, mehr geht aber echt nicht, dafür ist sie nicht konstruiert.
    Das daneben sind normal grosse Haushaltnähmaschinen.


    Ihr habt vielleicht die schönsten Torpedos, das Stück für 25000 Mark, aber ich habe den alten Draht, für 50 Pfennig!

  • Nachtrag:
    diese beiden Kanten kommen aufeinander:

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    Bevor das Rückenteil jetzt wieder an den Mantel genäht werden kann kommt dort noch eine Innentasche aus dickem Segeltuch ran,
    mit der später Notebook und Ordner daran gehindert werden im Rucksack umherzuwandern. (besonders sich zwischen Rückenteil und besagte Otterbox zu klemmen...) Dazu habe ich die Höhe der Otterbox mit darunter liegendem Poncho als Höhenpositionierung angenommen.
    Die kombinierten Abmessungen von Notebook und Ordner ergeben die Maße der Innentasche.
    Die Kante oben habe ich 3fach umgeschlagen, damit sie steif genug wird und nicht reißt.

    Die fertige Innentasche

    Annähen der Innentasche ans Rückenteil

    Danach wird das Rückenteil wieder mit dem Mantel vernäht, gefolgt vom Boden.
    Dabei wird der gesamte Boden mit dem Mantel, aber nur der innere Boden mit dem Rückenteil vernäht. damit von aussen zwischen die zwei Böden kann (leider keine Fotos)
    Hier wird gerade wieder das Kantenband aufgenäht. Es empfiehlt sich das vorher abzustecken...

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    Rest kommt morgen.


    Gruß Kauz

    Ihr habt vielleicht die schönsten Torpedos, das Stück für 25000 Mark, aber ich habe den alten Draht, für 50 Pfennig!

  • :eek Booaaah! Was für eine krasse Nähmaschiene!! ^^


    Ich finde die alten Rucksäcke mit Aussengestell auch nicht grundsätzlich schlecht. Zumindest wenn man nicht übertrieben viel Gewicht damit transportieren will. Beinahe seltsam, dass die zumindest in Europa nahezu "ausgestorben" sind.
    Was mir aber bei vielen der alten Militärrucksäcke aufgefallen ist, ist das der Rücken nicht nur sehr kurz sondern auch relativ schmal ist. Das bedeutet, dass die Ecken an denen unten das Polsterband aufgehängt ist schonmal seitlich an den Rücken drücken können was bei längeren Strecken fast zwangsläufig zu wunden Stellen führt. Bei meinem Norwegischen Jägerrucksack musste ich da massiv nachpolstern,obwohl mein Rücken jetzt nicht sonderlich breit ist.
    Das mit dem verlängerten Rücken und der nachspannbaren Rückenauflage ist schonmal eine gute Sache, zumal du so das Gestell an deine Körpergröße angepasst hast.


    Ich hab mir auch schon mal Gedanken über einen selbst gebauten Aussengestellrucksack gemacht, allerdings hab ich Rucksäcke genug und in letzter Zeit auch einfach nicht die Muße mich an die Nähmaschine zu hocken, weswegen die Pläne für unbestimmte Zeit auf Eis liegen.


    Meine Gedanken gingen aber etwas weg vom Militärgerödel. Die Stahlgestelle dieser Rucksäcke sind zweifellos für die Ewigkeit gebaut aber eben auch gewichtstechnisch völliger Overkill. Auf ebay sind ´ne Menge alter Trekkingrucksäcke mit Alurahmen für billig Geld zu bekommen. Die müssten auch stabil genug sein aber um einiges leichter. Da hätte ich dann die Träger durch eigene ersetzt, mir einen richtigen Beckengurt dran gebastelt und einen simplen Rucksackkörper aus 500er Cordura oder so ähnlich genäht. Das schöne dabei ist, dass man sich nicht mit komplizierter Rückenpolsterung rumeseln muss. Ich könnte wetten, dass so ein Rucksack in Sachen Lastübertragung und Eigengewicht nicht schlechter wäre als viele der modernen Trekkingrucksäcke.


    Bin jedenfalls gespannt wie deiner Fertig aussieht.


