Teslin-Yukon-Tour 2013

  • Hi,
    wieso überrascht, war doch immer so als Rückkertermin für uns geplant.


    Wir sind gesund und munter wieder gelandet.
    Außer diesem komischen grinsen im Geschicht, hab ich keine bleibenden Schäden. ;-)


    Die Zeitverschiebung lässt mich jetzt nicht schlafen, daher blättere ich hier mal nen bischen und sortiere die Bilder.



    1.Bild als Vorgeschmack, zeigt "Störenfriede" zum Frühstück.

  • Hier sind noch meine Fotos
    http://flic.kr/s/aHsjHDrnW6
    Stefan hat fleissig Tagebuch geführt. Wenn er Zeit findet wird er einen Bericht schreiben. Einfach Geduld haben, wir mussten uns über ein Jahr gedulden bis wir dies erleben durften.


    So viel schon mal vorne weg. Misfit und ich wollten eine Woche länger bleiben und im Kluane Nationalpark wandern. Misfit hatte nach einem Kontakt mit Dornen Schmerzen im Fuss und konnte nicht richtig gehen. Es stellte sich heute heraus, dass er einen Dorn im Rist hatte. Nichts schlimmes ist aber nicht optimal zum wandern. deshalb sind wir mit Michabbb und Stefan nach Hause.


    Mein Eindruck vom Yukon, er wird bei uns gerne als DAS grosse Abenteuer dargestellt. Es ist im August ein breiter Strom der träge fliesst, 5 bis 10 km/h Wassertemperatur 16° bis 18°. auch die Five Finger Rapids sind kein Wildwasser. Was speziell für unsere Verhältnisse ist, man ist alleine, kein Handy Empfang, demzufolge sollte man Vorsichtig sein mit dem Umgang mit Werkzeugen. Auch ein Satelliten Telefon ist kein Garant für schnelle Hilfe. Bei einem Unfall kommt ein Arzt, wenn er es nicht richten kann geht es ins ca. 2000km entfernte Spital nach Vancouver.


    Für mich ist klar, dass ich wieder gehe. Das nächste mal an den Big Salmon River aber mit einem Kajak. Vielleicht nächstes oder übernächstes Jahr. Mir gefällt es in Kanada nicht nur wegen der Landschaft und der dünnen Besiedelung. Die Kanadier sind Menschen die Danke und Entschuldigung sagen können ohne sich überwinden zu müssen.


    Wie man einen wichtigen Hinweis auch formulieren kann. Das mag ich so an den Kanadiern.

    Bei uns würde man so was in der art schreiben. " Wenn es dunkel ist müssen sie mit einer Lampe dem Kapitän Zeichen geben, andernfalls haben sie kein Anrecht auf Beförderung" ;)


    Liebe Grüsse
    draussen

  • Hier werde ich in den nächsten Tagen einen Reisebericht zu unserer diesjährigen Teslin-Yukon-Tour veröffentlichen, an der Michael (MichaBB), Michael (misfit), Roli (draussen) und ich teilgenommen haben. Vorweg: Ich habe nicht alle Erlebnisse minutiös dokumentiert und was mir wichtig erschien, mag einem anderen eher langweilig vorkommen. Es war keine Hardcore-Bushcraft-Survival-Durchschlageübung und ich werde nicht großartig auf "Gear und Gadgets" eingehen. Wenn ich etwas unklar geschrieben habe oder Ihr mehr wissen wollt: Über Nachfragen freue ich mich immer :) Zu den Bildern sei noch gesagt: Ich habe insgesamt etwa 1000 Bilder geschossen, davon habe ich etwa 290 auf Flickr veröffentlicht, aber auch die werde ich nicht alle hier einbinden können. Wer also Interesse an bestimmten Bildern hat, einfach nachfragen, vielleicht habe ich was im Fundus.


    Nun aber viel Spass beim Lesen :)


    Sonntag, 28.07.2013
    Endlich geht es los! Anderthalb Jahre der Vorfreude sind vorbei, ich hatte ja jederzeit mit Widrigkeiten gerechnet, aber nun sitzen wir tatsächlich am Flughafen! Der Flug startet pünktlich und dauert neun langweilige und ereignislose Stunden. Die Passkontrolle in Kanada nimmt noch einmal anderthalb Stunden in Beschlag (es sitzen nur 2 Grenzbeamte dort an dem kleinen Flughafen in Whitehorse). Man merkt: Wir sind nicht mehr in Deutschland. Die Beamten sind freundlich. Einheimische werden mit "welcome home" begrüßt. Draußen wartet bereits Steven von Up North, er ist unser Fahrer und bringt uns mit dem Geländewagen zur ersten Bleibe, dem midnight sun B&B in Whitehorse. Del, die Chefin, begrüßt uns freundlich und zeigt uns unsere Zimmer, MichaBB und ich liegen im "persian Room" mit Yogaräumchen, Roli und Michael L. bekommen den "Yukon room" mit Bierkühlschrank. Romantisch. Alle sind rappelig und wollen nach draußen, es ist schönes Wetter, 25°C, der Yukon fliesst schnell und glasklar durch Whitehorse. Nach Besichtigung der SS Klondike, ging es zurück nach Downtown, wo wir in der "Edge Bar" tafelten und unser erstes kanadisches Bier tranken (Ja ja... Micha L. trinkt Rotwein ^^ ) In der Folge wurde die Eckkneipe sowas wie unser Stammlokal. Nach einem leckeren Bisonburger und 2 eiskalten Yukongold verschwand ich früh im Bett.



