Messerbauprojekt 2013

  • Auf dem Forentreffen in Attendorn haben Benbushcraft, Mogen und ich überlegt, dass wir einmal gemeinsam ein Messer designen möchten und es möglichst alle drei zusammen auch bauen wollen. Das wird natürlich in der Praxis sehr schwer werden, zu dritt gemeinsame Termine zu finden. So habe ich denn gestern spontan damit begonnen, mir bereits vorab eins zu machen; das erste richtig selbst gemachte Messer nach zwei Jahren Pause.
    Als Vorlage habe ich die Computerzeichnung genommen, die mir Benbushcraft per PN geschickt hat.



    Ausgehend von dieser Zeichnung, es handelt sich um die Kontur eines Mora Messers, habe ich den Griff so gelassen, aber die Klinge nach meinen Vorstellungen verändert.
    Ich will auf jeden Fall eine tiefer gezogene Klingenspitze.
    Das Messer wird ein Full-Tang-Messer aus 3,2 mm starkem (dünnen?) Federstahl (schwarz lackiert,unten im Bild), den ich noch bei mir rumliegen hatte und mit dem ich vor ein paar Tagen zuerst einen Härteversuch erfolgreich unternommen habe!


    Das passend abgeflexte Stück habe ich im Garten per Grillfeuer weichgeglüht.



    Darauf habe ich die Kontur der nach meinem Geschmack veränderten Vorlage von Ben abgezeichnet.



    Im Schraubstock eingespannt, wird soweit es geht, Material mit der 1 mm Flexscheibe weggenommen.




    Am Bandschleifer geht es weiter:



    Ein bisschen wird auch mit der Feile erledigt.




    Wenn ich Zeit und Lust habe, arbeite ich weiter daran und zeige es auch hier wieder!



    LG Parzival :bcplove

  • Hey Parzival, tolles Projekt!
    In der Vorlage hat das Messer einen Scandi, bekommt es den auch (oder liegt das nur am Mora)? Bisher hast Du doch Flachschliffe bevorzugt, oder täusche ich mich (zumindest die Schleifkerbe sieht ja nach Flachschliff aus)? Die ursprüngliche Klingenform erinnert etwas an Helle (Eggen oder Temagami). Warum genau möchtest Du die tiefer gezogene Spitze? Ich finde es auch ästhetischer und halte es auch für etwas stabiler (außer vielleicht beim Scandi), aber evtl. hast Du ja auch ganz praktische Gründe.
    Viel Spaß und Erfolg weiterhin!

  • Hallo Hagbard,


    was den Anschliff angeht, bin ich mir noch nicht so sicher, ich wollte eigentlich mal nen Scandi probieren. Hab ich erst einmal gemacht, bei einem Schnitzmesser.
    Die tiefer gezogene Spitze bekommt auf dem Klingenrücken auch noch eine "Fehlschneide", d.h. Schneidenwinkel hergestellt, aber ohne geschärft zu sein. Dadurch kann ich z.B. perfekt kleine Ästchen für Anmachholz "knacken", indem ich leicht einsteche und dann das Messer wie einen Schlüssel drehe. Das Hölzchen platzt dann einfach auseinander.
    Mein Lieblingsmesser, mein "Tom Brown Scout" Nachbau hat so eine Spitze:



    LG Parzival :bcplove

  • Ich dachte immer man müsse, um ein "anständiges" Messer zu bekommen, Stahl falten und richtig krass bearbeiten. Wusste garnicht, dass es so "einfach" ist. Vielleicht sollte ich mal eingehender mit dem Thema beschäftigen.


    Die Bilder finde ich gut. Recht eindrucksvoll. Bin auf das Ergebnis gespannt.

    LG Rainer

    Das Beste Messer der Welt, ist das Messer, dass man dabei hat, wenn man eins braucht!

  • Guten Tag. ein schönes Projekt!


    Ich und mein Kumpel bauen auch Messer, und verkaufen die (mit mässigem Erfolg (; ) auf einem kleinen Webshop. es geht nicht ums Geldverdienen, sondern ist ein Hobby. aus meiner (bescheidenen) Erfahrung:


    -Scandi ist einfach, und sehr gut. Ich habe Bandschleifer und Flex, mache den Schliff aber mit einer Feile und glätte ihn dann mit immer feineren Schleifpapieren.


