MYOG Messerthread

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    Deshalb kosten solche Messer ja auch 400 Euro aufwärts je nach Größe.
    Mir gefallen auch die Behring-Messer gut - allerdings haben die einen sehr aufwendigen Griff mit Kupfer, und anderen Materiellen und dann kommt Horn.
    Klinge ist genauso, wie beim Claude.

    „Wir gehen eines Tages kaputt, weil wir zu faul sind, zu Fuß zu gehen.“ Reinhold Messner

    Edited once, last by outdoorfriend ().

  • Schonmal einer einen "Folder" gebaut?


    Hallo zusammen;

    Ich hab auch dieses Jahr wieder ein paar handgemachte Messer zu Weihnachten verschenkt, und weil ich mal was anderes machen wollte habe ich mich dazu entschlossen, mal ein paar Taschenmesser selber zu basteln.

    Während man über selbstgemachte Messer mit fixer Klinge, mittlerweile so ca. 3876 Milliarden Forenthreads, Videos und weiß der liebe Himmel was noch im Internet findet, muss man tatsächlich nach MYOG Foldern, ein wenig suchen um da irgendetwas aussagekräftiges zu finden.

    Irgendwie fristen die Folder in der Messermacherszene ein ganz bescheidenes Schattendasein.

    Die Gründe dafür liegen, mutmaße ich einfach mal, darin, dass es im Vergleich zur Herstellung feststehender Messer, doch relativ komplex und kleinteilig und langwierig ist einen Folder zu bauen. Auf die ganze Fummelarbeit hat einfach keiner Bock. Ausserdem denke ich, dass MYOG Folder auch relativ unwirtschaftlich sind. Während für Feststehende Messer heutzutage jeder noch so horrende Preis bezahlt wird, bekommt man ganz ordentliche Taschenmesser auch noch für relativ schmales Geld.


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    Weil ich in der Thematik bis dahin noch völlig unbelesen war, habe ich ein altes Messer, welches ich mal im Müll gefunden habe, demontiert um mir die Wirkungsweise der Mechanik genauer zu betrachten.

    Es gibt sicher etliche verschiedene Arretierungssysteme für Taschenmesser, aber der ganz normale "Slipjoint" Verschluss wie er bei den meisten 0815 Taschenmessern verwendet wird, ist mir persönlich immer noch am liebsten. Ich benutze solche Messer jeden Tag auf der Arbeit und auch zu Hause und, dass man die Klinge dabei nicht wirklich verriegeln kann habe ich eigentlich bisher kaum vermisst.


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    Angefangen habe ich mit den Gehäuseschalen. Das 1,5mm VA Stahlblech hatte ich mir auf der Bude mit der Tafelschere schon grob vor geschnitten. Auf die Blechschalen werden nun die die groben Formen angezeichnet und die Bohrungen vorgekörnt.


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    Die Blechteile werden zusammengeklemmt und miteinander gebohrt.


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    Dann wird das Material für Feder Und Klinge ausgeschnitten. Ich habe hierfür ein altes Kreissägeblatt verwendet. Man sollte hier ruhig etwas mehr Material nehmen als nötig erscheint, damit man im Notfall noch ein bisschen Platz zum tricksen hat.


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    Dann werden die Löcher für Feder und Klinge gebohrt und die Feder grob in Form geschliffen.


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    Nun wird der Rücken der Klinge an die Feder angepasst und somit der obere Anschlag für die Klinge definiert.


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    Jetzt kommt der allerwichtigste und auch schwierigste. Das anpassen der Drehachse an die Feder. Hier kommt es wirklich auf sehr viel Feingefühl an. Wenn man hier auch nur einen Feilenhieb zuviel abträgt arretiert der Mechanismus nicht mehr richtig. Wenn man zu viel stehen lässt geht der Mechanismus zu schwer oder bleibt auf der falschen Position stehen. Zudem sollte die Feder bei offener und geschlossener Klinge in der gleichen Position stehen, damit hinterher am Griffrücken nichts heraussteht.

    Das alles von Hand hinzubekommen hat mich einige Versuche (siehe verschissene Klinge unten) und auch Nerven gekostet.