    LG Holger

  • Nachtkauz:
    Die Ausführung Deines Umbaus finde ich sehr gut gelungen bzw. umgesetzt, allerdings finde ich auch, dass diese Teile verdammt schwer sind wegen des Stahlrahmens.


    Auf ebay sind ´ne Menge alter Trekkingrucksäcke mit Alurahmen für billig Geld zu bekommen. Die müssten auch stabil genug sein aber um einiges leichter. Da hätte ich dann die Träger durch eigene ersetzt, mir einen richtigen Beckengurt dran gebastelt und einen simplen Rucksackkörper aus 500er Cordura oder so ähnlich genäht. Das schöne dabei ist, dass man sich nicht mit komplizierter Rückenpolsterung rumeseln muss. Ich könnte wetten, dass so ein Rucksack in Sachen Lastübertragung und Eigengewicht nicht schlechter wäre als viele der modernen Trekkingrucksäcke.


    Skuzzlebud:
    Ich bin da ganz Deiner Meinung. Ich habe noch einen gut 30 Jahre alten Fjällräven Rucksack mit Alu-Aussengestell, ein Superteil, lässt sich verdammt gut tragen, selbst mit hohem Gewicht. Ist jetzt nix für die Wochenendtour, aber für Wochen im Fjäll oder auch zum Tragen des Bootes hervorragend.
    Hatte dieses Teil vor ein paar Tagen in einer Videoantwort auf Youtube vorgestellt:


    Top Ausrüstung folgt nur EINEM Kriterium: "reduced to the max"

  • In irgendnen Amiforum hatte jemand mal ein Rückentragegestell aus Stahl für ein ALICE-Rucksack (hat normal ein Alugestell) gezeigt. Ich dachte mir warum um alles in der Welt baut jemand ein schweres Stahlrohrgestell um ein fertiges Alugestell zu ersetzen. Meinung des Besitzers: einen Stahlrohrrahmen kann dir jeder Dorfschmied schweißen, Alu nicht.


    --------------Edit
    Rest des Berichts kommt die Tage

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  • Ich nutze den LK70 auch nur auf richtigen Touren. Aber er ist schön vielseitig, das Gestell hat mir schon mehrmals den Transport schwerer Flüssigkeiten (Wasserkanister, Bierpalette) sehr erleichtert. Die Seitentaschen sind groß genug und es gibt gute Möglichkeiten, außen was zu befestigen. Für normale Zwecke nehme ich den äffen BW- Gebirgsjägerrucksack mit Clipverschlüssen, da kann man zwar nicht drauf sitzen, aber die Faltisomatte ist ja immer dabei. Und "anbauen" kann man auch. Nur manchmal wäre ein Brustriemen hilfreich!

  • Bin selbst ein Fan von Aussengestellrucksäcken, auch wenn ich diese Teile nicht für alle Gelegenheiten verwenden möchte.
    Nachtkauz: Dein Projekt sieht vielversprechend aus, alle Achtung! Hab mir selbst schon ein paar Gedanken zu einem DIY-Aussengestellteil gemacht, bei mir scheiterts aber am Equipment (keine Nähmaschine vorhanden) und auch am Können (keine Erfahrung mit Näharbeiten). Find Deine alte Nähmaschine übrigens auch super!


    Ein Manko bei vielen Rucksack(rohr)rahmen ist deren Einheitsgrösse. Ein One-Size-Fits-Most muß nicht unbedingt jedermann passen. Das Aluteil vom ALICE Gestellrucksack passt mir z.B. halbwegs vernünftig, muß aber nicht heißen dass kleine oder sehr große Personen damit ebenso gut zurechtkommen. Das Hauptproblem beim ALICE-Rahmen sind darüber hinaus die Nietverbindungen an der Alurohr-Konstruktion. Hab hier ein paar gebrauchte Frames rumliegen und benutze die auch ab und an - es quietscht aber ausnahmslos jeder einzelne da die Blindnieten mit der Zeit lose werden und sich dieser Umstand nur mühsam beseitigen lässt. Am Markt (übelicherweise US Import erforderlich) sind alternativ zwar geschweißte Alurahmen bzw. Plastikteile verfügbar bei denen das Quietschproblem nicht auftritt. Das Manko mit der Einheitsgröße lösen diese aber auch nicht.


