Warum ist das Tarp so oft "unten offen" ???

  • Hallo liebe Bushcrafter,


    ich bin hier im Forum ja mehr Leser und stiller Teilnehmer (aber es gefällt mir, was ich hier immer alles erfahren darf) und nicht sooo erfahren outdoor....


    Aber mir stellt sich die Frage, wenn ich oft Bilder von Lagerstätten mit Tarp sehe, warum die ganz oft "unten offen" aufgestellt sind....also hier der Wind durch kann, sogar im Schnee....obwohl man doch mit dem Tarp auch bis zur Erde runter könnte. :tarp


    Ist der Wind weniger schlimm als eventuelles Kondenswasser? Oder welche Gründe sprechen da noch dafür? :confused


    Beste Grüße


    Roberto

  • Tja, ich würde mal sagen, das daß wetterabhängig und konstruktionsbedingt ist. Du musst auch die Details sehen. Der ein oder andere arbeitet unter umständen auch mit Regenponchos als Tarp-Ersatz, da wirst du es nicht schaffen alle Seiten dicht zu bekommen. Aber es gibt auch gefühlte 2 dutzend Möglichkeiten zur behelfsmäßigen Montage. Beim letzten Einsatz habe ich mein Tatonka Tarp so aufgebaut, so daß ich in 2 Seiten kleine Baumstämme eingewickelt habe und so waren 3 Seiten winddicht.

  • Bei mir ist die Vermeidung von Kondens das "A & O". Man kann ein 3x3m-Tarp z.B. auch zur faktisch kpl. geschlossenen Pyramide aufbauen, absolut wettergeschützt. Hat mich schon zweimal durch Dauerregen von abends bis morgens gebracht - nur um dann beim Aufstehen & Anziehen unter'm Tarp die Kondensnässe durch unvermeidbare Berührung mit Rücken usw. "geballt" abzubekommen. Meine Klamotten waren stellenweise dadurch patschnaß, unglaublich. Klar, hätte ich abwischen sollen mit einem Microfleece-Tuch...hinterher ist man immer schlauer.


    Ich baue mir das Tarp seither bewusst so gut belüftet wie möglich auf. Es soll mich nur zuverlässig vor Regen schützen - und das tut es sehr gut, auch im stürmischen Gewitter (alles selbst erpobt). Gegen die Zugluft hilft mein Biwaksack (bin auf simplen MYOG-TYVEK umgestiegen, <250g) und die Sturmhaube über'm Kopf. Außerdem baue ich wo es geht tief im Wald und wenig Wind-exponiert auf...das geht halt nicht bei jeder Tour bzw. bei jedem Gelände...


    Ist alles nur meine Lösung für meine Bedürfnisse - Andere mögen das alles ganz andes sehen und für sich gelöst haben, das ist dann auch gut.


    Gereon

  • FarmerBoys letzte Zeile ist eigentlich die Kernaussage.


    Als ich deinen Post gelesen habe, war mein erster Gedanke "weil ich so selten Bilder einstelle". :lol
    Meine Konstruktionen sind zB. (bis auf wirklich gute Nächte) immer geschlossen. Beforzugen tuh ich dabei eine Pyramidenartige Konstrucktion mit einer Stützstange am Eingang. Das ergibt eine relativ steile Konstruktion, welche den größten Teil an Kondenswasser ablaufen lässt (ja, halt innen, aber ich kuschel so selten mit meiner Zeltwand). Allerdings ist das ganze dann relativ hoch, was man nicht überall einsetzen sollte. Aber genau dass ist das schöne an einem Tarp, man kann es auf hunderte Varianten aufbauen.

    "Die Natur kümmert sich nicht um die Menschen, welche sich nicht für sie interessieren. Aber denjenigen die es tun, denen gibt sie alles, was diese brauchen." Sylvain Tesson: In den Wäldern Sibiriens

  • Bei mir ist es das Feeling. Ich liebe es einen Rundumblick zu haben. Wenn es das Wetter zulässt, ziehe ich die Seiten nie bis zum Boden.

    "Man sollte immer eine kleine Flasche Whiskey dabeihaben - für den Fall eines Schlangenbisses -
    außerdem sollte man immer eine Schlange dabeihaben."
    W. C. Fields

  • @ MPO: Ich "kuschle" auch nicht mit der Zeltbahn, komme dennoch beim Anziehen oder gar schon vorher mit dem Schlafsack im Liegen unweigerlich gegen die Kondens-nasse Innenseite des Tarps, wenn dieses als Pyramide aufgebaut wurde. Wenn statt zentraler Stange eine Abhängung von oben (z.B. vom Ast eines Baumes oberhalb des Tarps) verwendet wird, kann man sich mittiger positionieren - dann bliebe vielleicht sogar ich trocken, wer weiß? :lol


    @ koschtnix: Meine Sturmhaube ist so eine billige 1-Loch-Haube (1 großes Loch für das kpl. Gesicht, weil Brillenträger) aus Acryl-Strick, von ASMC glaub ich. Weich, angenehm, preiswert, warm. Ohne Brille würde ich eine 3-Loch-Haube wählen, die hält noch wärmer. Es gibt auch die Möglichkeit, sich eine Art "Bombermütze", d.h. eine gefütterte Haube zu schneidern oder zu kaufen - die dreht sich auch mit dem Kopf mit wie eine Sturmhaube. Jedenfalls ist mir das viel angenehmer als die SchlaSa-Kapuze. Diese nutze ich, um die Kopfkissenrolle einzupacken und gegen Wegrutschen zu sichern. Aber da hat sicherlich Jeder seine ganz eigene Schlafsackmotorik & -vorlieben.


