Löwenzahn Kaffee

  • Hallo Leute !


    Ich hab in den letzten Tagen mal wieder etwas mehr mit den gängigen Wildkräutern rumgespielt und möchte euch nun an den gesammelten Erfahrungen teilhaben lassen.
    [lexicon]Eichelkaffee[/lexicon] ist ja hier schon großzügig dokumentiert worden, hat aber den Nachteil dass Eicheln saisonal begrenzt sind. Und wie es der Zufall will hab ich beim recherchieren im Netz gelesen dass man wohl auch mit Löwenzahnwurzeln Kaffeeersatz herstellen kann. Also bin ich gleich los und hab mir mal ein Säckchen zusammen gesucht. Ich dachte zuerst ":Super Löwenzahn! Da hast du ja in fünf Minuten drei kilo zusammen!" Aber als ich mir dann mein Grabstöckchen zurechtgeschnitzt hatte musste ich ich schnell feststellen dass man ohne Schaufel Löwenzahnwurzeln besser nur in lockeren Böden ausgräbt. Also mein Tipp ": Auf weichen Untergrund achten und lieber nur die großen Pflanzen ernten, sonst gräbt man wie bekloppt und bricht am ende doch noch die Wurzel ab." Am besten wäre natürlich ein stabiler Spaten. Nach ein paar Kilo Erdreich hatte ich dann doch ein paar Gramm Wurzeln zusammen.
    Ihr könnt mir glauben die Spaziergänger haben was zu Gucken wenn da einer am Wegrand hockt und bis an die Ellbogen verdreckt mit einem Stock und beiden Händen im Boden wühlt :pille . Der Punkt geht also klar an die Eicheln.




    Hier sieht man die magere ausbeute. Löwenzahn gibt es zwar wie Sand am Meer aber die Wurzeln am Stück aus dem Boden zu bekommen ist echt eine Kunst für sich.






    Hier sind die Wurzeln dann gewaschen und gehäutet. Zum vergleich hab ich an der einen unten die Haut dran gelassen. Die "Haut" muss man nicht zwangsläufig abziehen, geht aber beim abbürsten meistens von alleine ab und so werden die Wurzeln wenigstens richtig sauber. Zum reinigen empfiehlt sich eine Bürste, es geht aber auch in dem man einfach mit den Fingern drüber rubbelt.





    Nach dem reinigen wird das Ganze zerkleinert und bei möglichst schwacher Hitze und ständigem umrühren geröstet. Wer auf Nummer sicher gehen will kann die Stücke auch auf einem Backblech bei hoher Temperatur, Umluft und leicht geöffneter Ofentür in den Backofen geben.




    Hier erkennt man schon dass ich es mit der Temperatur etwas übertrieben hab. Auch wäre eine Beschichtete Pfanne besser gewesen. Aber ich wollte es halt mit dem Campinggeschirr probieren. Auf einem Feuer oder einem Kocher stelle ich mir die Prozedur sehr schwierig vor dar schon die kleinste Stufe am Herd zu heiß gewesen ist. Ein Problem was hier auch auffällt ist dass man die Stücke nie genau gleich groß geschnitten bekommt, so dass die kleineren schon schwarz werden wenn die großen noch nicht durchgeröstet sind. Auch hier geht der Punkt wieder an die Eicheln, die sind ja von Natur aus schon ziemlich "genormt".




    Aus Mangel an geeigneten Werkzeugen hab ich die fertig gerösteten Stückchen dann mit der Suppenkelle zerstampft. Draußen hätte ich sie entweder mit einem Stein zermalen oder in ein Tuch eingeschlagen und zerstampft. Ist schon erstaunlich wie wenig am Ende von dem hart erkämpften Wurzeln übrig bleibt.




    Und zu guter letzt das "Endprodukt" - Vollendet veredelter Spitzenkaffee. ;)
    Ich muss sagen , geschmacklich kommt es schon recht nahe an echten Kaffee heran, eher noch als zum Beispiel Karokaffee auf jeden fall geniessbar. Ein Teelöffel Pulver reicht für eine Tasse vollkommen aus, sonst wird es zu bitter. Ich habs dann auch nochmal mit Zucker und Milch probiert, mit dem Ergebnis dass Zucker für den Geschmack ganz gut ist allerdings Milch so gar nicht reinpassen will. Nun zum Schluss bleibt noch zu erwähnen dass das Gebräu sehr gesund für Magen,Darm,Leber,Nieren und Galle seien soll, also ein wahres allround Talent was man ja von Bohnenkaffee nicht sagen kann. Ich verköstige das Zeug jetzt seid drei Tagen und mir ist aufgefallen dass es ähnlich wie echter Kaffee belebend wirkt. Woran das liegt weiß ich allerdings nicht , Koffein ist ja keins drinne, könnte ein Plazeboeffekt sein. Zudem sollte man wissen dass Löwenzahn Kaffee leicht abführend wirkt ; nicht so dass man binnen Minuten vom Kackreiz überwältigt wird aber man kann bestimmt noch am gleichen Tag ein schönes Häufchen machen!
    In dem Sinne wünsch ich viel Spaß beim selber ausprobieren und hol mir jetzt noch nen Kaffee. MfG Holger :cafe