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    Montag, 29.07.2013
    Der Jetlag schlägt erbarmungslos zu: Um 4.00 Uhr Ortszeit ist an Schlaf nicht mehr zu denken. Der Radiomann orakelt 26°C und Sonne für die kommenden Tage, schönes Wetter, auch das noch! Morgens (nach dem reichhaltigen kanadischen Frühstück in der Pension) haben wir uns dann im Canadian Tire, im Walmart und im Fruitstore mit Plunder und Lebensmitteln eingedeckt. Als Mitteleuropäer ist man hier vom Warenangebot schier erschlagen. Rick von Up North holte uns netterweise ab und wir konnten alles bei denen lagern. Nach dem wir lange lange lange lange dort gesessen hatten (warum eigentlich???) gabs in "the Edge" Hellbier in Tassen und Steaksandwich.



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    Dienstag, 30.07.2013
    Endlich geht es los!! Um halb neun frühstücken wir gemeinsam mit einer Familie aus Calgary, pünktlich um halb Zehn steht Steven vor der Tür und holt uns ab. Bei Up North haben wir die restlichen Sachen aufgeladen und viele Tipps von Elke eingeholt. Steven fährt uns durch die atemberaubende Landschaft des Yukon Territory nach Johnssons Crossing, wo wir bei heißem Sonnenschein ankommen. Eine Frage brennt sich in meinen Schädel: Wie zum Geier soll das ganze Gelumpe auf die Boote passen?? Aber es geht. Wir steigen bei Km 196 in den Teslin ein (immer dran denken: Nach Links fahren!!) Ich sitze zum ersten Mal im Kanu hinten, überhaupt zum ersten Mal in fließendem Gewässer. Zum Glück fliesst der Teslin hier sehr lahm und träge, so kann ich mich ans Paddeln gewöhnen, Roli, der Erfahrenste in der Runde, steht mir mit Rat und Tat zur Seite und irgendwann fährt das Boot dann auch tatsächlich geradeaus. Es zeigt sich, dass das Wetter hier sehr schnell umschlagen kann. Vom eben noch recht strahlenden Himmel fällt plötzlich regen, wir ziehen uns die Regensachen an. Eine Tüte mit Klopapier und anderen Kleinigkeiten (passte nicht mehr in die Tonne/ in die Säcke) wurde komplett nass, war ja vorhin noch schönes Wetter gell? Bei strömendem Regen paddeln wir weiter, ich bin absolut überwältigt von der Landschaft hier. Es klart alsbald auf und Micha L. macht seine erste Elchsichtung, ich sehe allerdings nur noch den Elchhintern im Dickicht verschwinden. Jede Flussbiegung des Teslin gibt eine neue grandiose Aussicht frei, ich war hier noch nie und fühle mich ein wenig wie die Ringgefährten, die den Anduin herunterpaddeln. Bei Km 175 habe ich den Eindruck, endlich das Boot zu beherrschen. Bei Km 176 erscheint unser erstes Camp. Roli hat Henry Island für unser erstes Lager auserkoren. Der Ausstieg im Matsch ist etwas schwierig und prompt erwischt mich der erste Moskito der Reise. Das Camp ist genial, hier stehen alte Holzhütten herum (in denen ich allerdings nicht schlafen würde). Schnell brennt das erste Lagerfeuer der Reise für den ersten Tee. Wir haben unsere Zelte (bzw. Tarps) aufgeschlagen und ein paar Steaks gegrillt. Die ersten 20 km sind geschafft.
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    Fortsetzung folgt...

  • @ draussen :

    Quote

    Die Kanadier sind Menschen die Danke und Entschuldigung sagen können ohne sich überwinden zu müssen.


    Das ist doch mal ne klasse Aussage !!!!
    Davon gibt es immer weniger Menschen die dazu in der Lage sind.
    Find ich prima.

  • Mir gefällt es in Kanada nicht nur wegen der Landschaft und der dünnen Besiedelung. Die Kanadier sind Menschen die Danke und Entschuldigung sagen können ohne sich überwinden zu müssen.


    Liebe Grüsse
    draussen

    Danke du sprichst mir aus dem Herzen. Fuer mich ist es genau das selbe warum ich mich hier so Wohl fuehle. Ich sag immer; "Die Canadians sind so wie die Schweizer einmal waren, Freundlich, Hilfsbereit und Unvoreingenommen." :)

    Wenn Du nicht für Deine Freiheit kämpfen willst, hast Du auch keine verdient.
    Folge nicht den Spuren Anderer, gehe Deinen eigenen Weg und hinterlasse Deine Spuren.

