Was ist euer Antrieb?

  • Hallo zusammen!


    Ich möchte gerne von Euch Eure Motivation zu Eurem Hobby Buscraft erfahren. Ich halte das Thema für sehr wichtig, denn ohne Motivation setzt der Mensch ja nicht einmal einen Fuß vor den anderen, und ohne Motivation wird man, im Ernstfall, auch nicht überleben.


    Ich werde oft von Kindern gefragt, warum ich so gerne draußen (vorzugshalber im Wald) bin, und kann das oft gar nicht so einfach sagen. Manchmal stellen sich die simpelsten Fragen der Kids als die schwierigsten heraus. Ich habe ja schon erwähnt, dass ich mir eine Survivalsituation, in die ich geraten könnte, nicht vorstellen kann. Es sei denn, ich begebe mich willentlich in eine solche, und dann bin ich schon wieder am Anfang.


    Ich mache mal den Anfang und versuche meinen Antrieb in Worte zu fassen.
    So bald ich sicher genug auf den Beinen war, hat mich mein Vater immer gerne auf ausgedehnte Spaziergänge, und später auch auf richtige Wanderungen, mitgenommen. Er hat damals schon immer gerne nach dem noch schöneren Wanderstab am Wegrand Ausschau gehalten, und das habe ich einfach übernommen. Das hat sich über all die Jahre bis heute gehalten. Der Hund muss raus, und wenn man schon mal unterwegs ist kann man nebenbei ja auch die Augen aufhalten. Auch die Beobachtung der Tierwelt spielte immer eine wichtige Rolle.


    Sehr viel später dann, kam hinzu, dass ich wissen wollte was bei uns an natürlichen Ressourcen eigentlich vorhanden ist, von denen ich vielleicht nichts weiß. Heute haben Wildkräuter bei uns die Kulturpflanzen im Salat fast völlig verdrängt. Dieses Wissen gewinnt bei uns immer mehr an Bedeutung. Nicht nur vor dem Ernährungsphysiologischem Hintergrund, sondern auch zunehmend aus wirtschaftlichen Gründen. Und wenn die Pläne unserer Regierung, in Puncto Mehrwertsteuer für Lebensmittel umgesetzt werden, dann wird dieser Aspekt sicher noch mehr Raum einnehmen als er es ohnehin schon hat.


    Dann mag ich die Abwesenheit von Zivilisation und Menschen. Dummerweise scheinen sich nur die negativen Eigenschaften von Menschen zu addieren, wenn sie zu mehreren auftreten. Diese Vorliebe, bzw. Abneigung geht soweit, dass ich mich durch die Anwesenheit von anderen Menschen derart gestört fühle, dass ich, zum Leidwesen meiner Frau, lange Umwege in kauf nehme, oder einen geplanten Lagerort zu Gunsten eines anderen wieder verwerfe. Das grenzt schon manchmal an eine Form von Flucht. Zwischen meiner hungrigen Frau und mir ist die Wahl eines geeigneten Rastplatzes deshalb ein Dauerthema mit Streitpotential. :unschuld


    Und nicht zuletzt bin ich daran interessiert, uraltes, verloren geglaubtes Wissen für mich wieder zu entdecken. Und hier kommt das Thema Buscraft nun so richtig zum Tragen, gehörten doch sehr viele Techniken vor ein paar hundert Jahren noch zum täglichen Alltag.


    Also, was treibt Euch in den Busch?


    Grüße
    Cord

  • Bei mir ist es ähnlich - neben einem extrem stressigen Job (unter uns Pastorentöchtern, mit lauter Idioten...) muss ich ab und zu raus um die Ruhe der Natur genießen zu können. Meist entferne ich mich so schnell wie möglich von den Wegen um unseren geliebten Nordic Walkern zu entgehen und tatsächlich etwas Natur zu entdecken. Dabei freue ich mich immer wie ein kleines Kind (genaugenommen bin ich ja Eines ^^ ) wenn ein Rehbock in geringem Abstand an mir vorbei zieht und mich nicht bemerkt, oder ich bei der Brotzeit ein paar Vögel oder Eichhörnchen beobachten kann.


    Diese Liebe zur Natur habe ich von meinem Vater mitbekommen, der "Jäger ohne Jagdschein" war, er hat in einem Revier beinahe alle Arbeiten übernommen, ohne aber je den Finger krumm gemacht zu haben. Als Kind war ich regelmäßig mit im Wald und habe dabei einiges gelernt - und bin auch nie wirklich davon weg gekommen.


