Einmannzelt für längere Tour im Norden Europas

  • Hallo, da ich in den kommenden Monaten studiumsbedingt etwas Zeit habe, plane ich eine längere Tour in Schweden und/oder Norwegen. Zeitlich soll die Sache irgendwann zwischen Mai und August stattfinden und ich habe vor, dabei das Nordkap zu erreichen, es geht also ziemlich weit nach Norden.


    Für diese Tour suche ich ein Einmannzelt, das von den Maßen und vom Gewicht geeignet ist, von mir auch über mehrere Wochen getragen zu werden. Außerdem soll es den zu erwarteten Witterungseinflüssen problemlos standhalten. Eine Apside zum Kochen und für das Gepäck wäre schön.


    Da ich mich in Sachen Zelten nicht sonderlich auskenne, bitte ich euch, mir eure Erfahrungen mit verschiedenen Modellen mitzuteilen.


    Vielen Dank!

  • Hi,
    ich habe, bis meins geklaut wurde, mit Zelten wie dem Snugpak Ionosphere gute Erfahrungen gemacht. Kälteste Nacht war minus 22*. Bekommst Du so um die 150 EUR. Ich hab immer ein 2,5x3m Basha als Vorzelt genutzt, das war dann sehr komfortabel. Das Snugpak habe ich im July live getestet, war sehr gut verarbeitet. Meine Erfahrung ist, dass man immer lieber mehr Platz rechnet als zu wenig, es wird bei Regen schnell eng da drin.
    Überleg dir auch mal, ob Du in der Zeit nicht auch mit einem 3x3m Tarp + Moskitonetz besser fährst. Ich werde morgen mal den Ecotat Freedom Shelter auf Herz und Nieren prüfen, stelle dann die Bilder ein.


    LG
    Walter

  • Hi,
    in den nächsten Monaten, heißt also eine Wintertour für mich. Das bedeutet, eine brauchbare Apside, in der man auch mal einen großteil seiner Ausrüstung und vor allem Kälteschutzkleidung ablegen kann. Da würden für mich das vorgeschlagene Vella und das Snugpack ausscheiden.


    Bevor ich nun jedoch ein paar Ausrüstungstips raus schmeiße, würde ich gerne - um auch morgen noch in den Spiegel sehen zu können - gerne ein paar Dinge wissen:
    - Hast Du Erfahrung mit Wintercamping bei deutlich zweistelligen Minusgraden?
    - Das Nordkap hat zwar eine durchschnittliche Wintertemperatur von -4°C, aber weiter südlich z.B. in Kvikkjokk auch gerne -40°C. Willst Du das?


    Versteh mich bitte nicht falsch, aber wenn ich das richtig verstanden habe was Du vor hast, ist das nicht einfach ein Ausflug in den Schnee, sondern da braucht es etwas mehr Wissen und Können. Die meisten die sowas machen, wissen aus Erfahrung oder aus Anleitung welche Ausrüstung bei den Wind-, Niederschlags- und Temperaturverhältnissen was da funktioniert.


    Zu Deiner konkreten Frage: Mein Zelt im Februar in Nordskanidinavien ist das Hilleberg Nallo GT oder direkt ein Finnisches Lavu auf der Pulka. Schleppen will diese Zelte keiner.


    Grüße,


    Frank

  • Sorry, dass ich mich erst jetzt melde. Ich komm gerad erst von der Arbeit.


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    Ich hab immer ein 2,5x3m Basha als Vorzelt genutzt, das war dann sehr komfortabel.


    Was ist ein Basha?


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    Überleg dir auch mal, ob Du in der Zeit nicht auch mit einem 3x3m Tarp + Moskitonetz besser fährst.


    Hab ich auch schon überlegt. Aber wenn ich mich längere Zeit in baumlosen Regionen aufhalten sollte, und das werde ich bestimmt, dann wird mir das zu unkomfortabel.


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    Sag erst mal wieviel du ausgeben willst.


    Ich hatte mit Absicht keine Preisvorstellung reingeschrieben, da ich möglichst umfangreich Antworten hören wollte. Was notwendig ist, werde ich schon ausgeben.


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    ...bin ich nun für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich auch im Solobetrieb lieber ein kleines Zweimannzelt nehme.


    Solche Zelte schließe ich mit ein. Hauptsache ist, ich kann es tragen.


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    ...in den nächsten Monaten, heißt also eine Wintertour für mich.


    Das hast du falsch verstanden. Ich hatte gemeint, ich habe die nächsten Monate (ab Mitte Februar bis Oktober) als planbaren Zeitraum zur Verfügung. Wie oben steht, soll die Tour irgendwann zwischen Mai und August stattfinden. Also eher im Sommer. Will mich ja auch mal in nem See waschen können.