  • Habe eben alle Photos angesehen. Simply beautiful!!! :) Auch sehe ich das Stefan guts Petri Heil hatte. :)

    Wenn Du nicht für Deine Freiheit kämpfen willst, hast Du auch keine verdient.
    Folge nicht den Spuren Anderer, gehe Deinen eigenen Weg und hinterlasse Deine Spuren.

  • @stefan
    draussen
    Ihr seid ja so was von böse mir mit solchen Bildern und Berichten die "Tränen der Neidfreude" ins Gesicht zu treiben !! ;)
    Nein im Ernst, hatte gestern Abend nen tollen Bilderabend mit Euren Bildern, mich gefreut das so was an Natur auch heute immer noch geht, natürlich dabei die Augen auch mal zugemacht und geträumt.
    Danke! :daumen
    Naja, und son bisschen Neid ist doch erlaubt, oder?
    Vor allem wenn er als Ansporn dient, auch mal selbst in diese Traumecke zu kommen!

    Top Ausrüstung folgt nur EINEM Kriterium: "reduced to the max"

  • Hach wie schöööön!
    Es ist fast nicht zu ertragen, die Bilder anzuschauen, denn meine Sehnsucht ist nach den mittlerweile 11 Jahren Yukon-Abstinenz riesengroß!!


    Schmunzeln allerdings musste ich, als ich gesehen habe, dass Ihr auch Stühlchen dabei hattet! Wir waren damals die einzigen, die was zum Hinsetzen mitnahmen! Ein wahrer, kostbarer Luxusartikel, aber sehr brauchbar!!!


    Dann bin ich mal weiterhin gespannt auf die Fortsetzung des Berichts!



    Grüße, VAU

  • Weiter gehts:


    Mittwoch, 31.07.2013
    Die erste Nacht im freien war super, die Nacht war angenehm kühl. Die Moskitos sind hier sehr träge und das Moskitonetz (das Innenzelt des GoLite Shangri-La 1, ein Geschenk von Micha L.) funktioniert. Wir gehen den Morgen sehr ruhig und gemütlich an, kochen Kaffee und braten Speck mit Eiern. Angesichts der langen Tage, beschliessen wir, die künftigen Aufbrüche auf den frühen Nachmittag zu legen und dafür abends länger zu paddeln. Um diese Jahreszeit geht die Sonne erst um kurz vor Elf unter und richtig dunkel wird es erst nach Mitternacht. Der Himmel verheisst schönstes Wetter, man sieht kaum Wolken und es ist sehr warm. Nachdem alle Sachen verstaut sind (das dauert in dieser Phase der Tour noch ein wenig länger) donnert es pünktlich zum Aufbruch, quasi als Startschuss.


    Wir besteigen die Boote und paddeln weiter, nach wenigen Kilometern öffnet der Himmel alle Schleusen, die eingepackte Regenjacke hält dicht, die Regenhose schlummert freilich im festgezurrten Gepäck, bloß nicht aus Fehlern lernen Herr Köster! Meine Begleiter sind da schlauer als ich, sie tragen alle bereits ihre Paddel- bzw. Regenhosen. Der Teslin ist hier gemütlich. Zu gemütlich. Zur langsamen Strömung kommt noch starker Gegenwind dazu, man hat den Eindruck man fährt rückwärts. Ich will mal nicht meckern, das gehört dazu und die Landschaft ist auch bei Regen grandios.


    Es lockert etwas auf und wir halten an, auf einer Elchspielwiese (hier ist alles voller Hufabdrücke) machen wir Raucherpause. Ich kann immer noch nicht recht fassen dass wir in Kanada sind, manchmal habe ich den Eindruck ich wache gleich auf und liege im heimischen Nutzwald. Weiter stromabwärts fliesst der Teslin etwas rascher, das macht Spaß! Naja, wir brauchen auch hier noch etwas Eingewöhnung, im flachen Wasser werden wir mit unserem Boot auf eine Kiesbank gedrückt, also steige ich aus und schiebe uns wieder an. Roli, der erfahrenste Paddler in der Runde, gibt uns wieder gute Tipps, wie wir Strömungen erkennen können und welche Gefahren an flachen Flusstellen mit starker Strömung lauern können.


    Bei Km 130 steuern wir unser nächstes Camp an, es liegt an einer Flussmündung und auch hier ist der Ausstieg eher matschig. Nach gefühlten 0,3 Milisekunden hatte ich bereits 5 Moskitostiche im Bein (ich reagiere darauf leider nicht so gut) und zum ersten Mal kommt Anti-Brumm zum Einsatz (wirklich gut das Zeug! Nur die Klamotten sind etwas fleckig danach). Jedenfalls sind die Quälgeister hier ziemlich nervig, kameradschaftlich wie ich nun mal bin, locke ich die Blutsauger alle nach mir, damit meine Fellows ihre Ruhe haben. Micha L. kocht den obligatorischen Schwarzen Tee und wir bauen das Lager auf. Wir nutzen Moskitonetze bzw. Innenzelte und spannen Tarps darüber, so sind wir bei längeren Schlechtwetterphasen etwas flexibler, können z.B. die Ausrüstung im Trockenen sortieren. Wir kochen gemeinsam Nudeln mit Tomatensauce, die Moskitos machen mich wahnsinnig! Mittlerweile schwellen meine Hände an, aber ich will nicht meckern, ich finds geil hier. Der Platz liegt 2-3 m über dem Wasserspiegel und das Camp ist riesig. Gegenüber gräbt sich der Teslin in den Hang, immer wieder rutschen Steine und Geröll ins Wasser, ein Geräusch was uns noch oft begleiten wird.



