Real Survival - Die Karpaten abseits

  • Dieses Jahr war ich wieder in meiner alten Heimat, fast alles ist gänzlich anders gekommen als ich es mir vorgestellt hatte.
    Hatte blöderweise auch Pech mit Unwetterkatastrophen in den Gegenden wo ich eigentlich hin wollte und bin auch noch unvermittelt krank geworden.
    Trotzdem, was ich erlebt habe war jenseits von aller Planung und es waren ein paar unvergessliche Erlebnisse dabei von denen zwei wirklich extrem waren und eigentlich fast als Survivalsituationen angesehen werden können.


    Tour 1: Wo zum Teufel ist mein Zelt?


    Das Baiului Gebirge liegt direkt gegenüber von Rumäniens größter Bergatraktion, dem Bucegi Gebirge, dem felsigen Giganten mit seinen Nationalheiligtümern dem Sphinxfelsen und dem Omu Gipfel. Durch Seilbahnen und die Lage direkt am Prahovapass ist das Bucegiplateau zumindest an seinen Hotspots im Sommer mit Flip Flops tragenden Bukarestern überlaufen.
    Schon oft stand ich auf dem Bucegi gebirge und blickte nach Osten und fragte mich was wohl dieses langgezogene namenlose Gebirge dort sein könnte.


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    Blick vom Bucegi auf das Bailui Gebirge aus dem Jahr 2008


    Irgendwann hab ich es dann mal als Muntii Baiului identifiziert, deren nördlicher Abschnitt auch Muntii Neamtului- also das Gebirge des Deutschen, bekannt ist. Ich hab mir immer mal wieder vorgenommen dort mal hinzugehen, habs aber dann nie gemacht. Auch dieses Jahr standen die die Muntii Baiului nicht auf meiner Liste aber in den Gebieten wo ich eigentlich hin wollte, gab es extreme Unwetter mit Überschwemmungen wo ganze Dörfer weggespült wurden. Also muss improvisiert werden.
    Die Idee ist mir eher spontan gekommen, hab sie dann auch schnell in die Tat umgesetzt. Zum Glück hatte ich eine Karte wo dieses Gebirge auch eingezeichnet ist. Ohne all zu viel Planung hab ich mir Essen für ca. 3 Tage besorgt und hab am nächsten Tag den Zug nach Azuga genommen.


    Hier wandert man erst mal die Straße lang:


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    ...an Wunderwerken kommunistischer Baukunst.
    Am Ende des Dorfe beginnt dann der Forstweg.
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    Zuerst noch ziemlich Plantagenmäßig beginnen die Wälder schnell wilder zu werden.


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    Hier hab ich auch eine Menge Tierfährten gefunden:


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    Links ziemlich verwaschen ein Bär der den Schritt gezogen hat dadurch das "Gefälle" unten. Rechts Hirsch ebenfalls gezogen. Sieht dann fast wie Menschenspuren aus.


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    Hier auch mal ein Super Beispiel für eine Wolfsspur. Wie man sieht wurde die Hinterpfote in das Trittsiegel der vorderen gelegt. Diese Art des gehens nennt man "schnüren" auf deutsch und ist einzigartig für Wölfe, damit kann man sie von Hunden unterscheiden.


    Wie erwartet war die Karte nicht wirklich genau und ich lief auf einem Weg der gar nicht eingezeichnet war, nicht genau wissend wohin, aber grob in richtung Kamm. Der Forstweg ging rechts den Berg rauf, aber ich hatte keine Lust dem zu folgen, der Bachlauf sah viel interessanter aus und wer weiß wohin der mich noch führen würde.


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    Weiter gehts immer höher Wegelos den Bachlauf entlang


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    Hier wirds schon richtig schön wild.


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    Irgdenwann verengt sich der Bachlauf und wird so steil dass ich nicht mehr direkt an ihm weiter kann, also entscheide ich mich recht den Hang hoch zu gehen.


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    Ab hier laufe ich durch einen alten Buchenwald. Ohne Weg folge ich den Wildwechseln.


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    Ein gefallener Riese.


    Nach einiger Zeit erreiche ich auch die Baumgrenze. Diese ist durch die Schafe etwas niedriger als sie natürlich wäre.


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    Hier oben ist Wolfsland und Schafe enden oftmals so.


    Der Kamm des Baiului Gebirges ist ganz anders als jedes andere Gebirge das ich kenne. Es ist zwar ein Hochgebirge mit fast 2000 m Meereshöhe aber es gibt keinen einzigen Felsen im ganzen Gebirge. Es gibt nur endlose Hochsteppen. Oft genug denkt man man ist irgendwo in der Mongolei gelandet. Diese besondere Athmosphäre in den Hochlagen der Karpaten macht sich hier besonders stark bemerkbar. Es ist mit Worten natürlich schwer zu beschreiben, aber durch dieses fehlen von fast allem hier oben, hat man sehr viel stärker das Gefühl von total Einsamkeit als in Gebirgen die felsiger sind.


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    Wilkommen in der Mongolei... ähm Rumänien natürlich.


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    Auch hier oben, untrügliches Zeichen dass es voll ist mit Wölfen hier. die Hirten, die einzigen Menschen die ich hier oben traf sagten das selbe, sie verfluchen die Wölfe. Hier muss es echt viele geben. Ist auch eine gute Landschaft für sie.
    Wegen der Wölfe haben die Hirten auch sehr viele Hirtenhunde. Ich wurd hier regelmäßig von den Hunden umkreist und angebellt. Teilweise ziemlich nervenaufreibende Situationen. Bis der Hirte kommt ist man ganz auf sich alleine gestellt. Hab darum in solchen gegenden immer einen Prügel dabei um die Köter auf Distanz zu halten. Ich bin das mitlerweile gewöhnt, war aber schon mit Leute unterwegs die das noch nie erlebt haben und die habens dann mit der Panik bekommen. Etwas was man nicht tun sollte.


    Ich geh immer weiter auf dem Kamm Nordwärts:
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    Namenloser Gipfel mit ewig altem Kreuz


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    Hier an dem Rinnsal hab ich mein Wasser aufgefüllt. Was da so Neongelb blüht ist Frauenmantel in rauhen Mengen. In solchen Baumlosen Hochlagen immer ein guter Indikator für Wasser.


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    Links vermutlich der Unghia Mare, ein Gipfel der neben dem Hauptkamm liegt und daher wohl fast nie begangen wird.


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    Hier bin ich auf dem "Varful Rusului" (Gipfel des Russen) mit 1901 m. Es gibt hier auch einen Türkengipfel und natürlich ist der höchste Gipfel dieses Massives "Neamtului" (Der Gipfel des Deutschen) :D


    Im Sattel zwischen Rusului und Stevie hab ich mein Zelt aufgebaut. dem einzigen halbwegs ebenen Plätzchen hier. Im Bucegigebirge hat es Gewitter gegeben und auch hier kam etwas Regen an aber nicht die Welt. Es hatte sich schnell wieder aufgeklart.