    Danke schon mal für die Antworten.


    Sollte materialmäßig was Spezielles beachtet werden (z.B. PU vs. SI)?


  • Wie hast du das denn gemacht?? Wo ist der Unterschied zu nem tarp?


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    Du solltest auch Deine Vorstellungen schon konkretisieren


    Nun ja, wie ich schon sagte: leicht, kompaktes Packmaß, stabil, Apsiden zum Kochen und für Gepäck.
    Wenn ihr nen Preis wollt, ich denke meine Schmerzgrenze wäre bei 300 € erreicht. Dazu noch ne unauffällige Farbe. Beim Aufbau sollte erst das Außenzelt und dann das Innenzelt aufgebaut werden.


    Ansonsten hab ich keine große Ahnung von Zelten. Daher hatte ich ja nach euren Erfahrungen gefragt.

  • Ist irgendwie eierwollmilchlegende Vollrindsau. Mit dem Konzept fällt mit das goLite ShangriLa ein, habe damit aber ausser auf Messen keine Erfahrung.
    Fexn und ich brechen in 6h auf eine lockere Testen, Filmen und Basteltour auf da wollen wir mein SpecialForces Zelt mal gegen ein NoName Zelt antreten lassen, werde dann Bilder posten.
    Bashas sind, genau genommen, Tarps aus 80D Cordura mit Silikonbeschichtung, seit ca 20 Jahren bei der britischen Armee im Einsatz, und gefaltet auch als Trage und Hängematte nutzbar.

  • Hi,
    erstmal Sorry, für den falsch verstandenen, bzw. überlesenen Zeitraum.


    Mehr oder weniger im Rahmen Deiner Preisvorstellungen: (Und deutlich leichter als Vela von Exped)


    Meine Empfehlung ist dann das Rainshadow 2 von Tarptent. Preislich 340€, falls Du gute Verbindungen in die USA hast gehts auch günstiger. Das Rainshadow ist ein 3 Personenzelt für 1200gr, das sollte dir genug Platz zum kochen lassen.




    Etwas kleiner (1 Person) und leichter wäre dann das Tarptent Contrail, in D erhältlich für 230€ und 700gr schwer. (Und damit 10€ und 1kg günstiger als das Vela 1 Extrem)


    Oder halt ein 45€ Begadi Sinnylon Tarp , 450gr Gewicht. Musst dann nur noch was für den Mückenschutz mitnehmen. Kommt halt drauf an wie hart Du bist, was die Stechviecher anbegeht.


    Ich persönlich war auf Solotouren in Nordschweden meist mit einem Hilleberg Akto unterwegs, das liegt allerdings mit 450€ etwas über den von Dir angepeilten 300€. Darin hab ich manchen Sturm ausgesessen. Das Helsport Ringstind soll ähnlich sein, schlägt aber auch mit 370€ zu buche.



    Ein Tarp kannst du auch mit Wanderstöcken aufbauen, dafür brauchst Du keine Bäume. Auf einer Solotour empfehle ich Dir auf jedenfall Stöcke mit zu nehmen, sie reduzieren massiv das Risiko bei Bachquerungen sich die Haxen zu verbiegen. Allerdings gibt es da oben, meiner persönlichen Erfahrung nach, auch im Hochsommer Wetterlagen, wo man gerne auf die Möglichkeit zur Naturbeobachtung aus dem Zelt verzichtet und sich bei kalten norwegischen Winden und Schneeregen sehr über seinen kleinen Nylonbunker freut. Ich persönlich bevorzuge auch eine Grüne-Zone vor den Mücken, die ein Innenzelt darstellt. Das Contrail ist ein attraktives und sehr leichtes Zelt, für die Witterungsbedingungen da oben, kann es aber bedeuten, dass man einen wärmeren Schlafsack aufgrund der guten Belüftung eines Tarptents benötigt, als in einem Doppelwandigen und nicht ganz so luftigen Nylonbunker wie dem Akto.


    Die Exped Sachen sind übrigends innovativ, leider jedoch sehr großen Qualitätsschwankungen unterlegen. Außer meinem Exped Expeditions Nähkit, habe ich kein Produkt von Exped, dass nicht schon eingeschickt wurde. Der Service was das anbegeht ist gut und schnell, das problem ist nur, dass dir das auf Tour alles nicht viel hilft. Um mich herum sind immer mehr Freunde und Bekannte die inzwischen aus diesen Gründen um Exped Produkte einen Bogen machen. Ich schaffs noch nicht so ganz, da sie einfach viele sehr durchdachte und vor allem praktische Sachen haben. Ärgerlich für mich ist nur, dass sich sie meist kurz nach dem Kauf wegen irgendeinem Pups einschicken muss, weil sie kaputt sind.


    grüße,


    Frank

  • Mit dem Konzept fällt mit das goLite ShangriLa ein,

    Hi!


