9 Tage Dusky Track mit Mogen und Ben (Fjordland, NZ)

  • Stolpern, Rutschen, Klettern, Gewässer durchqueren und Schmallöcher durchwaten im kalten Regenwald Fjordlands im Südwesten Neuseelands, kurz schweres Gelände - das ist der Dusky Track. Die Ranger wurden nicht müde uns zu sagen "It is not a Track, it's just a route" zu deutsch, es ist kein Weg nur eine Route. Auch wurden wir darauf hingewiesen das der Track erst im Dezember wieder gewartet wird, sprich Marker setzen und gefährlich Baumstürze entfernen.


    Hütten sind auf dem Track die beste Option, Zelten ist hier nicht möglich. Der Boden ist zu Nass, es ist zu uneben und es ist einfach nirgends Platz.


    Der Dusky Track ist sehr abgelegen und lediglich über den Wasser Weg zu erreichen. Entweder südlich über Lake Hauroko, nördlich über Lake Manapouri oder westlich über den Meeresarm Dusky Sound.


    Tag 1: Über Lake Hauroko zur Halfway Hut
    Die Anreise war per Bus zum Lake Hauroko, dann Umstieg in einen Truck der unser Boot auf dem Hänger hatte. Überraschenderweise waren 7 weitere "Tramper" (so heißen Wanderer in NZ) mit uns am Start. 3 Israelis und 4 Kiwis. Über eine Schotterpiste ging es dann bis zum Lake Hauroko. Am See angekommen wurde das Boot zu Wasser gelassen. Wir haben es beladen sind an Board gegangen und wurden dann über den kompletten See gefahren. Das dauerte eine weile, weil der See unglaublich groß ist. Es boten uns schon herrliche Anblicke und das Wetter war sonnig.







    Die Anlandung war ohne Steg. Wir bemühten uns nicht ins Wasser zu springen und der Captain kommentierte dies nur mit den Worten, wir würden eh nass werden. Wir wurden direkt von den Sandflies begrüßt. Blutsaugende Insekten gegen die wir aber bereits ein Schutzmittel aufgetragen hatten.


    Direkt ging es auf die Route. Der Einstieg war sanft, denn stellenweise war ein Pfad zu erkennen. Mich erinnerte die Landschaft an Jurassic Park mit all den Farnen, Baumfarnen, Flechten und Moosen.








    Schnell stießen wir auf die erste Seilbrücke. Danach kamen Kletterpassagen dazu.


    Hier eine weitere Seilbrücke. Kurz danach machten wir rast mit den Israelis die uns an der Brücke einholten. Schnell setzten wir uns ab und waren erster an der Hütte. Dies war die leichteste Etappe. Wir hatten wenig Sumpf und kaum Schlammlöcher. Das lag an der Gut-Wetter-Periode.




    Wir machten es uns in der Hütte gemütlich, wären draußen sich die Sandflies sammelten.




    Tag 2: Hoch zu Lake Roe Hut
    Am nächsten Tag brachen wir als erstes nach dem Frühstück auf.





    Das Gelände wurde schwieriger und sumpfiger. Mogens Wanderstock blieb in einem tiefen Loch stecken und er musste nach dem unteren Teil fischen.





    Beim Aufstieg waren uns die Israelis dicht auf den Fersen. Dennoch kamen wir wieder als erstes an. Die Israelis beschlossen erst ein Bad im See zu nehmen. Die Hütte war sehr schön und da die Sonne schien haben wir erst mal alles was zum Trocken war aufgehangen.




    Nach dem Essen genossen wir die Landschaft und das Wetter.










    Ein Gedicht an der Wand befasste sich mit dem Regen auf dem Dusky Track, den wir noch nicht erlebt hatten. Dies war ein Ohmen.


    Wir wussten dass es oberhalb der Baumgrenze Keas gibt. Dies ist das gefährlichste Tier Neuseeland. Es ist ein hoch intelligenter Papagei der aber gerne Sachen klaut und zerstört, solange sie toll zum kauen sind z.B. Schuhe, Gummidichtungen, etc. Darum hängten wir die Sachen auf. Die Kiwis waren recht entspannt. In der Dämmerung ging ich dann noch mal aufs Klo und traf vor der Hütte einen großen Vogel an. Die Silhouette mit Hakenschnabel ließ mich auf einen Kea tippen. Ich ging gleich rein und Fragte die Israelis, die noch am Tisch saßen, ob das ihre Schuhe draußen seien. Ich hätte einen Kea gesehen. Bei dem Wort Kea standen sofort 4 Kiwis aufrecht im Bett mit dem Fragenden Ruf "Kea?!". Ich bejate das und sofort stürmten sie mit den Worten "Filthy Monsters" raus um ihre Sachen zu retten.


    Tag 3: Erkunden des Lake Roe Areals
    Wir haben von einem befreundeten Ranger den Tipp bekommen am Lake Roe zu bleiben, wenn das Wetter gut war und das Machten wir auch, genau so wie die Kiwis. Die Israelis gingen weiter. Wir kletterten zum Lake Roe hinauf und streunerten da durch die Gegend.