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    Zum Abendessen gabs Chinainstantnudeln verfeinert mit kleinen Riesenbovisten die hier oben in rauhen Mengen wachsen:


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    Zwar war es klar aber diese Wolken die die Hänge hochziehen waren ein Warnzeichen. Ich hoffte aber auf gutes.
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    Nachts kam es dann aber anders. In allen Gebirgen um mich herum gabs gewaltige Gewitter, entgegen aller Wetteransagen. Über all Donner um mich herum und dann auch ein starker Wolkenbruch. Ich hab noch ausgeharrt aber gegen 3 Uhr nachts kams dann ganz Dicke. Ganz in der Nähe hinter mir Schlug ein Blitz am Gipfel ein und ich war direkt im Kern des Gewitters. Zwar müsste ich im Sattel recht sicher sein, aber man weiß nie. Also schnell angezogen das wichtigste in die Taschen gestopft und runter zur Baumgrenze gerannt und mich unter eine kleine Fichte gekauert. Lieber wird das Zelt getroffen als ich. Nachdem das Gewitter vorbergezogen war war mein Plan eigentlich wieder ab ins Zelt und wieder aufwärmen.
    Hier ist es dann geschehen. Ich hab das verdammte Zelt in der Dunkelheit, dem Regen und Nebel nicht mehr gefunden obwohl es reflektierende Spannschnüre hat. Ich laufe am Hang hoch und runter, zwar ohne Blitze aber immer noch im strömenden Regen. Nach einer gefühlten Ewigkeit hab ichs dann aufgegeben.
    Das war schon psychisch eine schreckliche Situation. Völlig verirrt in der Dunkelheit ohne den Großteil meiner Ausrüstung.
    Ich musste als kurzerhand entscheiden, runter von der der Hochebene und ab zu den Bäumen. Unter einer der kleinen extrem dicht gewachsenen Fichte hab ich mir dann ganz schnell ein Notlager aus anderen Fichtenästen gebaut die ich über mich gelegt habe und mich in Fötushaltung reingekauert um die Kerntemperatur möglichst zu halten.
    Unter der Fichte wars trockener als im freien, aber trotzdem immer noch klitschnass. Das wichtigste war, dass man hier zum großteil vor dem Wind geschützt war. Bei etwa 7°C, komplett durchnässt, hätte der Wind mich getötet.
    Hier konnte man es wenigstens halbwegs aushalten, auch wenn ich hier ordentlich unterkühlt war und geschlottert hab.
    Das waren die mit Abstand längsten 3 Stunden meines Lebens. In fast absoluter Dunkelheit, Klitschnass. Zwischenzeitlich hab ich immer mal Übungen gemacht um Warm zu werden. Sonst schaff ich ja an die 50 Liegestütze, aufeinmal in dieser Notlage waren 80 Stück aufeinmal kein Problem mehr.


    Man hat natürlich immer genau das vergessen was man braucht. Mit einer Rettungdecke wäre ich sher viel angenehmer durch die Nacht gekommen. Ich hab sonst auch immer eine dabei, aber genau diesesmal vergessen. Hauptsache ich hatte ein Messer :messer


    Gegen 6 war es halbwegs hell genug um etwas zu sehen. Jetzt kam aber eine Nebelfront die schön gegen mich gearbeitet hat und mir das Suchen nach dem Zelt schön erschwert hat. Eigentlich war das Zelt direkt rechts neben dem Weg in Nordrichtung gesehen. Das war mein Anhaltspunkt. Nachdem ich etlich male zwischen den beiden Gipfeln hin und her bin und schon fast verzweifelt, hab ich das Zelt letzendlich gefunden.
    Das war glaub ich einer der glücklichsten Momente in meinem Leben. Hier wurd mit erst mal klar wie extrem ich die Orientierung verloren hatte. Der Hang den ich runtergerannt bin nachdem ich das Zelt in der Nacht nicht mehr gefunden hatte, hielt ich für den Westabhang, aber ich bin den Ostabhang heruntergerannt.
    Es ist keine Angeberei wenn ich sage dass ich eigentlich einen überragenden Orientierungsinn habe und wer mit mir unterwegs war, weiß dass ich eigentlich immer den Weg bzw. einen Weg finde.
    Aber hier mitten in der Nacht bei Starkregen, Pechschwarzer Dunkelheit, Nebel und einer Grasbewachsenen Hochfläche ohne jegliche Orientierungspunkte ist es mir zum ersten mal passiert dass ich grundlegend den Sinn für jegliche Himmelsrichtung verloren hab.
    Das ist mir jedenfalls ein Lehre fürs nächste mal falls mir sowas passieren sollte. Dann werd ich irgendwie meinen Weg markieren.


    Im Zelt hab ich mich jedenfalls ersteinmal ausgezogen und bin ab in den Schlafsack um mich auszuwärmen. Zu meiner Überraschung hat das Zelt innen komplett trocken gehalten und hat auch bei dem starken Wind, ohne mein Gewicht nicht anstalten gemacht wegzufliegen.
    Das war sein erster harter Einsatz neben nur einmal testweise hier im heimischen Wald aufgebaut. Für wens interessiert ist ein Blackthorne Highlander. Ein Gelert Solo Klon. Winziger Einpersonensarg. Aber wiegt nur 1,3 Kilo hat winziges Packmaß und hat ne kleine Apsis für die Klamotten und den Rucksack. Hat sich jedenfalls mehr als gut bewährt.


    Gegen 9 Uhr war ich wieder halbwegs aufgwärmt. Dann also Satz trockener Sachen an und alles zusammengepackt. Eigentlich wollte ich auf den Neamtului Gipfel, aber es war extrem dichter Nebel und auch noch am Regnen. Und nach dem nächtlichen Abenteuer war ich auch schön ausgezehrt um jetzt noch den ganzen Kamm durchzuziehen.
    Von dem ohnehin kaum erkennbaren Pfad war jetzt erst recht nix mehr zu erkennen, also ab wegelos den Westhang hinunte querfeldein durch den Bergwald.
    Immerhin hab ich hier aus der Not eine Tugend gemacht und einen völlig unbekannten und wegelosen Abschnitt durchquert mit wilden Bergfichtenwäldern. Ab hier hab ich dann auch wieder Fotos gemacht:
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    Einfach nur grandios diese Bergwälder


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    An dem Zusammenfluss zweier Bergbäche war eine kleine Wiese nachdem ich diese durchquert hatte tauchte ein kleiner Hirtenpfad auf. Hier war ich wieder in der Zivilisation und brauchte nur dem Weg ins Azugatal zurück nach Azuga folgen.


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    Nun dies war ein ordentliches Abenteuer auf einer "kleinen" eigentlich gar nicht vorgesehenen Tour. Ich hab einige völlig ebgelegene Orte entdeckt und eine "Survivalsituation" gehabt die gar nicht so ist wie mans sich immer vom gemütlichen Sessel aus ausmalt, mit Messer und Feuerbohren und Figure 4 Trap Elche fangen. Es waren zum einen Entscheidungen zu treffen und die absoluten Grundlagen umsetzen und zum anderen einfach stumpfes stoisches ausharren und ganz viel geht vom Kopf und der Mentalität aus.


    Das wars fürs erste. Es folgt noch eine schöne Genusstour mit Ernähren aus der Natur, fast schon wie eines unserer Bushcrafttreffen, und unerwarteten Begegnungen und noch einmal kommts ganz hart.

