Feuerstahl und richtiger Zunder

  • Ist das der Magnesium Feuerstahl, wo man das Magnesium erst abkratzt und dann mit Funken entzündet?
    Weil, falls nicht, möchte ich bitte wissen, wie du es schaffst, alleine durch Funken deine Holzflocken dort zu entzünden..
    Ich habe einen Zündstahl von Light my Fire wo halt nur an die 3000° heiße Funken abfiegen und damit entzündet sich nicht mal ein dichtes Büschel trockenstes Gras...

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  • Dann machst was Falsch! Wenn du feines trockenes Material hast ist das relativ einfach!

    "Glaube mir, denn ich habe es erfahren, du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern!
    Bäume und Steine werden dich lehren, was du von keinem Lehrmeister hörst."


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  • Was zum Teufel mache ich falsch.. :( ?
    Ich hatte da ehrlich nur dieses relativ hoch wachsende goldgelbe "Stroh" oder halt Gras, zusammen gepflückt und in die vorbereitete Kuhle gelegt.. Dann hockte ich eine geschlagene Stunde vor diesem verdammten Feuer, bzw. dem Zunder und habe Funken hinein geschlagen.. Nichts ! Rein garnichts.. Dann hatte ich keine Lust mehr...

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  • Da sage ich nur Kienspan. Gekauft im nächsten Outdoorladen oder selber hergestellt aus unseren Wäldern. Mit dem Messer einwenig abschaben und danach oben wie im Video von Parzival - eine realtiv einfache Art um ein Feuer zu machen. Mit dem Feuerstahl musst du relativ nah ran und kräftig Funken schlagen.


    Nat

  • Wenn du was Zuhause vorbereiten willst als Notzunder wenn mal alles nass ist -- Watte und Vaseline vermischen ! Habe davon ich fast immer ein wenig am Mann!

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    Edited once, last by kelte1964 ().

  • Feuer machen ist auch mit Feuerzeug nicht immer einfach. Ein gutes Feuer zu machen und zu erhalten ist eine komplexe Sache.
    Es gilt, sich ein wenig Grundwissen an zu eignen. Hier ein Video Von Joe in dem, dass meiner Meinung nach sehr gut erklärt wird.


    Trockenes Gras hat eine Harte Oberfläche, reibe zwei Grasbüschel aneinander damit die Oberfläche des Grases aufgeraut wird. Dabei fallen auch feine "Späne" ab, die solltest du auffangen die brennen sehr schnell.


    Gerade in dieser Jahreszeit wo es häufig Tagelang Nass ist kann einem das Feuer machen erhebliche Probleme bereiten. Versuche es erstmals mit einem Zuhause hergestellten Zunder. Wattepads in flüssiges Wachs tauchen ist eine Methode die sehr gut geht. Zum Feuer machen nimmst du dann ein Wattepad mit Wachs und ein Wattepad ohne Wachs . Mit dem Stahl entfachst du zuerst das Wattepad ohne Wachs und legst dann Das Wattepad mit Wachs darauf. Sehr wichtig ist, dass der Boden "trocken" ist. Lege ein ein paar armdicke Äste auf den Boden und darauf ein paar dünnere. Damit ein gutes Podest entsteht und die Boden feuchte nicht an dein Zunder kommt.


    Ich wünsche dir viel Glück und Geduld
    draussen


    PS All die die sagen es ist einfach, du musst nur .... waren auch mal an der Stelle wo es ein fast unlösbares Problem war. :)

  • draussen - du hast natürlich recht, einfach ist immer relativ, aber im Vergleich zu Feuerbohren schaue ich den Feuerstahl - mit dem richtigen Zunder - schon als eine einfache Methode an um ein Feuer zu starten :) ...