    Man sollte dabei auf jeden Fall immer einen Lederknebel zum draufbeissen, einen Boxsack eine Flasche Schnaps, Blutdrucktabletten und den Teddybär zum ausheulen griffbereit haben.X(:wallbash:heul


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    Nun kann man die Pins und Blechschalen zusammenbauen und prüfen ob die Mechanik in beide Richtungen funktioniert.


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    Erst jetzt sollte man die Formen von Griff und Klinge ausarbeiten. Wenn man das schon vorher macht, fehlt schnell mal irgendwo ein Millimeter und die ganze Arbeit war für die Tonne. Wichtig ist das zusammenspiel von Drehachse und Feder. Erst wenn das passt kümmert man sich um die Feinheiten.


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    Damit man die Klinge leichter öffnen kann habe ich noch eine Daumennagelkerbe rein geschliffen.


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    Als nächstes werden die Löcher in die Griffschalen gebohrt. Dabei sollte man darauf achten, dass es eine rechte und eine linke Griffschale gibt und man nicht beide Hälften mit der selben Schablone bohrt. Das Loch in der Mitte habe ich nicht ganz durchgebohrt. So bleibt der dort verbaute Messingpin in den Griffschalen und das Messer bleibt komplett mit den Schrauben zerlegbar.


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    Danach werden die Löcher angesenkt, damit die Schraubköpfe nicht überstehen. Ich habe dafür M4er Torx Senkkopfschrauben verwendet welche in 5mm Gewindehülsen geschraubt werden.


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    Dann wird der Pin in der Mitte eingesetzt und gekürzt.


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    Danach werden die Gewindehülsen und Schauben auf die benötigte Länge gekürzt, was auch wiederum eine unsägliche Fummelarbeit war.

    Die Klinge wurde in der Zwischenzeit auch fertig geschliffen und gehärtet, was ich hier aber mal rauslasse.

    Eigentlich hatte ich vor die Feder auch einer Wärmebehandlung zu unterziehen, habe das aber gelassen weil die Federeigenschaften des Ausgangsmaterials auch so schon ausreichend waren.


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    Überschüssiges Griffmaterial abfeilen/schleifen. Die Griffschalen habe ich bewusst nicht verklebt so, dass man die Griffschalen oder andere Teile nach belieben demontieren , reinigen oder austauschen kann.


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    Hier nochmal das Innenleben des Fertigen Messers. Bevor man jetzt alles zusammenschraubt kommt da noch ein Tröpfchen Öl rein.


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    Danach kommt noch ein bisschen Feinschliff und Firlefanz und damit wäre es vollbracht.


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    Ich habe auf dann auf dieser Basis noch ein bisschen mit anderen Design`s experimentiert bis ich genug Geschenke beisammen hatte.

    Da könnte man sicher noch einiges schöner machen, die Federn sind etwas stark geraten die Spaltmaße zwischen den Metallteilen sind nicht ganz so sauber wie bei industriell gefertigten Messern;

    Aber die Messer sind so weit funktionell und machen einen soliden Eindruck. Für´s erste mal MYOG Folder bin ich ganz zufrieden.

    Ob ich der Sache noch weiter nachgehe weiß ich aber noch nicht.

    Ich habe es angefangen und auch durchgezogen, in erster Linie aus reiner neugier, aber die ganzen Fummelarbeiten liegen mir einfach nicht besonders. Es ist einfach ein unglaublicher Kampf die kleinen Schräubchen zu kürzen und die Feder genau anzupassen, man feilt ein bisschen was ab und probiert aus ob es passt, und das dutzende male nach einander. Da muss man einfach für geschaffen sein.


    Grüße an alle

    - Holger :winken

  • Das Yakutmesser


    Moin zusammen! Der Beitrag ist wie immer schon etwas angestaubt, ich wollte den eigentlich schon vor zwei- drei Monaten raus bringen, aber die Zeit zum schreiben war wie immer knapp.


    Angefangen hat die Sache damit, dass ich im Herbst und Winter eine Masse Youtube Channels von russischen Schmieden geguckt habe. Da verstehe ich zwar nichts aber man sieht noch ein paar Dinge, welche man in den bekannten Themenchannels der westlichen Hemisphäre noch nicht gesehen hat. Unter anderem die traditionellen jakutischen Messer welche asymmetrisch, also nur von einer Seite geschliffen sind.

