Frage: Hat jemand Erfahrungen mit dem Bau von Nehbergs Rundfloß??

  • Hab mal gelesen wie es im eigentlichen funktionieren soll hatte aber selbst noch keine Gelegenheit es mal auszuprobieren


    1. Einen Kreis aus zugespitzten ästen stecken (groß genug um selbst drin sitzen zu können)
    2. Mit 25-30 cm mehr abstand einen weiteren kreis um den vorherigen stecken
    3. Den Hohlraum mit Schilf, Reisig, gras, usw ausfüllen (Hauptsache es erzeugt auftrieb)



    Bis hierhin ist alles verständlich aber danach ists wohl eher Fragwürdig ! :confused


    4. Den entstandenen Ring mit Schnur ( wohl etliche Meter ) zusammenbinden das ein fester, dicker Kranz entsteht
    5. Eine Plane unter den Kranz auslegen und alle enden am Kranz fixieren


    Fertig !??
    Das soll wohl schwimmen aber hat sowas mal jemand ausprobiert oder ähnliche Konstruktionen zu Wasser gelassen ??
    Außerdem wo bekomme ich in Feld und Flur soviel Schnur/Seil her ?? Oder die besagte Plane ! aus meinen Tarp oder Poncho denke ich mal kann man nur sehr schwer ein Wasserfestes ,,Fahrzeug" formen !


    Ich denke das es sich wohl stark an einen solchen Boot orientiert
    http://www.geo.de/reisen/commu…a-Trang-Vietnam-Rundboote



    Wäre nett wenn sich jemand der sowas mal ausprobiert hat sich hier dazu äußert ! Vieleicht könnte man sowas ja mal zusammen auf einen Treffen bauen !

  • Na das sieht zwar etwas arg groß aus ist aber genau das was ich meine !
    Allerdings hab ich da auch gesehen das sie ein ,,Outdoor/Survivalkayak" gebaut haben auch sehr interessant !


    Danke Grimmbold


    Allerdings bin ich mir nicht sicher ob die Rinde als Schnur Ersatz tatsächlich reicht weil ich mir das nicht sonderlich reißfest vorstelle.

  • Moin,


    ich habe in meiner Jugend mehrere Rundflöße gebaut - wichtig ist, dass die Plane einiges aushältt. Wir haben auch mit alten Tarps versucht, aber hier muss mann evtl. mit Schwund rechnen. Je dicker, desto besser - am besten sind LKW-planen, die hat man leider nicht immer dabei. Deine Anleitung ist schon in Ordnung, vielleicht am Kranz auch dickere Äste als Struktur anbinden, somit ist die Befestigung der Plane/des Tarps etwas einfacher.


    Ich habe mehrere Varianten und Größen ausprobiert - 1 bis etwa 10 Personen - immer bedenken wie scher der Last ist. Paar mal bauen und Du kannst etwa schätzen was nötig ist, welche Arbeitsschritte weggelassen können... Schnur braucht man eigentlich sehr wenig. Am besten nimmt man aber eine größere Mülltüte mit und steckt seinen Rucksack da rein - man weiß es ja nicht...




    Viele Grüße, Fjellsurfer

  • Das mit der Mülltüte für's Gepäck kann ich bestätigen - bin bei solchen Geschichten schon so ein-zweimal abgesoffen !


    Die 25-30cm sind mir persönlich etwas zu knapp , 30-40cm sind mir da lieber ! Dann da alles reinpacken was auftrieb gibt.
    Hier am Rheinufer findet man (leider) jede Menge davon. Styropor , Pet-Flaschen,Kanister zwischen das Reisig gesteckt bringt da
    sehr viel !


    Wenn genug vorhanden die Plane(das Tarp) doppelt nehmen.

    "Glaube mir, denn ich habe es erfahren, du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern!
    Bäume und Steine werden dich lehren, was du von keinem Lehrmeister hörst."


    Love many, trust few, and always row your own boat. The more you know, the less you need!