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    Fortsetzung folgt...

  • Donnerstag, 01.08.2013
    Hu! Was eine Nacht! Uns überkam ein Gewitter vom Feinsten, der Donner war sehr nah und man konnte fast im Zelt lesen so häufig blitzte es. Ich höre nachts Gestampfe und Gescharre im Lager und mir wird mulmig, vielleicht habe ich es mir nur eingebildet. Aber meine Freunde bestätigen meine Wahrnehmungen. Wer weiss was es war, wir finden ein paar Spuren und aufgescharrte Erde, können aber kein Tier dazu identifizieren. Geschlafen habe ich jedenfalls nicht viel, okay, wir sind nunmal nicht auf einem Campingplatz in der Voreifel sondern im Yukon Territory.


    Der Morgen ist neblig und überall flitzen geschäftige Eichhörnchen umher, die uns neugierig beim Frühstück betrachten. Zwischendurch kommt ein vorwitziger Meisenhäher (Gray Jay) und stibitzt Brotkrümel. Der Abbau geht langsam vonstatten, wir trinken einen Schwarztee nach dem Anderen. MichaBB versucht sein Angelglück, alsbald beisst eine kleine arktische Äsche (Grayling), aber zum Sattwerden war sie nix, also wurde sie behutsam wieder zurückgesetzt. Hier oben im Yukonsystem ist im Übrigen das Angeln nur ohne Widerhaken erlaubt! Ein Saibling schwimmt träge am Ufer entlang und lässt sich von Micha mühelos mit der Hand fangen, was für einige Erheiterung sorgt ("Ich mache das immer so!") Zur Belohnung erhält auch dieser Fisch seine Freiheit zurück und wir packen weiter zusammen.


    Es dauert nach dem Ablegen exakt 30 Sekunden bis zum ersten großen Schreckmoment der Reise... Micha und ich unterschätzen das Kehrwasser an dieser Stelle ein wenig, beziehungsweise wir fahren falsch in die Hauptströmung ein. Sofort fliesst das Boot voll bis an den Süllrand und wir sitzen im Nassen. Langsam lassen wir uns zum Steilufer weitertreiben, wo wir im losen Matsch und Geröll das Boot entladen und auskippen. Roli steht sofort parat und unterstützt uns. Zum Glück ist unsere Ausrüstung festgebunden und gab uns Auftrieb. An dieser Stelle kann man kaum stehen, ich sinke bis zum Schienbein ein und bekomme die Füße fast nicht mehr aus dem Geröll heraus. Nach dem Wiederbeladen steigen wir ein und paddeln weiter, alles ist nass und dreckig, aber das Wetter spielt wieder mit und wir können bei Sonnenschein unsere Tour fortsetzen. Hier wird der Teslin etwas langweilig, ja bisweilen öde. Wir paddeln kilometerweit geradeaus, längst steile Ufer ohne Anlegemöglichkeit und zwischendurch ärgert uns wieder der Gegenwind.


    An einem kleinen Camp pausieren wir, die Sachen die wir tragen sind soweit wieder trocken. MichaBB stellt fest, dass der Packsack von seinem Daunenschlafsack nicht dicht ist, der ganze Schlafsack ist nass, mir schwant bereits Übles... Nach 42 Flusskilometern wollen wir lagern, aber das Camp ist bereits belegt, wir fahren 3 Kilometer weiter. Zwischendurch hätte es uns fast wieder das Kanu verrissen, aber man lernt ja dazu. Wir stoppen an der Kiesbank eines einmündenden Flusses, hier ist unser Lager. Da die Strömung des kleinen Indian River ziemlich stark ist und wir nicht so weit von unten hochlaufen wollen, queren wir den Fluss zu Fuß und ziehen die Boote an einer Leine herüber. Ein Weisskopfseeadler schaut uns gelangweilt bei unserem Treiben zu. Im Camp wurden unsere Befürchtungen dann wahr: Nicht alles wo "waterproof" draufsteht ist auch wirklich wasserdicht und ein Großteil von Michas und meinen Klamotten sind nass. Meine Wechselklamotten blieben zum Glück trocken, aber Isomatte, Mückenzelt, Schlafsack und ein paar andere Dinge waren pudelnass. Mich regen wieder mal die Moskitos auf und Roli wird zu allem Überfluss bei der Holzsuche von einer Wespe gestochen. Zum Glück hat er nicht auf den Stich allergisch reagiert, aber vor Schreck hatte er sein Taschenmesser verloren.


