Test in der Südeifel

  • Es war endlich soweit, die selbstgemachte Ausrüstung sollte zwei Nächte/drei Tage erprobt werden. Mit einer organisierten bzw. gebuchten Organisation. Blöderweise fiel der Termin auf die Eisheiligen, also vom 10. bis 12. Mai 2013. Ich hatte einen einfachen Sommerschlafsack (600g) dabei, eine österreichische Armee-Isomatte, als Nässeschutz einen 120 Liter-Müllsack, ein altes Bettlaken, selbst mit Grönlandwachs imprägniert. Als Kochset dienen mir eine IKEA-Servierschüssel mit gebohrten Löchern, um an ein Ast-Dreibein mit Lederschnüren und drei Büroklammern (wegen den Flammen) über dem selbstgebauten Spiritus-Dosenkocher zu schweben, von doppelt gelegter Alufolie als Windschutz abgeschirmt. Der Topfdeckel ist aus Alublech selbstgedengelt. Was soll ich sagen, der Kocher hat super funktioniert :hobo , wenn auch mit etwas wenig Power. Ich werde einen neuen bauen, da der Grund die zu großen Löcher sind, aus denen das Spiritus-Gas unter Druck entweichen sollte.
    Den Schlafsack zwischen Isomatte und dem Wachs-Laken gelegt, ging es in die erste Nacht. Die war um etwa 3:00 Uhr vorüber, da ich vor Kälte zitternd aufgewacht war und ans Einschlafen nicht mehr zu denken. Das Laken hält zwar wie geplant den Morgentau ab (im Wald bildet sich weniger davon, reicht also aus), nur wärmen tut es absolut nicht. Ich hatte mich einfach nur mit langer Unterwäsche in den Schlafsack gelegt. Ganz früh am Morgen gabs zwei Pötte Kaffee und starken Ingwer-Tee.
    Die zweite Nacht sollte deutlich kälter werden, ich hatte richtig Bammel davor, da mußten weitere Maßnahmen her. Also zusätzlich noch ein Poncho-Tarp gebaut gegen den Wind, mit der gesamten Tour-Oberbekleidung in den Schlafsack. Das war wunderbar warm. Bis 2:00 Uhr. Arschkalt wars dann. Die Blase drückte auch, so wickelte ich mich aus den Sachen, setzte die Strirnlampe mit Rotfilter auf und suchte den Pinkelbaum. Und fand ihn nicht. Also fand das Geschäft irgendwo statt :schäm . Und wo, bitteschön, war jetzt das Camp :confused ? Dumm nur, daß ich mich am Abend auf dem Gelände umgeschaut hatte und genau wußte, daß es da irgendwo einen Abhang hinuntergeht. So geschätzte 5 Meter tiefer lag da ein Weg, der direkt zum Camp führt, doch ich wollte mir eigentlich nur ungern in stockfinsterer Nacht die Knochen kaputthauen. Irgendwann stolperte ich dann wieder in den Schlafsack. Zum Glück, denn ein heftiger Regenguß von knapp zwei Stunden Dauer setzte ein. Sauber, an Schlaf war nicht mehr zu denken. Ich sehnte mich nach dem Morgen, und dann gabs auch wieder das gewohnte "Aufwärmtrio". Fazit: Ein leichter Dreijahreszeitenschlafsack hält nicht das, was er verspricht. Jedenfalls nicht dann, wenn er zu leicht ist. Aus Sicherheitsgründen empfehle ich unbedingt einen Poncho als Wetterschutz, das Laken hätte den Regenguß niemals abgehalten. Eine bessere Nässeschutzunterlage tut auch not, da der Müllsack etwas zu rutschig ist. Die Ausrüstung transportiere ich mit einer abgespeckten NVA-Sturmgepäcktasche (alle Metallteile abeflext) und einem kleinen Fahrradrucksack - die Iso-Matte kommt in den Helmhalter und daran werden Topf und Schlafsack mit Lederschnüren festgebunden. Der Spiritus gluckert in einer PET-Bierflasche vor sich hin, um die der Alufolien-Windschutz gewickelt ist.
    Da ich eine masochistische Ader habe, freue ich mich auf den nächsten Einsatz.

