Bushdoc lässt die Muskeln spielen

  • Schon lange ist in mir der Plan herangereift, mir ein Messer zu machen.
    Allerdings,möchte ich das Messer in kompletter Handarbeit herstellen.
    Auf den Einsatz moderner elektrischer Maschinen wird verzichtet um den
    für mich persönlichen Wert des Werkstücks noch zu steigern und um mal
    mich wieder auf das wesentliche zu besinnen. Was Feilen und Sägen anbetrifft
    ist man ja in jedem Baumarkt gut bedient, ich habe mir allerdings auch noch
    einen alten Handbohrer besorgt, mit dem ich die Löcher für die Griffnieten
    bohren möchte.

    Vorher hab ich mir schon ein paar Gedanken gemacht, wie mein Messer den
    aussehen soll.

    Heute hab ich dann endlich eine alte Feile aus C70, im Schrott ergattern können.
    Und wie man so schön sagt Form follows Funktion oder so ähnlich, wurde dann
    aufgrund der größe der Feile, das erste Design gewählt.

    Gerade glühe ich die Feile in meiner Gartenesse weich und werde euch die Tage
    und Monate immer wieder über mein Projekt auf dem Laufenden halten.


    Gruß Bushdoc

    Auch dieses Jahr bietet Bushdoc´s School of advanced Survival and Bushcraft wieder folgende Kurse an:
    -Bushcraft ohne Busch
    -Survival ohne zu überleben


  • Willst Du es schmieden? Wenn ja, kleiner Tip: Schlage die Löcher für die Griffbeschalung raus, das geht recht einfach. Damit ersparst Du Dir die Bohrerei, die wirklich richtig auf die Knochenund Sehnen geht; habs erst selber durch ;)
    Wenn Du es eher auf rustikal machen willst: Es gibt Schmietenieten, die richtig derb sind, mit welchen Du den Griff befestigen könntest. Damit lassen sich sogar Schilde für Schwertkampf vernieten.


    Bin gespannt was Du dann letztlich draus machst. Viel Freude und gut Glut.

  • Ich habe nur vor die Feile weichzuglühen, dann mit Säge und Feilen, ihr die Form zu
    geben, Löcher bohren, Griffschalen verniete, fertig :D .
    [edit]Ich werde sie natürlich auch wieder vergüten :unschuld [/edit]
    Ich werde auch die Feile als Feile in ihrer Beschaffenheit, belassen. Das heißt ich möchte
    nur einen Scandi auf 1/3 höhe der Klinge schleifen und die Feile mit einer Spitze versehen.
    Der Rest soll noch die Struktur der Feile behalten. Mann soll sehen, dass es ein Werkzeug ist,
    das aus einem Werkzeug geschaffen wurde.


    Gruß Bushdoc

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    Edited once, last by Bushdoctor ().

  • Also du kannst die Feile ruhig dünner schmieden, das Feilenmuster wird dabei zwar geplättet, bleibt aber erhalten.


    Hier mal eins von meinen.


    Das meiste hab ich weggeschliffen, aber man erkennt trotzdem noch die Reste der Feilenstruktur.




    Feilen und sägen von Hand ist machbar, kostet aber viel- viel Zeit und Geduld. Das mit dem Handbohrer kannst du gerne versuchen, aber ich befürchte das wird schon sehr schwierig, selbst mit einer elektrischen Handbohrmaschine ist es nicht leicht in Stahl zu bohren. Hier rate ich dir zu einer Tischbohrmaschine. Wenn du es wirklich rustikal halten willst , kannst du auch die Löcher ,mit einem langen Körner oder etwas ähnlichen , in den Griff schmieden. Geht recht einfach, ist aber etwas ungenau ,und man sollte das am besten zu zweit machen, damit einer festhalten und einer schlagen kann. Außerdem wird beim einschlagen der Löcher Material nach Außen verdrängt und der Griff somit an dieser Stelle breiter, was du wieder rausfeilen müsstest.


    Bist du sicher das deine Feile aus C70 ist? Ich weiß das mit dem Stahl ist ein leidiges Thema, und ich fange nur ungerne damit an, aber Feilen werden normalerweise aus sehr viel härterem Stahl hergestellt. Bei den großen Werkstadt- Feilen um die 30cm ist es meist C125 - http://www.metallograf.de/star…stoffkartei/1563/1563.htm
    Und bei den kleineren oft 140Cr3, oder etwas mit noch mehr Kohlenstoff. -
    http://www.metallograf.de/star…stoffkartei/1563/1563.htm
    Das macht in der Wärmebehandlung, und für den späteren Einsatz schon einen gewissen Unterschied.


