MYOG Messerthread

  • Super Arbeit - richtig schönes Messer - der Griff gefällt mir sehr gut.


    Der Gary Mills macht doch auch die Timberwolf Messer - oder?

    Danke danke Micha, für die Blumen :)


    Jap, Gary Mills baut auch das Timberwolf. http://www.gmhandmadeknives.co.uk/index.php
    Was aber ein Exklusiv Produkt für The Bushcraftstore ist.
    Meine Klinge nennt sich The Saxon Knife.

  • So, nochmal mit Stahlwolle poliert.
    Eine Ölbehandlung ist bei stabilisierten Hölzern nicht möglich. Aber ich wollte auch nicht zu sehr ins Detail gehen, weil es nicht Vitrinengeeignet ist :D


  • Es hat alle mit einem Stück Stahl angefangen.
    Danch habe ich die Kingen ausgearbeitet und die Löcher für die Griffhülsen gebohrt.
    Hieraufhin habe ich die Klingen zum Härten gegeben.
    Nach dem Schleifen habe ich die Griffschalen angeklebt.
    Jetzt gabe ich die Griffe ausgearbeitet und anschließend die Kydexscheiden angefertigt aber seht selber.

  • Hallo Jungs,
    entlich ist es so weit. Mein erstes selbst gemachtes Messer ist fertig. Hat viele Zeit und Mühe gekostet und ab und zu Ärger mit der Frau gebracht.
    Jetzt aber bereue ich nichts davon.
    Vor dem Projekt hätte ich nie gedacht, dass manche von den einzelnen Tätigkeiten so viel Zeit in Anspruch nehmen würden.
    Das Segen, Schleifen und Polieren fand ich persönlich nicht schwer, obwohl ich keine Maschine hatte. Sehr interresant fand ich aber das Härten. Letzte Woche haben wir zusammen mit dem Yuokonen das Messer gehärtet.


    Um ein bisschen Gefühl vom Härten zu bekommen, haben wir erst mit einem Stück Stahl angefangen. Erst haben wir versucht in einer Feldesse das Stück Metal auf die passende Temperatur zu bringen.



    Mit Hilfe eines Buches (Metallfarbe) und eines Magnetten haben wir die passende Temperatur herausgefunden (hoffe ich). Danach ins alte Motoröl. Viel Qualm, Dreck aber das Metall war hart.

    Den Versuch das Stück Metall auf die Steine zu werfen, hat es Überlebt, ohne irgendwelche Schaden zu bekommen.
    Danach haben wir das Stück noch zwei mal auf die Temperatur gebracht. Das dritte mal wurde das Stück im Wasser gehärtet. Meine Meinung nach war die Härte nach diesem Versuch am größten, wobei beim Werfen auf die Steine ist das Stück
    in mehrere Teile zerbrochen.

    Dann kam das Messer und im Grunde genommen, war das keine große Sache mehr. Das erstaunliche war, dass an der Oberfläche des Messers sich kleine Blasen gebildet haben, die ich später wieder schleifen durfte.



    Nicht desto trotz habe ich ein Ergebniss erhalten mit dem ich leben konnte.

    Über das Anlassen, erneutes Schleifen, Kleben und Schleifen vieliere ich hier kein Wort, es wurde schon viel darüber geschrieben. Für den Griff habe ich Bocota Holz genommen. Sehr schönes aber auch hartes Stück Holz. Das habe ich im Leinöl gebadet.






    Und jetzt kommt das was für mich am schwierigsten war "die Scheide". Die hat mir viele graue Harre verursacht. Ich wollte, dass sie perfekt aussieht, aber ohne der richtigen Sattlerwerkzeuge kann man es vergessen ein zufriedenstellendes
    Ergebnis zu bekommen.
    Na gut Schluss mit dem Labern jetzt kommt das Ergebins:


