MYOG Löffelmesser vom Bahndamm

  • Hallo zusammen!


    Dar ja scheinbar ein gewisses Interesse an selbst geschmiedeten Sachen besteht, will ich hier nochmal ein kleines Tutorial machen.
    Und weil man ja noch noch viel mehr "Bushcraft" Werkzeuge selber anfertigen kann als immer nur Messer, gibt es Heute mal ein etwas anderes Schnitzwerkzeug ; Nämlich ein "Spoon- Knife" zum schnitzen von kleineren Aushöhlungen.





    Als Ausgangsmaterial dient diesmal diese Federscheibe, welche ich an einem stillgelegten Bahngleis gefunden habe. Die Dinger wurden früher zur Sicherung der Schrauben auf den Bahnschwellen benutzt.
    Im I- Netz konnte ich über die Teile wenig verwertbares finden, dar es aber offensichtlich ein Zwischending von Federscheibe und Druckfeder ist, bin ich davon ausgegangen, dass es sich beim Material um einen Federstahl handelt. Die Funkenprobe am Schleifstein war allerdings etwas mager, weshalb ich eher von einem billigen Vergütungsstahl ausgehe. Ich tippe mal stark auf C45 weil dieser einfach sehr verbreitet eingesetzt wird.





    Um die Federscheibe verwenden zu können, wird diese im Feuer erhitzt und dann solange vorsichtig auseinander gebogen, bis man sie auf dem Ambos zu einem geraden Stück hämmern kann.




    Der so entstandene Vierkant wird nun auf die gewünschte Stärke flachgehämmert.





    Wenn das Stück dünn genug ist, kann damit begonnen werden die Rundung zuformen. Hierfür wird der glühende Stahl um einen Dorn oder ein passendes Stück Rundstahl geschlagen, bis man den angestrebten Radius erreicht hat.


    Damit der Griff auch hinterher gerade zur späteren Klinge steht, spannt man diesen am besten im Schraubstock ein und biegt den "Kopf" in die gewünschte Position. So kleine Werkstücke könnte man aber auch einfach mit zwei Zangen zurechtbiegen.




    Wenn die Form von Klinge und Griff passt, kann man das überstehende Ende abschroten.





    Danach wird der Erl abgesetzt. Dazu schlägt man einfach zwei sich gegenüberstehende Kerben in den Stahl, und beginnt damit das Material hinter den kerben spitz auszuschmieden.




    Man hätte den Erl noch weiter ausarbeiten können, aber einen schön geraden und gleichmäßigen Erl zu schmieden ist gar nicht SO einfach, weshalb ich die letzten paar Millimeter der Einfachheit wegen auf den Schleifstein geschliffen habe.




    Auch die Schneide hat man relativ schnell geschliffen. Ein normaler Elektro- Schleifstein oder eine Feile sind hierfür völlig ausreichend.
    Hierbei sollte man darauf achten auf welche Seite man die schneide macht, und ob man ein Löffelmesser für Links- oder Rechtshänder haben möchte.


    Das Werkstück an sich ist jetzt auch soweit fertig, und man kann mit der Wärmebehandlung beginnen. Hiervon ist es immer schwierig sinnvolle Bilder zu machen ,weshalb ich die Sache mal nur mit Text erklären werde. Das Weichglühen spare ich mir hier weil der Stahl nach dem schmieden schon den Großteil seiner Härte verloren hat, und sich auch so schon gut schleifen und Feilen lässt.


    Schritt 1 : Normalglühen


    Der Stahl muss nach dem schmieden und schleifen normalgeglüht werden, damit sich das stark gedehnte und gestauchte Gefüge wieder neu ordnen kann.
    Hier ist jetzt natürlich das dumme Problem dass, ich nicht mit Sicherheit sagen kann was für einen Stahl ich verarbeitet habe, und somit auch die genauen Temperaturen nicht weiß.
    Dar die Funkenprobe aber auf einen Stahl mit nur wenig Kohlenstoff schließen lässt, muss man hier auch nicht übermäßig genau arbeiten.
    Ich habe den Stahl einfach auf etwas über Härtetemperatur (ca. 850C) erhitzt und anschließend an der Luft abkühlen lassen. Diesen Vorgang wiederholt man nun noch zwei bis drei mal.


    Schritt 2 : Härten


    Zum härten wird das Werkstück erhitzt bis es Kirschrot oder besser Hellkirschrot glüht, (ca. 800C) und anschließend abgeschreckt.
    Hier hatte ich nun auch wieder das Problem dass, man filigrane Gegenstände wie Klingen eigentlich immer in warmen Öl härtet. Allerdings sollte man Stähle mit sehr wenig Kohlenstoff lieber in Wasser härten um noch eine gute härte zu erzielen. Ich habe mich für einen Zwischenweg entschieden und in kaltem Öl gehärtet. Mit dem Ergebnis dass, die Klinge schon härter geworden ist , also zumindest kein Baustahl war, aber im Vergleich mit besseren Werkzeugstählen doch relativ weich bleibt. Ein Messer z.B. hätte ich nochmal in Wasser gehärtet, aber für das Löffelmesser war es mir gut genug.