    Wie dem auch sei; Hau rein ich bin gespannt wie´s wird!

  • So heute Morgen ist das Weichglühen erledigt, ich habe die Feile
    aus der Asche geholt und mit einer kleinen Handsäge einen
    Schnitttest gemacht, das Material ist butterweich!

    Beim Weichglühen bin ich folgender Maßen vorgegangen, ich habe
    einfach ein Holzkohlefeuer entzündet, die Feile in die Glut gesteckt,
    aber senkrecht,nicht flach,damit sie sich nicht verbiegt. Anschließend
    mit weiterer Holzkohle bedeckt und das Feuer über Nacht glühen lassen.
    Bis jetzt bin ich mit meinem Ergebnis zufrieden. ;)


    @Skuzz: Ich hab die Feile aus dem Schrott eines Agrarmuseums, der
    Chefingenieur meinte, das dass Ding etwa 150 Jahre alt ist und aus
    C70 sei, daher hab ich meine Info bzgl. der Feile.


    Gruß Bushdoc

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  • Mein Tagewerk, heute nach dem Weichglühen
    wurde die Form auf die Feile übtragen

    und ausgesägt und gefeilt. Danach noch ein grober
    Flachschliff/Scandi bis ein Bisschen über 1/3 drauf
    gebürstet und gut.


    Morgen und Übermorgen, wird wohl mein Tagwerk darin
    bestehen, die Löcher zu bohren, von Hand. :feuerbohr
    Ich freu mich drauf.


    Grüße Bushdoc

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  • Ja Skuzz, tuto kopletti. 4 Studen rangeklotzt,
    nassgeschwitzt und mit Blasen anden Hände,
    aber der Erfolg zählt. Dafür hab ich mir dann
    Heute das Krafttraining gespart.


    Übrigends bohre ich gerade das zweite Loch.


    Gruß Bushdoc

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  • In den letzten zwei Tagen hat mein Projekt enorme Fortschritte gemacht.
    Die Löcher habe ich unter Schweiß und Tränen in den Stahl gebohrt, hier
    ist es unumgänglich gute und scharfe Bohrer zu haben, sonst kurbelt man
    sich die Seele aus dem Leib. Die Löcher sind nicht 100%ig rund geworden,
    aber die Messingstangen passen gut durch und sie sind nicht schräg.
    Allerdings nicht alle auf einer Linie, aber das stört mich in Anbetracht
    meiner körperlichen Leistung nicht.

    Darauf hin hab ich im Garten in einer kleinen Grillschale die Klinge gehärtet.
    Auch hier wurde auf Technik wie Fön etc. verzichtet, ich habe mit einem
    Handfächer meiner Glut einegheizt, was besser ging als erwartet, nach 20 min.
    war die Klinge kirschrot glühend, es wurde kurz noch der Magnettest mittells
    eines Stabmagneten durchgeführt und ab ging die Klinge ins Speiseöl. Darauf
    hin hab ich die Klinge abkühlen lassen und an der Flasche meines isotonischen
    Gerstensaftes, den Glasschnitttest durchgeführt, die Härtung war erfolgreich.
    Nun wurde die Klinge noch über der Glut 1h angelassen, hierbei habe ich immer
    schön auf die goldgelbe Anlassfarbe geachtet und die Klinge immer wieder gedreht.
    Von Härten und Anlassen habe ich keine Bilder gemacht, da es für mich das erste
    mal war und es schon eine schweißtreibende und stresige Arbeit war, bei der ich
    nicht ans Photos machen dachte.


    Hier seht ihr nun mein fertiges Produkt.


    Gruß Bushdoc

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  • Dachte schon du wärst beim Bohren "verendet"! ^^
    Dafür das es mit einfachsten Mitteln gemach wurde, ist es echt hübsch geworden. Hast Talent!


    Willst du die Griffschalen einfach auf die grobe Feilenstruktur kleben? Wenn ja würde ich die Schalen mit einem dünnen Stück Leder unterlegen. Das sieht gut aus und passt sich den Unebenheiten besser an.