    -meistens nehmen wir alte Kreissägeblätter. meine Messer sind wesentlich dünner als die meisten Messer, die man so kaufen kann.. etwa 2.5mm. Das ist, weil die Sägeblätter halt so sind.. hat sich aber super bewährt. dadurch sind die Messer sehr Schnittig und Hacken tief ins Holz. als Hebel natürlich eher ungeeignet, aber Anfeuerholz spalten spreizen geht natürlich locker. Batoning auch super..


    -alte Hobelklingen sind auch eine tolle Grundlage für ein gutes Messer.


    -das Härten kann man super einfach in einem Hobokocher machen, mit Grillholzkohle. am besten mit einem 1m langen (alu) rohr, zum sanft pusten. damit kann man gezielt die Temperatur um die Klinge rum erhöhen.


    viel erfolg beim Messerbau und einen schönen tag! ich muss jetzt leider arbeiten gehen.. würde aber lieber Messer bauen.


    p.s.
    hier hats fotos: http://www.eisenfreund.ch (;
    ..hoffe das ist keine ungebührliche werbung..

  • Ich dachte immer man müsse, um ein "anständiges" Messer zu bekommen, Stahl falten und richtig krass bearbeiten. Wusste garnicht, dass es so "einfach" ist.


    Und das ist der Grund, warum ich mir die Arbeit des Dokumentierens mache. Als Anregung und Mutmacher. Ich bin kein gelernter Metaller und habe lediglich einen durchschnittlichen Heimwerkerkeller mit den üblichen Universalmaschinen: Handbohrmaschine, Bandschleifer, Flex, Bohrständer und Schraubstock.
    Eigentlich kann das wirklich jeder, der keine zwei linke Hände hat.


    Heute habe ich wieder ein bisschen weitergemacht und zeige euch das kurz:



    Als Griffschalen werde ich 5,5mm dünnes Ulmenholz (Rüster) nehmen. Das wird ein sehr schmaler Griff, der in der Lederscheide am Bein oder Hüfte wenig stört.
    Ich mag das sehr an meinem "neuen" RAT 3 Messer, was ich von Zausel habe. Das ist auch so schmal.
    Zur Befestigung der Griffschalen werde ich wieder zwei Stifte von meiner 4mm Messingstange abschneiden, die die Griffschalen gegen seitliche Scherkräfte stabilisieren. Den Haupthalt bekommt das Griffholz aber vom Zwei-Komponentenkleber.
    Hierfür habe ich die beiden 4mm Löcher gebohrt. Das 6mm Loch ist für die Fangriemenöse.



    Dann habe ich den Griff mit ca.30 Löchern in 6mm skelletiert, was aber "nur" 25 g Gewichtsersparnis gebracht hat.
    Von diesen Löchern sieht man natürlich später nichts mehr, da sie unter den Griffschalen verschwinden werden.




    Für die weiteren Arbeiten am Schraubstock habe ich mir eine Hilfshalterung gebaut; aus einem Stück Vierkantrohr, was ich mal gefunden habe.
    Simpel, praktisch, sicher und stabil!


    Mal schauen, wann´s weiter geht.


    LG Parzival :bcplove

  • Hey Parzival ! Sieht soweit ja schon echt gut aus, und gut dokumentiert ist es auch.
    Da bekomme ich auch gleich wider lust auf Messerbasteln, aber bei der Hitze im Moment die Schmiede anfeuern ist ja nicht so dolle, da warte ich lieber noch bis zum Herbst.
    Ich bin gespannt wie du den schliff der Klinge machst. Ich schwanke da auch immer zwischen Flex , Billigbandschleifer und Feile. Am besten zurechtkommen tue ich mit der Flex, aber das ist halt alles nichts genaues und erfordert schon ein gewisses Fingerspitzengefühl.

  • eigentlich müsste eine Kombination aus Flex und Feile gute, einigermassen schnelle Ergebnise liefern, in der Theorie. richtig geklappt hats aber bis jetzt noch nicht.. meist feile ich halt mit Musik und Ausdauer..


    das grösste Problem mit der Flex ist für mich, dass der eine Anschliff quasi "gegen die Hand" geht und darum meist einen fürchterlich anderen Winkel wie der andere erhält..
    und mit dem Bandschleifer fällt es mir auch sehr schwer, einen Winkel freihand einzuhalten.. eine entspechende Vorrichtung hab ich (noch) nicht gebastelt. der Bandschleifer hat aber auch sonst einige Schwächen bei Recurveklingen u.Ä.