  • Ach ja, gegessen habe ich auch was selbst hergestelltes. Fruchtleder. Rezeptur siehe dort hier im Forum. Lecker, gut zu transportieren und um neidische Blicke zu ernten. Bloß die Nüsse waren gekauft. Die finden sich eh schlecht im Mai im deutschen Wald. Als Vorspeise des zweiten Abends gab es eine Maggi Instant-Nudelsuppe "Huhn". Wer hat sich DAS ausgedacht??? Genießbar wurde das Zeug durch eine reichliche Gabe selbstgesammelter Platterbse. Sah auch hübsch aus.
    Nachdem die Schuhe ("Lowa") gut durchnäßt waren, die Socken auch, und diese bereits dank ausgiebigen Tragens und Wanderns einen stechend säuerlichen Geruch angenommen haben, war ich bereit für einen Wechsel. Der Schlafsack auch, der nahm nämlich die Duftmarke der Socken an. Meine Ekelgrenze liegt recht hoch - neben Grünzeug aller Art gibt es schon mal Heuschrecken zum Knabbern - aber das war dann doch zuviel. Zeit für die Geheimwaffe: Die trockenen Füße erst in Sealskinz stecken, dann in die nassen Schuhe. Und die Füße bleiben von nun an trocken. Den Tag über trage ich dann die Sealskinz, während die gewaschenen Socken dann zum trocknen außen am Rucksack baumeln. Bei den Sealskinz handelt es sich übrigens um wasserdichte Socken, die gibt es in zwei Längen, bestehen aus zwei Schichten Merino und einer Membran dazwischen. Sind sauteuer, um 50 Euro, und erhältlich in einer dünnen und mittelwarmen Variante. Ich bevorzuge letztere, weils beim Gehen ja auch etwas polstern soll.

  • Sealskinz:
    Ist das erste Mail das ich solche Socken sehe (hab mal gegoogelt).
    Wenn die wasserdicht sind, so im Sommer, steht da doch sicher von innen das Wasser drinne oder?
    Kannst Du was sagen wie die sich tragen?
    Meine Füße schwitzen im Sommer so, dass das bestimmt nicht trocken bleibt?
    Glitscht der Fuß da nicht im Schih rum, bzw. ist die Wolle im Inneren nicht total nass? :confused

    Top Ausrüstung folgt nur EINEM Kriterium: "reduced to the max"

  • Auch ich habe leicht glitschende Füße und habe mit den Spezialsocken wenig Probleme. Die Membran ist atmungsaktiv, es handelt sich also nicht um eine PVC-Folie oder so. Aber: Ich verwende die Dinger immer nur bei kühler Witterung bis etwa 16 Grad plus oder kälter, dann auch den ganzen Tag lang wenn nötig. Ist es wärmer, stören mich nasse Füße in den gewöhnlichen Socken nicht so sehr. Außerdem habe ich nur die wärmere Variante der Seals., wegen der Polsterung. Die gibt es ja auch in einer dünnen Version, aber da muß ich beim Temperaturbereich raten. Ich schätze, daß die dann bis etwa 23 Grad noch trageangenehm sein sollten. Außerdem spielen die Schuhe auch eine große Rolle, meine Lowas haben seitlich Atmungseinsätze. Volllederstiefel sind da ganz sicher ganz anders. Bitte beachte, wenn Du die Spezialsocken nur in der Zeit trägst, die die nassen Wandersocken zum Trocknen brauchen, könntest Du bestimmt auch Abstriche beim Tragekomfort machen. Denn je wärmer es ist, desto schneller trocknen sie. Bei Bedarf wechsle ich die Socken auch hin und her.
    Jedenfalls ist mir noch nicht aufgefallen, daß in den Seals. das Wasser steht, woher auch immer. Bloß solltest Du immer mit trockenen Füßen da reinsteigen und nicht erst darauf warten, daß sie darin trocknen. Wenn man naßgeregnet ist und zieht dann erst die Regenjacke an, wird man ja auch nicht gerade schnell trocken.