    Heute muss ich mir allerdings die Zeit nehmen und mir regelrecht Auszeiten freischaufeln, um mal raus zu kommen - was ich 2014 zu ändern gedenke, mal sehen ob es klappt :squirrel

  • Ich hab keine Ahnung. Vielleicht ist das irgendwas was ich kompensieren muss aus meiner Kindheit oder so, aber es ist halt das was ich am besten kann also mach ichs weiter. Kann man halt mit Worten schwer beschreiben.

  • Mein Outdoorinteresse begann, wie wohl bei den meisten Menschen meines Alters in einer Kindheit ohne Playstaition
    und mit 3 TV-Programmen. Meine Oma lebte auf dem Land - und ebenso war ich auch oft mit meinem Vater sparzieren.
    Etwas älter war ich dann Pfadfinder. :poncho
    Später hatte ich 18 Jahre lang ein Husky, mit dem ich sehr viel unterwegs war. :hund


    Dann habe ich beruflich viel am PC gesessen und mich viel zu wenig bewegt und dementsprechend größer geworden.
    Aus gesundheitlichen Gründen - dachte ich muir dann - da war doch was - Bewegung hieß das und
    so habe ich mit Nordic-Walking angefangen und vor allem mit dem Wandern.
    Das mache ich auch immer noch das gibt eine Grundfitness, die ich auf meinen anderen Touren gutgebrauchen kann.


    Mit dem draussen übernachten und kleinen Trekking Touren interessierten mich mehr und mehr :tarp
    die Bushcraft-Themen. Je mehr ich draußen bin, deto mehr fasziniert mich die Natur.


    Dazu noch ein Gedicht: :squirrel


    Ich bin der Wald.
    Ich bin uralt.


    Ich hege den Hirsch,
    ich hege das Reh -
    ich schütz Euch vor Sturm,
    ich schütz euch vor Schnee.


    Ich wehre den Frost,
    ich wahr die Quelle,
    ich hüte die Scholle -
    ich bin immer zur Stelle.


    Ich bau euch das Haus,
    ich heiz Euch den Herd -
    darum, Ihr Menschen,
    haltet mich wert!


    Inschrift in einem niedersächsischen Forsthaus aus dem 17. Jh.



    Ergänzen möchte ich noch dazu -


    Im Wald kann man lernen langsamer und intensiver zu leben. :bcplove

    „Wir gehen eines Tages kaputt, weil wir zu faul sind, zu Fuß zu gehen.“ Reinhold Messner

  • Das Wort Antrieb (hat was mit Ehrgeiz zu tun) ist für mich wohl nicht das passende, für mich ist das draussen sein eher nur ein Bedürfnis, weil wenn ich zu lange nicht draussen bin, fehlt einfach was.
    Wie kam es dazu?
    Aus heutiger Sicht teilweise aus kindlich (lächerlichen) Gründen aber auch aus Buuoh-AHA-Erlebnissen.


    Als kleines Kind waren wir noch den ganzen Tag draussen mit Baumhaus bauen, darin übernachten, ohne Handyüberwachung der Eltern, ohne Angst entführt zu werden oder die bösen Menschen zu treffen ... ganz normal auf dem Dorf.


    Mit 5 Jahren schenkte mir meine Tante 2 Karl May Bücher (Old Surehand 1+2). Lesen konnte ich grade mal so, aber der "Wilde Westen" faszinierte mich, ja, eben als Kind Reiten, Feuer machen, schiessen, Blutsbrüder, ... :lol


    Etwas älter haben wir dann draussen Feuer machen, Bett machen, ... geübt und fühlten uns als Old Shatterhand ... :lol


    Mit 16 Jahren hatte ich dann die Erlaubnis der Eltern in den Ferien mit einem Freund 2 Wochen im Bayerischen Wald zu wandern. Da keiner irgendeine Ahnung von Ausrüstung hatte und dieser Herbst sehr regenreich und kalt war, gabs dann auch gleich den ersten Dämpfer ... aber wir haben uns "durchgekämpft" ... und in diesem jungen Alter kam das AHA: hm, es ist gar nicht so selbstverständlich, es warm zu haben, nur weil ich an einem Knöpfchen drehe, Wasser zu haben, nur weils aus der Leitung kommt, ...