    Sowas kannte ich vorher noch nicht und fand das relativ kurios, was mich dann neugierig gemacht hat, und zu dem Entschluss führte mir so ein Messer anzufertigen.


    So kleine Steckerlmesser habe ich schon oft geschmiedet und das erste Modell aus Kfz Feder war dann auch relativ schnell fertig. Woraufhin ich bemerkt habe, dass ich die Klinge für Linkshänder angefertigt hatte. Bei normalen Klingen ist das ja egal, aber bei asymmetrischen Klingen eben nicht. Das Yakutmesser einfach "falsch" herum zu benutzen geht auch nicht oder ist zumindest völliger Mist, also ab damit in die Ramschkiste und nochmal von vorne.


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    Ab da hat mich dann der Fluch der Yakuten getroffen. Vielleicht hab ich zuviel russisches Gas durch die Heizung gejagt für das irgendein jakutischer Friedhof umgebaggert worden ist. Jedenfalls hatte ich danach nur noch Schei... an der Hand und habe die nächsten drei Anläufe verkackt. Alle drei hatten mehr oder minder große Haarrisse. Das blöde dabei ist, dass man die meistens erst beim schleifen bemerkt wenn man schon eine Menge Arbeit reingesteckt hat. Oder noch schlimmer die Risse treten erst beim härten auf.

    Was genau schief gelaufen ist kann man hinterher nur schwer erahnen, aber ich vermute V3 und V4 waren etwas zu dünn geschmiedet. Es war an dem Tag sehr hell und kalt. Als ich dann die Klingen zum normalisieren aus dem Feuer geholt habe, habe ich die Temperatur falsch eingeschätzt und die Klingen sind zum Teil schon an der kalten Luft gehärtet und haben einiges an Spannung aufgebaut, was dann beim schleifen zu Rissen geführt hat. Das Material bei V3 und V4 war 8x6mm 1.2842 also habe ich für V2 12x8mm 1.2842 verwendet, weniger dünn geschmiedet mehr geschliffen und mehr auf die Temperatur geachtet. Diesmal kam der Riss erst nach dem Härten;(:wallbash


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    1.2842 oder auch 90MnCrV8, ist jetzt kein Wunderstahl mit welchem ich überfordert wäre, aber da ich mittlerweile reichlich angepisst war und nicht noch mehr Zeit und Material aufbringen wollte, bin ich für Yakutklinge Nr.5 wieder auf relativ idiotensicheren Federstahl umgestiegen.

    Ich mutmaße mal, dass die Schmiede in der russischen Teilrepublik Sacha (auch als Jakutien bekannt), was so ziemlich der A... vom A... der Welt ist, auch alles nehmen was verfügbar ist, womit Kfz Federstahl wohl auch etwas authentischer ist.


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    Ab hier lief die Sache dann einigermaßen, womit wir auch endlich zum eigentlichem Herstellungsprozess kommen können.


    Die Federwindung wird erst vorsichtig aufgebogen...


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    ...und dann zu einem geraden Stück gerichtet.


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    Aus dem so gewonnenen Stück Rundstahl wird eine grobe Klingenform geschmiedet. Man könnte hier, um Material zu sparen auch schon den Erl ausarbeiten. Weil ich aufgrund der vorausgegangenen Fehlschläge, schon etwas unmotiviert war, habe ich es vorgezogen den Erl später einfach auszuschleifen.


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    Nun kommt die Besonderheit bei der Yakutklinge. Man schlägt mit der Hammerfinne, oder wie in diesem Fall mit einem Ballspitzenhammer

    eine Hohlkehle in eine Seite der Klinge. Die Seite mit der Hohlkehle muss beim schneiden nach außen zeigen, weswegen man beachten sollte in welcher Hand man das Messer hinterher führt.


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    Das ganze gestaltet sich etwas kompliziert weil sich die Klinge beim einseitigen bearbeiten krümmt. Noch schlimmer ist es die Klinge am Ende zu richten weil man nicht einfach vollflächig von beiden Seiten arbeiten kann, wie man es bei normalen Klingen tuen würde. Man will ja die Hohlkehle nicht wieder raushämmern.