    Zu viel Theorie verdirbt nur das Abenteuer. - draussen

  • Hi AJ - Super Bilder von einer Wahnsinns_Gegend. Hammer-Erlebnis - habe lange nichts spannenderes gelesen.
    Habe beim lesen mit dir gefroren.


    Danke für den tollen Bericht! :biwak

    „Wir gehen eines Tages kaputt, weil wir zu faul sind, zu Fuß zu gehen.“ Reinhold Messner

  • Tour Zwei: Schlemmen in der Vranceawildniss


    Ich bin ja blöderweise erkrankt, weil ich unbdeingt verdorbene Kirschen essen musste, was mich fast eine Woche Nichtstun gekostet hat.
    Direkt am ersten Tag habe ich von Brasov den Bus nach Focsani genommen.


    Mein Ziel war Lepsa, ein winziges Dörfchen im Putnapass. Der Weg dorthin ist schon ein Abenteuer für sich. Die Straße ist die einzige Verbindungsgstraße in der Gegend zwischen Transilvanien der Moldau durch die Karpaten über mehr als. Sie ist gekennzeichnet als "Drum National", also vergleichbar mit unseren Bundestraßen, aber diese hier ist nur eine Schotterpiste, im Winter gibts oft genug gar kein durchkommen.
    Nach einer schüttligen Fahrt in einem Mikrobus der ganz eindeutig nicht für solche Strecken gemacht ist, bin ich in Lepsa ausgestiegen.


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    Es gibt hier ein klein wenig Tourismus, Hauptsächlich von Tagestouristen die aus Galati hierherkommen um die Tisitaaschlucht zu sehen. Aber in die tieferen Gebiete der riesigen Wälder hier wagt sich fast nie ein Tourist.
    Diese Tisitaschlucht war auch mein Ziel. Sie haben da einen hübschen Themenweg über die Wildtiere gemacht mit Hinweisschildern und pipapo. Hier in den Vranceabergen ist die Dichte an Bären, Wölfen und Luchsen am größten, ebenfalls gibt es hier riesige Hirsche und die größten Keiler der Welt mit über 300 Kg.


    Zuerst überquer ich die Putna, die für ihre Forellen bekannt ist.


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    Die Tisita kurz vor der Konfluenz mit der Putna.
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    Hier finden sich die verschiedensten geologischen Straten und Gesteinsschichten. Dieses ganze Gebiet des Karpatenbogens ist die geologisch a vielischichtigste und auch aktivste. Fast alle Erdbeben haben hier ihr Epizentrum. Daran sollte man nicht gerade denken wenn man unter den Felswänden entlangspaziert.
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    Kleine Brücke über die TiÈ™iÈ›a


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    Der erste von drei Tunneln. Man glaubt es kaum aber vor dem zweiten Weltkrieg wurden hier von Italienern und später von deutschen eine Lorenbahn bis tief in die Berge getrieben um die riesigen Wälder besser ausbeuten zu können. Heute ahnt man fast nix mehr davon dass hier einst Holz im großen Stil abgebaut wurde. Es ist alles wieder von Wäldern bedeckt und Schutzgebiet. Nur wenn man genau hinschaut sieht man dass die Baumriesen an vielen stellen fehlen und einige letzte große große alte Birken zeugen von einer Zeit als sie Kahlschlagflächen neu besiedelten.
    Es hat hier also eine natürlich Sukkzesion stattgefunden die jetzt kurz vor dem stabilen Entstadium des Buchen-Tannen Hochwaldes steht. Das was im bayrischen Wald gerade erst begonnen hat.


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    Es geht immer weiter die Tisita hoch. Je weiter man kommt desto wilder wird es.


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    Mehrmals muss man den Fluss überqueren. Ich hab an diesem Tag noch mit den Nachwehen meiner Darmerkrankung zu kämpfen gehabt und hab mich daher noch nicht so fit gefühlt und bin dementsprechend langsam voran gekommen.


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    Die nächste Furt


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    Der Blick von einem kleinen Aussichtspunkt nach einem Gewaltanstieg in das weitere Tal.


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    Und hier taucht auch schon meine Hauptnahrung für die nächsten Tage auf. Durch das warm feuchte Wetter der letzten Wochen hat es einfach nur unglaublich viele Pilze hier gegben. Vor allem Pfifferlinge. Ich hab an die 6-7 Kilo gesammelt und es sah nachher so aus als hätte ich fast nix genommen, so voll war es dort. Das kommt davon das die Zigeuner nicht so die tief in die Wälder kommen und alles leersammeln.


    Neben Pfifferlingen habe ich auch "Bitterlinge" gesammelt. Dieser Pilz ist hier im Westen total unbekannt. der lateinische Name ist (Lactarius piperatus). Er wächst vor allem in Buchenwäldern im Streu ist fast ganz weiß, hat sehr engstehende Lamellen und lässt eine weiße Milch die roh unglaublich scharf ist. Man kann diesen Pilz nicht kochen. Er ist aber der beste Grillpilz den ich kenne, weil er weiterhin saftig bleibt und nicht austrocknet. Die Milch wird durch die Hitze chemisch umgewandelt und brennt nicht mehr.


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    Ein Uhu im Baum


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    Kurz vor meinem Lagerplatz, einer kleinen Wildwiese am Fuße vom "Christianu".
    Ich hab damit gerechnet total einsam hier zu sein, denn es kommt fast nie jemand hier vorbei. Doch diesesmal traf ich genau an meiner Zeltstelle zwei Typen die sich schon eingerichtet hatten und Feuer angefacht.
    Wir haben uns schnell angefreundet.


    Die beiden hatten auch noch einen Eimer mit Pifferlingen. Also war unser Abendessen Pfifferlinge mit Zwiebeln und Couscous. Auch die nächsten Tage ersannen wir alle mögliche Rezepte mit Pifferlingen. Denn zu Essen hatten sowohl sie als auch ich reichlich dabei. Auf der wilden Wiese wuchsen noch Minze, Dost, Tyhmian, Johannisskraut und anderes woraus wir uns Tees machten.


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    Da ich ohnehin ohne großen Plan bzw. ohne festes Ziel los bin, hab ich mich den beiden einfach angeschlossen. Wir hatten hier auf der Wiese unser stationäres Lager und haben von dort aus immer Touren in die Umgebung gemacht. Natürlich war auch immer das Kochen und Essen sehr wichtig wenn wir zurückkamen. Halt genau wie unsere BCP Treffen. Der Platz wäre übrigens ideal für so ein Bushcrafttreffen. Einfach mal ne Woche dort abhängen. Tiere beobachten, Kochen, pflanzen suchen, Kochen auf die Gipfel steigen, Kochen.



    bushcraftportal.net/gallery/index.php?image/5089/ Die Wiese nah bei unserem "Basecamp"


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    Verlassen Sennhütte ganz in der Nähe von unserem Lager.



    Eine unserer Touren führte uns auf den Christianu. Zuerst durch ein komplett wildes Bachtal.
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    Der Ausblick nach Norden. Bis zum Horizont nur Wäklder und ein paar Spitzen über der Baumgrenze.