    Wenn man genau hinschaut kann man Lande Rohans ein paar Warg Reiter sehen ;-) Unweigerlich hatte ich Szenen aus Herr der Ringe im Kopf und die Titelmusik als Ohrwurm.










    Oben auf einem Plateau machten wir Siesta.



    Danach kletterten wir hoch hinauf den einen Berg. Wo uns ein Kea besuchte.



    Von oben hatten wir einen Blick zurück ins Tal. Wir konnten sogar die Halfway Hut erkennen und feststellen wie langsam wir hier Voran kommen.


    Danach umrundeten wir den Lake Roe.


    Unten Angekommen machten wir alles Kea-sicher. Hängen soll sie vom klauen abhalten.


    Tag 4: Höhenweg zur Loch Maree Hut
    Am nächsten Morgen zeigte sich, dass unsere Maßnahme funktionierte. Wir hatten wieder Kea besuch und alles was der Vogel machte war auf den Schrauben des Holzverschlages zu kauen.


    Wir brachen wieder als erstes auf. Außer Höhenmeter gab es oberhalb der Baumgrenze nichts Schwieriges. Wir kamen zügig voran.





    Als der Höhenweg zu Ende war, machten wir Rast bevor es runter ins Tal ging. Wir freuten uns, dass wir nur noch weniger als 2 km vor uns hatten und dass wir bestimmt in 1,5 Stunden da sind. FALSCH! Es war steil, sehr steil und schwer zu gehen. Wir mussten viel klettern und der Dusky zeigte uns was er so bietet.







    Nach über 3 Stunden (!) für weniger als 2 km kamen wir dann endlich unten an. Dieser Abstieg war einfach nur hart und zermürbend. Dank des guten Wetters konnten wir trockenen Fußes zur Seil Brücke. Es gab vor dieser Stelle eine Schutzhütte und das zu Recht. An den Büschen konnte man sehen wie hoch das Wasser hier steigen konnte, über 3 m und die Seilbrücke hatte Überschwämmungsschäden (!).






    Loch Maree offenbarte, dass dieser Bereich einst bewaldet war. Baumstümpfe als Zeugen dafür.


    An der Hütte angekommen fraßen uns die Sandflies auf. Selbst frisch aufgetragener Schutz interessierte die Biester nicht, sodass wir zum Mückenschleier griffen. Dies war ein Indiz für den Wetterwechsel. Sandflies werden bei Wetterwechsel aggressiv. In der Tat begann es dann zu regnen.


    Tag 5: Ab ans Meer zur Supper Cove Hut
    An diesem Tag regnete es wie auch schon in der Nacht. Wir ahnten bereits, dass wir heute das volle Dusky-Erlebnis haben werden. Schwieriges Gelände gepaart mit Nässe und wahrscheinlich Überflutungen.


    Die Uferlagen waren viel mit klettern verbunden und mit Granitblöcken übersäet.


    Hier ein häufiges Phänomen. Die Felsen im Hintergrund waren mal Wald. Es gab einen Erdrutsch wie es typisch dort ist. Der weiche Boden rutscht unter der Last des Waldes irgendwann ab.


    Den ein oder Anderen Fluss konnten wir nur über darüber gestürzte Bäume queren.





    An der Hütte angekommen war die Freude groß, denn es war eine harte Etappe. Wir trafen auch einen deutschen in der Hütte vor, natürlich, wen auch sonst auf einem angelegenen Track am Ende der Welt.


    Die Kiwis entschlossen sich wegen der eh nassen Klamotten zu angeln. Ich glaubte ja nicht wirklich dran. Bald riefen sie "Sharks" und alle gingen runter um zu schauen. Und in der Tat kamen die Blauhaie bis ans Ufer heran. Offenbar angelockt von den Angelversuchen. Dies war sehr ungewöhnlich, aber der Fjord ist 400m tief und schon früher wurden Blauhaie gesichtet. In der Tat zogen die Kiwis mehrere Fische aus dem Wasser behielten aber nur den Größten, welcher mit Knoblauch gebacken und serviert wurde.


    Tag 6: Wieder zurück
    Der Regen hat auch in der Nacht nicht nachgelassen und war teils recht Stark mit gelegentlichem Donner. Wir überlegten zu Begin der Ebbe schnellst möglich über den Strand zu den Überflutungsflächen zu laufen um zu prüfen ob sie passierbar sind und ggf. zurückkehren zu können. So ersparten wir uns die mühselige kletterei Der Strand war aber noch nur Teils vorhanden und so gingen wir einfach durch das seichte Wasser der Bucht, ungeachtet der Haie. Ein unvergessliches Erlebnis!



    In der Tat waren diverse Ströme angeschwollen, so war der Wasserfall vom Vortag doppelt so groß und die gischt schlug uns entgegen.


    Dadurch dass wir eh vollgesogene Schuhe hatten, war der "Ist mir doch egal"-Modus aktiviert. So rannten wir wie die Irren den Weg entlang, warteten durch Wasser tänzelten über rutschige Steine und Wurzeln, sodass wir fast eine Stunde vor allen anderen an der Hütte waren. Wir konnten auch sehen, dass die Schneefallgrenze unter die Baumgrenze gesunken ist.