    Diese Grundhaltung, "wenn ich was haben will, muss ich mich drum kümmern und muss wissen wie ich es anpacke" hat mich dann bis heute nicht mehr mehr los gelassen. Wenn ich zu lange im Job am Computer sitze, von draussen nix mitkriege und am PC ja nix "anfassbares" produziere, dann fehlt etwas, ich fühle mich unwohl. Ja, es klingt pathetisch, aber ich fühle "die Elemente" einfach nicht.


    Deshalb muss ich immer wieder raus, tja, da ich Geld verdienen muss klappt das nicht so oft wie ich gerne möchte, aber ...


    Und, ich muss es ja zugeben, so ein klitzekleiner Old Shatterhand steckt zum Glück immer noch in mir ^^

    Top Ausrüstung folgt nur EINEM Kriterium: "reduced to the max"

  • Für mich persönlich hat das Hobby (welches ich nicht vorrangig unter dem Bushcraftaspekt sehe, sondern vielmehr unter dem Aspekt des friedlichen Draußenseins in der Natur) vor allen Dingen ganz viel mit den Begriffen "Bewegung", "Entspannung", "Lernen" und "Kontemplation" zu tun.


    Im Wald war ich schon seit meiner Kindheit. Mein Vater hat mir die Liebe zur Natur in die Wiege gelegt. Als junger Kerl habe ich anfangs alles in erster Linie unter sportlichen Gesichtspunkten und persönlichen Herausforderungen gesehen. Davon bin ich mittlerweile weit ab.


    Ich liebe es, einfach nur "da draußen" zu sein, bei welcher Tätigkeit (zumeist Wandern) auch immer. Die Natur beobachten, sie zu verstehen, Zusammenhänge zu erkennen und zu lernen wie man in und mit der Natur klar kommt, ist mir das größte Vergnügen.


    Mein Beruf (Polizist) ist häufig von stressigen Momenten und manchmal sehr negativen Erfahrungen geprägt. In der knappen Freizeit möchte ich in erster Linie nichts mit Vollidioten und den typischen urbanen Problemen zu tun haben. Deshalb raus und die Seele baumeln lassen. Ich kann draußen so dermaßen abschalten - meist ist mein Kopf vollkommen leer und wartet nur darauf mit positiven Empfindungen und Wissen gefüllt zu werden.


    So - das dürfte genug Seelenstriptease sein! Hoffentlich liest mein Therapeut nicht mit. ;)


    Gruß Guido

    "Das Leben leicht tragen und tief genießen ist ja doch die Summe aller Weisheit." Wilhelm Humboldt, 1767-1835

    Edited once, last by smeagol ().

  • Bei mir ist das von der Kindheit an. Heute gibt es programe von denen Eltern laernen koennen wie man die Kinder vom Computer und Handy weg und nach Draussen kriegt. Bei uns war das Umgekehrt, die Eltern hatten ihre liebe Muehe uns ins Haus zu kriegen, egal ob es regnete, schneite, kalt oder heiss war, unser "Internet" war draussen in der Natur. Wir hatten immer etwas draussen zu tun, sei das Spielen oder im Wald Holz sammeln fuer den Winter, beim Bauern mit der Ernte und dem Vieh aushelfen. Damals war es fuer uns eine Strafe wenn wir im Haus bleiben mussten -"wenn du dich nicht gleich benimmst darfst du nicht raus zum Spielen"- heute scheint es genau umgekehrt.


    In anderen Worten gesagt, meine Generation ist draussen aufgewachsen. Das steckt uns halt heute noch im Blut und dafuer bin ich auch dankbar. Werde oft betruebt wenn ich mir die heutige Jugend so ansehe und wie die ausser tasten am Computer oder Handy druecken von nichts eine Ahnung haben, ja nicht einmal wo die Lebensmittel herkommen.

    Wenn Du nicht für Deine Freiheit kämpfen willst, hast Du auch keine verdient.
    Folge nicht den Spuren Anderer, gehe Deinen eigenen Weg und hinterlasse Deine Spuren.

  • Hallo,


    ja wie kam das bei mir? Schon von klein auf war ich immer und bei jedem Wetter draussen. Da wandern schon damals eines der günstigsten Hobbies war hiess es natürlich immer am Wochenende: Wandern! Meine Eltern haben mich auf alle möglichen Berge gebracht, mir zig Ruinen gezeigt. Und natürlich hat mir mein alter Herr schnitzen und feuermachen gezeigt.