  • Wir haben die drei Probehärtungen durchgeführt, um festszutellen wie sich der C 75 Stahl beim Abschrecken in
    Motor Öl verhält und um ein Gefühl für die richtige Glühfarbe in der Esse zu bekommen.
    Mit reinen Kohlenstoff Stählen habe ich keine härte Erfahrung , im Werkzeugbau benutzen wir
    Hauptsächlich Niedrig und Hochlegierte Werkzeugstähle wie 1.2080, 1.2379 ,1.2842, 1.2210 (Silberstahl)
    Bei der anschließenden Feilprobe habe ich am Probestück eine recht hohe Härte feststellen können.
    Selbst nach dem der Stahl zum zweiten mal erwärmt und in Öl abgeschreckt wurde.
    Der C75 Stahl ist ja eigentlich ein Ölhärter aber ich wollte doch mal feststellen wie er sich beim Abschrecken
    in Wasser verhält , ob sich Haarrisse bilden.
    Das Ergebnis ist, das der Stahl deutlich härter wurde als in Öl und Risse konnte ich bei dem Probestück nicht feststellen.
    Auch Härteverzug war selbst beim Abschrecken in Wasser nicht vorhanden.( Mit einem Haarwinkel geprüft )
    Dann habe ich dem -aruniosmo- mal die Glashärte des Stahls demonstrieren wollen, die ja nach jedem Abschrecken
    in Öl oder Wasser entsteht.Zu diesem Zweck wurde er auf einen Harten Steinboden geworfen, wobei er auch
    sofort in mehrere Stücke zersprang .Aber dass war zu erwarten.
    Um diese Glashärte und Sprödigkeit ,so wie die Spannungen die beim Abschrecken entstehen ,wieder zu
    reduzieren muß der Stahl dann auch bei 180 bis 220 Grad Angelassen werden.
    Das Anlassen bei dieser Temperatur ist gerade noch in einem Backofen zu hause möglich.
    Er verliert dann zwar etwas an Härte wird aber auch Zäher. Denn ohne Anlassen ist kein gehärteter Stahl zu gebrauchen.
    Auch wenn der C 75 Stahl ein Ölhärter ist ,sollte man das Abschrecken in Wasser noch weiter auf Rissbildung Testen .
    Das waren jetzt also unsere ersten Härte Erfahrungen von C 75 Stahl in einer Feldschmiede.
    Grüße der Yukoner :paddel

  • Kurzer Nachtrag zum Härten von aruniosmos Messer


    Der aruniosmo hat in seinem Bericht Blasen am Messer nach dem Härten erwähnt.
    In diesem Bereich ist die oberfläche des Stahls wohl verbrannt, weil die Temperatur dort zu hoch war.
    Die glühfarbe des Stahls war ohne hin nicht gleichmäßig verteilt, es gab hellere und dunklere stellen am Messer.
    Direkt in der Mitte von der Esse wo die Luft vom Gebläse austritt war die Temperatur sehr hoch.
    Eine gleichmäßige Erwärmung des Messers in solch einer kleinen Feldschmiede ist wohl nicht möglich,
    das geht nur in einem Härteofen.

  • Hallo Badland Pionier


    Du hast für dein Messer den Kaltarbeits Stahl 1.2842 vewendet.
    Das ist ein guter niedrig legierter WerKzeugstahl der auch
    für Messer verwendet wird. Dieser Stahl ist ein Öl Härter und die Härte Temperatur
    berträgt 780 bis 820 Grad. Die Härte nach dem Abschrecken ist ca. 64 HRC was sehr hart ist.
    Anlassen kannst du den Stahl bei 200 bis 220 Grad dann hat du noch ca. 60 bis 62 HRC an Härte .
    Der Stahl wird je nach Verwendungszweck auch noch höher angelassen,das ist aber im Backofen zu hause nicht möglich.
    Die Anlassdauer bertägt ein bis zwei Stunden.Bei der geringeren Anlass Temperatur nimmst du etwa 2 Stunden
    Bei der Höheren Temperatur nur ca. eine Stunde. Du kannst auch zwei mal bei 180 bis 200 Grad Anlassen.
    Im zweifels Fall lieber bei geringerer Temperatur länger Anlassen, als nur kurz bei zu hoher Temperatur.
    Schau mal über -google- bei www.StauberStahl .com / werkstoff-lexikon nach, oder Schmiedeglut.de, die verkaufen diesen Stahl
    Dort erfährst du etwas über dessen zusammensetzung und Eigenschaften,so wie die Härtetemperatur.
    Für die Glüh und Anlassfarben gibt es Farbliche Tabellen ,gib einfach mal bei google -Glüh und Anlassfarben für Stahl ein.