    Kann deshalb gut nachvollziehen dass man sich einen Rahmen selbst fabriziert der einerseits zur eigenen Körpergröße passt und event. auch andere Probleme der Originalteile wie z.B. verbesserte Positionierung/Befestigung von Hüft- u. Schultergurten etc. ausmerzt. Hab im Internetz z.B. auch schon Holzrahmen aus schichtverleimten Latten (offensichtlich aus altem Bettgestellen) gesehen, welche brauchbar aussahen. Gegen die Verwendung von Stahlrohren spricht eigentlich auch nicht viel, sofern geeignetes Biegewerkzeug bzw. etwas Schweißequipment vorhanden ist. Verwendet man z.B. dünnwandige nahtlose Rohre sollte sich der Gewichtsnachteil von Stahl auch nicht allzu negativ auswirken.

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    Tu eh nur so als würd ich mich auskennen, damit ich auch mitreden kann.
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    'Bushcraft' ist eine eingetragene Schutzmarke von Bushcraft USA LLC

  • Ich möchte nur mal eine Rückmeldung geben, es ist keine Unhöflichkeit, ich hab bloss grad noch bissel anderes Zeug um die Ohren.


    Ein guter Kumpel von mir (der mit dem Schweißgerät) hat sich eine Kraxe aus Stahlrohr aus einem kaputten Campingstuhl geschweisst. Wenn man das rechteckig, ungefähr wie das Gestell des LK70 baut, braucht man fast nichts biegen, zumal die Campingstuhlrohre knochenhart sind.


    Auch davon gibts damnächst Fotos.


    Und ihr hab mich auf eine Idee gebracht mit eurer Scheiße jetz hab ich noch weniger Zeit... :confused


    Gruß Kauz

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  • Es geht weiter....
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    Nachdem der eigentliche "Sack" des Rucksacks fetig ist, gehts an die Deckelklappe. Diese ist wie die Kante eines Kartons geformt,
    hat also zwei Ecken, das ist vlt ganz praktisch, ich fands optisch aber irgendwie kacke,
    und wollte so eine typische "schildkrötenförmige" Deckelklappe, wie sie fast alle alten Rucksäcke haben.
    Dabei habe ich mich an dem norwegischen Jägerrucksack orientiert. Allerdings hat die Deckelklappe über die ganze Länge ein Innenfach,
    welches nach oben gummierter Stoff (regendicht) und unten normaler Stoff mit einem Reissverschluss ist.
    Das habe ich bis vorn zu den Nieten vom Aussenstoff abgetrennt. Auf den Aussenstoff sind oben drauf die Lederriemen vernäht und vorn vernietet,
    da wollte ich nichts ändern, da ich kein Nietwerkzeug hab. Allerdings war ich somit an die Länge des Originals gebunden.
    Die rechtwinkligen Aussparungen waren vernäht, die bildeten die besagten Ecken.


    Da die Kante zwofach umgeschlagen wird, und ich eine möglichst breite Deckelklappe haben wollte,
    bin ich etwas in die ausgesparten Ecken reingegangen.
    Dadurch ist dann dort auf 1-2cm der Stoff eben nicht dreifach, ich werds überleben, aber sonst wird die Kontur zu schmal.
    Damit das ganze Ding noch etwas "plastischer" wird hatte ich oben in der Breite jeweils einen Abnäher gemacht.
    (der dünne waagerechte Pfeil zeigt die Naht)


    Jetzt stellt sich natürlich die Frage wie man einen parallelen Stoffstreifen (das Innenfach) an ein räumlich gewölbtes von Inne annäht,
    ohne das es die Wölbung beeinträchtigt. Ich hab mit meinen BW-Schlafsack genommen, den als Ballen auf einen kleinen Tisch gelegt,
    und die Deckelklappe samt untergelegten Innenfach dort drauf gezurrt. Dadurch wölbt es die Deckelklappe schön,
    und presst den Streifen trotzdem gleichmäsig an. Dort habe ich dann als "Fixierung" Stecknadeln von aussen senkrecht reingesteckt.
    Das hält nur so gerade für die Angst, aber das reicht aus um es annähen zu können.