  • Coole Sache Skuzzlebud :daumen


    Löwenzahnkaffee hab ich noch nicht ausprobiert, lediglich die Wurzeln so gegessen. Du kannst das Anbrennen der Stückchen verhindern, wenn Du draußen ein kleines Pfännchen oder einen großen Becher (Canteen Cup o.ä.) benutzt und immer über den Flammen hin und her schwenkst. Ist eine Heidenarbeit, aber beim Umrühren nimmt man nie alle Stückchen auf einmal mit. So habe ich mehrfach schon grüne Kaffeebohnen verbrannt. Mit der "Schüttel-Schwenk-Schmeiss-Methode" funktionierts hingegen ganz gut, zumal man dann auch schnell das Gefäß mal vom Feuer genommen hat wenns zu warm wird.


    Danke für die tolle Anleitung,


    liebe Grüße
    Stefan

  • ... endlich mal eine adequate "Bauanleitung" für´n Löwenzahn - Kaffee! Auch wunderbar bebildert. Klasse!!!!
    Ich hab´s auch schon ausprobiert, aber bei mir war´s eher ´n schlechter Tee.


    Na, dann werde ich mich auch noch mal ranmachen und es erneut ausprobieren.


    Danke!


    Grüße
    Gunnar

  • Hab ich auch schon getestet, aber brauch ich nicht wieder! Das zeug hat dermaßen Bitter geschmeckt das sich bei mir alles zusammen gezogen hat!


    Deine Anleitung ist dagegen Super !


    Danke dafür!


    TJ

  • Hab ich auch schon getestet, aber brauch ich nicht wieder! Das zeug hat dermaßen Bitter geschmeckt das sich bei mir alles zusammen gezogen hat!


    Wann hast Du die Wurzeln denn gesammelt? Man sollte Löwenzahnwurzeln nur im Frühjahr verwenden, dann sind sie noch nicht so bitter. Ich habe mal gekochte "Sommerwurzeln" gegessen... Bääääähh.... Vielleicht - wäre mal ein Versuch wert - kann man der Bitterkeit auch entgegenwirken wie beim Eichelkaffee: Die zerschnittenen Wurzeln längere Zeit auslaugen oder kochen. Aber das ist nur ins blaue geschossen weil ich es mit Löwenzahn noch nicht ausprobiert hab.

  • @ Stefan


    ....ja, das wird der Fehler gewesen sein. Im letzten Jahr im August war ich mit einem Kumpel auf dessen Streuobstwiese für ein paar Tage zum bushcraften drausen. Auf der besagten Wiese wurden die Wurzeln gesammelt und übern Lagerfeuer geröstet. :hobo
    Das Ergebnis war eine sehr bittere, dunkle Brühe der man den Namen Kaffee auf keinen Fall geben konnte. :cafe


    Gruß


    Trapper John

  • Ich hab auch ein Stück geröstete Wurzel so probiert, und die hat natürlich auch einfach nur fies geschmeckt. Schon mal einer Bohnenkaffee Pulver so probiert? Schmeckt auch scheisse. Meiner Meinung nach ist die "Stärke " des Kaffee`s ausschlaggebend dafür ob es einfach nur extrem bitter oder noch bekömmlich schmeckt. Das Kraut ist überraschend stark , das soll heißen dass schon ein Teelöffel auf eine Tasse kochendes Wasser ausreicht um einen tiefschwarzen Sud zu erzeugen. Aber mit ca. einem Teelöffel auf eine Tasse finde ich die Sache noch ganz OK.
    Ist natürlich auch Geschmackssache, der eine kann eher mit bitter oder scharf umgehen als der andere. Wobei ich gestehen muss dass ich geschmackstechnisch wohl eher zu den schmerzfreien Leuten gehöre.


  • Sorry, daß ich mich den alten Thread wieder aufwärme. Ich habe das im Mai gemacht und der Kaffee schmeckte sehr gut. Vom Geruch reden wir jetzt lieber nicht :D

  • Da ich mit Unkrautjäten dran bin, werde ich den Löwenzahn nun nicht wegwerfen, sondern die Wurzeln nutzen. Ich habe das Glück, das ich so einen "Ausstecher" dafür habe. Mal sehen ob ich daraus mittels der sehr guten Anleitung oben ein wenig Kaffee machen kann. Danke jetzt von mir auch dafür :)


    LG Sel


    Ach so.... Das war einmal ;) :


    Meine Grundsätze:
    ...Gerne darfs ein Kilo mehr sein bei der Ausrüstung...
    ...Je älter die Techniken, desto mehr mußten sie sich bewähren...
    ...Sehr viel kann man selber bauen, man muß nicht immer alles kaufen...

    (auf Grund meiner starken Sehbehinderung bitte ich das häufige Editieren meiner Beiträge zu entschuldigen)

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