  • waldläufer
    Ich hatte nicht die Absicht deine Darstellung, oder die von jemandem anderen, zu kritisieren oder als unrichtig hin zu stellen.
    Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass die Mühe und manchmal schiere Verzweiflung in den Hintergrund tritt wenn man dann immer öfters Erfolg hat. Mit der Zeit wird es selbstverständlich, das es klappt. Steht man jedoch am Anfang scheinen die Berge unüberwindbar und man hat das Gefühl man sei der einzige der nicht raufkommt. Weil man immer hoch schaut und nur die paar sieht die oben sind und nicht die vielen die noch unter einem sind. :)


    Liebe Grüsse und schöne Festtage
    draussen

  • Sauerei!


    Das mit der aufgeschabten Birkenrinde habe ich auch versucht....
    Ich hätte wohl an der Methode dran bleiben sollen, statt mir lieber den Arsch abzufrieren.


    Danke Parzival!! Jetzt weiß ich, was ich bald mal wieder ausprobieren kann.

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  • Ich hab mir diesen Sommer bei einem Spaziergang von einer geschlagenen, mittlerweile morschen Birke einiges an Rinde abgesammelt. Aufbewahrt habe ich die Rinde sogar offen in meinem Brennholzlager. Dort war sie Luftfeuchtigkeit ausgesetzt.


    Grad eben hab ich es getestet: obwohl die Rinde alles andere als frisch war, hat sie gleich beim ersten Versuch mit einem Feuerstahl von Light-my-Fire gezündet.


    Es gibt also noch nicht mal einen Grund, Birkenrinde vom lebenden Baum zu sammeln!



    Lieben Gruß, :drill


    Westwood

  • Was zum Teufel mache ich falsch.. :( ?
    Ich hatte da ehrlich nur dieses relativ hoch wachsende goldgelbe "Stroh" oder halt Gras, zusammen gepflückt und in die vorbereitete Kuhle gelegt.. Dann hockte ich eine geschlagene Stunde vor diesem verdammten Feuer, bzw. dem Zunder und habe Funken hinein geschlagen.. Nichts ! Rein garnichts.. Dann hatte ich keine Lust mehr...

    Hi SlaX,


    wenn du wahrhaftig nur ein Bündel trockenes Gras genommen hast kann ich dir sagen was da falsch gelaufen ist: du hast anscheinend das Material nicht aufgefasert sondern das Gras einfach nur -gebündelt- an die Stelle gelegt an welcher anschließend ein Feuerchen brennen sollte – richtig? Wenn dem so war ist es in der Tat unendlich schwierig, so ein Feuer hinzubekommen.
    Wenn du trockenes Gras als Zunder nehmen willst, mußt du es zerreiben, zerstoßen oder / und mit einem Messer so bearbeiten, daß die Halme zerfasern. Also richtig „kaputt machen“ bis du ganz kleines, bröseliges Material erhälst. Darauf dürften sich dann auch die Funken halten.


    Hoffe, du kannst mit der Beschreibung etwas anfangen.
    Lieben Gruß,
    Ilves

  • Richtig :schäm


    Na gut, dank dir Ilves :D Dann kenne ich meinen Fehler ja nun... Bin ja die Tage oder nächste Woche wieder unterwegs :)
    Wird gleich getestet.

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  • Ich war heute noch kurz im Wald und habe dieses Demonstrationsvideo gemacht. Eine Flamme auf diese Art mit Kienspan zu erzeugen ist keine grosse Kunst - daraus dann ein Feuer mit feuchtem Holz zu entfachen ist ein ganz anderes Thema. Dies musste ich heute wiedermal feststellen, es ging, brauchte aber mehr als einen Anlauf.



