Brennstoff- "tabletten" aus Zeitung und Wachs

  • ;) Hallo zusammen,
    vor einer Weile hab bei Youtube einen Beitrag von Franken-Trekking gesehen, in dem Volker diese Pats als Anzünder gemacht hat. Ich hab dann den Gedanken für mich weitergesponnen und hab mir gedacht, warum das Ganze nicht ein wenig größer machen und als "Brennstofftabletten" für den Hobo benutzen.
    Und was nun dabei herausgekommen ist möchte ich euch hier nun zeigen.


    Da bei mir ständig der Briefkasten vor Werbezeitungen (und Rechnungen :motz ) überquillt und ich nicht immer alles nur entsorgen sondern auch recyceln will, hab ich zum Akkuschrauber gegriffen.


    1. Bild: erst alles in der Luft zerreißen, dann einen ordentlichen Schluck Wasser dazu und alles kräftig durchrühren, am besten mit einem Akkuschrauber und Farbquirl, da die Druckerschwärze unschön abfärbt. Habs beim ersten mal mit dem Handrührgerät gemacht und hinterher ewig die Rührbesen sauber gemacht
    2. Bild: dann füllt man 1-2 Esslöffel der Masse in eine Spätzle Presse und einmal fest zusammenpressen bis das meiste Wasser raus ist; sollten die Pats beim Öffnen der Presse am Stempel festkleben, dann die Presse mit ein wenig Olivenöl ganz dünn einreiben.
    Dann die Pats mit einem Zahnstocher oder Schaschlik Spieß von unten etwas zurückschieben, damit man sie aus der Presse raus bekommt.
    3. Bild: Nach dem Pressen hab ich alle Pats auf ein Gitter gelegt und zwei oder drei Wochen am Ofen (nicht Backofen ;) ) ordentlich durchgetrocknet.
    4. Bild: Als letzten Schritt hab ich die Pats in heißes Wachs gelegt und solange darin schwimmen lassen bis die Bläschen nichtmehr als zusammen hängender Schaumteppich aufgeschwommen sind, sah fast aus wie Pommes fritieren :confused
    Danach wieder alles abtropfen und abkühlen lassen.
    5. Bild: Als letztes kam dann der Paxistest, den Pat zweimal in der Mitte knicken und einmal mit dem Schwedenstahl hin und schon brennt das Teil, je nach dicke, 5-8 Minuten wie Hulle.
    Nachdem der Pat verbrannt ist glüht er noch ein wenig nach und hinterlässt ein Aschehäufchen.


    Hoffe euch gefällt der Beitrag;
    und Parzival, hiermit habe ich mein Versprechen eingelöst. :lol

  • Habs bisher mit in Wachs getränkten Wattepads probiert, aber jetzt weiß ich, wie ich sinnvoll Papier recyceln kann....danke! Du musst mir nur noch verraten, wie du den Topf nachher rückstandslos vom Wachs befreist :D

  • und Parzival, hiermit habe ich mein Versprechen eingelöst.


    Das Versprechen, die Herstellung dieser genialen Anzündhilfen hier im BCP zu dokumentieren!


    Ich war sehr froh, dass du diese Teile bei unserer Regentour, Anfang Oktober dabei hattest. :hobo


    Bei Nässe sehr zu empfehlen, um ein Feuer erfolgreich in Gang zu bekommen! :feuerbohr


    Danke nochmal!


    LG Parzival :bcplove


    P.S. @ Koschtnix: Kann ich dir auch beantworten: -Gar nicht!- Du kriegst den Topf nicht mehr sauber, deswegen einen alten Kochtopf opfern und öfters mal ne Kerze gießen. Auch ein Tipp: schmelze das Wachs niemals auf dem heimischen Küchenherd, das gibt nämlich meistens doch Sauerei! Draußen auf dem Hobo- oder Campingkocher machts auch noch mehr Spaß. Ich lege beim Wachsgießen immer ordentlich Pappe unter.

  • @ Koschtnix
    hab die Pfanne/Deckel von meinem ersten Campinggeschirr geopfert, und lass das Wachs einfach drinn.


    @ Parival
    habs aufm Herd gemacht, sogar ohne Sauerei. Aber wahrscheinlich nur weil ich garnicht daran gedacht hab das es eine Sauerei geben könnte. Da zeigt sich wieder: wer nix denkt macht auch nicht alles falsch, haha
    Aber Wachs schmelzen über offenem Feuer find ich ein wenig heikel, hätte Angs das die Flammen überschlagen und die ganze Geschichte ein Leuchtfeuer wird.

  • Wenn das flüssige Wachs mal die Zündtemperatur überschritten hat, gehts ziemlich ab. Fängt dann von selbst immer wieder an zu brennen. Sollte man nicht mit Wasser löschen!