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    Hier ist die Klinge nach dem groben Vorschliff. Den Erl habe ich mal extra stark stehen gelassen.


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    Nach der üblichen Wärmebehandlung, sprich normalisieren, härten und anlassen, ist mir dann aufgefallen, dass die Klinge einen nicht unerheblichen Verzug aufweist. X(:zensiert  War ja auch der einzige Fehler den wir noch nicht hatten. Ich kann mich kaum daran erinnern, dass mich ein Schmiedeprojekt, und noch dazu ein eigentlich eher simples, jemals so gefrustet hat. Ich habe die Klinge dann nochmal gerichtet und versucht die Spannungen etwas auszuglühen, was in einer kleinen Kohlenesse natürlich nur sehr bedingt möglich ist. Zumal ich auch Angst hatte durch das viele erhitzen den Kohlenstoff im Stahl zu verlieren. Zu guter letzt und nach wiederholter Wärmebehandlung war die Klinge aber doch bedeutend gerader als vorher, und ein spürbarer Verlust an Kohlenstoff hat meines dafürhaltens auch nicht stattgefunden. Zumal ich so oder so noch etwas Material wegschleifen musste.


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    Hier nach langem Ringen: Die fast fertige Yakut Messerklinge. Die große Kunst besteht nun darin nur die eine Seite der Klinge möglichst eben zu schleifen. Wenn man hier etwas rund oder wellig schleift hat man beim Feinschliff hinterher große Probleme solche Stellen auszuschleifen.


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    Mit dem massiven Erl habe ich mich dann noch etwas selbst gegeißelt. Man kann sich kaum vorstellen wie toll es ist, die ganzen kleinen Schlitze in den Griffkomponenten eines solchen Messers, mit der Nadelfeile auszufeilen, wenn man es noch nicht selber gemacht hat. Das nächste mal gibts wieder ein Flacherlmesser!;)


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    Das schöne an den Steckerlmessern ist nur, dass man die ganzen Reste und Kleinkram den man in messermacherischer Messeiemanier angehäuft hat mal zu irgendetwas gebrauchen kann. Wir haben hier ein Reststück braunes Micarta, zwei Stückchen Ebenholz, ein Stück Buche aus dem Brennholz und die weissen Liner aus PU welche ich aus dem Müll geangelt habe.

    Den Erl musste ich hinten etwas schmaler machen weil sonst das Material am Griff zu dünn geworden wäre.


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    Der ganze Kram wird dann mit 2K Kleber bestrichen und zusammengepresst.


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    Danach folgt das ausarbeiten der Griffform. Im Original Haben Yakutmesser einen völlig konturlosen Griff mit ovalem Querschnitt.

    Weil ich aber mit konturlosen Griffen mal so garnichts anfangen kann, habe ich mir mal eine gewisse Freiheit erlaubt und dem Griff eine, zumindest etwas, anatomische Form gegeben.


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    Es war ein langer Kampf mit vielen Tränen, aber mit genug bockiger Sturheit wird irgendwann ein Messer draus.

    Worin nun genau der Sinn einer asymmetrischen Klinge liegt kann ich immer noch nicht genau sagen. Im Netz findet man da die wildesten Gerüchte. Von: Die Hohlkehle ist eine Blutrinne, bis man kann besonders gut gefrorenen Fisch schneiden, man braucht weniger Stahl um das Messer zu schmieden usw. Meistens haben solche speziellen Formen einfach wirtschaftliche Gründe, was ich hier aber auch nicht ganz erkennen kann. Man kann zwar mit der Ausarbeitung der Hohlkehle ein paar Millimeter mehr Klinge rausquetschen, aber ob ein Messer nun fünf Millimeter breiter oder länger ist, ist im Grunde auch völlig irrelevant und rechtfertigt nicht den höheren Arbeitsaufwand. Andere sagen, dass die Form eine höhere Stabilität bringt, was auf das verbiegen der Klinge bezogen sicher nicht ganz falsch ist. Anderer seits kann die Klinge aufgrund ihrer Form auch nicht Federn, was bei einer Überlastung eher zum Bruch als zum verbiegen der Klinge führt.

