Orientierung ohne Anhaltspunkt..wie?

  • Hallo zusammen,


    ich brauche mal Eure Hilfe.


    Ich hatte, vorgestern, die blöde Idee mich von meiner Frau mit dem Auto ca. 20 km von zu Hause entfernt, bei einem Waldgebiet absetzen zu lassen, um dann mit Karte und Kompass wieder nach Hause zu finden. In meinem Fall klappt so was, weil ich erst seit ein paar Monaten in diesem Landkreis wohne, und noch nicht alles kenne. Ich habe mich während der Fahrt mit geschlossenen Augen zurück gelegt um Weg oder Richtung nicht erkennen zu können. Die richtige Karte für den Abschnitt des Landkreises hatte ich dabei. Das Handy mit GPS musste zu Hause bleiben.


    Was soll ich Euch sagen? Ich bin gescheitert! Es ist mir nicht gelungen, meinen Standort zu lokalisieren. Es gab Felder und Wälder zu sehen, aber keine Landmarken, die ich auf der Karte wiederfinden konnte. Zunächst waren keine Straßen- oder Wegnamen zu finden. Und als ich sie dann fand, waren sie zu klein um in der Karte namentlich erwähnt zu werden. Um nicht draußen schlafen zu müssen, habe ich mich dann einfach für eine Richtung entschieden und bin los gelaufen, bis ich einen Pilzsucher nach meinem Standort fragen konnte.


    Wie macht man so etwas richtig?


    Grüße
    Cord

  • Landmarken suchen ist schon richtig - wenn die Karte im Maßstab klein genug ist, kannst du auch Formen und Wegverläufe suchen. Also dem Wald,- Feldweg folgen, bis er kreuzt, oder abzweigt und dann diese Form auf der genordeten Karte suchen. Das geht mit Bachläufen, Wegen, Feldfluren usw.
    Noch schöner sind natürlich markante Landmarken, Flußbiegungen, Berge, Naturdenkmäler, oder ähnliches. Wichtig ist halt, dass du deine Karte einnordest und weißt in welche Richtung du grob musst - wenn du nicht auf den ersten Blick was Bekanntes entdeckst, musst du erst mal in die grobe Richtung laufen (in Deutschland ist das ja nicht ganz so schwer - da triffst du ja nach spätestens zwei Stunden geradem Marsches auf eine Autobahn oder Bahnstrecke...)
    Schwieriger wird so was in riesigen Waldgebieten wie in Schweden oder Kanada, da ist es möglicherweise erst mal besser sich einen erhöhten Punkt zu suchen (und wenn es auch nur ein hoher Baum ist) und sich einen Überblick zu verschaffen. Im Normalfall weiß man ja ungefähr wo man sich befindet (in meinem Fall, im Nordosten ist Köln, im Südosten Bonn, im Norden liegt die Autobahn und im Süden unsere Talsperren usw...) Somit befragt man den Kompass und geht erst mal los, bis man Referenzpunkte findet und sich auf der Karte genau orientieren kann.


    Es gibt sicherlich noch andere, ausgefeiltere Möglichkeiten - aber so würde ich es machen.


    LG
    Erik

  • Hast doch alles richtig gemacht. Ausgesetzt in einer fremden Landschaft im Flachland ohne irgendwelche Landmarken mit denen du peilen könntest. Da bleibt dir nix anderes übrig als in einer Richtung zu gehen und zu gucken was kommt. Irgendwann wenn du genug Informationen gesammelt hast machst du gewissermaßen eine Karte im Kopf und kannst etwas vielleicht besser zuordnen.

  • Das ist ne gute Idee, das mal zu probieren, darauf bin ich noch nie gekommen, hab mir nur öfters mal Gedanken gemacht wie ich wohl reagiere wenn ich "aus Versehen" irgendwo stehe ohne zu wissen wo. Ich hoffe mal ich breche nicht in Panik aus, aber da kann man sich selbst ja nie wirklich sicher sein.
    Also ich glaube das Experiment gehe ich mal an, aber ohne Handy, damit es wenigsten etwas realistisch ist.