    Nat

  • Na gut :P Weiß ich, was ich bald mal testen kann... Aber erstmal muss die Birkenrinde her halten... :P

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  • Hier mal ein paar Dinge mit denen ich schon erfolg hatte. Ich Liste die Dinge nur auf und erkläre nicht jedes mal die genaue Vorbereitung. Sollte etwas nicht auf Anhieb funktionieren, dann achtet darauf, dass das Material sehr trocken ist und ggf. die Oberfläche z.B. durch aufrauen, zerreiben oder in Späne schneiden vergrößert wird - das wurde ja hier schon zu genüge erklärt. Manche Dinge auf der Liste verbrennen auch so schnell (v.a. die Pflanzensamen), dass man sie mit anderen Materialien mischen muss um effektiv ein Feuer damit anzumachen.


    klassische Outdoor-Brennstoffe und kommerzielle Zunder:
    Gas
    Benzin
    Spiritus
    Esbit
    Gelfuel/Brennpaste
    Magnesiumspäne
    Ultimate Survival - Wetfire Tinder
    Light my fire - Mayasticks & Mayadust
    Adventure Medical - Tinderquick


    modifiziertes Material (von Zuhause):
    Charred Cloth
    nitritisierter oder verkohlter Zunderschwamm (Fomes fomentarius)
    Baumwollwatte (Vaseline erhöht Brenndauer)
    Trocknerflusen
    Wachspapier (z.B. Hammarö)
    Klo- & Küchenpapier
    Jute-, Flachs- & Sisalschnur (Wachs erhöht Brenndauer)
    Alkoholtücher
    feine Stahlwolle (000 oder 00)
    Treibladung von Flintenpatronen (von Büchsenpatronen hingegen nicht!!!)


    Naturmateriallien:
    Samenstände von diversen Pflanzen - Rohrkolben (Typha spec.), Reet & Schlif, Pappel (Populus spec.), Weide (Salix spec.), Gemeine Waldrebe (Clematis vitalba), Kletten (Arctium spec.), Wollgras (Eriophorum spec.), Löwenzahn (Taraxacum spec.), Baumwolle (Gossypium spec.)
    Pflanzenrinden - Birke (Betula spec.), Riesenlebensbaum (Thuja plicata), Gemeine Waldrebe (Clematis vitalba)
    Pilze - Zunderschwamm (Fomes fomentarius, modifiziert oder natur)
    trockenes Holz - verrottetes Holz (Punkwood), feine Holzspäne, Kienholz (harzgetränktes Kiefernsholz, z.B. an Pinus sylvestris, Pinus nigra, Pinus strobus)
    trockenes sonstiges Pflanzenmaterial - Gras/Heu/Stroh, Kiefernnadeln (Pinus spec.), Buchenblätter (Fagus sylvatica), Ahornblätter (Acer spec.), Hainbuchenblätter (Carpinus betulus), Bartflechten (Usnea spec.)
    Tier- und Pflanzenöle/-fette (nur mit Docht!!!)
    Vogelnester (Achtung Parasiten!!!)



    Ein kleiner Nachtrag zur Baum-Freundlichkeit beim Sammeln von Birkenrinde:
    Das sinnvollste ist es das Zeug von toten Bäumen zu verwenden, dann braucht man sich darum keinen Kopf machen - die Qualität der Rinde lässt über einen sehr langen Zeitraum nach dem Absterben nur marginal ab. Falls nur lebende Bäume da sind reicht es meist einfach nur abstehende Teile der Rinde abzuzupfen, dass schadet dem Baum praktisch garnicht. Erst wenn man die tieferen Teile anritzt bzw. freilegt kommt es zu größeren Schäden durch Schädlingsbefall und/oder Austrocknung, da man den Baum seiner primären Schutzschicht beraubt und die Bereiche freilegt, die zum Assimilattransport notwendig sind. Wenn es wirklich nicht anders geht sollte man kleinere längliche Teile vertikal ausschneiden, das verursacht den geringsten Schaden - das war bei mir bisher nie nötig, da immer genug andere Quellen da waren.


    Das Lernen einzelner, isolierter Bushcraftskills ist ähnlich wie das Anhäufen von unbenutzter Ausrüstung:
    ein recht kümmerlicher Ersatz für große Abenteuer...

  • Sehr gute Liste Ravenheart – vielen Dank!


