[Materialberatung] MYOG Wendejacke

  • Hallo an die Nähfreaks im Forum (ich zähle mich da mal dazu)!


    Ich möchte mir eine Wende-Schlupfjacke nähen. Genaue Masse und Feutures sind für meine Frage hier egal.
    Wendejacke deshalb, weil ich sie zum einen als Allwetter-Wander-Outdoor-Jacke verwenden will, daher wird die eine Seite definitiv aus 3-Lagen-GoreTex gefertigt.
    Das ist quasi die Standardaußenseite beim Tragen der Jacke.
    Da diese Seite jedoch sehr empfindlich auf Funkenflug reagiert, soll das Futter aus einem Funken unempfindlichen Material bestehen, d.h. Abends am Feuer / Hobo drehe ich die Jacke einfach um. Taschen, Kapuze, etc. sind natürlich beidseitig verwendbar.


    Da bietet sich als Futter sicher am besten ein leichter Baumwollstoff an?
    Ich meine natürlich hier kein EtaProof/Ventile oder so!
    Da Baumwolle jedoch die Eigenart hat, Feuchtigkeit aufzunehmen und eben nicht schnell nach außen abzugeben, würde dadurch natürlich die Atmungsaktivität der Gore-Seite wohl deutlich eingeschränkt?
    Habe mal so ein "Funktionsjersey ins Auge gefasst, nicht billig, aber dafür vielleicht gut verwendbar?
    http://www.funfabric.com/halli.php?011500_11024
    Alles andere hat ja mehr oder weniger viel Polyester/Polyamid im Gewebe und ist entsprechend wieder Funken anfällig.


    Hat jemand von Euch schon mal was ähnliches gemacht, drüber nachgedacht und kann mir da Tips für einen passenden Futterstoff geben?


    Abgesehen davon fällt mir grade ein:
    Funktioniert die Durchlässigkeit bei GoreTex eigentlich egal wierum man den Stoff trägt (beim Umdrehen der Wendejacke trägt man den Stoff ja quasi "falschrum")?
    Hab ich noch nicht drüber nachgedacht oder probiert (könnte ich aber mit meinem Bivi testen).

    Top Ausrüstung folgt nur EINEM Kriterium: "reduced to the max"

  • Die Idee ist sehr interessant, aber wie du selber schon bemerkt hast, bringt die Verwendung von "falsch herum" getragenen Membranstoffen gewisse Probleme mit sich. Ausprobiert habe ich so was noch nicht, aber ich würde spontan behaupten dass die GoreTex Membran an sich nicht das Problem bei der Atmungsaktivität ist, die müsste meines Wissens nach in beide Richtungen funktionieren. Sorgen machen würde ich mir allerdings über den Oberstoff. Dieser ist ja dazu gedacht Wasser abperlen zu lassen, und kann in folge dessen kaum Feuchtigkeit aufzunehmen und vom Körper weg transportieren. Also befürchte ich dass die Atmungsaktivität, von verkehrt herum getragenem GoreTex bestenfalls bescheiden sein dürfte.


    Zur generellen Verständnis : Es gibt inzwischen viele verschiedene Arten von GoreTex und ähnlichen Stoffen aber die gängigsten sind immer aus drei Schichten zusammengesetzt. - Die erste Schicht die man am Körper trägt welche aus einem Material besteht welches Feuchtigkeit möglichst schnell aufnehmen und vom Körper weg transportieren kann.
    Die zweite Schicht ist dann die eigentliche GoreTex Membran, welche für flüssiges Wasser zu dicht ist allerdings noch offenporig genug um Dampf entweichen zu lassen.
    Die dritte Schicht also der Oberstoff, dient als Schutzschicht für die Membran. Er verhindert dass Wind durchdringt, schützt die Membran vor Schmutz oder Mechanischen Schäden und sorgt dafür dass nicht zuviel flüssiges Wasser an die Membran gelangt. Bei alten Jacken wo der Oberstoff schon abgenudelt ist merkt man oft dass sich das Material schnell mit Wasser vollsaugt. Die Jacke ist zwar noch dicht aber durch die Sättigung mit Wasser kann die darunterliegende Membran nicht mehr Atmen und die Dampfdurchlässigkeit ist dahin.


    Als Futterstoff würde ich ganz einfaches Fleece verwenden. Fleece ist zwar nicht so feuerfest wie Baumwolle aber funkenfest ist es allemal und dazu noch leicht, warm, schnelltrocknend, billig und angenehm zu tragen.
    Wenn dir Fleece noch zu empfindlich ist würde ich dir ein Polyester- Baumwoll Mischgewebe empfehlen. Ich habe viele Hosen und Hemden aus 50/50 oder 65/35 Mischung, und habe mir da noch nie ein Loch rein gebrannt, die halten schon einiges aus. Außer dem trocknen Mischgewebe viel schneller als reine Baumwolle und laufen beim waschen auch weniger ein.


