Schlauchkanu-/kanadier - die Alternative

  • Bedingt durch den doch eher nassen Frühling war ich mit meiner kleinen Familie dieses Wochenende erst zum dritten Mal auf dem Wasser und nehme dies zum Anlass für eine kurze Review für den Schlauchkanadier Baraka von Gumotex.


    Zuerst aber die kurze Vorgeschichte mit der Ausgangslage. Vor ca. einem Jahr kam der Wunsch von meinem Sohn (damals knapp 5 Jahre) nach einem Kanu bzw. Wassergefährt. Die Voraussetzung für ihn war das Erlernen des Schwimmens. Nach dem dies mehr oder weniger abgeschlossen war konnte man sich auf dem Markt umsehen. Ich selber bin zwar ein erfahrener Taucher und Segler/Bootsführer, also soweit mit dem Element Wasser vertraut, habe aber wenig Ahnung von Flüssen und Wildwasser etc. - siehe auch meine Anfrage nach einem Wassergefährt Anschaffung eine Kanus (noch unter Waldläufer).


    Die Anforderungen waren also leichte Transportierbarkeit – zur Not auch mal mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, stabil, soll Wanderfahrten ermöglichen, sicher sein und Platz für 3 Personen bieten.


    Ein festes Kanu wäre für mich ideal gewesen, fiel aber durch die Transportprobleme weg. Ein Faltkanadier erschien mir situativ ungeeignet, wäre aber auch eine gute Wahl gewesen. Ich denke aber die Packmasse (bedingt durch das Gestänge) sind noch mal grösser als beim Schlauchkanadier – und vor allem bewegeb die sich auch in einer anderen Preisklasse. So blieben uns nur noch die Aufblasbaren – mit all ihren Vor- aber auch Nachteilen. Die Windanfälligkeit, Trägheit aber auch dass der Paddelschlag z.B. nicht körpernah durchgeführt werden kann sind nur die offensichtlichsten Nachtteile der Schlauchkanadier. Die Vorteile liegen wie schon erwähnt bei den Packmassen, schneller Auf- und Abbau und natürlich die hohe Wasserstabilität und Robustheit.


    Die üblichen Verdächtigen von Grabner, Sevylor und eben Gumotex waren schnell gefunden. Das beste Preis-/Leistungsverhältnis hatten für uns die Boote von Gumotex, hergestellt in Tschechien – also mal nicht Fernost.


    So entschieden wir uns für das Modell Baraka. Hier mal die Daten:


    Länge 410cm
    Breite 105cm
    Gewicht 23.5kg
    Zuladen max. 350kg
    Packmasse 70 x 43 x 30cm


    Das Ganze ist grosszügig ausgestattet mit verstellbaren Sitzbänken (verklebtes Holz mit rutschfesten Auflagen), Selbstlenzung, Gepäcknetzen, Reparaturset etc., kompakt verpackt in einem 100l Rucksack. Zwei qualitativ hochstehende Stechpaddel runden das Bild ab.


    Unterdessen haben wir schon einige Flüsse und kleinere Seen in unserer Umgebung unsicher gemacht und sind so weit vollends zufrieden. Die Trägheit auf stehendem Wasser wir durch die gute Wasserstabilität etc. – gerade mit einem kleinen Kind – wieder mehr als wettgemacht. Somit stehen einer längeren Wanderfahrt – auch mit bis zu mässig schwierigem Wildwasser – nichts mehr im Wege. Ausser der Trägheit von mir selber.


    (Fotos von verschiedenen Touren/Ausflügen)


    bushcraftportal.net/gallery/index.php?image/4108/


    Schlauchkanadier Baraka von Gumotex.


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    Die Selbstlenzung.


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    Sitzbank und durchdachte Halterung für die Pumpe etc.


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    Daten.


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    Packmasse.


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    Unterwegs auf der Thur.


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    Auf einem kleinen See.

  • Freut mich das Du Spass mit Deinem neuen Schaluchboot hast!
    Ich bin gut 20 Jahre mir einem Metzeler Indio S unterwegs gewesen (gibt es nicht mehr, mittlerweile von Grabner), habe all die Vor- und Nachteile kennen, hassen und lieben gelernt, die Du beschrieben hast. Es hat immer Spass gemacht.
    Die Gumotex-Boote sind vom Preis-Leistungs-Verhältniss sicher gut für leichte, bequeme, erlebnisreiche Touren mit Kind, sicher nicht "expeditionstauglich".
    Das sage ich, weil ich mittlerweile schon zwei mal auch in genau Deinem Boot mit war (zwei unterschiedliche Boote) und wir mußten fast täglich nachpumpen. Es gab keine Lecks, einfach nur das Material. Also immer die Pumpe dabei haben. Das ist bei meinem Metzeler nie gewesen, auch nicht nach 20 Jahren.


    Aber ganz wichtig: das beste Boot ist das mit dem man raus geht und Spass hat !! :-)
    Ich selbst habe mir gerade dieses Jahr ein neues Ally zugelegt. Weils leichter ist und sogar ein kleineres Packmass hat (letzteres gilt nur für das Solo).
    Bin also gerade vom Schlauchboot auf Faltboot gewechselt - mal sehen ob auch das 20 Jahre durchhält (aber da habe ich eher wegen mir Bedenken).