    DES KELTEN SEITE

  • Okay mit dem Tarp ist es zwar möglich aber nur minder praktikabel und LKW plane ist nun nicht in jedem Mülleimer zu finden
    klingt eigentlich nur umsetzbar wenn man mit dem Komplettpaket der Campingausrüstung unterwegs ist, zumindest für Survival ansonsten
    wenn man sich darauf vorbereitet und z.b eine Tour mit einer Flussfahrt beendet.


    Wäre sicherlich auch nicht schlecht !


    Vielen Dank für eure Beiträge !


    LG Blumenstein

  • Wir ham bei den Pfadis immer die Gewebeplanen vom Baubieber verwendet,
    allerdings haben wir immer dieses Kanugerippe gebaut und dann überzogen,
    zeigt Nehberg aber auch in seinen Büchern oder in Abenteuer vor der Haustür.
    Die Planen sind relativ stabil so lange mann nen See befährt, allerdings sollten
    Kiesbänke und Felsen gemieden werden, wie die Hölle.


    Gruß Bushdoc

    Auch dieses Jahr bietet Bushdoc´s School of advanced Survival and Bushcraft wieder folgende Kurse an:
    -Bushcraft ohne Busch
    -Survival ohne zu überleben


  • Ja


    Sehr stabil sind die Dinger eben nicht !


    Deshalb auch noch mal von mir der Hinweis sein Gepäck wasserdicht zu machen und wenn möglich einen Auftriebskörper
    anzubringen!


    Also Rheinüberquerungen sind möglich, allerdings muss man einkalkulieren ca.2,5km abgetrieben zu werden ! :)
    Und der Rheinschifffahrt auszuweichen ist nix für schwache Nerven !

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    DES KELTEN SEITE

  • Hallo,


    seit eben frisch im BCP registriert und sogar auf Anhieb etwas gefunden, wobei ich erfahrungsbedingt mitreden kann.


    1.
    Sofern irgend möglich würde ich von der Rundform weg hin zu einer mehr oder minder langgestreckten ovalen Form kommen.
    Je "runder" ein Boot/Floß, umso "besser" kreiselt es beim Paddeln aufm Wasser.
    Auch wenn du keinen Kiel extra ausformst, läuft eine längliche Form deutlich richtungsstabiler.
    (Alle Skifahrer wissen was mit "Länge läuft" gemeint ist.)


    Entsprechend werden die Äste nicht in Kreisform gesteckt und die Mittelstrebe wird durch Biegen automatisch zu einer Art Kiel.
    Quer dazu werden die in die Erde gesteckten Ruten dann zu den Spanten. (Analog zum Faltbootgerippe)


    2.
    Ich habe seinerzeit die Nehbergsche Konstruktion selbst nachgebaut.


    Material:


    - 3 - 5 Haupt-Längsträger. Reichlich Daumenstark, ca. 3m Länge
    - ca. 1 Dutzend fingerstarke Ruten als Spanten
    - Gewebe als Bootshaut. Damals wars der Stoff, aus dem in der DDR die Zelte gemacht wurden.
    Das Boot habe ich ca. 2000 gebaut. Das Gewebe war ohne nochmals zu imprägnieren absolut wasserdicht (hätt ich selber nie gedacht)
    und hat perfekt getragen.


    Als Bauholz eignet sich am besten Weide (die stehen für gewöhnlich an jedem größeren Gewässer)
    oder Haselnuß (ebenfalls sehr biegsam).


    In Ermangelung von genügend Schnur kann man die Weidenruten entrinden und aus die Rinde gutes Bindematerial herstellen.


    Ein kleiner Ausleger macht das Boot kippstabil. Damals habe ich einen häfltig mit Wasser gefüllten Plastekanister genommen.
    Funktioniert aber auch mit einem trockenen Stück Totholz, nem dicken Bündel Schilf/Binsen o.ä. ...


    3.
    Wie gehts?!


    Den "Kiel" je nach Bedürfnis gebogen mit beiden Enden in die Erde stecken.
    Nicht zu flach. Die Höhe über dem Erdboden entspricht später der totalen Bordhöhe.