    Was man zweifelsfrei sagen kann ist, dass das Messer relativ simpel zu schärfen ist. Aufrund der Hohlkehle muss man beim schleifen auch nicht ganz so viel Material abtragen.


    Wie sich das Messer in der Praxis schlägt und ob der asymmetrische Schliff besondere Vorteile bringt, speziell im vergleich zu "normalen" Messern, werde ich in einem separaten Beitrag nochmal etwas ausführlicher behandeln.


    Bis dahin Grüße an alle -


    Holger :winken






  • Die Firma eines gewissen Emerson baut auch Messer mit so einem Klingenprofil, nur ohne die Hohlkehle, aber dafür zu hohen Preisen^^.

    Ausser dem leichtern Schärfen wüsste ich auch kein Grund, mir liegen sollche Klingen ehrlich gesagt auch nicht. Ich kenn das auch von einseitig geschliffenen Kochmessern aus Japan, bzw von Schnitzmessern von dort

    Davon mal abgesehn hast du da echt ne tolle Arbeit geleistet, auch wenn es dir Schwierigkeiten bereitet hat. Da stellt sich mir nun die Frage: gibts das Messer nur dort so weils so ist schwer zu bauen ist oderrrrr weil nur die Yakuten sturr genug waren um dem Design zu folgen?:D

    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.

  • Hmm...

    Eine asymmetrische Klinge ohne die Hohlkehle wäre wohl etwas am Sinn vorbei. Zumindest wenn man wie hier die flache Seit schärfen möchte.

    Die Aushöhlung dient unter anderem dazu den Materialabtrag beim schleifen etwas zu minimieren. Wenn die Aushöhlung fehlt müsste man folglich die gesamte Fläche der Klinge schleifen, was untertrieben gesagt etwas arbeitsintensiv wäre. Wenn man nun einfach von der anderen, also der balligen Seite schleift, läuft man Gefahr, den Schneidwinkel im laufe der Zeit, immer stumpfer zu machen. Also beides nicht gerade optimal.


    Ein größeres Review kommt noch, aber ich kann schon mal soviel verraten dass, ein 0815 Scandimesser wesentlich leichter herzustellen wäre und die selben, wenn nicht mehr, Möglichkeiten in der Anwendung bietet. Warum die Jakuten sich nun unbedingt diese Form auserkoren haben, erschließt sich mir demnach immer noch nicht.

  • Wie gesagt ich tipp auf reine Sturheit es anders zu machen oder sie hatten eine Anwendung die sich uns Heute nicht mehr erschliesst.Bei den andern Messern mit Meiselschliff oder Chisel Grind wie man es auch nennt wird eben die flache Seite nicht geschliffen. Ich kann es mir ja noch vorstellen , dass es bei den sehr dünnen Klingen japanischer Kochmesser Sinn macht um zb Fisch, Fleisch oder Gemüse extrem fein auf zu schneiden oder an Werkzeugen um eine glatte Oberfläche zu erzeugen. Aber sonst seh ich da wenig Sinn darin. Hätte er wirklich grössere Vorteile, denk ich, wäre der Schliff weiter verbreitet gewesen als "nur" für Spezialanwendungen.


    Aber "leider" hast du da mal wieder eine super Arbeit geleistet und mir juckts in den Fingern. Und das nun wo ich selber nicht in Garage kann um selber was zu bastln. Ich such immer noch nem passenden Klappmesser für einen Wikinger.:lol

    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.

    Edited once, last by Odin ().

  • So ihr lieben Leute!


    Wie schon im Voraus angekündigt kommt hier nun das ausführliche Review zum Yakutmesser.

    Die Frage die sich beim Yakutmesser sofort stellt, ist ob der asymmertrische Schliff der Klinge bei einem Gebrauchsmesser Sinn macht und ob diese spezielle Klingenform irgendwo besondere Vorteile mit sich bringt. Also habe ich mal versucht alle, für mich relevanten Arbeiten mit dem Messer auszuführen, mit anderen Messern zu vergleichen und dies subjektiv zu dokumentieren.