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    Fast ganz oben


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    Blick nach Süden auf den Dealul Negru - den schwarzen Hügel. Rechts ist das Tisita-Aurie Tal, die Goldene Tisita. Ein riesiges wegeloses Tal. Ich hab einen Morgen alleine einen Spaziergang ein Stück rein gemacht und hab prompt meine Kamera im Camp vergessen. Dafür könnt ich mich in den Arsch beißen. Das gehört mit zu den wildesten Tälern in den Karpaten.


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    Bussard


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    Blick auf den Coza Gipfel.


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    Hier war es übervoll mit Walderbeeren wo man in Windeseile Hände voll sammeln konnte.


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    Hier noch ein Bild von einem kleinen abstecher auf einen anderen Hügel den ich alleine gemacht hatte. Ich hab dort einen Bären aufgespürt und war wollte ihn fotografieren. Vom Geruch und Geräusch war er ziemlich nah an mir, doch das Gelände war zu zugewachsen da hab ich ihn lieber ziehen lassen. Das wäre zu riskant in dem Dickicht.
    Dafür hab ich hier dann meine Trophäe gefunden:


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    Da ich keine Angel dabei hatte hab ich versuch Forellen mit der Hand zu fangen. Hab aber bis auf eine kleine nutzlose Grundel nix gefangen und irgendwann wurds auch zu kalt in dem Bergbach.


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    So gings dann nach paar feinen Tagen durch die Schlucht wieder zurück nach Lepsa, wo wir natürlich erstmal in einem Restaurant essen mussten. Also ein bischen essen muss schon sein. :D


    Hier hat Bogdan eine Mitfahrgelegenheit gefunden und wir verabschiedeten uns.
    Marius und ich hatten das selbe Ziel. Da der Bus nur einmal täglich fährt hatten wir uns schon damit abgefunden auf ner Wiese noch mal das Zelt aufzuschlagen. Unterwegs hab ich noch von ner altne Baba nen geräucherten Käse gekauft der megalecker schmeckt.


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    In Rumänien sind im Sommer die Leute auf dem Land immer bis spät Abends alle auf der Straße.


    So haben wir dann auch noch eine Mitfahrgelegenheit bis nach Sf. Gheorge gefunden von wo wir dann auch nen Zug nach Brasov nehmen konnten.


    Dies war mal zu Abwechslung eine Tour ohne Streß, aber immer nette Begegnungen gehabt. Mit den beiden bin ich jetzt noch in Kontakt um vielleicht noch in Zukunft weitere Touren zu machen.



    Der Knüller kommt aber noch.

    Zu viel Theorie verdirbt nur das Abenteuer. - draussen

    2 Mal editiert, zuletzt von Affenjunge ()

  • Moin AJ,


    tolle Tour und interessanter Bericht, den ich noch nicht zu Ende lesen konnte - nur schnell 2 Hinweise dazu: Füchse schnüren auch (von Wölfen ist es mir neu), der Name kommt daher, dass die Trittsiegel in exakter Reihe, wie "aufgeschnürt", vorliegen. Der Bussard ist mit ziemlicher Sicherheit eine Weihe, würde sagen Kornweihe - bin mir da aber nicht sicher.

  • DANKE !!
    Für Deine ehrliche Erzählung, für das Bild mit dem hier fast unerfüllbaren Traum des Uhus einfach mal so im Wald oder den Wolfspuren, und der Erkenntnis wie unglaublich viel ökologisches/biologisches Wissen ich seit meinem Studium wieder vergessen habe (Sukzession, Waldstadien, Zeigerpflanzen, ...).
    Habe alles gleich zweimal gelesen und die Bilder lange betrachtet, super!
    :gb

    Top Ausrüstung folgt nur EINEM Kriterium: "reduced to the max"

  • Moin AJ,


    tolle Tour und interessanter Bericht, den ich noch nicht zu Ende lesen konnte - nur schnell 2 Hinweise dazu: Füchse schnüren auch (von Wölfen ist es mir neu), der Name kommt daher, dass die Trittsiegel in exakter Reihe, wie "aufgeschnürt", vorliegen. Der Bussard ist mit ziemlicher Sicherheit eine Weihe, würde sagen Kornweihe - bin mir da aber nicht sicher.

    Ja da hast du Recht hab ich mich falsch ausgedrückt. Füchse und Schakale schnüren auch, aber Schakale gibts hier bei so dichten Wäldern nicht, weil sie die Wölfe fürchten. Die Schakale leben mehr im Offenland in der Baragansteppe und den Cibinbergen und auch im Donaudelta.
    Und Fuchsspuren kann man gut von Hundespuren unterscheiden. Bei Wolfspuren ist das schwerer weil sie schon sehr ähnlich sein können.


    Der Vogel ist aber keine Kornweihe. Ist ein Wespenbussard. Ich hab den Schrei gehört, sie wollte uns von ihrem Nest fernhalten.

    Zu viel Theorie verdirbt nur das Abenteuer. - draussen

  • Ah, an Wespenbussard habe ich gar nicht gedacht, das passt! Ich sah nur, dass die Schwingen eine ähnliche Zeichnung wie beim Rotmilan aufweisen, und das sind dann meist die Weihen (-Weibchen). Gerade die langen dunklen Federn der Handschwinge haben mich irritiert. Und wenn Du sagst, da war ein Nest, dann ist es eh keine Weihe (da Bodenbrüter und Jungtiere mittlerweile flügge).

  • Das beste kommt immer zum Schluss


    Laita, die Unbesiegte


    Manchmal geschehen Dinge wo man schon fast nicht mehr an Zufall glauben kann. Was mir auf dieser Wanderung passierte war schon sehr kurios und anders als alles was ich mir vorgestellt hätte.


    Die Karpaten gelten nicht zu unrecht als sehr wild und ungezähmt, aber dennoch sind sie auf den größten Teilen vom Menschen erschlossen. Es gibt Hirten und Forsthütten, Zugangswege, Wanderpfade und Forststraßen.
    Nach langem suchen in Internet und in Karten habe ich im Fagarasgebirge, dem ohnehin schon größten und schwierigsten Gebirge in Rumänien ein Tal ausfindeig gemacht, welches anscheinend vollständig frei von jeglichem menschlichen Einfluss ist., das Laitatal Genau dieses habe ich versuch zu durchqueren. Es sollte anders kommen als ich erwartet hätte.


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    Hier wurde ich bei Carta rausgelassen und musste ein gutes Stück über die Transfagarasan Straße. Zum Glück konnte ich mit trampen recht schnell vorwaärts kommen.


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    Cartisoara Straßenansicht


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    Bauernhaus aus dem 19. Jhd.


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    Auch aufm Pferdekarren kann man stilvoll reisen .


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    Hier komme ich zum ersten mal an der Laita vorbei. Hier plätschert sie noch friedlich, weiter oben sieht das schon anders aus.


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    Gebirge kommt schon näher.


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    Da tut sich das Tal vor mir auf


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    Neuntöter


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    Orchidee


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    Hier musste ich den Fluss eine Weile überqueren und folgte dann kurz einem Forstweg. Ab dann gings direkt am Fluss entlang.


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    Der Forstweg zieht links oben den Hang hoch bleibt man am Fluss schlägt einem die Wildniss richtig ins Gesicht.