    Ich möchte sie um einen absolut genialen Zunder ergänzen den ich im Blog schon einmal vorstellte: Neuer Zunderpilz
    Der Lars meinte, es könnte ein Kiefern-Braunporling sein.
    Das Zeug ist jedenfalls unglaublich und wesentlich besser als der bekannte Zunderpilz!
    Haltet einfach mal die Augen nach ihm auf.


    Ilves

  • So, heute morgen habe ich auch mal versucht, unter optimalen Bedingungen (bei mir im Garten) mit dem Feuerstahl ein kleines Feuer zu entzünden. Ich habe das bislang noch nie gemacht, war aber zuversichtlich, da es auf den ganzen Videos immer so einfach aussieht. Zur Verfügung hatte ich den LightMyFire Firesteel Army 2.0, ein Wattepad, Birkenrinde, eine Hand voll Heu von den Kaninchen.


    Zunächst habe ich den Wattepad auf die Birkenrinde gelegt und mit dem Feuerstahl Funken geschlagen. Die Watte wurde auch ganz schnell braun und schrumpfte vor meinen Augen zu Nichts zusammen, ohne dass ich auch nur ein Flämmchen gesehen hätte. Danach habe ich es mit Heu versucht. Es fing auch tatsächlich an zu glimmen und für eine oder zwei Sekunden war auch mal ein kleines Flämmchen zu sehen. Aber als ich dann etwas Birkenrinde dran gehalten habe, ist es sofort wieder ausgegangen. Ich habe es dann noch eine Weile versucht, aber außer Abnutzungserscheinungen am Feuerstahl hat es mir nichts gebracht. Ich habe auch versucht, die Birkenrinde direkt anzuzünden, aber das funktioniert auch nicht (wie auch, wenn der Feuerstahl schon am Heu scheitert?)


    Sollte man das Ende des Feuerstahls eigentlich auf dem Boden bzw. dem Zunder aufstellen, oder ihn in der Luft halten? Ich habe irgendwie das Gefühl, dass es besser funktioniert, wenn der Stahl aufliegt.


    Gruß, Morph

  • Auch da scheiden sich die Geister... Die "richtige" Nutzung eines Feuerstahls scheint eine Wissenschaft für sich zu sein, da sowohl das Material des Feuerstahls und Zunders, der gewählte Striker und die eigene Technik wichtige Faktoren sind.


    Persönlich nutze ich seit rund zwei Jahren das "ESEE FireKit" und habe dies vor Kurzem mit einem neuen, längeren Mischmetal-Stab modifiziert. Außerdem bin ich ein großer Fan selbst hergestellter "Fire Straws" bzw "Feuer Strohhalme". Sie sind klein, leicht und kompakt, bieten die Vorteile der Vaseline-Watte ohne dabei eine riesige Sauerei zu veranstalten und reichen locker aus um ein Feuer zu starten.


    Durch den neuen Feuerstahl und den großen Fächer an Funken den ich damit produzieren kann, muss ich diesen nicht mehr direkt über dem Zunderbett halten. Das macht es besonders Anfängern deutlich einfacher die Funken zu schlagen ohne dabei mit dem Zunder zu kollidieren ;)


    Wie schon mehrfach gesagt wurde ist das Üben der Schlüssel zum Erfolg. Es bringt nichts sich nur YouTube Videos anzusehen und die Technik anderer Leute zu lernen, wenn man nicht selber rausgeht und sein Glück versucht. Oftmals ist es nur ein wenig Restfeuchtigkeit im Holz, Stroh oder der Rinde die es einem über Stunden verwehrt ein Feuer zu starten.


    Deswegen würde ich besonders am Beginn der Karriere als Outdoor-Feuerteufel auf sichere Zundervariante wie Vaseline- oder wachsgetränkte Watte zurückgreifen um diese Fehlerquelle auszuschließen und die restlichen Abläufe zu verinnerlichen.

    "Mit Speck fängt man Kläuse!"
    offizielle Signatur des BCP-Treffens im Sauerland 30.5.-2.6.2013