    Top Ausrüstung folgt nur EINEM Kriterium: "reduced to the max"

  • Ich finde die Idee auch geil
    Das Problem hierzulande ist, dass man in windeseile irgendwen findet der einem erklärt wo man ist und dann ist der Zauber des Spiels natürlich vorbei.
    Man könnte sich natürlich mit verbundenen Augen tief in ein Waldgebiet führen lassen. Aber es ist eigentlich immer das selbe. Man findet einen Weg, bleibt auf diesem, muss vielleicht eine Nacht draussen verbringen, kommt in eine Ortschaft und schon ist das Problem gelöst.


    Spaß würde das in einer ganz weitläufigen Wildniss machen.

  • Also hier im Landkreis Nienburg in Niedersachen, war ich schon oft stundenlang unterwegs ohne auch nur einem Menschen zu begegnen. Draußen herum zu laufen, selbst an den Wochenenden, weitab jeder Sehenswürdigkeit, ist scheinbar aus der Mode gekommen. Man kann ja aber auch einfach mal Menschen ignorieren und so tun als seinen sie nicht da.
    Es bleibt die Frage nach der Positionsbestimmung ohne HighTech und deutliche Landmarken.
    Stefan H. hatte das Problem ja in Norwegen.
    Ich kann mir vorstellen, das die Aufgabe jetzt jeden Tag spannender wird, da die Zeit mit Tageslicht schnell weniger wird. Ein Handy hatte ich, wie gesagt, absichtlich nicht mit. Ich wollte gar nicht erst in Versuchung kommen.
    Bestimmt wiederhole ich das, und mache dann mal einen kleinen Bildbericht dazu.

  • Es bleibt die Frage nach der Positionsbestimmung ohne HighTech und deutliche Landmarken.


    Lehne ich mich zuweit aus dem Fenster, wenn ich sage: Ohne zumindest Eines von Beiden ist eine Positionsbestimmung überhaupt nicht möglich!? Entweder hab ich definierte Landmarken, die ich sicher in eine bekannte Karte zu übertragen in der Lage bin oder ich hab die nötige HighTech, die mir diesen Vorgang erspart. Zumindest mit hochempfindlichem Empfänger der letzten Generation, sonst bin ich in engen Tälern und dichten Wäldern trotz Technik unter Umständen in den Allerwertesten gekniffen.


    In echten Notsituationen bleiben da wohl nur die allgemeingültigen Verhaltensweisen wie z.B. Täler und Fließgewässer zu suchen und diesen in Fließrichtung zu folgen, um irgendeine menschliche Ansiedlung zu finden. Aber eine echte Orientierung ist das ja nicht. :confused
    So wie ich das mal gelernt habe, ist eine zuverlässige sichere Standortbestimmung die absolute Voraussetzung für die weitere Orientierung.


    Grüße
    Lederstrumpf

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    Wer immer mit der Herde geht, kann nur den Ärschen folgen!

  • Hallo zusammen,


    ich finde dies eine durchaus interessante aber vor allem schwer zu lösende Fragestellung.


    Mangels Landmarken und Flurnamen (Wege, Straßen, ggfs. Siedlungen) wird
    dieses Unterfangen in der Tat schwierig, meiner Meinung nach aber nicht
    pauschal unmöglich.


    Hier meine Gedanken dazu (theoretischer Natur und bin für Korrekturen und damit verbundene Lernerfolge dankbar):
    Wie manch Vorredner schon festgestellt hat, ist die Standortbestimmung der erste Schritt.
    Dazu würde ich zuerst versuchen, eine "genügend große Stichprobe" im landmarkenarmen Gebiet zu machen.
    Bsp.: 5km streng von Nord nach Süd laufen, dann rechtwinklig nach Osten oder Westen abbiegen und weitere 5km laufen.
    Zählen kann man das bspw. mit dem "Knoten in der Schnur Verfahren" (richtiger Name nicht geläufig).
    Letztlich kommt es aber auf die möglichst gleiche Strecke beider Wegstrecken an. --> Wir erhalten ein gleichschenklig, rechtwinkliges Dreieck, ausgerichtet an den Nord-Süd bzw. Ost-West-Achsen.
    Anmerkung: Je länger die Strecken, umso geringer ist die Fehlerratio durch ungleichmäßige Schritte in schwierigerem Gelände (Sumpf, steile Hügel, ...)