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    Es gibt hier keinen Pfad oder ähnliches mehr. Mein Vorankommen wird sehr langsam. Dauernd muss ich mich umsehen und einen Weg finden. Das Gelände besteht aus nassem Laub und steilen Felsen die mit Moos bewachsen sind.


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    Seitental.


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    Ein kurzer Stück konnte ich noch einem alten Pfad folgen.



    So langsam verabschiedete ich mich von dem Gedanken das Tal auf diese Weise zu durchqueren. Ich war erst ein paar hundert Meter rein und hatte kaum eine Chance. Auf dem anderen Hang sah es zu guten Teilen einfacher aus, aber hier fand ich keine guten Stellen zum Waten.
    Also war meine nächste Idee den Hang hoch bis zum Kamm und diesem eine Weile zu folgen um dann wo sich das Tal etwas mehr öffnet wieder auf den Talboden abzusteigen. Im einzigen Bericht den ich zu diesem Tal finden konnte, war das Vorgehen das selbe.


    Zwar war der Weg über den Hang einfacher als am Bach entlang aber alles andere als einfach. Auch hier kamen immer wieder große Felskämme und fast unpassierbare Seitentäler auf. Dazu die obligatorischen umgestürzten Bäume eines Urwalds. Durch seine Lage am Nordabhang des Fagaras und weil es so steil ist, scheint die Sonne am Talboden nur ein paar Stunden täglich. Dadurch ist es vor allem im unteren Teil des Tales bis etwa zu Laubwaldgrenze praktisch immer feucht. Oft hat man Glimmerschieferplatten die man ncht sieht weil eine Laub und Humusschicht drüber ist und wenn man drauf tritt rutscht man weg.


    Der weg war also mehr ein kompliziertes Zickzack als einfach nur hoch:


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    Imm wieder kommen Felswände mitten im Wald auf.


    Nichtdestotrotz ist auch dieser Abschnitt unglaublich schön. Hier hat sich noch die alte Welt erhalten.


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    Die Baumriesen. Zeugen einer anderen Zeit.


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    Oben ab der Fichtenwaldzone wurde es schon deutlich einfacher zu durchqueren und auch das Gelände wurde flacher.


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    Super Naturshelter. Schade dass sowas nie aufkommt wenn mans braucht.


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    Ich lief jetzt eine ganze Weile auf dem Kamm. Meine Karte zeigte hier einen unmarkierten Weg von dem man hin und wieder Reste erkennen konnte aber es war fast nix mehr zu sehen. Hier muss seit Jahrzehnten keiner mehr gewesen sein. Auch der Kamm wurde je höher es ging immer felsiger, dazu kam mannshohes Gras. Irgendwann wich ich nach rechts in den Wald aus.


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    Hier sieht man das östliche Nachbar Tal vom Laitatal, das Valea Doamnei. Ich hab mir auch die Option offengehalten, sollte das Laitatal undurchquerbar sein in dieses abzusteigen.


    Noch folgte ich also etwas weiter unterhalb des Kammes auf der rechten Hangseite und war etwas unschlüssig was ich tun sollte. Ich wollte mich doch entscheiden wieder schräg links ins Laitatal abzusteigen weil ich vermutete dass der Talboden sich hier weiten würde.
    Gerade wollt ich also runter gehen, da erblickte ich im absoluten Niemandsland zwei Regenschirme die da durch den Bergwald spazierten.


    Was für eine Überraschung. Die Überraschung wurde noch größer als ich sie aufeinmal deutsch, genaugenommen schwäbisch sprechen hörte.
    Es handelte sich um eine Ehepaar aus Stuttgart. Sie hatten sich ebenfalls auf diesen "Weg" auf der Karte verlassen und meinten jetzt auf ihm zu sein. Es war tatsächlich ein kleiner Pfad, allerdings gab es davon hier viele die einfach nur Wildwechsel waren.
    Da sie jetzt aber meinten dies wäre der Weg bin ich ihnen also gefolgt.
    Sie wollten auf einem Sattel den Kamm überqueren und ins Valea Doamnei absteigen. Eigentlich hatten sie als Ziel die Baleahütte, weil sie ohne Zelt unterwegs waren.
    Es fing recht stark an zu regnen und wir kamen an die Waldgrenze. Der "Weg" stellte sich recht schnell als Wildwechsel heraus und verlor sich wie ich erwartet hatte. Hier wurde das Gelände richtig ätzend. Kleine dichte Fichten und Krüppelkiefern, steile Hangneigung und immer wieder unsichtbare Felsen und Hänge verborgen durch das mannshohe Gras. Wir kamen praktisch gar nicht mehr vorwärts und waren klitschnass. Bis zum Gipfel bzw. Kamm wären es noch über 100 Höhenmeter und wir hatten schon 6 Uhr Abends. In dem Tempo wären wir um halb 8 auf dem Kamm und dann hätten wir all das noch mal auf der anderen Seite runterlaufen müssen und soweit ich noch im Kopf hatte war die andere Seite dieses Kammes deutlich felsiger. (Nachträglich habe ich bei Google Earth gesehen dass es dann tatsächlich so war.)
    Die beiden hatten nichteinmal ein Zelt dabei und darum hab ich gesagt wir müssen hier runter in den Wald. Sie haben dann schnell eingesehen dass ich Recht hab und wir sind haben versucht einem Sattel nach unten in den Wald zu folgen.


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    Ein Foto von unserem Umkehrpunkt. Das Gelände was man in der unteren linken Bildhälfte sieht gehört zum schwersten und Kräftezehrendsten was es überhaupt gibt.


    Wir haben es dann geschafft in den Wald vorzustoßen wo das vorankommen deutlich leichter wurde. Bei einem halbwegs ebenen Fleckchen an einer Felswand haben wir dann das Nachtlager errichtet. Es hatte zum Glück aufgehört zu regnen.


    Hier baute ich erstmal mein Zelt auf einer winzigen ebenen Fläche die gerade eben so reichte.
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    Für die beiden wurde unter einer umgestürzten Fichte mit Rettungsdecke und Ästen ein Lager errichtet. Zum Glück hatten sie Schlafsäcke dabei, die auch ordentlich warm hielten.


    Also nächstes dann also schnell Feuer anmachen. Hier wars nach dem Regen zwar nass aber in so einem Fichtenwald immer was brennbares. Die Rentierflechten die an den Bäumen hängen sind darüber ein super Zunder. Das einzig richtige nervige ist. Richtige Bergfichten die weit oben gewachsen sind, sind auch tot noch viel biegsamer als Plantagenbäume im Flachland und das abbrechen der Äste ist eine Qual :D


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    Feuer, die Motivationsbombe in jeder Notlage. Zum Glück hatten wir genug zu essen dabei und mussten nicht hungern. Hier konnten wir uns schön aufwärmen und unsere Sachen trocknen. Ich bin sicher dass wir die ersten Menschen die an diesem Ort jemals gelagert haben so abgelegen waren wir.