    Noch mal: Viel Spass bei Euren Touren.
    Ich finde es super das Du Deinem Sohn die Natur so nahe bringst (Du hast ja schon einiges berichtet) !!
    :paddel

    Top Ausrüstung folgt nur EINEM Kriterium: "reduced to the max"

  • Unterwegs auf der Thur.

    Da hättest du aber schon noch schnell anrufen können vorher, wenn du fast bei mir vorbei fährst. ;)
    Vielleicht kann man die auch mit Doppelpaddel fahren, dann macht sich vielleicht das "Problem" mit dem Paddelschlag der nicht nah am Körper ausgeführt werden kann nicht so bemerkbar.


    Mit diesem Boot bist du nach meiner Einschätzung auf der sicheren Seite und das erhöht den Spassfaktor wesentlich.
    Beim Wildwasserkurs in Italien war einer dabei der kaum in ein Kehrwasser fahren konnte. Der war aber mit so einem Gumotex die Salza runter gefahren. Seinen Angaben zufolge ohne Probleme.


    Wie funktioniert eigentlich Selbstlenzung?


    Liebe Grüsse
    draussen :paddel

  • Vielleicht kann man die auch mit Doppelpaddel fahren,


    Das Boot läßt sich sehr gut mit Doppelpaddel fahren. Da es über die ganze Länge die gleiche Breite hat, ist die Sitzposition dsbzgl. egal. Alleine, ca. in der Mitte sitzend, habe ich sehr gute Erfahrung mit einer Paddellänge von 2,40m. Da kommt man ganz bequem in die Kehrwasser. 2,10m geht gerade noch. Kürzer sollte es nicht sein.
    So fahre ich auch mein Ally (und ernte damit meist entsetze Blicke).
    :)

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  • Ich finde es super das Du Deinem Sohn die Natur so nahe bringst (Du hast ja schon einiges berichtet) !!
    :paddel


    Danke für die Blumen, und ja, ich versuche so viel wie möglich meinem Sohn Outdoor-Aktivitäten nahezubringen. Darum zu diesem Zeitpunkt auch kein Faltkanadier damit man das Boot auch als Badeplattform (besser) nutzen kann.


    ...wir mußten fast täglich nachpumpen.


    Die geschilderte Problematik mit dem Luftverlust konnte ich (noch) nicht feststellen. Auf den Bildern 1-3 hat das Boot übrigens zu wenig Luft, damals hatte ich noch keinen Manometer.


    Wie funktioniert eigentlich Selbstlenzung?


    Man platziert die Lenzöffnung (bei dem Baraka ein Loch mit Schlauch, ca. 15cm Durchmesser, ca. 40cm lang, verschliessbar, bzw. kann nach innen gestülpt werden bei Nichtgebrauch) dort, wo sich das meiste Wasser im Boot sammelt. Diese wurde im Bereich der hinteren Heckaufbiegung angebracht. Wenn die Öffnung oberhalb der Wasserlinie angeordnet ist, kann das Wasser theoretisch ablaufen. Wohl aber nur bei Zug auf einem Fluss. Ähnlich wie bei einem Segelboot, ich hatte als Jugendlicher einen Laser (kleines Segelboot) und dort war es auch so gelöst. Ob es sich wirklich so verhält habe ich noch nicht ausgetestet. Kommt wohl auch auf die Zuladung und Tiefgang an. Vielleicht auch einfach ein gutes Verkaufsargument.


    Das Boot läßt sich sehr gut mit Doppelpaddel fahren.


    Interessante Alternative – muss ich mal austesten.

  • Meines Wissens kommt die "Selbstlenzung" aus dem Raftingbereich,
    dort bewirkt es das diese Boote nicht komplett mit Wasser volllaufen können bzw immer ein Teil abfliessen kann
    in ruhigeren Passagen. Wasser im Boot hat man dann aber trotzdem bis zu einem gewissen Level.
    Ob das überhaupt funktioniert ist auch abhängig von Auftrieb und Beladung.
    Bei meinen beiden Sevys zb kann man das vergessen. Zumindest ich.
    Als mal ein Freund mit dem kleinen Sevy Kcc 335 (er wiegt nur etwa 75 KG) gepaddelt ist lagen die "Lenzlöcher" tatsächlich
    über dem Wasserniveau. Bei mir (100-105 kg) liegen sie unterhalb der Wasserlinie, und da ich normal mit Gepäck fahre kann
    man es gleich ganz vergessen.
    (weshalb ich die bei mir geschlossen lasse )
    Ich selbst nutzte diese "Löcher" eigentlich nur um an Land schnell Wasser aus dem Boot zu kippen, weil,
    und da kommen wir zu dem anderen Punkt,
    man sich bei Luftbooten immer Wasser ins Boot schaufelt, selbst auf spiegelglatten Feuerwehrteichen...