  • Ja, ich hatte einfach vor Buchenholzschalen drauf zu kleben,
    zu vernieten und in Form zu schleifen. Aber das mit den Linern
    ist ne gute Idee, werde ich mir mal überlegen.


    Gruß Bushdoc

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  • Mein eigenes Messer gefertigt nach Bushcraftart ist fertig,

    das heißt aber nicht das das Projekt zu ende ist, das Gute
    Stück braucht ja auch noch ein Kleidchen und ich werde euch
    weiterhin über Schnitthaltigkeit und Gebrauchseigenschaften
    auf dem Laufenden halten.


    Grüße Bushdoc

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  • So und heute kam dann noch ein schönes Kleidchen dazu. Den Scheidenbau, lass
    Ich hier mal weg, gibt ja genug Threads zu dem Thema. Obwohl diese verarbeitungs-
    technisch, meine sauberste und beste Scheide geworden ist. Für meinen Feilel, hab
    ich ein klassische Scheide im Woodlorestiel gebaut, da das Messer ja auch schon so
    einen Hauch hat.


    Ich glaub ich nenn es Bushdoctorlore :wallbash .



    Grüße Bushdoc

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  • Hey Busdoc,


    ABSOLUT stimmig das Teil ...und bis zum Ende eine sehr beeindruckende Arbeit die Du uns da gezeigt hast. :daumen
    Ich mag es ebenfalls, die Handmade's.
    ... so ist Dir die Metamorphose von einem Werkzeug zu einem Werkzeug sehr gelungen!


    Dann wünsche ich Dir eine gute Zeit mit Deinem Feitel.


    Gruß
    Michael

  • Wow! Was man allein durch Handarbeit nicht alles schönes zaubern kann, ich bin echt beeindruckt! :daumen:daumen Kann man eigentlich jede Feile für so etwas verwenden? Ich hab noch ein paar alte Feilen im Keller liegen, aber keine Ahnung ob die sich dafür eignen, sind schon etwas angerostet. Ich schätze mal, dass moderne Feilen nicht den richtigen Stahl dafür haben, oder?

  • @ Stefan : Klar kann man auch aus "modernen" Feilen brauchbare Messer machen. Ich benutze Feile recht gerne, einfach wegen der hohen Verfügbarkeit. Auf Flohmärkten und besseren second hand Läden bekommt man die für ganz kleines Geld. Oft liegen auch welche auf der Firma im Schrott.


    Das Messer auf meinem Bild weiter oben war auch eine Feile, allerdings habe ich diese etwas flacher und breiter geschmiedet.
    Wie schon Oben erwähnt liegt der Stahl meist zwischen C125 und 140Cr2/140Cr3. Generell kann man sagen das die kleineren Feilen mehr Kohlenstoff enthalten als die großen, weil diese wegen der größeren Länge noch ein gewisses Minimum an Elastizität aufweisen müssen. Allerdings sollte man wissen dass, selbst der bei den großen Feilen verwendete C125 definitiv zu den sehr harten und somit auch spröden Stahlsorten gehört. Also nix für Haumesser, hebeln oder ganz brutales Holz spalten. Meine Feilenmesser halte ich so im Bereich von max zehn bis elf cm Klingenlänge, da fällt die Sprödigkeit nicht so in die Wage. Die Vorzüge von Feilenstahl liegen in der hervorragenden erreichbaren schärfe, und in der für einen niedrig/unlegierten Werkzeugstahl immer noch guten Verschleißfestigkeit.


    Vergleichen kann man Feilenstahl am ehesten mit 1095, nur mit viel höherem Kohlenstoffgehalt. Härten von 61 -63 Rockwell sind mit Feilenstahl locker machbar, was aber für Messer wohl eher kontraproduktiv wäre, daher sollte man nach dem Härten etwas höher anlassen. Außerdem sollte man bei der Wärmebehandlung von solchen stark Kohlenstoffhaltigen Stählen möglichst gewissenhaft arbeiten. Die Gefahr der Spannungsrissbildung ist bei Feile relativ hoch.


    So, und bevor jetzt der Stahlnerd total mit mir durchgeht :unschuld , fasse ich nochmal zusammen:
    Ist Feilenstahl für Messer brauchbar ? Ganz klar - Ja. Aber ist halt eher was spezielles, für die kleinen sauscharfen Messerchen, nicht besonders allround fähig, und beim härten schon etwas empfindlich.

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