Das Affenmesser

  • Hurra Affenjunge freut sich und tanzt im Kreis :dance


    So ich hab ja schon vor einiger Zeit den Entwurf und die Rohklingen gepostet jetzt es fertig. Mein "ultimatives" Outdoormesser. Bewusst als Alleskönner konzipiert und den Griff schön an meine Hand angepasst. Fühlt sich richtig geil an.


    N690 auf 60 HRC. Die Schärfe zu geben hat schon richtig lange gedauert und es ist noch Luft nach oben aber ich hatte einfach keinen Bock mehr und wollts unbedingt ausprobieren :D
    3,5 mm Klingenstärke
    12cm Länge
    Flachschliff
    Griff auf Papiermicarta mit Edelstahlröhren fixiert und 2 Komponentenkleber fest gemacht.


    Da wir schon so viele richtig gute Messerentstehfäden haben, sah ich davon ab noch eine Entstehungsgeschichte zu posten, es sei denn es besteht Interesse ;)



  • Cool, sieht fast aus wie ein Fuck :D
    Wenn Du im Januar bei mir zum Treffen bist, können wir die Radien mal eben sauber verputzen, wenn Du möchtest !
    Viel Spaß mit Deinem neuen Messer, geniesse es, so lang du die finger still halten kannst und nicht schon ein neues planst ;)

    F.U.C.K. entspricht auch so ziemlich meiner Vorstellung von einem Allrounder, kein Wunder das die Formen ähnlich sind ;)


    Und da ich die Fresse nicht halten konnte muss ich meinem alten Herren noch eins machen. :D Das wird jetzt die Tage fertig

  • sehr schöne Arbeit haste gut gemacht!
    Sieht richtig gut aus das Messer und noch viel wichtiger es ist einzigartig, von dir selber gefertigt und somit optimal auf dich angepasst.


    Ich glaube man merkt, dass ich auch mal gerne so was machen möchte, aber leider nicht die benötigte Umgebung habe.
    Grüße
    Gerd

    Es ist nett, wichtig zu sein, aber ist wichtiger, nett zu sein.

  • Ein wirklich schönes Teil! :eek


    Was ich mich immer frage... Stahl kann man härten, gibt ja verschiedene Möglichkeiten dafür. Doch woher weiß ich, wenn ich die Stahlsorte kenne, das Verfahren zum Härten auch kenne, wie "hart" der Stahl nach der Behandlung wirklich ist? Ob ich alles richtig gemacht habe und so? Teure Meßgeräte oder wirklich die vielgerühmte Erfahrung?


    LG Sel :tarp

    Meine Grundsätze:
    ...Gerne darfs ein Kilo mehr sein bei der Ausrüstung...
    ...Je älter die Techniken, desto mehr mußten sie sich bewähren...
    ...Sehr viel kann man selber bauen, man muß nicht immer alles kaufen...

    (auf Grund meiner starken Sehbehinderung bitte ich das häufige Editieren meiner Beiträge zu entschuldigen)

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  • Ein wirklich schönes Teil! :eek


    Was ich mich immer frage... Stahl kann man härten, gibt ja verschiedene Möglichkeiten dafür. Doch woher weiß ich, wenn ich die Stahlsorte kenne, das Verfahren zum Härten auch kenne, wie "hart" der Stahl nach der Behandlung wirklich ist? Ob ich alles richtig gemacht habe und so? Teure Meßgeräte oder wirklich die vielgerühmte Erfahrung?


    LG Sel :tarp


    Ich habe das Messer nicht selber gehärtet, dafür fehlt mir sowohl die Erfahrung als auch das nötige Eqipment.
    Unlegierte oder ganz schwach legierte Stähle kann ich selber mit der PI mal Daumen Methode härten und anlassen und habe das auch schon gemacht. Man orientiert sich dabei an den Glüh und Anlassfarben. 100% genau ist die Methode natürlich nie.


    In diesem Fall bei N690 Stahl der ein Lufthärter ist und Hochlegiert, kann ich ihn mit den üblichen Haushaltsmethoden nicht selber härten, zumindest nicht so dass ein vernünftiges Ergebniss raus kommt. Darum hab ich die Rohklinge zu einem Profi geschickt, der das nötige Fachwissen und Furhpark dafür hat. die haben halt Geräte um alles zu messen und genau die gewünschte Härte zu erzeugen.