    ...Wurde auch schon gesagt oben, ein (Doppel) Paddel sollte mindestens 220 besser 240cm lang sein.
    Die Schlauchkanus sind (bis auf wenige teure Ausnahmen(!)) sehr breit.
    90cm bis 100cm in der Breite sind normal, dazu kommt die relativ hohe Sitzposition, oder anders:
    umso kürzer das Paddel ist umso steiler muss man das Paddel durch das Wasser führen was zwangsläufig Wasser ins Boot schaufelt.
    Auch das macht das paddeln in so einem Schlauchi um einiges anstrengender.


    Aber wenn man nicht auf "der Flucht" ist , ist das egal... ich hab ja auch ein sehr schnelles Plasteboot,
    die Schlauchis sind langsamer aber auch viiiiiel gutmütiger.
    Wenn einem 3-4km in der Stunde (inkl Flusströmung) reichen, und auch da kann man mit Sitzfleisch große Strecken schaffen,
    ist alles super.
    Da kann man dann auch mal quer übers Boot klettern auf der Suche nach der Kamera, einem Snack oder Bier...
    dinge die in meinem Seekajak zb nicht möglich sind...


    Bin ein großer Fan der Schlauchkajaks ! Kleine (möglichst nicht zu träge) Flüsse , liegen sie ganz klar vorn...
    andere Boote mögen schneller sein, aber grad so für "Ich will was sehen vom FLuss" Typen ist das echt gut.
    Vorallem sind die oft ware Containerschiffe... also was man da so zuladen kann XD XD .
    EIn "richtiger" Kanadier wäre noch nen Tick besser, aber da hat man wieder das Transportproblem...


    edit: und sie sind wortwörtlich arschbequem... weshalb ich die liebevoll luftsofa nenne.
    häufig war ich ohne Pausen bis zu 10h im Boot, etwas was zb in dem engen Seekajak eine Tortur wäre.


    Wollen wir vielleicht mal ne kleine Tour machen?
    Das schliesst ja Bushcraft nicht zwingend aus... im Gegenteil. :paddel


    (ich hätte bis zu 3 Boote, 2 Luftis und das Seekajak, kann also je nach FLuss auch etwas verborgen)



    ===


    hier zb die Tour auf der Saale 2011 mit dem Sevylor K2 (untere Preisklasse mit circa 650.- / Qualität) ,
    die Grabner oder Gummotexboote sind da noch einen Tick besser,
    trotzdem Klasse Sache und aufgrund von Niedrigwasser und Kiesbänken im ersten Drittel mit einem Faltkajak bzw "Fest" Kajak so nicht machbar,
    bzw dann umständlich... wenn man aller 20-30 Minuten aus dem Boot muss geht das einfach bei nem Schlauchi oder Kanadier einiges besser.


    http://www.outdoorseiten.net/f…tadt-Naumburg-circa-105km


    Die Strecke ist aber recht schön... bis auf die unzähligen alten Wehre. :haue

  • Kann den Aussagen von Krupp fast voll zustimmen.
    realtree, mit dem Boot hast Du garantiert nix falsch gemacht. Es ist ein super Allrounder. Klar ist es windanfälliger, träger, schlechter steuerbar, ... als ein vergleichbares Faltboot oder Festboot. War selbst sehr im Clinch mit mir selbst ob ich mir ein Grabner XR Trecking (ist im Prinzip das gleiche wie Deins nur bzgl. Material und einigen Kleinigkeiten höher wertiger) oder eben mein Ally kaufe.


    Mit dem Schlauchi kannste überall "durchdotzen", selbst durch leichte Verblockung, auch wenn Du weniger Erfahrung auf dem Wasser hast. Das wiegt für Fahrten mit "Kind und Kegel" alle Nachteile auf. Und die Robustheit ist ohnehin unvergleichlich. Ich hatte bei meinem Metzeler Indio S nie ein Leck. War immer wieder Erstaunt was das Ding für Steine und Grundberührung ausgehalten hat.
    (Gerade Augen zu und Erinnerung an Inarisee und Fahrt bis nach Kirkenes)


    Mit nem Faltboot oder Festboot mußt Du schon viel besser fahren und steuern können. Ich bin jetzt sicher kein Profi, denke aber das ich einige Erfahrung habe, trotzdem fehlt mir, wenn ich mit Faltkanu oder Kajak unterwegs bin die Gutmütigkeit und Robustheit des Schlauchis. Umgekehrt, mit dem Schlauchi fehlt mir die Steuerbarkeit und der mögliche Groove durch die Wellen.


    Es gibt hier also kein Besser oder Schlechter, es ist einfach immer ein Anderes Fahren.
    Wenn ich mit Kind unterwegs wäre und trotzdem auch mal nen etwas "wilderen" Fluß nehmen würde, wäre eine Schlauchi auf jeden Fall die allerwerste Wahl.
    Da ginge Sicherheit natürlich über alles!


    So, genug geschwafelt.
    :winken

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  • Wollen wir vielleicht mal ne kleine Tour machen?

    Bin ich immer dabei - falls ich nicht 500km oder mehr anfahren muss ... Und ja, ich denke dies lässt sich sehr gut mit dem Thema Bushcraft verbinden. Gerade Juli/August hätte ich noch viel Zeit. Wer hat Interesse?