    Da klar war dass alle bis auf die Unterwäsche nass sind haben wir dann ordentlich eingeheizt, zusätzliche Wäscheleinen gespannt und Teewasser aufgesetzt. Wenn man genau hin schaut kann man eine Hütte erkennen.


    Tag 7: Rauf zur Kintail Hut
    An diesem Tag blieb es trocken. Das Gelände war bis auf 2-3 Wasserquerungen moderat. Die Strecke war recht unspektakulär.





    Tag 8: Über den Centre Pass zur Upper Spey Hut
    Am achten Tag ging es hoch hinaus. Wir arbeiteten uns durch das Tal am Fluss entlang. Wir querten mehrere Ströme und uns boten sich trotz Wolken schöne blicke.






    Oben angekommen erwartete uns Schnee und die nassen Füße wurden eisig kalt. Darum beeilten wir uns runter ins Tal zu kommen. Ohne Überschwemmungsflächen kamen wir schnell voran.




    Unten angekommen waren wir recht irritiert, denn wir hatten auf einmal einen Laufsteg. Offenbar sollte der Boden geschont werden. Der Steg ging recht weit und bis zur Hütte, die einen eigenen Hubschrauberlandeplatz hat.



    Die Schuhe, seit tagen nicht trocken sind soweit gesättigt dass wir sie Abends einfach austropfen ließen.


    Tag 9: Schon ist das Ende da
    Ähnlich wie am ersten Tag ging es am Spey River entlang. Das Gelände war vergleichsweise einfach und das Wetter gut und Höhenmeter gab es auch keine. Teilweise gab es sogar echte Wege (!), das irritierte uns doch sehr. Wir fühlten uns wie Seemänner beim Landgang, die mit dem festen Untergrund zu kämpfen haben.


    Schnell kamen wir voran und dann war es auch schon so weit wir kamen an die Straße zur Bucht wo unser Boot wartete. Wir haben es geschafft. Mensch und Material waren geschunden. Glücklich und froh waren wir.


    Auf dem Schiff gab es dann erst mal einen Kaffee.

  • Hammer Bericht, mit hammergeilen Bildern Ben!
    Da kommt mal echt ne riesige Portion Neid auf. Wie ging es mit dem Wasser aufnehmen unterwegs? Habt ihr immer gefiltert oder gab es sauberes Quellwasser?
    Der Treck ist sicherlich die Hölle wenn es einige Tage durchgeregnet hat, bzw. Himmel und Hölle liegen dann sehr nah beieinander ^^

  • Wasser aufnehmen war echt kein Problem. Wir haben direkt aus dem Fluss getrunken und jede Hütte hier hat einen Tank um Regenwasser zu sammeln.
    Wenn es durchregnet iat der "Track" unpassierbar, es kann sogar passieren das man vom Wasser eingeschlossen wird. Deswegen empfehlen die Ranger das man mit Essen für mindestens 2 extra Tage unterwegs ist.

  • Mann o mann, absolute Sehnsuchtsweckbilder... Ab und an meinte ich im Hintergrund einen Ent gesehen zu haben... Vielen Dank für die Fotos - habe den Text noch nicht komplett gelesen, aber ich schätze, das mit den Bechern ist ein Insider...? ^^


    Edit: Der südlichste Teil Neuseelands ist übrigens Stewart Island/Rakiura, wundergeiles Wanderpraradies und schön abgelegen, soweit ich weiß weltweit der einzige Ort mit sog. arktischem Regenwald? Dort war ich zwar nicht am südlichsten Punkt, aber immerhin an der Doughboy Bay... Falls Ihr noch Zeit habt: Da solltet Ihr hin - man sollte aber seefest sein für die Überfahrt... ;-)

  • Da hat der Ben sich mal klammheimlich ans andere Ende der Welt gemacht.


    Das war wahrscheinlich eine der besten Ideen deines Lebens - wenn man die Bilder so anschaut - Hammer!


    Weiterhin viele tolle Erlebnisse und viel Spaß!


    :lagerfeuer

    „Wir gehen eines Tages kaputt, weil wir zu faul sind, zu Fuß zu gehen.“ Reinhold Messner

  • Skuzzlebud : Da ist gerade Frühling.
    Affenjunge : Das glaube ich dir. Ich musste des öfteren an deine Karpaten-Tour denken.
    Hagbard : Die Becher sind eine Hommage an die Kaffee-Pausen-Bilder zusammen mit Parzival. Titel der Reihe ist "Everytime is tea time" :D Ja, richtig gewesen wäre, dass Fjordland im Südwesten liegt (ich hab das mal korrigiert).
    Parzival : Tages- und Wochenendtouren sind das eine, Trekking-Touren das andere. Das eine stellt das andere nicht in den Schatten.

  • Hallo und guten Morgen,
    super Bericht, danke fürs Teilen.

    Viele Grüße


    Jim


    Perfektion in allen Dingen wird nicht dann erreicht,
    wenn nichts mehr hinzuzufügen ist,
    sonder dann, wenn nichts mehr fortgenommen werden kann.