  • Heute habe ich mich nach Feierabend in den kühlen Bastelkeller verzogen und den Messerrohling zum Härten fertig gemacht.
    Ich habe mich dann für meinen (bewährten) Flachschliff entschieden. Er passt auch besser zur (Droppoint-) Klingenform.


    Das war die Schneidenseite vor der Bearbeitung:



    Damit der Materialabtrag (einigermaßen) symmetrisch wird, reiße ich immer grob die Schneidenmitte an. Das mache ich mit den spitzen Lehrzangen der Schieblehre:
    Dicke messen, auf ca. halbe Stärke einstellen und Schieblehre feststellen. Dann vorsichtig, aber bestimmt die zukünftige Schneide längs entlangfahren und die Mittenmarkierung dann noch mit dünnem Edding sichtbar machen. Dient als Anhaltspunkt, wenn man die Flanken abträgt.




    Leider hatte ich niemanden, der mich beim Schleifen mit der Flex fotografieren konnte, deswegen dieses bescheidene Selbstfoto:



    Es soll zeigen, dass ich mit der 40er Schleifpapierscheibe auf der kleinen Flex den Flachschliff forme. Dazu ist eine ruhige Hand und auch etwas Übung erforderlich.
    Mir fällt aber diese Methode am leichtesten. Zwischendurch immer mal das Werkstück abkühlen.


    - Zwischenschritte: -


    Den Klingenrücken habe ich im Bereich zur Spitze hin auch verjüngt. Nach einiger Hin-und Herschleiferei kam dabei eine "Spearpoint"-Form anstelle einer "Droppoint"-Klinge heraus. Man neigt schnell dazu, etwas zuviel Material abzutragen, was man dann wieder korrigiert usw. Da ist Geduld und Ruhe sehr wichtig.



    - Fast fertig zum Härten: -



    -Nur noch schnell die Kerbe als Ansatz zum Schärfen reingefeilt:




    Das wird ein Messer mit einem großem Griff! Da ist es für mich wichtig, dass ich sehr flache Griffschalen mache.


    Evtl. kann ich am Wochenende härten.


    LG Parzival :bcplove

  • Kohlenstoff wegglühen?


    ich denke mal, die Klinge wude da einfach angelassen. Bei späterem Härtevorgang kein Problem. Wenn man den Kohlenstoff wegglühen könnte, wären geschmiedete Klingen ja undenkbar. Aufkohlen ist hingegen theoretisch möglich, im Kohlefeuer.

  • Kohlenstoff wegglühen?


    ich denke mal, die Klinge wude da einfach angelassen. Bei späterem Härtevorgang kein Problem. Wenn man den Kohlenstoff wegglühen könnte, wären geschmiedete Klingen ja undenkbar. Aufkohlen ist hingegen theoretisch möglich, im Kohlefeuer.


    Beim gleichmäßigen Schmieden erfolgt die Wärmeeingebung über das gesamte Material, nicht partiell. Zumal der Stahl fertig vorlag und das Messer in abtragender Weise hergestellt wird. Dadurch kann im Bereich der Verfärbung eine andere Konsistenz vorliegen, weniger Kohlenstoff vorhanden sein und deshalb gerade in diesem heiklen Schneidenbereich nach dem Härten wesentlich weicher als der Klingenrrücken sein. Wie gesagt kann, muss nicht. Da aber kann, sein kann, versucht man sowas zu vermeiden, um eine homogene Struktur beizubehalten. Deshalb mehr kühlen und es sich gar nicht erst verfärben lassen.

  • @ jackknife und Lortnoc, danke für die interessanten Gedanken.
    Schaun wir mal:
    Die Farben sind ja gut zu erkennen. Oben ca. 240°C, bis unten ca.300°C. Also das sieht wohl "dramatischer" aus, als es ist. War auch nur sehr oberflächlich und beim nächsten Schleifstrich sofort weg!
    Ich kenne das Phänomen mit dem Entkohlen auch, aber vom Härten. Wenn ich die Klinge zu lange im Feuer bei ca. 800°C drin lasse, dann wird die Oberfläche "blasig" und dieses Material bleibt auch nach dem Abschrecken im Öl weich.( Kann man aber wegschleifen.)


    Also, Albbär, die Flex kannst du ruhig nehmen.