    So! Ich hoffe ich konnte eine Hilfe sein! Probier das mit dem Bivaksack auf jeden Fall mal aus, und berichte wie es war, vielleicht irre ich mich ja bezüglich des Gore Stoffs.


    MfG Holger :winken

  • Danke für Deine Ausführungen !!
    Mitlerweile weiß ich, dass die Membran für sich alleine, auf jeden Fall in beide Richtungen funkktioniert. Einschränkungen der Durchlässigkeit erfolgen in der Tat haupts. durch die Sättigung des Ober- und Unterstoffes. Das ist vor allem bei Regen für den Oberstoff relevant, je mehr der voll Wasser ist, desto weniger kann von inen nach außen durch die Membran. Deswegen ist der Aussenstoff ja auch imprägniert, was natürlich mir der Zeit nachläßt. Andererseits nehmen die verwendeten Kunstfasern ohnehin fast kein Wasser in der Faser selbst auf.
    Auf meine Wendejacke bezogen heißt das: gewendet angezogen wenn ich am Feuer sitze, mich also nicht bewege und nicht schwitze, ist die Durchlässigkeit sicher etwas geringer, reicht aber in Ruhe hoffentlich immer noch aus. Im "normalen" Tagesgebrauch ziehe ich die Jacke ja "richtig rum" an.


    In einem anderen Forum wurde als feuerfeste Futteralternative Novex vorgeschlagen. Aus diesem Material werden z.B. Ausrüstungen für die Feuerwehr gefertigt. Ist halt auch "Plastik". Allerdings hatte ich mal einen Arbeitsanzug aus Nomex an (schon länger her), der war sehr angenehm zu tragen.


    Hier kann doch bestimmt jemand was zur Feuerwehrmontur beitragen ??

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  • Hallo
    Für welche Jahreszeiten hast Du die Jacke denn angedacht? Das wäre evtl schön zu wissen.
    Zu einem Innenstoff wäre vielleicht noch gut zu bedenken, das zB reine Baumwolle bei Feuchtigkeit, also Schwitzen, in der Faser aufquellt. Da bringt Goretex auch nicht viel, wenn die Innenseite "zu" ist.
    Einem Mischgewebe, wie zB mit Aramidfaser, wäre da Vorzug zu geben (Nomex ist ua Aramid). Oder, dünneren Walk, trägt sich auch angenehm auf der Haut.
    Von Fleece tät ich absehen. Erstens ist es doch recht Funkenanfällig, als Aussenschicht dann getragen bringts bei Kälte zB nicht so viel. Ich hab nen Schupfjacke die als Wendejacke mit Fleece ist, ich find es nicht wirklich angenehm.


    Schau mal anstelle Gore nach anderen Funktions bzw Membranen. Es gibt zig verschiedene Stoffe da, teils mmit Silberionen? und weiss der Geier. Lass Dir echt Zeit beim Auswählen, ausser Du bist bereits fest überzeugt.
    Zu Nomex noch was: Bei manchen Militärhandel gibt es so Nomex und andere Aramid Jäckchen für recht schmales Geld. Wenn es nur um den Stoff geht.
    Hoffe hilft Dir etwas.

  • Ja ! Nomex oder Aramid ist eine sehr gute Idee. Ich muss auf der Arbeit oft Schnittschutzhandschuhe aus dem Zeug tragen. Von der Haptik her ist es etwas natürlicher als normales Polyester und trägt sich ganz angenehm. Der größte unterschied ist dass es bei Hitze ( Je nach Stoff 300 - 500 Grad C) nicht schmilzt, sonder einfach zerfällt. Nur die Beschaffbarkeit von Nomex/Aramid ist etwas schwierig, mir würde jetzt nur Extrem Textil einfallen, und auch da ist die Auswahl nicht gerade berauschend. Die Jacken die strix-aluco meint sind sind Fliegerkombis. Die gibt es in 100 Prozent Aramid oder 50/50 Aramid/Viskose. In der tat eine Bezugsquelle die sich lohnen könnte, man sollte allerdings darauf achten dass es Originalware ist und nicht nachgemacht aus Fernost.

  • Ich würde mit G1000 gewachste Baumwolle verwenden- stabil. funkenfest..


    Bitte was??
    Erstens ist "G-1000" ein Markenzeichen von FR, 2. ist es Mischgewebe, 3. ist es nicht funkenfest. Nimms nicht persönlich, aber dein Beitrag klingt eher nach ich würde gern könnte hätte.. Theorie, als dass Du mal praktisch genäht hast. Hauptsache was geschrieben.