    Mit etwas Glück haben wir innerhalb dieser beiden Teilstrecken:
    - Flüsse oder Straßen gequert
    - Wälder betreten oder Verlassen
    - sind den Flurgrenzen zwischen Wäldern und Feldern gefolgt oder haben diese (optimal rechtwinklig) geschnitten
    - Siedlungen zumindest gesehen


    Mit straffen Schritt und durchschnittlich normalem Geländeschwierigkeitsgrad sollte das in 3h machbar sein.
    Der Gelände- und Landschaftsverlauf sollte möglichst genau notiert werden (merken geht auch).


    Waren wir erfolgreich, haben wir jetzt eine Art "hochskalierte Landmarke".
    - mit Geländewechsel (Wald, Offenflächen,...)
    - Höhendifferenzen (auf bis zu 5km kann man auch noch Höhenunterschiede von weniger als 200m halbwegs verwerten).


    Diesen "Ausschnitt" können wir nun versuchen in der Karte wiederzufinden.
    Gelingt das, sollten wir uns mit einer zu bewältigenden Unschärfe in der Karte wiederfinden können.


    Im ungünstigsten Fall haben wir uns mit dieser Methode erstmal höchstens gute 7km von zu Hause entfernt.
    Macht nochmal ca. 1,5h für den dafür benötigten Rückweg.
    Das heißt, wir haben bisher 3 bzw. höchstens 4,5h (bei maximal falscher Richtung) Zeit zur Standortbestimmung aufgewendet.
    Ja, es geht deutlich schneller - aber nicht unter den hier diskutierten Grundannahmen.
    Bei ca. 15 - 20km Entfernung von zu hause, kommen für den "reinen Rückweg je nach Gelände noch mal 3 bis 6h zusammen.
    Ergo - wir sollten uns vormittags aussetzen lassen.

  • Hi :-)


    Orientierung setzt voraus, dass man seinen Standort kennt bzw. Landmarke(n) klar zuordnen kann. D.h. Standortbestimmung ist immer der obligatorische erster Schritt.


    Besteht diese Voraussetzung nicht, gibts die Möglichkeiten:
    - einem Suchraster zu folgen (wie Rabe das beschrieben hat) - allerdings würde ich mich eher spiralförmig bewegen
    - einem Bach, zum nächsten Fluss, zur nächsten Siedlung zu folgen
    - vielleicht befindest Du Dich ja auch auf einer klaren Standlinie (Fluss o.ä.), dann hast Du zumindest schon mal eine Variable aus dem Spiel und kannst über Seitpeilung auf eine Landmarke arbeiten (i.d.R. ist die Gelände-Karten-Übereinstimmung dann leichter auf der Karte zu finden)


    Wenn man per Suchraster arbeitet (und das nötige Material mit sich führt) kann man die Landmarken (im richtigen Maßstab) auch mit Stift auf einer Folie / Pauschpapier übertragen und diese dann direkt auf die Karte legen. Mit vier bis fünf guten Fixpunkten ergibt sich ein markantes Bild, was sich in der Karte recht sicher finden lässt...


    VG MadFly :)

  • Das ist ein interessanter Ansatz.


    Es geht ja auch nur um den ersten Schritt. Wenn man eine Karte hat, auf der man seinen Standort bestimmt hat, ist der Rest ja ein Kinderspiel. Dann ist ein Kompass ja schon wieder ein "nice to have", es ginge aber ja auch ohne ;)
    In meinem Fall, glaube ich leider, dass ich das in der angegeben Zeit nicht schaffen werde. 10 km schaffe ich nicht in drei Stunden querfeldein, obwohl Höhenunterschiede hier kaum eine Rolle spielen. Im Grundsatz aber, werde ich das mal auf der Karte durchspielen. Man braucht also auf jedenfall noch einen Zettel und einen Stift um sich eine Skizze machen zu können. Dann muss ich mir auch noch ausdenken wie ich die Entfernungen am besten abschätzen kann. Über eine Wiese geht es sich da deutlich schneller als durch eine Tannenschonung.

  • Nicht schätzen - Messen ;)


    Entfernung ermitteln ist in wechselndem Gelände ein echtes Problem. Ich glaub, dass bekommt man nur dadurch raus, dass man verschiedene Gelände wieder und wieder abgeht... Erfahrungsgemäß und im durchschnittlichen Gelände differiert die Doppelschrittzahl auf 100 m um bis zu 10 DS (in extremsten Gelände, z.B. tiefe Kiefernschonung, noch mehr, aber dann ist die Methode nicht mehr wirklich anwendbar). Und da sind die Faktoren wie Erschöpfung, Rucksackgewicht etc. noch nicht mal mit drin.