    Vom Kindergarten bin ich sehr oft durchs Bachbett und den Wald heimgegangen, anstatt den Bus zu nehmen (Im Bus findet man nämlich keine toten Katzen und Knochen und Federn ;) ).Unvergessen bleibt mein letzter Sommer in Freiheit...mit 6 hab ich mir zum ersten mal die Zugspitze erwandert. (Durchs Höllental, übers Kreutzeck, runter zur Bockhütte dann das Rheintal hoch über Rheintalangerhütte und Knorrhütte übers Zugspitzplatt...).


    Dann mit Zehn bekam ich meinen ersten eigenen Hund (davor musste ich mir immer den meiner Tante "leihen"), von da ab war ich jeden Morgen eine Stunde Gassi.....nach der Schule nochmal zwei oder drei. Mindestens. Ich glaub ich war auch eines der wenigen Kindern die zum Geburtstag Wanderstiefel wollten. In den Sommerferien hab ich an der Grillstelle gewohnt....ab und an Heim, Essen und Trinken holen. Irgendwann begann ich dann mit Trekking weil mir Eintagestouren zu kurz waren. Das war zwar schön...aber auch schön anstrengend...elendes Geschleppe! :haue Da bin ich dann zur Überzeugung gekommen: es muss auch mit weniger gehen, von da an wurde die Ausrüstung reduziert und improvisiert (vor 25 Jahren hiessen Tarps hier noch : Blaschdigbloane). Das war also der Einstieg...ich denk anderen ging es ähnlich.


    Dass ich nicht für ein Leben in geschlossenen Räumen taug, fiel mir wärend der Ausbildung zum Feinmechaniker auf. Den ganzen Tag in der Werkstatt, das ging gar nicht, also musste ein Alternativplan her.....


    Was aber fasziniert mich so da draussen? Ich denke es ist die Ruhe. Der Wind, das Plätschern von Wasser...die Geräusche, die Gerüche, die Jahreszeiten. Und dass man sich nur um elementare Bedürfnisse kümmert, und so den Kopf frei kriegt. So kann ich meinen Alltag hinter mir lassen und Kraft schöpfen. Abstand zum Job bekommen ist mir wirkich wichtig, z.B., und da tut es gut wenn einen mal niemand zutextet.


    Hm, irgendwie wars immer so.


    Ich weiss eh nicht ob das Leben in der sogenannten Zivilisation artgerecht ist.


    Ob das was ich mach nun Bushcraft ist oder nicht stört mich nicht. Ganz so dogmatisch sehe ich das nämlich nicht.


    Gruss von der Alb

  • Hallöchen,


    ich bin quasie im Wald aufgewachsen,
    unser Häuschen stand nur 40 Meter vom Wald entfernt,
    ergo ging man dort spielen, PC etc. gabs ja nicht,
    Wetter war egal, Mutti konnte ja waschen, wenn die Hose mal von alleine Stand, weil sie vor Dreck nur so strotzte.


    Dann gings in den Beruf und die Zeit draussen wurde knapp, aber befreit vom Wald hab ich mich nie gsnz.


    Ich war von Klein an quasie mehr oder weniger immer in der Natur und bin es jetzt nach Feierabend immer noch.


    Heutzutage: 2 Hunde und 5 Pferde zwingen einen bei jedem Wetter raus, und es macht mir Spass, dort vergesse ich schnell den Stress der Arbeit und geniesse die Ruhe.
    Sowohl zu Fuss als auch zu Pferd ist es einfach toll in der Natur, Pferd hat nur den Vorteil man schleppt nicht selber :lachtot


    Ich möchte dann auch demnächst im Friedwald mein Ende finden, was anderes kommt mir nicht in die Urne :lol

    Alles was ich schreibe ist meine persönliche Meinung und/oder Erfahrung.
    Rechtschreibfehler dürft ihr gern auflisten und dann in euren Papierkorb werfen.


    Gruß
    Glen

  • Hallo zusammen!


    Ich habe die bisherigen Beiträge aufmerksam gelesen. Vielen Dank! Bisher war "Bushcraft" noch nicht wirklich vertreten. Es scheint vielmehr ein "Nebeneffekt" zu sein...wie bei mir selbst.