  • Um zu wissen wie man einen Stahl härtet, und wie hart dieser nach dem abschrecken und anlassen ist, sollte man sich einfach das Datenblatt des verwendeten Stahles anschauen. Die meisten Datenblätter findet man einfach durch "googeln" der Werkstoffnummer.
    Hier z.B. 1.2842 besser bekannt als O2 http://www.stahlnetz.de/files/deu/Stahllexikon.pdf



    Oder hier aus gegebenen Anlass der 1.4528 oder N690 den der AJ hier verbaut hat http://www.bucorp.com/files/BOHLER_N690.pdf



    Dort finden sich dann Tabellen in denen man ablesen kann, wie hart der Stahl bei welcher Härtetemperatur und in welchem
    Abschreckmedium ( Luft ,Öl, Wasser) werden sollte. Wenn man die Temperatur nicht nachmessen kann, muss man sich an den Glühfarben orientieren. Auch dafür gibt es Vergleichstabellen.
    Bei den meisten niedrig bis mittellegierten Stählen ist das sogenannte "Kirschrot" bis "Hellkirschrot" optimal. Das sind so zwischen 800 und 900 Grad C.
    Ob das Härten wirklich erfolgreich war kann man als Laie ohne Prüfgeräte wirklich nur daran erkennen indem man versucht Glas zu ritzen oder den Stahl zu Feilen. Wenn man dann der Meinung ist dass, der Härtevorgang erfolgreich war muss man den Stahl auf die gewünschte Härte anlassen. Auch die dafür erforderlichen Temperaturen und Haltezeiten entnimmt man dem Datenblatt. Obwohl man die Haltezeiten bei so geringen Querschnitten wie Messerklingen wohl auch etwas verkürzen kann.


    Bei hochlegierten Stählen stellt sich das Problem ein dass, manche Legierunsbestandteile eine gewisse Warmfestigkeit aufweisen und somit extrem heiß gehärtet werden (1000 C +) und lange Glühzeiten erfordern ,was sich unter Heimbedingungen schlecht machen lässt.
    Bei den rostfreien Stählen ist es überwiegend der hohe Chromanteil der solch hohe Temperaturen erforderlich macht. Beim N690 kommen aber noch die 1,5 % Cobalt hinzu.
    Ganz nebenbei bemerkt halte ich es schon für etwas paradox einen Kaltarbeitsstahl mit Cobalt zu legieren, also einen Warmfesten Kaltarbeitsstahl zu erzeugen :confused . Cobalt hat ,außer der Warmfestigkeit eigentlich keinerlei positive Eigenschaften.
    Nun gut ... die Jungs bei Böhler werden sich schon was dabei gedacht haben. Oder das Zeug hatte ursprünglich einen ganz anderen Verwendungszweck, wie das bei Messerstählen oft so ist.

  • Im Datenblatt steht:

    Also schon im entferntesten als Schneidgerätestahl gedacht. Warum der Cobalt da noch drinnen ist weiß ich allerdings auch nicht. Kenn mich mit sowas auch nicht wirklich aus.


    wichtig ist dass es funktioniert.
    Getestet hab ichs gestern im Wald bei allen möglichen Tätigkeiten und ich tat gut dran den Griff so zu konzipieren. Somit kann ich ganz hinten gehalten choppen. Neutral gehalten für grobes Schnitzen mit viel abtrag und weiter vorne an der Klingenwölbung gehalten kann ich auch feinere Schneitzereien machen.
    Danach direkt als Nahrungsmesser getestet und schneidet es alles gut bis sehr gut. Den Tomatentest hat es ebenso bestanden, wie das es Käse schneidet. Das einzige wo es Probleme hatte war bei gekochten mehligen Kartoffeln, die hat es dann häufig auseinandergedrückt, wohl wegen der Klingenstärke.
    Aber bisherfind ichs echt geil :D

  • Schaut gelungen aus, datt A-Messer ;):daumen


    ---

    ...Cobalt hat ,außer der Warmfestigkeit eigentlich keinerlei positive Eigenschaften. ...


    Ansichtssache,
    ""Kobalt (Co): Bildet keine Karbide, sondern nur Mischkristalle, verbessert die Warmfestigkeit, hemmt das Kornwachstum"" <-"sorgt" für ein feines Gefüge
    ^=> ermöglicht eine feine Schneide.
    Für meinen Geschmack war der N690 hier eine gute Wahl.


