Weißdorn Fruchtleder

  • Moin miteinander!


    Ich habe mich die Tage mal nach Früchten umgesehen die auch im Spätherbst noch zu gebrauchen sind. Dabei sind mir neben Schlehen und einigen abgeranzten Hagebutten besonders die Früchte des Weißdorns ins Auge gefallen.



    Weißdorn ist bei uns sehr verbreitet und wächst an fast allen Feldrändern und Hecken, allerdings sind die Früchte des Weißdorns weitgehend unbekannt oder werden von den meisten Menschen verschmäht.
    Das liegt wohl in erster Linie an dem etwas faden fast neutralen Geschmack und daran, dass Weißdornfrüchte sehr mehlig sind und nur sehr wenig Fruchtfleisch besitzen.
    Ich fand die Dinger trotzdem interessant und habe mich mal ein wenig schlau gemacht was man damit anfangen kann, und da ist mir vor allem die Nutzung als Fruchtleder aufgefallen. Der Grund warum Weißdorn sich hier besonders gut eignet ist, dass Fruchtbrei aus Weißdorn besonders schnell und ohne Hilfsmittel geliert, und sich auch draußen leicht herstellen lässt.




    Weil man zum auspressen der Früchte eine Art Netz oder Sieb benötigt habe ich mir meinen Mückenschleier zum sammeln genommen.
    Weil die Weißdornfrüchte wirklich nur sehr wenig Fruchtfleisch besitzen habe ich die Mischung noch mit ein paar Schlehen gestreckt.
    Hier sollte man aber nicht übertreiben weil Schlehen bekanntlich SEHR sauer sind.




    Als erstes werden nun die gesammelten Früchte ordentlich gestampft, und mit ein wenig Wasser versetzt. Man sollte auf keinen Fall zuviel Wasser beimengen weil dieses beim Trocknen ja auch wieder raus soll.




    Den fertigen Brei gibt man dann in das Netz und presst dieses so gut man kann aus. Mit dem Mückennetz hat das so gerade noch funktioniert, ein etwas gröberes Netz, oder ein grobes Küchensieb wären wohl besser gewesen.




    Nach dem Auspressen erhält man nun einen schön streichzarten Brei, und quasi alles was an Fruchtfleisch zu gebrauchen ist.
    Das auspressen ist eine ziemliche Sauerei, also empfiehlt es sich Wasser oder wenigstens nasses Moos und einen Lappen in der Nähe zu haben um sich etwas reinigen zu können.





    Übrig bleiben die Kerne und Schalen. Ein bisschen Verlust an Fruchtfleisch hat man natürlich auch weil man nie alles durch das Netz bekommt.
    Wer nichts wegschmeißen will kann sich hiervon noch einen Tee kochen.




    Der Fruchtbrei wird nun ca. einen cm dick ausgestrichen. Dazu habe ich ein paar "Brettchen" improvisiert. Hierbei sollte man nicht zu lange trödeln weil der Brei wirklich schon nach ein paar Minuten stockt und sich dann nur noch schlecht streichen lässt.
    Auf den Brettchen lässt man den Brei jetzt ca. eine Stunde trocknen. Dabei sollte man etwas auf Fliegen aufpassen die versuchen von dem Brei zu naschen, was Ende Oktober aber kein großes Thema mehr ist.



    Nach ca. einer Stunde ist der Brei komplett Geliert. Wenn man genug Sonne und Wind zur Verfügung hat kann man Das Fruchtleder auch einfach so trocknen lassen. Weil es aber schon relativ Schattig war, habe ich die Brettchen mit dem gelierten Fruchtbrei zum trocknen ums Feuer platziert.




    Nach einer weiteren Stunde ist die Oberfläche schon gut getrocknet. Man sollte am Feuer immer etwas aufpassen, dass nichts verbrennt oder zu heiß wird. Das Fruchtleder soll schließlich trocknen und nicht braten. Hier war es schon späht und ich musste leider zusammenpacken und zu Hause weiter machen. Zu diesem Zeitpunkt war der Brei aber schon so weit getrocknet das er auf den Brettchen Transportfähig war.




    Nach einer Nacht über der Heizung ist das Fruchtleder schon fast Trocken. Nur an der Unterseite welche auf dem Holz geklebt hat, hat sich noch Feuchtigkeit gehalten, weswegen es wichtig ist das Fruchtleder vom Holz zu lösen und umzudrehen, sobald die Oberseite trocken genug ist.




    Ein paar stunden Später..




    Und fertig getrocknet. Sicher nicht so schön wie zu Hause am Backblech getrocknet aber für draußen am Feuer gemacht sicherlich ganz OK.
    Erstaunlich finde ich bei getrockneten Sachen immer wie wenig am Ende übrig bleibt.
    Zu erwähnen bleibt noch, dass der Geschmack nach dem Trocknen etwas süßer und besser ist als der, der rohen Früchte.



    Gruß an Alle -- Holger :winken








  • Hey danke für die Dokumentation.
    Ich habe immer Sommer auch mal aus diversen Früchten die ich zuhause hatte Fruchtleder gemacht. Liegt im Moment noch im Regal da ich testen möchte, ob sich das Leder über den ganzen Winter hält oder doch irgendwann schimmelt. Ist auf jeden Fall ne tolle Sache, auch wenns schwerfällt nicht gleich alle Beeren einfach aufzuessen wenn man den Brei hat :lol

  • Viel gibts nicht mehr dazu zu sagen. Super Bericht
    Nur Noch als Tipp, wenn man den ersten Frost abwartet, dann wird der Weißdorn noch etwas süßer. Gibts keinen Frost oder man hat keine Lust zu warten, geht auch die Tiefkühltruhe.
    Bei Schlehen ist das noch wichtiger weil so das pelzige weggeht.