    Einige Sätze haben mir, aus unterschiedlichen Gründen, besonders gefallen!


    Quote

    outdoorfriend
    Im Wald kann man lernen langsamer und intensiver zu leben. :bcplove


    smeagol
    Für mich persönlich hat das Hobby (welches ich nicht vorrangig unter dem Bushcraftaspekt sehe, sondern vielmehr unter dem Aspekt des friedlichen Draußenseins in der Natur) vor allen Dingen ganz viel mit den Begriffen "Bewegung", "Entspannung", "Lernen" und "Kontemplation" zu tun.


    Albär
    (Im Bus findet man nämlich keine toten Katzen und Knochen und Federn ;) )

  • Ich möchte gerne von Euch Eure Motivation zu Eurem Hobby Buscraft erfahren


    Wir leben in einer Zeit, in der wir uns durch unsere modernen Errungenschaften der Zivilisation bereits extrem weit weg vom ursprünglichen erdverbundenen Leben entfernt haben.
    Bei allen Vor-und Nachteilen unseres heutigen modernen Lebens bleibt in mir immer eine gewisse Sehnsucht nach diesen ursprünglichen Wurzeln vorhanden, auch wenn sie nie klar zu definieren ist und meist nur unterschwellig mitschwingt.
    Die Beschäftigung mit den Themen, die wir im Begriff "Bushcraft" zusammenfassen, besonders die Touren in die Wälder, bringen mich wenigstens ansatzweise wieder in Kontakt mit Aspekten des (Über-)lebens, was über Jahrtausende die Menschheit ausgemacht und geprägt hat.
    Ich fühle mich dabei irgendwie "verbunden" und ich habe große Freude dabei!


    LG Parzival :bcplove

  • Nabend Leute!


    Bei mir ist es Folgendes:
    Ich interessiere mich einfach nicht so sehr für die "normalen" Hobbys von Jugendlichen, wie z.B. Fußballspielen oder den ganzen Tag am Pc zu hängen.
    Ich finde es viel schöner im Wald zu sein und dort die Natur zu genießen oder irgendwelche Dinge aus natürlichen Materialien zu basteln. :zunte :schnitz :feuerbohr
    Im Wald zu übernachten ist eine noch viel schönere Erfahrung, da man die Stille im Wald gut geniessen kann und morgens von Vögeln und Sonnenstrahlen (oder dem wütenden Forstarbeiter oder Jäger :lol;) ) geweckt wird :schlaf :tarp
    Da bei uns der einzige grössere Wald in der Umgebung ist, bin ich schon als kleines Kind mit meinen Freunden dorthin gegangen und wir haben dort Hütten gebaut und uns mit Tannenzapfen abgeworfen etc.
    Der Wald bietet mir die Möglichkeit, ich selbst zu sein, da ich dort nicht zwangsläufig dem Bild des "modernen Menschen" entsprechen muss, was ja leider z.B. in der Schule(schei :zensiert G8) der Fall ist.
    Seit ich dieses tolle Hobby für mich entdeckt habe, bin ich ein viel ausgeglichenerer Mensch geworden und habe gelernt, die einfachen Dinge des Lebens zu schätzen. Diese Dinge sind oftmals sogar die schönsten!


    LG. Jakob

  • Ich hab' als IT-Freelancer das Platzen der Dot-Com-Blase anno 2001-2003 quasi aus der ersten Reihe erlebt.


    Bis Februar 2004 hatte ich mich noch aus den Reserven meiner Projekte rund ums Millenium-Problem über Wasser halten können. Dann hat mich ein "befreundeter" Deutscher mit kurdischem Migrationshintergrund durch "Helfen" vollends ausgeplündert.


    Das Ende vom Lied: Ich mußte mich irgendwann ganz schnell innerhalb weniger Tage und Nächte zwischen meiner Gesundheit und meiner Habe entscheiden. Ich hab' mich dann für meine Gesundheit entschieden. Denn "ja eigentlich im Recht" zu sein bringt herzlich wenig, wenn man dabei matschig in der Ecke liegt.