    Wer keine feine Schneide mag/möchte, nimmt halt nen D2 o. ä.
    Das Angebot an Stählen ist heutzutage in etwa so vielfältig, wie die Anforderungen und Vorlieben der Messernutzer.

  • Ich will ja nicht sagen dass, der hohe Cobaltanteil das Messer schlechter macht. In der Praxis wird man wohl kaum den unterschied erkennen ob es nun mit oder ohne Cobalt legiert ist.
    Was mich aus "metallurgischer" Sicht allerdings an der Sache verwirrt ist, dass ja schon Molybdän und Vanadium in der Legierung vorhanden sind. Beides Bestandteile die ja schon für ein "feinkörniges" Gefüge sorgen. Cobalt wird in Kaltarbeitsstählen normalerweise nicht verbaut weil es den Stahl auch in gewissen Maßen spröder macht, und weil Molybdän und Vanadium den "Job" bei dieser Anwendung einfach besser machen.


    Das ist jetzt natürlich reine Theorie von mir und ich will das Zeug weder schlecht reden, noch den Leuten bei Böhler ihre Kompetenz abstreiten,
    aber tendenziell würde ich behaupten das der Stahl nicht schlechter wäre wenn man das Cobalt einfach weglässt, oder stattdessen etwas mehr Vanadium beifügen würde.


    Ist aber auch egal, wie schon gesagt: In der Praxis spielt das kaum eine rolle. Das Messer vom AJ ist jedenfalls ziemlich gut geworden, obwohl Micarta und Hochlegiert normalerweise nicht so das meine sind.

  • Nur so ne Idee. Vielleicht ist der Cobaltanteil nicht für die Anwendung sondern für die Produktion gedacht, so dass der Stahl geschnitten, gebohrt werden kann ohne dass er direkt lufthärtet?


    Aber ist nur so geraten, also wahrscheinlich Müll :D

  • Ich will ja nicht sagen dass, der hohe Cobaltanteil das Messer schlechter macht. In der Praxis wird man wohl kaum den unterschied erkennen ob es nun mit oder ohne Cobalt legiert ist.
    Was mich aus "metallurgischer" Sicht allerdings an der Sache verwirrt ist, dass ja schon Molybdän und Vanadium in der Legierung vorhanden sind. Beides Bestandteile die ja schon für ein "feinkörniges" Gefüge sorgen.


    Ich kenne zwei kobaltlegierte Stahlsorten aus der Praxis: N695 (Extrema Ratio) und VG 10 (Fällkniven). Beim Schleifen und in der Praxis hab ich nen Unterschied bemerkt: bei beiden bekomme ich eine etwas feinere Schneide hin als bei manchen anderen rostträgen Sorten. In der Praxis kann man damit natürlich schön fein arbeiten, v.a. wenn es um weiches bis mittelfestes Schnittgut (Holz) geht. Allerdings ist es in der Tat so, dass bei mir beide Sorten zu Ausbrüchen neigen wenn es an sehr harte Materialien geht. Teilweise hatte ich auch schon Ausbrüche bei robustem Knochenkontakt. Wenn man nicht gerade Knochen schnitzen will macht das aber nix...


    Das Lernen einzelner, isolierter Bushcraftskills ist ähnlich wie das Anhäufen von unbenutzter Ausrüstung:
    ein recht kümmerlicher Ersatz für große Abenteuer...

  • Könntes auch an der Wärmebehandlung liegen mit dem ausbrechen?
    Ich hab die letzten Tage die Klinge richtig vergewaltigt und gebitchslappt durch Hartholz getrieben und Walnüsse mit der Schneide gekanckt und bisher keinerlei Ausbrüche festzustellen, eher scheint sich der Grat zumzulegen, als dass was ausbricht.
    Zumindest bisher.
    ich werd mal einen kleinen Test am Knochen vornehmen, zwar werde ich laaaange wieder schleifen müssen wenn mir wirklich was ausbrechen sollte, aber was tut man nicht alles für die Wissenschaft. :D

  • Könntes auch an der Wärmebehandlung liegen...


    Die haben beide soweit im Griff, eher an der fein geschliffenen Schneide, was normal/logisch ist.


    Da Deins als Allrounder gedacht ist, besser nicht zu fein anschleifen.
    Für die extra feinen Arbeiten wird es wegen Klingenstärke & -länge ohnehin sinniger sein, ein anderes Messer zu benutzen.