    Wenn Du mit Folie o.ä. arbeitest wirds noch einfacher, wenn Du zum Eintragen etwas mit Raster (Millimeterpapier) unterlegst. Das ist dann aber nicht mehr ganz Survival Stile :lol


    VG

  • Ich habe noch eine Idee zur Standortbestimmung ohne Landmarken.


    Wie sie tatsächlich funktioniert, weiß ich selber nicht, glaube aber darüber gelesen zu haben.


    Man braucht dazu eine Uhr, das aktuelle Datum, einen Sextant und naja, eine Sternenkarte.


    Der Breitengrad läßt sich ziemlich genau und leicht mittelst des Sextanten ermitteln.
    Das haben seit Jahrhunderten die Seefahrer gemacht.


    Bei der Länge hatten sie aber Probleme. Die konnte man eigentlich nur bestimmen, wenn man wußte wo man losgesegelt ist und die verstrichene Zeit und Geschwindigkeit kannte.


    Mit Hilfe einer Sternenkarte (elektronisch scheidet ja wohl aus, denn dann hätten wir vermutlich auch GPS-Anbindung)
    weiß man, in welcher Himmelsrichtung in bestimmter Stern zu einer bestimmten Zeit steht.
    Daraus sollte sich mit einiger Unschärfe natürlich, die geographische Länge ableiten lassen.


    --> Bei einer vordefinierten Uhrzeit und Kalenderdatum steht ein bestimmter Stern in einem bestimmten Azimut (Horizontalwinkel bzw. Himmelsrichtung).
    Ausgehend von einer Referenzposition bedeutet dies: Steht der Stern nun weiter östlich zur selben Zeit, befindet man sich westlich davon und umgekehrt.


    So oder so ähnlich sollte es funktionieren.


    Einziges Problem: besagte Sternenkarte und es kann nur Nachts gemacht werden.


    Ich bitte um weiterführende und vor allem berichtigende Gedanken.

  • IMHO sind Sternkarten für die Rückwärtsbestimmung einer konkreten Position und Zeit anhand von Sternbildern zu ungenau. Denn üblicherweise werden diese Karten ja nur auf eine bekannte lokale Uhrzeit eingestellt, um eine So-ähnlich-Abbildung des Sternenhimmels als Lesehilfe für die Sternbilder zu erhalten. Gemessen wird da auch vorwärts nichts.


    Ca. vier Zeitminuten entsprechen gerüchteweise etwa einem Bogengrad der Länge. Wie weit es dabei aber von einem Bogengrad zum nächsten ist, variiert schon wieder mit der geografischen Breite der eigenen Position. Einen Meter unterm Nordpol ist der ganze umlaufende "Breitengrad" nur etwa 3,14m lang, derselbe Kreis hat als Äquator dann aber stolze 40.000km Bandlänge, wenn man ihn abklebt.


    Man kann aber wenigstens anhand auf- und untergehender Sternbilder grob die Ost- und West-Richtung erkennen. Und so durch Beobachten der Sternbilder am Himmel über der eigenen Marschrichtung ansatzweise verhindern daß man sinnlos im Kreis läuft.


    Was zum Üben für die Formelsammlung und den Solar-Taschenrechner im Lagerleben:
    Der Nordstern steht ja ziemlich genau über dem geografischen Nordpol und ist so affig weit weg, daß da beim Anpeilen nichts "schielt". Wie kann man, auch anhand persönlich definierter Längen-Einheiten, mit ein paar Stöcken und Formelwerk bestimmen auf welcher geografischen Breite man sich ganz grob befindet?

    Natur er-leben kann man nicht online am Schreibtisch.
    Dazu muß man ganzjährig immer wieder offline vor die Tür...

  • Moin,


    Wird sehr theoretisch... Entfernungen sind am leichtesten und schnellstens mit der Uhr zu messen. Jeder der ein bischen mehr im Gelände unterwegs gewesen ist, kann ungefähr sagen wie schnell man sich z.B. mit schweren Gepäck fortbewegt: z.B. 2-3 km/h im schwierigen Gelände, 4-5 km/h im "leichten" Gelände, 6-7 km/h im Laufschritt, usw.