    Das Kondens-Vermeiden ist meiner bescheidenen Meinung nach schon vorteilhaft, weil sich die Feuchtigkeit ja nicht nur auf der Tarp-Innenseite niederschlägt. Auch der SchlaSa und der sonstige Kram wird klamm. Das muß man alles erst wieder langwierig heraustrocknen, was je nach Witterung nicht immer geht. Also versuche ich es soweit es mir möglich ist zu vermeiden. Und das gelingt recht häufig, wie ich im Vergleich zu parallel mit mir Zeltenden beobachten konnte.


    Der Vorteil des rundum offenen Blickes (zumindest in Bodennähe, 20-40cm hoch) in die Natur gibt's gratis dazu, hat auch Vorteile. Wenn ich ein rundum geschlossenes Zelt will nehme ich ein solches...


    Gereon

  • Wie hoch oder tief genau mein 3x3m-Tarp an welcher Ecke wann abgespannt wird, hängt bei mir in erster Linie von den aktuellen Wind- und Wetterbedingungen ab. Das ändert sich bei Bedarf auch gerne mehrfach am Tag. Denn mein Tarp spanne ich nicht wie ein Zelt einmal auf und gut war's, da wird immer wieder nach- und umgespannt, je nachdem wie und wofür ich's gerade brauche. Deshalb auch meistens als Flying Diamond oder Kröte.


    Wenn sich's irgendwie machen läßt, bleiben alle Seiten wenigstens tagsüber oben, damit ich von überall her an die Ausrüstung darunter komme und Feuchtes möglichst ungehindert im Luftzug darunter auftrocknen kann. Das fehlende "Vorne" ist für mich der entscheidende Vorteil gegenüber einem Zelt oder einer geschlossenen Aufbauform. Und wenn das "Fußende" in die Hauptwindrichtung ausgerichtet ist, zieht's auch nachts im unter der Firstlinie ausgebreiteten Schlafsack nicht so wirklich. Weil die Öffnung des Schlafsacks ja quasi im Windschatten des eigenen Fußendes liegt.


    Erst wenn's mal härter und länger zu regnen anfängt und sich deshalb der sicher trockene Platz unter dem Tarp zunehmend verkleinert, werden die Seitenpunkte weiter heruntergezogen und ggf. auch mal zusätzlich fixiert. Erst bei Dauerregen wird zum Schluß auch der Low Point, die im Wind stehende Ecke am Fußende, bis auf den Boden abgesenkt. Damit der tagsüber im Biwaksack auf's Fußende zusammengerollte Schlafsack nicht versehentlich doch noch naß oder klamm wird. Bei Regen findet das Lagerleben dann eben auf dem Kopfende der so freigelegten Isomatte statt. Und sobald der Regen mal aufhört, wird wieder höher abgespannt, damit alles bestmöglich auftrocknen kann.


    Beim Anordnen der Ausrüstung unter oder neben dem Tarp unterscheide ich auch zwischen "kann naß werden" und "darf nicht naß werden". Was Wetter abkann, kommt nach außen, direkt unter den Trauf. Was trocken bleiben oder werden muß, wird möglichst entlang jener Seite der Isomatte gelagert, die nach dem Fußende am wenigsten Wetter abbekommt. Dann liegt nachts sogar noch der mit mir gefüllte Schlafsack als Wetterschutz davor.


    Beim Biwakieren mit dem Tarp hat das Stoffdach für mich hauptsächlich eine psychologische Funktion. Als mentale "Homepage" im Gelände und Lagerort für die vom Gurtwerk abgetakelte Ausrüstung. Erst danach kommt die Funktion als Wind- und Wetterschutz bzw. die Option, die umgespannte Dachfläche auch mal gezielt als Regensammler zu benutzen. Rundumsicht ist mir dabei sehr wichtig, um in aller Ruhe berechenbar auf jede Begegnung mit Mensch und Tier reagieren zu können. Ein "Drinnen" wie bei einem Zelt findet deshalb mutwillig erst gar nicht statt. Den vitalen Wetterschutz liefert tagsüber fast ausschließlich die eigene Kleidung, nachts der Biwaksack.


    Im Prinzip würde mir bei einem Rast-Biwak, nur für's wetterfeste Nickerchen, auch der Biwaksack alleine reichen. So man vor der Nachtruhe alles Benutzte wieder in den beiliegenden Rucksack packt und das Bündel mit einem übergeworfenen Raincover vor Regen, Reif und Tau schützt. Sich so komplett ohne mentalen Fixpunkt draußen gemütlich zu fühlen ist dann aber nochmal eine ganz andere Liga.