    Ich denke, das wisst ihr alle, wollte's nur zur Sicherheit erwähnen.

  • Hätt ich mich doch schon eher hier angemeldet. Hab nen guten Topf verschissen und den Herd eingesaut :wallbash Noch ein Tipp von mir; Ich habe "Mini-Babybel´s" gefuttert und dann die Hülle eingeschmolzen. Meine Ökobilanz stimmt :D

  • Ahoi..
    Damit beim Wachsschmelzen nix passiert ists sinniger, das Wachs-Paraffin oder Stearin in einem Topf zu schmelzen, welcher im Wasserbad steht. Das verhindert ausserdem, dass das geschmolzene zu heiss wird.
    Wie schon gesagt wurde, wenn die Temperatur erreicht ist und die heissen Dämpfe vom Wachs aufsteigen brauchts eig nur nen ordentlichen Funken, und der Topf fackelt.


    Wildnispilger: Danke für den Beitrag :)
    Noch ne Alternative für länger Feuer: Toilettenpapierrollen (ja, komplette), in ne alte Konservendose stellen, und mit Wachs aufgiessen. Erstmal trocknen lassen. Wenn das ganze getrocknet ist, kleinen Lappen in das Mittelloch reicndrehen und anzünden (Docht quasi). Wenn das Wachs runtergeschmelzen ist, nochmals mit frischem flüssigem Wachs aufgiessen, und vollsaugen lassen. Fertig-
    Die so gewonnenen Klopapier Fackel Kerzen brennen, wenn sie ordentlich vollgesogen sind, gut 4 Stunden.


    lg strix

  • Ich habe mir nach der Anleitung eine ganze Charge voll selbstgemachte Brennstoffstabs hergestellt, hat riesig Spaß gemacht. Auch die Empfehlung das Wachs im Wasserbad zu schmelzen war gut. Allerdings bekomme ich meine Tabs nicht mit dem Feuerstahl entzündet :-(

  • Hallo Koschtnix,


    ich habe von Wildnispilger ein paar von seinen Tabs geschenkt bekommen und konnte sie auch zuerst nicht mit dem Zündstahl ankriegen.


    Wie´s geht habe ich eben mal kurz gefilmt:


    k4PCCeNq4hE


    LG Parzival :bcplove

  • Die Dinger sind grenzgenial!! ;)


    Ich selbst habe auch bereits welche gemacht und bin komplett überzeugt von ihnen. Es ist kein Problem wenn sie nass werden, sie lassen sich leicht entzünden und machen genau was sie sollen - BRENNEN!


    Vor ziemlich genau 1x Jahr hab ich sie auch hier mal vorgestellt:

    Vielleicht hilfts ;) ,


    LG Caligula


    Ps. zum Anzünden mit dem Feuerstahl:


    Ich hatte auch am Anfang leichte Probleme und bin darauf gekommen, es hilft, wenn man das Ding in der Mitte "ein"-bricht und dann mit dem Messer die Oberfläche aufraut, dass so kleine Späne entstehen. Dann gehts auch mit dem Feuerstahl relativ leicht. :hobo

  • Danke für den Tipp, werde ich das nächste mal beherzigen. Ich befürchte aber auch, daß ich aufgrund der Kälte etwas zu fickerich mit dem Feuerstahl war :lol


  • Wie stehts denn bei den Tabs mit dem Ruß? Kerzenwachs gibt doch gerne so einen schönen, fettigen Ruß von sich?!

  • Das hält sich in Grenzen. Ohne eine Topfauflage habe ich keinen Ruß wahrgenommen, ansonsten war ein bisschen Ruß am Boden des Bechers. Das habe ich aber auch bei der Benutzung eines Hobos mit Holz oder Reisig.

  • Hab's jetzt auch mal ausprobiert. Mit Schnipseln aus dem Papierschredder. Das funktioniert aber nur bedingt, weil laserdruckertaugliches Papier sich nicht wirklich auflöst, sondern beim Kochen nur zusammenfällt. Hab's deshalb in der zweiten Hälfte noch zusätzlich mit ein paar Metern Klopapier "abgeschmeckt", damit das wenigstens eine Konsistenz wie Frühstückshaferflocken hat.


    Ich hab's auch mit verschiedenen Preßstärken versucht. Drückt man den Brei nur aus, wird das ein loser Verbund aus Papierstreifen, der sich getrocknet leicht zerbröseln läßt. Leider ohne zunderbare Fusselfasern. Packt man das trotzdem ins Wachsbad, bekommt man einen mit Papierschnipseln armierten Wachsklumpen. Als Anzündhilfe oder Esbit-Ersatz voll funktionsfähig. Geht so aber nur mit dem Feuerzeug an.