    Genau daran hab ich auch gedacht. Die Shangri La-Zelte gibt es von der 1-Mann-Dackelgarage bis zum Mini-Lavvu. Ich selbst habe das Shangri La3, ein sechseck-mini-Lavvu. Kann mit einem Wanderstab aufgestellt werden, Platz für bis zu drei Leute. Ich nehme es auch für Solo-Touren. Damit ist dann für Gepäck und kochen Platz genug. Gewicht so grob ab 850g, je nach Zubehör.


    Ookworks, England, baut übrigens sehr schöne Innenzelte für das Shangri La3: http://www.oookworks.com/oooknest2.html!




    Lieben Gruß,


    Steph

  • Im August hatte ich in Nordskandinavien schon Schnee & Graupel. Schwere Stürme kann es dort sowiso immer geben. Wichtig war mir immer dass ein Zelt das alles mitmacht, immer schnell und trocken aufgebaut werden kann und auch ein gutes Mikroklima schaffen (Zeltwand bis zum Boden, bei Bedarf Innenzelt komplett dicht & ohne Moskitogaze, mückensicherer Schlafplatz, ...) muss. Ich hatte auch mal n kleines Tipi von Golite und das war in meinen Augen nicht ausreichend, wobei andere damit schon da oben waren (siehe z.B. rapadalen.de). Die Frage ist halt wie wichtig dir Komfort und Gewicht sind. Der Preis entscheidet letztendlich nur darüber wie nah diese Faktoren beienander liegen.,


    Ich hab für diesen Einsatzbereich auch ein Hilleberg Akto, ich bin zwar nicht 100%ig zufrieden mit der Belüftung, aber nichtsdestotrotz hat das Zelt bisher viele Wochen (ca. 20) unter durchaus knackigen Bedingungen von Outback bis Tundra überstanden. Der Preis ist zwar etwas hoch und man bezahlt einiges für den Namen, aber dafür bekommt man auch einiges. Obwohl ich eigentlich ein Exped-Fan bin habe ich mich gegen das Vela und für das Akto entschieden. Das Akto ist etwas leichter, bietet deutlich mehr Wohn und Stauraum und was das wichtigste war: Wenn man raus will muss man nicht erst die gesamte Apsis dem Wetter aussetzen. Das Platzangebot ist für mich und einen 130l Rucksack vollkommen ausreichend, in der Mitte hat es fast Sitzhöhe, ich kann es blind unter 2 Minuten aufstellen und der Wetterschutz ist nach dem Abdichten allen Nähte perfekt.


    Inzwischen muss ich aber sagen, dass ich mir eher was geräumigeres holen würde und ein paar 100Gr. billigend in Kauf nehmen würde. Meine erste Wahl wäre n Helsport Rondane light 2 (http://www.outdoorfair.de/Helsport-Rondane-Light-2) Oder ein Exped Venus II UL (http://www.exped.com/exped/web/exped_homepage_ga.nsf). Zugegeben sind die preislich weit über deinem Limit, aber bedenke dass es die auf dem Gebrauchtmarkt (Outdoorseiten, ebay, etc.) für die Hälfte gibt. Und die meisten gebraucht verkauften High-end Zelte haben nicht mehr als 2-3 Wochen Benutzung hinter sich. N Shangri-La 3 hab ich auch schon für unter 100€ gesehen.


    Wenn es neu sein muss, dann find ich das von Lexa genannte Rejka ziemlich interessant. Das Vaude Power Taurus Ultralight (http://www.vaude.com/epages/Va…802/SubProducts/158024000) sollte man mit etwas Glück auch neu für um die 300 bekommen. Wenn es noch günstiger sein soll und du kein Riese bist kommt evtl auch das noch das Vaude Taurus I 2P (http://www.vaude.com/epages/Va…742/SubProducts/157424000) in Frage.


    Das Lernen einzelner, isolierter Bushcraftskills ist ähnlich wie das Anhäufen von unbenutzter Ausrüstung:
    ein recht kümmerlicher Ersatz für große Abenteuer...

    Edited once, last by Ravenheart ().

  • und ich versuche im nächsten Jahr, all die unterschiedlchen Möglchkeiten mit einem gossamer abzuwettern.
    Mir ist klar, dass des problematisch sein kann, aber es gibt Schutzhütten auf dem Weg und ich mag overequippement nicht. Ich möchte gern mit den mir möglichen Mitteln unterwwgs sein. Ich werde erzählen wie es mir damit ergangern ist.