    LG Parzival :bcplove

  • Wenn das Messer , beim schleifen mal blau oder lila anläuft ist man noch ganz weit vom "wegglühen" :confused von Kohlenstoff entfernt. Dazu müsste man die Klinge schon so sehr erhitzen das sie anfängt an der Oberfläche zu verbrennen. Kohlenstoff kann man auch nicht "wegglühen", er verbrennt halt einfach und es bildet sich Schlacke.Das merkt man besonders gut wenn man in einem Schmiedefeuer mit zuviel zugeführter Luft und Hitze arbeitet.
    Ein Problem könnte allerdings dadurch entstehen, dass sich durch die ungleichmäßige Erwärmung Spannungen im Gefüge bilden. Dieses kann wiederum dazu führen dass, sich beim härten risse in der Klinge bilden. Bei sehr empfindlichen Stählen auch schon während des schleifens.
    Dem kann man sehr leicht entgegenwirken indem man die Klinge vor dem härten Normalglüht ( Normalisiert) . http://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BChen
    Dazu wird das Messer langsam auf etwas über 800 C erhitzt und anschließend an der Luft langsam abgekühlt. Dies kann man auch mehrere male wiederholen. Bei "einfach" aus dem Material geschliffenen Messern muss man das nicht unbedingt machen,es kann auch so gut gehen, es ist aber auf jeden Fall zu empfehlen. Bei geschmiedeten Klingen ist das Normalisieren ein absolutes MUSS, weil das Gefüge dort logischer Weise sehr stark gequetscht und gedehnt wird.


    PS : Bei einem Federstahl ?? ( Ich tippe auf 55Si7 oder C60, dass sind wohl die gängigsten) , kann man mit der Temperatur auch höher gehen als 800 C ,da der Kohlenstoffgehalt für einen Werkzeugstahl noch recht niedrig ist , und der Stahl aufgrund dessen nicht SO schnell verbrennt.

  • Hallo,
    mag sein dass das alles dramatischer ausschaut, ich vermeide es trotzdem.Und wenn es MIR nur ein besseres Gefühl gibt. Ich weiss wohl dass die Temperaturen beim Schmieden, besonders bei Damast, wesentlich höher sind. Aber es iss meine Macke, dass ich solche Farben beim Schleiffen nicht will. Die Macke will und werd ich behalten. (Hab einmal eine Klinge verhunzt, aber am Schleifbock....läuft noch unter Jugend forscht)
    Wie auch immer, an ein fertiges Messer kommt mir kein Schleifband, Schleifbock oder sonstwas in der Art. Mag ja sein dass man vor dem Härten noch ne Schicht wegnehmen kann...aber danach will ich das nicht mehr.


    Gruss von der Alb

  • Gestern Abend habe ich die Klinge gehärtet und angelassen.
    Ich war dabei alleine und habe deswegen keine Fotos gemacht; es ist zuviel Öl und Dreck im Spiel, da ist mir die Kamera zu schade.
    Außerdem habe ich hier im Forum bereits exakt den selben Prozess gut dokumentiert. Hier in diesem Thread:


    - Das Härten von Messerklingen im Heimwerkerstil -


    Dabei ist mir folgendes Malheur passiert: Ich habe die glühende Klinge in meinen 5 l Blecheimer mit Öl getaucht und die Klingenspitze beim ersten Eintauchen versehentlich auf den Eimerboden gerammt. Dabei ist sie umgebogen, da in diesem ersten Eintauchmoment das Gefüge noch weich war. Ich wollte die verbogene Klingenspitze dann geradebiegen, da ich erschrocken war und erst dachte, die Härterei hätte nicht funktioniert. Fehlanzeige, sie ist unter der Zange sofort abgebrochen. Die Klinge war so hart, dass sie auch brav ihr Marmeladenglas eingeritzt hat!
    So sah dann die gehärtete und angelassene Klinge ohne Spitze aus:



    Deswegen habe ich, entgegen meiner sonstigen Vorgehensweise, die Klinge direkt geschärft, wobei ich vorsichtig eine neue Spitze hereingeschliffen habe:



    Jetzt wollte ich auch wissen, was dieser Federstahl taugt und habe ein paar knüppelharte Abschnitte von einer Arbeitsplatte aus massivem Buchenholz hergenommen und sie böse mit dem Messer malträtiert. Ich habe mich dabei richtig in Rage gesteigert, wie man in diesem Youtube-Filmchen sieht:


    N6wEc99LAs0


    Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Die Schnitthaltigkeit schein ok zu sein, wie der Papiertest zeigt.


    Jetzt gehts weiter mit der Entfernung der restlichen Zunderschicht und dann kommen die Griffschalen dran.
    Das zeige ich dann wieder hier.


    LG Parzival :bcplove