    Natur er-leben kann man nicht online am Schreibtisch.
    Dazu muß man ganzjährig immer wieder offline vor die Tür...

  • Jetzt gehst du aber davon aus, das jeder Tarfper auch ein Biwaksack hat.
    :tarp
    Also ich baue es oft bis unten auf



    Wenn es richtig stürmt und schüttet hänge ich dann den Eingang mit meinem Poncho zu.



    Im Sommer habe ich gerne die Kröte oder ich lasse das Tarp ganz weg. :schlaf

    „Wir gehen eines Tages kaputt, weil wir zu faul sind, zu Fuß zu gehen.“ Reinhold Messner

  • FarmerBoy:
    Du schreibst oben, dass Du einen simplen MYOG-Tyvek-Biwacksack benutzt.
    Ist das Tyvek wirklich so atmungsaktiv, dass kein Kondens drinne bleibt und winddicht?
    Ich habe mir mal das hier vom Extremtextil als Muster kommen lassen, da sind viele kleine Löcher drin ... winddicht ?? Hast Du das benutzt ?
    Oder wie wäre es mit diesem festeren von Extremtextil ?
    Kann mir irgendwie nicht vorstellen , dass dieses Tyvek fast wasserdicht UND winddicht (Löscher) UND atmungsaktiv sein soll ?
    Was für Erfahrungen hast Du ?


    [Ich weiß, meine Frage ist eigentlich nicht das Thema dieses Fadens, Admins, wenn ich da jetzt gegen Regeln verstoße, bitte löschen oder verschieben. Danke!]

    Top Ausrüstung folgt nur EINEM Kriterium: "reduced to the max"

  • Vergangenes WE hatten wir unser Tarp sowie zwei billig Planen aus dem Baummarkt im Einsatz.
    Das Wetter war ziemlich bescheiden, zum aushalten war es trotzdem.
    Nachdem wir unser Lagerfeuer in Richtung Tarp gezogen haben, war es durch das feuchte Holz nach einiger Zeit kaum mehr auszuhalten wegen der extremen Rauchentwicklung.
    Daher war ich echt froh, dass unsere Konstruktion ziemlich " luftig " gewesen ist, dass der Rauch dementsprechene abziehen konnte.
    Es hat also durchaus seine Vorteile, wenn nicht alles passgenau abschließt.



    VG, Andy

    Freiheit muas weh doa, sonst ko mas ned Leb´n!
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    Outdoor Bavaria
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  • @ TappsiTörtel:
    Genommen habe ich dieses TYVEK hier: klick
    Wird in USA als Unterspannbahn im Hausbau verwendet, weil Diffusionsoffen und wasserfest.


    Mein Biwaksack ist ein einfacher rechteckiger Sack, rechte Naht 50cm offen, linke Naht 1m offen (2,5m Gesamtlänge). Das Material ist mittlerweile richtig "kuschelig" weich. Oben in Kopfnähe nehme ich mir oft einen Teil mit in den SchlaSa, damit kein Durcheinander entsteht und ich mit dem Kopf IM Sack bin - wg. der Weichheit fühlt sich das wie eine dünne Decke an, recht angenehm für mich. Winddicht genug ist das Material auch.
    Weil der Sack schön weit ist, passt Ausrüstung im Winter mit hinein - dadurch ist er innen recht "luftig" - kein Vergleich zu eng geschnittenen Biwaksäcken. Diese Eigenschaft, in Verbindung mit einem zugig aufgebauten Tarp, lassen mich bislang keine Kondensprobleme haben. Wasserdicht ist das Material nicht, aber ausreichend wasserfest. Meinen Kopf und die Atemluft halte ich immer aus SchlaSa & Biwaksack 'raus - und ich mag die leichte Brise im Tarp. In Bodennähe war es bislang selbst im Gewittersturm in der Eifel nicht extrem...


    Ein Bekannter baut gern sein Tarp als tief liegenden Keil auf, geht schnell und ist recht gut wettergeschützt. Aber wg. Kondensbildung braucht er noch zusätzlich einen Goretex Biwaksack drinnen...


    Gruß,


    Gereon


    PS: Am Sa. habe ich eine Primitiv-Regenjacke aus dem Oberteil eines Tyvek-Chemieschutzanzuges (DuPont, gelb - nicht die einfachen weißen Maleroveralls...) bei Wind und Regen auf den Höhen des Soonwaldes testen können. Ging gut: Kein Wind, kein Wasser kam rein, habe nicht übermäßig geschwitzt, das Ganze für 230g und ca. 12 EUR. Aber es raschelt wie ein Plastiksack und man sieht bescheuert/dämlich darin aus, noch 'mal ne Steigerung zu einem Poncho. :lol

  • @ Grimmbold: Du sagst es! :gb
    Ich kam mir in der gelben Regenjacke wie ein "Quietsche-Entchen" vor - weithin leuchtend sichtbar im Wald. Kann man schon fast als "optische Umweltverschmutzung" qualifizieren. Wie ich überhaupt so etliche moderne (u.a. auch Tarp-)Materialien wegen ihrer schreienden Farben nicht mag. :motz


    Gereon