  • Ich habe mich jetzt mal etwas zu den Zelten belesen. Hier: http://www.sackundpack.de/article_info.php?articles_id=7 sind die theoretischen Dinge wie Zeltformen, -material etc. ganz gut erklärt.


    Bis jetzt sind meine Favoriten das Vaude Power Taurus Ultralight und das Helsport Rondane 2 Light.


    Ich hab aber nochmal eine Frage zu der Wassersäulenangabe. Wie wichtig ist diese Kennziffer für die Kaufentscheidung? Wo liegt der Unterschied in der Praxis zwischen einer Wassersäule von 1.500mm und 3.000mm für das Außenzelt und zwischen 5.000mm und 10.000 mm für den Boden?

  • Hi,
    das Taurus hat in meinen Augen eine unbrauchbare Apside. Sehr klein. Und für ein 1 Personen Zelt zu schwer.
    Das Rondane 2 Light ist schon ein schickes Teil, wäre mir jedoch zu schwer als 1 Personen Zelt.


    Zu den Wassersäulen ist zu sagen - desto höher der Wert, desto länger hält es dicht. Mit länger ist die Gebrauchszeit in Jahren gemeint.


    Grüße,


    Frank

  • Wassersäulenangabe


    Man muss zwischen Boden und Außenzelt unterscheiden. Beim Boden hört man immer wieder mal, dass bei einer Wassersäule von nur 5000 mm und einem feuchten Boden sich etwas Wasser bei starken Druck, etwa beim Knien, durch das Gewebe pressen könnte. Bei 10000 mm soll das nicht passieren. Alle meine Zelte die ich bisher besaß hatten eine Wassersäule von 10000 mm. Da kam nie was durch.


    Beim Außenzelt halte ich die Angabe nicht wichtig. Bei den gängigen Herstellern sind die Außenzelte dicht, egal was für eine Wassersäule angegeben wird. In der Praxis treten Probleme eher bei Nähten auf.


    desto höher der Wert, desto länger hält es dicht


    Das mit der Haltbarkeit kann ich nicht ganz unterstreichen. Silikonbeschichtete Zelte besitzten in der Regel geringere Wassersäulen als PU beschichtete, halten aufgrund ihrer UV-Unempfindlichkeit aber bei direkten Vergleich länger. Zu dicke PU-Beschichtungen am Außenzeltgewebe verringern irgendwann eher die Haltbarkeit, da sich Trägermaterial und Beschichtung unterschiedlich stark dehnen. Bei zu dicken Beschichtungen kommt es daher eher zu brüchen.


    Auch beim Boden ist es mit der Haltbarkeit nicht so einfach, da man immer auch das Trägermaterial berücksichtigen muss.

  • Mal vorab: Bei Globi gibt es seit gestern tonnenweise Sonderangebote, das in diesem Thread erwähnte Shangri La 3 ist u.a. auch dabei (~160€).


    Die Wassersäule ist ein Wert der die Materialeigenschaften zum Auslieferungszustand beschreibt sonst nix. Wie sich das Material nach 2/3/4/... Jahren verhält ist daran nicht oder nur annäherungsweise (klar, viel hilft viel) zu erkennen. Jedoch ist es genau dieser Faktor der die Qualität des Stoffes ausmacht. Es gibt einige Hersteller wie TNF oder Snow Peak, die haben ewig nur die gesetzlichen Minimalwerte für die Wassersäule (1500/3000mm) angegeben - einfach nur um Klagen aus dem Weg zu gehen. Tatsächlich ist bei denen die WS deutlich höher und das auch über einen längeren Zeitraum hinweg... Aber wie lexa schon schrieb, der Schwachpunkt ist selten das Material sondern meist die Bauweise und die Nähte.


    Das Lernen einzelner, isolierter Bushcraftskills ist ähnlich wie das Anhäufen von unbenutzter Ausrüstung:
    ein recht kümmerlicher Ersatz für große Abenteuer...

  • Zelt für den Norden? Warum nicht einfach jenes nehmen, welches die Nordmänner auch verwenden. Der Tunnel ist prädestiniert fürs Fjell, wurde dafür erfunden, ist leicht bietet Platz, ist extrem Windstabil und sicher.
    Vergesst die Amizelte für solche Einsatzzwecke. Viele sind auf leicht gebaut und haben nur Mesh als IZ . Auch werden viele getrennt aufgebaut, was bei der heftigen Witterung, welche einen dort erwarten kann, von großem Nachteil ist.
    Heute haben wir bei uns Windstärke 11- 12, ich hätte keine Bedenken mein Keron oder mein Fjellheimen mitten auf dem Feld aufzubauen. Diesen Zelten würde nicht passieren.