    Unser sozialer demokratischer Bundesstaat mit seinem Gewalt-Monopol hat sich's dabei übrigens ausdrücklich verbeten, mit dem Schutz meiner Grundrechte als Monopol-Gewalt behelligt zu werden. Für das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit hätte ich meiner Strafanzeige wegen Bedrohung von Leib und Leben schon mal vorab nachweislich vom Beschuldigten ausgebrochene Knochen und Zähne meiner selbst beilegen müssen. Oder wenigstens die Kugel, die ich nicht wert sei. Und in Sachen Grundrecht auf Eigentum hat das für mich zuständige Sozialamt meinen dringenden Hilferuf kurzerhand mit Verwaltungsterror pariert. Wohl wissend, daß sich "die Akte" damit eher früher als später ohne weiteren Arbeitsaufwand ganz von selbst erledigt.


    Notverkauf und Verpfändung meiner letzten privaten Habseligkeiten brachten immerhin knapp vierhundert Euro ein. Falls jemand Fragen stellte, war's für die nächste Wuchermiete gedacht. Nachts wurde heimlich der Seesack befüllt, mit allem was mir als City-Slicker für's Überleben im Freien irgendwie unterkam und nützlich erschien. Der Seesack wurde dann am frühen Morgen des Fluchttags vorab in einem Schließfach am Bahnhof deponiert.


    Denn vormittags hatte ich noch ein Bewerbungsgespräch bei einem Leacher. Letzter Strohhalm vor der Flucht. Das Gespräch wurde telefonisch abgesagt, als ich schon mit dem Scooter auf dem Weg dorthin war. Das war's.


    Ich hab' meinen Seesack vom Bahnhof abgeholt und auf dem Scooter verschnürt. Danach ging's in ein Sportgeschäft, um dort vom Fluchtgeld ein Tarp, einen Schlafsack, eine Isomatte und etwas Kochgeschirr zu kaufen. Nichts für die Ewigkeit, weil's ja eh nur für die Fahrt ans Mittelmeer durchhalten mußte. Ich hatte das ganze Frühjahr gefroren. Deshalb wollte ich's jetzt wenigstens warm haben, wenn ich am Ziel den Löffel abgeben würde.


    An die Fahrt zur Grenze kann ich mich nicht erinnern. Man nimmt die Umgebung nicht mehr wirklich wahr wenn man weiß, daß da nichts mehr ist, wohin man später wieder zurück nach Hause kommen will. Denn nur dort würde man sich später auch daran erinnern wollen.


    Erst als ich mich in der Abenddämmerung schon im sicheren Frankreich zum ersten Mal in meinen neuen Schlafsack rollte, traf's mich wie ein Hammerschlag. Von den Deutschen aus meinem eigenen Land gejagt und in die Obdachlosigkeit verbannt, hatte ich noch immer für's Gespräch meine guten Bewerbungsklamotten samt Krawatte an.


    Man braucht etwa zwei Wochen, um vom naßkalten Straßburg aus in die wärmeren Mittelmeer-Regionen Frankreichs zu kommen. Auch und gerade mit einem völlig überladenen Scooter. Zwei Wochen, die mit jedem Tag mehr und mehr zum ersten Urlaub seit einem Jahrzehnt als Freelancer gerieten. Als mir zuerst das Geld und bald danach auch das Benzin ausging, wurde die Ladung auf den Rücken umgepackt, der Scooter für den Finder mit allen Schlüsseln und Helm am Wegrand sicher abgestellt und nun eben zu Fuß weitergezogen. Das mit dem Löffelabgeben hatte sich mittlerweile erledigt. Warum den Franzosen ihr schönes Land schmutzig machen? Die hatten mir ja nichts getan! Nur wie's jetzt weitergehen sollte, wußte ich eben noch nicht.


    So habe ich auf die harte Tour gelernt was es bedeutet im Freien zu leben. Meine als City-Slicker gepackte Ausrüstung war größtenteils völlig nutzloser Ballast. Umgekehrt hatte ich aber auch vieles Nützliche zurückgelassen, weil ich beim Packen einfach nicht daran gedacht hatte oder nie darüber gestolpert war. Das Vergessene und Verlorene schmerzte jetzt am meisten.


    Als mir irgendwann auch der Proviant ausging, verlegte ich mich auf's Betteln um Nahrungsmittel bei der Landbevölkerung. Und lernte so die Franzosen und ihr Frankreich aus der Perspektive eines "clochard de luxe" kennen. Auch das französische soziale Netz, das in Frankreich tatsächlich eins ist! Nicht nur mein seit Jahrzehnten verschüttetes Schulfranzösisch kam wie von alleine wieder, ich dachte und träumte auch irgendwann auf Französisch. Zum ersten Mal!