    Schritt 3: Anlassen


    Wenn der Stahl so wie so schon nicht übermäßig hart ist ,sollte man auch beim anlassen nicht übertreiben. 30min im vorgeheizten Backofen bei 150C sind hier vollkommen ausreichend.




    Nach dem Härten und anlassen habe ich die Klinge nochmal etwas mit Schleifleinen und einem feinen Schleifpad bearbeitet.





    Den Griff habe ich einfach, aus einem Stück Buchenholz gefertigt in welches ich ein Loch gebohrt habe. Den Erl habe ich noch auf die richtige Länge gekürzt, ihn vorsichtig in das Loch gehämmert und mit ein Paar Tropfen Kleber gesichert. Normalerweise wäre es einfacher und auch passgenauer gewesen den Erl einzubrennen, aber ich wollte im Bastelkeller meiner Ellis nicht "rumkokeln" ,und halten tut es auch so bombensicher.





    Zum Schluss habe ich den Griff und die Klinge noch etwas mit Leinöl eingerieben.





    Getestet habe ich das neue Spielzeug dann auch gleich mal an knochenharter Eiche. Das ist bestimmt nicht das beste Schnitzholz aber ich wollte wissen ob die Schneide das aushält, und wie man sieht kann man durchaus zufrieden sein.
    Der fette Tönnchengriff liegt satt in der Hand und der Radius der Klinge ist eng genug um auch kleine Rundungen ausarbeiten zu können.
    Wirklich stumpf ist das Ding nach nun ein paar Löffeln auch noch nicht geworden.
    Obwohl ich die nächsten Löffelmesser wieder aus echtem Werkzeugstahl machen werde , einfach um zu wissen womit ich arbeite, kann ich doch sagen dass, sich das Experiment gelohnt hat.




    LG an alle :winken Holger !

  • Moin alle zusamen!


    Ich hänge es einfach mal hier mit an;


    Es ist zwar schon ziemlich lange her, aber der ein oder andere kann sich vielleicht noch an die Schmiedeaktion am Wintertreffen an der Opelwiese im Februar erinnern.


    Weil das Messer welches ich eigentlich anfertigen wollte einen Riss am Übergang zwischen Klinge und Erl hatte, hatte ich die Klinge kurzerhand nochmal umgearbeitet und ein Löffelmesser daraus geschmiedet. Das Teil lag dann, nach dem Motto "aus den Augen aus dem Sinn" lange Zeit, fast fertig bei mir rum bis es mir vor kurzem nochmal vor die Füße gefallen ist.


    Ich hab nur noch Klinge und Erl etwas mit Schleifstein und Feile nachgearbeitet, und dann geglüht und gehärtet wie schon oben beschrieben.
    Angelassen hab ich das Messer diesmal nur per Augenmaß ,auf einem Stahlklotz welchen ich in der Esse erhitzt hatte. Hier sollte man wirklich nicht übertreiben, denn der verwendete C45 ist auch direkt nach dem Härten nicht übermäßig hart, und wird bei zu langen Anlassen schnell wider sehr weich.





    Ich hab dann wieder einen ganz simplen Tönnchengriff aus Buchenholz dran gemacht. Ich hatte wenig Zeit also habe ich mir hier keine übermäßige Mühe mehr gemacht, und keinen großen Wert mehr auf Genauigkeit und Ästhetik gelegt, was mir bei Löffelmessern aber auch nicht so wichtig ist. Die müssen bei mir einfach nur funktionieren.



    Getestet hab ich dann an trockenem Birkenholz,was auch sehr gut funktioniert hat. Den Griff werde ich bei Gelegenheit nochmal mit etwas feinem Sandpapier nacharbeiten und die Oberfläche ordentlich versiegeln, aber ansonsten bin ich recht zufrieden mit dem neuen Werkzeug.


    LG Holger :winken

  • cooler bericht über eure handgemachten löffelmesser :)


    ich schnitze löffel nur zuhause, da spanne ich das holz fest ein und arbeite mit einem hohlbeitel und klüpfel.
    das macht jeder anders, könnte mir kaum vorstellen einen löffel zu schnitzen und ihn nicht fest einzuspannen bei der arbeit :motz
    lg buschkrieger :messer

    Mit einem Freund am Fluss sitzen und was leckeres auf dem Hobokocher zubereiten- für mich gibt es nicht besseres :)