    Ich steige in eine neue Garnitur und trockne meine Stiefel am Feuer, Micha L. versorgt mich mit Tee, meine Stimmung ist heute gedrückt, aber ich beruhige mich auch wieder. Am anderen Flussufer erspähen wir eine Elchkuh mit ihrem Nachwuchs, dieser Anblick entschädigt ein wenig. Wir hängen alles zum Trocknen auf und bereiten uns auf eine kalte Nacht vor. Die Schlafsäcke sind nicht zu gebrauchen und meine Gliedmaßen gleichen einer Hügellandschaft. In all dem Heckmeck dachte ich nicht an Anti-Brumm, also verstreiche ich nun fleissig Fenistil. Nach Kochen steht mir die Lust heute nicht, ein Apfel und eine Asianudelsuppe reichen mir, meine rechte Hand sieht aus wie Hackfleisch und ich bekomme nur mit Mühe den Ehering ab bevor die Hand noch weiter anschwillt. 5 Stiche auf einer Länge von 1,5 cm im rechten Mittelfinger. Immer wieder gehe ich zum kleinen Indian River und kühle meine Hand im eiskalten Wasser. Gegenüber steht wieder die Elchmami, Micha L. fängt an zu jodeln. Scheinbar hat er ihren Geschmack getroffen, die Beiden steigen in den Fluss und schwimmen die komplette Breite zu uns herüber. Uns wird unbehaglich, man liest ja schliesslich das Elche die statistisch gefährlichsten Tiere des Yukon sind, gerade mit Nachwuchs. Aber wir interessieren die Elche überhaupt nicht, sie schauen uns gelangweilt an und stapfen dann stromabwärts und verschwinden dort im Wald. Ich leg mich hin, die Isomatte ist noch ein wenig feucht, ich ziehe mir 2 Lagen Klamotten an, der Schlafsack hängt noch auf der Leine.



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    Forsetzung folgt...

  • Freitag, 02.08.2013
    Die Nacht war ziemlich unerholsam, nur in Klamotten schlafen ist nicht das Gelbe vom Ei. Beim Waschen im Fluss schaue ich nach oben und erschrecke: 20 Meter vor mir stehen wieder Mama Elch und ihr Nachwuchs. Ich hatte sie gegen die Sonne nicht gesehen und hole die anderen herbei. Die beiden Tiere sind friedlich und beobachten uns nur. Die Sonne brennt sehr heiss vom absolut wolkenlosen Himmel, da die Klamotten noch feucht sind, beschließen wir heute hier zu bleiben und das Wetter zu nutzen um alles wieder komplett trocken zu bekommen. Ich nutze den Ruhetag zum Wäschewaschen, auch die Haare sind dran (mit langen Haaren ist das Draußentür garnicht so einfach :unschuld ). Die Faltwaschschüssel erfüllt alle Aufgaben problemlos. Zum Säubern der Matte fülle ich Wasser in die Schüssel und lasse sie einige Stunden in der Sonne stehen, das Wasser wird so angenehm warm. Ich wage ein Bad im eiskalten Indian River, aber lange halte ich es dort drin nicht aus. Der Teslin ist wärmer. Die Moskitos sind hier extrem nervig, aber muss ich das noch erwähnen? Notdurft verrichten funktioniert hier oben so: Warten bis es fast zu spät ist, Hose runter, Hintern mit Antibrumm einsprühen und schleunigst sein Geschäft verrichten. Stundenlang mit Zeitung an einem Baum hocken empfehle ich nicht. Roli hat sein Taschenmesser im Unterholz wiedergefunden und wir bekommen Besuch von ein paar Schneehühnern. Für die Zwischenmahlzeit haben wir geangelt, ich fange zwei kleine Äschen, die wir einfach über dem Feuer grillen. Am Ufer finde ich eine große Feder eines Weisskopfseeadlers und albere damit ein wenig herum, Roli baut ein Kehrwasser und unterrichtet uns heute in Strömungslehre. Den restlichen Tag verbringen wir mit dösen und essen.