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    Für mich das wichtigste was ein Messer draußen können muss, ist das bearbeiten von Holz. Um mich mit dem Messer etwas vertraut zu machen habe ich also das Holzinlay für die Messerscheide bewusst nur mit dem Yakutmesser geschnitzt. Im ersten Moment ist die Klinge schon etwas ungewohnt, aber nach ein paar Minuten bin ich ganz gut zurechtgekommen. Mit der flachen Seite kann man schön die rechtwinkligen Ecken des Inlay´s ausarbeiten und mit der konvexen Seite kann man gut aushöhlen. Einzig die Länge der Klinge war hier, mit rund 12cm schon etwas sperrig, was aber selbstredend auf meine Kappe geht.

    Am Ende habe ich dann doch noch ein wenig mit einem groben Schleifleinen nachgearbeitet, aber man hätte das Inlay auch durchaus einfach so lassen können. Unter dem Leder der Scheide sieht man den unterschied wohl kaum.


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    Draußen im Walde angekommen habe ich dann erstmal versucht einige "Feathersticks" zu schnitzen. Hierbei war es dann schon etwas fummelig. Der Schneidwinkel der Klinge ist mit 23 -24 Grad schon eher flach womit Trennschnitte durch kleine Zweige oder Seile sehr leicht von der Hand gehen, dennoch hat man bei längeren Schnitten immer das Problem, dass sich die Klinge an der balligen Seite aus dem Material herausdrehen will, wobei man sich oft die "Curls" abschneidet. Dabei immer dagegen zu halten um den richtigen Schneidwinkel zu treffen erfordert ein gewisses Maß an Konzentration.


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    Ein weiteres Problem mit dem asymmetrischem Schliff welches ich vorher nicht bedacht hatte zeigt sich hier.


    Obwohl das Yakutmesser (Oben) deutlich flacher geschliffen ist als das Mora (Unten) muss ich es beim schneiden spürbar steiler am Holz ansetzen. Man ist quasi gezwungen die gesamte Dicke der Schneide zu überwinden, beim symmetrischen Schliff muss man nur den Winkel bis zur Mitte der Klingendicke überwinden. Das hört sich vielleicht seltsam oder unwichtig an, ist mir aber beim arbeiten deutlich aufgefallen.


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    Lange Schnitte auf sich zu macht man in der Praxis nur sehr selten, diese sind aber mit dem Yakutmesser auch fast unmöglich weil sich die Klinge hier, im Gegensatz zum normalen schneiden, immer weiter ins Material hinein drehen will und nach kurzer Zeit stecken bleibt.


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    Der nächste große Kritikpunkt ist, das unter Bushcraftern beliebte "Batonen", oder ganz trivial - "Holz spalten mit dem Messer" - ist nur sehr eingeschränkt möglich. Auch hier will sich die Schneide logischer weiße zur Seite drehen. Wobei Holz spalten mit Steckerlmessern generell etwas mit bedacht geschehen sollte. Dennoch ist die Möglichkeit kleine Holzstücke mit dem Messer spalten zu können in vielen Situationen hilfreich.


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    Was hingegen recht gut funktioniert, ist das aushöhlen von Rundungen. Ich habe auch hier einen Vergleich mit dem Mora gemacht und auch hier ähnlich gute Resultate erzielt, allerdings lag dies in erster Linie daran, dass das Mora eine wesentlich weniger hohe Klinge besitzt. Bei gleichen Dimensionen wäre hier das Yakutmesser besser gewesen.


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    Das Bild zeigt es nicht sonderlich deutlich, aber wer nun kein spezielles Löffelmesser dabei hat kann mit dem Yakutmesser schon ganz passabel flache Vertiefungen in glatte Flächen schnitzen.


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    Die flache Seite der Klinge eignet sich besonders für die ganz feinen Druckschnitte. Hier kann man wirklich im ganz flachen Winkel ansetzen und den sehr flachen Anschliff der Klinge voll ausnutzen.


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    Kleiner Trick: Man kann das Messer, für kleine Schnitte, kurz greifen und den Daumen dabei in die Aushöhlung der Klinge legen. So hat man immer noch ein gewisses Maß an Halt und Kontrolle.


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    Als Stand- Alone Schnitzwerkzeug in Gürtelmessergröße kann man mit dem Yakutmesser schon eine große Bandbreite an filigranen Formen schnitzen. Hier gibt die asymmetrische Form ein kleines Plus an Möglichkeiten gegenüber normalen Messern.