    Als mir schrittweise dämmerte, daß mir die Deutschen auch hier in Frankreich jeden Neuanfang zunichte machen würden, solange auch nur ein einziger deutscher Amtsschimmel aus wie auch immer berechtigten Gründen nach mir zu pfeifen beliebte, ging's auf Generalrichtung Nordost, um möglichst noch vor dem Herbstanfang wieder in Deutschland zu sein. Nur um dort ein für allemal meine Angelegenheiten zu regeln und danach diesem Ssch...önen Land für immer den Rücken zu kehren. Und dabei ist es bis heute geblieben. Wenn nichts dazwischenkommt, kann mich ab April 2014 endlich keiner mehr einfach so per Verwaltungsakt nach Deutschland zurückpfeifen.


    Der deutsche "clochard de luxe" hat nach einer herbstlichen Oddyssee kreuz und quer durch Süddeutschland den Winter 2004/2005 unter seinem Tarp in einem kleinen Wäldchen verbracht. Als Lehrling der örtlichen Berber im Winterlager. Darf sich deshalb unter Berbern seitdem auch selbst als Berber bezeichnen.


    Nach dem Frühlingswinter 2005 ging's nach Hamburg. Um dort alles für einen Neuanfang in Frankreich Hinderliche anzugehen. Knapp ein Jahr später, Hochwinter 2006, endlich wieder ein Obdach. Monate später schon der erste solide bezahlte Leacher-Einsatz als Rollout-Helfer.


    Auf dieser Klettertour aus dem Aschenkasten unserer Gesellschaft zurück in eine bürgerliche Existenz wurde ich durch unser "soziales Netz" nicht etwa unterstützend begleitet, sondern mit jedem auf eigene Faust erzielten Teilerfolg noch erbitterter bekämpft. Denn wer sich von so weit unten noch immer nach oben bewegt, rührt die gemächliche Verwaltung des Elends auf und stiftet am Ende noch andere zur Nachahmung an.


    Und das kostet mehr Geld!


    Zum Jahresende 2006 dann sogar ein neuer Gewerbeschein für einen ersten Einsatz in Schicht-Disziplin als IT-Freelancer! Den die ARGE Hamburg dann auch postwendend durch klassische Verwaltungssabotage gewaltsam beendete, aber das ist nochmal eine andere viel zu lange Geschichte.


    Sobald meine 2007 von Finanzamt und ARGE Hamburg gemeinschaftlich vom Zaun gebrochene Regelinsolvenz in ihre Restschuldbefreiung mündet, bin ich endlich wieder ein rundum freier Mensch. Und kann dann auch zurück nach Frankreich. Sofern der ARGE Hamburg nicht doch noch im letzten Moment eine Zerschlagung dieser Restschuldbefreiung gelingt. Daß sie zwischendurch mehrfach versucht hat mich aktiv und rechtswidrig zurück in die Obdachlosigkeit zu stoßen um dieses Ziel zu erreichen, ist mittlerweile aktenkundig.


    Für mich ist Bushcraft also mitnichten ein Hobby, sondern die proaktive Vorsorge für meinen ganz konkreten Katastrophenfall einer erneut restlosen Vernichtung durch "die Deutschen". Mein erstes "Bugout" in Schlips und Kragen ist mir auch nach einem knappen Jahrzehnt noch lebhaft in Erinnerung. Und wenn's tatsächlich wieder passiert, bin ich als Berber mit nun einschlägigen Bushcraft-Skills wenigstens optimal darauf vorbereitet. Auch ganz ohne fancy gear.


    Denn meine Skills sind das Einzige, was mir selbst "die Deutschen" nie wegnehmen können!

    Natur er-leben kann man nicht online am Schreibtisch.
    Dazu muß man ganzjährig immer wieder offline vor die Tür...

  • @ tarper


    Bei allem Verständnis für dein Einzelschicksal, finde ich Aussagen wie " Deutscher mit kurdischem Migrationshintergrund "
    oder auch "die Deutschen" nicht nur völlig Substanzlos und uninteressant sondern schlicht dumm.