    Vorsichtig Nadeln setzen, dabei das Innenfach gegenhalten. (wenns wehtut und/oder blutet/man festhängt, neu setzen...)

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  • Ich vergas, das Problem war weniger das Gegenhalten, sondern das man ja die Kante des Innenfachs ja nicht sehen kann,
    man sie also erfühlen muss um die Nadeln setzen zu können !!!
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    Wenn man fertig ist sieht das dann so aus:


    Ich hatte das mit der Adler 30-1 von oben genäht, (man hat ja die Nadelköpfe als Orientierung) mit einer 110er Nadel genäht.
    Auf einmal war der Oberfaden abgeschnitten. Nicht zerfranzt, sauber abgeschnitten. Bei näherer Inspektion stellte sich heraus das ich ohne es zu merken DURCH das Blockierblech (0,6mm Messingblech) des Reissverschlusses genäht hatte, an dessen dabei kaltgeformtem Grad hatte es eben den Faden bei der Hochbewegung abgeschert. Soviel nur zu Kraft der Maschine... :unschuld :lol


    Als nächstes werden die Enden der Deckelklappe mit Zickzack übernäht (gegen Ausfransen),
    und es wird die "Lederkappe" an die Deckelklappe angenäht.



    fertig genäht


    Danach wird inne an den "Sack" die Lederverstärkung angenäht. Sie bestimmt wo man die Klappe später annäht,
    und damit die Position des Sacks am Gestell. Schwach braun ist die alte Position, blau angezeichnet die Neue (Pfeile).


    Mangels alternativer Ideen wurde das ganze wieder auf die altbekannte Art fixiert, und angenäht (nur geheftet).

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  • Um die Deckelklappe (3 Lagen Stoff) mit der Lederkappe(1 lage dickes Leder) an den Sack (1 Lage Stoff, 1 Lage mittelstarkes Leder) anzunähen entschloss ich mich das mit 11er Faden (Marke vergessen) zu nähen (dieser Faden war zu der Adler mit dazu).
    Alle anderen tragenden Nähte hab ich mit Alterfil 25 genäht, und das ist schon irre dick. Versuche zeigten das die 140er Rundspitznadel für das 11er Zeug zu klein ist, die nächste Größe die ich hatte war 200, die war eigentlich etwas gross.
    So oder so wollte ich das zweite Schiffchen was zu der Maschine mit dazu war wieder gängig machen, das war teils total verrostet,
    hatte wohl mal naß gelegen. Ich hab das mit heißer Zitronensäure entrostet, danach mit Natronlauge und kochendem Wasser neutralisert.
    Danach heiß getrocknet und noch heiss eingeölt.


    Die Schiffchen sind sehr klein, die Spulen viel kleiner als die einer Haushaltsnähmschine, aber wie gesagt die Spitze des Freiarms hat einen nur wenig größeren Querschnitt als eine grosse Wallnuß. Auf dem Linken ist das 25er Alterfil, auf dem Rechten das 11er Schustergarn.


    Unterfadensspannungsfeder entgratet, daneben Stellschraube, normal grosse Stecknadel als Vergleich.

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    Um die Position von Klappe und Sack zueinander zu fixieren hab ich rechts und links mit Hand einen einzelnen Stich genäht und verknotet.
    Die Känule der Ölspritze und die Spitze der Fadenschere zeigen darauf


    Hier wird das ganze Paket dann genäht (passte gerade so unter den Nähfuß)


    Und damit ihr nicht denkt bei mir klappt immer alles beim ersten Mal, hier mal ein ärgerlicher Fehler:
    beim Nähen durch die ganzen Lagen hatte sich unten eine Falte gebildet, und ich hab durchgenäht. Das hies nicht nur "auftrennen und nochmal", sondern die 200er Nadel hat durch ihren Durchmesser schon ganz schöne Spuren hinterlassen, es zerstört Fäden, das sieht man heute noch.

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  • Leider hab ich keine Ahnung warum mein Fotoapparat sich hier weigerte scharf zu stellen, ich hab mehrere Fotos gemacht, das sind schon die besten davon.


    Der helle Rucksack ist der geänderte, der Dunkelgrüne ist in Originalform.