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    Ein weiterer Punkt der für mich von Bedeutung ist, ist das zubereiten von Lebensmitteln. Äpfel schälen braucht zwar kein Mensch aber ich hatte gerade keine Kartoffeln. Auch hier sieht man, dass man mit der Flachen Seite superfein schälen kann.


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    Beim zerteilen sind dann die vier Millimeter Klingendicke und der einseitig ballige Schliff doch zu viel des guten.


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    Brot und Tomaten und auch die meisten anderen Lebensmittel bekommt man passabel portioniert, wobei hier auffällt, dass noch nicht einmal die kleine Tomate geschweige denn das Brot gerade abgeschnitten wurden. Man kann damit leben, aber ein echtes Küchenmesser ist es nicht.

    Hier sind sehr dünne Klingen wie ein Victorinox oder Opinel bedeutend besser geeignet.


    Was ich jetzt nicht mit drin habe ist das ausnehmen eines Fisches oder der Gleichen aber ich denke auch dies sollte mit dem Messer möglich sein, wenn auch nicht besonders filigran.


    Fazit:

    Was ist das besondere am Yakutmesser und warum ist es anders als alle anderen gängigen Outdoormesser?

    Ganz ehrlich ich weiß es nicht! Vermutlich werden diese Messer wirklich nur aus Tradition oder um sich dadurch zu identifizieren hergestellt.


    Ist es ein Funktionierendes und allgemein brauchbares Messer?

    Ja. Auch wenn es ungewohnt in der Handhabung ist.

    Ist es besonders multifunktional?

    Nein. Man kann kaum Holz spalten und die Schnittführung ist nicht leicht zu beherrschen.

    Kann es irgendetwas besser als andere Messer?

    Nein. Man hat beim schnitzen marginal mehr Optionen, aber wenn man will bekommt man das auch mit anderen Messern hin.


    Vielleicht liegt es daran, dass es einfach ungewohnt ist aber ich komme mit symmetrischen Klingen einfach besser zurecht. Dabei bin ich an sich nicht wählerisch. Ich habe Messer in Flach, Ballig und Scandi und solange diese halbwegs sinnvoll geschliffen sind, komme ich mit denen allen ganz gut zurecht. Das Yakutmesser ist sicher ein funktionierendes Messer, aber um damit wirklich warm zu werden ist es einfach zu speziell. Die Verwendung die mir am ehesten dafür in den Sinn kommen würde, ist als kleines Schnitzmesser in Ergänzung zu anderen Schnitzmessern für spezielle Formen.


    Falls noch irgendjemand etwas schlaues dazu einfällt, lasse ich mich gerne belehren.


    LG Holger

  • Auf den Bildern sieht es so aus, das Messer schaut das Holz nur an und der Löffel ist fertig. Dünnste Apfelschalen - und dieser Hauch einer Tomatenscheibe
    und das, obwohl die Klinge gar nicht so dünn ist
    - also die Schärfe muss überwältigend sein. Super.

    „Wir gehen eines Tages kaputt, weil wir zu faul sind, zu Fuß zu gehen.“ Reinhold Messner

  • "Nur" als Schnitzwerkzeug wäre das Messer von der Funktion her für mich wenig interessant. Ich kenne ähnlich geschliffene japanische Schnitz- oder Outdoormesser. Denen fehlt zwar die Einbuchtung auf der einen Seite, aber von meiner Seite aus gesehn macht das nicht den grossen Unterschied.

    Zum schnitzen einer Hohlkehle ist mir dann doch ein Löffelmesser lieber, da sich damit auch tiefe Aushöhlungen machen lassen. Flache Aushöhlungen in der Art würde man auch mit einer scharfen Klinge ausschaben können. Entweder war das wirklich ein Design nach dem Motto "Wir können das, darum machen wir das" oder aus Tradition. Die andere Möglichkeit wäre eine Handhabung die uns heute nicht mehr bekannt ist oder zumindest uns nicht bekannt ist.

    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.

