MYOG Rucksack

  • Hallo Hallo !
    Nun wie soll ich anfangen, es war der erste Mai und ich war mit ein paar Compadres ; ja nennen wir es Alibiwandern :drunk . In folge dessen habe ich mich über den Tag hinweg näher mit einer Flasche hochprozentigen befasst und wie wir alle wissen ist Alkohol ja sehr lecker aber macht einen nicht unbedingt schlauer. Auf dem Heimweg mit dem Bus ist mir dann auch irgendwann eingefallen dass ich an der Bushaltestelle noch im besitz
    eines Rucksacks war. Nun zum zurückfahren war es zu späht und beim Fundbüro hat natürlich auch keiner was abgegeben. Tja - Der Herr hats gegeben und der Herr hats genommen. Ich wünsche auf diesem Wege dem neuen "Besitzer" viel Spaß damit, vor allem weil noch Abrechnungen von mir drin waren auf denen mein Name und meine Adresse steht :haue .
    Also lange rede kurzer Sinn ich musste einen neuen Rucksack haben, und weil mich in letzter Zeit eine gewisse "Selbermachwut" erfasst hat, hab ich die Nähmaschine wieder aus der Rümpelkammer geholt und mich sogleich ans Reißbrett begeben. Der von mir angepeilte Rucksack sollte EDC fähig sein aber auch für kurze Ausflüge oder einen kleinen Einkauf herhalten, deshalb so zwischen 25 und 35 Litern Fassungsvermögen haben und dabei noch reichlich Möglichkeiten sperrige Ausrüstung außen anzubringen. Inspiriert haben mich dabei Modelle wie der Karrimor Predator und der Berghaus Munro.
    Um es vorab klar zu stellen lohnen tut sich ein Eigenbau eigentlich nicht. Ein bisschen Material wie die Alustangen, die alte Isomatte, ein paar Schnallen und das Nähgarn hatte ich noch, trotzdem ist man kostentechnisch mit allem drum und dran schnell bei ca. 50 Euronen ; Zumindest wenn man gutes Material verbaut. Wenn man da noch die Arbeit und den Frust den man als Anfänger hat wenn man mal wieder was falsch gemacht hat einrechnet sollte man sich doch gut überlegen ob man nicht lieber ins Geschäft geht und sich da was fertiges kauft. Ich muss allerdings dazu sagen dass ich gerne selbermache einfach um der Erfahrung willen. Wenn man wie ich so einen Rucksack selbst gebastelt hat und kosten und arbeit überblickt dann macht man sich schon seine Gedanken wie Müll-Tec es schaffen kann so ein Ding für 19,90 auf den Markt zu schmeißen.


    Ich konnte natürlich nicht den ganzen Fertigungsablauf mit der Kamera festhalten dafür war das ganze doch etwas zu komplex aber weil Fotos besser sind als jede Erklärung hab ich auch eine Menge davon gemacht.





    Das Material ist 600D Polyester, mit der menge von 100 mal 140cm bin ich gut hingekommen. Hier sieht man den Schnitt, ein Paar Teile sind hinterher noch dabei gekommen wie z.B. der doppelte Boden. Ich habe natürlich eine Skizze mit den wichtigsten Maßen angefertigt aber im großen und ganzen hab ich das Meiste aus dem Kopf / Bauch heraus gemacht was aufgrund meiner Unwissenheit auf diesem Gebiet - (Einen Rucksack baut man ja nicht jeden Tag) - auch zu dem einen oder anderen Fehler geführt hat. Um mir Arbeit zu sparen hab ich Rücken ,Boden und Front aus einem Stück gefertigt.