    Die Geschwindigkeitsangaben sind natürlich 1) Personenbezogen und 2) können auch unter äusseren Umständen stark variieren. Aber bei mir hat sich diese "Formel" im variablen Gelände mit schweren Gepäck weitgehend bewährt (Rucksack, Pulka, Gebirge, Schnee, Sumpf/Moor, Wald, Tundra). Wie sich die Gewichtsunterschiede und Bewegungszielsetzungen auf die Geschwindigkeit auswirken ist eine andere Frage.


    Aber anhand der ermittelten (ungefähren) Geschwindigkeit und Landmarken sowie des Wissens wo Norden ist müsste man in der Lage sein, seinen Standort zu ermitteln.


    Viele Grüße,
    Fjellsurfer

  • Moin zusammen!


    Da wurden ja ein paar nette Aspekte zusammen getragen. Irgendwie wird aber meiner Meinung nach gar nicht auf das Wesentliche eingegangen!


    Die Frage war doch: wie finde ich wieder (direkt!) nach Hause, wenn ich "blind" in einen fremden Wald gefahren werde.


    Ich behaupte mal: gar nicht!!!


    Warum? Dazu müsste man zumindest wissen, in welcher Himmelrichtung die Heimat überhaupt liegt.


    Die bisherigen Antworten passen also eher zu der Frage: Wie finde ich aus einem mir vollkommen unbekannten Terrain heraus? Wie man dann nach Hause kommt, ist dann der zweite Schritt.


    Die Frage der Orientierung bezieht sich also erst mal auf den Weg aus dem unbekannten Gelände zu einer Position, von der eine Standortbestimmung möglich ist.


    Da halte ich es für wenig sinnvoll, Tälern und Bachläufen zu folgen. Die führen zwar irgendwo hin, aber zum Einem haben wir ja keine Ahnung wo hin, die Richtung könnte also falsch sein. Zum Anderem bieten sie ohne geographische Kenntnisse keine Chance zur Standortbestimmung. Dies geht erst, wenn uns das Tal oder der Bachlauf zufällig zu einer bekannten Örtlichkeit geführt hat. Da kann man genau so gut würfeln.


    Ich würde daher lieber versuchen an Geländehöhe zu gewinnen. Von Hügeln und Kuppen aus besteht immerhin die Chance, doch die Umgebung zu erkennen. Zumindest kann man wahrscheinlich erkennen, wie Täler und Bachläufe weiträumig verlaufen und ob sie zu einem größeren Ziel führen. Zumindest kann man von einem Hügel aus besser die Himmelsrichtungen bestimmen (Wind- und Wolkenbewegungen, Sonne, andere Sterne ...)


    Das wäre auch nachts mein erster Schritt. Ortschaften, die tagsüber vielleicht geländebedingt nicht gesehen werden können, sind unter Umständen durch ihre Lichtglocke am Nachthimmel zu sehen. Je intensiver die Lichtglocke, ums so größer die Ortschaft.


    Anders sieht es aus, wenn man zumindest grob weiß, in welcher Gegend man sich aufhält.


    Geographische Grundkenntnisse sollte jeder Bushcrafter ja haben. Also das Wissen, ob z.B. der Rhein im Westen, die Lahn im Süden, der Feldberg im Osten liegt. Dank Google Maps ja kein Problem. Schaut euch eure Gegend doch im Satelitenbild an! Lernt mal, was früher die Schulkinder im Heimatkundeunterricht auswendig lernen mussten. Wie ist die grobe Struktur der Landschaft? Welche Haupttäler gibt es? Welche Nebentäler führen dort hin? Sind es grade Täler oder eng gewundene Täler? Liegen große Ortschaften in den Tälern oder auf den Höhenlagen? In welcher Richtung liegen welche Städte?


    Dann genauer: Welche Bachläufe fließen in welche Richtung? Wie breit sind sie? Gibt es felsige Gegend? Wie sind die Wälder beschaffen? Wo stehen Nadelwälder, Laubwälder oder Mischwälder? Gibt es landwirtschaftliche Schwerpunkte? Wo verlaufen Bundesstraßen, Autobahnen und Bahntrassen?


    Auf diese Art entsteht doch im Kopf relativ schnell eine zumindest grobe Karte der Heimat. Die hat den Vorteil, dass man sie auch nicht liegen lassen kann ...


    Ähnlich ist das mit dem Sternhimmel, nur viel einfacher!