  • Tja Leute nun ist es soweit, eines Tages da kommt der Tag (nein ich verlasse das Forum nicht, sooooo blöd bin ich nun auch wieder nicht.^^


    Nein es ist Zeit, dass ich euch mit dem einen oder anderem Bild meines letzten Machwerks belästige.:schäm


    ich hab mir vor einigen Wochen bei einem Mittelalter-Händler im Web eine Saxklinge in Form der angelsächsischen Saxe bestellt.

    Ok es waren 2 Saxe , aber um den 2. geringfügig längern gehts hier nicht. Es geht um die Klinge mit Schiedehaut und ohne Griff.

    (Ignoriert einfach die kleine Damastklinge oben und die andere Saxklinge)


    Mein Ziel war es einen Sax , auch fürs BC, zu bauen nur mit Material was hier so in meinen Kisten, Schubladen, Schrankfächern und Hobbytruhen rum liegt.

    Da wären also ausser der Klinge: - eine Messingparierstange, von einem alten Deko-Schwert

    - Ein Stück Rinderknochen, der seit Jahren schon als Griff vorbereitet war und bisher jede Klinge wie einen Winzling aussehn hat lassen

    - etwas Leder was ein Kleidchen werden soll für den Sax

  • Teil2


    Unten seht ihr ein Bild wo alles einfach nur mal so zusammen gesteckt ist um nen groben Eindruck zu bekommen wie Alles zusammenpasst.

    Dazu ein "bearbeitetes" Bild wie es aussehn könnte.

    Und das eine oder andere was ich geknipst hab wärend dem Bau.

  • In früheren Zeiten waren Griffe aus Knochen wohl sehr häufig. Eigendlich auch logisch, hat man einen Knochen der einem gut in der Hand liegt spart man sich schon mal ein loch für die Angel rein zu machen, Knochen sind ja meist hohl. Selbst bei denen die nicht hohl sind läst sich das poröse Innere leicht entfernen.

    Das Herrichten ist auch relativ leicht. Ich hatte mal 4 davon (einen bekamm mein WauWau. der lag mir auch nicht gut in der Hand und so konnte sich die Kleine drüber freuen).

    Bekommen hab ich von einem Metzger, einfach da mal nachfragen wenn ihr sowas sucht. Da wir an dem tag eh gerade am Grillen waren nutze ich das aus und legte die Knochen auf den Rost als nur noch wenig Glut vorhanden war. Nach ner Weile liess sich das Fleisch leicht ablösen.

    Anschliessend hab ich die Enden abgesägt damit beide Seiten öffen waren und hab was von Mark rausging entfernd. Der letzte Schritt war dann nur noch, dass ich die 3 Knochen ausgekocht habe. Dazu kommt Waschpulver mit in das Wasser und köchelt dann so lang vor sich hin bis auch der letzte Rest Mark raus ist.

    VORSICH!!! lieber nicht zu lang köcheln und am Ende mit Spüllmittel schrubben bis alles sauber ist. Kocht man zu lang droht der Knochen spröde zu werden.

    Das hört sich alles schwerer an als es wirklich ist, es braucht halt etwas Zeit in der man warten muss.

    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.

  • Schöne Bilder. Man kann erahnen, dass viel Arbeit dahinter steckt. Schön, dass du die öffentlich gemacht hast. Vielleicht tut sich hier mal wieder was. Die ganzen Latscher schreiben meist nur noch im Bushcraft Germany. Die mit den vielen posts. :D. Kein Verlust

  • Ja etwas Arbeit war es. Aber beim Machen stieg auch der Spass dabei wieder mal was mit der Hand zu machen immer mehr.

    Mir fehlt halt nun noch eine Idee für die Lederscheide. Was mir persöhnlich jetzt am Sax_bau zusätzlich noch gefällt ist, dass ich den auch jederzeit weiter verzieren könnte. Ob nun Schnitzerei am Griff oder Feilarbeit am Handschutz oder ein Knauf oder Metallbeschläge an der Lederscheide oder ... oder ... oder...... . Vermutlich wats bei manchem Besitzer nicht anders, wenn Zeit und Laune war wurde dran weiter gefummelt.

    Aber es warter ja nun noch ne "kleine" Klinge.:D

    Man sollte von früheren Generationen lernen, sich aber Neuerungen nicht verschließen.