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    Samstag, 03.08.2013
    Heute sind wir schnell fertig mit Sachen packen und frühstücken. Wir beladen die Boote im Indian River und lassen uns von diesem in den Teslin spülen. Heute fliessts ein wenig schneller, Rolis GPS zeigt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 9 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 13 km/h an. Wir lassen uns daher die meiste Zeit einfach treiben. Die Sonne sticht, am Himmel zeigen sich kaum Wolken, bislang haben wir ja Glück mit dem Wetter. Ich trage langärmlig, eine gute Entscheidung, ich habe keine Lust auf Sonnenbrand. Zwischendurch passieren wir endlose Waldbrandflächen, das sieht sehr trostlos aus. Ausweislich der Flusskarte erfahren wir, dass diese Brandflächen teils jahrealt sind. Hier oben erholt sich die Natur nicht so schnell, die Bäume wachsen sehr langsam ob der harten und langen Winter. An einem Camp machen wir Halt, das GPS zeigt "Kultur" an. Wir stöbern ein bisschen im Wald herum und finden eine verfallene Blockhütte und alte verrostete Maschinenteile sowie Reste einer Goldwaschanlage. Der lichte und feuchte Wald ist ein perfekter Ort für... Ihr wisst schon... Anti-Brumm. Nach etwa 35 Flusskilometern zieht ein kühler Wind auf und es zieht sich zu, wir machen Halt an einem sehr schönen Campund bauen auf. Wir werden von einem Baumstachler (Porcupine) begrüßt, der gerade dabei ist einen Baum zu erklimmen. Die Holzsuche gestaltet sich als schwierig, hier ist fast alles schon aufgelesen und abgeerntet und wir wollen keine frischen Bäume fällen. An einem Hang entdeckt Roli dann ein paar umgestürzte Bäume und wir schleppen das Holz ein paar Hundert Meter ins Lager. Micha L. tritt mit seinem Fuß in ein Dornengestrüpp, dieser beginnt ihm einige Probleme zu machen. Ich springe in den Teslin, hier hat Roli eine Wassertemperatur von 14°C gemessen, von wegen hier wirds höchstens 8°C! Der Baumstachler verschwindet auf einem kleinen Trampelpfad und ich gehe vorsichtig hinterher. Ich habe ihn leider nicht mehr in dem Gestrüpp fotografieren können, aber hier kann man ein paar Meter hochklettern und ein Stück weit die Gegend überblicken. Zum ersten Mal wird mir bewusst, wie eingeschränkt man das Gebiet beim Paddeln wahrnimmt. Die Natur ist einfach grandios! Beim Angeln stelle ich mich äußerst ungeschickt an, ich bin mehr am Schnur entknoten wie alles andere, dann beisst ein Winzling von Äsche den ich wieder einsetze. Kurz drauf beisst doch noch mein Abendessen an, was alsbald in Alufolie eingewickelt auf dem Grillrost liegt. Am späten Abend hören wir Geräusche. Micha L. hat diese schonmal auf einer anderen Reise gehört und ist sich sicher, dass es sich um Schwarzbären mit Nachwuchs handelt. Wir haben etwas Krach gemacht und kurz darauf hörten wir auch nichts mehr.



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    Fortsetzung folgt...

  • Deine Reiseberichte in Tagebuchform gefallen mir so gut, ich ertappe mich dabei, wie ich ich häufig nachsehe, ob es wieder eine Fortsetzung gibt. Du schreibst so "live", und auch nicht geschönt, sehr nachvollziehbar.
    Die Bilder sind natürlich auch erste Sahne!


    Hoffentlich hast du noch viel Stoff auf Lager. Das macht echt Laune!


    LG Parzival :bcplove

  • Danke Andreas :)


    Sonntag, 04.08.2013
    Die Nacht war verregnet, aber dafür bärfrei, hey, Tags Sonne, Nachts Regen, so kann es bleiben. Zum Frühstück gibts wieder Speck und Eier, ich bin ehrlich: Ich kanns nicht mehr sehen, aber die Eier sind zum Glück bald aufgebraucht hehe. Der Himmel ist heute bewölkt und ich bin fasziniert von den Wolkenformationen. Ich weiss nicht wie ich es beschreiben soll, aber irgendwie ist der Himmel hier oben in Kanada "weiter" als bei uns. Ich könnte den ganzen Tag dem Wolkenflirren zuschauen, hier und da entdecke ich Bärentatzen im Himmel, ich gerate ins Träumen. Zum Glück fliesst der Teslin zur Zeit recht rasch, wir hängen unsere Kanus aneinander und lassen uns treiben. Ich bekomme ein "Tom Sawyer und Huckleberry Finn-Gefühl" und stelle mir vor, wie wir mit Maispfeife und Banjo im Kanu sitzen. An einer geeigneten Stelle machen wir noch einmal "Kehrwassertraining", sicher ist sicher.


    Stellenweise haben wir es wieder mit einer eintönigen Flusslandschaft zu tun, ja es kommt fast so etwas wie Langeweile auf. Doch mich fasziniert die Stille hier, man hört nur den sanften Wind, das lockere Fließen des Flusses und hin und wieder den gellenden Schrei des Weisskopfseeadlers oder ein dumpfes "Korrr" des Yukon'schen Nationalvogels: Dem großen Kolkraben. Wir halten bei den "seventeen miles cabins" (Karte) und besichtigen ein paar zerfallene Blockhütten. Hier sehen wir auch endlich die ersten Bären... es handelt sich allerdings um Johannis- und Himbeeren. Wir mutmaßen über das Alter der Hütten, sie sehen älter aus als sie tatsächlich sind. Anhand der verwendeten Öfen, des verwendeten Maschendrahts usw. schätzen wir das Alter der Hütten auf höchstens 40 bis maximal 50 Jahre ein. Die Winter hier sind hart und dauern lange und nagen hart am Baumaterial.