    Am nächsten Morgen haben wir uns entschlossen ins Tal abzusteigen und von dort wieter zu sehen.
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    Auch hier mussten wir durch diese absolut wilden Fichtenurwälder, immer wieder mit Felsen durchsetzt. Ich ging immer vor und sagte wo die beiden langmüssen. Das Gelände hat sie sichtlich überfordert. Sie sind zwar an und für sich Wandererfahren aber nur auf gut ausgebauten Wanderpfaden von Hütte zu Hütte. Die Urwildniss hat sie vor allem auch mental geschafft.


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    Langsam nähern wir uns dem Talboden.


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    Endlich waren wir am Talboden angekommen. Hier wurd erstmal verschnauft. Es sah aus als ob es einen Pfad geben würde. Beim genauern ablaufen wurd mir aber klar dass es kein Menschenweg war sondern ein Wildwechsel, hauptsächlich von Hirschen benutzt.


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    Wildwechsel über etliche Generationen ausgetreten.




    Wir waren jetzt kurz vor der Waldgrenze am Talboden. Wenn wir nur ein wenig höher gegangen wären wären wir aus dem Wald herausgekommen wo das Gelände nur noch aus Gras bestehen würde. Von hier wäre es dann nicht mehr allzuweit bis zum Caltunsee auf dme Hauptkamm wo es auch eine Biwakschachtel für die beiden gegeben hätte.


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    Hier sieht man die kleine "Tunguska" und welche Kraft das Wasser hat. Dann wird einem auch schnell klar warum die Waldgrenze am Talboden nur bei etwa 1300 m liegt. Lawinen und Hochwässer lassen überhaupt nicht zu dass weiter oben noch etwas wächst. Wenn man genau hinschaut sieht man dass keiner dieser Baumstämme abgesägt wurde.


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    Hier sind wir schon fast an der Waldgrenze man sieht schon die Felswänder hohen Spitzen. Aber genau hier wollten die beiden nicht weiter. Das Gelände war ihnen zu schwer und als sie erfahren hatten dass die Biwakhütte über 2000 m liegt wollten sie unbedingt umkehren und das Tal am Boden nach unten laufen.
    Ich hab versucht ihnen zu erklären das meine Route einfacher werden würde wenn wir erstmal aus dem Wald raus wären. Wir hätten uns auch hier trennen können, aber ich vermutete dass was schlimmes passieren würde wenn ich sie hier alleine lassen würde. Also gut dann wieder runter. Zumindest ein Stück irgendwann hätten wir wieder auf dne Hang müssen.
    Nachträglich wärs sicher besser gewesen meine Route zu gehen.
    Das was in dem Tal da unten folgte ghört zum schwersten und undurchdringlichsten was ich je gemacht hatte. Und ich bin solches Gelände deutlich besser gewohnt als die beiden.
    Die hat dann letzlich auch dazu geführt dass die Frau einen Zusammenbruch hatte. Es war alles zu viel für sie. Sie war heillos überfordert mit der Situation. Mit aller Mühe konnte ich sie dazu motivieren weiter zu machen.


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    Je länger ich also in diesem Tal und an seinen Hängen verbracht desto mehr wurde mir klar was es eigentlich ist.
    Ich bin kein Großsstadtkind dass zum ersten mal im Stadtwald vor lauter Naturerlebniss in Ohnmacht fällt.
    Zumindest auf europäischer Ebene habe ich schon wirklich die wildesten Fleckchen gesehen und weiß was echte Wildnis ist.
    Das Laitatal ist jedoch etwas einzigartiges für Europa. Es ist wirklich vollständig frei von jeglichem menschlichen Einfluss und das auf fast seiner gesamten Länge. In den Karpaten ist es vermutlich das längste und extremste Tal dieser Art in dne Karpaten. Selbst die goldene Tisita ist fast nix dagegen. Im Retezat und Godeanu kann es vielleicht noch solch ähnliche Täler und Ecken geben.
    Es ist auch nicht so ein "gezähmter" Urwald wie Biealowiecza oder die bekannteren Urwälder in Rumänien und dem Balkan mit Rangern, ausgebauten Themenwegen.
    Es ist reines Niemandsland mit all seinen Konsequenzen. Es ist ein letzter Rest der alten Welt und darum auch mein Titel. "Die Unbesiegte". Denn noch hat der Mensch dieses Tal noch nicht gebrochen.


    In Kanada oder Sibirien hätte mich so ein Tal vermutlich weniger beindruckt, weil man es viel eher erwartet aber hier im Herzen Europas ist das etwas absolut einzigartiges.


    Nichts desto trotz befanden wir uns in einer schwierigen Lage und wir mussten durch hartes Gelände mit einer psychisch geschafften Frau.


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    Nicht immer kann man am Fluss bleiben. Oft muss man viel weiter oben an Felswänden und umgestürzten Bäumen entlang. Das dauernde Suchen und Lesen der Fährten ermüdet auf Dauer ziemlich.


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    Wirklich schwer waren auch die Querungen dieser Seitentäler. Dieses ist noch vergleichweise flach.


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    Dies ist mein letztes Bild. Es erwischte uns ein Wolkenbruch und ich verpackte die Kamera. Auf dieser Seite ging es nicht weiter zumindest nicht direkt am Fluss.
    Hier beging ich einen Fehler. Ich meinte auf der anderen Seite würde es weitergehenm, also überqeurten qir den Bach, was alles andere als einfach war, weil es keine guten Stellen zum Furten gab und wir bis fast zuf Hüfte ins Wasser mussten.


    Tatsächlich ging es ein Stück lang entlang des Baches auf der anderen Seite weiter aber dann kam die Sackgasse. Es war regnen aus Kübeln und ich versuchte noch einen Weg auf den Hang hoch zu finden aber es war für mich fast nicht machbar. Meine Begleiter hättens nicht geschafft und die Motivation war auch am Boden.
    Die Frau wollte keinen Schritt mehr weiter und dass wir die Bergwacht rufen. Leider gabs in diesem Tal keinen Handyempfang. Nicht einmal das GPS hat noch richtig funktioniert. Geschweige denn dass es wohl ewig gedauert hätte bis wir hier gefunden wordne wären.
    Das war vor allem für die Moral eine richtig miese Situation und selbst für mich war es schwer mich zusammenzureißen.
    Aber das Wissen das wir von der Aussenwelt abgeschnitten waren und nur wir uns selbst hier rausholen können, war vielleicht ein Ansporn für die beidenn.
    Wir haben uns also entschlossen unter ein paar Eiben auf einem kleinen Plateau direkt oberhalb des Baches ein Lager zu bauen und zum Glück ist auch das Gewitter weitergezogen. Ich hab das Zelt aufgebaut und ersteinmal sich die Frau reinlegen lassen damit sie sich aufwärmt.


    In der Zwischenzeit wurde wieder versucht ein Notlager aus einer zerissenen Rettungsdecke und ein paar Regenschirmen und Ästen zu bauen.