    Das Leben ist nicht immer einfach und vermutlich gibt es einige Leute hier die ähnliche Geschichten Erzählen könnten wie du,
    auch ist grundsätzlich nichts gegen Gesellschaftskritik bzw kritischem Umgang mit der allgemeinen Lebenssituation einzuwenden,
    wo mir aber schlecht wird sind solche Verallgemeinerungen.


    ---
    :winken

  • tarper: Danke für die offene Darlegung deines persönlichen Antriebes. Auch wenn ich ein gänzlich anderes Lebenskonzept und eine andere Einstellung zu der hiesigen gesellschaftlichen Situation habe, finde ich deine offenen Worte sehr interessant. Bemerkungen spare ich mir, weil sonst die schon abzusehende Tendenz ins offtopic zu rutschen noch weiter verstärkt wird.

    "Das Leben leicht tragen und tief genießen ist ja doch die Summe aller Weisheit." Wilhelm Humboldt, 1767-1835

  • Hallo zusammen,


    ich finde die Schilderung von Tarper sehr interessant und wüsste gerne mehr darüber.
    Die einzige "Notfallsituation/Survivalsituation", die ich mir vorstellen kann ist nämlich die seine. Entweder ähnlich wie in seinem Fall, oder aber verursacht durch den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung. (Und den halte ich persönlich nur noch für eine Frage der Zeit)
    Es gibt nämlich Situationen, in den will dir keiner helfen. Und das ist die wirkliche Notfallsituation. Ein Ende ist quasi nicht abzusehen, es sei denn durch eigenes Tun. Eine "Persona non grata" zu werden geht manchmal sehr schnell, und immer finden sich viele, die mit Freuden daran mitwirken damit es noch schneller geht.


    Dazu würde ich Tarper gerne bitten seine Erfahrungen, in Puncto Buscraft/Survival, in einem gesonderten Thread zu schildern. Es gibt wohl wenige unter uns, die jemals in einer wirklichen Notfallsituation waren und darüber berichten können. Ich meine damit nicht sich irgendwo im Wald zu verlaufen, sondern wirklich keine Alternative mehr zu haben.


    Grüße
    Cord

  • tarper: Schlimme Sachen sind dir da wiederfahren.. ganz Schlimm.. kann verstehen, daß du den Staat mit seinen tw. unsozialen Regeln und den "Amtsschimmel" verurteilst.. Du hast aber scheinbar einen Weg gefunden, dem ganzen aus dem Weg zu gehen..interessant würde ich auch detaillierte Schilderungen deines "Alltages" in der Natur finden..wäre nett wenn du diese, aus der Foren-Sicht positiven Eindrücke näher schildern könntest...

    Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand.

  • Ich hab' vollstes Verständnis dafür, daß es manche bis ins Mark verstört, wenn sich das bisher prickelnd rein hypothetische Gedankenspiel einer globalen Apokalypse ungewollt um einem Einblick in die reale Gefahr einer ganz individuellen Apokalypse ergänzt. Deshalb hab' ich's auch nicht krumm genommen, daß man sich reflexartig nur an zwei einzelnen Ironien gerieben hat, die im Kontext weder nationalistisch noch entwürdigend gemeint waren. Das ist die Standardreaktion von jedem, der zu nah am Brunnenrand steht.


    Und ich hab's in der Vergangenheitsform geschrieben! Folglich kommt man da auch wieder 'raus! Allerdings nicht mehr als dieselbe Glücksmarie, die vorher in den Brunnen fiel.


    Ich mach' dafür wie eingeladen einen eigenen Thread auf. Kann aber einen Moment dauern. :dance

    Natur er-leben kann man nicht online am Schreibtisch.
    Dazu muß man ganzjährig immer wieder offline vor die Tür...


  • Es geht auch ganz einfach ohne Worst Case. Es gibt ne Menge Leute die reisen beruflich oder privat in die entlegensten und gefährlichsten Winkel der Erde. Für all diese Menschen sind Survivalkentnisse, wie für jeden Autofahrer der erste Hilfe Kurs, essentiell. Es ist gar nicht so schwer sich so etwas vorzustellen. Es muss keine Ultraextremtour sein. Es reicht doch schon dass man Forscher im Regenwald ist und aus irgendeinem Grund von seinem Lager abgeschnitten wird und sich verirrt.


    Ich hatte auch Situationen wo ich ohne das nötige Wissen, wahrscheinlich nicht überlebt hätte.