    Hier wurde ja schon auf Sternkarten verwiesen. Die baucht man aber gar nicht dabei zu haben! Seid euch einfach nur mal bewusst, dass es ja bloß 88 Sternbilder gibt! Davon sind von Deutschland aus während einem ganzen Jahr nur etwa 66 Sternbilder sichtbar. In einer Nacht höchstens acht bis 12, die man gut erkennen kann. Die zu wissen, halte ich für eine wichtige Grundkenntnis eines Bushcrafters! Und selbst wenn nur ein einziger, unbekannter Stern am Himmel zu sehen ist, kann man sich daran recht genau orientieren!


    Zum Thema Orientierung am Sternhimmel habe ich übrigens 2011 bereits einiges geschrieben. Schaut es euch mal an:


    Orientierung am Sternhimmel: wo ist Norden?
    Orientierung am Sternhimmel: Orientierung ohne Nordstern



    Die Orientierung an Hand himmelsmechanischer Gesetzmäßigkeiten funktioniert übrigens auch tagsüber: die Sonne ist ein Stern!


    An die Frage des Breitengrades würde ich dagegen gar keinen Gedanken verschwenden: ein Breitengrad mißt rund 111 Km, das bringt für die Orientierung im sagen wir mal 5 Km-Umkreis gar nix!



    Liebe Grüße,


    Westwood

  • Einen nicht ganz unwesentlichen Aspekt zur Orientierung habe ich noch vergessen: Geräusche!


    Grade in naher Umgebung gibt es da Einige, die einem enorm weiter helfen können:


    - der Lärm von einen Fußballspiel --> Ortschaft
    - Autos --> Straßen
    - Wassergeplätscher --> Bachlauf
    - Trecker --> Waldrand, Felder
    - Hundegebell --> Spaziergänger --> Wege zu Ortschaften


    Da gibt es sicher sogar noch einige mehr...



    Lieben Gruß,


    Westwood

  • Zur orientierung, so wie es der thread-starter ausprobiert & geschrieben hat, ist ein anständiges kartenmaterial unumgänglich. Es hat ja keinen wert sich an landmarken orientieren zu wollen wenn diese auf der karte nicht zu finden sind. Ich meine jetzt solche karten die nur eine grüne fläche zeigen & keinen unterschied zw berg, feld, wald & wiese machen.


    Meine bevorzugten karten sind landkreiskarten 1:50 000 vom Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg. Dort ist alles sehr genau eingezeichnet & es ist wirklich ein leichtes sich mit diesen karten, auch in unbekanntem gelände, zu orientieren. Es ist wirklich jedes haus & holzhütte darauf vermerkt. Jeder wald-brunnen, jede quelle. Jede wald- oder feldweg-kurve ist darauf zu finden. Jeder fluß & jeder bach. Jeder berg oder hügel ist an der höhenangabe zu erkennen & die höhenlinien sind im 10m abstand. Jede schutzhütte, jeder wasserturm, jeder aussichtsturm. Wirklich alles ist darauf zu finden. Und mit einem raster von 2 x 2km ist es ein leichtes sich bis auf, was weiß ich, 5m genau zu orientieren. Dabei sind diese karten gar nicht mal teuer.


    Am anfang hat man das gefühl das dieses kartenmaterial einen erschläg wegen den vielen informationen die man da herauslesen kann. Aber wenn man sich mal eingearbeitet hat will man sie nicht mehr missen. Da braucht´s dann auch keinen kompass, GPS od sonnenstand mehr.


    Ich habe auch schon mit ortskarten in einem kleineren maßstab gearbeitet, die weitaus schlechter waren. Im Elsass haben wir sogar mal eine karte verbrannt, weil sie ansonsten zu nix nutze war.


    Schaut doch mal ob euer bundesland auch so ein "Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung" hat & auch solches kartenmaterial zur verfügung stellt.


    Ach so, einen bleistift & etwas papier habe ich auch dabei. Musste ich doch schon 4x die waldwege aus der karte skizzieren, weil sich spaziergänger im heimischen wald verlaufen haben & nicht mehr zum parkplatz fanden.


    Wie ordentlich und exakt kartenmaterial sein kann/muss habe ich auch bei der feuerwehr erfahren. Wir haben noch gelernt anhand 8 ziffern & einem fadenkreuz den einsatzort bis auf 10m genau zu bestimmen und zu finden.