    Unser nächstes Camp steuern wir nach insgesamt 49 Tageskilometern auf der Nordspitze einer Flussinsel an. Dieses Camp ist klasse, die Aussicht auf den Fluss ist grandios und wir haben genug Platz. Irgendjemand hat kurz vorher zahlreiche Baumstämme kleingesägt, so dass ich als Klappstuhlloser Mitreisender genügend gemütliche Sitzmöglichkeiten hatte (Die Fässer sind nicht sehr bequem). Es wird wohl - so ist es zumindest geplant - das letzte Camp auf dem Teslin River sein, denn morgen wollen wir den Yukon erreichen. Micha L. hat starke Schmerzen im Fuß, scheinbar war der gestrige Tritt in die Dornbüsche doch nicht so harmlos wie zunächst angenommen. Wir können keinen Splitter im Fuß finden und sind etwas ratlos. Ich versuche mit einem Betaisodona-Verband zu helfen, Micha nimmt wegen der starken Entzündungen Antibiotika. Wir kochen gemeinsam unser Standardgetränk (heißer schwarzer Tee) und ich grüble über das heutige Menü nach. Bei mir gab es Monty Python-Gedächtnisessen: "Spameintopf" (Spam, Kartoffeln, Zwiebeln, Brühwürfel) und "Spamburger" (Bagel mit Spam und Zwiebeln). MichaBB macht Experimente mit Cheddar-Käse und Micha L. ist mit der Qualität nordamerikanischer Nahrungsmittel gänzlich unzufrieden ("Diese grünen Bohnen sind eine Beleidigung"). Ich singe in Gedanken ein Loblied auf G-1000, ich bin heute nachmittag fast stichfrei. Das steile Ufer wurde durch Rolis Ingenieurkunst anschließend noch begehbar gemacht.


    Der Himmel zieht sich zu und und schimmert in vielen Farben, ich bin von diesem Licht- und Schattenspiel fasziniert. Ich lege mich zufrieden in meine Koje mit Ausblick und bleibe noch lange wach um meiner Frau einen Brief zu schreiben. Irgendwie, ist heute der Tag gewesen, an dem mein langjähriges Fernweh große Heilung erfuhr. Es mag verklärt und romantisch klingen, aber beim Gedanken an die letzten Tage und dem, was ich alles gesehen habe, kullern beim Einschlafen ein paar Freudentränen die Wange herunter. Lediglich meine Frau und meine Tochter vermisse ich, ich wünschte sie wären bei mir, dann wäre alles perfekt. Das Rauschen des Teslin ist heute mehr denn je mein Gutenachtlied.



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    P8050399 von wildhog9910 auf Flickr



    P8050411 von wildhog9910 auf Flickr


    Fortsetzung folgt...

  • Hi,
    auch ich hab viele Bilder gemacht und einige hier hinterlegt. Manche in küstlerischer Freiheit etwas verändert, einige kommen noch hinzu. Sind bei weitem nicht alle. Aber es braucht noch etwas Zeit.
    http://www.flickr.com/photos/1…4/sets/72157635200603812/


    @ Huntwriter,
    wir haben einfache Spinner im Canadian Tire gekauft. Das was es da im Angebot gab.



    Zweite Bild zeigt einen wichtigen Hinweis an einem Haus in Dawson! :lol

  • Eigentlich wollte ich mich davor hüten, diesen wunderschönen Beitrag durch Beifallsbekundungen, die über das Drücken des "Bedanken"-Buttons hinaus gehen, zu zerlabern. Ich kann aber nicht anders und möchte zum Ausdruck bringen, dass ich mich jeden Tage "wie Bolle" freue, wenn es eine Fortsetzung gibt.


    Michabbb :


    Deine mittels Bildbearbeitung bearbeiteten Bilder auf Flickr sind der Oberhammer! :daumen


    Bitte, bitte zeige uns mehr von diesen Werken!

    "Das Leben leicht tragen und tief genießen ist ja doch die Summe aller Weisheit." Wilhelm Humboldt, 1767-1835

    Edited once, last by smeagol ().

  • Wow, Michael, Deine Bilder sind echt der Hammer geworden!


    Montag, 05.08.2013
    Die Nacht war richtig angenehm, ich bin lediglich einmal wach geworden: Ich hatte den Beutel vom Tarp oben überm Mückenzelt an die Schnur gehängt, einfach damit er aus dem Weg war. Doch in der Nacht hüpfte der Beutel aufgeregt hin und her. Ich öffnete den Reissverschluss des Mückenzelts und drehte den Beutel vorsichtig um, plötzlich plumpste eine dicke Maus heraus und suchte rasch das Weite, ich musste grinsen: Wir haben nun also mittlerweile Fische von Hand gefangen, Elche herbeigejodelt und Mäuse mit Nylonbeuteln geschnappt.


    Der Morgen war sonnig und schön, ich kann keinen Speck und keine Eier mehr sehen, also misch ich mir Haferflocken mit Datteln, Banane und Milchpulver. Dieses Camp gefällt mir bislang am Besten und ich bin ein wenig wehmütig das wir "schon" den Teslin verlassen, aber umso mehr freue ich mich auf den Yukon. Das Lager ist schnell abgebaut und das Gepäck rasch verstaut, wir setzen unsere Reise gemütlich und ohne Eile fort. Die Wolken malen wieder fantastische Muster an den Himmel und wir lassen uns die meiste Zeit treiben.


    Nach einer Weile erreichen wir Hootalinqua und werden vom frischen Türkis des Yukon begrüßt. Selbstverständlich machten wir Halt an Shipyard Islandund besichtigten die Evelyn/Norcom. Hier stand zu meiner Überraschung sogar ein Plumpsklo, damit hatte ich nun nicht gerechnet. Das Wrack der Norcom lässt - mehr noch als die SS Klondike in Whistehorse - etwas von der Goldrauschvergangenheit am Yukon erahnen. Mich fasziniert es, dass diese dicken Pötte in dem teils sehr flachen Wasser zurechtkamen.