    Auch fester gepreßte Klößchen, mit oder ohne Klopapieranteil, werden beim Trocknen nur zu Papiermaché. Die mit Klopapier werden dabei so steinhart, daß man sie schon fast batonen muß. In Wachs paniert brennen die auch ganz gut, rußen nur wegen des Wachsüberzugs.


    Im letzten Anlauf hab' ich eine Handvoll pralinengroßer Preßlinge mit Terpentin getränkt und danach erst mit Wachs überzogen. Muß man möglicherweise dann mehrfach durchs Wachs ziehen, weil die mit einer einzigen Schicht ausgasen. Offenbar werden die mit einer Schicht Wachs nicht richtig dicht. Auch die Terpentinklöße lassen sich mit Funken nicht anfeuern. Selbst frisch aufgebrochen und mit glühendem Char Cloth gepimpt geht da nichts. Erst mit einer Feuerzeugflamme springt's an.


    Dann aber richtig!


    Als Anzündhilfe oder aus Papierabfall bevorratbarer Notbrennstoff sicher tolle Sache. Sogar mit geschreddertem Büropapier, z.B. faustgroß als Papier-Brikett. Zum Zundern aus dem Funken braucht man aber lange filigrane Fasern, die gerade noch eng genug beieinanderliegen, daß sie die Glut weitergeben können.


    Zunder im eigentlichen Sinne, als Alternative zu Char Cloth und Char Rope, könnte aber mit richtig schlechtem Zeitungspapier funktionieren, wenn das einen hohen Holzanteil hat: Im Papier sichtbare, lange filigrane Holzspäne, die beim Auseinanderbrechen des Zunderballs einen flauschigen Filz bilden, in dem sich der Funke fangen kann. Muß dann aber auch sehr gut ausgedrückt werden, damit sich kein Wachs ins Innere verirrt.

    Natur er-leben kann man nicht online am Schreibtisch.
    Dazu muß man ganzjährig immer wieder offline vor die Tür...

  • Wieso zündet ihr nicht gleich ein Teelicht als solches an?

    Weil ein Teelicht nur viel Wachs mit einem kleinen Docht ist. Der Pappkloß ist dagegen so was ähnliches wie diese Grillanzünder aus Kokosfasern. Der Wachsüberzug ist eigentlich nur, um das Fusselkram vor Nässe zu schützen. Mal angezündet, wirkt aber der ganze Ball wie ein einziger Docht und brennt dabei erst das Wachs, dann das Papier ab. Ziel ist eine Flamme die lange genug brennt, um ein Bündel unsortierter Äste zwischen Zahnstocher- und Bleistift-Dicke zum Brennen zu bringen. Mit einer einzigen Teelicht-Flamme klappt das aber nicht.


    Ein Teelicht ist außerdem schon bei Windstille so zugempfindlich, daß es sogar einfacher wäre, das Zippo eine Weile von unten ans Zundernest zu halten, weil's eben ein Sturmfeuerzeug ist. Weil aber viele statt eines Benziners lieber ein Gasfeuerzeug mitführen, scheidet diese alternative Strategie dann logischerweise aus.


    Ziel der ganzen Zündelei ist es ja eigentlich, von Anzündhilfen wie Feuerzeugen, Streichhölzern, Brandbeschleunigern und Grillanzündern komplett autark zu werden. Auf dem Weg dorthin darf man aber gerne auch mal mogeln. :D

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  • Hallo
    Tarper...die einen nennens mogeln, die anderen wissen dass es einfach Situationen gibt in denen sie kein Feuer ankriegen ohne sowas. Bsp: Es regnet seit Tagen, es ist kalt un windig noch dazu und man ist durchnässt. Ich glaub da greift jeder gern auf sowas zurück.
    Gruss von der Alb

  • Euch ist schon klar, dass diese Dinger eine Energieverschwendung ohne gleichen sind?
    Die Energie, die zum Fertigen der Teile, Papierkochen und Wachserwärmen, benötigt wird,
    steht in keinem Verhältnis zur Energie Ausbeute. Ganz ehrlich, da mogele ich lieber mit Kienspan,
    Birkenrinde oder Wasserdostsamen mit Harz. Ich war auch schon in Situationen, in denne es
    schwierig war ein Feuer zu entfachen, aber mit diesen kleinen Hilsmittel aus der Natur, die ich
    vorher gesammelt habe und in nem Zunderbeutel bei mir trage, funktioniert das immer.


    MfG Bushdoc

    Auch dieses Jahr bietet Bushdoc´s School of advanced Survival and Bushcraft wieder folgende Kurse an:
    -Bushcraft ohne Busch
    -Survival ohne zu überleben