    Als erstes habe ich die Träger vernäht, dazu hab ich das Polstermaterial ( 3mm starkes Netzgewebe ) doppelt gelegt ,mit dem Oberstoff Gutseite nach innen vernäht und anschließend das Ganze umgekrempelt. Das umkrempeln war schon nicht so einfach, für das letzte Stück musste ich mit einem Stock nachschieben. Zum Schluss hab ich noch die Gurtbänder auf die Träger genäht und dabei ist mir auch der erste kleine Fehler unterlaufen - Die Gurtbänder hätte ich ein Stück hinten überstehen lassen sollen um sie später mit am Rucksack vernähen zu können, halten tuts auch so wäre aber besser gewesen.





    Als nächstes hab ich die Aluschienen auf Maß gesägt, vorgebogen und zusammen mit den dafür vorgesehenen Kanälen an der Innenseite des späteren Rücken angenäht.






    Danach waren die Rückenpolster an der reihe, dafür hab ich eine alte und extrem hässliche Isomatte geschlachtet, auf dem ersten Bild sind die Teile noch zu breit , das hab ich später nochmal etwas angepasst. Einfach an drei seiten das Netzmaterial aufgenäht, das Polster rein geschoben und anschließend zugenäht. Auch hier hätte man geschickter vorgehen können indem man die Alustangen auf die gleiche länge wie die Polster geschnitten hätte. So musste ich beim annähen des Polsters oben und unten ein Stück offen lassen um den Schinenkanal nicht zuzunähen.Fällt aber nicht auf.





    Danach kam der Deckel, hier hab ich es leider verbummelt viele Bilder zu machen aber ich denke die Arbeitsschritte sind auch so nachzuvollziehen. Die Reißverschlusstasche besteht aus 180D Nylon. Von dem hab ich natürlich eine Meng über behalten weil die Mindestbestellmenge 1m mal 1,4m war, ich schätze ein halber Meter hätte auch ausgereicht.




    Hier hab ich die Träger angenäht, normalerweise werden Träger zwischen einem Stück Gurtband und dem Rücken vernäht, ich hab sie jetzt
    einfach so am Rücken festgenäht allerdings mit doppeltem Stoff in der Innenseite. Ich hab natürlich gleich ein paar Belastungstest gemacht um sicherzugehen das alles hält. Hier ist es besonders wichtig so sorgfältig wie nur irgend möglich zu arbeiten damit die Träger auch absolut gleichmäßig angebracht werden. Nebenbei hab ich hier auch gleich die nächste Dummheit begangen indem ich die Kanäle der Aluschienen mit zugenäht habe, dass erschien mir erst als unwichtig, ich musste aber am ende feststellen das ich den fertigen Rucksack so nicht umkrempel konnte. Nun ja, so hab ich halt zwei kleine Schlitze schneiden müssen durch die ich die Stangen rein und raus schieben kann.Sind ja an der Innenseite wo das keiner sieht.



    Weil noch viel von dem dünnen Nylonstoff über war hab ich auch noch eine Innentasche angebracht.




    Hier sieht man den schon gedoppelten Boden,den Deckel, die ersten Packriemen und den Bauchgurt.




    Eines der Seitenteile mit der offenen Stecktasche, das vernähen des Gummibandes erwies sich hier als recht kniffelig.




    Dann kam das anzeichnen und annähen der Gurtbänder, wohlgemerkt eine der zeitintensivsten arbeiten von allen. Bei der länge der gurte hab ich etwas übertrieben , ich wollte halt lieber zu viel als zu wenig , abschneiden kann man ja immer noch. Insgesamt müssten es sage und schreibe zwischen sechs und sieben Meter Gurtband gewesen sein.




    Nun konnte ich endlich zum langersehnten endspurt ansetzen, nur noch die Seitenteile annähen und fertig! Aber sch"§§$%& ist. Auf den letzten Metern hat dann meine Nähmaschine angefangen Faxen zu machen, in der alten Maschine ist irgendwo der der Kobold drin. Als ich dass dann im Griff hatte war ich so gestresst dass ich auch gleich mal eine Seite verkehrtherum zusammengenäht habe. Wenn es so anfängt dann hilft nur noch alles zusammenpacken und Feierabend machen. Noch ein kleiner Tipp falls wirklich einer verrückt genug ist sich sowas auch mal anzufangen -Immer unten mit dem vernähen der Teile beginnen, wenn oben was zu kurz ist kann man die anderen Seiten leicht anpassen, wenn unten ein Zentimeter fehlt kann man das schlecht kompensieren.