    Grüße Stefan .T. der Yukoner :paddel

  • Hey Aruniosmo - Echt schön geworden das Messerchen!


    Die starke Zunderbildung an der Klinge liegt nicht unbedingt an der zu hohen Temperatur sondern eher an der zu direkten Luftzufuhr. Yukoner schreibt ja, dass das Stück nah an der Düse gelegen hat.


    Zum Härten : Wenn man weiß welchen Stahl man hat sollte man am besten einfach Googeln, und sich ein Datenenblatt mit den Temperaturen Ausdrucken, und sich dann auch möglichst genau an die dort vorliegenden Angaben halten. Ich experimentiere zwar auch gerne, aber im Grunde führt das ganze rumprobieren zu keinem großartigen Ergebnis.
    Das härten in Wasser macht bei so kleinen Querschnitten wie Messern eigentlich keinen Sinn, selbst wenn es sich theoretisch um einen Wasserhärter handeln würde. Die einzige Ausnahme bilden Stähle mit sehr wenig Kohlenstoff ( unter 0,5%). Aber selbst da würde ich erst in Öl härten, und erst wenn das nicht ausreicht nochmal in Wasser.
    Dass, das Probestück keine Risse hatte, war einerseits Glück, und hatte auch damit zu tuen dass, die Form noch relativ grob und unbehandelt war. Die feine Messerklinge in Wasser zu härten wäre schon weitaus riskanter gewesen.


    Wenn man Stahl aus dem Schrott holt und nur ungefähr weiß womit man es zu tuen hat, kann man eine Funkenprobe vornehmen. Auch dazu gibt es Vergleichsbilder.


    Die allermeisten unlegierten und niedriglegierten Kaltarbeits- und Vergütungsstähle werden aber Hellkirschrot bis Hellrot gehärtet
    ( 800 - 850 C).
    Schwierig wird es wenn Legierungsbestandteile wie Chrom ,Nickel oder Wolfram in ernsthaften Mengen vorhanden sind. Dann muss die Temperatur oft viel höher angesetzt werden.


    Beim anlassen hingegen braucht man nicht unbedingt die volle, im Datenblatt angegebene Zeit einhalten , weil Werkstücke wie Messer eben sehr kleine Querschnitte haben. Der Hersteller geht da von bedeutend grösseren Teilen aus.
    Besonders Chromlegierte Stähle ( fast alle Werkzeugstähle enthalten heutzutage etwas Chrom) sollten lieber mehrmals kurz, mit schnellem abkühlen zwischen dem erwärmen, als einmal lang angelassen werden, um der sogenannten "Anlasssprödigkeit" entgegen zu wirken.
    Außerdem ist so das Risiko eines versehentlichen zu hohen anlassens geringer.


    So denn - wieder genug :schlaubi für heute.


    Nehmt´s mir nicht übel - LG Holger

  • Hallo Skuzzlebud.


    Wir haben uns selbsverständlich das Datenblatt für das Härten von C75 Stahl besorgt.
    Aber wie willst du denn die vorgeschriebene Temperatur von 810 bis 840 Grad in einer Esse einhalten.
    Ein Tabellenbuch für Metall in dem die Glühfarben abgebildet sind habe ich dabei gehabt,
    die 810 Grad für die Hellkirschrote Glühfarbe sind in der Glut einer Esse schwer zu erkennen.
    Durch meinen Beruf habe ich schon einige Schnittplatten,Schnittstempel,Druckplatten,Druckstempel
    und vieles mehr selber gehärtet allerdings in einem Härteofen ,ich weiss also wie glühender Stahl
    bei 810 oder 1020 Grad aussieht. Abgeschreckt wurde dann in Härteöl manchmal auch in Wasser.
    Bei diesen Sachen darf man sich keine Fehler beim Härten erlauben denn da stecken schon
    vorher viele Arbeitsstunden und hohe Geldbeträge drin.
    In einer Feldschmiede unter Primitiven bedingungen sieht die Sache aber anders aus.
    Da braucht es schon viel Erfahrung zb. als Schmied um die richtige Glühfarbe in der Glut
    einer Esse ,und das noch bei Tageslicht zu erkennen.
    Wir haben uns schon an die Angaben für das Härten von C75 Stahl gehalten und nicht
    herum experimentiert.Dass dieser Stahl ein Ölhärter ist war mir ja von Anfang an klar.
    Ich wollte aber doch mal Testen wie er sich beim Abschrecken in Wasser verhält,
    und welche Härte er erreichen kann.Übrigens der C60 Stahl ist ein Öl und Wasser Härter.
    Die Stähle die wir im Werzeugbau verwenden zb. 1.2842 sind nidrig legierte Kaltarbeits Stähle
    und 1.2080, 1.2379 sind hochlegierte Stähle mit hohem Chromgehalt und die lassen wir bei
    200 bis 220 Grad ein bis zwei Stunden lang an,das hängt aber auch vom Querschnitt des Werkstücks ab.



