Geröstete Grashüpfer

  • Hallo allerseits!


    Jetzt im Spätsommer kann man sich ja recht gut durch den Wald futtern, alle Nüsse, Samen, Früchte und Pilze sind reif oder fangen gerade an reif zu werden.
    Was mir als Protein verwöhntem Wohlstandsdeutschen bei der ganzen Rohkost allerdings fehlt, ist FLEISCH!! Und weil das mit dem Jagen und Fischen in Deutschland nicht so einfach ist, muss man sich wohl oder übel nach "Niederwild" umschauen welches nicht unter das Jagdrecht fällt.


    Ich bin ja eher der "Genuss- Bushcrafter" als der harte Survivalmensch, und mir als solcher nicht zu schade Essen mit in den Wald zu nehmen. Allerdings hat mich das Thema Insekten als Nahrung gereizt, und so hat mich die Neugierde doch dazu getrieben die Sache auszuprobieren.


    Als "Insekten Anfänger" , habe ich mir hierzu den gemeinen Grashüpfer als Jagdwild ausgesucht, dar dieser leicht zu finden ist, und oft als wohlschmeckend bezeichnet wird.



    Grashüpfer zu fangen ist relativ einfach, wichtiger als irgendeine spezielle Technik ist es den richtigen Ort zu finden, und das richtige Wetter zu haben. Wenn es regnet oder die Wiese feucht und schattig ist, wird man auch kaum einen Grashüpfer zu sehen bekommen. Grashüpfer stehen auf Trockenheit und Sonne. Wenn man erstmal eine trockene sonnige Wiese gefunden hat kann man relativ leicht eine Menge Grashüpfer fangen.
    Wenn genug Grashüpfer vorhanden sind, halte ich 15 Stück pro 10 min auch für nur mäßig geschickte Menschen, für realistisch. Die ganz kleinen sollte man außer acht lassen und sich zur Ertagsoptimierung lieber über die dicken Exemplare hermachen.
    Hier möchte ich noch erwähnen dass, größere Heuschreckenarten wie auch das einheimische Heupferd durchaus Wehrhaft sein können. Wer sich schon mal von einem großen Heupferd beißen lassen hat wird das bestätigen können. Außerdem sammelt man beim durchs Gras laufen leicht Zecken mit auf.



    Der einzige Verteidigungsmechanismus der kleinen Grashüpfer, ist das absondern einer Braunen Flüssigkeit aus dem Maul. Für Menschen ist diese Flüssigkeit allerdings ungefährlich und hat auch keinen Geruch oder Geschmack.



    Zum Transport der gefangenen Grashüpfer habe ich einen Moskito- Schleier verwendet. Es geht natürlich auch mit jedem anderen Sack- oder Tütenähnlichen Behältnis.



    Um die Grashüpfer zu töten zeiht man einfach den Kopf vom Körper ab. Dabei wird auch gleich ein großer Teil des Verdauungstraktes mit hinaus gezogen. Hier noch als kleine Anmerkung :" Auch Tiere die nicht Schreien oder Bluten, sollten so schnell und schmerzfrei wie möglich getötet werden."
    Wenn der Kopf nun ab ist muss man etwas aufpassen den der Körper versucht noch eine ganze Weile zu flüchten. Um den Grashüpfer komplett küchenfertig zu machen, entfernt man auch die Flügel und die Beine. Das mag bei den kleinen Tieren nach Spielerei aussehen aber, die Flügel haben keinen Nährwert sind schwer verdaulich und schlecht zu kauen, und die Beine besitzen wiederhaken die im Hals stecken bleiben oder kratzen können. Besonders beim entfernen der Sprungbeine sollte man vorsichtig arbeiten um den weichen Körper nicht komplett zu zerstören.



    Hier sieht man das nun fertige "Filet". Weil ich die Grashüpfer auf einer stark beweideten Wiese gefangen habe, war es mir besonders wichtig diese durchzugaren um mich vor Parasiten und Erregern zu schützen. Generell sollte man Fleisch oder Fisch aus der Natur immer durchgaren. Hier würde es nun ohne Hilfsmittel etwas schwierig, weil die Grashüpfer zum aufspießen zu klein sind und direkt in der Glut schnell verbrennen würden. Möglich wäre das rösten auf einem heißen Stein, was ich aber leider nicht ausprobieren konnte.
    Wenn man wie ich die Grashüpfer in einer Pfanne röstet, muss man darauf achten die Grashüpfer ständig zu rühren oder zu schwenken, weil diese sonst schnell festbrennen und verkohlen.



    Fertig sind die Grashüpfer wenn sie außen Dunkel werden. Dass geschieht aufgrund der geringen Masse schon in ca. 30 - 45 Sekunden. Interessant hierbei ist dass, egal welche Farbe der Grashüpfer vorher hatte, er beim garen Rot wird.


    So; Nun kommt der Moment der Wahrheit! Riechen tut es wirklich nach gegrilltem Fleisch, also rein damit. Ich gebe zu der erste hat mich noch etwas Überwindung gekostet. Der Geschmack ist aber auf keinen Fall unangenehm. Als Nussig würde ich ihn aber auch nicht beschreiben. Es ist so als wenn man einen Shrimp in die angeschmorte Haut eines Grillhähnchens hüllen würde. Wobei auch nicht alle Probanden den genau gleichen Geschmack hatten, bei manchen kommt noch ein leicht fruchtiges Aroma durch.
    Ich würde sagen dass Grashüpfer am besten mit etwas Knoblauchbutter und einem spritzer Zitrone serviert werden. Über den Nährwert von Grashüpfern habe ich im Netz nicht viel gefunden aber ich denke er unterscheidet sich nicht wesentlich von dem der Heuschrecken, welche mit 76 kcal angegeben sind. 76 kcal auf 100g sind nicht gerade viel aber man sollte bedenken das davon ca. 23g reines Eiweiß sind. Das schafft keine Pflanze. Außerdem ist das fangen von Grashüpfern nicht anstrengend und man benötigt keine Hilfsmittel.


    Also Fazit zum gerösteten Grashüpfer :"Absolut genießbar wenn auch gewöhnungsbedürftig, mit etwas Würze bestimmt sogar lecker."
    MfG Holger :manni

  • Probiert die Grashüpfer mal mit Honig-Curry Glasur.
    Die entbeinten und kopfentfernten Hüpfer darin kurz eintunken, und dann entweder rösten oder vie Parzi hier, am Stock über der Glut zubereiten.
    Wenn der Honig dann karamellisiert und fest ist, sind sie essbar.
    Selbst als eigentl. Veggi ess ich sowas. Allerdings trotzdem mit nem schlechten Gedanken im Kopf :(
    Aber es schmeckt.

  • Selbst als eigentl. Veggi ess ich sowas.


    Seit 26 Jahren bin auch ich Vegetarier; (ok, ab und zu mal ne :erbswurst :D )
    Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, ob ich mit meiner Einstellung die Grashüpferesserei vereinbaren kann und ich habe mich dafür entschieden.
    Aus folgendem Grund: Natürlich ehre ich alle Lebewesen; Pflanzen und Tiere und versuche so zu leben, dass ich anderes Leben möglichst wenig negativ beeinträchtige.
    Bei Wirbeltieren habe ich eine striktereTrennungslinie gezogen; die mag ich mir nicht einverleiben.
    Insekten aber bin ich bereit, zu meiner Nahrungsversorgung zu töten. Mit Bedacht und bewusst! Ich erschlage ja auch Stechmücken ohne Gewissensbisse zu bekommen.


    LG Parzival :bcplove