    Rechtwinklig dazu und ebenfalls gebogen legt man die anderen beiden Längen auf den Boden
    und bindet diese an den Enden des Kiels fest.
    Achtung: die Biegung entscheidet über die Bootsbreite und somit wesentlich über das Verdrängungsvolumen --> Tragkraft.


    An dieser Stelle wich ich vom Nehbergschen Bauplan ab und habe noch ein zweites Paar Längsträger im 45°-Winkel
    zwischen Kiel und Bootsrand ein gefügt. Geschah allerdings nachträglich.


    Nun steckt man die dünnen Ruten AUßERHALB des Bootsrandes in die Erde und führt sie ÜBER den Kiel zur anderen Seite.
    Später - nach Bespannung mit der Bootshaut - werden die Bindestellen durch den Druck des Wassers auf die Haut entlastet,
    da somit die Spanten von außen gegen Kiel und Bootsrand gedrückt werden.
    Am Bug und Heck sind die Spanten logischerweise kürzer als in der Mitte. (Das sollte sich nicht nur BCs sondern jedem halbwegs hellen Kopf von alleine klar sein.)
    Den Abstand der Spanten zueinander habe ich bei ca. 20cm gewählt.
    (12 x 20 = 2,40m - bei gut 3m langen Längsträgern liegt die letztendliche Bootslänge abhängig von dem Biegegrad der Längen bei rund 2,50m)


    Wenn alls verbunden ist (ich habe damals Tape genommen. Rinde zu Seilen verflechten braucht etwas Zeit und würde wahrscheinlich zweimal so lange dauern, wie der eigentliche Bootsbau selbst.) zieht man das Gerippe aus der Erde und legt es auf die Bootshaut.


    Plane einigermaßen gleichmäßig drumschlagen und an den Enden zusammenraffen und festbinden.


    4
    Fertig


    Vorteile diese Bauart:
    Ist aufgrund der Form auch für Strecken geeignet. Mit einem Rundfloß längere Zeit den Kurs halten macht alles aber keinen Spaß.
    An Land und umgedreht ist der Unterstand schon bezugsbereit.


    Nachteile:
    Man braucht eine Plane von wenigstens 3m Länge.
    Bei einem Rundfloß kommt man auch mit 2m x 2m handelsüblichen Formaten zurecht.

  • Moin,


    Flöße od. andere Notboote zu bauen ist eigentlich reiner Zeitvertreib - allerdings kein schlechter. Soll aber ein Gewässer schnell bzw. ohne größere Bemühungen überquert werden - dann rate ich zum "einfachen Rucksackfloß".


    Einfacher Rucksackfloß: ausziehen, Kleider in Rucksack rein, Rucksack mit vorhandenem Tarp, Plane o.ä. einwickeln und anschliessend in eine große Mülltüte reinstecken, zusammenbinden und fertig! Im Wasser mit dem Bauch auf dem Floß legen, festhalten und mit den Füßen lostreten.


    Wenn mehr Zeit zur Verfügung steht, aber man findet keine Äste od. möchte keine Äste verwenden, kann man einen Rucksackfloß statt einen Rundfloß bauen, in länglicher Form - wie Rabe bereits angedeutet hat, aber etwas anders und unkomplizierter.
    1. Ein Kielholz (od. zwei) längs auf dem Boden legen
    2. Hierdrauf der ausgebreitete Tarp/Plane
    3. Dann auf den Tarp/Plane eine Isomatte (oder mehrere, ausrichtung egal)
    4. Vorne und hinten (des Floßes) die Rucksäcke in Tarp/Plane einwickeln (wenn nur ein Rucksack, Gepäck verteilen)
    5. Zwei Rand-/Kantenhölzer an den Seiten in Tarp/Plane einwickeln
    6. Als letztes sollen alle Hölzer - der Kielholz und die Randhölzer - gebunden werden, so daß diese einen festen Dreieck bilden
    Und losgehts.


    Persönlich rate ich zum Bau eines einfachen Rucksackfloßes - erstens weil man kein Angst haben muss ins Wasser reinzufallen oder Gepäck zu verlieren (man liegt ja bereits halbwegs), zweitens ist man auf der anderen Seite viel, viel schneller.


    Viele Grüße, Fjellsurfer