    Am nächsten Tag war dann auch alles wieder entspannt und ich konnte ohne Probleme mein Werk vollenden. Das letzte Teil war dann die Schneeschürze mit dem Kordelzug.





    Endlich fertig :dance !! Hab den Rucksack hier einfach mal mit ein Paar Kissen ausgestopft. Ist vielleicht ein klein wenig zu groß geraten, aber besser zu groß als zu klein und Kompressionsriemen sind ja wahrlich genug dran. Und der Katze gefällts auch.







    Ich hab dann direkt mal so ein bisschen Gerödel zusammengesucht und das Gute stück bis aufs äußerste vollgestopft. Für ein bis zwei Übernachtungen im Sommer dürfte es locker schicken. Mit dem hier abgebildeten Zeugs bin ich auf neun Kilo gekommen wovon 1,15 Kilo auf den Rucksack gehen. Ich hatte noch keine Gelegenheit zum großen testen aber ich denke bis max 12 Kilo lässt sich der Rucksack einigermaßen bequem tragen, mehr wird man auch in so einen kleinen Rucksack nicht rein bekommen.


    So ich hoffe ich konnte hiermit den ein oder anderen einblick in die Herstellung eines/meines Rucksack´s geben, falls noch wer fragen hat stehe ich natürlich gerne zur Verfügung.
    MfG Holger

  • Wenn man wie ich so einen Rucksack selbst gebastelt hat und kosten und arbeit überblickt dann macht man sich schon seine Gedanken wie Müll-Tec es schaffen kann so ein Ding für 19,90 auf den Markt zu schmeißen.

    Ich glaube nicht, das Mil-Tec Handarbeit ist. Also wieder ein sinnloser Seitenhieb.


    Ansonsten RESPEKT, gut geworden

  • Alter, das ist ja mal geil! (:


    Einer, der einer guten Flasche billigen Alkohol nicht abgeneigt ist, und ausserdem krampfhaft Zeugs selber basteln muss, (edit: UND auf southpark steht!) ist mir auf Anhieb sehr sympatisch! (:


    Und dein Rucksack ist voll toll geworden! Sieht sehr praktisch aus. Abgesehen davon find ich das ein sehr mutiges Projekt.. das trau ich mir nicht zu. Ich habe vor ner Woche aus Armee-Planen eine art Western-Mantel-Teil genäht, ohne näherfahrung. Kam überraschend gut.. aber ein Rucksack, das ist anderes Kaliber.

  • Hey Bud,


    das Ding ist super geworden, meinen allergrößten Respekt! Würde evtl. noch nen Brustgurt addieren.


    @ Zausel: Ich glaube nicht, dass Sturm für seine Mil-Tec-Rucksäcke Rucksacknährobotermaschinen einsetzt sondern eher Handarbeit aus Fernost... ;)

  • Top gemacht!
    Sicher ist kaufen oft billiger als selber machen, dafür ist selber machen oft viel besser und haltbarer.
    Beispiel: habe mir vor ca. 20 Jahren ein paar Trageriemen für eine heute nicht mehr erhältliche FjällRaven-Kraxe selbst genäht (par Hand, nicht mit der Maschine). Die leben heute noch fast ohne Verschleiss mit Top Polsterung. Die gekauften Originalen waren nach 2 Jahren durch und haben an den Schultern gescheuert wie Sau!
    Also weiter so bei DER Qualität !!

    Top Ausrüstung folgt nur EINEM Kriterium: "reduced to the max"