4-Tages-Tour Soonwaldsteig

  • unser running-gag von Christi Himmelfahrt bis Sonntag:
    "...das ist ein STEIG... kein Weg!"




    Unser Gewaltmarsch über den Soonwaldsteig
    http://www.soonwaldsteig.de/


    Zu dritt auf dem Soonwaldsteig, Beginn Vatertag. ...
    Was ist hier los? Die vorgenommene (offizielle) 2. Etappe lief im Kreis um Keltensiedlung (zum Messerschmied dort an anderer Stelle) und alte
    Schmittburg-Ruine herum in ein romantisches Bachtal, wo die Strecke wiederum auf eine Höhe führte, die nach ca. 6 km gerade mal 1 km vom
    Startpunkt weg lag.
    Wer überlegt sich sowas?




    Fazit: rechts abbiegen ins Dorf, Wirt suchen, Vatertag aufholen, beim Wirt im Garten Biwak aufschlagen. Kater-Frühstück gab's
    am nächsten Morgen auch. Ca. 7 km aufzuholen schon von der ersten Teilstrecke!


    Die 7 km sind 250 HM hoch und wieder runter an den Simmerbach - geschafft am frühen Vormittag.


    Die anschließende 14 km Etappe stand im kleinen Führer drin mit "Anspruch: "mittel" und führte uns direkt in zu überwindende 300 Höhenmeter mit vollwertigem Alpin-Anspruch über fast gänzlich unbefestigte Felsenpfade zum Koppenstein. Dann wieder 150 runter und wieder 200 HM rauf
    Wasser war schnell verbraucht, schnell im Bach nachgefasst und Micropur rein. Keine einzige Stelle mit Trinkwasser am gesamten Steig - gleich vorweg.


    Aber entlohnt wurden wir durch den fantastischen Soonwald hier: Verwunschene Buchenwälder, überall bemooster Fels, grasbedeckte
    Birkenwäldchen, perfekte Biwakplätze... das gibt das nächste Ziel für BC... nicht mehr für einen solchen Gewaltmarsch!



    Nach diesen 21 km sind wir platt, suchen eine "Einkehrmöglichkeit", weil wir gefühlte 3 Jägerschnitzel im Bauch vermissen. Wir laufen also 2,5 km zusätzlich bis zu einer "Trifthütte", die aber seit sichtlichen Ewigkeiten nicht mehr geöffnet hat. Wir haben 3 Mal verzweifelt nach einem parallelen Hunsrück-Wanderweg gesucht, der auf der Karte war. Nix zu finden, endete immer im Gestrüpp!
    Uff. Taxi angerufen, in Pension gefahren - hier war nix mehr mit Biwak an dem Abend.


    Nächste Etappe bis Rheinböllen über Ellerspring, Schanzerkopf und Katzenkopf mit permanenten Schauern, vorbei an den "dreibeinigen Herrschern" (Windparks - aber das hat uns so an die Serie erinnert).


    15 km? Lächerlich! Laufen wir doch einfach weiter bis zur Emmerichshütte. Sind ja nur 2 km und 200 HM. Kaffee und Kuchen (und Kölsch), Bedienung unfreundlich? Na, dann laufen wir doch bis zur Lauschhütte im Binger Wald. Sind ja nur noch 6,5 km und nochmal 100 HM.



    An der Lauschhütte einen tollen Abend verbracht bei den Jungs vom Kletterwald. Ach, heute Abend ist noch Blues-Konzert? Und
    Junggesellenabschied am Feuer draußen?!


    "Ja, und Ihr müsst nicht Biwak selbst aufbauen. Wir haben ganz neu aus England Hängezelte zwischen den Bäumen im Kletterwald!"
    Am letzten feien Zelt war der Eingang leicht kaputt, also bekam ich einzeln eine Exped Scout Hammock.




    Mitten in der Nacht Regen wie aus Eimern. Merkwürdige Geräusche? Das Hängezelt, in dem meine Kumpels lagen, riss zuerst
    seitlich komplett am Boden auf. Mein 1. Kumpel lag also schon mit dem Ars... am Boden. Mein 2. Kumpel hatte nicht bemerkt, dass sich bereits
    Wasser in der Kuhle in der Mitte gesammelt hatte, das er mit seiner Kleidung und Schlafsack aber netterweise gänzlich aufgesogen hatte (er
    übernachtete den Rest auf der Veranda des Kassenhäuschens vom Kletterwald...)


    Meine Exped sollte ja halten?! Denkste! Die Jungs haben das Tarpdach auf einer Seite nur mit einem Kletterseil und einfachem Wurf um den Baum befestigt. Das hing mir nach dem Dauerregen peu á peu mehr im Gesicht. Es wurde kälter. Es war der nasse Daunenschlafsack und nasser Hintern. Das Wasser ging direkt vom Tarpdach ins Moskitonetz runter in die Liegekuhle.


    Die Moral von der Geschicht' - trau' keinem fremden Biwak nicht!


    Wir liefen die restlichen 18 km dann schon um halb Acht nach einem Pott Kaffee (Frühstück gab's nicht, hatten noch Trockenwurst für Unterwegs) straight durch bis Bingen, immer wieder Regengüsse - sahen unsere Weinberge (und die Arbeit darin, die da bald kommt)


    Positiv:
    - Soonwald, perfekt für BC
    - wenig Menschen, viel Natur, keine Wege, sondern Pfade
    - neue Schuhe haben sich bewährt (Lowa Renegade) mit Falke TKI und TKII Wool - keinerlei Probleme!
    - ich liebe meinen Poncho!
    - ich liebe meinen alten VauDe Rucksack - eindeutig: Komfort geht vor Gewicht!
    - Man kommt weit, wenn man einfach weiterläuft!
    - hab kaum fotografiert außer Pflanzen zum Bestimmen, Zunder gesammelt usw


    Negativ:
    - Der Steig ist falsch gedacht und geplant (kein Wasser, mangelhafte Karten etc.)
    - größter Fehler, nur den kleinen Steck-Hobo dabei zu haben. 2x war nicht an Feuer zu denken und mit dem Kleinen hab' ich bei Wind nicht mal eine Tatonka-Tasse zum Kochen gebracht (als Gimmick für den Sonntags-Ausflug mit den Kindern ok)
    - muss mein Biwak-Set-up nochmal austesten und überdenken (Poncho ist Poncho und bleibt Poncho), Biwaksack hatte ich zu Hause gelassen, weil Tarp dabei. Aber die Umstände haben das alles nicht so zugelassen.


    Und weil ich schon so früh an Muttertag zu Hause war, fanden da meine Mädels inkl. meiner Mutter so toll, dass ich gleich mitgehen durfte... aufs Niederwalddenkmal!!! ARRGHHH
    Also Rucksack runter, ins Bad und zivil herrichten, den Kerl. Statt Rucksack die 3jährige auf den Rücken und ab auf die Rheingauer Höhen!

    "Fest steht und treu die Wacht, die Wacht am Rhein!!!"

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