    Grüße der Yukoner :paddel

  • Na ja 100% genau wird es in einem Kohlenfeuer natürlich nie. Muss es bei einfachen Stählen auch nicht.
    Wenn man die Esse in eine schattige Ecke stellt, kann man die Temperatur aber schon ganz gut an der Glühfarbe bestimmen. Dazu gehört natürlich auch ein gewisses Gefühl für die Esse und wie lange das Werkstück bei wie viel Luftzufuhr im Feuer bleiben muss.


    Ich mache das so ,dass ich das Werkstück aus der Glut ziehe sobald ich der Meinung bin, dass die richtige Temperatur erreicht ist. Dann wird ein kurzer Blick auf die Glühfarbe geworfen und kontrolliert ob das Werkstück gleichmäßig erhitzt wurde. Wenn das der Fall ist, wird abgeschreckt.
    Wenn die Temperatur zu niedrig oder ungleichmäßig ist kommt es nochmal rein, wenn die Temperatur zu hoch ist wird ein Moment gewartet und dann abgeschreckt.
    Man kann auch die Kohlen kurz bei Seite schaufeln und nachschauen wie stark der Stahl glüht.


    Im Zweifelsfall härte ich lieber ein bisschen zu heiß als zu kalt. Ich schätze selbst als Laie kann man bis auf ca. 50 Grad C genau arbeiten.
    Wichtig ist nur dass, es nicht zu Hell ist. Starker Lichteinfall verfälscht die Glühfarbe erheblich, oder man sieht gar kein Glühen.

  • Die "richtige" Temperatur zum Abschrecken ermittele ich weniger durch die Glühfarbe, diese dient mir lediglich als grober Anhaltspunkt.
    Ich verwende ein anderes simples Verfahren, womit ich in der Praxis bisher stets sehr gute Erfolge hatte.
    Hier habe ich es bereits vor zwei Jahren einmal beschrieben:

    Den richtigen Abschreckzeitpunkt bestimme ich mit einem starken Industriemagneten, der fest an einem Eisenstab befestigt ist. Hat nämlich die Klinge die Temperatur erreicht, wo die Kohlenstoffatome ihre molekulare Gitteranordnung verändern, verliert der Stahl seine magnetische Eigenschaft. Deswegen tippe ich die Klinge ab einer gewissen leuchtend roten Glühfarbe regelmäßig mit dem Magneten ab und stelle irgendwann fest, dass jeglicher magnetischer Anzug verschwunden ist. Dann ist der Moment gekommen, wo ich die Klinge mit der Schmiedezange rasch herausnehme und in das vorgewärmte Öl (60°C) tauche.


    (aus meinem Beitrag: "Das Härten von Messerklingen im Heimwerkerstil")


    Man merkt wirklich sehr deutlich, wenn die magnetische Anzugskraft schwach wird und dann auch wenn sie verschwindet. Dann fühlt es sich an, als ob man auf man auf Stein, oder einen anderen völlig unmagnetischen Werkstoff tippt.
    Der Vorteil dieser Methode ist auch, dass der Magnet "fühlt", ob die Temperatur auch im inneren Bereich den rechten Punkt erreicht hat. Mir ist es öfter ergangen, dass ich hellkirschrot gesehen habe, der Magnet aber noch angezogen hat. Kurze Zeit später, die Glühfarbe war immer noch dieselbe, war auch der restliche Magnetismus weg und ich konnte im Öl abschrecken.


    Alle Klingen, die ich auf diese Weise gehärtet habe, sind alle einwandfrei und sehr schnitthaltig geworden.


    LG Parzival :bcplove