    Hier habe ich es auch beim besten Willen nicht geschafft ein Feuer zu entfachen, bzw. anzuhalten. Hier in diesem Talboden wo es wahrscheinlich 365 Tage im Jahr feucht ist, auch noch jetzt nach dem Wolkenbruch war alles Holz derart Klitschnass bis in den Kern dass selbst Rinde abschälen, klein batonen und Feathersticks machen nix geholfen hat, ich hab sogar versucht das Holz über dem Gaskocher anzufachen aber nach einer kurzen Flamme war schon wieder alles aus.
    Also haben wir uns mit dme Gaskocher direkt aufgewärmt und auch noch gekocht. Zum Glück hat es aufgehört zu regnen und die Nacht war halbwegs trocken. So konnten die beiden in ihrem Lager die Nacht verbringen und ich im Zelt.
    Hätte es weitergeregnet hätten wir es wohl so gemacht dass wenigstens immer zwei sich ins Zelt gequetscht hätten und dann immer abgewechselt, aber so gings in Ordnung.


    Die Nacht war lang und nicht gerad angenehm. Gewckt wurde ich am nächsten morgen durch einen riesigen Hirsch, aber bis ich die Kamera rausgekramt und angemacht hatte, war er auch schon getürmt.
    Gegen 8 Hatten wir gepackt.
    Leider mussten wir jetzt halt ein Stück zurück und noch mal furten. Zum Glück fand ich einen besseren flacheren übergang.


    Ein Stück hoch konnten wir einen Hangabschnitt ausfindig machen den wir nach schräg links folgen wollten bis wir irgendwann wieder auf den Kamm kommen würden.
    Der Aufstieg war letztlich fast nur noch eine Konditionsfrage, wobei ich uns trotzdem immer wieder um Felsen und Seitentäler herumanövrieren musste.
    Ich hab bis oben keine Fotos gemacht, weil ich auch ziemlich geschafft war.



    Es war klar dass sie nicht mehr konnten und wir machten etliche Pausen, aber langsam und allmählich kamen wir nach oben. Als wir dann auf dem Kamm waren wo es deutlich einfacher war und wir letzendlich auf einen Forstweg stießen.
    Ich glaub ich hab mir noch nie so gefreut gefällte Baumstümpfe zu sehen die uns zeigten, dass wir endlich wieder in der Zivilisation waren.


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    Ab hier war der Weg dann klar. Wir haben uns hier verabrschiedet und Adressen ausgetauscht weil ich deutlich schneller gehe als sie und noch den Zug kriegen wollte. Sie wollten wohl in der nächsten Hütte übernachten. Ich hab mir an der nächsten Gaststätte dann erstmal einen Riesenportion "Mici" (ähnlich wie Chvapcici) geholt und dann per Anhalter nach Carta, wo ich dann noch paar Stunden verweilte und mich an dne Fluss legte.


    Dies war also wieder eine gänzlich unerwartete Situation die auch übel hätte enden können. Nicht für mich, aber für die beiden Wanderer, die ohne mich wahrscheinlich in ziemliche Probleme geraten wären. Zum Glück ist alles gut ausgegangen.
    Auch ich hab nicht alles richtig gemacht das ist klar. Die Flussüberquerung hätte nicht sein müssen. Aber vor Ort war das Gelände so unüberschaubar, dass dies nach dem besten Weg aussah. Wenn man nicht selber dort war kann man es nur schwer einschätzen.
    Nachher kann man eh alles schön rational betrachten, aber wenn man involviert ist kommen halt auch Emotionen dazu.
    Ich hab die ganze Zeit über versucht so klar wie möglich im Kopf zu bleiben.
    Aber ich hab auch heimlich irgendwann mal geflucht"Wieo könnt ihr nicht schneller gehen?" "Wieso könnt ihr nicht einfach dort hoch klettern?"auch wenns natürlich nicht richtig ist. Sie können natürlich nix dafür dass sie nicht so schnell sind. Ich hab aber nie versucht irgendeine Verärgerung oder so zu zeigen, so dass die beiden immer motiviert bleiben konnten. Auch hab ich immer Versucht Gespräche zu suchen über essen oder schöne Dinge, dass man sich besser fühlt.
    Solche Extremsituationen sind halt psychologisch ziemlich komplex. Und alles richtig macht man ohnehin nie. Man versucht nur sein bestes.


    So hab also auch ich die Laita dieses mal nicht besiegen können. Ich frage mich ob es überhaupt jemals ein Mensch geschafft hat das Tal der ganzen Länge nach am Fluss entlangzulaufen ohne auf den Kamm auszuweichen.


    Ich bin jedenfalls noch nicht fertig mit diesem Fluss und diesem Tal. Ich werde wiederkommen am besten mit ein paar guten Männern und mit ihnen versuchen die Laita komplett zu durchqueren, wenn sie denn gnädig ist.


    Wer also Lust hat auf ein Abenteuer an einem aussergwöhnlichen Ort den nur wenige Menschen betreten haben, soll sich mal bei mir melden.



    Das wars fürs erste. Vielleicht werd ich noch eine lose Bilderfolge von kleinen Touren und Spaziergängen einfügen.

    Zu viel Theorie verdirbt nur das Abenteuer. - draussen

  • Da sitze ich am PC und MUSS arbeiten, die Datenbankerweiterung muss halt fertig werden ... gucke "nur mal kurz" hier rein und dann MUSS ich so einen geilen Bericht lesen, man, sowas kannst Du doch hier nicht einstellen wenn ich eigentlich zu arbeiten habe !
    MUSSTE ich jetzt natürlich erst mal lesen und mich mitnehmen und verzaubern lassen, beim Lesen und danach eigene Erinnerungen aufleben lassen, mal schnell ne Karte von so einer Erinnerung rausholen und den eigenen Weg grad mal passieren lassen ... hm, und jetzt sind 1,5 Stunden rum und ich habe nix gearbeitet, Sch...
    Jetzt bin ich grad am Flennen weils bei mir im September nur für den Pfälzer Wald reicht, für mehr bin ich grad nicht fit genug ... und deswegen flenn ich gleich wieder und ärgere über mich selbst ... :skeptisch
    Aber nächstes Jahr wieder ... könnte ich ein guter Mann sein ;)


    Ich freu mich für Dich!
    Unerwartete aber so wie ich es rauslese doch trotzdem sehr geile Erlebnisse und Erfahrungen für Dich. Könnte mir vorstellen, dass diese Erfahrungen letztlich "mehr gebracht haben", "aufregender", "motivierender", "befriedigender" waren, als wenn Du das Tal einfach mal eben so durchquert hättest ?!
    Die Anführungszeichen deswegen, weil ich ja nicht dabei war und es ja letztlich nicht für Dich beurteilen kann!
    Aufgrund eigener Erfahrungen wäre das aber für mich so.

    Top Ausrüstung folgt nur EINEM Kriterium: "reduced to the max"

  • Servus, ob Du alles richtig gemacht hast oder nicht, ist im nachhinein egal. Du hast etwas getan. Das zählt. Und das Du innerlich geflucht hast, ist auch völlig normal.
    Danke für das teilen und die Bilder!

  • Hallo AJ,


    Hab Deinen Report regelrecht 'verschlungen'! Wow, einfach nur toll die Bilder, echt geile Gegend da - danke fürs mitnhemen! Schade, dass Du Deine selbst gesteckten Ziele nicht ganz erreichen konntest, andererseits bin ich froh dass Du die Unternehmungen auch ohne groben Blessuren überstanden hast. Finds auch toll, dass Du trotz Widrikeiten anderen Hilfe und Unterstützung zukommen hast lassen - ist nicht immer Selbstverstänlich dass jemand seine eigenen Prioritäten zurücknimmt und einfach mal so die Pläne abändert. Bedanke mich auch über die ungeschönte Berichterstattung, hab stellenweise echt 'mitgelitten' ... Offensichtlich bist eine Beissernatur, denn sitzenbleiben und jammern kann man immer - erlaubt ist was funktioniert. Bei einer Nachbetrachtung wird man immer einen idealer erscheinenden Lösungsansatz finden ...