    Die Weiterreise stand wieder unter einem ganz besonderen Stern: Der Sonne. Sie brannte wirklich erbarmungslos vom Himmel und mir rinnt der Schweiss unter der Schwimmweste. Der Yukon fliesst hier etwas schneller als der Teslin-River und wir kommen ohne viel Mühe gut voran, zwischendurch werden wir argwöhnisch von einem fast schwarzen Elchbullen beäugt. Wir sehen wieder große Waldbrandlücken in den Wäldern, die Natur erholt sich hier oben nur langsam. Micha L. ist ein wenig mürrisch, er wünscht sich mehr Action, kein Wunder: Er ist die schnellen und kleinen Schweizer Flüsse gewohnt, dort kommen Kanufahrer definitiv mehr auf ihre Kosten als auf dem großen breiten und im Vergleich trägen Yukon. Ich kann hingegen die Augen nicht von dieser Landschaft lassen, sie fasziniert mich von Tag zu Tag mehr. Ich finde es schade, dass man das Ausmaß und die Größe dieser Wildnis vom Fluss aus nicht so recht sieht, man muss schon einen Berg erklimmen oder mit dem Flugzeug fliegen um eine Ahnung von der Weite dieses Gebiets zu bekommen.


    Der Yukon beschreibt viele große Bögen, die Abbruchkanten und Steilhänge sind häufiger als am Teslin und auch hier begleiten uns die Schreie von Adler und Rabe. Das von uns anvisierte Camp war leider schon besetzt, auf dem Yukon ist etwas mehr Verkehr als auf dem Teslin, man ist auch hier weit weg von allem nie ganz allein. Also paddeln wir 13 km weiter und erreichen nach insgesamt 64 Flusskilometern die Mündung des Big Salmon River wo wir im "Big Salmon Village" Quartier beziehen wollen. Das Wasser am Ufer ist flach und steht, es ist brühwarm, ein wahres Moskitoparadies. Nach der Ausstiegstelle stoßen wir auf ein großes Wespennest.


    Nach dem Entladen schauen wir uns die Umgebung an. Es handelt sich um ein verlassenes Handelsfort, einige Hütten stehen noch, andere sind zerfallen. Hier ist auch das wohl häufigste Fotomotiv von Yukonreisenden zu finden: Der Schnapsschrank mit den leeren Whiskyflaschen. Unsere Buddeln sind noch nicht leer, also können wir dazu keinen Beitrag leisten. Weiter oben befindet sich tatsächlich noch eine recht neue Hütte aus Spanplatten, keine Ahnung wer die da hingebaut hat. Aber ich weiss zu diesem Zeitpunkt noch nicht dass ich ganz froh über diese Hütte sein werde.


    Zwischen unseren Beinen laufen zahlreiche Erdhörnchen herum, sie sind sehr neugierig und findige Paddler haben hier jüngst ihre Erdhöhlen mit Holzpflöcken markiert, damit man in dem hohen Gras nicht unversehens hineintritt. Auch bietet sich von hier ein vortreffliches Bild auf den von Süden kommenden Yukon und die Landschaft, leider sind die Moskitos hier dermaßen blutrünstig, aggressiv und lästig, wie ich es vorher und hinterher nie mehr erlebt habe. Wir stellen das große Tarp auf, denn es ziehen dunkle Wolken auf, alsbald fängt es auch an zu regnen. Die Moskitos verschwinden, man kann in Ruhe essen. (Ich habe heute nur noch Elan für eine Nudelsuppe...) Michaels Fuß wird leider immer schlimmer, er kann kaum noch auftreten, wir hoffen dass es sich bald bessert und wissen nicht, wie wir ihm helfen können. Dennoch lässt er sich seine Laune nicht komplett verhageln und hält tapfer durch.


    Der Himmel bietet ein großes Theater: Wolken, Regen, Regenschleier und Sonne wechseln sich ab, wir sehen einen Regenbogen. Kurz drauf, nässt es sich jedoch so richtig ein, die Moskitos haben sich unters Tarp gerettet. Ich trage Mütze, Bufftuch und Kapuze, habe mich komplett mit Antibrumm eingenebelt, und trotzdem stechen mich die Viecher noch ins Gesicht. Meine Laune ist im Keller. Genervt packe ich meine Sachen und ziehe oben in die Bretterbude. Dort spanne ich mein Moskitonetz auf und lege mich ab. Die beiden Michaels hatten ihre selbststehenden Innenzelte aufgestellt und die Tarps darüber gespannt, Roli verkrümelte sich mit Isomatte und Mückenzelt unter die Bank beim Gruppentarp. Nachdem ich mein Gesicht und meine Hände mit Fenistil versorgt habe, lasse ich mir vom Regen eine Einschlafmelodie vorspielen. Ich bin ein bisschen sauer auf mich selbst, dass ich so gereizt war.



    P8050432 von wildhog9910 auf Flickr



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    Fortsetzung... na ihr wisst schon... folgt...