    Man sieht nicht sehr viel, aber das Trageverhalten ist deutlich anders.
    Es war doch ganz schöner Aufriss, aber ich trage dieses Ding TÄGLCH. (kein Leben ohne Rucksack)
    Der absolut einzige Umstand unter dem ich dieses Ding mal nicht trage, ist der wenn ich den LK70 benutze.
    Ja es gibt genügend Fragen warum ich so ein Ding mit mir rumschlepp, heh sag mal warum hast du (k)einen Bart/rote Jacke/Ohrringe etc? Genau, nennt sich persönlicher Geschmack....


    Der bekloppte Gedanke der mir vor kurzem kam, war eine Kraxe aus Campingstühlen, mit einem ganz einfach einhängbaren Sack aus alter LKW-Plane, einem Hüftgurt aus einem alten Auffanggurt (dieses übelst breite Zeug, muss man halt aufpolstern) und einem Gestell was die Last rechts und links des Hüftgurtes auf diesen überträgt (nicht nur hinten). So das richtige um mal 35kg Zeug durch die Landschaft zu tragen. Da mein Rücken nicht der Stärkste ist, sollte die Hüftunterstützung eben brutal effektiv sein. Allerdings hab ich zur Zeit noch viel anderes um die Ohren.
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    @ Bugikraxn
    Ich hatte vor 3 Jahren auch nur eine Nähmaschine (vom Sperrmüll) und keine Ahnung wie ich sie bedienen soll. Wenn du mit Technik klarkommst kommst du damit klar. Die Bedienunganleitungen sind für Hausfrauen gedacht....
    Eine alte Nähmaschine kriegst du wenn sie nur Geradstich können soll fürn Äppel und nen Ei (wer macht bei euch Haushaltsauflösungen??).
    Gib mal bei ebay, oder ebay-kleinanzeigen "Nähmaschine" bei dir im Umkreis mit Limit 20 Euro ein.
    Eine sehr gute Seite ist http://www.naehmaschinenverzeichnis.de/
    Es gibt noch sehr viele gute alte Nähmaschinen auf dem Markt, bei Obigen Link gibts Infos dazu, welche Nadeln und Spulen wo passen usw.
    Um in bgrenzten Umfang richtig dickes Zeug nähen zu können reicht fürn Anfang auch eine Handnähahle.
    Nähen ist alles kein Hexenwerk, und wie gesagt, noch gibts alte Maschinen recht günstig und zahlreich. Heute werden zum Beispiel keine Haushaltmaschinen mehr mit Doppelumlaufgreifer (entwickelt in den 20ern) hergestellt, nur Industriemaschinen, weil zu teuer. Ja und? ich hab jetz 6 davon, die teuerste war knapp 50 (mit Versand), die nächste 25 (Abholung), 2 gabs kostenlos, die älteste ist von vorm Krieg, die Neueste Anfang 60er. Alle Doppelumlaufgreifer, alle Zickzack, bis auf eine Ausnahme alle Nadelsystem 705H(quasi Standard). Ich hab vor paar Wochen für jemand eine DDR-Veritas für unter 25 Euro mit Versand geschossen (Zickzack mit Motor, Lampe und Gedöns). Wenn du keinen Zeitdruck hast würde ich dir echt ebay empfehlen.
    Anleitungen zum Nähen von Zeugs finden sich im Netz, besonders in Englisch zu Hauf.



    Gruß Kauz

    Ihr habt vielleicht die schönsten Torpedos, das Stück für 25000 Mark, aber ich habe den alten Draht, für 50 Pfennig!

  • Sieht sehr ordentlich aus! :daumen


    Allerdings drängt sich mir gerade eine eine Frage auf, ohne jetzt den Sinn oder nicht Sinn von Retromaterialien diskutieren zu wollen.
    - Was wiegt das gute Stück denn nun ?


    PS: Das Gestell würde ich aber noch neu lackieren.

  • müsste 2,8kg sein.


    Lack ? nichts hälts länger als ein Provisorium... :lol
    das nächste mal wenn der Sack gewaschen wird, werd ich das Gestell wohl lackieren.

    Ihr habt vielleicht die schönsten Torpedos, das Stück für 25000 Mark, aber ich habe den alten Draht, für 50 Pfennig!