    Gibt wohl kaum einen hier der sich schon so oft verlaufen hat wie ich. Zum Glück musste ich noch nie ohne Equipment irgendwo im Bergwald biwakieren. Als Dein Zelt nicht zu finden war hast Du angemerkt dass Du zum Glück ein Messer dabei hattest - konntest Du das in dieser Situation auch verwenden?


    Ein guter Freund von mir unternimmt ab und an mal Touren mit seinem Geländemotorad in Rumänien. Seinen Begleitern und ihm ist auch schon einiges passiert wie z.B. Stürze, Knochenbrüche, techn. Pannen u. Motorschäden an den Maschinen - er hat sein Gerät auch mal komplett in einem Bach versenkt ... Den allermeisten Respekt hat er allerdings auch vor den scharfen Hütehunden. Er selbst wurde auch schon mal ziemlich bös gebissen!


    Dass Wege oftmals einfach so im Nichts verschwinden, gibts leider auch hier in Österreich. Grade in Naturschutzgebieten die landschaftlich ausgesprochen schön sein können werden, alte Wanderwege oft nicht gepflegt - denke, auch dass dies beabsichtigt ist und den Schutzgedanken des Gebietes dienen soll. Hatte leider selbst schon einige Male dass Problem dass auf der Karte verzeichnete Wege, Steige etc. komplett verwachsen waren und einfach irgendwo apprupt geendet haben - in A meist kein gröberes Mirakel, da vielfach Forststrassen vorhanden sind die in solchen Fällen genutzt werden können. Fürchte, dass dies in Rumänien nicht so einfach funktionieren würde.


    Danke nochmals für den guten und aussagekräftigen Bericht.


    LG. Franz, bugikraxn.

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    Tu eh nur so als würd ich mich auskennen, damit ich auch mitreden kann.
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  • Als Dein Zelt nicht zu finden war hast Du angemerkt dass Du zum Glück ein Messer dabei hattest - konntest Du das in dieser Situation auch verwenden?

    Das war eher ein spaßiger Seitenhieb auf den ganzen Messerwahnsinn der immer getrieben wird. ;)


    Ja das Messer konnte ich zum Fichtenzweige abschneiden benutzen, aber ich hätte sie genausogut abreißen können.
    Viel nützlicher war mir das Messer wo ich bei unserer ersten NAcht im Bergwald des Laitatales Feuer gemacht hab. Batonen, entrinden, Späne machen und so weiter. Da wars halt wirklich gut dass ich es dabei hatte. Und natürlich beim Pilze zerschneiden. ;)


    Messer ist halt ein nützliches Werkzeug aber man solls auch nicht überinterpretieren. Es ist halt eines von vielen nützlichen Dingen die man auf Tour haben muss.
    Unter dem Baum wäre mir eine Rettungsdecke für 5Teuro lieber gewesen als jedes Damaststahlsupermesser.

    Zu viel Theorie verdirbt nur das Abenteuer. - draussen

  • Hallo Affenjunge,
    hast Du schon einmal daran gedacht ein Buch zu veröffentlichen. Mit diesen tollen Berichten landest Du mit Sicherheit einen Bestseller. Diese Erfahrungen, mit deinem Wissen und deiner Ausdrucksweise niedergeschrieben, ist kaum noch zu toppen.
    Mach weiter so. Danke für diesen sehr guten Bericht.


    LG
    Survivalopa

  • Hallo Affenjunge,


    habe bisher hier immer nur mitgelesen, aber mich jetzt dazu entschlossen einen Account zu erstellen, extra um mich für den tollen Bericht zu bedanken. War wahnsinnig spannend und faszinierend zu lesen und ich kann nur den Kopf darüber schütteln, wie leichtsinnig das schwäbische Pärchen war ohne wirklichen Plan von der Route ohne Zelt los zu maschieren.
    Und dann auch noch mit Regenschirm im Urwald :lol


    Freu mich über weitere tolle Berichte und jetzt wo ich mich schon mal registriert habe im Forum werd ich mich wohl auch vorstellen müssen im entsprechenden Thread :winken

  • Danke für die tollen Bilder und den feinen Bericht.


    Mal zu deinen "Fehlern": Fehler sind nur schlimm wenn man nichts daraus lernt...oder nichts mehr daraus lernen kann.


    Dass man sich manchmal über das, nennen wir es mal Unvermögen seiner Mitmenschen ärgert ist völlig normal, man muss sich halt in entsprechenden Situationen mit Ausserungen dahingehend zurückhalten, das wäre unproduktiv. Und ich denk die Stuttgarter werden wohl viel gelernt haben, v.a. über sich selbst.



    Gruss von der Alb


    PS: Willkommen zurück!

  • Ich hab mir zwischenzeitlich immer mal wieder Gedanken gemacht ob es wirklich richtig bzw. notwendig war, bei dem Gewitter aus dem Zelt zu flüchten, aber wenn ich mir das hier angucke, wars wohl doch nicht das falscheste.


    http://www.wdr.de/tv/kopfball/…/2011/1002/blitz_zelt.jsp



    Auch wenn die Wahrscheinlichkeit in der Regel sehr gering ist, dort oben in den baumlosen Steppe war ich ziemlich ungeschützt.

    Zu viel Theorie verdirbt nur das Abenteuer. - draussen

  • Hoppla, da gab es ja noch mehr... habe ich gar nicht gesehen!
    Also wegen 2 Spätzles hätte ich meine Tourenplanung nicht geändert, für aufrechte Badenser oder sogar Bayern keine Frage, aber für diesen Zungenschlag... niemals! ;)
    Mein erster Gedanke war: "Bestimmt Pfadfinder in vollem Ornat und Klampfe!?!" aber Stuttgarter sind genauso schlimm.
    Es hat schon einen Grund weshalb du der einzige bist bei dem ich einen Kurs machen würde (ok, beim J.Vogel vielleicht auch noch, aber dafür würde ich keine 2k km fliegen). Das hast du gut gemacht, und das einem mal der Geduldsfaden reisst ist auch normal.
    Wie schwer das Gelände wirklich ist kann man auf vielen Bildern nicht wirklich erkennen, aber da ich ähnliche Gebiete kenne weiss ich wie schwierig das vorankommen wirklich gewesen sein muss. 2 Schritte vor, ein halber zurückgerutscht und halb umgeknickt, dann wieder 2 Schritte vor.... Dicke Moospolster die Löcher zwischen Steinen verstecken...
    Ich würde zwar mitkommen wollen, aber wir beide würden weder charakterlich noch in Bezug auf Geschwindigkeit zusammenpassen.
    Gruss


    P.s.: Die beiden schulden dir ein Fass Bier, oder vergleichbares, und eine Sau am Spiess.